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Bonhoeffer, Illegale Theologie, Part III. LAD Rosary
e) Fรผnfter Kurs. Fertigstellung der โNachfolgeโ, Verbot des Seminars und Ende des Bruderhauses
18. Aprilโ11. September 1937
A. VORLESUNG
28. VORLESUNG โGEMEINDEAUFBAU UND GEMEINDEZUCHT IM NEUEN TESTAMENTโ.1 VORLESUNGSTEILE ZUM RAUM DER VERKรNDIGUNG UND ZUM RAUM DER รMTER (MITSCHRIFT)
Der Raum der kirchlichen Verkรผndigung und ihres Bekenntnisses2
Der legitime Raum der christlichen Verkรผndigung ist Synagoge. Mit einer Ausnahme3 predigt Paulus nur in Synagoge. Synagoge in Beziehung zum Tempel keine Kultstรคtte (kein Opfer), sondern Stรคtte der Gesetzeslehre. NT legt Gewicht darauf, daร Verkรผndigung in der Synagoge geschieht. Raum der Verkรผndigung nicht die Straรe, sondern die Synagoge. Christliche Gemeinde will gerade auch in der Frage des รคuรeren Raumes der legitime Nachfolger des alttestamentlichen Volkes sein.4 Pfingsten wartet die Gemeinde im Tempel zu Jerusalem Acta 2,2 3,11 5,12 5,25 Synagoge 9,20 13,5.14 (am Sabbath) 13,42 14,1 17,1โ2 ฮบฮฑฯแฝฐ ฯแฝธ ฮตแผฐฯฮธฯฯ5 Paulus tutโs also regelmรครig. 17,17.19 in Synagoge und auf dem Markt, eine der ganz seltenen Stellen. 17,19 auf Areopag gefรผhrt. 18,4โ8 รbergang von Juden zu Heiden lรคuft parallel mit Abschied von Synagoge und รbergang zu Haus des Krispus. 19,9 und 10. Nach Ablehnung in Synagoge in Privathaus des Tyrannus.6 โRein gehe ich von nun an zu den Heidenโ.7 Solange wird Anspruch auf Synagoge erhoben, bis Widerstand unertrรคglich. Von der Synagoge, deren legitime rรคumliche Erben sie sein wollten, gehen sie erst in Hรคuser der Christen. Einheit mit Israel wurde von Paulus auch im gemeinsamen Gottesdienst gesucht. Acta 13,14.15 20,7. Am Sabbath kommt Paulus. Christliche Gemeinde hรคlt sich wohl auch an jรผdische Form des Gottesdienstes.8
Der Verkรผndiger, der Apostel tut seinen Dienst umsonst, nach dem Gebot Jesu.9 Matth. 10,8 1. Kor. 9,12.15 2. Thess. 3,8. โUmsonst habt ihrโs empfangenโ.10 Auf seiten der Gemeinde entspricht dem die selbstverstรคndliche Gastfreundschaft. โArbeiter seines Lohnes wertโ11, bekommt aber keinen Lohn, sondern nur Nahrung fรผr Tag.12 Paulus legt dem sehr groรes Gewicht bei. รbt selbst Beruf aus. Zeichen der falschen Apostel (2. Kor. 11,7.13 ff Tit. 1,12 1. Petr 513), daร sie ein Geschรคft daraus machen. Paulus rechnet es sich zum Ruhm an, nur Philipperbrief anders.14 Paulus will die Reinheit der Verkรผndigung und ihre Glaubwรผrdigkeit nicht belasten. Glaubwรผrdigkeit immer wieder in Frage gestellt durch Beruf, also monatliches Gehalt. Sagen immer wieder, keine innere Nรถtigung, sondern um des Geldes willen (cf. Kierkegaard).15
Der Gebrauch der Sakramente. Gibt Sakramente, weil Christus in seinem Leib gegenwรคrtig ist. Weil Christi Leib sichtbar, deshalb Sakramente. Joh. 19: Wasser und Blut flieรt aus seiner Seite.16 Seit altersher dieses bezogen auf Taufe und Abendmahl. Aus gekreuzigtem Leib flieรen Wasser und Blut. Beide Sakramente in besonderer Beziehung zum Tod Christi. Rm. 6, Kol. 3 Taufe in Tod Christi hinein 1. Kor. 11 โSooft ihr esset, verkรผndiget des Herrn Todโ.17 Hineingetauft werden in Tod Christi bedeutet eingetaucht werden in Leib Christi. 1. Kor. 12,13 Eph. 4,5 1. Kor. 1,13 Gal. 3,27. 1 Kor. 12,13: Taufe kein opus operatum und vรถllige passio unsererseits.18 Philem. (V. 15 biblischer Beweis fรผr โWiedersehen im Jenseitsโ. Auch 1. Thess. 2,17) V. 16 แผฮฝ ฯฮฑฯฮบฮฏ und แผฮฝ ฮบฯ
ฯฮฏแฟณ19 beides nebeneinander. Nicht mรถglich zu sagen: โIn Christus sind wir einsโ, โaber im gewรถhnlichen Leben sind wir noch getrennt.โ Wenn durch die Taufe ein Leib, dann auch die Beziehungen โim Fleischโ, in den รmtern u. s. w. entscheidend geรคndert. Anspruch der Taufe auch auf das Fleisch. (Steglitzer Synode: Unser Verhรคltnis zu jรผdischen Brรผdern, zu getauften Juden.)20 Taufe konstituiert die Einheit des Leibes Christi, das Abendmahl konstituiert durch wiederholten Gebrauch die Gemeinschaft, die ฮบฮฟฮนฮฝฯฮฝฮฏฮฑ.21 Mit dem empfangenen Leibe Christi wird die ฮบฮฟฮนฮฝฯฮฝฮฏฮฑ des Leibes Christi, also Gemeinschaft der Brรผder empfangen (Sermon von 151922). Die durch Abendmahl konstituierte Gemeinschaft. Die engste Gemeinschaft der Glรคubigen beim Abendmahl. Man gehรถrt sich bedingungslos.23 In Taufe durch einen Geist zu einem Leib. Im Abendmahl durch einen Leib zu einem Geist. Gegenรผber von Christus und Gemeinde hier am deutlichsten.24 Sakrament heiรt sichtbar Teil bekommen am Leib Christi.
Der Raum der รmter und der Charismata25
โLeib Christiโ schlieรt in sich, daร keine Scheidung von Wesen und Erscheinung der Kirche; etwa Predigt und Sakramente Wesen und รmter etc. Erscheinung. Das vom โLeib Christiโ her unmรถglich. Im โLeib Christiโ herrscht das Gesetz des Dienstes, wie der Leib im Dienst gekreuzigt worden. Im Leib Christi bin ich nicht, um etwas fรผr mich zu haben, sondern zu dienen. ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑ [das] entscheidende Wort. Von dem einen ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฯ โChristusโ.26 Neben ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑ die ฮฟแผฐฮบฮฟฮฝฮฟฮผฮฏฮฑ Eph.27 1. Kor. 4,1 Tit. 1,7. In beiden Begriffen Dienst, nicht irgendwelche Rechte ausgesprochen. Dadurch unterscheiden sie sich von โAmtโ. โAmtโ bald Titel und Ehrenbezeichnung. ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑ und ฮฟแผฐฮบฮฟฮฝฮฟฮผฮฏฮฑ kรถnnen niemals Titel und Ehrenbezeichnung sein. แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฯ, ฯฯฮตฯฮฒฯฯฮตฯฮฟฯ,28 ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฯ nur Dienst- und keine Ehrenbezeichnungen. Diese ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน von Gott eingesetzt, oder von Christus und heiligem Geist. 1. Kor 12,28 von Gott; Eph 4,11 von Christus Acta 20,28 durch Heiligen Geist. Acta 6,5 13,2 durch Gemeinde unter Beistand des Geistes. Tit. 1,5. 1. Tim 5,22 f durch Apostel.29
Diese ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน treten immer da ein, wo Bedรผrfnis vorhanden. In verschiedenen Gemeinden darum jeweils verschieden.
Versehung der ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน liegt nicht im Belieben der Einzelnen. Man kann sich nicht selber dafรผr berufen, sondern der heilige Geist durch Charismen.
Das Charisma ist die durch heiligen Geist ermรถglichte subjektive Voraussetzung fรผr den objektiven Dienst an der Gemeinde.
1. Kor. 12,4 ff. Verhรคltnis von Charisma und Dienst, ฯฮฑฯฮฏฯฮผฮฑฯฮฑ und ฯฮฝฮตแฟฆฮผฮฑ30 zusammengeordnet, weil ฯฮฑฯฮฏฯฮผฮฑฯฮฑ Gabe des einen Geistes.
ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน und ฮบฯฯฮนฮฟฯ31 hier zusammen, weil der ฮบฯฯฮนฮฟฯ der erste ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฯ.
V. 6. Was durch Amt und ฯฮฌฯฮนฯฮผฮฑ gewirkt wird in der Gemeinde, geschieht durch Gott.
V. 7. In dem allem geschieht eine ฯฮฑฮฝฮญฯฯฯฮนฯ32, Sichtbarwerdung des Geistes.
V. 8โ10 die Fรผlle der ฯฮฑฯฮฏฯฮผฮฑฯฮฑ. V. 11: Von dem einen Geist das alles.
V. 8 gรถttliche Weisheit, die Torheit des Kreuzes als Weisheit versteht. 1. Kor. 1,24 2,6 ff Kol 1,9 2,3 4,5 Ephes. 1,8 (Theologie des Kreuzes).
ฮปฯฮณฮฟฯ ฮณฮฝฯฯฮตฯฯ33 Verschieden beurteilt im NT die Gnosis. โGnosis blรคht aufโ.34 Aber auch ganz anders. Hier35 gegenรผber ฯฮฟฯฮฏฮฑ36 das formalere ฯฮฌฯฮนฯฮผฮฑ.
ฯฮฏฯฯฮนฯ37 ein ฯฮฌฯฮนฯฮผฮฑ. Analogie 1. Kor. 13,2. Nicht voller Sinn des Heilsglauben[s], sondern besonders stark glauben, Glaube in besonderer Kraft. Luther: โHรคngt nicht an der Kraft, sondern an der Gewiรheit unseres Glaubens.โ38
ฯฮฑฯฮฏฯฮผฮฑฯฮฑ แผฐฮฑฮผฮฌฯฯฮฝ39 Plural; einzelne Handlungen und Taten. Keine Kontinuierlichkeit, also keine immanente Gabe, Befรคhigung. Jeweilige Eingriffe Gottes beschrieben. Von Mal zu Mal Gottes Wundertaten erfahren.
ฯฯฮฟฯฮทฯฮตฮฏฮฑ40
ฮดฮนฮฑฮบฯฮฏฯฮตฮนฯ ฯแฟถฮฝ ฯฮฝฮตฯ
ฮผฮฌฯฯฮฝ.41 Das ist ein ฯฮฌฯฮนฯฮผฮฑ, das uns heute wieder geschenkt ist.
Die รmter:
Reihenfolge: Apostel, Propheten, Lehrer. Was sind das fรผr รmter nach dem Willen des dreieinigen Gottes.
Fรผr Apostelamt konstitutiv der persรถnliche Auftrag durch persรถnliche Berufung oder Erscheinung.42 Die Jรผnger, die im Erdenleben Auftrag bekommen haben, bekommen diesen Auftrag vom Auferstandenen bestรคtigt.43
2. Kor. 8,23 Titus und die Brรผder hier auch แผฯฯฯฯฮฟฮปฮฟฮน44 genannt, Gesandte der Gemeinden, แผฯฯฯฯฮฟฮปฮฟฮน in ganz weitem Gebrauch. Rm 16,7 Andronikos und Junias แผฯฯฯฯฮฟฮปฮฟฮน genannt. Gal. 1,19. Herrenbruder Jakobus wird Apostel genannt. 1. Kor. 15,7 โnach den 500โ ฯแพถฯฮนฮฝ แผฯฮฟฯฯฯฮปฮฟฮนฯ.45 Eine ganz groรe Zahl Apostel demnach. Acta 14,4 und 14,14 auch Barnabas Apostel genannt. Acta 1,20 f das genannt, was zum Apostel gehรถrt.46
1. Kor. 9,1 ff.; auch die Begrรผndung genannt.47
Aufgabe des Apostels ist Mission und Gemeindegrรผndung. 1. Kor. 9,2 1. Thess. 2,7 2. Kor. 12,2 Gal 4,13 1. Kor. 4,14 ff Eph. 2,20 die Autoritรคt ausgedrรผckt.
Acta 8 (im Zusammenhang mit Joh. 20)48 Kann allein der Geist von den Aposteln รผbertragen werden?
Lukas 10: Aus den 12 werden 70 Apostel. Auch von ihnen gilt: โWer euch hรถrt, hรถrt mich; wer euch verachtet, der verachtet mich.โ49
1. Kor. 12,28 Mt 10,41 Eph. 2,20 3,5 4,11 (:) Hier รผberall Apostel mit Propheten u. s. w. zusammen genannt. Was Amt der Propheten, unklar. Wahrscheinlich Vorhersagung. Agabus Acta 1150 Acta 13,1 Barnabas auch Prophet genannt. Rm 12,6 1. Thess. 5,20 1. Kor 14: In Urchristenheit รผberall im Urchristentum vorhanden. Hat in den schon gegrรผndeten Gemeinden ihre Aufgabe = Weissagung von Christus. Begriff ฯฯฮฟฯแฟฯฮฑฮน51 aus der Apokalypse Ap. 22,9 18,20.
ฮดฮนฮดฮฌฯฮบฮฑฮปฮฟฯ52 1. Kor. 12,8 Rm. 12,753 1. Kor. 14,26 Acta 13,1 (hier Barnabas auch ฮดฮนฮดฮฌฯฮบฮฑฮปฮฟฯ) Hebr. 13,7.17.24. Jak. 3,1. ฮดฮนฮดฮฌฯฮบฮฑฮปฮฟฯ รผbt Amt der Unterweisung, neben der Prophetie; hier der kerygmatische Charakter, ฮดฮนฮดฮฌฯฮบฮฑฮปฮฟฯ im NT allerhรถchste Wรผrde. Hebr. 13,7.17.24. Hier แผกฮณฮฟฯฮผฮตฮฝฮฟฯ54 in derselben Bedeutung wie ฮดฮนฮดฮฌฯฮบฮฑฮปฮฟฯ. Einsetzung, Wahl, freiwillige Meldung zu einem Amt alles noch durcheinander in der 1. Zeit.
แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฯ ist zunรคchst ein Glied des Presbyterialkollegiums. Bis Ignatius die Gemeinde presbyterial verfaรt, mit der Ausnahme von Jerusalem. Dort monarchische Verfassung, Jakobus. Acta 20,28, die Presbyter gesetzt als แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฮน, ฯฯฮตฯฮฒฯฯฮตฯฮฟฯ stellt Wรผrde des Amtes dar, แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฯ usw. als Dienst und Funktion. 1. Petr. 5,1โ2 Phil. 1,1 แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฮน55. Also kein monarchischer Episkopat. Neben แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฯ in Phil. 1,1 die ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฮน. ฯฯฮตฯฮฒฯฯฮตฯฮฟฯ wahrscheinlich beiden รผbergeordnet. Das andere nur eine oder 2 Funktionen des ฯฯฮตฯฮฒฯฯฮตฯฮฟฯโAmtes. 1. Tim.56 die แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฮน und ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฮน hintereinander genannt. Acta 20,28 mahnt der scheidende แผฯฯฯฯฮฟฮปฮฟฯ die ฯฯฮตฯฮฒฯ
ฯฮญฯฮฟฯ
ฯ, in seiner Abwesenheit das Amt der แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฮน zu versehen. 1. Tim. 5,17 Episkopat mit Lehramt verknรผpft. Ebenso 1. Tim. 357
Diakonat ursprรผnglich neben (1. Tim., Phil. 1,1), spรคter unter แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฯ. Diakonat entsteht (Acta 6) aus der sozialen Not innerhalb der Gemeinde. Gehรถrt mehr als Tischdienst dazu. Stephanus predigt. Auch weiblicher Diakonat. Rรถm 16,1 (Phรถbe), ebenso 1. Tim. 3,11 (Luther falsch รผbersetzt58). Diakonie und Episkopat also zunรคchst nebeneinander, zusammen mit Lehrรคmtern, haben wahrscheinlich das Presbyterium gebildet, im Anschluร an das A.ย T. (Num.! 1159). Presbyter sollen รผberall in Gemeinde eingesetzt werden. Tit. und Acta 14,23.
Aufgabe der Presbyter, Acta 11,30. รlteste in Jerusalem bekommen und verwalten die Gelder; auch Acta 12,25. In Jerusalem die Apostel und รltesten zusammen genannt. Acta 15,2.4.6.22.23. รlteste sind angesehen. Wรผrdentrรคger. Mรถglich, daร Diakone (Acta 6) das erste Presbyterium, in das dann die anderen angesehenen รmter eingegliedert werden. Acta 20,1860. Jak 5,14 Seelsorgerliche Funktion der รltesten. 1. Tim 5,17.19. Presbyter zum Teil haben Auftrag der Verkรผndigung und der Lehre, aber nicht alle. Diese ฯฯฮตฯฮฒฯฯฮตฯฮฟฮน kรถnnten die sein, die sonst แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฮน heiรen bei Paulus. Einige รmter, Lehre und Verkรผndigung treten schon aus der Reihe der รmter im Presbyterium als hervorragend heraus. Monarchischer Episkopat auch angebahnt.
ฯฯฮฟฯฯฯฮฌฮผฮตฮฝฮฟฯ61 Rm 12,8, 1. Thess. 5,12. Fraglich, wo sie unterzubringen sind. Gesamtbegriff ฯฯฮตฯฮฒฯฯฮตฯฮฟฯ oder fรผr แผฯฮฏฯฮบฮฟฯฮฟฯ.
Besondere Stellung haben die Ersten, Erstbekehrten, Rm 16,1, Phoebe. Auch an anderen Stellen.
Dienst der Frauen in Gemeinde. Rm 16,1 Phoebe. Weibliche Prophetie, Acta 21,9 (Tรถchter des Philippus). Auch Paulus rechnet damit, daร Frauen Prophetie รผben, 1. Kor. 11,3 ff. Sollen dabei verschleiert sein. Generell (1. Kor. 14,33) der Meinung, daร Frau in der Gemeinde schweigen soll. Wenn Geist รผber sie kommt, dann soll ihm allerdings nicht gewehrt werden.
Direktes Amt fรผr Frau im NT die ฯฮฎฯฮฑฮน62. Beamtete Verkรผndigung im NT gehรถrt dem Mann.
Im NT gewisse Weisungen fรผr Aufbau der Gemeinde. Ob heute verbindlich, hรคngt mit Auffassung der Schrift zusammen. Im NT Vielgestaltigkeit der รmter. Durch dreieinigen Gott gesetzt. Von innen her kann die Ordnung der Gemeinde variabel sein, je nach den Bedรผrfnissen. Aber niemals von auรen eine Ordnung zu setzen.
Raum des Leibes Christi geht รผber รmter, Verkรผndigung hinaus und greift in das Leben jedes einzelnen Christen ein und beansprucht sein ganzes Handeln, Denken, im Beruf und so weiter, Leib Christi รผber Verkรผndigung und Sakramente, auch รผber die Ordnung der Kirche hinaus das tรคgliche Leben, christliche Lebensbeziehung untereinander.63
B. VORTRAG
29. VORTRAG UND DISKUSSIONEN รBER SCHLรSSELGEWALT UND GEMEINDEZUCHT1
29.1. VORTRAG BONHOEFFERS รBER SCHLรSSELGEWALT UND GEMEINDEZUCHT IM NEUEN TESTAMENT2
Sรคtze รผber Schlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament
1. Christus hat seiner Kirche Gewalt gegeben, auf Erden Sรผnden zu vergeben und zu behalten in gรถttlicher Vollmacht (Mt. 16,19; 18,18; Joh. 20,23). Ewiges Heil und ewige Verdammnis entscheidet sich an ihrem Wort. Wer unter dem Wort der Verkรผndigung vom sรผndigen Wege umkehrt, Buรe tut, der empfรคngt die Vergebung. Wer bei seiner Sรผnde beharrt, empfรคngt Gericht. Die Kirche kann nicht den Buรfertigen von der Sรผnde lรถsen ohne den Unbuรfertigen bei der Sรผnde zu behaften und zu binden. Der Lรถseschlรผssel selbst hat keinen ewigen Ernst, wenn nicht auch der Bindeschlรผssel ewigen Ernst hat.3 Will die Kirche im Auftrag und in der Vollmacht Jesu Christi Sรผnden vergeben, so muร sie Sรผnde Sรผnde nennen, nicht nur, wenn sie vergibt, sondern auch, wo sie nicht vergeben kann. Will die Kirche allein den Lรถseschlรผssel รผben, dann kann sie mit ihrer Sรผndenvergebung keinen Glauben finden; denn das Wort von der Sรผndenvergebung ist dann ein allgemeiner Lehrsatz geworden, aber nicht mehr der lebendige, rettende Eingriff Gottes selbst. Will die Kirche allein den Lรถseschlรผssel รผben, dann raubt sie denen, die glauben, die Gewiรheit der Vergebung; denn was ist eine Vergebung, die nicht Rettung aus der Verdammnis ist?4 Will die Kirche allein den Lรถseschlรผssel รผben, so setzt sie sich mit dem Auftrag ihres Herrn in Widerspruch und geht damit des gesamten Auftrages und seiner Verheiรung verlustig. |
2. Das Schlรผsselamt der Kirche schlieรt einen doppelten Gebrauch ein, die รถffentliche Predigt und die Privatbeichte mit Absolution bzw. Retention.5 Die รถffentliche Predigt รผbt beide Schlรผssel aus, indem sie denen die Vergebung zusagt, die Buรe tun und glauben, denen aber, die nicht Buรe tun, Gericht und Verdammnis. Vergebung kann daher niemals vollmรคchtig gepredigt werden ohne konkrete Buร- und Gerichtspredigt.6 Dabei erweist sich der Bindeschlรผssel als dem Lรถseschlรผssel untergeordnet. Denn daร das Wort die Hรถrer bei ihren Sรผnden behaftet und verurteilt, ist zugleich der Ruf zur Buรe, das heiรt zur Vergebung und zur Gemeinschaft. Dabei ist das Urteil des Bindeschlรผssels gรถttliches Urteil und gilt in Ewigkeit, wenn der Hรถrer nicht Buรe tut. Gebunden werden allein die, die das Wort hรถren, auf daร sie durch das Wort Buรe tun und gelรถst werden mรถchten. Die Privatbeichte (Jak. 5,16; Mt. 18,18) tritt zur รถffentlichen Predigt hinzu um der Gewiรheit der Absolution willen. Weil in der Predigt die Zusage der Vergebung an Buรe und Glaube geknรผpft ist, kommt der Einzelne in Gefahr, an seiner Buรe und seinem Glauben und damit an sich zu verzweifeln oder aber sich selbst zu vergeben. In der Privatbeichte wird ihm angeboten, seine Sรผnden persรถnlich vor Gott zu bekennen und bei Namen zu nennen, durch Gottes Wort strafen zu lassen und die persรถnliche Absolution durch den Bruder zu empfangen. Der Einzelne bedarf der Privatbeichte, um der Vergebung gewiร zu werden. Die Kirche bedarf der Privatbeichte, um die Absolution dem Einzelnen vollmรคchtig sagen zu kรถnnen und um der Aufrichtigkeit der Buรe gewiร zu werden.7 โDeswegen soll mit Ernst verboten sein, daร die Pfarrherrn das Volk nicht bei Haufen insgemein absolvieren โฆ so jemand die Absolution ins Ungewisse รผber das Volk bei Haufen hinspricht, den soll der Superintendens, wenn er vermahnt ist und nicht ablรครt, als einen untreuen Mietling | vom Predigtamt absetzenโ (Pommersche Kirchenordnung).8 Das Wort der Vergebung darf nicht verschleudert werden.
3. โIhr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Sรคue werfen, auf daร sie dieselben nicht zertreten und sich wenden und euch zerreiรenโ (Mt. 7,6).9 Die Zusage der Gnade darf nicht verschleudert werden, sie bedarf des Schutzes vor den Gottlosen. Es gibt solche, die des Heiligtums nicht wert sind. Die Verkรผndigung der Gnade hat ihre Grenze.10 Wer die Gnade nicht erkennt, nicht unterscheidet und nicht begehrt, dem darf sie nicht verkรผndigt werden. Nicht nur wird dadurch das Heiligtum selbst besudelt, nicht nur mรผssen die, die sich versรผndigen, noch schuldig werden am Heiligsten, sondern der Miรbrauch des Heiligen muร sich gegen die Gemeinde selbst wenden. Die Welt, der die Gnade als Schleuderware hingeworfen wird, wird ihrer รผberdrรผssig, zertritt nicht nur das Heilige, sondern zerreiรt auch die, die es ihr aufdrรคngen.11 Um des Heiligen willen, um der Sรผnder willen und um der Gemeinde willen soll das Heilige geschรผtzt werden vor billiger Preisgabe. Der Schutz des Evangeliums ist die Buรpredigt, die Sรผnde Sรผnde nennt und den Sรผnder schuldig spricht. Der Schutz des Lรถseschlรผssels ist der Bindeschlรผssel. Nur im Schutz der Buรpredigt gibt es Gnadenpredigt.
4. Es ist ein Unterschied zwischen Missionspredigt und Gemeindepredigt. Im Neuen Testament ist er noch ganz deutlich. In beiden ist der Gebrauch des Schlรผsselamtes da, aber in verschiedener Weise. Die Missionspredigt ruft zur Gemeinde. Wer Buรe tut und glaubt, dem wird die Tรผr zur Gemeinde aufgetan durch die Taufe. Wer gebunden wird, dem wird die Tรผr verschlossen. รber diesen12 hat das Wort keine andere Gewalt als eben diese Versagung der Zulassung zur Taufe. Zur Taufe gehรถrt das Bekenntnis der Sรผnden, die Absolution | und das Bekenntnis zu Jesus Christus. Die Wortverkรผndigung in der Gemeinde der Getauften gebraucht die Schlรผssel in der Weise der Gnadenverkรผndigung an den Buรfertigen und der Gemeindezucht an den Unbuรfertigen.13 Gnadenverkรผndigung heiรt vollen Teil haben an der Gemeinschaft des Leibes Christi. Gemeindezucht heiรt der Weg, der zum teilweisen oder gรคnzlichen Ausschluร aus dieser Gemeinschaft fรผhrt. Gemeindezucht ist also Ausรผbung der Bindegewalt der Kirche an den Gliedern des Leibes Christi. Wie die Buรpredigt der Schutz der Evangeliumsverkรผndigung, so ist die Wortverkรผndigung der Schutz der Taufe, so ist die Gemeindezucht der Schutz des Abendmahls.14
5. Gemeinde ist nur da, wo Wort und Sakrament ist (C.A. VII). Leib Christi ist die Gemeinde erst durch Taufe und Abendmahl. Das Wort ist missionarisch, die Wortgemeinde erfรคhrt keine Beschrรคnkung, sofern nur beide Schlรผssel gepredigt werden. Die Sakramentsgemeinde ist die durchs Wort gewonnene Gemeinde der Glรคubigen. Zum Wort hat auch der Unglรคubige Zutritt, zum Sakrament nicht.15
6.16 Die Taufe ist die Eingliederung in den Leib Christi (Gal. 3,27 f.). Sie ist einmalig, nicht wiederholbar. Der Leib Christi ist die Gemeinde (1. Kor. 12 ff.; Rรถm 12 f.)17. Der Eintritt in die Gemeinde des Heils ist einmalig, nicht wiederholbar. Darum wรผrde vollkommener Ausschluร aus der Gemeinde ewige Verdammnis bedeuten. Eben darum aber kann Gemeindezucht nicht Ausschluร aus der getauften Gemeinde, sondern immer nur Ausschluร aus der Gemeinschaft der Taufgemeinde sein.18 Voraussetzung der Taufe ist Hรถren des Wortes, Buรe und Glaube; das heiรt fรผr gemeindliche Praxis Unterweisung, Bekenntnis der Sรผnde, Absolution, Bekenntnis zu Jesus Christus (Act. 8,35; 2,38; Rรถm. 6,2 usw.). Kindertaufe ist darum โ ob im Neuen Testament vorhanden oder nicht โ niemals Taufe an Unglรคubigen, was unmรถglich ist, sondern Taufe von solchen, die in der Gemeinde zum Glau- | ben kommen sollen.19 Kindertaufe gibt es darum nur als besondere Gnadengabe Gottes in der Bekenntnisgemeinde. Sie kann niemals รผber den Umfang der Bekenntnisgemeinde hinausgehen. Die Gemeinde ist vor dem Sakrament, vor dem Kind und vor sich selbst verantwortlich dafรผr, daร das Kind durch Unterweisung der Gemeinde zugefรผhrt wird (Patenamt).
7. Das Abendmahl ist die wiederholte Speisung der bekennenden Gemeinde der Getauften mit dem wahrhaftigen Leib und Blut Christi. Die Glรคubigen werden ihrer leiblichen Verbundenheit mit dem Herrn und untereinander gewiร gemacht und empfangen Vergebung der Sรผnden durch Christi Leib. Das Abendmahl ist nicht missionarisch sondern Gemeindemahl im strengen Sinne. Es setzt dabei keinen engeren Kreis voraus als die Gemeinde der Getauften. Allerdings setzt der Empfang des Abendmahls eine Bedingung voraus: Wer zum Abendmahl kommt, muร unterscheiden kรถnnen (ฮดฮนฮฑฮบฯฮฏฮฝฮตฮนฮฝ: 1. Kor. 11,29) zwischen dem Leib Christi und irgendeinem anderen Mahl, das heiรt er muร kommen, um wahrhaftig Leib und Blut Christi zu empfangen. Wer hier nicht โunterscheidetโ, empfรคngt das Mahl in unwรผrdiger Weise und iรt sich das Gericht. Nicht seine falsche Einstellung sondern Leib und Blut Christi wirken in ihm durch Essen und Trinken das Gericht. Weil Leib und Blut im heiligen Abendmahl im Essen und Trinken bleiben was sie sind, ob sie wรผrdig oder unwรผrdig gegessen werden, muร die Gemeinde Sorge tragen, daร sie nicht unwรผrdig empfangen werden. Wรผrdiger Empfang aber setzt โUnterscheidungโ der Gabe voraus, das heiรt fรผr die gemeindliche Praxis: Unterweisung รผber das heilige Abendmahl (nicht natรผrliche Speise, nicht symbolisch, nicht Gedรคchtnismahl, sondern wahrhaftiger Leib und Blut Christi zur Vergebung der Sรผnden und zur Gemeinschaft seines Leibes 1. Kor. 11,24; 10,16).
Daraus folgt das Glaubensverhรถr: Prรผfung (ฮดฮฟฮบฮนฮผฮฑฮถฮญฯฯ20!), | ob einer bereit ist, das Sakrament als das zu empfangen, was es ist, das heiรt im Begehren nach der Vergebung der Sรผnden, ob er seiner Sรผnde absagt. Die Wahrhaftigkeit der Selbstprรผfung, von der die Schrift redet, kann dem Zweifel entnommen werden durch die Beichte vor dem Bruder. Wo die Gemeinde Zweifel an der Selbstprรผfung hat, kann sie auf der Prรผfung durch die Gemeinde bestehen (Anmeldung etc.).21 Um des Heiligtums des Leibes Christi willen, um der Menschen willen und um der Gemeinde willen muร die Gemeinde den vom Abendmahl ausschlieรen, der den Leib nicht unterscheidet. Es ist ein Unterschied zwischen dem, der sich am Wort versรผndigt und dem, der sich am Leib Christi versรผndigt. Der Ungetaufte, der das Wort nicht hรถrt, bleibt auรer[halb] des Leibes Christi und steht noch unter dem Ruf zur Gemeinde; wer das Sakrament im Unglauben empfรคngt, der wird schuldig am Leibe Christi selbst; er hat keine Hilfe mehr, weil er die Hilfe miรbraucht hat. Zwar kann sich die Gemeinde niemals vor den Heuchlern schรผtzen, aber um den Menschen vor seiner eigenen Heuchelei zu schรผtzen, schรผtzt sie das Heiligtum durch die Zucht des Wortes und der Gemeinde.
8. Gemeindezucht ist die notwendige sichtbare Folge der rechten Ausรผbung des Schlรผsselamtes innerhalb der Gemeinde. Die neutestamentliche Gemeinde kennt hier eine lange Stufenreihe der Zuchtรผbung.22 Der Ursprung aller Zuchtรผbung ist die Predigt des Wortes nach beiden Schlรผsseln. Diese Verkรผndigung ist aber nicht beschrรคnkt auf die gottesdienstliche Versammlung. Vielmehr ist der Amtstrรคger, โder im Hause Gottes wandeltโ (1. Tim. 3,15), nirgends von seinem Auftrag entbunden. โPredige das Wort, halte an, die Zeit sei gรผnstig oder ungรผnstig, strafe, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehreโ (2. Tim. 4,2). Der Amtstrรคger, der die Schlรผsselgewalt รผbt, soll als Seelsorger im tรคglichen Umgang mit seiner Gemeinde die Zucht รผben. Das gehรถrt zu seinem Amt.23 Es ist der Beginn der Kirchenzucht. Dabei | ist deutlich, daร die Gemeindezucht im Unterschied von der Schlรผsselgewalt nur die Sรผnden strafen kann, die offenbar geworden sind. โEtlicher Menschen Sรผnden sind offenbar, daร man sie zuvor richten kann, bei etlichen aber werden sie hernach offenbarโ (1. Tim. 5,24). So ist die Gemeindezucht eine Verschonung vor der Strafe des letzten Gerichtes. Ist bereits auf dieser ersten Stufe eine Lรผcke festzustellen, so kann das gesamte Verfahren der Gemeindezucht in Frage gestellt werden; denn wie soll das zweite โ nรคmlich die brรผderliche Vermahnung der Gemeindeglieder untereinander โ lebendig bleiben, wenn der Amtstrรคger sein Amt vernachlรคssigt? Die Schrift aber fordert โlehret und vermahnet euch untereinanderโ (Kol. 3,16; 1. Thess. 5,11 u. 14). Allein so kann ja der Sรผnde und dem Abfall in der Gemeinde gewehrt werden. Zur Vermahnung gehรถrt auch das Trรถsten der Kleinmรผtigen, Tragen der Schwachen, Geduld รผben gegen jedermann (1. Thess. 5,14). Wo solche Auswirkung des Schlรผsselamtes in der Gemeinde nicht mehr lebt, da wird auch schwerlich die dritte Stufe recht erreicht werden. Fรคllt nรคmlich ein Bruder in offenbare Sรผnde des Wortes oder der Tat, so muร die Gemeinde die Kraft haben, das eigentliche Gemeindezuchtverfahren gegen ihn einzuleiten. Dieses besteht in drei Stรผcken: Die Gemeinde muร die Kraft haben, sich von dem Sรผnder zu trennen. โHabt nichts mit ihm zu schaffenโ (2. Thess. 3,14), โWeichet von ihnenโ (R. 16,17). โIhr sollt auch nicht mit ihm essenโ (Abendmahl?), (1. Kor. 5,11), โMeide solcheโ (2. Tim. 3,5; 1. Tim. 6,5). โWir gebieten euch aber, liebe Brรผder, in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi (!), daร ihr euch entziehet von jedem Bruder, der da unordentlich wandelt und nicht nach der Satzung, die ihr von uns empfangen habtโ (2. Thess. 3,6). Dieses Verhalten der Gemeinde ist dazu da, den Sรผnder โschamrotโ werden zu lassen (2. Thess. 3,14), und ihn dadurch zurรผckzugewinnen. Gewiร schlieรt | dieses Meiden des Sรผnders auch seinen zeitweiligen Ausschluร aus den Handlungen der Gemeinde in sich. Doch soll solches Meiden des offenbaren Sรผnders nicht schon die Aufhebung jeder Gemeinschaft sein. Vielmehr soll die Gemeinde, die sich vom Sรผnder trennt, diesem begegnen mit dem Wort der Vermahnung โHaltet ihn nicht als einen Feind, sondern vermahnet ihn als einen Bruderโ (2. Thess. 3,15).
Der Sรผnder bleibt noch Bruder und erfรคhrt eben darum Strafe und Vermahnung der Gemeinde. Es ist barmherzige Brรผderlichkeit, die die Gemeinde Zucht รผben lรครt. Mit aller Sanftmut mรผssen die Widerspenstigen gestraft, die Bรถsen getragen werden, โob ihnen Gott nicht dermaleinst Buรe gรคbe, die Wahrheit zu erkennen, daร sie wieder nรผchtern werden und der Schlinge des Teufels entgehen und sich von Ihm einfangen lassen in seinen Willenโ (2. Tim. 2,26).24 Der Weg dieser Vermahnung wird je nach der Sรผnde und je nach dem Sรผnder ein verschiedener sein, aber er wird immer dasselbe Ziel haben, zur Buรe und zur Versรถhnung zu fรผhren. Kann die Sรผnde verborgen bleiben zwischen dir und dem Sรผnder, so sollst du sie nicht offenbaren, vielmehr sollst du ihn allein strafen und zur Buรe rufen, โso hast du einen Bruder gewonnenโ.25 Hรถrt er dich aber nicht, sondern verharrt in seiner Sรผnde, so sollst du abermals nicht sogleich die Sรผnde offenbaren, sondern sollst dir einen oder zwei Zeugen suchen (Mt. 18,15 f.). Des Zeugen bedarf es sowohl wegen des sรผndigen Tatbestandes โ d. h. ist derselbe nicht zu erweisen und wird er von dem Gemeindeglied geleugnet, so befehle man die Sache Gott; Zeugen, nicht Inquisitoren sind die Brรผder โ als auch wegen der Verstockung des Sรผnders gegen die Buรe. Die Heimlichkeit der Zuchtรผbung soll dem Sรผnder die Umkehr erleichtern. Hรถrt er auch jetzt nicht oder ist die Sรผnde sowieso schon offenbar vor der ganzen Gemeinde, dann ist es Sache der ganzen Gemeinde, den Sรผn- | der zu ermahnen, zur Umkehr zu rufen (Mt. 18,17; cf. 2. Thess. 3,14). Ist der Sรผnder Trรคger eines Amtes der Gemeinde, so soll er nur auf zweier oder dreier Zeugen Anklage hin verklagt werden.26 โDie da sรผndigen, die strafe vor allen, auf daร sich auch die anderen fรผrchtenโ (1. Tim. 5,20). Nun ist die Gemeinde aufgerufen, mit dem Amtstrรคger zusammen das Schlรผsselamt zu verwalten. Der รถffentliche Spruch bedarf der รถffentlichen Vertretung der Gemeinde und des Amtes. โIch beschwรถre dich vor Gott und dem Herrn Jesus Christus und den auserwรคhlten Engeln, daร du solches haltest ohne eigenes Vorurteil und nichts tust nach Gunstโ (1. Tim. 5,21), denn nun soll Gottes eigenes Urteil รผber den Sรผnder ergehen. Tut dieser aufrichtige Buรe, bekennt er รถffentlich seine Sรผnde, so empfรคngt er die Vergebung aller seiner Sรผnden im Namen Gottes (cf. 2. Kor. 2,6 ff.27), beharrt er bei seiner Sรผnde, so muร ihm die Gemeinde im Namen Gottes seine Sรผnde behalten. Das aber bedeutet den Ausschluร aus jeder Gemeinschaft der Gemeinde. โHalte ihn fรผr einen Heiden und Zรถllnerโ (Mt. 18,17), โWahrlich, ich sage euch;28 was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lรถsen werdet, soll auch im Himmel los seinโ โฆ โDenn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnenโ (Mt. 18,18 ff.29). Im Ausschluร aus der Gemeinde aber wird nur bestรคtigt, was schon Tatsache ist, nรคmlich daร der unbuรfertige Sรผnder ein solcher ist, der โsich selbst verurteilt hatโ (Tit. 3,1030). Nicht die Gemeinde verurteilt ihn, er selbst hat das Urteil gesprochen. Diesen vollkommenen Ausschluร bezeichnet Paulus mit โdem Satan รผbergebenโ (1. Kor. 5,5; 1. Tim. 1,20). Der Schuldige wird der Welt zurรผckgegeben, in der der Satan herrscht und den Tod wirkt. (Daร hier nicht an einen Akt der Todesstrafe wie Act. 5 gedacht ist, beweist ein Vergleich von 1. Tim. 1,20 und 2. Tim. 2,17; 4,15). Der Schuldige ist aus der Gemein- | schaft des Leibes Christi ausgestoรen, weil er sich selbst getrennt hat, kein Anrecht an die Gemeinde steht ihm mehr zu. Dennoch bleibt auch dieses letzte Handeln noch ganz im Dienste des Heilszieles mit dem Betroffenen, โdaร der Geist selig werde am Tage des Herrn Jesuโ (1. Kor. 5,5), โdaร er gezรผchtigt werde, nicht mehr zu lรคsternโ (1. Tim. 1,20). Die Rรผckkehr zur Gemeinde oder die Erlangung des Heiles bleibt das Ziel der Gemeindezucht. Sie bleibt pรคdagogisches Handeln. So gewiร der Spruch der Gemeinde in Ewigkeit besteht, wo der andere nicht Buรe tut, so ist dieser Spruch, in dem dem Sรผnder das Heil genommen werden muร, nur das letztmรถgliche Angebot der Gemeinschaft der Gemeinde und des Heils.
Fragen wir noch einmal nach der Begrรผndung der Gemeindezuchtรผbung, so steht an erster Stelle der Auftrag der Verwaltung beider Schlรผssel. Um des Heiligtums des Evangeliums willen muร der Bindeschlรผssel geรผbt werden; d. h. vom Menschen her gesehen: um der Rettung des Sรผnders willen muร der Sรผnder gestraft werden; d. h. von der Gemeinde her gesehen: um der Reinheit der Gemeinde willen mรผssen die unreinen Gefรครe hinweggetan werden (2. Tim. 2,21)31. Die Gemeinde, die dem Sรผnder Gemeinschaft gewรคhrt ohne Zuchtรผbung, macht sich selbst mitschuldig an seiner Sรผnde (2. Joh. 11). Sie muร daher besondere Vorsicht รผben, ehe sie einem Gemeindeglied eine Verantwortung in der Gemeinde gibt, der es nicht gewachsen ist (1. Tim. 5,22).32
Jenseits aller Gemeindezuchtรผbung, die immer im Dienst der Barmherzigkeit steht, selbst รผber die Auslieferung des hartnรคkkigen Sรผnders an den Satan hinaus, kennt das Neue Testament als furchtbarste Strafe die Verfluchung, das Anathema.33 Sie ist nicht mehr verbunden mit dem Heilszweck. Sie tritt als Vorwegnahme des gรถttlichen Urteils auf. Im Alten Testament entspricht ihr der โCheremโ34, der an Gottlosen vollstreckt wird. Er bedeutet definitive Absonderung von der Gemeinde. Der Gebannte wird getรถtet. Da- | mit ist ein Doppeltes gesagt: Die Gemeinde vermag den Gebannten unter keinen Umstรคnden mehr zu tragen und zu absolvieren. Darum wird er Gott allein hingegeben. Damit aber ist der Gebannte zugleich verflucht und doch heilig, heilig, weil er Gott ausgeliefert ist. Weil er aber Gott allein gehรถrt als Verfluchter, darum kann die Gemeinde hier nicht mehr Heilsabsichten verfolgen. Daร Anathema Trennung vom Heil bedeutet, beweist R. 9,3. Daร Anathema eschatologisch bezogen ist, legt 1. Kor. 16,22 nahe. Daร vom Anathema der getroffen wird, der das Evangelium selbst durch seine Predigt willentlich zerstรถrt, sagt Gal. 1,8 f. Es ist gewiร kein Zufall, daร die einzige Stelle, die รผber bestimmte Menschen das Anathema spricht, sich auf die Irrlehrer bezieht. Doctrina est coelum, vita terra (Luther).35
9. Die Lehrzucht ist von der Gemeindezucht insofern verschieden, als letztere aus rechter Lehre, d. h. aus rechtem Gebrauch der Schlรผssel folgt, erstere sich aber gegen den Miรbrauch der Lehre selbst richtet. Durch falsche Lehre wird die Quelle des Lebens der Gemeinde und der Gemeindezucht verdorben. Darum wiegt die Versรผndigung gegen die Lehre schwerer als die Versรผndigung im Wandel. Lehrzucht erstreckt sich in erster Linie auf die Trรคger des Lehramtes in der Kirche. Voraussetzung von allem ist, daร bei der รbertragung des Amtes Gewรคhr dafรผr besteht, daร der Amtstrรคger ฮดฮนฮดฮฑฮบฯฮนฮบฯฯ, zur Lehre befรคhigt ist (1. Tim. 3,2; 2. Tim. 2,24; Tit. 1,9), โtรผchtig auch andere zu lehrenโ (2. Tim. 2,2), daร keinem die Hรคnde voreilig aufgelegt werden,36 weil sonst dessen Schuld auf den zurรผckfรคllt, der ihn einsetzte (1. Tim. 5,22). Die Lehrzucht setzt also bereits vor der Berufung ins Lehramt ein. An der รคuรersten Gewissenhaftigkeit hรคngt hier Leben und Tod von Gemeinden. Die Lehrzucht aber hat mit der Berufung ins Lehramt kein Ende, vielmehr erst ihren Anfang. In unaufhรถrlicher Ermahnung muร selbst der bewรคhrte Amtstrรคger โ Timo- | theus โ zur Bewahrung der rechten, heilsamen Lehre angehalten werden. Das Lesen der Schrift wird ihm dafรผr besonders nahe gelegt. Zu groร ist die Gefahr des Abirrens (2. Tim. 3,10; 3,14; 4,2; 2,15; 1. Tim. 4,13.16; Tit. 1,9; 3,8). Dazu muร aber noch die Ermahnung zum vorbildlichen Lebenswandel kommen โHabe acht auf dich selbst und die Lehreโ (1. Tim. 4,13 f.37; Act. 20,28). Zur Keuschheit, Demut, Unparteilichkeit, zum Fleiร ermahnt zu werden, ist fรผr Timotheus keine Beschรคmung. So steht vor aller Gemeindezuchtรผbung die รbung der Zucht an den Amtstrรคgern. Es ist die Aufgabe des Amtstrรคgers, in seiner Gemeinde die rechte Lehre zu verbreiten und jeder Verkehrung entgegenzutreten. Treten Lehrverschiedenheiten in der Gemeinde auf, so soll die Gemeinde wissen, daร gewisse Unterschiede in der Weise der Verkรผndigung unvermeidlich sind. Aber ob apollisch, ob paulisch, ob petrisch, es soll in allen Dingen dem einen ungeteilten Christus gedient werden (1. Kor. 1,11 ff.38). Alle bewuรten Schulbildungen freilich sollen vermieden werden, weil hier leicht jeder sein Eigenes sucht, aufgeblasen wird, und weil so die Schulbildung eine Brutstรคtte des Ungehorsams gegen Christus wird (1. Tim. 6,5.20; 2. Tim. 2,16; 3,7 f.; Tit. 1,10). Dazu kommt die Schwierigkeit, erlaubte Schulunterschiede und unzulรคssige Irrlehren zu unterscheiden (vgl. z. B. Offenbarung 2,6 und 2,15).39 Wo offenbare Irrlehre einzieht, dort soll der Amtstrรคger gebieten, โdaร sie nicht anders lehrtenโ (1. Tim. 1,3); denn er trรคgt das Lehramt und kann gebieten. Weiter soll er warnen und erinnern, das Wortgezรคnk zu meiden (2. Tim. 2,14). Ist einer als Irrlehrer offenbar, so soll er โeinmal und abermals ermahntโ werden. Hรถrt er nicht, so soll mit einem ketzerischen Menschen die Gemeinschaft abgebrochen werden (Tit. 3,10; 1. Tim. 6,4 f.); denn er verfรผhrt die Gemeinde (2. Tim. 3,6 f.). โWer nicht in der Lehre Christi bleibt, der hat keinen Gottโ. Einem solchen falschen Leh- | rer soll auch die hรคusliche Gemeinschaft und der fromme Gruรwunsch versagt werden (2. Joh. 1040). Im Irrlehrer kommt der Widerchrist. Nicht der Sรผnder in seinem Lebenswandel, sondern allein der Irrlehrer wird Antichrist genannt. Ihm allein gilt das Anathema von Gal. 1,9.41
รber das Verhรคltnis von Lehrzucht und Gemeindezucht gilt: Es gibt keine Gemeindezucht ohne Lehrzucht. Es gibt aber auch keine Lehrzucht, die nicht zur Gemeindezucht fรผhren mรผรte. Paulus wirft den Korinthern vor, daร sie in ihrer Aufgeblasenheit Schismata42 anrichten wollen ohne doch Gemeindezucht zu รผben (1. Kor. 5,2). Diese Trennung der Lehrfrage von der Frage des Wandels in der Gemeinde ist unmรถglich.
10. Gemeindezucht setzt nicht nur ein intaktes Lehramt, sondern eine rechte Ordnung der รmter in der Gemeinde voraus. Die Ordnung der Gemeinde muร im Dienst der rechten Verwaltung des Schlรผsselamtes und aller daraus folgenden Handlungen der Gemeinde stehen. Die Gemeinde ist der Leib Christi, in dem bis in alle Gliederungen hinein allein sein Geist regiert. Das Neue Testament bezeugt die Einsetzung der kirchlichen รmter durch Gott selbst (1. Kor. 12,28), durch Christus (Eph. 4,11), durch den Heiligen Geist (Act. 20,28), durch die Gemeinde unter dem Beistand des Heiligen Geistes (Act. 6,5; 13,2), durch die Apostel und Amtstrรคger nach sorgfรคltiger Prรผfung (Tit. 1,5; 1. Tim. 5,2343). Die Einsetzung in kirchliche รmter von auรerhalb der Gemeinde her ist fรผr das Neue Testament undenkbar. Denn die Gemeinde ist der Leib Christi. Zwar gibt es fรผr den Aufbau der รmterordnung in der Gemeinde keine festen Regeln. Die Gemeinde in Jerusalem ist anders geordnet als die kleinasiatischen. Hier besteht Freiheit, daร nur โalles geschehe zur Besserungโ (1. Kor. 14,26), das heiรt zur rechten Auferbauung des Leibes Christi durch die Gewalt der Schlรผssel.44
29.2. THESEN NACH DEM VORTRAG IN FINKENWALDE (NACHSCHRIFT)45
Thesen
1) Wichtig ist es, daร wir fรผr unser kirchliches Handeln in Sachen der Gemeindezucht einen Auftrag haben mรผssen. Er liegt im Bindeschlรผssel, ohne den der Lรถseschlรผssel nicht gegeben ist.
2) Greift die Kirche nicht Gott mit dem Schlรผsselamt vor und setzt sich an die Stelle des Heiligen Geistes? Antwort: Christus gibt ihr das gerade, die Vollmacht Gottes โ Matth. 1846. Ohne den Schutz des Bindeschlรผssels wird Gottes Gnade eine Idee.
3) Kรถnnen wir uns in der Ausรผbung des Bindeschlรผssels nicht irren? Antwort: Luther sagt: Wenn einer zu Unrecht gebannt wird, ist das die grรถรte Gnade fรผr ihn. Wir mรผssen es wagen.47
4.) Haben wir heute รผberhaupt eine Kirche, an der wir Zucht รผben kรถnnen? Muร man nicht warten, bis uns wieder Kirche gegeben wird? Und bis dahin die Miรstรคnde tragen? Antwort: In dieser verrotteten Kirche ist die Una Sancta.48 Wir brauchen nicht auf sie zu warten, sondern mรผssen die vorhandene Kirche durch Kirchenzucht beschneiden, so kommt die Kirche. Wir mรผssen das Wort, das uns die Schlรผsselgewalt gibt, als Verheiรung ergreifen und so mit ihm arbeiten.
5.) Da bei Einfรผhrung der Kirchenzucht Unverstรคndnis zu befรผrchten ist, muร man der Gemeinde das Versรคumnis zeigen und ihr sagen, wie hier die Zucht einzusetzen hat.
29.3. AUSSPRACHE รBER DEN VORTRAG โSCHLรSSELGEWALT UND GEMEINDEZUCHT IM NEUEN TESTAMENT UND BEI DEN REFORMATORENโ (NACHSCHRIFT)49
Die Aussprache bewegt sich um folgende Fragenkreise: I. Verhรคltnis von Predigt und Beichte. II. Verhรคltnis von Wort und Sakrament. III. Bestimmung der konfessionellen Unterschiede in Bezug auf die Lehre von der Schlรผsselgewalt. IV. Wege zur praktischen Durchfรผhrung.
Aussprache: Verhรคltnis Predigt und Beichte:
Bonhoeffer: Kein Unterschied in der Gabe, sondern ein Unterschied in der Gewiรheit. Der Unterschied Wort โ Sakrament ist auch ein Unterschied in der Gabe. Die Predigt ist volles Verkรผndigen des Heils, aber unter Vorbehalt des Glaubens. In der Beichte ist das unmittelbare Absolutionswort da, weil Erkundung des Glaubens vorhergegangen. Bei der Predigt ist Anfechtung mรถglich, von dieser Anfechtung und Sorge soll ich im Beichtgesprรคch frei gemacht werden.
Schniewind: Ist die Bedingung: wenn ihr glaubt โ so ganz biblisch? Darf ich nicht glauben, daร das Wort Glauben wirkt, wenn es ergeht. Ebenso beim Gesprรคch. Ganz zufรคllige Worte benutzt Gott oft. Der Zweifel kann sich auch an das Beichtgesprรคch hรคngen. Das ganze Wort ist ฯฮฑฯฮฌฮบฮปฮทฯฮนฯ50, โseelsorgerliche Predigtโ, das ist es, worauf heute alle warten. Jede wirkliche Predigt ist eine Art Beichte.
Bonhoeffer: Beichte ist eine besondere Gnade Gottes, die mir hilft in der Anfechtung, ob etwa ich mir selbst gnรคdig bin, ob ich Rechtfertigung der Sรผnde glaube und nicht Rechtfertigung des Sรผnders.
Schniewind: Die Einsamkeit des Einzelnen vor Gott kann auch in der Einsamkeit von Bruder zu Bruder nur geahnt werden. โ Der Freispruch ist zugleich das Todesurteil. Du darfst dich fรผr tot erachten, du bist vor Gottes Urteil tot.
II. Wort und Sakrament
Bonhoeffer: Die Gabe im Wort ist anders. Im Wesen identisch und doch nur im Sakrament die Teilhabe am Leibe Christi.
Schniewind: Dasselbe gilt auch vom Wort. Ich weiร nicht, ob wir รผber das verbum visibile51 hinauskommen kรถnnen. Denn im Wort habe ich ihn52 selbst und ich kann ihn nie mehr haben als im Wort. โ Gewiร nimmt das Abendmahl lรคngst nicht mehr die Stelle ein bei uns wie im Urchristentum und im Neuen Testament. Christus handelt, leidet, redet in der Gemeinde, er ist garnicht anders da. Vom Wort her kommt dann das Leiden, die Heiligung, die Ordnung. Das Sakrament ist wie die irdische Gegenwart Jesu unter seinen Jรผngern. Das Hรถchste ist das Wort.
III. Die konfessionelle Unterscheidung
Wird nicht ausfรผhrlich besprochen. Schniewind: Das Letzte im Unterschied liegt in der Stellung zum Gesetz. Die Reformierten kรคmpfen gegen den Antinomismus, die Lutheraner gegen den Nomismus.53 Reformiertes Charisma = die Warnung vor der securitas54; aber wehe, wenn wir darin stecken bleiben und nicht mehr hรถren: certissimus es!55
IV. Praktische Fragen
Giersch56: Frage: ob Kirchenzucht (oder Ordnung), hรคngt nicht am โFallโ sondern am Handeln in diesem Fall.
Gibt es verschiedene Zucht bei der Bekennenden Kirche und bei denen, die drauรen?
Bonhoeffer: Bei uns geht es an; Gericht am Hause Gottes.57 Wenn wir in die Buรe gehen, wenn es bei uns Theologen in der Bekennenden Kirche anhebt, dann werden die Heiden spรผren: Hier redet Gott. Dann werden auch sie kommen.
Schniewind: Bitte um den Heiligen Geist. Daร man mit Furcht und Zittern vor Gott steht,58 das ist die Sache, und mit groรer Freude, (unendlicher Freude), denn das ist die Vergebung.
Bonhoeffer: Es geht zuerst durch uns und dann auf dem Weg der Predigt Schritt fรผr Schritt weiter. Viel Geduld nรถtig!
Schniewind: (Es hatte einer davon gesprochen, ob er bisher Buรpredigt in seiner Gemeinde gehalten.) Ich โwillโ gar nicht Buรpredigt halten. Kann garnicht Buรpredigt halten wollen. Wort Gottes = lebendig, schรคrfer denn ein zweischneidiges Schwert59. โ Tholucks Predigten waren so nรผchtern wie nur mรถglich, und jede Predigt ging inโs Zentrum! Aber man kann das nicht sagen wollen, sich vornehmen. โWehe uns, wenn wir nicht โฆโ, heiรt es da.60
TEIL III
Predigten, Meditationen, Bibelarbeiten
a) Erster Kurs. Aufbau des Predigerseminars in Zingst und Finkenwalde
26. Aprilโ16. Oktober 1935
1. PREDIGT ZU PSALM 42. ZINGST, EXAUDI, 2. 6. 19351
Psalm 42
Eine Unterweisung der Kinder Korah, vorzusingen.
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dรผrstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daร ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Trรคnen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man tรคglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Wenn ich denn des innewerde, so schรผtte ich mein Herz aus bei mir selbst; denn ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes, mit Frohlocken und Danken unter dem Haufen derer, die da feiern.
Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daร er mir hilft mit seinem Angesicht.
Mein Gott, betrรผbt ist meine Seele in mir; darum gedenke ich an dich im Lande am Jordan und Hermonim, auf dem kleinen Berg.
Deine Fluten rauschen daher, daร hier eine Tiefe und da eine Tiefe brausen; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen รผber mich.
Der Herr hat des Tages verheiรen seine Gรผte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.
Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muร ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drรคngt?
Es ist als ein Mord in meinen Gebeinen, daร mich meine Feinde schmรคhen, wenn sie tรคglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?
Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daร er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Hast du in einer kalten Herbstnacht im Walde einmal das durchdringende Schreien eines Hirsches gehรถrt? Der ganze Wald erschauert unter diesem Schrei des Verlangens. So schreit hier eine menschliche Seele, nicht nach einem irdischen Gut, sondern nach Gott. Ein Frommer, dem Gott ferne gerรผckt ist, verlangt nach dem Gott des Heils und der Gnade. Er kennt den Gott, zu dem er schreit. Er ist nicht der Sucher nach dem unbekannten Gott2, der nie etwas finden wird. Er hat Gottes Hilfe und Nรคhe einst erfahren. Darum braucht er nicht ins Leere zu rufen. Er ruft seinen Gott an. Wir kรถnnen Gott nur recht suchen, wenn er sich uns schon offenbart hat, wenn wir schon einmal gefunden haben.3
Herr Gott, erwecke in meiner Seele das groรe Verlangen nach dir. Du kennst mich und ich kenne dich. Hilf mir, dich suchen und finden. Amen.
Hilf, Helfer, hilf in Angst und Not,
erbarm dich mein, du treuer Gott!
Ich bin ja doch dein liebes Kind
trotz Teufel, Welt und aller Sรผnd.4 |
Meine Seele dรผrstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daร ich Gottes Angesicht schaue?
Durst nach Gott. Wir kennen den leiblichen Durst, wenn kein Wasser da ist, wir kennen den Durst der Leidenschaft nach Glรผck und Leben. Kennen wir auch den Durst der Seele nach Gott? Ein Gott, der nur ein Gedanke oder ein Ideal ist, kann diesen Durst niemals stillen. Nach dem lebendigen Gott, dem Gott und Ursprung allen wahren Lebens, dรผrstet unsere Seele. Wann wird er unseren Durst stillen? Wenn wir dahin kommen, daร wir sein Angesicht schauen. Gottes Angesicht schauen, das ist das Ziel allen Lebens und das ewige Leben. Wir sehen es in Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Haben wir es hier gefunden, dann dรผrsten wir danach, es in aller Klarheit in Ewigkeit zu schauen. Jesus spricht: โWen da dรผrstet, der komme zu mir und trinkeโ (Joh. 7,37).
Herr, uns verlangt, dich zu schauen von Angesicht zu Angesicht.5 Amen.
Sรผรes Licht, sรผรes Licht,
Sonne, die durch Wolken bricht!
O wann werd ich dahin kommen,
daร ich dort mit allen Frommen
schau dein holdes Angesicht?6
Meine Trรคnen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man tรคglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Wo ist dein Gott? so fragt man uns unruhig, zweifelnd oder hรถhnisch. Tod, Sรผnde, Not und Krieg, auch Tapferkeit, Macht und Ehre โ das sieht man. Aber wo ist dein Gott? Der Trรคnen, die darรผber flieรen, daร wir Gott noch nicht sehen, daร wir ihn unsern Brรผdern nicht beweisen kรถnnen, braucht sich keiner zu schรคmen. Es sind Trรคnen, die um Gottes willen geweint werden und die er zรคhlt (Psalm 56,9). | Wo ist dein Gott? Was kรถnnen wir antworten als auf den Mann zeigen, der sich in Leben, Sterben und Auferstehen als Gottes echter Sohn erwies, Jesus Christus. Er ist im Tode unser Leben, in Sรผnde unsere Vergebung, in Not unser Helfer, in Krieg unser Friede. โAuf diesen Menschen sollst du zeigen und sprechen: das ist Gottโ (Luther).7
Herr Jesus, wenn ich angefochten bin, weil ich Gott und seine Macht und Liebe nicht sehen kann in dieser Welt, so laร mich fest auf dich blicken, denn du bist mein Herr und mein Gott. Amen.
Such, wer da will, ein ander Ziel,
die Seligkeit zu finden;
mein Herz allein bedacht soll sein,
auf Christum sich zu grรผnden;
sein Wort ist wahr, sein Werk sind klar,
sein heilger Mund hat Kraft und Grund,
all Feind zu รผberwinden.8
Wenn ich denn des innewerde, so schรผtte ich mein Herz aus bei mir selbst; denn ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken unter dem Haufen derer, die da feiern.
Ich bin allein. Da ist keiner, dem ich mein Herz ausschรผtten kann. So tue ich es vor mir selbst und vor dem Gott, zu dem ich schreie. Es ist gut, sein Herz auszuschรผtten in der Einsamkeit und den Kummer nicht in sich hineinzufressen. Aber je einsamer ich bin, desto grรถรer wird in mir das Verlangen nach der Gemeinschaft mit anderen Christen, nach gemeinsamem Gottesdienst, gemeinsamem Beten und Singen, Loben, Danken und Feiern. Ich sehne mich wieder nach der Kirche. Ich erinnere mich an sie, und die Liebe zu ihr wird groร in mir. Wer nach Gott ruft, ruft nach Jesus Christus, wer nach Jesus Christus ruft, ruft nach der Kirche.
Gott Heiliger Geist, schenke mir Brรผder, mit denen ich im | Glauben und Gebet Gemeinschaft habe, mit denen ich alles tragen kann, was mir auferlegt ist. Fรผhre mich zurรผck in deine Kirche, zu deinem Wort und zum Heiligen Abendmahl. Amen.
Herz und Herz vereint zusammen
sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen
lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder,
er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brรผder,
er ist unser, wir sind sein.9
Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde ihm noch danken, daร er mir hilft mit seinem Angesicht.
Betrรผbnis und Unruhe wรคhren nur eine kurze Zeit. Sie sollen mein Herz nicht gefangen nehmen. Sprich auch du zu deiner Seele, laร es ihr nicht zu, daร sie sich quรคlt und Sorgen macht. Sag zu ihr: Harre auf Gott! Harre nicht von einem Tag zum andern auf mehr Not, mehr Unheil, harre auch nicht auf plรถtzliche glรผckliche Wendungen aller Dinge, sondern harre auf Gott! Sein Angesicht, das ist Jesus Christus, wird mir gewiร helfen, und ich werde ihm gewiร dafรผr danken. Ist Jesus bei dir, dann kannst du nur noch danken.
Dreieiniger Gott, mache mein Herz fest und grรผnde es allein auf dich und deine Hilfe. Dann ist mir geholfen und ich will dir in Ewigkeit danken. Amen.
Warum sollt ich mich denn grรคmen?
Hab ich doch Christum noch,
wer will mir den nehmen?
Wer will mir den Himmel rauben,
den mir schon Gottes Sohn
beigelegt im Glauben?10 |
Mein Gott, betrรผbt ist meine Seele in mir; darum gedenke ich an dich im Lande am Jordan und Hermonim, auf dem kleinen Berge.
Warum dieser Rรผckfall? Muร denn auf Trost immer wieder Traurigkeit folgen? Das ist das menschliche Herz, das sich nicht trรถsten lassen will, das von einer Betrรผbnis in die andere fรคllt und nur durch Gott festgehalten werden kann. Fern vom Tempel in Jerusalem, fern von der Kirche und der Gemeinschaft der Glรคubigen bleibt die Sehnsucht ungestillt und wach. Die Gedanken gehen zu der geistlichen Heimat, in der Friede und Freude sein wird und das Herz bei Gott einkehrt. Wann werde ich sie wiedersehen?
Vater, wenn du mich in die Fremde schickst, dann erhalte mir die heilsame Sehnsucht nach meiner geistlichen Heimat, und richte meine Gedanken auf die ewige Heimat, in der du uns trรถsten wirst. Amen.
Jerusalem, du hochgebaute Stadt,
wollt Gott, ich wรคr in dir!
Mein sehnlich Herz so groร Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir;
weit รผber Berg und Tale,
weit รผber blaches Feld
schwingt es sich รผber alle
und eilt aus dieser Welt.11
Deine Fluten rauschen daher, daร hier eine Tiefe und da eine Tiefe brausen; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen รผber mich.
Fluten, Wogen und Wellen โ hรถrst du, wie das Meer der Welt hier รผber den Frommen hereinbricht? Es will ihn verschlingen, er ist wie ein Ertrinkender, der keinen Grund mehr findet und dessen Krรคfte versagen. So kann die Welt Macht รผber uns gewinnen. Kennen wir aber auch den, dem | Wind und Meer gehorsam sind (Matth. 8,23โ27), der zu seiner Zeit aufsteht und das Meer bedroht, und es wird ganz stille?
Herr Jesus Christus, laร mich nicht versinken! Sprich dein starkes Wort und errette mich! Du allein kannst es. Amen.
Einst in meiner letzten Not
laร mich nicht versinken.
Soll ich von dem bittern Tod
Well auf Welle trinken,
reiche mir dann liebentbrannt,
Herr, Herr, deine Glaubenshand!
Christ Kyrie, komm zu uns auf die See!12
Der Herr hat des Tages verheiรen seine Gรผte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.
Tag und Nacht, wie endlos lang und trostlos sind sie, wenn wir ohne Gott sind. Aber wie frรถhlich wird der bรถseste Tag, wenn ich Gottes Gรผte darin festhalte und glaube, wenn ich weiร, daร denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen mรผssen13; und wie still und erlรถsend wird die tiefste Nacht, wenn ich in ihr zu Gott singe und bete, zu dem Gott, der nicht meinen Tod, sondern mein Leben will, zu dem Gott meines Lebens. Gottes Verheiรungen gelten und erfรผllen Tag und Nacht, Woche um Woche, Jahr um Jahr. Wenn ich sie nur ergreife!
Gott, Heiliger Geist, mache alle deine Verheiรungen wahr an mir. Ich bin bereit, Tag und Nacht. Erfรผlle du mich ganz. Amen.
Sollt ich meinem Gott nicht singen?
Sollt ich ihm nicht dankbar sein?
Denn ich seh in allen Dingen,
wie so gut erโs mit mir mein.
Istโs doch nichts als lauter Lieben, |
das sein treues Herze regt,
das ohn Ende hebt und trรคgt,
die in seinem Dienst sich รผben.
Alles Ding wรคhrt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.14
Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muร ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drรคngt?
Warum hast du mein vergessen? Jedem Christen kommt einmal diese Frage รผber die Lippen, wenn alles gegen ihn steht, wenn ihm alle irdische Hoffnung zerbricht, wenn er sich in dem Lauf der groรen Weltereignisse gรคnzlich verloren fรผhlt, wenn alle Lebensziele scheitern und alles sinnlos scheint. Dann aber kommt es darauf an, an wen er diese Frage richtet. Nicht an ein dunkles Schicksal, sondern an den Gott, der mein Fels ist und bleibt, der ewige Grund, auf dem mein Leben ruht. Ich gerate in Zweifel, Gott bleibt fest wie ein Fels; ich schwanke, Gott steht unerschรผtterlich; ich werde untreu, Gott bleibt treu, Gott mein Fels.
Herr, mein Gott, sei mir ein fester Grund, auf den ich in dieser und in jener Zeit bauen kann. Amen.
Laร mich dein sein und bleiben,
du treuer Gott und Herr,
von dir laร mich nichts treiben,
halt mich bei deiner Lehr.
Herr, laร mich nur nicht wanken,
gib mir Bestรคndigkeit;
dafรผr will ich dir danken
in alle Ewigkeit.15
Es ist wie ein Mord in meinen Gebeinen, daร mich meine Feinde schmรคhen, wenn sie tรคglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? |
Schmach dulden und zum Gespรถtt werden um des Glaubens willen, das ist eine Auszeichnung der Frommen seit Jahrtausenden. Es tut Leib und Seele weh, wenn kein Tag vergeht, ohne daร der Name Gottes angezweifelt und gelรคstert wird. Wo ist nun dein Gott? Ich bekenne ihn vor der Welt und vor allen Feinden Gottes, wenn ich in tiefster Not an Gottes Gรผte, in Schuld an die Vergebung, im Tod an das Leben, in der Niederlage an den Sieg, in der Verlassenheit an Gottes gnรคdige Gegenwart glaube. Wer Gott im Kreuze Jesu Christi gefunden hat, weiร, wie wunderlich sich Gott in dieser Welt verbirgt und wie er gerade dort am nรคchsten ist, wo wir ihn am fernsten glauben. Wer Gott im Kreuz gefunden hat, der vergibt auch allen seinen Feinden, weil Gott ihm vergeben hat.
Gott, verlaร mich nicht, wenn ich Schmach leiden muร; vergib allen Gottlosen, wie du mir vergeben hast, und bringe uns alle endlich durch das Kreuz deines lieben Sohnes zu dir. Amen.
Herr, unser Gott, laร nicht zuschanden werden
die, so in ihren Nรถten und Beschwerden
bei Tag und Nacht auf deine Gรผte hoffen
und zu dir rufen.16
Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, daร er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
So laร nun allen Kummer fahren und warte! Gott weiร die Stunde der Hilfe und die wird kommen, so wahr Gott Gott ist. Er wird deines Angesichts Hilfe sein; denn er kennt dich und hat dich geliebt, ehe er dich schuf. Er will dich nicht fallen lassen. Du bist in seinen Hรคnden. Zuletzt wirst du fรผr alles, was dir widerfuhr, nur danken kรถnnen, denn du hast gelernt, daร der allmรคchtige Gott dein Gott ist. Dein Heil heiรt Jesus Christus. |
Dreieiniger Gott, ich danke dir, daร du mich erwรคhlt und geliebt hast. Ich danke dir fรผr alle Wege, die du mich fรผhrst. Ich danke dir, daร du mein Gott bist. Amen.
Weicht, ihr Trauergeister,
denn mein Freudenmeister,
Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben,
muร auch ihr Betrรผben
lauter Freude sein.
Duld ich schon
hier Spott und Hohn,
dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu, meine Freude.17
2. PREDIGT ZU SACHARJA 3,1โ5. FINKENWALDE, 5. SONNTAG NACH TRINITATIS, 21. 7. 19351
den 21. VII. 35.
Sacharja 3,1โ5.
[Und mir ward gezeigt der Hohepriester Josua, stehend vor dem Engel des Herrn; und der Satan stund zu seiner Rechten, daร er ihm widerstรผnde. Und der Herr sprach zu dem Satan: Der Herr schelte dich, du Satan! ja, der Herr schelte dich, der Jerusalem erwรคhlet hat! Ist dieser nicht ein Brand, der aus dem Feuer errettet ist? Und Josua hatte unreine Kleider an und stand vor dem Engel, welcher antwortete und sprach zu denen, die vor ihm stunden: Tut die unreinen Kleider von ihm! Und er sprach zu ihm: Siehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommen und habe dich mit Feierkleidern angezogen. Und er sprach: Setzt einen reinen Hut auf sein Haupt! Und sie setzten einen reinen Hut auf sein Haupt und zogen ihm Kleider an, und der Engel des Herrn stund da.]
โ- und mir ward gezeigtโ โ wem etwas gezeigt wird, der bekommt etwas zu sehen mit seinen Augen. Der Prophet hat Augen โ seht euch all die alten Propheten bilder an, die zu einer Zeit gemalt wurden als man noch etwas verstand von der Bibel โ auf die Augen kommtโs an, die Augen machen den Propheten. Es ist ein dunkles Rรคtsel รผber uns, daร wir in gรถttlichen Dingen keine Augen haben, auf die Ohren kommtโs bei uns an, das Hรถren macht den Christen und den Glaubenden. โNur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, seine Klarheit kann nicht ein โฆโ, โdenn das ist die grรถรte | Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann.โ2 Das sind wir โ sagen kรถnnen wirโs wohl, verkรผndigen, schreien, daร einem die Ohren davon gellen und hรถren kรถnnen wirโs tรคglich in unserer verfallenen Welt, รผber unser von der Sรผnde zerfressenes Leben es uns sagen lassen โ es ist eine neue Welt, es ist ein neues Leben, so hรถrt doch โ aber sehen kรถnnen wir es nicht. Denn โdie Decke vor den Augen kann nicht taugenโ. Tod sehen wir und langsame Verwesung und Zersetzung, Krankheit und Leid sehen wir, Kampf und Mord und Trotz3 und Verzweiflung sehen wir โ und wir hรถren gegen all das was wir sehen das wunderliche Geschrei4 โ glaubt dem nicht, was ihr seht โ glaubt aber dem, was ihr hรถrt โ es ist alles schon zu Ende gegangen, was ihr seht โ der Tod ist tot, der Kampf ist geschlagen5, die Sรผnde ist selbst zur Sรผnde geworden โ die Welt eurer Augen lebt nicht mehr โ werdet Menschen des Hรถrens, Menschen, die Ohren haben, denn Gott redet zu euch durch eure Ohren.6
โโ und mir ward gezeigtโ โ sagt der Prophet, abermals: wir hรถren nur, daร er es sagt, er hat es gesehen. Nicht mit frechen, vorwitzigen Augen, die zu sehen begehren, was sie nicht sehen dรผrfen, sondern mit geรถffneten Augen, vom Herrn geรถffnet und erleuchtet, mit gehorsamen Augen. Die Decke vor den Augen ist hier einen Augenblick fortgetan, die Hรผlle der Welt und der Zeit fรคllt fรผr einen Augenblick โ und die Augen tun sich weit und staunend auf โ โund mir ward gezeigtโ โ von Gott gezeigt.
โDer Hohepriester Josuaโ โ seltsam! tรคglich konnte der Prophet ihn sehen im Tempel, in der Gemeinde. Jeder kannte ihn, das Haupt der jรผdischen Gemeinde, die aus der Verbannung zurรผckgekehrt war; jeder wuรte, daร er es war, der ans Werk ging, den vom Feind zerstรถrten Tempel, die verwรผstete Gemeinde Gottes und die alten Gottesdienste wieder aufzurichten.7 Wenn irgend einer so | war er es, auf dessen Frรถmmigkeit und Gerechtigkeit, auf dessen Eifer um den Tempel Gottes, auf dessen unerschรผtterlichen Glauben an die Verheiรung jeder Jude ehrfurchtsvoll sah und sich vor ihm beugte, auf den man alle Hoffnung setzte, der jedem ein frommes Vorbild war in jenen Tagen der Erneuerung der Kirche Gottes. โDer Hohepriester Josuaโ โ der erwรคhlte Mann Gottes โ vor dem Volk stehend, fรผr es opfernd und im Gebet eintretend, warnend und trรถstend und aufrufend โ so hatte ihn jeder schon gesehen โ.
โDer Hohepriester Josua, stehend vor dem Engel des Herrnโ โ nicht vor dem Altar, nicht vor dem Volk, sondern nun gegenรผberstehend dem Engel des Herrn. Dort wo jeder Mensch einmal stehen muร, nein, wo er eigentlich jeden Augenblick steht, ob er es weiร oder nicht, dort wo alles Licht ist und alles ans Licht kommt,8 dort wo der Mensch im Gebet tรคglich selbst hintritt โ wie sollte dort nicht auch der Hohepriester Josua stehen? wie sollte der fromme und heilige Priester dort nicht gerade am rechten Ort sein? Was fรผr ein herrlicheres und verheiรungsvolleres Gesicht konnte einem Propheten gezeigt werden?
โโ und der Satan stund zu seiner Rechten, daร er ihm widerstรผndeโ โ der Satan neben Josua, dem Hohenpriester! was hat der Satan hier verloren? wer hat ihm den Eingang erlaubt? was hat der Satan an diesem Mann? Nicht scheu und enttรคuscht und geprellt um eine kostbare Beute steht er da, sondern als der Anklรคger, als der Feind, โdaร er ihm widerstรผndeโ, daร er furchtbare Dinge gegen ihn sagte, daร er ans Licht brรคchte, was verborgen blieb in der Welt, daร er ihn enthรผllte, daร er ihn zum Sรผnder machte, zum Ungerechten โ ihn, den Hohenpriester Josua! โ โder Satan stund zu seiner Rechtenโ โ Josua hat das Heil nicht verdient, er ist ein Heilloser, wie alle anderen Menschen, sein Priesterkleid hat ihn nicht zu retten vermocht, er ist nicht der erste Priester und Papst und Pfarrer und Heilige, der mir gehรถrt โ so sagt | Satan. Der Satan hat Freude daran, den Heiligen zu verklagen โ kommt da ein armer elender Sรผnder vor den Thron Gottes, so hat der Satan wenig Freude dran, kommt da aber einer mit dem Glanz der Frรถmmigkeit und der Gerechtigkeit, kommt da ein Kirchenmann, kommt da ein Kirchenreformer, einer, der vor der Welt ein Mann Gottes war, so fรคhrt er herzu, so muร der Teufel dabei sein, so ist er unwiderstehlich selbst auf dem Plan, hier ist er grade am rechten Ort. Hier in Josua stand ja die ganze erneuerte Kirche Gottes vor dem Richterstuhl, die nach Zerstรถrung und Verwรผstung im Glauben an die Verheiรung neugebaute Kirche, da muร der Teufel herzu. Der Satan neben Josua dem Hohenpriester โ ein furchtbares Gesicht.
Wird Josua sich verteidigen? darf er etwas sagen gegen seinen Anklรคger? nein in dieser Stunde hat kein Mensch mehr ein Wort zu sagen, hier gibt es keine Selbstverteidigung mehr, hier reden nur zwei โ an ihrem Reden hรคngt das Urteil โ Satan und der ewige Fรผrsprecher, Christus.9 Josua muร stumm bleiben. Aber Christus, der Herr, redet.
โUnd der Herr sprach zu dem Satan: Der Herr schelte dich, du Satan, ja der Herr schelte dich, der Jerusalem erwรคhlt hat. Ist dieser nicht ein Brand, der aus dem Feuer gerettet ist?โ Christus10 verteidigt Josua, seinen Hohenpriester. Der Herr schelte dich, Satan โ weiรt du nicht, daร du an diesem Mann kein Recht hast? Kennst du die Regeln deines Spieles so schlecht, daร du dich an diesem Hohenpriester vergreifst? Der Satan wird gescholten โ seltsam, nicht wahr, den Satan zu schelten! โ wie soll der Satan das begreifen, der doch nichts anderes will als von Gott gescholten sein? Der Herr schelte dich, du Satan โ auch deine Satanei hat ihre Grenzen, die du respektieren solltest โ hier ist Gottes Hoherpriester โ die Finger weg, Satan,11 โ hier ist Gottes Eigentum โ โder Jerusalem erwรคhlt hatโ โ Jerusalem ist erwรคhlt! es soll neu errichtet werden, der Tempel und die Mauern und die Gottesdienste, dieses | Jerusalem, in dem Josua der Hohepriester ist, ist Gottes Stadt und Kirche, aller Untreue, aller Schwรคche, aller Sรผnde zum Trotz. Wo Gott erwรคhlt hat, da hat der Satan kein Recht, wo Gott sich zu einer Kirche bekennt, da darf der Satan aller Sรผnde dieser Kirche zum Trotz nicht mehr anklagen โ Gottes Erwรคhlung ist stรคrker als die Anklage des Teufels, der Herr schelte dich, der Jerusalem erwรคhlt hat. โIst dieser nicht ein Holzscheit, das aus dem Feuer errettet istโ โ herausgerissen aus dem Brand, aus dem Feuer, daร es nicht mitverbrenne, herausgerissen und errettet, von Gott lieb und heilig gehalten, nicht der Verdammung anheimgegeben โ wo Gott von einem Menschen sagt: errettet, da hat der Satan sein Recht verloren โ erwรคhlt, errettet, sagt der Herr โ als Josua, sein Hohepriester vom Satan angeklagt wird.
Aber Josua hatte unreine Kleider an und stund vor dem Engelโ โ der Hohepriester in unreinen Kleidern; den der Prophet tรคglich in den weiรen glรคnzenden Kleidern und in dem heiligen Schmuck seines Amtes im Tempel vor dem Volk sah, er steht mit befleckten, unreinen Kleidern vor Gott. Was ist das fรผr ein furchtbares Bild? Ist Josua, der Hohepriester ein verborgener, heimlicher Sรผnder? ist er einer von Jenen, die ihr heiliges Kleid zur Decke ihrer Schande und Bosheit tragen, ist er ein Heuchler und Schauspieler, ist er in all seiner Frรถmmigkeit selbst verwerflich geworden und nun bringt es das Gesicht des Propheten an den Tag? Josua, der Hohepriester, vor dem Engel des Herrn, der Satan ihm zur Seite, um ihn anzuklagen, der Herr fรผr ihn eintretend โ aber Josua hatte unreine und befleckte Kleider an.
Hat der Satan nicht recht mit seiner Anklage, hat er nicht ein Recht an diesem Mann, der da in unreinen Kleidern da steht? Was nรผtzt es, wenn der Herr den Satan schilt โ wenn er sagt: erwรคhlt, errettet โ Josua hatte unreine Kleider an โ die Erwรคhlung ist verloren, die Errettung hat nichts geholfen โ der Satan hat seine Freude und zeigt auf sein Werk, siehe da โdie | unreinen Kleiderโ! โ und Josua, der Hohepriester steht vor Gott in unreinen Kleidern und darf kein Wort sagen.
Eine furchtbare Botschaft, die der Prophet seiner Gemeinde und dem Hohenpriester Josua selbst durch sein Gesicht bringen muรte โ wenn Josua unreine Kleider anhatte an jenem Tage, wer sollte denn dann bestehen kรถnnen, wer sollte dann hoffen dรผrfen, in reinen Kleidern vor Gott hinzutreten? Wenn Josua unreine Kleider hat, so hat ja die ganze Gemeinde12 selbst unreine Kleider, dann ist es ja mit aller Treue, mit allem Glauben, mit allem Bekenntnis vor der Welt nichts, dann ist ja auch diese heilige Stadt, diese gereinigte Kirche nichts, dann ist alle Heiligkeit vor Gott nur wie ein unreines Kleid.
โJosua hatte unreine Kleider anโ โ nein, nicht weil er ein heimlicher Heuchler war, weil er verwerflich wurde hinter der Decke seiner Frรถmmigkeit โ Josua hatte unreine Kleider, weil er vor Gott stand. Weil vor Gott alle unsre Heiligkeit, Frรถmmigkeit und Gerechtigkeit, all unsere Arbeit an der Kirche, an dem Bau der Stadt, die Gott erwรคhlt hat โ ist wie ein unreines Kleid. Wer will es denn wagen, zu sagen aus welcherlei verschiedenen unreinen Fรคden das Kleid gewirkt ist, das wir uns und unserer Kirche zu arbeiten am Werk sind,13 wieviel menschlich fatale Unklarheiten dabei im Spiel sind, wie oft uns gerade in unserem kirchlichen Verhalten unser Fleisch und Blut einen bรถsen Streich spielen โ kurz, wir verstehen schon โ es gibt keinen Grund zu glauben, daร wir mit reinen Kleidern da stehen wรผrden, wo Josua, der Hohepriester, mit unreinen Kleidern steht. Wo bleibt angesichts solchen Bildes die Hoffnung?
Allein dort, wo sie fรผr Josua stand โ er hatte nichts zu sagen, kein Wort der Verteidigung, er trug unreine Kleider, er hatte sein Recht verloren โ seine Hoffnung ist der Gott, der ihn vertritt, der fรผr ihn eintritt, der den Satan schilt und verwirft, seine Hoffnung ist der Gott, [der] den Unreinen rein macht โ Christus. Gott spricht zum zweiten Mal, er selbst muร nun re- | den und sein Wort ist Tat:
โโ tut die unreinen Kleider von ihmโ โ reiรt sie ab von ihm; Gott will seinen Hohenpriester, den Brand, den er aus dem Feuer gerettet [hat,] nicht so vor sich sehen. Josua soll rein sein โ das ist Gottes Machtwort. Gott will es so, der Jerusalem erwรคhlt hat, โ und Gott allein kann es tun โ โtut die unreinen Kleider von ihm!โ โ dieses Werk des Satans, diese Erinnerung an seine Macht und Gewalt und List, โ Josua soll rein vor Gott stehen โ etwa weil er imgrunde doch rein war, weil die Anklage des Satans ihn nicht treffen konnte? Nein โ nur aus einem einzigen Grunde:
โโ siehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommenโ โ das ist das rettende Wort, das ist das schรถpferische Wort, das ist Gnade und Vergebung โ โich habe deine Sรผnde von dir genommenโ โ ich habe sie genommen, Gott hat es getan, er hat sie getragen und wir sind frei, er tritt fรผr uns ein und spricht uns frei14 โ โsiehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommenโ โ Josua soll rein sein, frei sein, Josua soll nicht gerichtet werden, Josua soll leben. Von diesem Wort lebt Josua, von dem Wort der Vergebung โ er hat unreine Kleider โ tut die unreinen Kleider von ihm, sagt Gott, der Allmรคchtige โ siehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommen, sagt Gott, der Gnรคdige. Wo Gott die Sรผnde und Unreinheit von uns nimmt, da ist Vergebung und neues Leben.
โโ ich habe dich mit Feierkleidern angezogenโ โ was ist dies Feierkleid? Es ist das Wort der Vergebung, das die Sรผnde und Unreinheit zudeckt, es ist die Gnade, mit der bekleidet15 wir vor Gott treten kรถnnen. Das Wort Gottes selbst, uns gegeben, uns gesagt, ist das rechte und einzige Feierkleid.
โUnd er sprach: setzt einen reinen Hut auf sein Haupt! und sie setzten einen reinen Hut auf sein Haupt und zogen ihm Kleider an und der Engel des Herrn stund daโ โ das ist die sichtbare Beglaubigung, das Siegel, das Gott unter sein Wort setzt โ das Kleid der neuen Heiligung und Gerechtigkeit. Das ist das Ja Gottes zu Jerusalem, das er erwรคhlt, zu seinem | Hohenpriester, den er errettet hat. Jerusalem ist gereinigt von seiner Sรผnde, Josua ist geheiligt zu neuem Dienst; nicht aus der eigenen Heiligkeit und Gerechtigkeit, sondern aus der Tat Gottes, der seine Kirche, die er erwรคhlt hat, tรคglich reinigt und heiligt, der seine Erwรคhlung hรคlt aller Unreinheit zum Trotz. Und der Engel des Herrn stund da: der Satan ist verschwunden, der Engel des Herrn behielt das Feld und tritt schรผtzend zu Josua, dem Hohenpriester.
Dieses Bild und diese Geschichte des Josua ist das Bild und die Geschichte unserer Kirche โ merken wir uns diese drei Bilder โ ich sah Josua, den Hohenpriester stehend vor dem Engel des Herrn und der Satan stund zu seiner Rechten โ die Kirche โ in jedem Augenblick und in der letzten Zeit โ stehend vor Gott und der Satan verklagt sie โ Josua hatte unreine Kleider, die Kirche, unsere Bekennende Kirche steht in unreinen Kleidern vor Gott โ Tut die unreinen Kleider von ihr, ich habe ihr Feierkleider angezogen โ Gott, sprich so auch zu uns und zu dieser Gemeinde, dieses Wort ist unser Leben, mach uns recht fertig vor dir in reinen Kleidern zu stehen. Amen.
3. SKIZZE ZU PROVERBIA 3,27โ331
Sprรผche 3,27 ff
[Weigere dich nicht, dem Dรผrftigen Gutes zu tun, so deine Hand von Gott hat, solches zu tun. Sprich nicht zu deinem Nรคchsten: โGehe hin und komm wieder; morgen will ich dir gebenโ, so du es doch wohl hast. Trachte nicht Bรถses wider deinen Nรคchsten, der auf Treue bei dir wohnet. Hadre nicht mit jemand ohne Ursache, so er dir kein Leid getan hat. Eifre nicht einem Freveln nach und erwรคhle seiner Wege keinen; denn der Herr hat Greuel an dem Abtrรผnnigen, und sein Geheimnis ist bei den Frommen. Im Hause des Gottlosen ist der Fluch des Herrn; aber das Haus der Gerechten wird gesegnet. Er wird der Spรถtter spotten; aber den Elenden wird er Gnade geben. Die Weisen werden Ehre erben; aber wenn die Narren hoch kommen, werden sie doch zu Schanden.]
1.) Weisheit [ist] etwas anderes als Wissen und Verstand2, Lebenserfahrung3. Gilt nicht nur fรผr die Alten, sondern gerade auch fรผr die Jungen4. Wissen ist menschlich, Weisheit gรถttlich. Viel Wissen ohne Weisheit, wenig Wissen und viel Weisheit. Weisheit ist das Geschenk, den Willen Gottes in den konkreten Aufgaben des Lebens zu erkennen. Weisheit ist nicht Lebens-, sondern Gottes-, Christuserfahrung im tรคglichen Leben. Sie ordnet die Beziehung des Menschen zu seinem Nรคchsten, des Mannes zur Frau, des Freundes zum Freund, [des] Vaters zum Kind, [des] Lehrers zum Schรผler, zum Armen, zum Feind, zum Besitz, zu den Begierden. Das Nรคchstliegende. Die Weisheit stellt die Ordnungen Gottes in der Welt wieder her. Weisheit ist das Evangelium im tรคglichen Leben.
2. Vers 27. Wer ist der Dรผrftige? Jeder von uns. Wer ist [der,] der von Gott empfangen hat zu geben? Jeder von uns. Weigere dich nicht โ auf die Bitte nicht sofort nach Grรผnden suchen, sie auszuschlagen โ recht geben heiรt Gottes Gaben weitergeben, daร sie nicht als meine, sondern als Gottes Gabe erkannt wird. Die grรถรte Gabe Gottes: Christus. Weigere dich nicht โ Trost und Ermahnung!
Vers 28. Nicht hinausschieben, was du heute tun kannst, du machst deinen Tag รคrmer. Es kann morgen zu spรคt sein. So handelt Gott am Sรผnder!5 Hilfe ist nur dann Hilfe, wenn sie gebraucht wird, nicht wenn es mir gefรคllt, sie anzubieten. โ Verschieben bedeutet ein Nichtโernstnehmen der letzten Entscheidung [des] Todes6. Jede Bitte kann letzte Entscheidung รผber uns sein. Mit abgeschlagener Bitte sterben?7 โ Mit geplanten guten Taten rechtfertigen wir uns hรคufig. Wir kommen uns gerecht vor, weil wir Gutes zu tun bereit sind, aber auf das Tun allein kommt es an.
Vers 29. Das Vertrauen nicht miรbrauchen, โ durch bรถse, feindliche Gedanken oder Plรคne, durch bรถse Worte. Nicht รผber den Bruder reden! Du kannst dann nicht mehr mit dem Bruder reden!8
Vers 30. Ohne Ursache hadern โ die Antipathie, jene unbegrรผndete Feindseligkeit, die nicht die Natur, sondern der Teufel in uns gebracht hat. Unter Christen gibt es keine Antipathien. Gott hat dich geliebt, hat den anderen geliebt.
[Vers] 31[f]. Nicht neidisch [sein], wenn es einem auf seinen Wegen besser geht als dir โ das Geheimnis, Gott ist zwar verborgen, aber bei uns.
[Vers] 33. Fluch und Segen im Haus, in der Arbeit, in der Gemeinschaft.
4. SKIZZE EINER BEICHTANSPRACHE ZU PROVERBIA 28,131
Sprรผche 28,13.
[Wer seine Missetat leugnet, dem wird es nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lรครt, der wird Barmherzigkeit erlangen.]2
โ Beichtvorbereitung zu unserer letzten gemeinsamen Beichte: wir denken dabei an die letzten Monate und an unser Leben in der Gemeinschaft der Brรผder. โ โGelingenโ โ was denn? meine Wรผnsche, Vorstellung รผber meinen Christenstand; mein persรถnliches christliches Leben im Gehorsam gegen Gottes Wort โ es gibt nur einen Weg, daร es gelinge bei Gott und Menschen: unsre Sรผnde nicht leugnen, sondern bekennen. Ist es bis heute nicht gelungen, es ist noch Zeit genug, daร es gelinge, nรคmlich wenn du vor Gott auf die Knie gehst und ihm alle deine Sรผnde bekennst.
Sรผnde leugnen; auf verschiedene Weise: 1. sie auf die anderen abschieben, den anderen belasten, um selbst von der Schuld frei zu werden, zum Verklรคger der Brรผder werden. Das ist Verruf und Mord zugleich! 2. sie auf mein Wesen, Eigenart, Veranlagung schieben: โich bin nicht danachโ, โes liegt mir nichtโ, โich brauche etwas anderesโ โ das ist feige Ausflucht vor der Verantwortung, die Gott mir aufgelegt hat, zum Verklรคger des Schรถpfers [werden]3. 3. alles verharmlosen, โkameradschaftliche Lรถsungโ aller dieser Fragen und Sรผnden. Nichtachtung des Bruders, des gemeinsamen Stehens unter dem Wort, dem Gebet, der Andacht.
Warum leugnen wir unsere Sรผnde? 1. aus Angst, daร ich als Christ mich so geschlagen geben soll, daร ich alle Schuld auf mich nehmen soll 2. aus Angst vor Gott, daร ich es mit Gott zu tun kriege und mit der Frage nach seiner Barmherzigkeit 3. aus Angst vor den Folgen: wenn ich meine Sรผnde er- | kenne, so mรผรte ich ja mit ihr brechen und das hat sichtbare Folgen. Die Menschen werden es merken. Ich muร zu Menschen hingehen und sie um Verzeihung bitten, ich muร ja nun endlich anfangen den Kampf gegen mich selbst und die Sรผnde in mir aufzunehmen aller Ruhe und Bequemlichkeit zum Trotz; ich muร vielleicht den Gang zur Beichte wagen. Darum leugne ich, aber: es wird mir auch nicht gelingen, ich tue, was ich wolle.
โBekennen und Lassen der Sรผnde, dem wird es gelingenโ โ wie geschieht das? 1. erkennen, daร ich selbst an allem schuld bin; nicht die Umstรคnde, nicht die anderen, nicht meine Anlagen mรผssen anders werden, sondern ich selbst. Sonst ist mir nicht geholfen. Ich habe die Andacht miรachtet, die Gebetszeit nicht genรผtzt, die Brรผder nicht geachtet, nicht fรผr sie gebetet, sie nicht um Rat und Hilfe gebeten. Ich selbst! 2. Hingehen zum Bruder und ihn um Verzeihung bitten, daร nichts zwischen uns ist, was uns trennt. Mt 5[,22โ24]. 3. Die Beichte. Letzte Ermahnung. Kannst du anders nicht mehr zum Sรผnder werden, so werde es in der Beichte; und es wird dir gelingen. โฆ und lassen, der Haร gegen die Sรผnde wรคchst mit der Liebe zu Gott. Ein neues Leben anfangen mit Gottes Hilfe. Unsere Gemeinschaft wird rechte christliche Gemeinschaft und Bruderschaft wenn wir zusammen als Sรผnder und gemeinsam Vergebung in einem neuen Anfang gewinnen. Der neue Anfang fรผhrt in die Ewigkeit.
5. BIBLISCHE BESINNUNG: DER MORGEN1
Morgensegen. Andacht. Meditation. Gottesdienst. Gesetzlichkeit? Der Tag2. Unsere Launen, unser รbereifer, Sorgen.
Ps 30,6 46,6 55,18 (!) 73,14 127,2 Jes 5,11! Jes 50,4 Klag. 3,23 Hos 12,8 Am 4,4 5,8 Zeph 3,5 3 Mos 22,30 2 Mos 16,7 Joh 21,4 Ufer Jes 26,9 Ps 57,5 119,147 komme in der Frรผhe3
Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unsers Lebens. Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes. Der heutige Tag ist die Grenze unsers Sorgens und Mรผhens (Mt 6,34 Jac 4,14).4 Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren, um Glauben zu halten oder in Sรผnde und Schande zu fallen.5 Darum schuf Gott Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wanderten, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sรคhen. Wie die alte Sonne doch tรคglich neu aufgeht, so ist auch die ewige Barmherzigkeit6 Gottes alle Morgen neu (Klag. 3,23). Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen, mitten in einem Leben mit Gott tรคglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dรผrfen, das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht.
In der heiligen Schrift ist der Morgen eine Zeit voller Wunder. Er ist die Stunde der Hilfe Gottes fรผr seine Kirche7 (Ps 46,6), die Stunde der Freude nach einem Abend des Weinens (Ps 30,6), die Stunde der Verkรผndigung des gรถttlichen Wortes (Zeph 3,5), der tรคglichen Austeilung des heiligen Mannas (2 Mose 16,13 f). Vor Tagesanbruch geht Jesus beten (Mk 1,35), in der Frรผhe gehen die Frauen zum Grab und finden Jesus auferstanden,8 im Morgengrauen finden die Jรผnger den Auferstandenen am Ufer des Sees von Tiberias (Joh 21,4). Es ist die Erwartung der Wunder Gottes, die die Mรคnner des Glaubens frรผh aufstehn lรครt (1 Mos 19,27 2 Mos 24,4 Hiob 1,5 und รถfter). Der Schlaf hรคlt sie nicht mehr. Sie eilen der frรผhen Gnade Gottes entgegen. |
Beim Erwachen vertreiben wir die finsteren Gestalten der Nacht und die wirren Trรคume, indem wir alsbald den Morgensegen sprechen und uns fรผr diesen Tag fรผr Hilfe dem dreieinigen Gott befehlen. Bรถse Launen, unbeherrschte Stimmungen und Wรผnsche und Sorgen9, die wir am Tag nicht mehr los werden, sind oft genug Nachtgespenster, die nicht beizeiten verjagt worden sind und uns den Tag vergรคllen wollen. In die ersten Augenblicke des neuen Tages gehรถren nicht eigene Plรคne und Sorgen, auch nicht der รbereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nรคhe. Wen die Sorge frรผhzeitig aufweckt, zu dem sagt die Schrift: โes ist umsonst, daร ihr frรผhe aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Trรคnenโ10 (Ps 127,2). Nicht die Angst vor dem Tag, nicht die Last der Werke, die ich zu tun vorhabe, sondern der Herr โweckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr daร ich hรถre wie ein Jรผngerโ; so heiรt es vom Knecht Gottes (Jes 50,4). Bevor das Herz sich der Welt aufschlieรt, will Gott es sich erschlieรen, bevor das Ohr die unzรคhligen Stimmen des Tages vernimmt, soll es in der Frรผhe die Stimme des Schรถpfers und Erlรถsers hรถren. Die Stille des ersten Morgens hat Gott fรผr sich selbst bereitet. Ihm soll sie gehรถren.
Vor das tรคgliche Brot gehรถrt das tรคgliche Wort. Nur so wird auch das Brot mit Danksagung empfangen. Vor die tรคgliche Arbeit gehรถrt das morgendliche Gebet. Nur so wird die Arbeit in der Erfรผllung des gรถttlichen Befehls getan. Fรผr stille Gebetszeit und gemeinsame Andacht muร der Morgen eine Stunde hergeben. Das ist wahrhaftig keine vergeudete Zeit. Wie kรถnnten wir anders gerรผstet den Aufgaben, Nรถten und Versuchungen des Tages entgegengehen? Und ob wir auch oft nicht โin Stimmungโ dafรผr sind, so ist es doch schuldiger Dienst an dem, der von uns angerufen, gelobt und gebeten sein will und der uns unsern Tag nicht anders als durch sein Wort und unser Gebet segnen will.
Es ist nicht gut von โGesetzlichkeitโ zu reden, wo es um die | Ordnung unsers christlichen Lebens, um die Treue in den gebotenen Dingen des Schriftlesens und Betens geht.11 Unordnung zersetzt und zerbricht den Glauben. Das muร der Theologe besonders lernen, der Zuchtlosigkeit so leicht mit evangelischer Freiheit verwechselt. Wer einmal ein ausfรผllendes geistliches Amt versehen und nicht in Betriebsamkeit sich und seine Arbeit zugrunde richten will, der lerne beizeiten die geistliche Disziplin des Dieners Jesu Christi. Der junge Theologe wird es als eine groรe Hilfe erfahren, wenn er sich fรผr sein stilles Gebet und fรผr die Andacht feste Zeiten setzt, die er in groรer Beharrlichkeit12 und Geduld einhรคlt.
Die stille Gebetszeit13 braucht jeder Christ. Der Theologe, der Christ sein will, braucht sie nรถtiger als irgend ein anderer. Er braucht mehr Zeit fรผr Gottes Wort14 und fรผr das Gebet, denn dazu ist er besonders [ein]gesetzt15 (Akta 6,4). Wie sollen wir den Tag รผber mit Gottes Wort umgehen, predigen und unterweisen lernen, anderer Menschen Last brรผderlich tragen helfen, wenn wir nicht selbst Gottes Hilfe fรผr den Tag erfahren haben? Wir wollen ja nicht Schwรคtzer und Routiniers werden. Es ist ratsam der stillen Gebetszeit ein Wort Gottes zugrunde zu legen. Das gibt dem Gebet Inhalt, festen Grund und Zuversicht. Es kann fรผr eine Woche derselbe Schriftabschnitt sein.16 Dann wird das Wort in uns zu wohnen und zu leben beginnen und uns bewuรt oder unbewuรt gegenwรคrtig sein. Ein zu rascher Wechsel macht oberflรคchlich. Auf dem Grund der Schrift lernen wir in der Sprache, in der Gott zu uns gesprochen hat, zu Gott sprechen, wie das Kind zum Vater. Vom Worte Gottes ausgehend beten wir alles was das Wort uns lehrt, bringen wir den kommenden Tag vor Gott und reinigen unsre Gedanken und Vorsรคtze vor ihm, beten wir vor allem um die volle Gemeinschaft Jesu Christi mit uns. Wir wollen nicht vergessen fรผr uns selbst zu beten. โAchte deine Seele hoch in Demutโ ([Jesus Sirach 10,31]17). Dann aber liegt vor uns das weite Feld der Fรผrbitte. Hier weitet sich der | Blick, er sieht nahe und ferne Menschen und Dinge, um sie der Gnade Gottes zu befehlen. Keiner, der uns um unsre Fรผrbitte gebeten hat, darf fehlen. Dazu kommen all die, die uns persรถnlich oder beruflich besonders anbefohlen sind und das sind viele. Schlieรlich weiร jeder von Menschen, denen sonst wohl kaum einer diesen Dienst tut. Nicht vergessen wollen wir, Gott fรผr die zu danken, die uns durch ihre Fรผrbitte helfen und stรคrken. Wir wollen die stille Gebetszeit nicht beschlieรen, bevor wir mehrfach und schlieรlich mit groรer Gewiรheit18 das Amen gesprochen haben.19
Zur gemeinsamen Andacht suchen wir Hausgenossen oder Brรผder aus der Nachbarschaft, um mit ihnen zusammen das Wort Gottes zu hรถren, zu singen und zu beten. In die Andacht gehรถren vor allem die gemeinsam gelesenen Psalmen, die nur dann zu unsrem Besitz werden, wenn wir sie tรคglich und reichlich und ohne Auslassung lesen und beten, auch dort wo sie uns schwer werden. Dann sollte ein nicht zu bescheidener20 Abschnitt im Alten und Neuen Testament fortlaufend zur Verlesung kommen. Das Lied der Kirche stellt uns in die groรe Gemeinde der Gegenwart und Vergangenheit. Das Gebet, das einer fรผr die ganze Gemeinschaft spricht, bringt die gemeinsamen Anliegen der kleinen Hausgemeinde vor Gott.
Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet, nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden. Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?
6. AUSLEGUNG ZU RรMER 9โ11 (MITSCHRIFT). FINKENWALDE, 28. 9. 19351
Rรถmer 9โ11 Judenproblem.
Wer ist der Jude? Israel nach dem Fleisch?
Kapitel 8 zu 9: Begriff der โErwรคhlungโ. Juden โBrรผderโ2, 9,5 einzige Stelle, wo Christus Gott genannt.
Vers 6โ13 Die Kinder Israel sind nicht = ฯฯฮญฯฮผฮฑ3, sondern nur die der Verheiรung (nicht Ismael, sondern Isaak4). Das ฯฯฮญฯฮผฮฑ tut nichts, sondern das Wort Gottes, so zu dem ฯฯฮญฯฮผฮฑ kommt.5
V 1โ5 wer: nach dem Fleisch6, die die Verheiรungen usw. haben.7 Israel nach dem Fleisch hat alle [Gaben]8 empfangen der Verheiรung. Israeliter sind nur Kinder aber der Verheiรung. Kinder der Verheiรung9 sind aber nur die Erwรคhlten. Nicht durch das ฯฯฮญฯฮผฮฑ sind sie Kinder, sondern durch die Erwรคhlung. Aber als die Erwรคhlten die aus dem ฯฯฮญฯฮผฮฑ แผฮฒฯฮฑฮฌฮผ.10 Realgrund ist die Erwรคhlung. Erkenntnisgrund: ฯฯฮญฯฮผฮฑ. Nicht weil, empfangen sie das Reich Gottes. Sondern als solche, die hinzugetreten sind, hinzugehรถren. Lk 19 โฆ sintemal auch dieser Same Abrahams ist.11
V 14 ff Weiter: Verstockung. Auf nichts als auf Gottes12 zurรผckgefรผhrt. Die Verstockung auf die Erwรคhlung zurรผckgefรผhrt (vgl. Vers 12 Luthers Zusatz โaus Gnade des Berufersโ, wo griechisch einfach แผฮบ ฯฮฟแฟฆ ฮบฮฑฮปฮฟแฟฆฮฝฯฮฟฯ13).
Vers 17: Pharaos Verstockung soll dazu dienen, Gottes Ehre in allen Landen zu verkรผndigen. (Kapitel 11 auch: Israels Verstockung. Gott benutzt die Verstockung eines, um einen anderen zu bekehren.) Die Verstockung hat ein Ziel: Verkรผndigung des Namens. Vielleicht auch ein Ende damit.
Vers 30โKapitel 10,3 Hier von ihrer Schuld geredet. Die Erwรคhlungsverstockung ist zugleich Selbstverschuldung.
V 4โ8 Das Wort des Evangeliums war ihnen schon (den Juden) nahe!
Verstockung: 1.) Gottes Wille 2.) Schuld Israels 3.) Berufung der anderen.
Kapitel 11 Verstoรen? Nein, nicht verstoรen. Beweis: er selber.14 Gott [hat] nicht verstoรen, aber verstockt15. ฮปฮตแฟฮผฮผฮฑ: Rest, Anbruch (Elia)16.
Vers 11 Angelaufen, damit sie nachher fallen? Nein. Sondern Fallen um der Heiden willen geschehen. Verstockung stellvertretend leidend fรผr die Heiden, nicht ohne Schuld, darin Unterschied zum Knecht.17 Stellvertretungsgedanke bleibt. Aber Schuld doch.
Warum muรten die Juden verstockt werden, damit die Heiden das Heil bekรคmen? Damit sie Christus kreuzigten (und Deuterojesaja?18). Es bleibt so, daร Israel der Missionar der Welt ist, leidend stellvertretend, aber nun eben durch die Schuld! Kreuz19 ist schuldhafte Verstockung, die Israel aber nicht aus der missionarischen Aufgabe herausnimmt.
Stellvertretung: Das heiรt Gott geht nicht ab von seinem Plan. Er benutzt die Schuld dazu. Moralisch das nicht zu verstehen.
Vers 15: Erst mit der Auferstehung der Toten wird Annahme Israels kommen.
Vers 17 ff: Wenn schon erwรคhlte Zweige abgehauen, um wieviel mehr ein Heide abgehauen.20
Vers 25 ff: ฮผฯ
ฯฯฮฎฯฮนฮฟฮฝ21 โ Prophetie.
Vers 28 ganz deutlich Stellvertretung, Schuld, Wahl bleibt. An den Juden vollzieht sich ein nicht offenbarer Wille Gottes (Wahl), sie bleiben die Geliebten Gottes, aber แผฯฮธฯฮฟฮฏ22, zum Heil ihnen und den anderen. Es muร geschehen (der Verrat), aber wehe dem, der es tut!23
Nun Frage: Israel nach dem Fleisch oder durch die Natur? oder durch das Gesetz?
Was ist ein Jude?
7. BIBELARBEIT: KรNIG DAVID. FINKENWALDE, 8.โ11. 10. 19351
Kรถnig David.
Anleitung zum Lesen der Samuelisbรผcher. Beitrag zum Thema: Christus im Alten Testament โ unaktuell, absichtlich โ Versenkung in die Gedanken der Bibel.2
Vorbemerkung: Das Zeugnis des Neuen Testaments und der Propheten von David.3
1. Christus ist der Sohn und Same Davids nach dem Fleisch und nach der Verheiรung (R 1[,3] Mt 1[,1] Joh 7,42 2 Tim 2,8. Mt 22,42). Die Genealogien4 Mt 1 und Luk 3, die รผber David auf Joseph fรผhren, der doch nicht der leibliche Vater Jesu wurde, drรผcken5 den Verheiรungscharakter der Sohnschaft nach dem Fleisch aus. Gott hat dem fleischlichen Samen Davids die Verheiรung gegeben, aber damit nicht das Fleisch sich daraus eigenen Ruhm bereite, sondern die Gnade des Verheiรenden allein gepriesen werde, bekundet sich die Treue Gottes gerade seiner dem fleischlichen Samen gegebenen Verheiรung darin, daร die Kette der leiblichen Vรคter Jesu mit Joseph abbricht und Jesus als der Sohn der unbefleckten6 Verheiรung verkรผndet wird7. Diese Verheiรung kannte David nach dem Zeugnis des Neuen Testaments โ โda er ein Prophet war und wuรte, daร | ihm Gott verheiรen hatte mit dem Eide, daร die Frucht seiner Lenden sollte auf seinem Stuhl sitzen โฆโ8 Akta 2,30 โ. David weiร sich als den, durch den Christus auf die Welt kommen soll, und durch diese Verheiรung, Christus sei die Frucht seiner Lenden, weiร er sich auf seinem Thron erhalten. Als der, in dem Christus schon ist, ist er zugleich sein Prophet und Zeuge. Durch die Verheiรung weiร er schon von der Auferstehung Christi und bezeugt sie. Act 2,31 โhat geredet von der Auferstehung Christi, daร seine Seele nicht dem Tod gelassen ist und sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat.โ David ist also Zeuge Christi und seiner Auferstehung โ und zwar insofern von allen Propheten qualificierter Zeuge, als er Christus in seinen Lenden trรคgt, als er selbst durch diese Verheiรung, das heiรt eben durch den Christus in ihm lebt. Also, Christus war realiter9, nach Fleisch und Verheiรung in David โ und David war sein Zeuge.
2. Nicht nur in seiner Person, sondern auch in seinem Amt ist Christus nach dem Zeugnis des Neuen Testaments der Erbe Davids. Der Thron Davids, sein Kรถnigtum und Reich ist der Thron Christi, Sein Kรถnigtum und Sein Reich Luk 1,32.69. Der Thron Davids ist ein ewiger Thron (2 Sam 7[,13]). Die โgewissen Gnaden Davidsโ (Jes. 55,3) sind dem Neuen Testament das Zeugnis fรผr die Auferstehung Christi. Gottes Treue, die er dem David schwรถrt, ist Unterpfand und Beweis, weil im strikten Sinne Gottesbeweis, Gottes eigener Beweis der Auferstehung Christi (Akt 13,34). Der ewige Stuhl Davids ist der Stuhl des auferstandenen Christus, um der Verheiรung und der Treue Gottes willen. So ist das Reich des ChristusโMessias kein anderes als das Reich Davids. Beim messianischen Einzug Jesu in Jerusalem schreit das Volk: โGelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt im Namen des Herrnโ Mark 11,10. Amt und Reich Davids sind Amt und Reich Jesu Christi. In David ist Amt und Reich Christi vorgebildet. In Christus, dem Davidssohn, kommt es wieder10.
3. So versteht es sich, daร das Neue Testament die Worte der Psalmen Davids als Christusworte hรถrt: Hebr 2,12 (Ps 22[,23]). Hebr 10,5 (Ps 40,7 ff[โ9]) heiรt es sogar, daร Christus in diesem Psalm Davids in die | Welt gekommen sei. Christus war real in den Worten Davids prรคsent, wie ja auch Jesus das Zeugnis des Alten Testaments bestรคtigt, David habe im Geist gesprochen (Mt 22,43. 2. Sam 23,2)11. Christus betet am Kreuze Worte aus den davidischen Psalmen, macht sie zu seinen eigenen, bestรคtigt sie als die seinen โ โVater, in deine Hรคndeโ (Luk 23,46 Ps 31,6) โ โmich dรผrstetโ (Joh 19,28 Ps 22,16) โ โMein Gott โฆโ (Mt 27,46 Ps 22,2). Schlieรlich: Christus nennt sich selbst die Wurzel des Geschlechts, den Stamm David (Offbg 22,16 5,5). Er ist vor David, er trรคgt David und er ist selbst der Stamm Davids. Ergebnis: David trรคgt nach Person und Amt Christus in sich. Christus ist in David.
4. Das prophetische Zeugnis kommt darin mit dem neutestamentlichen รผberein, daร es in David den sieht, den Gott wiedererwecken wird als den Messias seines Volkes. In David ist der Messias vorgebildet โ der Messias wird ein neuer Kรถnig David sein Hes 34,23 ff[โ24] Hos 3,5 Jer 30,9.21; etwas anders Jer 33,15 Jes 9,7 11,1 Jes 55,3. Sach 12,8 ff[โ12].
5. Das einhellige Zeugnis der Propheten und des Neuen Testaments erkennt in David den im Alten Bund vorgebildeten Messias. Christus ist in ihm, und nur dadurch ist er, was er ist. Wie der Opferkult der Schatten war, der von dem geschichtlichen, einmaligen12 Opfer Christi auf den Alten Bund fiel, aber nicht nur โSchattenโ, sondern zugleich โVorbildโ (Hebr 8,5 โVorbild und Schattenโ! 10,1), so muร nun analog David als โVorbild und Schattenโ des Messias verstanden werden.13 Schatten gibt es nur wo es Kรถrper gibt. Biblisch heiรt das, daร es Schatten nur gibt weil es Inkarnation, Fleischwerdung des Wortes Gottes gibt. David ist der Schatten des fleischgewordenen Messias. Von der Inkarnation her fรคllt der Schatten auf David. Damit ist die Inkarnation als das Prius14 verstanden. Um der Inkarnation willen und von der Inkarnation her ist David messianischer Kรถnig. Wie aber zwischen Kรถrper und Schatten ein dimensionaler Unterschied besteht, so besteht er auch zwischen Christus und David. Die Dimension der Fleischwerdung ist das แผฯฮฟฯ
ฯฮฌฮฝฮนฮฟฮฝ, das Himmlische, das von oben her,15 die Dimension des Schattenbildes David ist das irdische16. Wie aber das | himmlische vor dem irdischen ist, so ist Christus vor David.
โVorbildโ [ist] David17 [insofern,] als in ihm im Laufe der Heilsgeschichte Christus vorgebildet ist, als zeitliches Vorher18. Wie der Schatten das Bild des Kรถrpers ist, so ist die Gestalt David ein Bild Christi. Ein Bild muร in seiner Ganzheit, in seinen Umrissen gezeigt werden kรถnnen. Es kann angesehen werden. Indem David โBildโ Christi ist[, ist] er nicht Wortzeugnis, sondern eben Bildzeugnis. Damit wird eine andere19 Schicht der Beziehung von Altem Testament und Neuem Testament aufgedeckt. Hinter der Schicht des Wortzeugnisses steht die Schicht des Bildzeugnisses. Nach der Unterscheidung der alten Dogmatik20 ist David ein Personaltypus Christi. Und es muร nun dort, wo das neutestamentliche Zeugnis ernstgenommen wird bei der Auslegung der Davidsgeschichten darum gehen21, David in seiner Person, seinem Amt, seinem Wort und seiner Geschichte als den, in dem nach dem Zeugnis des Neuen Testaments Christus selbst war, als Vorbild und Schatten Christi zu verstehen.22 David ist nur insofern wichtig, als er Zeugnis von Christus ist, nicht fรผr sich, sondern fรผr Christus und so fรผr die Kirche Christi.
I. Salbung und Verfolgung Davids
Die Salbung
Die Geschichte und das Problem Davids ist von Anfang an durch die Tatsache seiner Salbung zum Kรถnig bestimmt. Nichts wissen wir vorher von ihm, das erste Wort รผber ihn fรคllt in dem Befehl Gottes an Samuel, David, den Gott sich erwรคhlt hat zum Kรถnig, zu salben (1 Sam 16,1). Gottes Erwรคhlung und die Salbung zum Kรถnig gehen jedem andern Wort รผber David voraus. David ist wichtig und interessant allein als der von Gott von den sรคugenden Schafen (Ps 78,[71]23) wegberufene, erwรคhlte und gesalbte Kรถnig. Durch die | Salbung wird David biblische Gestalt. Daร David abgesehen von seiner Salbung von keinerlei Interesse und Bedeutung war, zeigt gerade der Bericht, demgemรคร er dem Samuel anfangs garnicht mit vorgefรผhrt wird 16,11. Er ist der Jรผngste und hรผtet die Schafe. Und dem entsprechend wird er auch nachher von seinem รคlteren Bruder Eliab ausgescholten und verachtet 17,28, der die Salbung nicht ernst nimmt. Mit der Salbung empfรคngt David den Geist Gottes, der bei ihm bleibt โvon dem Tag an und fรผrderโ 16,13. Noch in seinen letzten Worten bezeugt es David (2 Sam 23,2), daร Gottes Geist durch ihn geredet hat โ und das neutestamentliche Zeugnis bestรคtigt es24 (Akt 2,30 Mt 22,43). Der Geist der Salbung ist der Geist des messianischen Kรถnigtums. Es ist der eine Geist Gottes, mit dem David gesalbt wurde und Christus โ โDer Geist des Herrn ist bei mir darum, daร er mich gesalbt hatโ (Luk 4,18), ist der Geist, der bei der Taufe auf Jesus herabkommt und ihn zum messianischen Kรถnig versiegelt.25 Der Geist, der am messianischen Kรถnigsamt hรคngt, kann nicht zugleich auf einem andern, Verworfenen bleiben. Darum โwich der Geist des Herrn von Saulโ [I Sam] 16,14 โ und โ seltsam genug! โ Saul wird wahnsinnig. Die gesamte nun folgende Verfolgung Davids durch Saul ist nur als die Tat des vom โbรถsen Geistโ besessenen 16,14.23 wahnsinnigen Saul, der bei der Zauberin von Endor endet, zu begreifen. Zwar vermag es der gesalbte David zeitenweise Saul zu erquicken, daร es besser mit ihm wird und der bรถse Geist von ihm wich 1 Sam 16,23 โ aber der Geist Gottes bleibt auf David.
David und Goliath
Die Salbung fรผhrt David sofort in den Kampf mit den Mรคchten26 der Welt. Es geht hier um die Bewรคhrung der Salbung. Er weiร sich zum Kampf fรผr sein Volk gefordert, dort wo kein anderer ihn wagt. Sein Volk ist in Schande | und Gefahr. Die Heiden hรถhnen es. Er tritt ins Mittel. Verlacht von seinem Bruder, fรผr toll und รผbermรผtig gehalten (17,28), gewarnt von Saul (17,33) โ lรครt er sich nicht zurรผckhalten โ โder Herr, der mich von dem Lรถwen und Bรคren errettet hat, wird mich auch erretten von diesem Philisterโ Vers 37. Derselbe Herr, der ihn gesalbt hat, fรผhrt ihn auch in den Kampf.
Nun tritt die erste Versuchung an ihn heran. Er sieht den schwer gerรผsteten Philister. Saul will ihn ebenso ausrรผsten. Wehrhaft soll er dem Feind gegenรผbertreten. Er legt den Panzer an. Dann wirft er ihn ab. Nein, David darf nicht stark sein vor den Augen der Welt. Wehrlos, als der, als den ihn Gott berufen hat, als der Hirte, der die Salbung Gottes empfing, will er den Kampf aufnehmen. โIch binโs nicht gewohntโ Vers 39. Er will nichts anderes werden. Das einzige, was jetzt anders mit ihm ist, ist seine Salbung. Ohne Waffen, wehrlos tritt er in den Kampf.
Es muร so sein, daร der Feind, daร die Welt den Wehrlosen verachtet und hรถhnt und ihm flucht Vers 42 f. Sie begreift ihn nicht, hรคlt ihn fรผr wahnsinnig oder รผbermรผtig, weiร nicht, daร es die rechte Demut gegen Gott und sein Wort ist, die den David wehrlos macht.
David sagt, was er zu sagen hat in der Gewiรheit seiner Salbung27: โDu kommst zu mir mit Schwert, Spieร und Schild; ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, das du gehรถhnt hast.โ โ Jesus sagt: โihr seid ausgegangen mit Stangen und Spieรen mich zu fangenโ28 โ und er war wehrlos und sie sanken vor ihm in die Knie. โDer Herr hilft nicht durch Schwert und Spieร; denn der Streit ist des Herrn; er wird euch in unsere Hand gebenโ Vers 47. Und der Herr bekennt sich zu seinem Gesalbten und hilft ihm zum wunderbaren Sieg.
In jeder Beziehung ist David hier โVorbild und Schattenโ Jesu Christi. Er tritt unmittelbar nach seiner Salbung in den Kampf gegen die Feinde des Volkes Gottes. Er besteht die Ver- | suchung, groร und mรคchtig zu sein, ein Starker dieser Welt zu sein. Er wird wehrlos. Er wird von der Welt verachtet und gehaรt, um seiner Wehrlosigkeit, das heiรt eben um seiner Salbung willen. Er hรคlt sich in seinem Kampf allein an den Gott Israels, der ihn zum Kรถnig seines Volkes berufen hat. Er weiร, Gott siegt nicht durch Schwerter und Spieรe, sondern durch den Glauben seines Gesalbten. Als der zum messianischen Kรถnigtum Gesalbte, als Vorbild und Schatten Christi siegt David รผber Goliath. Es ist Christi Sieg in ihm. Denn Christus war in David.
Die Verfolgung
Der gesalbte David kann dem Haร und der Verfolgung um seiner Salbung willen nicht entgehen. Die Zeit bis zur Thronbesteigung ist eine Zeit der allseitigen fortgesetzten Feindschaft gegen ihn. Der Dรคmon in Saul haรt und flieht ihn. Er erkennt ihn als den Gesalbten, wie die Dรคmonen Christus erkannten, und weil er weiร, daร David an seine Stelle treten und die Herrschaft ihm gehรถren wird, geht der Kampf gegen David auf Tod und Leben. Saul oder David, die Dรคmonen oder Christus โ obwohl Saul zweimal bekennen29 muร und es weiร 24,18, David, โdu bist gerechter als ich; du hast mir Gutes bewiesen, ich aber habe dir Bรถses bewiesenโ โ ja, gerade weil er das weiร, daร David ihm Bรถses mit Gutem vergilt, gerade wenn David durch seine Psalmen das Herz Sauls erquicken30 wollte, packt ihn der Dรคmon umso wilder, daร er nach David schieรt,31 um ihn zu tรถten. Der Haร gegen David treibt Saul zur Abgรถtterei und Zauberei, und schlieรlich zum Selbstmord.
David ist ein Fremdling in seinem eigenen Land und im Land der Philister;32 er hat nicht, da er sein Haupt hinlege.33 Er ist der Ausgestoรene, Gefรผrchtete und Verdรคchtigte. Er hat wenig Gefรคhrten. Jonathan, Sauls Sohn, macht einen Bruderbund mit ihm in Ewigkeit. Der Sohn des Verworfe- | nen erkennt, begreift und liebt den Gesalbten Gottes. Er hat ihn so lieb, wie seine eigene Seele 18,1.3. 20,17 โ so lieb, wie der Mensch den Gesalbten Gottes haben soll โ er liebt seinen Bruder David, wie sich selbst. David ist des Jonathan Liebe โsonderlicher denn Frauenliebeโ (2 Sam 1,26), wie die rechte Bruderliebe in der Erkenntnis des Gesalbten Gottes sonderlicher ist als die Liebe von Fleisch und Blut. In seiner Liebe zu David erkennt Jonathan, der Sohn Sauls, des Kรถnigs, an, daร die Erwรคhlung und Salbung nicht durch Fleisch und Blut ererbt wird, sondern allein auf der freien Gnade Gottes ruht. Jonathan gerade als der Thronerbe34 wรคre es gewesen, von dem die grรถรte Feindschaft gegen David verstรคndlich gewesen wรคre. Aber eben der natรผrliche Feind wird dem David zum Bruder geschenkt.35 Er gibt ihm seinen Rock, Schwert, Gรผrtel โ er gibt ihm, was dem Kรถnigssohn gehรถrt 18,4. Er will der Nรคchste sein um David, wenn der36 Kรถnig sein wird 23,17. Er will der Bruder sein des Gesalbten in selbstloser Liebe.
Von einer seltsamen Schar von Gefรคhrten des Gesalbten und Verfolgten berichtet die Bibel. In der Hรถhle von Adullam, in die David nach vergeblichem Umherirren flieht, versammeln sich um ihn seine Brรผder, die ihn einstmals verachteten und โallerlei Mรคnner, die in Not und Schulden und betrรผbten Herzens waren; und er war ihr Obersterโ 22,2. David wird der Sรผnder Geselle, der Freund und Vertraute der Mรผhseligen und Beladenen, der Hoffnungslosen und Betrรผbten. Er teilt mit ihnen ihr Leben, er ist ihr Oberster โ ist David ein Rรคuberhรคuptling, der in seiner Not es mit den Desperados hรคlt wie andere auch? David ist fรผr das biblische Zeugnis immer und รผberall der Gesalbte Gottes. In seinen Lenden ist Christus.
Die groรe Versuchung Davids wรคhrend der Jahre der Flucht und Verfolgung ist es, sein Kรถnigtum mit Gewalt an sich zu reiรen, Blut zu vergieรen, das Reich vorzeitig aufzurichten, | bevor es Gott gefรคllt. War er der Erwรคhlte, so konnte er ja jeden Tag, der der Aufrichtung des Reiches verloren ging, als sinnlos und verloren betrachten. Warum sollte er nicht den, der ihm im Wege stand, Saul, warum sollte er nicht jeden, der sich ihm in den Weg stellte, einfach in der Gewiรheit seiner Berufung vernichten. So trug es der Teufel immer wieder an ihn heran. Aber die Aufrichtung des messianischen Reiches hat ihre Zeit, die ihr von Gott gesetzt ist und der David nur gehorchen kann. So erfรผllt David die Zeit seiner ihm verordneten Leiden, und wartet โbis ich erfahre, was Gott mit mir tun wirdโ (1 Sam 22,3). David leidet um seines Reiches willen โ er kann das messianische Reich nur durch die Zeit seines Leidens ererben. Er bleibt frei von Gewalt und Blutschuld. Zweimal wird Saul in seine Hand gegeben. Aber noch ist Saul der Gesalbte, wenn auch der verworfene Gesalbte Gottes. โDas lasse der Herr [ferne] von mir sein, daร ich das tun sollte und meine Hand legen an meinen Herrn, den Gesalbten des Herrn; denn er ist der Gesalbte des Herrnโ 1. S. 24,7. Und als er nur den Zipfel vom Rock des Saul abgeschnitten hat, schlรคgt ihm sein Herz (24,6); denn er spรผrt die Macht der Versuchung und er sieht, wie der Teufel am Werk ist, das verheiรene Reich im Keime zu verderben. Zum zweitenmal tritt der Versucher in der Gestalt des Abisai noch nรคher37 an ihn heran. โGott hat deinen Feind heute in deine Hand beschlossen, so will ich ihn mit dem Spieร stechenโ 1 S 26,8. David soll Gottes eigenen Willen erkennen, dem Saul den Tod zu geben, und sein Reich aufzurichten, und der Zeit seines Leidens ein Ende zu machen. So argumentiert38 der Teufel vom Paradies bis zur Versuchung Jesu mit Gottes eigenem Wort, hier mit Gottes Wort aus der gegebenen โ โgottgegebenenโ โ Situation. Aber David weist den Versucher hinter sich โ โwo der Herr ihn nicht schlรคgt โ so lasse der Herr fern von mir seinโ โ 1 S 26,10 [f]. David bleibt der Wehrlose, der Verfolgte und Leidende um des | Reiches willen. Und indem er so Bรถses mit Gutem vergilt, bringt39 er den Saul zweimal zur Erkenntnis seiner Sรผnde. Nicht durch Gewalt, sondern durch Liebe gewinnt er das Herz des verworfenen Saul. 24,18: โDu bist gerechter als ich. Du hast mir Gutes bewiesen; ich aber habe dir Bรถses bewiesenโ. 26,21 ff[โ25]: โich habe gesรผndigt, komm wieder, mein Sohn David, ich will dir fรผrder kein Leid tun, darum daร meine Seele heutigestags ist teuer gewesen in deinen Augen.โ โฆ David: โDer Herr wird einem jeglichen vergelten nach seiner Gerechtigkeit und seinem Glauben โ er errette mich von aller Trรผbsal.โ Saul: โGesegnet seist du, mein Sohn David, du wirst es tun und hinausfรผhrenโ โ der David fluchte, muร ihn segnen, der Feind muร ihn lieben und sein Herz bekehren, um der Salbung, um des Leidens des David willen. Der Feind des Messias, der ihm nach dem Leben steht, liebt ihn in dunkler Liebe, die immer wieder Haร wird.
Aber, daร es deutlich werde, daร es allein Gottes gnรคdige Vorsehung ist, die David vor der Blutschuld bewahrt, wird David noch einmal hart an den Rand der Sรผnde gefรผhrt. Er will Nabal, der ihn gehรถhnt und verachtet hat, tรถten (1 S 25). Da schickt Gott die Abigail, und Davids Hand bleibt von Blutschuld unbefleckt. Und David erkennt Gottes Fรผhrung und bekennt 25,32: โGelobt sei der Herr, der Gott Israels, der dich heutigestages hat mir entgegengesandt โ gesegnet seist du, daร du mir heute gewehrt hast, daร ich nicht in Blutschuld gekommen bin und mir mit eigener Hand geholfen habe.โ Auf das letzte kommt es an, der Gesalbte Gottes darf sich nicht mit eigener Hand helfen. Er muร warten und leiden, bis sein Gott ihm hilft. So hat es David getan. Wo er im Krieg Blut vergieรt, ist es Gotteskrieg, auf Gottes ausdrรผcklichen Befehl (23,2 ff[โ5]!). Als Saul vom Herrn geschlagen ist und Jonathan mit ihm, da leidet David zum letzten Mal um ihretwillen. Er bricht nicht | in Freude aus, sondern er leidet und weint um ihren Tod. So wird er als der gehorsame Gesalbte und durch viel Versuchungen Bewรคhrte, als der Verfolgte und Leidende, Bรถses mit Gutem Vergeltende, von Gott auf den Thron des messianischen Reiches erhoben.40
II. Der messianische Kรถnig
Die zweite Salbung
Der gรถttlichen Salbung durch Samuel folgt eine zweimalige Salbung41 durch die Mรคnner von Juda 2 S. 2,4, dann durch die รltesten in Israel (5,3). Diese zweite Salbung ist die sichtbare Beglaubigung der ersten Salbung, die im verborgenen geschah. Nun ist David nicht mehr verborgener, leidender, sondern sichtbarer, triumphierender Kรถnig. Durch diese sichtbare Salbung merkt David, daร Gott ihn nach den Zeiten der Versuchung und Verfolgung als Kรถnig bestรคtigt hat. Er hat die Zeit der Versuchung bestanden. Gott sagt durch sein Volk Ja zu ihm. Das Volk fรคllt ihm zu und nennt ihn seinen Kรถnig. Er ist Kรถnig um des Volkes Israel willen (5,12), um der Kirche willen.42 Das heiรt sein Kรถnigtum ist Dienst. Er kommt nicht, um sich dienen zu lassen43, sondern um zu dienen.44 Im Dienst am Volk Gottes besteht sein Kรถnigtum.
Einzug in Jerusalem
Seine erste Tat ist die Eroberung von Jerusalem, der Burg Zion. Das bisher unmรถgliche gelingt ihm, die von keinem vor ihm einnehmbare Stadt, die noch in letzter Stunde ihren | Spott gegen ihn hat 5,8, die letzte Festung des Feindes des Volkes Israel wird eingenommen und gerade sie muร nun zur Stadt Gottes fรผr alle Zeiten werden. Dem gesalbten Kรถnig kann kein Feind mehr trotzen. Er muร den Platz rรคumen und an seiner Stelle wird die Lade Gottes stehen45, wird Gott wohnen. David holt die Lade ein, โderen Namen heiรt: Der Name des Herrn Zebaoth wohnt drauf รผber den Cherubimโ 6,2. In Jerusalem bekommt die Lade ihren festen Ort. War sie bisher mit den Kindern Israel umhergewandert โ das Zelt ist grade das Zeichen der Wanderschaft โ46, so bleibt ihr Ort nun fest. Das heiรt das Reich Gottes ist errichtet, es steht fest, die Zeit des Wanderns und Umherirrens ist vorรผber. Das Kรถnigtum Gottes steht fest in Davids Thron auf dem Berg Zion. Bei der Einholung der Lade muร das Volk Israel und David lernen 6,8, daร Gott zu seinem Werk keiner fremden Hilfe bedarf; als die Lade auf dem Wege ins Wanken gerรคt und Usa zugreift, stirbt er im selben Augenblick, vom Grimm Gottes getroffen 6,7. Gott bedarf zu seinem Weg keiner Menschenhilfe, auch nicht der fromm gemeinten. Gottes Heiligkeit verbietet den eilfertigen menschlichen Zugriff bei seinem Werk.
Als dann die Lade in die Stadt gebracht wird, demรผtigt sich David, denn โer tanzte mit aller Macht vor dem Herrn her und war begรผrtet mit einem leinenen Rockโ. Im Kleid des Priesters fรผhrt er als der Priesterkรถnig den Gottesdienst an 6,14. Als Priesterkรถnig tritt er neben das Volk, unter Knechte und Mรคgde, in Demut und Gehorsam gegen Gott. Er ist einer von ihnen, der Erwรคhlte Gottes, aber ihr Bruder. Und sein Lohn ist abermals der Spott durch Michal, die Tochter Sauls, die sich den Priesterkรถnig David in anderer Wรผrde gedacht hatte, als in der Wรผrde der Demut. Aber David sagt: โich will noch geringer werden, denn also und will niedrig sein in meinen Augen und mit den Mรคgden | zu Ehren kommenโ 2 S. 6,22. Ein Triumphzug in Niedrigkeit und Sanftmut โ so zieht David der Kรถnig und Priester mit der Lade, der Gegenwart Gottes, in Jerusalem ein, als der dienende Kรถnig seines Volkes. โGelobt sei der da kommt im Namen des Herrnโ โ schrie das Volk zu Jerusalem als Jesus einzog.47 โDer Name des Herrnโ โ so heiรt die Lade, mit der David einzieht. Gelobt sei der da kommt und mit ihm die Gegenwart Gottes, so gilt es fรผr David und fรผr Christus. Nun hat der Kรถnig Ruhe in seinem Haus vor seinen Feinden (7,1), sein Thron ist fest gegrรผndet.48
Der verheiรene Tempel Gottes
Eben diese Ruhe versteht nun David als die Erfรผllung der dem Mose gegebenen Verheiรung โ โIhr werdet in dem Lande wohnen, das euch der Herr, euer Gott, wird zum Erbe austeilen, und er wird euch Ruhe geben von allen euren Feinden um euch her und ihr werdet sicher wohnen; wenn dann der Herr, dein Gott, einen Ort erwรคhlt, daร sein Name daselbst wohne โฆโ Deut 12,10 [f]. Diese Verheiรung versteht David als Befehl, Gott nunmehr den festen Ort zu geben, an dem er wohnen soll, ihm den Tempel zu bauen. Es ist sein Gehorsam gegen die Verheiรung, der ihn zu diesem Vorhaben bringt. Der Tempel soll die Herrlichkeit des ihm von Gott gegebenen Reiches vollenden. Erst der Tempel erfรผllt die Verheiรung der Stadt Gottes. Kรถnigtum und Priestertum gehรถren zusammen (siehe Ps 78,68 ff[โ72]). David beweist seinen demรผtigen Gehorsam darin, daร er nicht aus eigener Machtvollkommenheit selbstรคndig ans Werk geht. Er fragt49 den Propheten, den ihm Gott gegeben hat, Nathan.
Nathan empfรคngt des Nachts das Wort Gottes, das sowohl ein Nein wie auch ein unermeรlich groรes Ja auf Davids Frage enthรคlt. David soll den Tempel nicht bauen. Zwei Grรผnde stehen dagegen: Erstens, Gott will im Zelt woh- | nen bleiben โ das Zelt als das Zeichen der Wanderschaft besagt, daร die Verheiรung von Deut 12,10, die David erfรผllt glaubte, eben noch nicht erfรผllt ist. David ist noch nicht der Kรถnig, der Ruhe hat von allen seinen Feinden und sicher wohnen wird โ 1 Kรถn 5,17 Salomo50: โโฆ David konnte das Haus nicht bauen dem Namen des Herrn seines Gottes wegen des Krieges damit sie ihn umgaben.โ51 1 Chron 28,3 โDu bist ein Mann des Krieges und hast Blut vergossenโ (und 1 Chron 22,8) โ damit ist gesagt: Das Reich Davids ist noch nicht das Reich der ewigen Ruhe. Es wird aber ein Kรถnig des Friedens und nicht des Blutvergieรens sein, der den Tempel bauen soll. Der Tempel Gottes steht in einem Friedensreich. Wer ist dieser Kรถnig? Salomo hat die Verheiรung auf sich bezogen.52 1 Kรถn 5,453: โJetzt gab mir der Herr, mein Gott, Ruhe ringsum und ist kein Widersacher, kein bรถses Hindernis mehrโ. Und Salomo baute den Tempel โ aber er fiel ab โ der Tempel wurde zerstรถrt โ die Frage erhebt sich aufs neue: wer ist der Kรถnig des Friedens?
Zweitens: Gott fragt: โsolltest du mir ein Haus bauen?โฆ Der Herr verkรผndigt dir, daร der Herr dir ein Haus bauen willโ 2 S. 7[,5 und] Vers 11. Was ist das Haus Gottes? was ist der Tempel, die Kirche? nicht ein Haus, das irgendein Mensch bauen kann, nicht einmal der gesalbte Priesterkรถnig David, sondern es ist Gottes eigenes Haus (1 Chron 17,14) und darum sein eigenes Werk, von oben her gebaut. Der Baumeister ist im Himmel. Das war das Miรverstรคndnis Davids, daร er meinte, er kรถnne dem Herrn selbst eine Kirche bauen. Es war ein frommer, aber doch ein gottloser Gedanke. Die Kirche baut Gott selbst. โSolltest du mir ein Haus bauen?โ โ sollte der Mensch den Ort Gottes in der Welt54 bestimmen und die Weise, in der Er unter den Menschen wohnen will? Sollte nicht dein selbsterwรคhltes und selbsterbautes Haus ein Werk und Tempel deiner Religiositรคt sein, aber nicht der Verheiรung Gottes? ein Haus, | in dem du anbetest ohne Verheiรung55, sollte nicht das Haus, das du baust, unter allen Umstรคnden dich und dein Volk eurem Gott abtrรผnnig machen? Kein Mensch bestimmt, was die Kirche sei und wie sie sein solle, sondern Gott allein. โDer Herr will dir ein Haus bauenโ โ das ist das Ja zu Davids Frage. Der gnรคdige Gott beantwortet die gottlose Frage Davids mit einer nie dagewesenen Verheiรung. Er verheiรt ihm nicht nur sein Kรถnigtum, sondern ein Haus, ein Reich, eine Kirche, die Gott selbst baut. Wie wird dieses Haus aussehen?
Vers 12. David wird sterben. Wenn er schlafen wird mit seinen Vรคtern, dann wird sein Same, der von seinem Leibe kommt, erweckt werden. Das scheint in zukรผnftige Zeiten zu weisen. Dieser Same Davids soll das Reich behalten. Nicht mehr dem David selbst, aber doch ihm in seinem Samen, denn sein Same ist in ihm, soll das Haus Gottes gebaut werden.
Vers 13. Dieser Same Davids soll Gott nach seiner Verheiรung ein Haus bauen und sein Reich wird in Ewigkeit bestehen. Also doch ein Mensch, der Gott sein Haus baut? und dessen Reich ewig sein wird? Auf wen geht diese Verheiรung, die Salomo auf sich bezog, ohne von Gott gestraft zu werden.
Vers 14. Die Verheiรung verdichtet sich. Es wird der menschliche Same Davids Gottes Sohn genannt werden und Gott wird sein Vater sein. Und durch diesen Samen wird der Tempel Gottes gebaut werden und dieser Tempel des Sohnes Gottes, der Gottes eigener Tempel sein wird, soll ewiglich bleiben Vers 16. Ist Davids Same Gottes Sohn, so ist seine Herrschaft Gottes eigene Herrschaft, so muร es schlieรlich offenbar werden, daร Gott seine Herrschaft durch den Davids[โ]Sohn56 aufrichten will, und daร diese Herrschaft und dieser Tempel in Ewigkeit bleibt. So sagt es der Psalm Davids Ps 2[,7 f]: โDu bist mein lieber Sohn, heute habe ich dich gezeugt โฆ Ich will dir die Heiden zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigen- | tum.โ Und Ps 110[,2]: โDer Herr wird das Zepter deines Reiches senden aus Zion: herrsche mitten unter deinen Feinden.โ Davids Sohn wird Gottes Sohn sein, Davids Herrschaft wird Gottes Herrschaft und Reich sein und wenn David lรคngst schlafen wird, wird sein Reich in Ewigkeit bleiben.
Der Same Davids soll nicht mehr durch Gottes Zorn vernichtet werden, sondern mit Menschenruten soll er gezรผchtigt werden, wenn er sรผndigt. Wie der Vater sein Kind zรผchtigt, weil er es liebt, aber es nie vernichtet, so soll von Davids Samen โGottes Barmherzigkeit nicht mehr entwandt werden, wie ich sie entwandt habe von Saulโ Vers 15. Sondern Vers 16 โdein Haus und Kรถnigreich soll bestรคndig sein ewiglich vor dir und dein Stuhl soll ewiglich bestehenโ. Das Haus Davids, das Gott selbst gebaut hat, wird das Reich und die Herrschaft Gottes sein. Der Tempel, den Salomo baute, war vergรคnglich โ durch Menschenruten โ er war nicht das ewige Haus โ er ist nur der Schatten jenes unvergรคnglichen Tempels von dem Jesus, der Sohn Davids, bezeugt, daร er ihn abbrechen und nach drei Tagen wieder aufrichten werde Joh 2,19: โEr redete aber vom Tempel seines Leibes.โ Das Haus, das Gott sich bauen will, ist der Same Davids, ist der Leib Christi, seines57 Sohnes โ und dieser Leib ist Christus und in ihm seine Gemeinde.58 Dieser Leib des Sohnes Gottes ist die neue Menschheit, die aus dem Samen Davids nach der Verheiรung Gottes, durch den Christus Jesus und in ihm geschaffen ist. So empfรคngt David die Verheiรung, daร in ihm der Leib Christi, die Kirche Christi schon verborgen sei. Auf wen geht die Verheiรung? auf den Samen Davids โ den menschlichen Samen โ denn er wird sรผndigen59, also auch auf Salomo โ aber das Reich wird ewiglich bleiben โ das ist allein Gottes eigenes Reich โ so geht die Verheiรung รผber Salomo cf. I Kรถn 8,20 und das Haus Davids auf Jesus Christus. |
David empfรคngt im Glauben diese Verheiรung. Er erkennt, daร sowohl er wie sein Volk damit von allen Kรถnigen und Vรถlkern ausgesondert60 sind ohnegleichen. โ โWer bin ich, Herr, Herr, und was ist mein Haus, daร du mich bis hierher gebracht hast?โ Vers 18 Vers 23. Aber nicht nur die vergangene Gnade, sondern erst61 die gnรคdige Verheiรung von โfernem Zukรผnftigenโ Vers 19 demรผtigt David. So wird David getrost sterben, denn er weiร, er wird leben, Ps 118,17. Ps 22,23 โIch will deinen Namen predigen meinen Brรผdern โฆโ Hebr 2,12. Er, das heiรt sein Same wird erweckt werden zum Leben, und der Sohn Gottes und sein Haus, das ist, das Haus, das Gott ihm bauen wird, wird ewiglich bleiben. Im Dunkel bleibt der kleine Versteil โ โund das nach dem Gesetz der Menschenโ, โnach der Weise eines Menschen, Herr, Herrโ Vers 19 b. Luthers Randglosse: โDas ist, Du redest mit mir von solchem ewigen Reich, da niemand kann Kรถnig sein, er muร Gott und Mensch sein, weil er mein Sohn und doch fรผr und fรผr soll Kรถnig sein, welches allein Gott angehรถrt.โ62 Ist es die staunende, ehrfรผrchtige Anbetung, daร Gott sein Reich, seine Verheiรung erfรผllen wird in der Weise eines Menschen, als ein Mensch, als Menschgewordener? Ist es der dunkle Hinweis auf die Nacht, in der die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes, in der Stadt Davids63 von den himmlischen Heerscharen verkรผndigt wird?
Vers 23 ff [โ29]: Das Volk Israel wird das Volk Gottes bleiben in Ewigkeit, das einzige Volk, das nicht vergehen wird, denn Gott ist sein Herr geworden. Gott hat in ihm Wohnung genommen und sein Haus gebaut. Die Kirche, das wahre Israel ist verheiรen. Wie sollte David das Bekenntnis seiner Demut und des Dankes [anders] enden als mit der Bitte, Gott wolle sein Wort bekrรคftigen in Ewigkeit โ Er wolle tun, wie Er geredet hat. Er wolle seinem Volk, seiner Kirche treu bleiben. |
III. David, der gerechtfertigte Sรผnder
Die Sรผnde
Der messianische Kรถnig David fรคllt und wird zum Sรผnder. Seine Sรผnde ist die Sรผnde der Groรen, die Gefahr der von Gott Begnadigten und Beschenkten, nรคmlich die falsche Sicherheit64 (securitas statt certitudo65). So beginnt unsere Erzรคhlung damit, daร David nicht mehr, wie gewรถhnlich mit seinem Heer zum Kampf auszieht, sondern Joab schickt und selbst in Jerusalem bleibt 2 S 11,1. Er fรผhlt sich sicher in der Stadt Gottes. Er beginnt die Furcht Gottes zu verlieren, dessen Ruf den Begnadigten gerade zur ununterbrochenen Tat zwingt66. Diese Tage67 in Jerusalem fรผhren ihn zum Sturz. Er sieht vom Dach seines Kรถnigshauses die Bathseba und findet Gefallen an ihr. Er hรถrt, sie sei das Weib Uriaโs, des Chittiters. Abermals treibt ihn die gottlose68 Sicherheit seiner Macht zur Sรผnde. Er begeht Ehebruch, und Bathseba schickt zu ihm Boten: โich bin schwanger gewordenโ 11,5. Kann die Sรผnde so nicht verborgen bleiben, so muร eine weitere Sรผnde getan werden. David lรครt Uria aus dem Feld zurรผckholen 11,6 und befiehlt dem Uria zu seiner Frau zu gehen, eben um seine Sรผnde zu verdecken. Uria als treuer Knecht Davids wacht aber in der Nacht an Davids Tรผr und geht nicht zu seinem Weibe 11,8โ13. Jetzt miรbraucht David frevelhaft sein Recht als Feldherr und lรครt Uria in der Schlacht vom Feind an gefรคhrdeter Stelle tรถten. So wird er um seines Ehebruchs willen zum Mรถrder. David, der messianische Kรถnig, ist Ehebrecher und Mรถrder geworden. Und er bleibt in seiner gottlosen Sicherheit, die die Wurzel dieses Falles war, unerschรผttert. David nimmt Bathseba zum Weibe und lebt mit ihr und sie gebiert ihm einen Sohn. | David, zum Sรผnder geworden, erkennt seine Sรผnde nicht, sondern verhรคrtet sich in ihr ein Jahrang.
โAber die Tat gefiel dem Herrn รผbel, die David tatโ (11,27). Gottes Verheiรung ist dem David zu groร und schwer geworden. Er wurde an ihr zum Sรผnder. Er blieb nicht in der Demut, sondern er sรผndigte auf die Verheiรung hin, er sรผndigte auf Gnade.69 Auch die Gnade Gottes will getragen sein, und je grรถรer sie ist, desto leichter zerbricht der Mensch an ihr. Fรผr solche Gnade, in sich den Christus der Welt zu tragen, war David zu schwach.
Aber Gottes Verheiรungen kรถnnen an der Sรผnde Davids nicht zuschanden werden. โGlauben wir nicht treu70, so bleibt er doch treu. Er kann sich selbst nicht verleugnenโ (2 Tim 2,13). Gottes Verheiรung ist dem David fรผr die Ewigkeit gegeben. Er hรคlt an seiner Verheiรung und an seinem Gesalbten [fest]. Und abermals handelt Gott durch seinen Propheten.
Die Verstockung Davids ist so groร, daร er es wagt, einen anderen Menschen um einer gewiร leichteren Sรผnde willen, als er sie begangen hat, des Todes schuldig zu sprechen, bis Nathan ihm sagt: Du bist der Mann.71 Es ist ja das Wesen der Verstokkung, daร wir uns selbst in einer andern Situation vor Gott sehen als den anderen. Wir stehen unter einem Sonderrecht.72 Was uns recht ist, ist dem andern noch lange nicht billig. Und nun bekommt David durch Nathan zu erfahren als wer er selbst wirklich vor Gott dasteht. Als der, den Gott zum Kรถnig gesalbt, und dem die Verheiรung Gottes zuteil wurde, den Gott errettet hat aus vielen Nรถten73 und Gefahren, den er รผberschรผttet hat mit Gรผtern โ als der, an dem Gott seine ganze Gnade erwiesen hat, und noch viel mehr Gnade erweisen will 12,8, als der Mann unter der Gnade Gottes ist er zum Sรผnder geworden. Er hat das Wort des Herrn verachtet 12,9. Darum muร sich nun an David schon vollziehen, was Gott seinem Samen angedroht hat. Er will ihn schlagen mit Menschenruten, aber er will ihn nicht | vernichten. David hat unschuldiges Blut vergossen, โdarum soll von deinem Hause das Schwert nicht lassen ewiglichโ 12,10. David hat die Ehe eines anderen gebrochen, darum sollen seine Weiber von anderen geschรคndet werden (12,11). Worin einer sรผndigt, damit wird er auch gestraft. Durch Davids Sรผnde kommt das Schwert รผber Davids Haus ewiglich โ mit den letzten Jahren der Regierung Davids beginnt es, รผber Salomo und das davidische Haus geht es weiter. Davids Haus wird gezรผchtigt durch das Schwert, das immer wieder aus Davids eigenem Haus herkommt und das eigene Volk Gottes zerfleischt.74 Davids Reich sollte ein Friedensreich sein, aber das Schwert ist seine dauernde Bedrohung. Der Kampf zwischen der Gewalt75, die das Schwert trรคgt und der Kirche Gottes ist angekรผndigt und bleibt nun โewiglichโ. Davids Sohn, Christus und seine Kirche werden geschlagen von der Gewalt, die das Schwert trรคgt; und das Schwert zรผchtigt und tรถtet wohl leiblich, aber es tรถtet nicht die Verheiรung. Vielmehr โ und das ist das Wunder der gรถttlichen Zรผchtigung โ das Schwert, das gegen das Haus Davids gerichtet ist, โ bringt der Kirche das Leben und die Verheiรung wieder. Der gekreuzigte Christus steht auf, die Kirche unter dem Kreuz, unter der Zรผchtigung durch das Schwert, empfรคngt neues Leben. So ist in der Strafe Davids die ganze Gnade Gottes eingeschlossen, so bekennt sich Gott gerade durch sein Strafwort an das Haus David76 zu seiner Verheiรung. Er bleibt dem Haus Davids in seinem Falle[n] treu. Und Vers 11: aus Davids eignem Haus soll ihm die Schande entstehen, aus seinem eignen Haus soll der aufstehen, der Davids Leib an seinen Weibern schรคndet (cf. 16,22). Aus der Kirche des Messias selbst soll der Sohn, der Absalom, sich erheben und die Kirche vor aller Welt โ an der lichten Sonne (12,11) โ entheiligen. Die Entehrung der Kirche Gottes kommt von innen, aus ihr selbst, Absalom โ das ist der Schatten aller derer, die bis in die Gegenwart als Sรถhne der Kirche die Schรคnder der | Kirche sind. Und sie mรผssen ihr furchtbares Werk tun kraft der drohenden Verheiรung Gottes โ aber weh dem, durch den dieses Werk geschieht.77 Sie werden sich selbst zum Gericht und zum Fall, sie fangen sich selbst ein. Absalom bleibt mit seinen Haaren im Baum hรคngen und empfรคngt so den Tod. Das Schwert78 als dauernde Bedrohung des Bestandes seines Hauses โ der Schรคnder von innen โ das ist das Gericht Gottes รผber Davids Sรผnde.
David hat jetzt Gottes Wort zum ersten Mal seit seiner Sรผnde wieder gehรถrt. Was er selbst nicht vermochte, nรคmlich seine Sรผnde einzusehen, eben um seiner verstockten Sicherheit willen, das vermag nun das ihm durch einen anderen Menschen gesagte Wort Gottes. David erkennt aus dem ihm verkรผndigten Wort Gottes und aus ihm allein seine schwere Sรผnde. Gott wartet lange, er lรครt den gefallenen Menschen den Weg seiner Sรผnde voll zu Ende gehen, er lรครt ihn sich verhรคrten und verstocken โ das Wort Gottes hat seine Zeit. Dann schlรคgt es ein und richtet. Vers 13: โDa sprach David zu Nathan: Ich habe gesรผndigt wider den Herrn. Nathan sprach zu David: so hat auch der Herr deine Sรผnde weggenommen; du wirst nicht sterben.โ Der Kรถnig David bekennt seine Sรผnde unter dem Wort Gottes, und weil es so ein rechtes Bekenntnis und rechte Buรe ist, gibt Nathan dem David zu wissen, daร Gott ihm seine Sรผnde schon vergeben habe. Das: โsoโ79 besagt, daร es das eine Wort Gottes ist, das den David richtet und freispricht. Es ist dasselbe Wort, das in die tiefste Buรe und Demรผtigung treibt und begnadigt; denn es ist der eine Gott, der zu seinem Knecht zurรผckkehrt und das nur kann durchs Gericht. Gott kommt im Kreuz als der seine Kirche strafende und vergebende. Ist aber Gott wieder da, so kann David nicht sterben an seiner Sรผnde, sondern er lebt als vor Gott gerechtfertigter Sรผnder. Gott kommt in Christus zum Sรผnder. Weil aber Gott ein Gott ist, der die Sรผnde der Vรคter heim- | sucht an den Kindern,80 โ darum muร der Sohn des Ehebruches sterben. Er soll nicht der echte Same Davids sein. โUnd der Herr schlug das Kind, daร es totkrank ward, und David suchte Gott um des Knรคbleins willenโ (Vers 15. 16). David kann jetzt wieder beten, er kann wieder Gott suchen, nachdem er ihn gefunden hat; es ist kein Unrecht, daร David Gott um seines Kindes willen bittet; es ist ein glรคubiges sich demรผtigen vor Gottes Gerichten und sich an ihn halten in seiner Not mit Fasten und Beten. Durch Fasten und Beten aber allein werden die bรถsen Dรคmonen ausgetrieben (Mk 9,29). Daร David sich in diesen sieben Tagen der Buรe nicht an Gott versรผndigt, wird daraus deutlich, daร er zu der Stunde, als er von dem Verlust,81 der Strafe Gottes, vom Tode seines Kindes hรถrt, aufsteht, sich wรคscht, salbt, in den Tempel geht und Gott anbetet (Vers 20). Er empfรคngt Gottes Gericht im Glauben und weiร, es ist ein gerechtes Gericht, und betet seinen Gott an. Er ist wieder mit Gott im Frieden.
Vers 24 [f]: โund da David sein Weib Bathseba getrรถstet hatte, ging er zu ihr hinein und schlief bei ihr. Und sie gebar einen Sohn, den hieร er Salomo. Und der Herr liebte ihn. Und er gab ihn in die Hand Nathans, des Propheten, und der hieร ihn Jedidjahโ (das ist Liebling des Herrn) um des Herrn willen.โ David, der gerechtfertigte Sรผnder, erhรคlt Bathseba zum zweitenmal zum Weibe. Bathseba bleibt das Weib seines Ehebruches, er darf sich von der Schuld seiner Vergangenheit nicht einfach trennen. Bathseba bleibt ihm die dauernde Erinnerung an seinen Fall, an seine Demรผtigung, an Gottes Gericht und Vergebung. Er muร sich damit begnรผgen, daร รผber seiner Ehe mit Bathseba, die er [nicht] von sich stoรen darf, der Friede Gottes82 ausgesprochen bleibt. Und so nennt er den Sohn, den er am Tag seines Friedensschlusses mit Gott, erzeugt โ Salomo, denn er ist ein Sohn des Friedens. Und der Herr hatte Salomo lieb. Er bekennt sich zu seinem Frieden und David gibt den Salomo dem Propheten | Nathan, durch dessen Wort er den Frieden Gottes wieder empfangen hatte.
Salomo ist der Sohn einer Ehe, die mit Ehebruch und Blutschuld begann, Mt 1,6 โDer Kรถnig David zeugte Salomo von dem Weibe des Uriaโ, er stammt aus dem sรผndlichen Fleisch des David und der Bathseba, aber er ist auch der Sohn, auf dem der Friede Gottes ruht. Der Same Davids, der seine Verheiรung tragen soll, kommt in diese Welt im Fleisch der Sรผnde, แผฮฝ ฯแฟท แฝฮผฮฟฮนฯฮผฮฑฯฮน ฯฮฑฯฮบฯฯ R 8,383, aber als der Kรถnig des Friedens. Wer ist dieser Same Davids?
David erkennt nun auch wieder sein Amt als Kรถnig, mit dem Volk Gottes gegen die Feinde zu streiten. โAlso nahm David alles Volk zuhauf84 und zog hin und stritt wider Rabba und gewann esโ Vers 29 und kehrte mit seinem ganzen Volk mit einer neuen Kรถnigskrone nach Jerusalem zurรผck Vers 30 f.
Die Strafe
Die letzten Jahre der Regierung Davids bringen David tรคglich die Wirklichkeit der Strafandrohung Gottes zu Bewuรtsein. Die Vergebung der Sรผnde nimmt die Strafe der Sรผnde nicht von uns. Auch der Glaubende muร sterben, den Sold der Sรผnde85 bezahlen, auch David verfรคllt der Strafe seiner Sรผnde. Aber die Strafe wird nun nicht mehr erfahren als der Zorn Gottes, sondern als die gnรคdige Zรผchtigung Gottes, der uns alle Sรผnden vergibt. Freilich es gilt sich dieser Strafe tief zu beugen und ihr nicht zu widerstehen. Denn die Sรผnde will ihre Strafe, in dieser oder in jener Welt. David beugt sich, er ist wieder demรผtig geworden. Sein Sohn Amnon schรคndet das Haus, indem er seine Halbschwester schwanger macht. Absalom ermordet den Halbbruder. Die Sรผnden Davids wiederholen sich in seinen Sรถhnen. Amnon schรคndet die Ehe, Absalom ist Mรถrder. Dazu vollstreckt sich die Verheiรung Gottes โ Absalom greift zum Schwert gegen seinen Vater, | nicht nur nach Brudermord, sondern nach Vatermord steht er. Er schรคndet selbst die Weiber seines Vaters โan lichter Sonneโ und schรคndet damit das Haus Davids 16,21 ff[โ22]. David widersteht nicht, sondern er beugt sich der Strafe. Er muร Jerusalem verlassen โ der gestrafte David leidet auรerhalb der Tore Jerusalems,86 โund das ganze Land weinte mit lauter Stimmeโ 15,23. Er trรคgt den Fluch der Sรผnde, die Strafe seines Hauses โund der Kรถnig ging รผber den Bach Kidronโ ([Vers] 23), denselben Bach, รผber den der Sohn Davids ging, als er die Strafe [fรผr die Sรผnde] der Welt sich anschickte zu tragen, in der Nacht vor seiner Kreuzigung.87
Er muร dem Priester, der die Lade Gottes mitnehmen will, dies verweigern. Er weiร sich nicht im Recht. Er ist der Leidende. รber ihm ist Gottes strafende Hand88. Er kann Gottes Gnade nicht in Anspruch nehmen, nicht zwingen89 โ und er gibt sich gerade dadurch ganz in Gottes Hand โ โWerde ich Gnade finden vor dem Herrn, so wird er mich wieder holen und wird mich sie sehen [lassen] und sein Haus. Spricht er also: ich habe nicht Lust zu dir, siehe hier bin ich. Er mache es mit mir, wie es ihm wohlgefรคlltโ 15,[25.]26. Auf dem Auszug aus Jerusalem รผber den Bach Kidron, um die Strafe seines Hauses zu tragen, flucht ihm Simei mit furchtbaren Worten 16,7. David trรคgt auch dies. Wieder wird Abisai, der Sohn der Zeruja, ihm zum Versucher,90 sich gegen die Hand Gottes aufzulehnen, dieses Leiden nicht zu tragen โ wer darf dem gesalbten Kรถnig fluchen? der ist des Todes 16,9 โ aber David widersteht: โIhr Kinder der Zeruja, was habe ich mit euch zu schaffen? Laรt ihn fluchen; denn der Herr hatโs ihn geheiรen: Fluche David. Wer kann sagen: warum tust du also?โ 16,10. David will die ganze Strafe Gottes auskosten und sich nicht schonen. Sie muร doch getragen sein. Er will sie tragen. Auf ihn falle der Fluch der Menschen, damit seinem Haus die Verheiรung Gottes erhalten bleibe. |
Und abermals bekennt sich Gott zu David. Die Feinde werden vernichtet und David kehrt heim. Und sie sandten zum Kรถnig: โkomm wieder, du und alle deine Knechte. Also kam der Kรถnig wiederโ (19,14 f). Komm wieder, Kรถnig David, Gesalbter Gottes, geprรผfter und gestrafter und bewรคhrter โ komm wieder, Kรถnig David, der du die Strafe deines Hauses getragen hast. Und David kommt wieder zu seinem Volk.
Unsre Frage ist: wie ist jener David, der zum Sรผnder wurde, โVorbild und Schatten Christiโ? David ist Mensch, im sรผndlichen Fleisch, David ist nicht Christus, er ist nicht himmlisch, sondern irdisch. Wir verstehen, er ist nicht โVorbild und Schattenโ Christi in seinen moralischen Qualitรคten, in seiner Heiligkeit. Er war es so auch nie. Er ist und bleibt es durch die Erwรคhlung und Salbung und die Gnade Gottes, die ihm treu bleibt. Als der, den Gott durch sein Gericht beugt und demรผtigt und straft, und der Gottes Gericht auch als Sรผnder trรคgt und die Strafe Gottes auf sich nimmt und so die volle Gnade empfรคngt, gerade als der gerechtfertigte Sรผnder ist David der gesalbte Kรถnig โVorbild und Schattenโ des gekreuzigten Christus.
Davids letzte Worte
โEs sprach David, der Sohn Isais, es sprach der Mann, der hoch erhoben ist, der Gesalbte des Gottes Jakobs, lieblich mit Psalmen Israels. Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und seine Rede ist auf meiner Zunge. Es hat der Gott Israels zu mir geredet, und seine Rede ist auf meiner Zunge: โฆโ (23,1 f). Die Tage Davids gehen zu Ende. Der Gesalbte, Versuchte,91 der Leidende, der Triumphierende, der gerechtfertigte Sรผnder โ er ist durch seine Geschichte mit Gott hindurch der Gesalbte geblieben. Er ist der messianische Kรถnig, und redet seine letzten Worte durch den heiligen Geist, der nicht von ihm genommen wurde. Seine letzten Worte richten sich nicht | auf Vergangenes, sondern sind Weissagungen des Geistes: โein Gerechter โ Herrscher unter den Menschen, ein Herrscher in der Furcht Gottes โ und ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, am Morgen ohne Wolken, da vom Glanz nach dem Regen das Gras aus der Erde wรคchst. Ist nicht mein Haus also bei Gott?โ (23,3. 4[โ5]). Davids Haus ist der Trรคger der Verheiรung โ David selbst ist wohl der Gerechte, aber eben der als Sรผnder Gerechtfertigte, David fรผrchtet Gott, aber als Sรผnder, der seine Gnade erfahren hat โ Davids Haus trรคgt die Verheiรung โ sein Haus wird hier deutlich personifiziert โ es wird92 von ihm geredet als von einem Einzelnen, von einem Menschen. Es ist abermals das Zeugnis von dem Tempel Gottes, der Jesus Christus selbst ist und sein Leib. Jesus Christus wird sein der Gerechte ohne Sรผnde, die Gottesfurcht ohne รbertretung. Von ihm weissagt David, den er in seinen Lenden weiร, nach der Verheiรung. Der ewige Bund (23,5) ist der Bund in Christus. Aus ihm wird all mein Heil und all mein Wohlgefallen wachsen ([Vers] 5). Aber die Bรถsen werden im Zorn Gottes mit Eisen und Spieร vernichtet werden; sie werden mit Feuer verbrannt werden an ihrem Ort. โ Christus wird herrschen, aber die Heillosen werden verworfen sein ins Feuer [Vers] 6. 7.
Die Aufzรคhlung der Namen der Helden Davids, die nicht ohne Bedeutung mit dem treuen Uria, dem Chittiter abschlieรt (Vers 8โ39), ist die Bekundung93, daร der, der Christus in seinen Lenden trรคgt und Christi Stuhl94 einnimmt, umgeben ist von Starken und Treuen, wie Christus auf seinem Stuhl umgeben ist von starken und heiligen Engeln.
Kapitel 24, das nach Vers 18 offenbar hinter Kapitel 6 gehรถrt, enthรคlt den Bericht von der Versรผndigung Davids, indem er sein Volk zรคhlen will. Gottes Volk aber soll nicht gezรคhlt werden. Gott allein kennt sein Volk in seiner Zahl. Die Zahl gibt dem Menschen Berechnung, die ihn vom Glauben ab- | hรคlt. Die Strafe Gottes folgt, David erwรคhlt sich in die Hรคnde Gottes zu fallen, das heiรt die Pest. Diese macht vor der Mauer Jerusalems Halt. David aber errichtet in Jerusalem Gott einen Altar. Hier schlieรt Kapitel 7 an.95
Das Ende Davids wird sehr menschlich und sarkisch erzรคhlt,96 wofรผr die Geschichte der Abisag von Sunem ein Beispiel ist. David ist Mensch, jetzt alter, erkaltender Mensch โ aber der gesalbte Kรถnig. Seine Schwรคche wird von Adonia frevelhaft ausgenutzt. Aber Gott hรคlt den alten David. Er stirbt, nachdem 1 Kรถn 2,1โ4 er seinem Sohn Salomo die Verheiรung weitergegeben hat, nachdem er der Feinde des Hauses Gottes im Zorn gedacht hat 1. Kรถn 2,5 ff[โ9] im Glauben an den Sproร seines Hauses nach der Verheiรung, an Jesus Christus, der die Frucht seines Leibes ist. โIch werde nicht sterben, sondern leben und den Namen des Herrn verkรผndigenโ [Ps] 118,17.97
b) Zweiter Kurs. Grรผndung des Bruderhauses und Schwedenreise
4. November 1935โ15. Mรคrz 1936
8. PREDIGT ZU MATTHรUS 18,21โ35. FINKENWALDE, VORLETZTER SONNTAG DES KIRCHENJAHRES, 17. 11. 19351
Predigt รผber Matthรคus 18,21โ35. Dietrich Bonhoeffer, Finkenwalde 16. November 35.
[Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft muร ich denn meinem Bruder, der an mir sรผndigt, vergeben? Istโs genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Kรถnige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da erโs nun nicht hatte, zu bezahlen, hieร der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir; ich will dirโs alles bezahlen. Da jammerte den Herrn des Knechts, und er lieร ihn los, und die Schuld erlieร er ihm auch. Da ging derselbe Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und wรผrgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dirโs alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefรคngnis, bis daร er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrรผbt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen รผber deinen Mitknecht, wie ich mich รผber dich erbarmt habe? Und sein Herr ward zornig und รผberantwortete ihn den Peinigern, bis daร er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht vergebt von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler.]
Wir wollen uns zu Beginn dieser Predigt einmal ganz still und ehrlich fragen, ob wir einen Menschen wissen, aus unserm Umkreis, aus unserer Familie, unter unsern Freunden, โ dem wir ein Unrecht, das er uns angetan hat, nicht vergeben haben; einen Menschen, von dem wir uns einmal im Zorn getrennt haben, โ oder vielleicht auch nicht im offenen Zorn, sondern in stiller Bitterkeit mit dem Gedanken: Das kann ich nicht mehr vertragen, mit diesem Menschen kann ich keine Gemeinschaft mehr haben.
Oder sollten wir wirklich so unachtsam sein, daร wir sagen, wir wรผรten keinen? Sind uns die andern Menschen so gleichgรผltig, daร wir garnicht eigentlich wissen, ob wir mit ihnen in Frieden oder in Unfrieden sind? Ob nicht einmal einer nach dem andern aufstehen wird und uns verklagen: Von mir bist du im Unfrieden geschieden โ mich hast du nicht ertragen kรถnnen โ mit mir hast du die Gemeinschaft zerbrochen โ ich war dir unsympathisch und du wandtest dich ab von mir โ ich tat dir einmal weh und da lieรest du mich allein โ ich krรคnkte einmal deine Ehre und da brachst du mit mir โ und ich konnte dich nicht wiederfinden โ ich habe dich oft gesucht und du gingst mir aus dem Weg โ und es ist | kein offenes Wort mehr zwischen uns gefallen und ich wollte nichts mehr von dir, nur deine Vergebung und du hast mir nie vergeben kรถnnen. Hier bin ich nun und klage dich an โ kennst du mich noch? โ Ob nicht in jener Stunde Namen vor uns lebendig werden, die wir kaum mehr kennen โ viele, viele verletzte, verstoรene, arme Seelen, denen wir ihre Sรผnde nicht vergeben haben. Und unter diesen Menschen vielleicht ein guter Freund, ein Bruder, einer unserer Eltern?
Und es wird eine einzige groรe, drohende, furchtbare Stimme gegen uns werden in jener Stunde: Du bist ein harter Mann gewesen โ all deine Freundlichkeit hilft dir nichts, du warst hart und stolz und kalt wie Stein, du hast dich um keinen von uns gesorgt, wir waren dir alle gleichgรผltig und verhaรt, du hast nie gewuรt, was Verzeihung tut, du hast nicht gewuรt, wie wohl sie dem tut, der sie erfรคhrt und wie frei sie den macht, der verzeiht. Du bist immer ein harter Mann gewesen.
Wir machen es uns ja so leicht mit den andern Menschen. Wir stumpfen uns gรคnzlich ab und meinen, wenn wir gegen jemand keine bรถsen Gedanken hegen, dann sei das eben dasselbe als hรคtten wir ihm vergeben โ und wir รผbersehen dabei ganz, daร wir keine guten Gedanken รผber ihn haben โ und vergeben, das kรถnnte doch heiรen, lauter gute Gedanken รผber ihn haben, ihn tragen, wo wir nur kรถnnen. Und das gerade umgehen wir, โ wir tragen den andern Menschen nicht, sondern wir gehen neben ihm her und gewรถhnen uns an sein Schweigen, ja nehmen ihn garnicht ernst โ aber aufs Tragen gerade kommt es an โ den andern in allen Stรผcken tragen, in allen seinen schwierigen und unangenehmen Seiten, und sein Unrecht und seine Sรผnde auch gegen [mich]2 โ schweigen, tragen und lieben ohne aufhรถren, โ das kรคme dem Vergeben nahe!
Wer so zum andern Menschen, zu seinem Vater, seinem Freund, seiner Frau, seinem Mann, aber auch zu den frem- | den Menschen, allen die uns begegnen, steht, der weiร erst, wie schwer das ist. Dem kommt es wohl manchmal รผber die Lippen: Nun kann ich es nicht mehr, nun ertrage ich ihn nicht lรคnger, nun hat meine Kraft ein Ende. Es kann nicht immer so weiter gehen, โ โHerr, wie oft muร ich denn meinem Bruder, der an mir sรผndigt, vergeben?โ Wie lange muร ich es ertragen, daร er hart gegen mich ist, mich krรคnkt und verletzt, daร er ohne Rรผcksicht und Zartheit ist, daร er mir weh tut ohne Maรen โ Herr, wie oft โฆ? Es muร doch einmal ein Ende haben, es muร doch einmal Unrecht Unrecht genannt werden, es kann doch nicht sein, daร mein Recht dauernd vergewaltigt wird โ โist es genug siebenmal?โ Wir lรคcheln vielleicht รผber Petrus, siebenmal, das scheint uns gering โ wie oft haben wir schon vergeben und รผbersehen. Wir sollten aber dennoch ganz und gar nicht lรคcheln, wir haben dem Petrus gegenรผber wahrhaftig keinen Anlaร dazu. Siebenmal vergeben, โ wirklich vergeben, das heiรt das uns angetane Unrecht ganz zum besten kehren, Bรถses ganz mit Gutem vergelten, den andern annehmen, als sei er uns immer der liebste Bruder gewesen, das ist keine Kleinigkeit. Ja was wir so vergeben und vergessen nennen: Keine Krรคhe hackt der andern ein Auge aus, aber vergeben, aus lauter Liebe, mit der man den andern nicht loslassen will, sondern ihn weiter tragen, das ist keine Kleinigkeit.
Es ist eine rechte Qual, dies Fragen. Wie werde ich mit diesem Menschen fertig, wie kann ich ihn ertragen? Wo fรคngt mein Recht ihm gegenรผber an? Laรt uns nur mit dieser Frage immer zu Jesus gehen, wie es Petrus tat. Denn gingen wir zu einem andern, fragten wir uns selbst, so bekรคmen wir keine oder nur schlechte Hilfe: Jesus aber hilft, nur in ganz wunderlicher Weise. Nicht siebenmal, Petrus, sondern siebenzigmal siebenmal, sagt Jesus, โ und er weiร, so allein hilft er ihm. Nicht zรคhlen, Petrus, sondern vergeben ohne Zahl โ nicht dich quรคlen mit der Frage, wie lange, โ ohne Ende, Pe- | trus, ohne Ende: das ist vergeben โ und das ist Gnade fรผr dich, das allein macht dich frei.
Du zรคhlst, einmal, zweimal, dreimal und immer bedrohlicher wird dir die Sache, โ immer quรคlender das Verhรคltnis zum Bruder, โ aber merkst du denn garnicht, solange du noch zรคhlst, solange rechnest du ja immer wieder dem andern seine alte Sรผnde auf, solange hast du in Wirklichkeit noch nicht โ noch nicht einmal! โ vergeben. Werde frei, Petrus, vom Zรคhlen, โ vergeben und verzeihen kennt keine Zahl noch Ende โ du brauchst dich nicht zu bekรผmmern um dein eigenes Recht, das ist bei Gott wohl aufgehoben, โ du darfst vergeben ohne Ende! Vergebung ist ohne Anfang und Ende, sie geschieht tรคglich unaufhรถrlich, denn sie kommt von Gott. Das ist Befreiung aus allem Krampfhaften im Zusammensein mit dem Nรคchsten, denn hier werden wir befreit von uns selbst, hier dรผrfen wir alles eigene Recht aufgeben und dem andern allein helfen und dienen.
Hรถrt nur, wir brauchen garnicht mehr empfindlich zu sein, โ es ist nichts damit gedient, โ wir brauchen nicht auf unsere Ehre bedacht zu sein โ wir brauchen uns auch nicht zu entrรผsten, wenn der andre uns immer wieder Unrecht tut โ wir brauchen nicht mehr den andern fortgesetzt zu richten โ wir brauchen ihn nur zu nehmen, wie er ist, und ihm alles, alles vergeben, ohne Ende, ohne Bedingung. Ist das nicht wirklich groรe Gnade, daร wir solchen Frieden haben dรผrfen mit unserm Nรคchsten, โ daร keiner und nichts unsern Frieden stรถren kann? Unsre Freundschaft, unsre Ehe, unsre Bruderschaft empfรคngt hier, was sie braucht, festen, dauernden Frieden durch die Vergebung.
Als Jesus das dem Petrus sagte, da hat er ihm etwas ganz Frรถhliches und Herrliches sagen und schenken wollen, da hat er ihn frei machen wollen aus dem quรคlenden Gegeneinander der Menschen. Ihr dรผrft einander vergeben, sagt Jesus. Das ist wahrhaftig frohe Botschaft. |
Aber das ist ja nun das Schlimme, daร da, wo Jesus uns eine ganz groรe Hilfe geben will, wo er uns etwas ganz groรes schenken will wir sogleich sagen: Ach wie schwer ist das, was Jesus uns da auflegt, wie unertrรคglich schwer. Das ist ja keine Hilfe, das ist ja eine Last. Wer soll denn das kรถnnen, seine[m Bruder]3 alles vergeben und mit ihm zu tragen. Da wacht der ganze Trotz wieder auf: Nein, das will ich nicht und das kann ich nicht. Das hat der andre auch wahrhaftig nicht verdient.
Und siehe, erst wenn wir so reden, wird Jesus zornig รผber uns. Um Hilfe fragen dรผrfen wir ihn ohne Ende โ aber uns gegen seine Hilfe wehren und sagen: Das sei keine Hilfe, โ das will Jesus nicht. โDu kannst nicht vergeben, du willst nicht vergeben, das hat der andre nicht verdient, โ ja, wer bist denn du, Mensch, daร du so redest?โ
Und in groรem Zorn erzรคhlt nun Jesus jene furchtbare Geschichte vom Schalksknecht, von dem Mann, der Barmherzigkeit erfuhr und dennoch ein harter Mann blieb und von dem nun alle Barmherzigkeit genommen wird und รผber den nun Gottes furchtbares Gericht ergeht. Und indem er diese zornige Geschichte erzรคhlt, gibt er uns die grรถรte Hilfe, die er uns geben kann, er zeigt uns den Weg zum rechten Vergeben. Den wollen wir nun verstehen.
Besinnen wir uns an einen Augenblick in unserm Leben, in dem Gott uns vor Gericht zog, in dem wir ein verlorener Mann waren? In dem es uns ans Leben ging? Gott forderte Rechenschaft von uns, und es waren nichts als Schulden da, unermeรlich groรe Schulden. Unser Leben war befleckt und unrein und schuldig vor ihm und wir hatten nichts, aber auch garnichts aufzuweisen als Schulden und noch einmal Schulden. Besinnen wir uns, wie es uns damals zu Mute war, wie wir nichts zu hoffen hatten, wie verloren und sinnlos [alles] erschien. Wir konnten uns nicht mehr selbst helfen, wir waren gรคnzlich allein โ und vor uns blieb bloร die Strafe, | die gerechte Strafe. Vor ihm konnten wir nicht aufrecht stehen bleiben, vor ihm, vor Gott dem Herrn, sanken wir auf die Knie in unserer Verzagtheit und beteten ihn an: Herr, habe Geduld mit mir โ und allerlei Geschwรคtz kam รผber unsre Lippen, so wie hier der Schalksknecht: Ich will alles bezahlen und wiedergutmachen โ derartiges, und wir wuรten doch genau, wir wรผrden es nie bezahlen kรถnnen, und dann verรคnderte sich auf einmal alles, Gottes Angesicht trug nicht mehr die Zรผge des Zornes, sondern des groรen Jammers und Schmerzes รผber uns Menschen, und er erlieร uns alle Schuld, und es war uns vergeben. Wir waren frei und die Angst war von uns genommen und wir waren wieder froh und konnten Gott ins Angesicht sehen und danken.
So sahen wir einmal aus, wie jener Schalksknecht. Wie vergeรlich wir doch sind! Nun gehen wir hin und packen den, der uns ein kleines Unrecht getan hat, der uns getรคuscht oder verleumdet hat und sprechen zu ihm: Mache wieder gut, was du gesรผndigt hast! Ich kann dir das niemals vergeben! Sehen wir denn nicht, daร wir vielmehr sagen sollten: Was der andre uns hier angetan hat, das ist ja nichts, garnichts gegen das, was ich getan habe gegen Gott und auch gegen ihn? Wer hat denn uns berufen, den andern zu verdammen, die wir selbst viel schwerer dran sind als er?
Vers 31โ34. Nun ist die Gnade vertan, nun ist die ganze alte Schuld neu da, nun kommt der Zorn รผber uns โ nun sind wir verlorene Leute, weil wir die Gnade verachtet haben. Das ist die ganze Lehre: Die Sรผnde des andern siehst du aber deine eigene Sรผnde erkennst du nicht. In Buรe erkenne die Barmherzigkeit Gottes รผber dir und nur so wirst du vergeben kรถnnen.
Wie kommen wir dahin, daร wir einander alle Sรผnde von Herzen vergeben? Liebe Brรผder, wer es einmal erfahren hat, daร Gott ihn aus einer groรen Sรผnde gerissen und ihm vergeben hat, wem Gott einmal in solcher Stunde einen Bruder | geschickt hat, dem wir unsre Sรผnde sagen durften, wer den Kampf kennt, den der Sรผnder gegen die Hilfe fรผhrt, weil er sich nicht helfen lassen will, und wer es dennoch erfuhr, daร ihn sein Bruder im Namen Gottes und im Gebet von seiner Sรผnde freisprach โ dem vergeht alle Sucht zum Richten und zum Nachtragen, der will nur noch eines: Mittragen an der Not des Bruders, dienen, helfen, vergeben, โ ohne Maรen, ohne Bedingung, ohne Ende, โ der kann den sรผndigen Bruder nicht mehr hassen, sondern er liebt ihn umsomehr und vergibt ihm alles, alles. Herr, unser Gott, laร uns deine Barmherzigkeit erfahren, daร wir Barmherzigkeit รผben ohne Ende! Amen.
9. PREDIGT ZU APOKALYPSE 14,6โ13. FINKENWALDE, TOTENSONNTAG, 24. 11. 19351
Offenbarung 14,6โ13
[Und ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkรผndigen denen, die auf Erden wohnen, und allen Heiden und Geschlechtern und Sprachen und Vรถlkern, und sprach mit groรer Stimme: Fรผrchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist gekommen! Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen. Und ein anderer Engel folgte nach, der sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die groรe Stadt; denn sie hat mit dem Wein ihrer Hurerei getrรคnkt alle Heiden. Und der dritte Engel folgte diesem nach und sprach mit groรer Stimme: So jemand das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der wird von dem Wein des Zorns Gottes trinken, der lauter eingeschenkt ist in seines Zornes Kelch, und wird gequรคlt werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm; und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier haben angebetet und sein Bild, und so jemand hat das Malzeichen seines Namens angenommen. Hier ist Geduld der Heiligen; hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesum. Und ich hรถrte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daร sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.]
โUnd ich sahโ โ der Vorhang zerreiรt und Johannes bekommt zu sehen, worรผber fรผr unser Auge ein dichter Schleier liegt โ die Welt nach dem Tode. Soviel ist sogleich klar: diese Welt ist alles andre als tot, sie ist in hรถchstem Maรe lebendig, voller Handlung, voller Gesichte, voller Worte, voller Qual und voller Seligkeit โ die Welt nach dem Tode ist Leben in hรถchstem Maรe. Nicht ein Nichts, ein Verlรถschen erwartet uns, wenn wir die Augen zu tun, sondern einem ungeahnten Geschehen gehen wir entgegen. Keiner trรถste sich mit dem falschen Trost: es ist doch bald alles aus, vielmehr lasse er sich sagen: es fรคngt bald alles an, es wird nun bald ganz ernst, ganz kritisch mit dir.
Bereit werden fรผr den Schritt in jene andre Welt, dazu will uns unser Text helfen. Wie lernen die Christen, wie lernt die Gemeinde Christi das Sterben? Das ist die Frage und die Antwort gibt der Text. Es ist eine dreifache Freudenbotschaft, die uns heute aus jener Welt als Trost am Totensonntag und als Hilfe zum Sterben verkรผndigt wird.2 |
โUnd ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkรผnden โฆโ Wo solche Gesichte, wo die Engel Gottes gesehen werden, da sind wir nicht mehr bei uns, da ist der Himmel aufgetan und die neue Welt. Mitten durch den Himmel fliegt der Engel mit dem ewigen Evangelium. Das gehรถrt also in die Mitte des Himmels wie es in die Mitte der Erde gehรถrt โ das ewige Evangelium. Das ist ein groรer Trost fรผr alle Glรคubigen โ das Evangelium bleibt doch โ es ist ein ewiges Evangelium โ unser Evangelium, wie wir [es] Sonntag fรผr Sonntag hรถren3 und predigen โ das Evangelium, das wir in unsern Bibeln bei uns haben, morgens und abends lesen, das unserem Leben einmal eine neue Wendung gegeben, als wir es zum erstenmal recht verstanden4 โ hier verspottet und angegriffen5 und in den Schmutz gezogen, und doch verborgen und heimlich geliebt und bekannt von Bekennern und Mรคrtyrern aller Zeiten, von unzรคhligen Herzen โ das Evangelium bleibt ewig โ wir brauchen uns also garnicht zu fรผrchten und darum zu sorgen โ ob es auch so aussieht, als ginge das Evangelium heute unter โ was sind 10 Jahre oder auch mehr, die wir erleben und รผbersehen? โ das Evangelium ist ewig und bleibt dennoch. Es bleibt als die eine und einzige wahre Verkรผndigung von Gott รผber alle Welt6. Und ob tausende von Religionen und Ansichten und Meinungen und Weltanschauungen in der Welt sind, und ob es die schรถnsten Weltanschauungen seien und ob sie den Menschen das Herz bewegen und rรผhren โ sie scheitern alle am Tod, sie mรผssen alle zerbrechen, weil sie nicht wahr sind โ es bleibt nur das Evangelium. Und ehe das Ende kommt, wird es allen Vรถlkern, Geschlechtern und Sprachen verkรผndigt sein รผber die ganze Erde โ ob es hier auch scheint, es gebe viele Wege, dort gilt doch nur ein Weg, fรผr alle Menschen auf dem Erdboden: das Evangelium.
Und seine Sprache ist so einfach, daร sie jeder verstehen muร: โFรผrchtet Gott und gebt ihm die Ehre; denn die | Zeit des Gerichts ist gekommen. Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und Wasserbrunnen.โ Das ist das 1. Gebot, das ganze Evangelium.7 โFรผrchtet Gottโ โ statt der vielen Dinge, die ihr fรผrchtet โ fรผrchtet nicht den kommenden Tag, fรผrchtet nicht die anderen Menschen, fรผrchtet nicht Gewalt und Macht, auch wenn sie euch Besitz und Leben rauben kann, fรผrchtet nicht die Groรen in der Welt, fรผrchtet euch auch nicht vor euch selbst, fรผrchtet auch nicht die Sรผnde โ an all dieser Furcht werdet ihr sterben โ von all dieser Furcht seid ihr frei, sie ist fรผr euch nicht da โ fรผrchtet aber Gott und ihn allein; denn er hat Macht รผber alle Mรคchte dieser Welt, โ vor ihm muร sich die ganze Welt fรผrchten โ er hat Macht uns das Leben zu geben oder uns zu verderben, โ alles andere ist Spiel โ Gott allein ist ernst, ganz ernst โ fรผrchtet Gottes Ernst โ und โgebt ihm die Ehreโ. Er will sie haben als der Schรถpfer der Welt, als unser Schรถpfer, er will sie haben als der Versรถhner, der Friede gemacht hat in Christus zwischen Gott und Mensch, er will sie haben als der Erlรถser, der uns am Ende frei machen will von aller Sรผnde und aller Last โ gebt ihm die Ehre in seinem heiligen Evangelium โ โdenn die Zeit seines Gerichtes ist gekommenโ. Wonach wird Gott an jenem Tage des Gerichtes, dem wir entgegengehen, fragen? nach seinem ewigen Evangelium8: habt ihr dem Evangelium geglaubt und gehorcht? Er wird nicht fragen โ ob wir Deutsche waren oder Juden, ob wir Nationalsozialisten waren oder nicht, auch nicht ob wir zur Bekennenden Kirche gehรถrt haben oder nicht โ ob wir groร und einfluรreich und erfolgreich waren, ob wir ein Lebenswerk aufzuweisen haben, ob wir geehrt waren von den Menschen, oder gering und unwichtig und erfolglos und verkannt. Gott wird alle Menschen einmal danach fragen, ob sie vor dem Evangelium sich getrauen kรถnnen zu bestehen โ9 und das Evangelium allein wird unser Richter sein. Am Evangelium werden sich die Geister scheiden in Ewigkeit. | Wenn wir das wissen, und doch sehen, wie das Evangelium unter uns miรachtet wird โ dieses in der Welt und in der Kirche โ dann kann uns ganz angst werden.10 Das wollen wir uns also von dem ersten Bild, das Johannes sah, merken โ ein ewiges Evangelium โ die ewige Verkรผndigung an alle Vรถlker, das ewige Gericht รผber alle Menschen โ ein ewiges Evangelium โ das ist der einzige und bleibende Trost fรผr die Gemeinde der Glรคubigen, das ist Freudenbotschaft fรผr alle, die noch sterben mรผssen.
โUnd ein anderer Engel folgte nach und sprach: sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die groรe Stadt; denn sie hat mit dem Wein ihrer Hurerei getrรคnkt alle Heiden.โ Das sah Johannes โ und er sah doch auch das andere: nรคmlich daร Babylon noch groร war, mรคchtig und kraftstrotzend11 โ daร Babylon noch unรผberwindlich dastand in der Welt und alle Menschen vor ihr zitterten und niederfielen โ Babylon, die Feindin Gottes โ die Stadt, die nicht aufhรถrt ihren Turm bis in den Himmel zu bauen12 โ Babylon, die gegen Christus, den gekreuzigten Herrn13 auf eigene Macht trotzt, die mit ihren glรคnzenden und verfรผhrerischen Lastern die Menschen berauscht, wie die Dirne ihren Buhlen berauscht mit schwerem Wein โ die die Menschen umnebelt und verwirrt und umbuhlt mit allerlei Geprรคnge und gottlosem Prunk โ Babylon, das die Menschen lieben, umschwรคrmen, dem sie besinnungslos in die Netze laufen โ Babylon, das von seinen Untertanen nichts anderes verlangt als blinde Liebe und Rausch, das ihnen reichlich, verschwenderisch gibt, wonach den Menschen das Herz und die wilde Begierde steht โ wer wollte es wagen, von diesem Babylon zu sagen, es sei nicht ewig?, โ es werde einen tiefen Fall tun โ weh dem14! โ mit welcher Bangigkeit muร die christliche Gemeinde, โ die nicht Bรผrger dieser Stadt sein kann und will, die am Rande, auรerhalb dieser Stadt wohnen und leiden muร โ auf jene Stadt sehen, mit wieviel Gebeten muร sie fรผr sie eintreten15, mit wieviel Gebeten ihren Fall herbeigesehnt | haben!16 โ Wer ist Babylon โ war es Rom? Wo ist es heute? Wir wagen es heute noch17 nicht zu sagen โ nicht aus Furcht vor den Menschen! sondern die Gemeinde weiร es noch nicht โ aber sie sieht furchtbare Dinge und Enthรผllungen herannahen โ und nun โ die Stimme vom Himmel, die Freudenbotschaft fรผr die Gemeinde der Glรคubigen โ โsie ist gefallen, โฆ Babylon, die Groรe โฆโ โ es ist schon alles vollendet, das Gericht ist schon ergangen von Gott her, Babylon ist schon garnicht mehr โ Babylon kann nicht bestehen โ weil es vor Gott nicht bestehen kann. Darum: fรผrchtet euch nicht vor Babylon, es kann euch nichts anhaben โ es ist schon gerichtet โ es ist alles18 nur Staub und Rauch und Trรผmmer โ nehmt es nicht mehr so blutig ernst, verzehrt euch nicht in eurem Haร oder eurem Eifer, es ist ja alles nur so vorlรคufig, so vorlรคufig โ es ist ja garnicht mehr wichtig โ ganz andere Dinge sind aber wichtig โ bleibt fest im Glauben, haltet fest an Christus, haltet euch unberรผhrt von Babylon, bleibt nรผchtern und laรt euch nicht die Furcht รผbermannen โ hรถrt auf die Stimme Gottes, des Allmรคchtigen, der spricht: Sie ist gefallen, โฆ Babylon, die Groรe. Dies allein ist wichtig โ dies allein fรผhrt zum Leben โ wer aber Babylon verfรคllt โ der ist dem Tode und Gericht verfallen โ Babylon ist gefallen, freue dich, Gemeinde der Glรคubigen! Das ist die zweite Freudenbotschaft fรผr die Gemeinde, die ins Sterben muร.
Vers 9. โUnd der dritte Engel folgte ihm nach und sprach mit groรer Stimme: so jemand das Tier anbetet โฆโ Das Tier ist der Herr Babylons, der Mensch der Lรคsterung, der รberhebung und der Gewalt โ und das ist das furchtbare โ dies Tier hat nicht genug daran, daร ihm die Menschen dienen, sondern es will, daร sie sich mit seinem Zeichen bezeichnen an Stirn und Hand โ daร sie ihm sichtbar gehรถren mit Kopf und Tat โ das Tier will Bekenner! โ wie die Christen sich bezeichnen mit dem Zeichen des Kreuzes, so will das Tier, daร alle mit dem Mal- | zeichen der Gotteslรคsterung gezeichnet seien, die ihm gehรถren โ und sie beten das Tier an und sagen: wer ist grรถรer und mรคchtiger als dies Tier? wer will ihm widerstehen? wer ist herrlicher und gรถttlicher โ und alle beten es an, die nicht geschrieben sind im Buche des Lebens, deren Namen vor Gott und dem Christus nicht erwรคhlt und gefรคllig sind, deren Namen eine Lรคsterung Gottes sind.
Vers 10 f: โder wird von dem Wein des Zorns Gottes trinken โฆโ Ein brennender ungemischter Wein ist der Zorn Gottes, den der Mensch bis ins Innerste seiner Gebeine zu spรผren bekommt. Unaussprechlich furchtbar die Dinge, die nun genannt werden โ es ist nichts hinzuzufรผgen โ wie soll uns auch solche Botschaft Grund zur Freude sein? โ โgequรคlt mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und dem Lammโ โ sie werden den Christus, den sie lรคsterten, sehen mรผssen in ihrer Qual โ โder Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeitโ โ โkeine Ruhe bei Tag und Nachtโ โ laรt uns angesichts solcher Worte ja nicht laut werden, sondern ganz still und in uns gehen und sprechen: Gott, sei mir Sรผnder gnรคdig und schenk uns allen dein Heil! Gott, dir allein gebรผhrt die Ehre. Du allein bist gerecht. Du hast uns Ruhe geschaffen von unsern Feinden. Gott, du allein bist unser Trost und unsere Freude!
Nein, wir wollen angesichts der furchtbaren Gerichte Gottes รผber die Welt in kein19 sektiererisches Triumphgeheul ausbrechen โ sondern bitten: Gott, gib Geduld deinen Heiligen in aller unserer Ungeduld20, gib Gehorsam deiner Gemeinde dein Gebot der Liebe zu halten โ in allem unserm Ungehorsam, gib Glauben an Jesus โ in allem Unglauben. Und wenn du dann kommst und zu uns trittst und uns forderst vor dir zu stehen: dann sprich auch zu uns โ hier ist Geduld der Heiligen, hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesum โ Gott, es ist alles deine Gnade.
Werden wir es nun begreifen, daร angesichts dieser Gerichte | Gottes, dieser Versuchung, in Haร und Ungeduld und Unglauben zu fallen โ daร es heute eine Gnade ist zu sterben โ weggenommen zu werden โ wer von uns weiร denn, ob er durchhรคlt? Wer weiร denn, wie er in der Stunde der letzten Probe stehen wird โ darum โ โselig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun anโ โ โselig sind die Totenโ โ das mรผssen wir verstehen โ nicht aus Mรผdigkeit, aus Unlust, sondern aus der Furcht nicht Glauben zu halten und in der Freude Glauben gehalten zu haben โ โselig sind die Totenโ โ โvon nun anโ โ von solchen Zeiten an, wo die Macht Babylons und des Tieres รผbergroร wird โ aber nicht alle Toten sind selig โ sondern โdie in dem Herrn sterbenโ โ die das Sterben rechtzeitig gelernt haben,21 die Glauben gehalten haben, die sich an Jesus hielten bis zur letzten Stunde, ob unter den Leiden des offenen Martyriums, ob in dem Martyrium einer stillen Einsamkeit รผberstehenden Lebens22 โ die Verheiรung der Seligkeit des Todes, der Auferstehung gibt es nur fรผr die Gemeinde Jesu Christi โ sie gehรถrt ihr โ und wer sie sonst fรผr sich in Anspruch nimmt, fรคllt Gott in den Arm. โSelig sind die Toten, die in dem Herrn sterben โฆโ in Christus sterben โ daร uns das geschenkt werde, daร unsere letzte Stunde nicht eine schwache Stunde sei โ daร wir als Bekenner Christi sterben. Ob alt oder jung, ob schnell oder nach langem Leiden, ob gefaรt und gepackt von dem Herrn Babylons oder ob still und sanft, daร nur unser letztes Wort sei: Christus,23 das ist heute unser Gebet โ โJa, der Geist spricht โฆ folgen ihnen nachโ24 und dann wird Ruhe sein von unserer Arbeit, das heiรt von der Mรผhsal und den Leiden und den Anfechtungen, unter denen wir heute stehen, keine Furcht mehr, schwach zu werden, keine Furcht vor der Sรผnde und vor der Gewalt Babylons, dann wird Ruhe sein, weil wir Christus als den Herren erkennen und sehen werden โ โund ihre Werke folgen ihnen nach โโ. Sie bahnen uns nicht den Weg zu Christus, das tut der Glaube, โ aber sie folgen nach, | die Werke, die in Gott, in Christus getan sind, fรผr die er uns bereitet hat von Anbeginn der Welt; wir kennen sie hier nicht, sie sind verborgen, es sind die Werke, von denen die linke Hand nicht weiร, was die rechte tut25 โ aber sie werden bei uns sein, weil sie zu uns gehรถren, als das ewige Geschenk Gottes.26
Herr, lehre du deine Gemeinde zu sterben durch dein Evangelium27, gib uns Kraft durchzuhalten, bis du rufst โ wir wollen gern dein ewiges Evangelium schauen! Amen.
10. SKIZZE ZU LUKAS 1,39โ56. FINKENWALDE, HEILIGABEND1
Lukas 1,39โ55
Vers 39 Maria โ gratia plena2 โ die Gnadenvolle ist vom Engel an Elisabeth gewiesen worden. Sie macht sich auf, wandert durch das Gebirge, eilends zu Elisabeth. Demรผtig geht die Jรผngere zu der รlteren.
Vers 40 Sie grรผรt Elisabeth zuerst.
Vers 41 Die Gegenwart der Gnadenreichen wird alsbald offenbar. Das Kind im Mutterleib, der Vorlรคufer, Elisabeth wird erfรผllt vom heiligen Geist
Vers 42 und prophezeit: โฆ Frucht des Leibes โฆ
Vers 43 Mutter des Herrn; Elisabeth demรผtigt sich vor Maria wie Jesus vor Johannes3
Vers 45 Seligpreisung des Glaubens! Andere haben nicht geglaubt! Zacharias! es wird vollendet, es wird Wirklichkeit werden. Hรถchste Bestรคtigung fรผr Maria. Das Wunder bedarf der Bestรคtigung.
Vers 46 Adventslied, Maria in der Reihe der alttestamentlichen Frauen Hanna4, Debora5. Sie weist die Ehrung6 von sich weg auf Gott. So handelt der Glaube. Meine Seele โ alles in mir โ stellt den Herrn hoch รผber alles. Es
Vers 47 freut sich Gottes โฆ Gott, nicht seine Gabe! Aber auch seine Gabe ist ja Gott โ Heiland, der Menschgewordene. Freude, er ist bei mir, in mir.
Vers 48 Gott beugte sich herab, darum erhebe ich ihn. Nicht โDemutโ, sondern Niedrigkeit7. [โฆ] mich seligpreisen โฆ um deswillen!
Vers 49 Groรe Dinge an Niedrigen โ Allmacht, Heiligkeit [โ] groรe Dinge an uns, wenn wir glauben.
Vers 50 Seine Barmherzigkeit gilt allen, nicht allein der Maria.
Vers 51 f. Das werdende Kind im Mutterleib โ sein Arm ist gewaltiger als die Gewaltigen, die Hoffรคrtigen vernichtet er. Gott im Menschen โ Throne, Majestรคten wanken, stรผrzen. Niedrige werden Hochgeehrte.
Vers 53 Reiche hungern โ die Frommen ernรคhrt Gott.
Vers 54 Durch all dies hilft er Israel, s[einer] K[irche].8 Vers 55 Es ist seine Verheiรung.
Vers 56 Blieb 3 Monate. โ Geborgen bei Elisabeth Geheimnis nicht offenbart.
11. PREDIGT ZU PSALM 90. BERLIN, 15. 1. 19361
Trauerfeier fรผr Frau Julie Bonhoeffer am Mittwoch, dem 15. Januar 1936, in der Friedhofskapelle Halensee, gehalten von Dietrich Bonhoeffer.
Mit Fried und Freud fahr ich dahin
in Gottes Willen;
getrost ist mir mein Herz und Sinn,
sanft und stille.
Wie Gott mir verheiรen hat:
Der Tod ist mein Schlaf worden.2
So spricht die Heilige Schrift: โDer Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rรผhret sie an. Von den Unverstรคndigen werden sie angesehen, als stรผrben sie, und ihr Abschied wird fรผr eine Pein erachtet. Aber sie sind im Frieden3โ. โ โUnd Gott wird abwischen alle Trรคnen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saร, sprach: Siehe, ich mache alles neuโ (Weisheit Salomos 3[,1โ3]; Offenbarung Joh. 21[,4โ5 a]).
Jerusalem, du hochgebaute Stadt,
wollt Gott, ich wรคr in dir!
Mein sehnlich Herz so groร Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir;
weit รผber Berg und Tale, weit รผber blaches Feld
schwingt es sich รผber alle und eilt aus dieser Welt.
O schรถner Tag und noch viel schรถnโre Stund,
wann wirst du kommen schier,
da ich mit Lust und freiem Freudenmund
die Seele geb von mir
in Gottes treue Hรคnde zum auserwรคhlten Pfand,
daร sie mit Heil anlรคnde in jenem Vaterland!4
Psalm 90: โHerr Gott, du bist unsere Zuflucht fรผr und fรผr. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, der du die Menschen lรคssest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lรคssest sie dahinfahren wie einen Strom; sie sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frรผhe blรผhet und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorret. Das macht dein Zorn, daร wir so vergehen, und dein Grimm, daร wir so plรถtzlich dahin mรผssen. Denn unsere Missetaten stellst du vor dich, unsere unerkannte Sรผnde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwรคtz. Unser Leben wรคhret siebzig Jahre, und wennโs hoch kommt, so sindโs achtzig Jahre, und wennโs kรถstlich gewesen ist, so ist es Mรผhe und Arbeit gewesen; denn es fรคhret schnell dahin, als flรถgen wir davon. Wer glaubt aber, daร du so sehr zรผrnest, und wer fรผrchtet sich vor solchem deinem Grimm? Lehre uns bedenken, daร wir sterben mรผssen, auf daร wir klug werden. Herr, kehre dich doch wieder zu uns und sei deinen Knechten gnรคdig! Fรผlle uns frรผhe mit deiner Gnade, so wollen wir rรผhmen und frรถhlich sein unser Leben lang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglรผck leiden. Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Ehre ihren Kindern. Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fรถrdere das Werk unserer Hรคnde bei uns; ja, das Werk unserer Hรคnde wolle er fรถrdern!โ5
In groรer Dankbarkeit stehen wir heute am Grab unserer guten entschlafenen Groรmutter. Gottes Hand ist freundlich | รผber uns gewesen, daร er sie bis heute unter uns gelassen hat.6 Wir kรถnnen uns unser eigenes Leben nicht mehr denken ohne das ihre. Sie gehรถrt ganz zu uns und sie wird immer ganz zu uns gehรถren. Und Gottes Hand ist auch freundlich รผber ihr gewesen bis zuletzt. Er hat sie nicht allein sein lassen. Er hat sie Kinder, Enkel und Urenkel sehen lassen. Er hat sie noch mitten in ihrer letzten schweren Krankheit fรผr ein paar Tage frรถhlich und gesund sein lassen, daร sie den heiligen Abend noch einmal mit dem ganzen groรen Haus feiern konnte, wie in all den Jahren zuvor.7 In groรer Klarheit und Liebe hat sie bis zuletzt an all dem teilnehmen kรถnnen, was jeden von uns persรถnlich und beruflich bewegte. Sie hat nach allen gefragt, die ihr nahestanden, und fรผr jeden gute und liebe Gedanken und Wรผnsche gehabt. Gott hat ihr auch gegeben, in Klarheit zu sehen, wie es um sie stand, und er hat ihr die Kraft dazu gegeben, sich darein zu schicken. Und wenn wir heute traurig werden wollen, daร sie nicht mehr bei uns ist, so sollen wir doch darรผber niemals vergessen, wie dankbar wir sein mรผssen.
โHerr Gott, du bist unsere Zuflucht fรผr und fรผrโ. In einem so langen Leben wie dem ihren gibt es Stunden, in denen man dies besonders lernen muร, daร man eine Zuflucht braucht. Frรผh hat sie ihren Vater verloren, zwei Sรถhne hat sie als Kinder hergeben mรผssen, im Krieg fielen drei Enkelsรถhne; im Alter wurde es stiller um sie, als der Groรvater starb, als ihre Geschwister heimgingen, als zuletzt noch wenige Jahre vor ihrem Tod unser guter Onkel Otto, ihr รคltester Sohn, von uns ging. Gott hat oft sichtbar in ihr Leben eingegriffen; da hat sie es immer wieder lernen mรผssen, was sie von Kind auf gewuรt hat: โHerr Gott, du bist unsere Zuflucht fรผr und fรผr. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeitโ. Daran hat sie sich auch in ihrer Krankheit gehalten. Sich in den Willen Gottes schicken; tra- | gen, was einem auferlegt ist; beherrscht und klar das Gegebene, das Wirkliche ins Auge fassen; tun, was nรถtig und geboten ist; schweigend und ohne Klage mit sich abmachen, worin einem ein anderer nicht helfen kann, und in alledem sich eine groรe innere Frรถhlichkeit und kraftvolle Lebensbejahung bewahren โ so hat sie ihr Leben aufgefaรt und gefรผhrt, so ist sie gestorben, und so haben wir sie geliebt.
โDer du die Menschen lรคssest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinderโ. Sie hat das Wiederkommen sehen dรผrfen in drei Generationen, und das war ihre grรถรte Freude im Leben. Fรผr ihre Kinder, Enkel und Urenkel war sie immer da,8 sie hatte immer und fรผr alles Zeit, Ruhe und Rat. Und obwohl sie ganz mit jedem einzelnen mitlebte, so kam doch ihr Urteil und ihr Rat immer aus einem weiten Abstand von den Dingen, aus einem unvergleichlichen Wissen um alles Menschliche und aus einer groรen Liebe. Und wรคhrend sie so die Generationen kommen und wachsen sah, wurde sie selbst bereit zum Gehen. In aller Erfahrung und Weisheit spรผrte man, daร sie von einer demรผtigen Erkenntnis der Grenzen allen menschlichen Wissens, Urteilens und Lebens getragen war. โTausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwacheโ.
โUnser Leben wรคhret siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre, und wenn es kรถstlich gewesen ist, so ist es Mรผhe und Arbeit gewesen.โ 93 Jahre alt ist sie geworden, und sie hat uns das Erbe einer anderen Zeit vermittelt. Mit ihr versinkt uns eine Welt, die wir alle irgendwie in uns tragen und in uns tragen wollen. Die Unbeugsamkeit des Rechtes, das freie Wort des freien Mannes, die Verbindlichkeit eines einmal gegebenen Wortes, die Klarheit und Nรผchternheit der Rede, die Redlichkeit und Einfachheit im persรถnlichen und รถffentlichen Leben โ daran hing ihr ganzes Herz. Darin lebte sie. Sie hat es in ihrem Leben erfahren, daร es Mรผhe und Arbeit macht, diese Ziele | wahr zu machen im eigenen Leben. Sie hat diese Arbeit und Mรผhe nicht gescheut. Sie konnte es nicht ertragen, wo sie diese Ziele miรachtet sah, wo sie das Recht eines Menschen vergewaltigt sah.9 Darum waren ihre letzten Jahre getrรผbt durch das groรe Leid, das sie trug รผber das Schicksal der Juden in unserem Volk, an dem sie mittrug und mitlitt.10 Sie stammte aus einer andern Zeit, aus einer andern geistigen Welt โ und diese Welt sinkt nicht11 mit ihr ins Grab. Dieses Erbe, fรผr das wir ihr danken, verpflichtet.
Aber nicht nur ihr Leben, sondern gerade auch ihr Tod soll uns zur Lehre werden. โHerr, lehre uns bedenken, daร wir sterben mรผssen, auf daร wir klug werden.โ Auch solches sinnerfรผllte, bewuรte Leben steht unter dem Todesgesetz, das auf allem Menschlichen lastet. Auch wir mรผssen einmal gehen, mit all unseren Idealen, Zielen und unserer Arbeit. Klug werden, das heiรt von seiner Grenze, von seinem Ende wissen, aber viel mehr noch von dem Jenseits dieser Grenze wissen, von dem Gott, der ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, in dessen Hรคnde wir fallen, ob wir wollen oder nicht, in dessen Hรคnden sie jetzt aufgehoben ist in Ewigkeit. Was sollen wir รผber solchem erfรผllten und reichen Leben noch sagen? Wir rufen den Gott an, der unsere Zuflucht ist, zu dem wir fliehen kรถnnen in aller Not und Traurigkeit, Jesus Christus, in dem alle Wahrheit, alle Gerechtigkeit, alle Freiheit und alle Liebe ist. Wir rufen den Gott an, der allen Haร, alle Lieblosigkeit, alle Unruhe รผberwunden hat durch seine unรผberwindliche Liebe am Kreuz Jesu Christi. Wir bitten, daร sie schauen dรผrfe in Ewigkeit, was hier verhรผllt und verborgen bleibt unter Sรผnde und Tod, daร sie in Frieden und Klarheit schauen dรผrfe das ewige Angesicht Gottes in Jesus Christus.
Der Anfang, das Ende, o Herr, sie sind dein,
die Spanne dazwischen, das Leben, war mein;
und irrtโ ich im Dunkeln und fand mich nicht aus โ
Bei dir, Herr, ist Klarheit, und Licht ist dein Haus.12 |
Und nun wollen wir nicht mehr traurig sein. Das war nicht ihr Sinn. Sie wollte nie einen Menschen traurig machen. Wir mรผssen zurรผck an unsere Arbeit und an unser Tagewerk. So hat sie es gewuรt und gemeint. Sie liebte รผber alles die Tat und das Tagewerk. Darum wollen wir gestรคrkt von ihrem Grab fortgehen. Gestรคrkt durch ihr Bild, ihr Leben und Sterben, gestรคrkt aber viel mehr durch den Glauben an den Gott, der ihre und unsere Zuflucht ist fรผr und fรผr, gestรคrkt durch Jesus Christus. โUnd der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fรถrdere das Werk unserer Hรคnde bei uns; ja, das Werk unserer Hรคnde wolle er fรถrdern!โ Amen.
Der ewig reiche Gott
woll uns bei unserm Leben
ein immer frรถhlich Herz
und edlen Frieden geben
und uns in seiner Gnad
erhalten fort und fort
und uns aus aller Not
erlรถsen hier und dort.13
c) Dritter Kurs. Volksmission und Konferenz von Chamby
15. Aprilโ23. August 1936
12. TRAUPREDIGT ZU I THESSALONICHER 5,16โ18 (MITSCHRIFT). FALKENSEE, 15. 4. 19361
Traurede fรผr Hilde und Albrecht Schรถnherr, gehalten am 15. 4. 1936 in der Kirche zu Falkensee durch Pastor D. Bonhoeffer.
โSeid allezeit frรถhlich. Betet ohne Unterlaร. Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euchโ I. Thess 5,16โ18.
Dies sei unsere Bitte fรผr euch und daร ihr gehorsam zu diesem Willen โJaโ sagen wollt.
Ihr wollt jetzt auf eigenen Fรผรen wandeln. Ihr wiรt, es bleibt heute ja alles ungewiร in der Zukunft und am morgigen Tag; aber es muร und soll ganz gewiร sein, daร wir uns in einem solchen Augenblick eins wissen mit dem Willen Gottes an uns. Das genรผgt uns, und das hilft uns durch alles Ungewisse hindurch.
Also mit dem Willen Gottes jetzt euch eins zu machen, dazu seid ihr hier. Ihr wollt in kurzem sagen, daร ihr fรผreinander leben wollt, euch einander treu sein wollt, bis der Tod euch | scheidet.2 Daร zwei Menschen ihr Leben gemeinsam fรผhren wollen, das geht ja nur, wenn aus zwei Willen โeinerโ wird; das geht nicht so zu, daร wir unseren eigenen suchen oder den des anderen. Die einzige Gewiรheit, daร euer Wille ein Wille werde, liegt nicht an euch, sondern am Willen Gottes. Die einzige Gewiรheit fรผr die Festigkeit eurer Ehe liegt nicht bei euch, eurer Liebe, euren Vorsรคtzen, sondern liegt bei Jesus Christus.3 Da ganz allein liegt die Gewiรheit, da sucht sie! Dort kรถnnt und sollt und werdet ihr eins sein. Und darum mรผssen wir gerade an solchem Tage, wo die Gedanken ganz um persรถnliche Dinge kreisen wollen, mรผssen wir4 euch sagen: โTrachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, dann wird euch solches alles zufallenโ.5 Durch ihn wird euch das andere alles mitgeschenkt werden. Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes!
Und Gott sei Dank, daร er uns seinen Willen nicht verbirgt, sondern offenbar werden lรครt. Den Willen Jesu Christi an euch lรครt er uns offenbar werden in dem Wort, das ihr zuerst gehรถrt habt: โSeid allezeit frรถhlich โฆโ.
Ihr werdet frรถhlich sein in einer Freude, die ihr einander macht und aneinander habt. Es gibt im Leben nichts, das die Frรถhlichkeit grรถรer machen kรถnnte, als mit einem Menschen zusammen zu sein, den man liebt, mit dem man sich eins weiร. Man ist frรถhlich, auch frรถhlich in den รคuรeren Sorgen, weil man den anderen hat. Aber es heiรt nicht: seid heute frรถhlich und morgen und immer wieder einmal frรถhlich, sondern es heiรt: seid alle Zeit frรถhlich. Also nicht nur, wenn ihr sie voneinander nehmen kรถnnt, sondern auch da, wo sie euch einmal versagt wird, wo die รคuรeren Schwierigkeiten euch bedrรคngen und bedrรผcken.
Wie kann man das sagen ohne zu รผbertreiben? Man kann es nur sagen und sein, wenn man den ganzen Grund seiner Frรถhlichkeit von Gott, aus seinem Willen hernimmt. Seid allezeit frรถhlich, denn ihr seid von Gott erlรถst, frei geworden von allen Sorgen und รngsten um die Zukunft und frei geworden von euch selbst. Erlรถst seid ihr, und darum seid ihr alle- | zeit frรถhlich, denn nun seid ihr allezeit mit Gott und Gott ist mit euch. Wiรt, daร ihr erlรถste Menschen seid und seid frรถhlich!
Albrecht, sei ein frรถhlicher Pfarrer! Wer sich eins weiร mit Jesus Christus, weiร, daร er erlรถst ist, und wer darum auch so aussieht, der wird seiner Gemeinde eine groรe Hilfe sein.6 Die Menschen werden zu ihm kommen, ihm Last auflegen, die er trage. Also sei allezeit frรถhlich in deinem Amt.
Und dir, liebe Hilde, sage ich dazu: Hilf deinem Mann allezeit, frรถhlich zu sein. Es ist ein Dienst, den du deinem Mann und der Gemeinde tust. Hilf ihm dazu durch dein Gebet und durch deine Treue. Hilf dadurch, daร du dir deine Arbeit, deine Zeit so einteilst, daร du mit ihm frรถhlich sein kannst. Dann werdet ihr verstehen, was Paulus sagt: alles ist euer, ihr aber seid Christi!7
Solche Frรถhlichkeit aber kommt nur durch Gebet ohne Unterlaร. Es ist kein christliches Haus, wo nicht gebetet wird ohne Unterlaร. Du, Albrecht, hast in den letzten Jahren mit viel Mรผhe gelernt, was dies Beten ohne Unterlaร etwa heiรen kann,8 und du hast entdeckt, daร es so viel helfen kann, und du wirst es noch mehr entdecken in deinem kรผnftigen Leben. Und du, liebe Hilde, denke daran, daร dein Mann dies heilige Amt fรผhren soll, und daร er das nur recht kann, wenn du ihm hilfst und wenn du Ehrfurcht hast vor diesem Amt und vor diesem Beten ohne Unterlaร.
Betet miteinander jeden Tag, morgens, mittags, abends, um Festigkeit eurer Ehe, um Bestand und um Vergebung eurer Sรผnde. Und vergebt euch alle Tage selbst in diesem Gebet gegenseitig eure Sรผnden. Eine Ehe unter der Vergebung sollt ihr fรผhren, betet miteinander treu darum, und betet fรผreinander.
Dir, liebe Hilde, mรถchte ich noch besonders sagen: Es gibt in der Geschichte manches, wo die Frau Menschen zurรผckgewonnen hat fรผr das Evangelium durch die Fรผrbitte. Und ich | mรถchte es dir ganz besonders ans Herz legen, daร du Fรผrbitte tust fรผr deinen Mann, deine Familie, alle, die in dein Haus kommen und alle, mit denen du in Berรผhrung kommst.9
Und seid dankbar in allen Dingen. Richtig beten kรถnnt ihr nur, wenn ihr dankbar seid in allen Dingen, wenn ihr einmal in der Stunde des Todes sagen kรถnnt wie Chrysostomus โGott sei Dank fรผr alles!โ10 Seid dankbar nicht nur fรผr euer Glรผck, sondern auch fรผr alles Rรคtselhafte in eurem Leben, fรผr Krankheit, Leiden und Verfolgung um des Evangeliums willen. Seid dankbar in allen Dingen! Seid es heute fรผr all das, was ihr bis zu dieser Stunde empfangen habt. Seid dankbar, daร ihr einander habt. Und vor allem seid dankbar, daร ihr das Wort und den Willen Gottes noch habt bis ans Ende. Seid dankbar, daร Ihr einmal am Ende eures Lebens frรถhlich sagen kรถnnt: Ja, Gott sei Dank fรผr alles!
Und nun geht hin in groรer Freude und Gewiรheit, eins geworden, die Augen erhoben zum Kreuz Jesu Christi, allezeit frรถhlich, ohne Unterlaร betend. Amen.
13. BIBELARBEIT ZU ESRA UND NEHEMIA: WIEDERAUFBAU JERUSALEMS. FINKENWALDE, 21. 4. 19361
Der Wiederaufbau Jerusalems nach Esra und Nehemia
I. Die Erweckung
Die Gerichte Gottes รผber sein Volk2 kann nur Er selbst wieder wenden. Es bleibt dem zerstรถrten Jerusalem3 nichts als die Zuversicht, Gott werde sich nach seiner Verheiรung wieder zu seinem Volk kehren, sonst garnichts. Auflehnung gegen das Gericht Gottes wรคre es, wenn hier einer von sich aus, ungerufen und unbeauftragt daran ginge, die zerstรถrte Kirche wiederaufzubauen. Und geschehe es mit noch so frommem4 Willen, mit noch so reiner Lehre, mit noch so groรer seelsorgerlicher Liebe zum Volk. So handelt vorwitziges โfrommes Fleischโ, aber nicht der Glaube der Gemeinde Gottes. Sie wartet und beugt sich dem Gericht, bis Gott selbst wiederkommt, und sie betet um5 Erweckung. Aus der Erweckung durch den Geist Gottes kommt Erneuerung der Kirche. Niemals durch Restauration, niemals durch eigenmรคchtiges Aufhebenwollen der Gerichte Gottes. Nur durch seine Gerichte hindurch, nicht aber an ihnen vorbei kommt Gott wieder zu seiner Gemeinde. Die Erwekkung fรผhrt aus dem Gericht in die Gnade. Darum ist das Gebet um die Erweckung der Anfang einer echten Erneuerung der Kirche. |
Jerusalem ist zerstรถrt. Der Tempel Gottes in seinem Allerheiligsten6 geschรคndet, die Priester gefangen und7 aus der Stadt gewiesen, die Mauern der Stadt sind niedergerissen, sodaร es keinen Schutz gegen irgendeinen Feind mehr gibt. Wehrlos ist die Kirche jedem Angriff preisgegeben. Fremde Mรคchte, fremde Herren, fremde Gรถtter sind in Jerusalem eingezogen. Die Gemeinde Gottes ist vom Gericht und Zorn Gottes getroffen in die Gefangenschaft heidnischer Gewalthaber geraten. Als Fremdling muร das Volk Israel unter den Gottlosen wohnen. Und wer darf sich wundern und entrรผsten, wenn bei einer jahrzehntelangen Dauer heidnischer Gewalt- und Fremdherrschaft viele mรผde und mรผrbe werden, wenn ihnen8 trotz aller Bedrรผckung und Schmach das ohnmรคchtige Dahinvegetieren in relativer Sicherheit unter dem Schutz des fremden Kรถnigs9 lieber geworden ist als die verรถdete friedlose Stadt Gottes, der nur Eines geblieben ist: die Verheiรung. Wohl sang man durch all die 50 Jahre hindurch10 Lieder der Sehnsucht nach Jerusalem,11 Lieder des Zornes รผber die gottlosen Gewalthaber. Wohl erwartete man mit Zittern und Freude den Tag, an dem Gottes Gericht auf Babylon fallen und Israel frei sein wรผrde. Aber es war doch nur ein Teil der Exulanten, der so an der Verheiรung blieb. Niemals hรคtte ein eigenmรคchtiger Aufstand zum Ziel gefรผhrt. Hier muรte im Gehorsam gewartet werden auf den Ruf Gottes. Und nach langem Warten und Beten ruft Gott. Sein Ruf kommt in hรถchst seltsamer Weise; es ist ein doppelter Ruf. Gott erweckt den Geist des Cyrus im ersten Jahr seiner Regierung (Esr 1,1), ihm einen Tempel zu bauen in Jerusalem und das Volk Israel freizulassen. Und Gott erweckt den Geist von 42360 (Esr 2,64) Gliedern der gefangenen Gemeinde zur Rรผckkehr nach Jerusalem und zum Tempelbau (Esr 1,5). Was ist diese Erweckung des Cyrus? Cyrus kommt nicht zum Glauben, er wird nicht Jude. Er will dem Gott Israels neben an- | dern Gรถttern auch die Ehre geben. Es sind heidnische Gedanken, die ihn dahin fรผhren. Aber es ist Erweckung durch Gott, der die heidnischen Gedanken des politischen Machthabers benutzt, um seiner Kirche Raum zu schaffen. Cyrus begreift zwar nicht, was es um die Kirche, um das Volk Gottes ist, obwohl er selbst der Meinung gewesen sein mag, es zu wissen. Aber er gibt ihr Raum. Das ist genug. Er muร ihr dienen, wie Nebukadnezar einst dienen muรte als Zuchtrute zur Vollstreckung des Gerichts an Israel12. Die Erweckung der Obrigkeiten der Welt dient allein dazu, daร das Volk Gottes in Freiheit โseinemโ (1,3) Gott dienen kรถnne, in der Weise die Gott gefรคllt. Wieweit die Obrigkeit selbst begreift, was sie damit tut, ist nicht unbedingt wesentlich. Sie soll der Gemeinde Raum geben, daร sie โein ruhiges und stilles Leben fรผhre in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeitโ (1 Tim 2[,2]). Das ist alles.
Die Erweckung des Volkes Israel ist13 echte Erweckung des Glaubens aufgrund gegebener Verheiรungen Gottes. Nicht Volksbewegung, nicht jรผdische14 โGlaubensbewegungโ, nicht Schwarmgeisterei, sondern โErneuerungโ15 der Kirche Gottes im strengen Sinn des Wortes, die zum Wiederaufbau Jerusalems fรผhrt, Erweckung aufgrund von Verheiรung. Daร es sich nicht um Mรคchte von unten, sondern um die Macht von oben handelt, geht auch daraus hervor, daร ein Teil des Volkes nicht mitzieht, daร vielmehr erst nach und nach in weiteren kleineren Gruppen die Rรผckkehr nach Jerusalem erfolgt. Die Zahl der Erweckten wird ausdrรผcklich angegeben. Sie ist immerhin so klein, daร die einzelnen Stรคmme und Familien angegeben16 werden kรถnnen (2,1 ff[โ61]). Diese Namen sollen der Erinnerung der Gemeinde aufbewahrt werden.
Die Schar der Erweckten hatte der Geist Gottes gemacht โwie einen Mannโ (2,64), ein Ausdruck, der sich im Folgenden wiederholt zum Zeichen dessen, daร es der Eine Geist war, der sie leitete (3,1 3,9). Im Blick auf die Verheiรung Gottes waren alle Unterschiede abgetan, aus dem zerfallenen | Volk Gottes war Ein Mann geworden, wie die Gemeinde aller Zeiten Einer ist in Christus (Gal 3,28).
Weil es Erweckung war, darum gab es hier keinen Zwang, auch keine Mitlรคufer, sondern es war alles auf Freiwilligkeit gestellt, Freiwilligkeit, die durch den Geist Gottes gewirkt ist. Es war ja auch durchaus keine einleuchtende Sache. Konnte das alles nicht eine List des Cyrus sein? Meinte es Cyrus ehrlich mit den Juden? War es nicht รผberaus gefรคhrlich den Auszug zu wagen, all die Mรผhe auf sich zu nehmen, um nachher an ein Trรผmmerfeld zu kommen?17 Wer solche Zweifel und รberlegungen noch hatte, muรte zurรผckbleiben, er gehรถrte nicht zu den Erweckten. Wie sollte er auch die Anfechtungen und Nรถte bestehen, die ihm auf dem Weg bevorstanden?18 Als viel spรคter Artaxerxes wohl bereit gewesen wรคre, dem Esra ein Geleit zu stellen, das der Gemeinde Gottes unter dem Schutz der politischen Macht auch ihren Heimzug gewรคhren sollte,19 da โschรคmete ich mich, vom Kรถnig Geleit und Reiter zu fordern, uns wider die Feinde zu helfen auf dem Wege. Denn wir hatten dem Kรถnige gesagt: Die Hand unseres Gottes ist zum Besten รผber allen, die ihn suchen und seine Stรคrke und Zorn ist รผber alle, die ihn verlassenโ (8,22). Und es wรคre ja ein Verlassen Gottes20 gewesen, hรคtte man fremde Hilfe begehrt. Die Gemeinde Gottes geht ihren Weg allein. Allein โ in freiem Gehorsam gegen den Gott, der sie auf den Weg ruft. Solcher Gehorsam hat die Verheiรung, besser: solchen Gehorsam schafft sich allein die Verheiรung. โUnd die Hand unsers Gottes war รผber uns und errettete uns von der Hand der Feinde und derer, die auf uns hielten auf dem Wege und wir kamen gen Jerusalemโ (8,31 f).
Aber nicht nur der Auszug, sondern schlechthin alles muรte hier auf die Freiwilligkeit der Gemeinde gestellt sein. Das Wort โfreiwilligโ spielt hier in den Berichten eine besondere Rolle. Die Tatsache, daร eine Gemeinde bereit ist, den ihr von Gott verordneten Weg zu gehen, macht auch die, die nicht mitziehen, hilfsbereit und gebefreudig. Dort wo der | Geist eine Gemeinde bewegt, dort gibt es auรer dem Haร der Feinde durch die Freundlichkeit [Gottes] auch immer die Sphรคre der Sympathie, sodaร die Gemeinde โGnade hatte bei dem ganzen Volkโ Akt 2,47.21 Mit freiwilligen Gaben helfen sie der Gemeinde (1,6). In Jerusalem angelangt, kann der Bau des Hauses Gottes abermals nur durch groรe freiwillige Opfer der Gemeinde begonnen werden (2,68 f). Die Zahl der Opfer hรคlt sich auch nicht รคngstlich an den Rahmen des Gebotenen, sondern sie geht darรผber hinaus durch allerlei โfreiwillige Opfer, die sie freiwillig tatenโ (3,5). Freiwillig nimmt auch die Gemeinde die Trennung von den heidnischen Weibern auf sich ([Kapitel] 10), freiwillig gehen die Obersten an den Mauerbau (Neh. 2,18), freiwillig erlassen die Reichen den Armen ihre drรผckenden Schulden (Neh 5,10 ff[โ12]). Nirgends wird drรผckender Zwang aufgerichtet, sondern das Gebot Gottes schafft sich รผberall freiwilligen und freudigen Gehorsam. Das alles ist nur mรถglich, wo der Geist Gottes selbst die Gemeinde erweckt hat, wo die Einzelnen bei ihrem Namen gerufen sind von ihrem Gott โ darum die langen und zahlreichen Namenregister in diesen Bรผchern22, denen die Listen in der Alten Kirche entsprechen, in die sich die Integrierten einzutragen hatten,23 โ wo es โherausgerufeneโ Gemeinde, ecclesia24 im eigentlichen Sinn des Wortes ist. Nur eine solche Gemeinde kann Jerusalem wieder aufbauen.
II. Der Aufbau
Echte Erweckung gibt es25 nur aufgrund von gewisser Verheiรung. Jeder Schritt, der nicht allein durch Glauben an die Verheiรung, sondern auch noch durch allerlei eigne Plรคne bestimmt ist, gefรคhrdet das ganze Werk. Die Verheiรung aber ist gewiร. Nicht in planlose Schwรคrmerei, sondern in zielbewuรten Gehorsam gegen die Verheiรung Gottes fรผhrt die Erwekkung. Sie ruht auf der Stadt J erusalem und ih- | rem Tempel. Sie ist dem Kรถnig David gegeben in Ewigkeit. Sein Same soll den Tempel bauen.26 Salomo wurde der Erbauer des ersten Tempels, der zerbrach, der Davidide Serubabel muร es sein, der den Tempel zum zweiten Mal baut. Er baut ihn in der Kraft des Christus, dem in David die Verheiรung gilt. Serubabel empfรคngt von Cyrus die Gerรคte des Tempels zurรผck (Esra 1,8). Serubabel ist der erste in der langen Reihe der Auswanderer, die aufgezรคhlt werden (2,2). Daร sein Name an der Spitze steht, besagt, daร dieser Auszug zum Bau des Tempels auf Verheiรung hin geschieht. In diesen Namen war der Name Christi enthalten. Neben dem kรถniglichen Namen steht der Name Jesuas27, der der Hohepriester der Gemeinde wurde (2,2 cf. 3,2 3,8 4,3 5,2).
Ihr erstes Werk ist die Errichtung eines Altars in Jerusalem zur Zeit des Laubhรผttenfestes (Esra 3,1 ff[โ4]). Noch war der Grund des Tempels nicht gelegt (3,6), aber der Ort der Anbetung und der Verkรผndigung ist wiedergewonnen und in Beschlag gelegt. Man fรคngt mit dem an, was einem geblieben ist und das ist der Ort, an dem es Gott gefallen hatte zu wohnen, um sich von seinem Volk28 finden und anbeten zu lassen. Es ist eine โNotkircheโ, dieser Altar, aber eine Kirche unter der Verheiรung. Die Feier des Laubhรผttenfestes war in diesem Zeitpunkt besonders bedeutungsvoll. Eingesetzt zur Erinnerung an die Hรผtten, in denen Israel wohnte, als es zum ersten Mal aus der Knechtschaft in รgypten gefรผhrt wurde (Lev 23,43), konnte nun die Gemeinde Gott รผber ihren eigenen Auszug aus der Knechtschaft in Babylon preisen und die unendliche Treue Gottes anbeten.
Erst im zweiten Jahr nach der Ankunft kann der Bau des Tempels beginnen (3,8). Die Gemeinde muรte Geduld lernen. Die Kirche muร auch in aufregendsten Zeiten warten lernen!29 Zur Grundsteinlegung ist Serubabel und Jesua und mit ihnen das ganze Volk der Gefangenschaft versammelt und unter jubelnden Dankchรถren und Psalmen Davids sieht das Volk auf den Trรผmmern der Burg Zion30 den Grund zum | neuen Tempel gelegt. Zu dem Jauchzen des jungen Volkes aber gesellt sich das laute Weinen der alten Priester, โdie das vorige Haus gesehen hattenโ (3,12). Die Erinnerung an seine Herrlichkeit und seine schmรคhliche Verwรผstung รผbermannte sie. So muรte die Gรผte Gottes sich schรคnden lassen in der Welt, so durften die Feinde Triumphe feiern รผber den allmรคchtigen Gott, so muรte Gott selbst das Volk seiner Gnade richten. Und aus dem Weinen der Alten, in dem sich ihre groรe Liebe zum Hause Gottes offenbarte, wuchs wiederum das hoffnungsvolle Jauchzen der Jungen umso mรคchtiger, โalso, daร das Volk nicht unterscheiden konnte das Jauchzen mit Freuden und das laute Weinen im Volk, denn das Volk jauchzte laut, daร man das Geschrei ferne hรถrteโ (3,13). Aber Jauchzen und Weinen waren ja eins in dem Dank, โdaร der Herr gรผtig ist und seine Barmherzigkeit ewig wรคhrt รผber Israelโ (3,11). Im Glauben war man ausgezogen, im Glauben hatte man das Werk des Wiederaufbaus begonnen, und an Serubabel, dem Sohn Davids, wurde die Verheiรung Gottes wahr.
III. Die Feinde
Das erste Gelingen macht die Umwelt aufmerksam. Die totgeglaubte Kirche ist wieder lebendig geworden. Sie ist wieder ein nicht mehr zu รผbersehender Faktor des รถffentlichen Lebens. Es gibt nun zwei Wege fรผr den, dem dieses Geschehen aus irgendwelchen Grรผnden unerwรผnscht ist. Erster Weg:31 man macht sich diesen Faktor zunutze fรผr die eignen Zwecke. Gelingt das nicht, so geht man zum offenen Angriff รผber. Es ist zunรคchst immer das Klรผgere, den schwierigen Gegner fรผr sich zu gewinnen. Da mรผssen Konzessionen gemacht werden, oft weitgehende. Die Feinde der Kirche mรผssen sich dazu hergeben, ihre Mithilfe am Aufbau der Kirche anzubieten: Laรt uns zu gleichen Teilen die Arbeit รผbernehmen, Mรคnner der | politischen Macht32 und Mรคnner der Kirche, laรt uns doch zusammen bauen!33 es ist ja unser eigenstes Anliegen, auch wir wollen ja Kirche, wir erkennen ihre Notwendigkeit, wir haben ja denselben Gott wie ihr. Laรt uns zusammen bauen (4,1 f). Eine รผberaus schwierige Situation: Hier ist das Angebot der politischen Mรคchte an die Kirche. Hier ist nicht nur Schutz des eigenen Unternehmens, hier ist auch eine offene Tรผr, die doch nicht ins Schloร fallen darf. Hier sind Ansatzpunkte. Gewiร, die Motive die zu diesem Angebot fรผhren[,] mรถgen34 nicht ganz rein, nicht ganz uneigennรผtzig sein. Aber kann man denn von den politischen Mรคchten etwas anderes erwarten? ist es nicht schon etwas ungeheures35, wenn auf dem politischen Programm der Glaube der Kirche auch genannt ist?36 Dรผrfen wir die ausgestreckte Hand ausschlagen? Geht es hier nicht einfach darum Vertrauen zu haben, und kann auf solches Angebot hin nicht wirklich Vertrauen von uns erwartet und gefordert werden? Und man denke nur einen Augenblick, man schlรผge das Angebot aus, man bliebe miรtrauisch, in der Reserve! Welche unabsehbaren Folgen? wer will sie tragen? wer will sie auf sein37 Gewissen nehmen? Gehรถrt es nicht zum Wesen der Kirche, daร sie immer das Beste denkt und erwartet? Wรคre es nicht eine Pharisรคerkirche, die ein solches Angebot abschlรผge, die fรผr sich selbst sein will38? Ist das nicht Sektiererei, fรผhrt das nicht zur Winkelkirche? Ist damit nicht der ganze Anspruch auf Offentlichkeitsgeltung der Kirche39 aufgegeben? Also, welcher Verantwรถrtliche, welcher Mann, der die Kosten รผberschlรคgt, bevor er einen Turm baut,40 welcher Jรผnger, der um die uns gebotene Schlangenklugheit41 weiร, wollte hier โNeinโ sagen?
Und doch โ die Antwort des Serubabel ist ein klares โNeinโ. Es โgeziemt uns nicht, mit euch zusammen unserem Gott ein Haus zu bauen, sondern wir allein wollen Jahwe, dem Gott | Israels, bauenโ (4,3).42 Diese Antwort ist nicht Willkรผr, nicht รbermut, sondern die Gemeinde ist nicht frei anders zu antworten.43 Es [ist] nicht ins Belieben der Gemeinde gestellt, Mitarbeiter am Bau der Kirche zu dingen oder anzunehmen nach eigenem Gutdรผnken.44 So verlockend und erfolgversprechend es aussehen mag, einen aufbauwilligen Ausschuร von Mรคnnern aller Richtungen aufzustellen,45 so gewiร ist jede solcher Verlockungen fรผr die Kirche eine tรถdliche Versuchung, von dem ihr gebotenen Weg abzugehen. Es kommt ja bei allem nur auf eines an, daร Gott seine Kirche baue und wie soll Er sie bauen, wenn die Wahrheit des Einen Glaubens46 verleugnet wird. Nur im Glauben kann die Kirche gebaut werden, nur auf die Verheiรung hin.47 Da gelten keine Beteuerungen, man sei auch glรคubig, positiv, christlich, โ da gilt allein die Wahrheit, die die Beteuerungen Lรผgen straft, also โ das Angebot wird abgeschlagen. Es wird der Weg der Verheiรung48 gegangen und nicht der Berechnung.
Kaum ist das Nein gesprochen, da fรคllt die Maske des Partners. Ist der geistliche Weg fehlgeschlagen, so muร der politische Weg49 zum Ziele fรผhren. Politische Diffamierung, Denunziationen mรผssen dazu dienen. Das Entscheidende und Einfachste ist, man schreit Hochverrat. Dies Wort hat erstens einen durchdringenden Klang, man hรถrt hin, es klingt zweitens sehr patriotisch, und man ist drittens gewiร die Sympathien der Obrigkeit fรผr sich zu gewinnen. Also, der Tempelbau ist Hochverrat gegen den persischen Kรถnig. Man will ja damit nur eine politische Machtposition gewinnen, man will die politische Autoritรคt untergraben und das Ende wird sein, daร ein Staat im Staat entsteht, dessen sich der Kรถnig nicht mehr erwehren kann. Darum, principiis obsta50 โ der Neubau der Kirche ist Hochverrat, der Kรถnig soll ihn verbieten. So der Inhalt der Briefe der Widersacher an den Kรถnig Artaxerxes (4,7 ff[โ16]). Der Kรถnig, der selbst Heide und weitab von den Vorgรคngen, mit vielerlei anderen politischen Dingen beschรคftigt, | kein eigenes Urteil in diesen Fragen haben kann, leiht sein Ohr den Denunzianten und verbietet den Tempelbau (4,17 ff[โ22]). Darauf ruht die Arbeit fรผr einige Zeit durch Gewalt (4,23).51
Als Nehemia viel spรคter mit Genehmigung seines Kรถnigs an den Aufbau der Mauer von Jerusalem geht, stellt sich auch ihm der Feind in den Weg. Als er die Juden ans Werk gehen sieht, versucht er es zunรคchst mit dem Spott, aber auch hier sogleich verbunden mit der politischen Verdรคchtigung: โihr wollt euch wohl gegen den Kรถnig empรถren!โ (Neh. 2,19) und dann: โWollen sie die verbrannten Steine aus den Schutthaufen wieder lebendig machen?โ (Neh. 3,34) Die Antwort des Nehemia auf diesen Spott heiรt: โAber wir bauten die Mauer.โ52 Auf dies Gerede antwortet die Gemeinde mit der Tat. Nun steht die Mauer da, der Anfang ist gemacht. Der Spott verschlรคgt nicht angesichts der vollzogenen Tatsache. Als der Feind das merkt, geht er zum Angriff รผber. Er will Verwirrung stiften in Jerusalem (4,2). โSie sollen nichts merken und nichts sehen, bis wir mitten unter sie eindringen und sie totschlagen und so der Arbeit ein Ende machenโ (4,5). Also frontal kรถnnen sie den Angriff nicht wagen. Sie mรผssen53 sich tarnen, damit sie nicht erkannt werden. Wรถlfe in Schafspelzen,54 Feinde der Gemeinde im Gewand der Frommen, der Satan in der Lichtgestalt des Engels55 โ das ist jetzt die Gefahr. Hier muร die Gemeinde offene Augen und wachsame Wรคchter haben. In der Stunde solcher Gefahr spricht die Gemeinde: โDie Kraft der Trรคger ist zu schwach und des Schuttes ist zu viel. Wir kรถnnen an der Mauer nicht bauenโ (4,4). Das ist eine groรe Anfechtung und Versuchung. Und Nehemia vermag die Gefahr der Stunde, die er erkennt, nur zu bannen, indem er die Gemeinde aufruft, nicht auf sich zu sehen, sondern auf den โgroรen, schrecklichen Herrnโ und ihn zu fรผrchten, und auf die Brรผder, Sรถhne, Tรถchter und Frauen, fรผr die ja der ganze Streit ausgefochten wird (4,8). Euer Kampf ist ja nicht in eigener Sache, sondern in ihm wird | entschieden รผber Generationen, Kinder und Kindeskinder. Das muร euch neuen Mut zum Durchhalten geben. Und sie โkehrten allesamt wieder um zur Mauer, ein jeder zu seiner Arbeit.โ (4,9) Und der Plan der Feinde war vereitelt. Dies alles aber ist der Kirche Christi zur wichtigen Erinnerung und Warnung geschrieben bis zum heutigen Tag.
Auch beim Tempelbau mรผssen schlieรlich alle feindlichen Versuche das Werk zu hindern, fehlschlagen. Es treten Propheten auf, Haggai und Sacharja (Esra 5,1 ff[โ5]), und auf ihr Wort hin machen sich abermals Serubabel und Jesua auf, den Tempel wieder aufzubauen. Dies Wort Gottes war stรคrker als alle politischen Verbote und rief unverzรผglich zur Tat. Man hatte eine Zeitlang geduldig gewartet. Nun, da Gott sich wieder hรถren lieร, gab es kein Warten mehr. Sofort erfolgt wieder eine namentliche Denunziation beim Kรถnig, die aber nichts mehr ausrichtet ([Esra Kapitel] 5 und 6), im Gegenteil dazu fรผhrt, daร der Kรถnig den Bau ausdrรผcklich unter seinen Schutz stellt. Und das Wort, das Nehemia zur Vollendung des Mauerbaus schreibt, mag auch รผber den Tempelbau gesagt sein: und das Werk war fertig. โAls unsere Feinde das hรถrten, da fรผrchteten sich alle Heiden, die um uns waren, und zitterten, muรten sich schรคmen,56 denn sie erkannten, daร dies Werk von Gott war.โ (Neh. 6,15 [f]) Daร am Ende auch die Feinde sich schรคmen mรผssen ihres Unglaubens und erkennen, daร dies Werk von Gott war57, das ist eine groรe Verheiรung. Es ist aber auch ein groรer Trost, daร auch unsere Widersacher einmal zur Erkenntnis kommen mรผssen, daร die Kirche Gottes Werk ist. Die Tempelweihe wird mit ungeheurem Aufwand gefeiert โmit groรer Freudeโ (Esra 6,1558). Priester und Leviten empfangen ihren Ehrendienst am Tempel und das Passahmahl vereinigt die Kinder der Gefangenschaft mit allen glรคubigen Juden zu einer groรen Gemeinde (6,21 f). |
IV. Die Reinigung der Gemeinde
Da die Chronologie hier gรคnzlich unsicher ist, gehen wir der Sache nach voran. Der Tempel ist gebaut. Die Gemeinde gesammelt. โDie gnรคdige Hand Gottes war รผber den Kindern der Gefangenschaft gewesenโ, wie Nehemia unermรผdlich wiederholt. Nun galt es, mit ganzem Ernst an den Gemeindeaufbau zu gehen. Da lag noch alles sehr im Argen. Noch war vieles von den รbelstรคnden, die das Gericht Gottes รผber seine Kirche herbeigefรผhrt hatten, unbehoben. Und es bestand die59 Gefahr, diese jetzt angesichts der neuen Wendung nicht mehr abzustellen, und dadurch erneut den Zorn Gottes รผber die Gemeinde zu bringen. Es war der Auftrag des Esra, des Schriftgelehrten, hier den Weg zu weisen. Der Weg des Gemeindeaufbaus ist der Weg zurรผck zur Schrift. Der Ungehorsam60 Jerusalems gegen die Schrift, gegen das Gesetz Gottes, war die Ursache des Zusammenbruches und Zerfallens.61 Weil man allerlei eigene und neue Wege gehen wollte, verlieร man den Weg der Verheiรung. Aber das angebotene und nicht aufgenommene Wort Gottes, wendet sich gegen den, dem es zur Gnade gegeben war. Das hat die Gemeinde der Gefangenschaft erkannt.62 Zurรผck unter die Schrift, unter das Schriftwort allein, zum einfรคltigen Gehorsam gegen das Wort Gottes โ so allein durfte die neue Gemeinde vor ihrem Gott stehen.63 Die politische Macht und Freiheit war verloren, das verlockende Spiel mit Bรผndnissen aller Art64 war vorbei, Jerusalem stand jetzt unter der politischen Oberhoheit des persischen Kรถnigs, es war steuerpflichtig65 und empfing dafรผr den kรถniglichen Schutz. Der Glanz der alten Zeiten war vorรผber. Jerusalem war eine kleine, arme, unansehnliche Gemeinde geworden. Es gereichte keinem zum Vorteil sich zu ihr zu zรคhlen. Aber diese Gemeinde der Erweckten, der Freiwilligen, wurde eine Gemeinde unter dem Wort, unter dem Gesetz. Das war ihr einziger und ganzer Ruhm. Man hatte die Lust verloren, noch eigenmรคchtige Wege zu gehen. Nun wollte man nur noch gehorchen, sich auf das Wort und Gesetz Gottes verlassen und ihm alles andere anheimstellen. Das Wort war genug.
Das Volk wird versammelt; Esra, der Schriftgelehrte, der der Gemeinde von Gott geschenkt war, wird aufgefordert, | das Gesetz des Mose zu bringen und vorzulesen (Neh 8,1 ff). Als Esra das Buch รถffnet, steht das ganze Volk auf. Den Lobpreis des Esra auf die Gรผte Gottes, der seinem Volk dieses Buch gegeben hat, beantwortet die Gemeinde mit einem: Amen, Amen. Nun folgt die Verlesung und unter dem Eindruck des Wortes bricht das Volk in Weinen aus (8,8 f). Die Erkenntnis ihres Abfallens vom Gesetz รผberwรคltigt sie. Das Gesetz tut sein Werk und treibt die Gemeinde in die Buรe, in die Sรผndenerkenntnis. Also, kein Stolz รผber das Erreichte, kein Selbstruhm der Gemeinde รผber die ihr geschenkte Wendung der Dinge, sondern Buรe und Sรผndenerkenntnis unter dem Wort stehen am Anfang des Neubaus der Gemeinde. โGedenke wovon du gefallen bist und tue Buรe und tue die ersten Werkeโ ([Apk] 2,5) โ unter diesem Wort steht die neugewordene Gemeinde. Und in der Buรe trifft sie nun das Wort des Esra: [โ]Dieser Tag ist heilig dem Herrn, eurem Gott; darum seid nicht traurig und weint nicht. [โฆ] Gehet hin, esset und trinket und sendet denen, die nichts fรผr sich bereitet haben โฆ, denn die Freude am Herrn ist eure Stรคrke. Und die Leviten stillten alles Volk und sprachen: seid still, denn der Tag ist heilig. Bekรผmmert euch nicht! Und alles Volk ging hin โฆ daร es eine groรe Freude machte, denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen hatte kundgetanโ (8,9 ff[โ12]). โSie hatten die Worte verstandenโ โ als Gottes Wort, das in die Buรe und Demรผtigung treibt und das zugleich das groรe Freudenwort ist, daร Gott wieder zu seiner Gemeinde gekommen ist. Gott hat sein Wort wieder kundgetan, sein Gesetz ist seine Gnade. Freuet euch am Gesetz des Herrn.66 So vernahm die Gemeinde Gottes aufs neue das Evangelium. So stand sie in der Freude der Rechtfertigung vor ihrem Herrn. Das Wort der Schrift war der Grund, auf dem die Gemeinde sich neu erbaute.
Jetzt wird zum Laubhรผttenfest eingeladen, das mit groรem Jubel und Dank gefeiert wird. Dann versammelt sich die Gemeinde noch einmal zum Hรถren des Gesetzes und zur | Neuordnung ihres Lebens. Einen viertel Tag liest Esra aus dem Gesetz, einen viertel Tag lang wรคhrt die Beichte des Volkes, keiner nimmt sich aus, sie stehen alle miteinander unter demselben Wort, demselben Urteil und derselben Gnade. Die Antwort auf das vernommene Wort ist das Bekenntnis der Gemeinde zum Gesetz Gottes. Der Bund Gottes mit seinem Volk wird erneuert und das Volk gelobt Gehorsam. Priester, Leviten, Oberste und das ganze Volk โ โverpflichten sich mit einem Eide, zu wandeln im Gesetz Gottes, das durch Mose, den Knecht Gottes, gegeben ist, daร sie es halten.โ (10,30) Freiwillig รผbernimmt die Gemeinde die Pflicht, fรผr den Tempel zu sorgen, freiwillig wird der Zehnte wieder aufgebracht, aus freien Krรคften der Gemeinde sollen die Gottesdienste getragen werden. Freiwillig unterwirft man sich der Einhaltung des Feiertages, des Sabbath nach dem Gebot Gottes, freiwillig erlassen spรคter die Reichen den Armen ihre Schulden. Woher kam diese Freiwilligkeit, als aus67 der erfahrenen Nรคhe und Barmherzigkeit Gottes in seinem Wort, als aus der Rechtfertigung aus Gnaden allein? Aus der Kraft des Wortes kommt die Kraft des Gehorsams und des Opfers. So steht die Gemeinde rein vor ihrem Herrn.
Und mit der durch das Wort geschaffenen Reinheit ersteht nun auch die Verpflichtung alles abzutun, was noch an Unreinheit in der Gemeinde war, entsteht die Kraft zur Kirchenzucht. Die Gemeinde Gottes darf nicht durch heidnische Elemente verunreinigt werden. So geschieht das ungeheure, daร die Juden, die heidnische Weiber genommen haben, sich freiwillig von ihnen trennen (Neh 10,3168 Esra 10). Das Volk der Juden muร rein sein, weil es Gottes eigenes, erwรคhltes Volk ist. Die Erwรคhlung Gottes allein, kein vรถlkischer, kein rassischer, kein politischer Gedanke, konnte zu diesem beispiellosen69 Opfer verpflichten. Um des Wortes Gottes willen tritt die Scheidung ein, mitten in die Hรคuser greift sie hinein. Aber um des Wortes willen darf sich keiner entziehen. | โUnd des Menschen Feinde werden seine eignen Hausgenossen seinโ (Mt 10,36). Das ist die Hรคrte des einmal vernommenen Wortes Gottes, daร um seinetwillen sich die Menschen von einander scheiden mรผssen70. Wo eine Gemeinde das Wort wahrhaft neu hรถrt, da muร die Scheidung von Glaubenden und Unglรคubigen71 eintreten, da wird die Kirchenzucht โ um der Wahrheit und um der besser verstandenen Barmherzigkeit willen โ Ereignis. Wo die Kraft zur Kirchenzucht fehlt, dort fehlt auch noch die Kraft des Wortes Gottes. Aber freilich โ der Weg ist nicht umkehrbar โ nur aus dem gehรถrten Wort vollzieht sich die Scheidung, niemals aber kann die Scheidung ein Akt sein, um die Gemeinde erst zum Hรถren des Wortes zu bringen.72
Die Kirche Gottes ist Eine damals und heute. Die Wege, die Gott seine Kirche fรผhrt sind immer dieselben, durch Gericht und Strafe und Zerstรถrung hรถrt die Gemeinde neu den Ruf Gottes und seine Verheiรung. Wo aber Gottes Verheiรung vernommen und ernstgenommen wird, dort wird Kirche, wo eine Gemeinde bereit wird, nichts mehr zu haben als das Wort, dort steht sie vor [Gott] als die Gemeinde der gerechtfertigten Sรผnder. Und zuletzt gilt es:73 โund da alle unsere Feinde das hรถrten, fรผrchteten sich alle Heiden, die um uns her waren und der Mut entfiel ihnen. Denn sie merkten, daร dies Werk von Gott warโ (Neh. 6,15 f74).
14. ANLEITUNG ZUR SCHRIFTMEDITATION. FINKENWALDE, 22. 5. 19361
Anleitung zur tรคglichen Meditation.2
1.) Warum meditiere ich?3
Weil ich Christ bin und weil darum jeder Tag fรผr mich verloren ist, an dem ich nicht tiefer in die Erkenntnis des Wortes Gottes in der heiligen Schrift eingedrungen bin. Nur auf dem festen Grund des Wortes Gottes kann ich gewisse Tritte tun. Ich lerne aber als Christ die heilige Schrift nicht anders kennen als durch das Hรถren der Predigt und die betende Meditation.
Weil ich Prediger des Wortes bin. Ich kann die Schrift nicht andern auslegen, wenn ich sie nicht tรคglich zu mir selbst reden lasse. Ich | werde das Wort in meinem Amt miรbrauchen, wenn ich nicht anhalte, es betend zu meditieren. Wenn mir im tรคglichen Amt das Wort oft leer wird, wenn ich es nicht mehr erfahre, dann soll mir das ein untrรผglicher Hinweis darauf sein, daร ich das Wort lange nicht mehr habe zu mir selbst reden lassen. Ich versรผndige mich an meinem Amt, wenn ich nicht selbst tรคglich betend das Wort suche, das mein Herr mir heute sagen will. Den Wortverkรผndigern wird Apostelgeschichte 6,4 besonders das Amt des Gebetes auferlegt. Der Pfarrer4 muร mehr beten als andere und er hat mehr zu beten.
Weil ich eine feste Gebetszucht nรถtig habe. Wir beten gern nach Stimmungen, kurz, lang oder garnicht. Das ist Willkรผr. Das Gebet ist nicht freies Opfer an Gott, sondern schuldiger Dienst, den er fordert. Wir sind nicht frei, damit nach eigenem Wunsch umzugehen. Gebet ist der erste Gottesdienst am Tage. Gott beansprucht fรผr diesen Dienst unsere Zeit (Ps. 119,147 f. 164). Gott hat Zeit gebraucht, ehe er in Christus zum Heil zu uns kam. Er braucht Zeit, ehe er mir zum Heil in mein Herz kommt.5
Weil ich Hilfe brauche gegen die unfromme Hast und Unruhe, die auch gerade meine Arbeit als Pfarrer gefรคhrdet. Nur aus der Ruhe des Wortes Gottes kommt der rechte hingebende Dienst des Tages.6
2.) Was will ich mit der Meditation?7
Wir wollen jedenfalls anders von der Meditation aufstehen als wir uns hinsetzten. Wir wollen ja Christus begegnen in seinem Wort. In der Begierde zu hรถren, was er uns heute durch sein Wort wissen lassen und schenken will, gehen wir an den Text. Begegne am Tage erst ihm, ehe Du anderen Menschen begegnest. Lege jeden Morgen alles, was Dich bewegt, beschรคftigt und bedrรผckt auf ihn, ehe neue Last auf Dich gelegt wird. Frage Dich, was Dich noch hindert, ihm ganz zu folgen, und laร ihn Herr darรผber werden, ehe neue Hindernisse sich in den Weg stellen.
Seine Gemeinschaft, seine Hilfe und seine Weisung fรผr den Tag durch sein Wort, das ist das Ziel. So wirst Du aufs Neue gestรคrkt im Glauben den Tag beginnen.8
3.) Wie meditiere ich?
Es gibt freie und schriftgebundene Meditation. Um der Gewiรheit | unseres Gebetes willen raten wir zur schriftgebundenen Meditation. Aber auch um der Zucht unserer Gedanken willen. Schlieรlich wird auch das Wissen um die Gemeinschaft mit anderen, die den gleichen Text meditieren, uns die Schriftmeditation lieb machen.9
Wie das Wort eines lieben Menschen dir den ganzen Tag lang nachgeht, so soll das Wort der Schrift unaufhรถrlich in dir nachklingen und an dir arbeiten. Wie du das Wort eines lieben Menschen nicht zergliederst, sondern es hinnimmst, wie es dir gesagt ist, so nimm das Wort der Schrift hin und bewege es in deinem Herzen wie Maria tat.10 Das ist alles. Das ist Meditation. Suche nicht neue Gedanken und Zusammenhรคnge im Text wie zur Predigt! Frage nicht: wie sage ich es weiter, sondern: was sagt es mir!11 Dann bewege dieses Wort lange in deinem Herzen, bis es ganz in dich eingeht und Besitz von dir genommen hat.
Es kommt nicht darauf an, jeden Tag den ganzen vorgenommenen Text durchzugehen. Oft werden wir tagelang an einem Wort hรคngen bleiben. Unverstรคndliche Stellen laร ruhig aus und fliehe nicht in die Philologie. Das griechische Neue Testament hat hier nicht seinen Platz, sondern der vertraute Luthertext.12
Wenn die Gedanken beim Meditieren zu nahestehenden Menschen oder zu solchen, um die wir in Sorge sind, gehen, dann verweile dort. Da ist der rechte Ort fรผr die Fรผrbitte. Bete dann nicht Allgemeines, sondern ganz Besonderes fรผr die dir befohlenen Menschen. Vom Schriftwort laร dir sagen, was du erbitten darfst. Wir dรผrfen uns auch zur Hilfe ruhig die Namen der Menschen aufschreiben, derer wir tรคglich gedenken wollen.13 Auch die Fรผrbitte fordert ihre Zeit, wenn sie ernst sein soll. Zu gegebener Zeit achte aber darauf, daร die Fรผrbitte nicht wieder zur Flucht vor dem Wichtigsten wird: der Bitte um das eigene Seelenheil.14
Wir beginnen die Meditation mit dem Gebet um den heiligen Geist. Mit der Bitte um rechte Sammlung fรผr uns und fรผr alle, von denen wir wissen, daร sie auch meditieren. Dann wenden wir uns zum Text.15 Schluร der Meditation wollen wir soweit sein, daร wir aus vollem Herzen ein Dankgebet sagen kรถnnen.
Welchen Text und wie lange denselben Text? Es hat sich bewรคhrt, einen Text von ungefรคhr 10 bis 15 Versen eine Woche lang | zu meditieren. Es ist nicht gut, jeden Tag einen anderen Text zu meditieren, da wir nicht immer in gleicher Aufnahmebereitschaft sind und die Texte meistens viel zu groร sind. Keinesfalls aber nimm deinen Predigttext vom nรคchsten Sonntag. Der gehรถrt in die Predigtmeditation. Es ist eine groรe Hilfe, wenn eine Bruderschaft sich allwรถchentlich um denselben Text gesammelt weiร.16
Die Zeit der Meditation liegt morgens vor dem Beginn der Arbeit. Eine halbe Stunde wird die geringste Forderung sein, die eine rechte Meditation an uns stellt. Vรถllige รคuรere Ruhe und der Vorsatz, sich durch keinerlei noch so wichtige Dinge ablenken zu lassen, sind selbstverstรคndliche Voraussetzungen.
Eine leider sehr seltene, aber durchaus mรถgliche Betรคtigung christlicher Bruderschaft ist die gelegentliche Meditation zu zweien oder mehreren. Zwischen falscher frommer Redseligkeit und unverbindlicher theologischer Diskussion geht hier ein schmaler Weg.
4.) Wie รผberwinden wir die Nรถte der Meditation?
Wer sich mit groรem Ernst der tรคglichen รbung der Meditation unterzieht, der wird bald in groรe Schwierigkeiten geraten. Meditieren und beten will lange und mit Ernst geรผbt sein. Dabei gilt zuerst: Werde nicht ungeduldig mit dir selbst. Verkrampfe dich nicht in Verzweiflung รผber deiner Zerstreutheit. Setz dich aber jeden Tag wieder hin und warte sehr geduldig. Wenn die Gedanken immer wieder fortlaufen, so suche sie nicht krampfhaft zu halten. Es ist kein Schade, sie dann einmal dorthin laufen zu lassen, wohin sie zielen; dann aber nimm den Ort oder den Menschen, zu dem sie gehen, in dein Gebet hinein. So findest du zurรผck zu deinem Text, und die Minuten solchen Abschweifens sind nicht verloren und quรคlen nicht mehr.17
Mannigfaltig sind die Hilfen, die sich jeder fรผr seine besonderen Schwierigkeiten suchen wird: Immer wieder dasselbe Wort lesen, sich die Gedanken niederschreiben, zeitweilig die Verse auswendig lernen (man wird zwar jeden wirklich durchmeditierten Text sowieso auswendig kรถnnen). Dabei lernen wir aber auch bald die Gefahr kennen, daร wir wieder von der Meditation in die Bibelwissenschaft oder sonstwohin fliehen. Hinter allen Nรถten und Ratlosigkeiten steht ja im Grunde unsere groรe Gebetsnot; allzulange sind da viele von uns ohne jede Hilfe und Anleitung geblieben. | Dagegen hilft nichts, als die allerersten รbungen des Gebets und der Meditation treu und geduldig wieder anfangen. Wir wollen uns weiterhin dadurch helfen lassen, daร andere Brรผder auch meditieren, daร allezeit die ganze heilige Kirche im Himmel und auf Erden mitbetet. Das ist ein Trost in der Schwachheit des Gebets. Wenn wir wirklich einmal nicht wissen, was wir beten sollen, und darรผber ganz verzagen, so wissen wir doch, daร uns der heilige Geist vertritt mit unaussprechlichem Seufzen.18
Wir dรผrfen von diesem tรคglichen Umgehen mit der Schrift nicht lassen und mรผssen gleich damit beginnen, wenn wir es noch nicht taten. Denn wir haben das ewige Leben darin.19
(Aus dem Finkenwalder Predigerseminar)
15. TRAUPREDIGT ZU JOHANNES 13,34. MAGDEBURG, 18. 7. 19361
Joh 13,34
[โEin neu Gebot gebe ich euch, daร ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, auf daร auch ihr einander liebhabtโ]
Die Liebe als Gebot Jesu Christi ist etwas anderes als die Liebe, die aus dem menschlichen Herzen kommt. Wir dรผrfen heute auch fรผr diese menschliche Liebe danken. Das ist der Sinn der kirchlichen Trauung, daร euch heute das gรถttliche Ja zu eurer menschlichen Liebe zueinander verkรผndigt | wird. Gott will die Ordnung der Ehe und segnet die Liebe von Mann und Frau zu einander. Das sollen wir nicht verachten oder fรผr eine geringe Sache ansehen. Es ist etwas unbegreiflich Groรes, daร der Schรถpfer so zu seinen Geschรถpfen Ja sagt, daร er so in ihren Willen einwilligt. Es ist die Gรผte des Schรถpfers, fรผr die wir danken dรผrfen.
Aber wir wissen auch, daร alles, was aus unserm Herzen kommt unter einem doppelten Fluch steht: es ist unbestรคndig und es ist vergiftet mit Selbstsucht. Dieser Fluch steht auch รผber den grรถรten und schรถnsten Wรผnschen und Vorsรคtzen unsers Herzens. Durch Unbestรคndigkeit und Selbstsucht aber wird die Liebe in ihr Gegenteil verkehrt. Sie gerรคt unter die Macht der Sรผnde.
Aus dieser Not lรครt Gott uns helfen. Er will, daร unsre Liebe ewig, selbstlos und rein sei. โEin neu Gebot gebe ich euch โโ sagt Jesus: das heiรt wer ihn kennt, der fรคngt ein neues Leben mit seinem Nรคchsten an, ein Leben nach dem Gebot Jesu.2 Jesus spricht zu seinen Jรผngern, zu solchen, [die] ihm in ihrem Leben3 folgen wollen. Wie heiรt dieses neue Gebot? โDaร ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe.โ Eure Liebe zueinander soll sein wie die Liebe Jesu Christi zu euch. Das ist allerdings etwas neues.
Die Liebe Jesu Christi zu uns โ was ist das? Ist sie uns nur ein Wort oder haben wir sie erfahren. Nur wer sie erfahren hat, kann den andern mit dieser Liebe wiederlieben. Jesu Liebe โ das ist die Liebe4, die aus der Ewigkeit kommt und auf die Ewigkeit zielt. Sie hรคngt nicht an zeitlichen Dingen, sondern sie umfaรt uns, weil wir ewig sein sollen. Sie lรครt sich durch nichts hindern, sie ist Gottes ewige Treue zu uns. Habt ihr die erfahren? Jesu Liebe โ das ist die Liebe, die keinen Schmerz, keinen Verzicht, kein Leiden scheut, wenn es dem andern hilft. Es ist die Liebe, mit der er uns allein um unsertwillen geliebt hat, dafรผr auf Erden den Spott und Haร der Menschen auf sich geladen hat und am Kreuze starb. Jesu Liebe ist Liebe, die das Kreuz auf sich nimmt. Habt ihr die | erfahren? Jesu Liebe โ das ist die Liebe, die uns gilt, so wie wir sind. Wie eine Mutter ihr Kind liebt so wie es ist und es je mehr liebt, je grรถรere Not es ihr bereitet, weil sie weiร, daร es ihre Liebe braucht โ so ist die Liebe Jesu zu uns. Er nimmt uns an, wie wir sind. Jesu Liebe โ das ist die Liebe, die uns alle Sรผnde vergibt; die uns unzรคhligemale verschont mit gerechten Strafen, die unzรคhlige Mal unsere Sรผnde bedeckt und Gnade vor Recht ergehen lรครt. Jesu Liebe, โ das ist die Liebe die tรคglich fรผr uns betet und eintritt. Jesu Liebe, das ist die ewige Liebe Gottes des Vaters zu uns. Haben wir sie nicht oft erfahren?
โDaร ihr euch untereinander liebt, gleichwie ich euch geliebt habe, auf daร auch ihr einander lieb habt.โ Wollt ihr eine Ehe mit Jesus Christus als seine Nachfolger fรผhren, so liebt einander mit dieser gรถttlichen Liebe, liebt einander so, daร ihr in Ewigkeit bei Gott miteinander sein kรถnnt ohne einander zu verklagen. Denkt daran, daร eure Gemeinschaft fรผr die Ewigkeit Gottes berufen ist. Liebt einander so, daร einer um des andern willen keinen Verzicht, kein Leiden scheut, wenn nur dem andern damit gedient ist. Nehmt einander auf, wie ihr seid; rechnet euch eure Fehler nicht vor und denkt daran, daร Gott euch annahm, wie ihr wart.5 Liebt einander so, daร ihr euch tรคglich eure Schuld vergebt. Ohne Vergebung kรถnnt ihr nicht als Christen leben (Vaterunser 5. Bitte!). Liebt einander so, daร ihr fรผr einander betet. Liebt einander nicht nur als Mann und Frau, sondern als Christen. So wird eure Gemeinschaft nicht mit dieser Zeit vergehen, sondern in Ewigkeit bleiben. Amen.
d) Vierter Kurs. Bruch mit Genf und Arbeit an der โNachfolgeโ
17. Oktober 1936โ15. Mรคrz 1937
16. BIBELARBEIT ZU DEN TIMOTHEUSBRIEFEN (MITSCHRIFT). FINKENWALDE, 20. 10. 19361
Der Diener am Hause Gottes
I. Paulus und Timotheus
Wie verhรคlt sich der Glaube der groรen Paulusbriefe zu den Pastoralbriefinhalten?2
Paulus redet รผber den Wandel dessen, dem im Hause [Gottes] ein Dienst aufgetragen ist. Er schreibt an den โrechtschaffenen Sohn im Glaubenโ I 1,2. Damit ist klar, dieser Brief steht nicht im Verhรคltnis einer kirchlichen Praxis zur Theorie, sondern Timotheus wird als ein solcher angeredet, der im Glauben mit Paulus eins ist. Timotheus steht im selben Glauben des Paulus, das heiรt er steht im Glauben des Rรถmerbriefes. Dieses โim Glaubenโ ist nicht eine vom vollen Gehalt des paulinischen Glaubens gelรถste Floskel. Ist aber Timotheus das โechte Kind im Glaubenโ,3 so heiรt das, die ganze Wahrheit des Evangeliums ist vorauszusetzen, die fides quae creditur4. Eben weil sie die Voraussetzung von allem ist, braucht sie nicht explizit dargelegt zu werden. Vielmehr genรผgt der beilรคufige Hinweis in den Pastoralbriefen auf diese Voraussetzung II 2,8. So wird geredet zu einem, der immerdar bei dieser guten Lehre gewesen ist I 4,6.5 Die Pastoralbriefe wollen also verstanden werden auf der Voraussetzung des in den groรen Paulinen6 gegebenen Glaubensverstรคndnisses.
โMeinem rechtschaffenen Sohn im Glaubenโ. Es ist ein Unterschied, ob Paulus jemand seinen rechtschaffenen Sohn im Glauben nennt oder ob einer Paulus | seinen geistigen Vater nennt und es doch nicht ist.7 Wer sein echter Sohn ist, das sagt der Vater allein aus.8
Paulus spricht zu Timotheus nicht als zu einem Freund, als zu einem Bruder, auch nicht als zu einem Gegenรผber von Untergebenen und Vorgesetzten, sondern alles, was Paulus an Timotheus schreibt รผber Dienst und Auftrag, das schreibt er als geistlicher Vater zu seinem Sohn.9 Der Vater kennt seinen Sohn. Er braucht darum nicht immer wieder alles zu wiederholen. Er gibt nicht unverbindliche Ratschlรคge, er gibt auch keine Dienstanweisungen. Er spricht in allen Dingen als geistlicher Vater รผber alle Dinge in verbindlicher Autoritat, vรคterlicher Ermahnung und Liebe.10
II. Der Wandel im Hause Gottes
Paulus gibt den Grund seines Schreibens an I 3,14 f: Also โdaร du wissest, wie du wandeln sollst im Hause Gottesโ. Das ist der Zweck des Briefes11. Das soll Leben und Arbeit des Timotheus sein. Es wird ihm in Erinnerung gebracht, daร er nicht etwa dazu da ist, ein berufliches Ideal zu verwirklichen, sondern er ist unter seiner Gemeinde und lebt unter ihr. Sie ist das Haus Gottes12. Er ist also nicht der Prediger vom Sonntag, der Helfer der Armen oder sonst etwas. Es ist nicht die Rede von dieser oder jener Tรคtigkeit seinerseits, nein, es ist von ihm selbst die Rede. Timotheus kann seine Arbeit von sich selbst nicht mehr trennen. รberall sonst geht das, hier nicht. Das ist eben sein Amt und seine Arbeit, recht wandeln im Hause Gottes. Darin besteht sein Amt. Es gibt auch nicht den Rรผckzug vom Amt in die persรถnliche Privatsphรคre oder umgekehrt.13 Timotheus ist keinen Augenblick Privatperson. Jeder Augenblick ist eben Wandel in der Gemeinde, wรผrdiger oder unwรผrdiger.14 |
Timotheus bedarf dazu der apostolischen Belehrung.15 Wรคre sein Amt allein die Verkรผndigung der Predigt, dann wรผรte Timotheus wohl, worum es ginge. Denn lange genug ist er herumgezogen mit Paulus.
Dem Timotheus muร noch einmal gesagt werden, was die Gemeinde sei I 3,15: ฯฯแฟฆฮปฮฟฯ ฮบฮฑแฝถ แผฮดฯฮฑฮฏฯฮผฮฑ ฯแฟฯ แผฮปฮทฮธฮตฮฏฮฑฯ16. Nicht dies steht im Vordergrund, daร Timotheus Trรคger der Wahrheit ist โ gewiร ist er dies auch โ sondern daร die ganze Gemeinde Tragpfeiler ist.17 Diese Wahrheit ist nicht eine Lehre, zu deren Verkรผndigung die Gemeinde gesetzt ist, sondern sie ist das Geheimnis, das Mysterium, das in der ฮตแฝฯฮญฮฒฮตฮนฮฑ18 gewahrt wird. Es ist ein Geheimnis, das nicht zur Doktrin aufgelรถst wird, sondern allein in der ฮตแฝฯฮญฮฒฮตฮนฮฑ begriffen und angebetet wird; ein Geheimnis, das darum hier auch nicht in einer dogmatischen Formel beschrieben wird, sondern in einem Hymnus.19
Keinerlei groรe Dinge werden von Timotheus gefordert, sondern zu dem schlichten Wandel angesichts dieser Wahrheit wird er angehalten.20 Timotheus wird hier nicht der Missionar!21
III. Timotheus
Wer ist Timotheus? Welches Interesse kรถnnen wir an dieser Frage nehmen? Was fรผr ein Mensch ist dieser Diener am Hause Gottes denn gewesen? Was fรผr Gaben und Qualitรคten besaร er? Welche innere Entwicklung hatte er durchgemacht? Welche Voraussetzung bringt er zu diesem Beruf mit? Alle Antworten werden uns versagt: Acta 16,1 f; II 3,15; II 1,5; Acta 16,3. Worin besteht das Eigenartige all dieser Beschreibungen, die wir von Timotheus kennen? Darin, daร sie so gar nicht von innen, sondern gรคnzlich von auรen her erfolgen: seine Familie, sein Ruf, seine Erziehung in der Schrift, seine Be- | schneidung. Diese Dinge, deren keines etwas รผber seine innere Geschichte aussagt, genรผgen zur Beschreibung dieses ungewรถhnlichen Mannes. Kein Wort รผber seine besonderen Gaben und seine besondere Geschichte.22 Warum nicht? Weil offenbar nichts von diesem mit dem Dienst am Hause Gottes zu tun hat. Es ist genug, daร er im Glauben steht und daร er nach auรen keinen Anstoร gibt.
Das scheint sehr nรผchtern. Also kein Mann der glรคnzenden Beredsamkeit, kein Mann reformatorischer, vorwรคrts drรคngender Geschichte etc.23 All diese Bilder24 stellen den Timotheus ganz in den Schatten. Im Glauben stehen und keinen Anstoร geben! Wir wรผrden sagen, das ist die selbstverstรคndliche Voraussetzung.25 Paulus aber sagt, das ist alles! Paulus scheint andere Ansprรผche an den Diener am Wort gestellt zu haben als wir.26
Dieser Timotheus, der so von auรen beschrieben ist, ist der treue Gefรคhrte des Paulus gewesen.27 Im Rรถmerbrief, den beiden Korinthern, im Philipper- und Kolosser- und beiden Thessalonicherbriefen ist er mit unter denen, die grรผรen. Paulus nennt ihn Rรถm 16,21 seinen Gehilfen, 1. Kor 4,17 seinen lieben und treuen Sohn, 2. Kor 1,1 seinen Bruder. Er nennt ihn auch Phil 1,1 Knecht Jesu Christi, 1. Thess 328 auch Diener Gottes und Gehilfen am Evangelium; oder 1. Kor 16,10: โEr treibt auch das Werk Gottes gleichwie ich.โ Dieser Timotheus hat neben dem Apostel kein Eigenleben zu fรผhren begehrt. Er hat nichts besonderes neben dem Apostel sein wollen 2. Tim 3,10 f! Timotheus hatte also nicht den Ehrgeiz einer eigenen Lehrbildung, einer eigenen Theologie. Er hatte die apostolische Theologie, das genรผgte ihm. Er beanspruchte auch nicht das Recht der Freiheit einer eigenen Lebensfรผhrung29, sondern wollte leben wie Paulus. Er lebte das apostolische Leben mit Paulus mit. Nicht einmal eigene Plรคne, eigene Ideen hatte er in seinem Dienst gehabt. Er handelte wie Paulus30.
Weil Timotheus so gebunden war an die apostolische Lehre und an das apostolische Leben, darum trennte er sich auch nicht von Paulus im Leiden.31 Er trug es ebenso selbstverstรคndlich und selbstlos, wie es seine Gemeinschaft [mit Paulus] รผberhaupt war.32 Paulus scheint sich hier zu beziehen auf die Ereignisse von Acta 13 und 14. Und offenbar ist Timotheus Zeuge dieser Ereignisse, der Leiden des Paulus gewesen. Das ist sehr bedeutsam. Denn es geht daraus hervor, daร Timotheus von vornherein, schon vor den Reisen wuรte, mit wem | er es zu tun hatte, wenn er mit Paulus ging. Er hatte den verfolgten und leidenden Paulus doch gesehen und offenbar hierin nicht den Grund zum Anstoร, sondern den zur Gemeinschaft gefunden.33 Die Gemeinschaft der apostolischen Lehre und des apostolischen Lebens, das war die einzige tragfรคhige Voraussetzung fรผr solchen Dienst34. Der alte Apostel, der spรคter aus dem Gefรคngnis in Rom schreibt, kann sich auf diesen seinen echten Sohn im Glauben verlassen bis zuletzt. Es ist begreiflich, daร der Apostel ihn in seinem letzten Brief nach Rom ruft II 1,4; 4,9 und 21.35 Dieser letzte Ruf des Paulus, der seine Hinrichtung erwartet, ist nur eine andere Beschreibung36 des Timotheus von auรen her, die letzte; aber sie sagt mehr als irgendeine andere zu sagen vermรถchte.
IV. Die Berufung und der Auftrag des Timotheus
Timotheus hat seinen Auftrag von Paulus empfangen, soll in Ephesus bleiben, wรคhrend Paulus nach Mazedonien zieht I 1,3. Er soll achthaben auf die Gemeinde als Haushalter.37 Ephesus war die grรถรte der kleinasiatischen Gemeinden. Unter Trรคnen verlรครt er Paulus II 1,4. Timotheus handelt hier nach apostolischem Befehl. Er nimmt auch diesen Auftrag wie alles andere aus der Hand des Paulus. Die Arbeit ist groร und schwer, und Timotheus ist jung. Dazu Trennung vom Apostel.38
Eine besondere Schwierigkeit fรผr Timotheus besteht darin, daร er in der Gemeinde auf keinerlei Rechtsordnung und Satzung39 stรถรt. Alles ist auf seine persรถnliche Bewรคhrung gestellt. Es kommt darauf an, ob er sich als der junge Mann in der jungen Gemeinde geistliche Autoritรคt zu verschaffen weiร. Nirgends kann er sich hinter seiner Person auf sein Amt zurรผckziehen.40
Was befรคhigt den Timotheus so auf sich allein gestellt zu solchem Dienst? Wo sind die Gaben, die er braucht, um Menschen zu gewinnen, zu leiten?41 Hat er die Gabe zu diesem Dienst? Wie soll Timotheus dessen gewiร sein, daร er der rechte Mann fรผr dieses Amt ist? Soll er auf seine Leistung, die er mit Paulus vollbrachte, | zurรผcksehen? All die Fragen42 lรครt Paulus dem Timotheus gar nicht zu. Alle Zweifel, die sich einstellen mรถchten an seiner Gabe und Fรคhigkeit, schlรคgt Paulus ab, indem er zu ihm sagt: โErinnere dich, daร du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hรคnde.โ II 1,6.
Von welchen Gaben redet Paulus? Nicht von irgendeiner natรผrlichen Anlage und Begabung, sondern von der Gabe, die durch Auflegen seiner Hรคnde und der รltesten auf Timotheus gekommen ist und nun in ihm wohnt. โEntflamme diese Gabe!โ Paulus gibt dem Diener am Wort keinen falschen Trost, etwa: Sieh auf deine reiche Erfahrung, auf deine Erfolge! Paulus sagt anderes zu dem, der in Zweifel gerรคt. Er sagt: es waren Mรคnner der Gemeinde da, die die Gabe der Weissagung haben, die haben dich fรผr diese Aufgabe ausgesondert. Es war der Apostel Jesu Christi da, der hat dir die Hรคnde aufgelegt und fรผr dich um diese Gabe gebetet. So sei gewiร, Gott hat dich zu dieser Arbeit und zu diesem Amt berufen. Er hat dich ans Werk gestellt. Er wird es dem, den er berufen hat, an keiner Gabe fehlen lassen. Murre nicht, zweifle nicht, sondern erwecke die Gabe, die in dir ist durch Auflegung der Hรคnde, die dir geschenkte Gabe des Geistes fรผr dein Amt! โDenn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furchtโ โ auch nicht den vor unserer eigenen Unbrauchbarkeit โ โsondern der Kraft und der Liebe und der Zuchtโ II 1,7. In dem allem II 1,8: โSchรคme dich des Zeugnisses unseres Herrn nicht!โ Und I 6,13 ff[โ21]. Du hast also den Ruf Gottes empfangen; โbewahre das beigelegte Gut durch den Heiligen Geist, der in dir wohntโ II 1,14. Die Gabe ist in ihm dadurch, daร Gottes Wort sie ihm wieder zuspricht. Auf dieses Wort hin ist die Gabe wieder da. Sie ist nicht in uns ruhend, sondern die Gabe ist da, wo das Wort dich trifft und dir sagt, du bist ja zu dieser Aufgabe verordnet. Es ist also der Zuspruch, der hier alles tut, nicht der Zustand.43
Timotheus ist44 gesichert gegen allerlei Widerspruch, den er in seiner Gemeinde hรถren muร; gerade auch gegen solche, die sich um ihrer grรถรeren Gaben [willen] รผber ihn erheben wollen; gegen solche, die seine Jugend verachten wollen I 4,12, die sich auf ihre Erfahrungen stรผtzen. Timotheus soll sich nicht unsicher und | zweifelhaft machen lassen an seiner Berufung.45 Die Weissagungen, die Timotheus ins Amt fรผhrten, die fรผhren ihn auch in den Kampf, in dem er sich bewรคhren muร vor Beflekkung, Schรคndung, Entehrung, mit persรถnlichen Mitteln dem Amt die Wรผrde und die Kraft zu rauben. In der Kraft der Ordination, der Handauflegung gilt es fรผr Timotheus, wesentliche Kรคmpfe durchzukรคmpfen. Er soll eine gute Ritterschaft รผben I 1,18. Er kรคmpft damit nicht fรผr sich selbst, sondern fรผr den Bau der Gemeinde, der ihm befohlen ist.
Aber tue alles, indem du Glauben und gutes Gewissen habest I 1,19.46 Es ist fรผr Paulus nicht denkbar, daร einer den Wandel im Hause Gottes recht fรผhren kann, der nicht selbst im Glauben steht und vor Gott ein gutes Gewissen hat. Paulus gibt keinen Anlaร zu dem Miรverstรคndnis, daร Timotheus in der Kraft seines Glaubens anderen Glauben wecken kรถnnte. Also nicht an seinem Glauben entzรผndet sich anderer Glaube, nein, es bleibt der Auftrag und das Wort. Aber der Auftrag kann nicht recht erfรผllt werden, wenn nicht Timotheus im Glauben steht.47 Aber Paulus denkt an das ganze Amt, nicht nur an das Predigen. Hier weiร Paulus, daร keiner mit vollem Einsatz predigen kann, der nicht selbst im Glauben lebt oder den sein Gewissen verklagt. Ein solcher wird gelรคhmt in seinem Tun, in seinem Zorn und in seiner Kraft. Ein solcher ist kraftlos48, wenn es in den Kampf geht. Es ist hier deutlich, wie eng Amt und Person zusammenliegen. So gewiร die Berufung in das Amt nicht den Glauben schafft, so gewiร sind Berufung und Glaube untrennbar verbunden, wenn das Amt im Segen auch fรผr den, der es trรคgt, gefรผhrt werden soll. Daร Timotheus schon lange im Glauben steht, ist fรผr Paulus gewiร II 1,5. Das persรถnliche Lebensziel des Timotheus ist also mit dem Ziel der Gemeinde aufs engste verbunden I 6,12. Bleibt Timotheus dem Glauben treu, so bleibt er auch seinem Beruf treu.49 Niemals darf der Amtstrรคger sich selber rechtfertigen, indem er sich von seiner persรถnlichen Sรผnde auf sein Amt zurรผckzieht. Allein einen Sinn kann die Trennung von Amt und Person haben: | โGottes Wort ist nicht gebunden.โ II 2,9. Es hรคngt niemals an meiner Person, aber meine Person hรคngt unter allen Umstรคnden an meinem Amt.50 Daร Gottes Wort ungebunden ist und nicht an meiner Person hรคngt, das ist Trost fรผr den angefochtenen Prediger, aber nicht Ruhekissen fรผr seinen Unglauben. Der Glaube geht nicht zusammen mit unreinem Gewissen.51 In der Gemeinschaft mit Christus ist der Glaubende52 recht fertig gemacht zum guten Werk I 2,10.15; 5,25; 6,18; II 2,21; 3,17; Tit 2,14; 3,1.8.14. Die Meinung, wer den Glauben habe, brauche nach dem guten Gewissen nicht mehr zu fragen, war schon damals vorhanden und fรผhrte zum Schiffbruch I 1,19. Wer im Ungehorsam beharrt, wer sich dem Gebot leichtfertig entzieht, der verliert mit dem guten Gewissen auch den Glauben. Denn das bรถse Gewissen ist Gift in ihm, friรt um sich, zerstรถrt und zersetzt den Glauben. Glaube und gutes Gewissen sind die einzige Forderung, die Paulus an den Diener in der Gemeinde stellt. So auch bei dem Diakon I 3,8 f. Das reine Gewissen ist das Gefรคร des Glaubens II 1,15.53
Paulus fordert kein Wort von Erkenntnissen und Erlebnissen, wo er von Glauben und Gewissen redet. Vielmehr beschreibt er den Bischof und Diakon54 als im Glauben und Gewissen gebunden, nach auรen unanstรถรlich,55 lange erprobt, nicht Neulinge, an denen der Lรคsterer kein Recht findet. Es ist der Mann, der den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit hat; keiner, der in Gefahr kommt, die Bewunderung der Leute auf sich zu ziehen56. Einem solchen werden dann โ und auch ihm nicht allzu bald und unversehens โ die Hรคnde aufgelegt, womit er dann zum Dienst an der Gemeinde verordnet ist I 5,22.57 |
V. Timotheus und die Irrlehrer
Timotheus wird in Ephesus zurรผckgelassen, daร er โetlichen gebรถte, daร sie nicht anders lehrtenโ I 1,3. Sein Auftrag ist also Abwehr der Irrlehre von der Gemeinde. Die Gemeinde scheint dazu allein nicht in der Lage zu sein, sondern es bedarf eines Amtes, des apostolischen Amtes, diesen Auftrag zu versehen. Daร Timotheus gebieten soll macht deutlich, daร die Irrlehrer in der Gemeinde stehen.
Wer sind die Irrlehrer? Menschen, die anstelle der gesunden Lehre eigene, selbst gemachte Gedanken, Probleme und Lehren setzen. Sie haben nicht genug an der einfachen Wahrheit, sondern verlieren sich mit Problemen und Weltanschauungen, die niemand beantworten kann, die zu endlosen Fragen fรผhren, aber nicht zum Aufbau dienen. Sie huldigen dem antichristlichen Satz, das Streben nach der Wahrheit sei besser als der Besitz und die Erkenntnis der Wahrheit.58 Sie haben die Seuche der Fragen und Wortkriege I 6,4. Sie lernen immerdar und kรถnnen nimmermehr zur Erkenntnis der Wahrheit kommen II 3,7. Es sind die ewig strebenden, ringenden, problematisierenden und ungewissen Menschen. Die Lehre, die aus solcher Haltung entspringt, ist nicht gesund, sondern krank wie ein Krebsgeschwรผr II 2,17.
Warum urteilt Paulus so hart รผber diese nahe stehenden, ernsthaften, menschlichen Menschen? Die Diagnose, die Paulus den Irrlehrern stellt, ist einfach, klar und hart. Es sind die, die das einfรคltige Gebot nicht wollen, weil sie nicht gehorchen wollen. Dieses ewige Fragen, diese ewige Ungewiรheit kommt im Grunde aus einem Brandmal, das diese in ihrem Gewissen tragen I 4,2. Darum haben sie keine Gewiรheit im Glauben an Gottes Wort, dem sie sich entziehen. Sie rechtfertigen ihr unreines Gewissen durch allerlei Fragen, Spekulationen und Zweifel. Sie leben im Schein der Frรถmmigkeit und sind doch Lรผgner I 4,2. Es ist nicht einmal gesagt, daร sie das selbst wissen. Sie glauben, gerade in ihrer ewigen Ungewiรheit die Heiligen59 zu sein. Sie haben den Schein des gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie II 3,5. Sie haben den Anschein des Sรผnders, der im Zittern vor Gott lebt als der Gerechtfertigte, aber seine Kraft verleugnen sie.
Aber rechtfertigt sich nicht ihre Christlichkeit darin, daร sie es zu einer ungewรถhnlichen Heiligkeit60 bringen kรถnnen I 4,3? Ist nicht ihr heiliges Leben ein Erweis ihres echten Christenstandes? Muร ihr Ernst vor den Forderungen uns nicht jedes | Wort der Kritik verbieten?61 Paulus behรคlt den klaren Blick dessen, der auf das Evangelium allein sieht. Er sieht gerade in dieser Heiligkeit aus Reflexion die ganze Krankheit der Menschen.62 Diese Heiligkeit ist nicht die gesunde Lehre des Evangeliums und [nicht] der Kraft des Gehorsams entsprungen, sondern die Krankheit eines ungehorsamen befleckten Gewissens. Diese Heiligkeit ist die kranke Aufgeblasenheit dessen, der nicht in einfรคltigem Gehorsam gegen Gott wandeln will I 6,4. Es ist kein Unterschied zwischen solcher Scheinheiligkeit63 und weltlichem Umgetriebenwerden von den eigenen Lรผsten II 3,6. Sie schleichen durch die Hรคuser mit ihrer heimlichen und nicht-รถffentlichen Lehre. Sie machen sich die Schwachen zu Dienst, sie fรผhren die Weiblein gefangen, sie knechten sie durch ein Evangelium des Scheins, der Selbstgefรคlligkeit. Die groรen Lasterkataloge I 1,9 f und 6,3 ff64 gelten auch gerade denen, die aus krankem Glauben zu kranker Heiligkeit kommen. Sie alle sind eben derselben Laster schuldig.65 Also nicht weil diese Irrlehrer eine verkehrte Erkenntnis hรคtten, sondern weil sie im Widerspruch gegen Gott leben und leben wollen und verharren, weil sie irgendwie und irgendwo nicht gehorchen wollen, darum ist ihre Lehre so tรถdlich wie ein Krebsgeschwรผr.
Wenn das das Bild der Irrlehrer ist, was soll Timotheus dann tun? Soll er ihnen nachgehen, sie durch geduldige Liebe รผberwinden? Soll er die, die im Ernst Christ sein wollen, in der Gemeinde tragen als Brรผder? Soll er รผber die Grundwahrheit des Evangeliums von neuem anfangen [zu] evangelisieren?66 Das entsprรคche dem, was das fromme Fleisch fรผr richtig hรคlt. Paulus aber gibt eine andere Weisung: Lehre du die gesunde Lehre, die Lehre von der Sรผnde des Menschen, von der Buรe, von der Barmherzigkeit, vom Gehorsam gegen das Gebot, dann hast du diese67 getan. Hรถren sie nicht, dann tue dich von ihnen I 6,5; 4,7; 6,20; II 3,5.
Warum spricht Paulus so? Er weiร, daร nichts fรผr die Gemeinde verfรผhrerischer ist, als daร die sarkische Heiligkeit und Christlichkeit irgendwie bestรคrkt wird, dieses fromme Fleisch irgendwie am Leben erhalten wird. Diese Krankheit ist unheilbar ansteckend und gefรคhrlich. Paulus weiร, daร er diesen Leuten nur zu Willen wรคre, wenn er sich nur aufs Diskutieren einlieรe. | Er bestรคrkte sie dann in der Meinung, daร die Wahrheit durch Problematisieren und nicht durch Gehorsam zu gewinnen wรคre. Man kann aber nicht mit solchen diskutieren, die nicht gehorchen wollen.68 Joh 7,17: โSo jemand will des Willen tun, der wird innewerden โฆโ. Aus dem Gehorchen kommt die Erkenntnis.69 Durch Gehorsam gegen sein Wort werden wir in alle Wahrheit geleitet I 1,5.70
Jede andere Gemeinschaft mรผรte miรdeutet werden71 und hรคtte keine Verheiรung. Der einzige christliche Dienst, den Timotheus seiner Gemeinde tun kann ist der, jegliche Gemeinschaft mit ihnen abzubrechen, wo sie die gesunde Lehre verachten.72 In der Gemeinschaft des apostolischen Lebens und der apostolischen Lehre hebt Timotheus die Gemeinschaft mit den Irrlehrern auf.73
VI. Timotheus und seine Gemeinde
Im Auftrag des Apostels steht Timotheus in der Gemeinde, kraft eines guten Gewissens I 1,18 f; 6,3; II 1,13; 4,3; Tit 1,9; 2,1. Darin besteht die Gesundheit der Lehre.74 Keineswegs besteht die Gesundheit der Lehre darin, daร diese Lehre nun irgendwie der Wirklichkeit in gesunder Weise angepaรt wรคre oder daร das Lehrmรครige nicht รผbertrieben wรคre. Nicht die Praxis macht die Lehre gesund, sondern die gesunde Lehre wirkt die rechte Praxis, das gute Gewissen, den willigen Gehorsam. Eine Lehre, die das nicht wirkt, ist kranke Lehre. Von Paulus ist dem Timotheus die gesunde Lehre vertraut II 2,2. Er hat bekannt vor treuen Zeugen. Timotheus wiederum empfiehlt75 sie treuen Menschen I 6,12.20.76 โGottes Wort ist nicht gebundenโ II 2,9. โPredige das Wort, halte an, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeitโ II 4,2.77 Wer weiร denn, was Zeit und Unzeit fรผr ein Wort78 ist? Wer weiร denn die Zeit Gottes? Es gibt | keine Mรถglichkeit, den Kairos Gottes aus den Gegebenheiten79 zu kennen. Die Predigt selbst schafft sich den ฮบฮฑฮนฯฯฯ80, nicht aber erzwingt sich der ฮบฮฑฮนฯฯฯ die Predigt. Die Predigt des Timotheus ist nicht beschrรคnkt auf die Sonntagsverkรผndigung.81
Wenn Timotheus so sein Amt ausrichtet II 4,3, werden die Menschen die gesunde Lehre nicht ertragen. Sie werden sich der kranken Lehre zuwenden, die der Weichlichkeit schmeichelt. Das muร so kommen, denn das apostolische Wort scheidet den Glauben82 von der Heuchelei II 4,4. Timotheus soll sich hierdurch nicht beirren lassen II 4,5. โNรผchternโ ist Timotheus dann, wenn er weiร, daร die gesunde Lehre solche Scheidung bringen muร.83 Nรผchtern, wenn er in der Gemeinschaft der apostolischen Lehre bleibt und sein Vertrauen allein auf seinen Auftrag und Sein Wort setzt.84
Deswegen kann ihm auch gesagt werden: โLeide!โ Paulus will nicht, daร es etwas Dramatisches sei, dieses Leiden des Amtstrรคgers.85 Darum sagt er es so einfach, so hart und selbstverstรคndlich. Es ist das apostolische Leben, das hier groร wird II 2,3.86
Nun braucht Paulus nur noch zusammenzufassen: Tue das Werk eines Evangelisten, mache deinen Dienst voll, das heiรt bleibe treu bis zum Ende. Paulus will damit seinem โSohn im Glaubenโ nicht das Herz schwer machen. Er versichert ihn seiner Gemeinschaft87. โIch werde schon geopfert und die Zeit meines Abscheidens ist naheโ II 4,6. Der Grund der apostolischen Arbeit und der Grund der Schmรคhung ist ein und derselbe! | Timotheus und Paulus haben auf den lebendigen Gott gehofft I 4,10. Das ist das irdische Ziel apostolischer Lehre und apostolischen Lebens, hinter dem die Gewiรheit steht: โSterben wir mit, so werden wir mit leben โฆโ II 2,11.
Wenn wir so das Amt des Timotheus sehen, so ist es fast befremdlich, daร Paulus dem Timotheus trotz allem Ermahnungen fรผr sein persรถnliches Leben gibt. Wie wรผrde sich heute ein Kirchenmann das verbitten, wenn gesagt wรผrde: โHabe acht auf dich selbst und auf die Lehre โฆโ I 4,16. โSei ein Vorbild โฆโ 4,12. Dazu I 5,22; II 4,22; II 2,24. Timotheus soll seiner Frรถmmigkeit nicht allzu gewiร sein. Auch er als erfahrener Kirchenmann88 bedarf dieser Mahnung, dieser รbung89. Der gesunde Glaube bedarf der Einรผbung,90 der Ermahnung, die den Glaubenden schรผtzt vor den Anlรคufen des Teufels. Auch Timotheus ist nicht geschรผtzt vor ihnen. Timotheus soll nicht allzu gesetzlich sein: Trink nicht immer Wasser! I 5,23. Die Autoritรคt seines Amtes soll er nicht miรverstehen, nicht รผberheblich sein mit den Alten I 5,1 f.91 In seiner Amtsfรผhrung soll er nicht parteiisch sein I 5,22.92 Es ist eine harte Seelsorge, die so spricht.93 Die Briefe Luthers an seine Freunde kรถnnen ganz รคhnlich klingen. Wir sind noch viel zu viel in der kranken Lehre drin, als daร wir es vermรถchten, uns in Bezug auf die รถffentlichen Dinge des Lebens anzureden, ohne gekrรคnkt zu sein.94 Es ist merkwรผrdig, daร Paulus dem Timotheus | die einfachsten Dinge hundertmal gesagt hat. Aber gerade dadurch, daร sie immer wieder gesagt werden, sind sie eine neue Kraft, ein neuer Halt. Warum? Paulus weiร, daร dort, wo ein Christ lebt, der Teufel auf ihn lauert. Timotheus lebt hart am Abgrund, gerade als Diener im Hause Gottes.95 Es geht Paulus darum, daร ihm96 sein Amt nicht zum Fluch werden mรถchte. Die Seligkeit des Timotheus als Amtstrรคger hรคngt an seinem Amt97. Person und Amt sind hier selbst ungeschieden. Das Amt kann dem Trรคger des Amtes zum Fluch werden oder zur Seligkeit. Es gibt keinen Dispens mehr davon. Am Tag Jesu Christi wird Timotheus Rechenschaft geben mรผssen I 6,14.
โIch gebiete dir vor Gottโ, so spricht der Vater zum Sohn I 6,13. Das Gebot, das Timotheus halten soll, schlieรt Amt und Person ein. Paulus nimmt auch das Urteil Gottes รผber das Amt und die Person nicht vorweg.98 Aber Timotheus, dessen Leben in der Gemeinschaft mit der Gemeinde gefรผhrt war, wird getrost in seinem Amt mit der Gewiรheit des Apostels, die auch seine Gewiรheit werden mรถchte II 4,7 f. Hier sollen dem Timotheus letzte Frรผchte des apostolischen Amtes und Lebens zuteil werden. Das ist der letzte Wille des alten Paulus an seinen Sohn im Glauben und der Gemeinschaft apostolischen Lebens und apostolischer Lehre.
17. PREDIGTMEDITATION ZU APOKALYPSE 2,1โ7. FINKENWALDE, 25. 10. 19361
Zum Reformationsfest. Offenbarung 2,1โ7 (Bruder Bonhoeffer)
1.) Christus selbst ruft eine Gemeinde zurรผck auf den rechten Weg. Das ist Reformation. Er hรคlt die 7 Sterne in der Hand: das heiรt er regiert die gesamte Welt (Sterne โ Engel โ Vorsteher der Gemeinde; die Siebenzahl bedeutet die Ganzheit der Kirche). Er wandelt unter den 7 Leuch- | tern: das heiรt er ist seiner Kirche allezeit nahe und gegenwรคrtig. Darum kennt er sie und kann sie zurรผckrufen.
2.) Christus redet freundlich zu seiner Gemeinde. Ich weiร deine Werke, Arbeit, Geduld. Er spricht zu uns als der, der uns kennt. Ich weiร โ das heiรt es ist nichts verloren und vergessen, was in seiner Gemeinde geschah an sichtbarem Werk, an Unruhe und Anstrengungen, an Festigkeit und Geduld. Unser Werk an unserer Gemeinde ist von Christus nicht fรผr nichts geachtet. Zu dem, der in zรคher Arbeit die Gemeinde gefรถrdert hat an irgendeinem Stรผck, sagt Christus: ich weiร es. Zu dem, der in stiller Standhaftigkeit und Geduld vielleicht nichts sichtbares vollbringen konnte, sagt Christus: ich weiร es. Christus weiร die Arbeit unserer bekennenden Kirche und Gemeinden. Er wandelt ja mitten unter ihr. Wenn wir jemandem etwas zu Liebe tun wollen, dann ist es uns ein voller Lohn, wenn er sagt: ich weiร es. Es war kein leeres, unfruchtbares Jahr2 โ Ich weiร es. Jesus redet freundlich mit uns. Es kam auch innere Gefahr รผber die Gemeinde, das Bรถse brach in der Gemeinde hervor. Aber die Zucht und die geistliche Macht der Gemeinde war stark genug, daร es keine Gewalt an ihr finden konnte, sondern von ihr geschieden wurde. Das kostete die Gemeinde viel Verzicht und Selbstverleugnung. Christus sagt: Ich weiร es, es ist unvergessen. Schlimmer noch: Versuchung und Verfรผhrung blieb nicht aus. Mรคnner, die sich nach Christi Namen nannten, Mรคnner in eigenem Auftrag wollten die Gemeinde auf falschen Weg fรผhren.3 Da zerbrach manches, da brauchte die Gemeinde viel Nรผchternheit, Gebet, Erkenntnis aus dem Worte Gottes, bis sie sie als Lรผgner erfand und sie von sich abschied. Alle Gewissensnot, die da entstand, aller Kummer und Kampf der Gemeinde, soweit die Wahrheit den Sieg behielt, ist unvergessen. Christus sagt: Ich weiร es. Zu allen, die den Vorwurf hรถren muรten, sie kรคmpften ja nur in eigener Sache, aus eigenem Trotz, und die schlieรlich selbst nicht mehr wuรten, woran sie mit sich waren, sagt Christus: Ich weiร es, um meines Namens willen arbeitest du. Zu allen die in langen Nรคchten um die Not der | Gemeinde sorgten und beteten, und die des Morgens frรผh wieder an der Arbeit standen, sagt Christus: Ich weiร es, du bist nicht mรผde geworden. Er faรt alle meine Trรคnen in einen Krug (Ps 56,9). So freundlich redet Christus mit uns. Er zerbricht und vernichtet uns nicht, er war รผberall dort, wo es um seine Gemeinde ging, selbst dabei, er hat uns gesehen und spricht uns freundlich zu. Er wandelt mitten unter uns.
3.) Christus klagt seine Gemeinde an. Wir sind jetzt dankbar und vertrauensvoll geworden gegenรผber unserem Herren. Er ist aber nicht bei uns, um uns zu loben, sondern um uns auf den rechten Weg zu bringen. Es entspricht der Wahrheit Christi, daร er uns sagt, daร er trotz allem wider uns stehen muร. Warum? Er weiร, wir waren eine unverzagte kรคmpfende, arbeitende, tapfer seinen Namen bekennende Gemeinde. Das ist nichts Kleines. โAber ich habe wider dichโ โ Christus steht gegen seine bekennende Gemeinde! โ โdaร du die erste Liebe [ver]lรคssest. Gedenke, wovon du gefallen bistโ โ Des Anfanges, gedenke der ersten Christenheit, gedenke der Zeit der Reformation โ die erste Liebe ist in Gefahr zu schwinden. Vieles ist getan. Aber es ist vieles so hart, so selbstgewiร, als gรคlte es sich selbst zu verteidigen; es ist so vieles nur in eigener Sache, um der eigenen Sicherheit willen gesagt und getan.4 Die erste Liebe, der Anfang band die Gemeinde allein in brennender Hingabe an Jesus und die Brรผder. Keiner wollte etwas fรผr sich haben, es gehรถrte alles dem Herrn und den Brรผdern. Es war ein Wetteifern im brรผderlichen Dienst, es war eine Liebe zum Evangelium, zum Gottesdienst, zu den Werken des Reiches Gottes. Heute hรคngt unsere Liebe an vielen anderen Dingen, der Welt, der Sicherheit, der Gewohnheit. Es war auch eine bereitwillige Liebe zum Feinde da, die beten, segnen und wohltun konnte. Diese erste Liebe hatte der Herr seiner ersten Gemeinde geschenkt, hat er sie auch uns einmal geschenkt? Konfirmation? Bekehrung? An- | fang der Bekennenden Kirche? Gedenke der ersten Liebe, gedenke der Anfรคnge, vielmehr des Anfangs, der Jesus Christus selbst ist, gedenke, wovon du gefallen bist! Das ist der Grund aller Reformation, nicht Verherrlichung von Menschen und vergangener Geschichte, nicht lutherische Parolen, sondern dankbar Gottes Ruf zur Umkehr hรถren. So war der Anfang, so anders der Fortgang. Tue die ersten Werke. Es ist derselbe Herr, der eben so freundlich zu uns redete und der uns jetzt droht, er werde den Leuchter unserer Gemeinde umstoรen, wo wir nicht Buรe tun und umkehren. Wir sollen nicht Reformation feiern, sondern Reformation halten. An manchen Kanzeln steht: โerneuert im Jahre โฆโ, daร es doch von unserer Gemeinde heiรen kรถnnte: Erneuert im Jahre 1936 (Vers 6 bezeugt der Gemeinde, daร sie allerdings die schwรคrmerische gesetzlose Liebe gehaรt habe und daran recht getan habe).
4.) Christus verheiรt seiner Gemeinde Herrlichkeit. Das ist das Ziel, daร die Gemeinde diese Verheiรung zu hรถren vermรถge. Dazu muร sie in die Buรe. Nur in der Buรe kรถnnen wir hoffen. Der Weg zur Umkehr und zur Hoffnung geht durch das Ohr. Das Hรถren tut es. Das Wort allein wirkt Umkehr und Hoffnung. Das war die Verkรผndigung der Reformation. โWer Ohren hat โฆโ Darum gilt es zu รผberwinden, was an Schein der Welt gegen das Wort steht. Diese รberwindung muร jeder gegen sich selbst erringen, damit er auch die Feinde รผberwinden kann. In der Herrlichkeit aber wird die Gemeinde haben, was Leib, Seele und Geist gewiร macht. Sie wird essen vom Baum des Lebens.5 Die Verheiรung ist das Paradies, in dem wir nicht nur hรถren, sondern mit allen Sinnen die Herrlichkeit Gottes erkennen werden. Wir werden eine triumphierende Kirche sein.
18. PREDIGT ZU MATTHรUS 26,45 bโ50. FINKENWALDE, JUDICA, 14. 3. 19371
Predigt am Sonntag Judica 1937 von Bruder Bonhoeffer
Matthรคus 26,45 bโ50: Siehe, die Stunde ist hier, daร des Menschen Sohn in der Sรผnder Hรคnde รผberantwortet wird. Stehet auf, laรt uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrรคt! Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwรถlfe einer, und mit ihm eine groรe Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und รltesten des Volks. Und der Verrรคter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich kรผssen werde, der istโs; den greifet! Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: Gegrรผรet seist du, Rabbi! und kรผรte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? da traten sie hinzu und legten die Hรคnde an Jesum und griffen ihn.
Ein Geheimnis hatte Jesus seinen Jรผngern bis zum letzten Abendmahl verborgen. Zwar hatte er sie nicht im Unklaren gelassen รผber seinen Leidensweg. Zwar hatte er ihnen drei- | mal bezeugt, daร des Menschen Sohn รผberantwortet werden muร in die Hรคnde der Sรผnder.2 Aber das tiefste Geheimnis hatte er ihnen noch nicht offenbart. Erst in der Stunde letzter Gemeinschaft beim heiligen Abendmahl konnte er es ihnen sagen: Des Menschen Sohn wird รผberantwortet in die Hรคnde der Sรผnder โ durch Verrat. Einer unter euch wird mich verraten.3
Die Feinde allein kรถnnen keine Macht รผber ihn gewinnen. Es gehรถrt ein Freund dazu, ein nรคchster Freund, der ihn preisgibt, ein Jรผnger, der ihn verrรคt. Nicht von auรen geschieht das Furchtbarste, sondern von innen. Der Weg Jesu nach Golgatha nimmt seinen Anfang mit Jรผngerverrat. Die einen schlafen jenen unbegreiflichen Schlaf in Gethsemane,4 einer verrรคt ihn, zum Schluร โverlieรen ihn alle Jรผnger und flohenโ.5
Die Nacht von Gethsemane vollendet sich. โSiehe, die Stunde ist hierโ โ jene Stunde, die Jesus vorhergesagt hatte, von der die Jรผnger seit langem wuรten, und vor deren Eintreten sie bebten, jene Stunde, auf die sich Jesus so ganz bereitet und fรผr die die Jรผnger so ganz und gar unbereitet waren, die Stunde, die nun mit keinem Mittel der Welt mehr hinauszuschieben war โ โSiehe, die Stunde ist hier, daร des Menschen Sohn in der Sรผnder Hรคnde รผberantwortet wirdโ.
โรberantwortetโ sagt Jesus, das heiรt, es ist nicht die Welt, die รผber ihn Macht gewinnt, sondern jetzt wird Jesus von den Seinen selbst ausgeliefert, preisgegeben, aufgegeben. Der Schutz wird ihm aufgesagt. Man will sich nicht weiter mit ihm belasten: Laรt ihn den Andern. Das ist es, Jesus wird weggeworfen, die schรผtzenden Hรคnde der Freunde sinken. Mรถgen nun die Hรคnde der Sรผnder mit ihm tun, was sie wollen. Mรถgen sie ihn antasten, deren unheilige Hรคnde ihn nie berรผhren durften. Mรถgen sie mit ihm spielen, ihn [ver]spotten und schlagen. Wir kรถnnen nichts mehr daran รคndern. Das heiรt Jesus รผberantworten: nicht mehr fรผr ihn eintreten, | ihn dem Spott und der Macht der รffentlichkeit preisgeben, die Welt mit ihm umgehen lassen nach ihrem Mutwillen, nicht mehr zu ihm stehen. Jesus wird von den Seinen der Welt ausgeliefert. Das ist sein Tod.
Jesus weiร, was ihm bevorsteht. In Festigkeit und Entschlossenheit ruft er seine Jรผnger auf: โStehet auf, laรt uns gehen.โ Oftmals hatten die drohenden Feinde vor ihm zurรผckweichen mรผssen, er war frei durch ihre Mitte hindurchgeschritten, ihre Hรคnde sanken.6 Damals war seine Stunde noch nicht gekommen. Jetzt ist die Stunde hier. Jetzt geht er ihr in freiem Entschluร entgegen. Und damit kein Zweifel mehr sei, damit es unzweideutig klar sei, daร die Stunde da ist, in der er รผberantwortet wird, sagt er: โSiehe, er ist da, der mich verrรคt.โ Kein Blick fรคllt auf die groรe Schar, die heranzieht, auf die Schwerter und Stangen der Feinde. Die hรคtten keine Macht! Jesu Blick trifft allein den, der diese Stunde der Finsternis heraufgefรผhrt hat. Auch seine Jรผnger sollen wissen, wo der Feind steht. Einen Augenblick liegt alles, liegt Heils- und Weltgeschichte in den Hรคnden des einen โ des Verrรคters. Siehe, er ist da, der mich verrรคt โ und in der Nacht erkennen die Jรผnger schaudernd in ihm โ Judas, den Jรผnger, den Bruder, den Freund. Schaudernd โ denn als Jesus am Abend derselben Nacht zu ihnen gesagt hatte: Einer von euch wird mich verraten, hatte keiner gewagt, den andern zu beschuldigen. Keiner konnte diese Tat dem andern zutrauen. Darum muรte ein jeder fragen: Herr, bin ichโs? Herr, bin ichโs?7 Eher noch war das eigene Herz solcher Tat fรคhig, als der andere, der Bruder.
โUnd als er noch redete, siehe, da kam Judas der Zwรถlfe einer, und mit ihm eine groรe Schar, mit Schwertern und mit Stangen.โ Jetzt sehen wir nur noch zwei, um die es hier geht. Die Jรผnger und die Hรคscher treten zurรผck, sie beide tun ihr Werk schlecht. Nur zwei tun ihr Werk so, wie sie es tun muรten, | Jesus und Judas. Wer ist Judas? das ist die Frage. Es ist eine der ganz alten und grรผblerischen Fragen der Christenheit. Halten wir uns zunรคchst an das, was der Evangelist uns selbst dazu sagt: Judas, der Zwรถlfe einer. Ob wir etwas spรผren von dem Grauen, mit dem der Evangelist dieses kleine Satzteilchen geschrieben hat? Judas, der Zwรถlfe einer โ was war hier mehr zu sagen? und war hiermit nicht auch wirklich alles gesagt? das ganze dunkle Geheimnis des Judas und zugleich das tiefste Entsetzen vor seiner Tat. Judas, der Zwรถlfe einer, das heiรt doch: es war unmรถglich, daร dies geschah, es war ganz unmรถglich, und es geschah doch. Nein, hier ist nichts mehr zu erklรคren und zu verstehen. Es ist ganz und gar unerklรคrlich, unbegreiflich, es bleibt ganz und gar Rรคtsel โ und doch geschah die Tat. Judas, der Zwรถlfe einer, das heiรt ja nicht nur: er war einer, der Tag und Nacht um Jesus war, einer, der Jesus nachgefolgt war, der es sich etwas hatte kosten lassen, der alles verlassen hatte, um mit Jesus zu sein, ein Bruder, ein Freund, ein Vertrauter des Petrus, des Johannes, des Herren selbst. Es hieร ja noch etwas viel Unbegreiflicheres: Jesus selbst hatte Judas berufen und erwรคhlt! Das ist das eigentliche Geheimnis, denn Jesus wuรte, wer ihn verraten wรผrde, von Anfang an. Bei Johannes sagt Jesus: Habe ich nicht euch Zwรถlf erwรคhlt, und euer einer ist der Teufel.8 Judas der Zwรถlfe einer โ dabei muร ja nun der Leser nicht nur auf Judas, sondern vielmehr in groรer Bestรผrzung auf den Herren schauen, der ihn erwรคhlte. Und die er erwรคhlte, die hat er geliebt. Er hat ihnen Anteil gegeben an seinem ganzen Leben, an dem Geheimnis seiner Person, er hat sie in gleicher Weise ausgesandt zur Predigt des Evangeliums. Er hat ihnen die Vollmacht der Teufelaustreibung und Heilung gegeben โ und Judas war mitten unter ihnen.9 Nirgends eine Andeutung davon, daร Jesus den Judas im Geheimen gehaรt hรคtte. Nein, Judas schien durch sein Amt, den Beutel der Jรผnger zu verwalten, noch ausgezeichnet vor den andern. | Zwar sagt Johannes einmal, Judas sei ein Dieb gewesen.10 Aber sollte das nicht nur eine dunkle Andeutung dafรผr sein, daร Judas ein Dieb war an Jesus, daร er Jesus stahl, was ihm nicht zukam und es der Welt preisgab? Und sind nicht auch die 30 Silberlinge nur ein Zeichen dafรผr, wie gemein und gering die Gabe der Welt ist fรผr den, der die Gabe Jesu kennt? Und doch wuรte Jesus von Anfang an, wer ihn verraten wรผrde! Ja, Johannes weiร noch von einem รผberaus geheimnisvollen Zeichen der Verbundenheit Jesu mit Judas zu berichten. In der Nacht des Abendmahls reicht Jesus dem Judas einen eingetauchten Bissen, und mit diesem Zeichen hรถchster Gemeinschaft fรคhrt der Satan in Judas. Darauf spricht Jesus halb bittend, halb befehlend zu Judas: Was du tust, das tue bald.11 Kein anderer begriff, was hier vorging. Es blieb alles zwischen Jesus und Judas.
Judas, der Zwรถlfe einer, von Jesus erwรคhlt, von Jesus in seine Gemeinschaft gezogen, geliebt โ heiรt dies, daร Jesus auch seinem Verrรคter seine ganze Liebe zeigen und erweisen will? Heiรt es, daร er auch wissen soll, daร es an Jesus im Grunde gar nichts zu verraten gibt? Heiรt es auch dies, daร Jesus in tiefer Liebe den Willen Gottes liebt, der sich in seinem Leidensweg vollzieht, daร er auch den liebt, durch dessen Verrat der Weg frei wird, ja, der nun Jesu Geschick fรผr einen Augenblick in seiner Hand trรคgt? Heiรt es, daร er ihn liebt als den Vollstrecker des gรถttlichen Willens und doch weiร: Wehe dem, durch welchen es geschieht?12 Es ist ein groรes, unerforschliches Geheimnis โ Judas, der Zwรถlfe einer.
Aber es ist ja auch ein Geheimnis von der Seite des Judas her. Was will Judas bei Jesus? Es muร dieses sein, daร der Bรถse vom Unschuldigen, vom Reinen nicht loskommt. Er haรt ihn, und indem er doch nicht von ihm lassen kann, liebt er ihn eben auch mit der dunklen, leidenschaftlichen Liebe, mit der auch der Bรถse, der Teufel, noch um seinen Ursprung in Gott, im Reinen weiร. Der Bรถse will der Jรผnger des Guten | sein. Der Bรถse ist der leidenschaftlichste Jรผnger des Guten โ bis er ihn verrรคt. Der Bรถse weiร, daร er Gott dienen muร, und liebt Gott um seiner Macht willen, die er selbst nicht hat, und hat doch nur den einen Drang, รผber Gott13 Macht zu gewinnen. So ist er der Jรผnger und muร seinen Herrn doch verraten. Jesus erwรคhlt den Judas, Judas kann nicht von Jesus lassen. Jesus und Judas gehรถren zusammen von Anfang an. Keiner lรครt den andern los.
Und nun sehen wir dies an der Geschichte selbst: Jesus und Judas verbunden durch einen Kuร. Hรถrt das Ungeheuerliche: โUnd der Verrรคter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich kรผssen werde, der istโs; den greifet! Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: Gegrรผรet seist du, Rabbi! und kรผรte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? da traten sie hinzu und legten die Hรคnde an Jesum und griffen ihn.โ Und: โJudas, verrรคtst du des Menschen Sohn durch einen Kuร?โ Noch einmal packt uns die Frage: Wer ist Judas, der des Menschen Sohn mit einem Kuร verrรคt? Es ist gewiร oberflรคchlich zu sagen, der Kuร sei eben die รผbliche Begrรผรungsform gewesen. Dieser Kuร war mehr als das! Dieser Kuร war die Vollendung des Weges des Judas, der tiefste Ausdruck fรผr die Gemeinschaft und fรผr die abgrundtiefe Trennung zwischen Jesus und Judas.
โMein Freund warum bist du gekommen?โ Hรถrt ihr, wie Jesus den Judas noch liebt, wie er ihn noch in dieser Stunde seinen Freund nennt? Jesus will den Judas noch jetzt nicht loslassen. Er lรครt sich von ihm kรผssen. Er stรถรt ihn nicht zurรผck. Nein, Judas muร ihn kรผssen. Seine Gemeinschaft mit Jesus muร sich vollenden. Warum bist du gekommen? Jesus weiร es wohl, warum Judas gekommen ist und dennoch: Warum bist du gekommen? Und: Judas, verrรคtst du des Menschen Sohn mit einem Kuร? Ein letzter Ausdruck der Jรผngertreue, vereint mit Verrat. Ein letztes Zeichen der lei- | denschaftlichen Liebe, gepaart mit dem viel leidenschaftlicheren Haร. Ein letzter Genuร an einer unterwรผrfigen Geste, im Bewuรtsein der รbermacht des davongetragenen Sieges รผber Jesus. Ein bis ins tiefste hinein entzweites Tun, dieser Judaskuร! Von Christus nicht lassen kรถnnen, und ihn doch preisgeben. Judas, verrรคtst du des Menschen Sohn mit einem Kuร? Wer ist Judas? Sollten wir hier nicht auch des Namens gedenken, den er trug? โJudasโ, steht er nicht hier fรผr das im tiefsten entzweite Volk, aus dem Jesus stammte, fรผr das erwรคhlte Volk, das die Verheiรung des Messias empfangen hatte und ihn doch verwarf? fรผr das Volk Juda, das den Messias liebte, und doch so nicht lieben konnte? โJudasโ โ sein Name heiรt verdeutscht โDankโ. War dieser Kuร nicht der Jesus dargebrachte Dank des entzweiten Volkes des Jรผngers und doch zugleich die ewige Absage?14 Wer ist Judas, wer ist der Verrรคter? Sollten wir angesichts dieser Frage etwas anderes tun kรถnnen, als mit den Jรผngern sprechen: Herr, bin ichโs, bin ichโs?
โDa traten sie hinzu und legten die Hรคnde an Jesum und griffen ihn.โ โIch binโs, ich sollte bรผรen an Hรคnden und an Fรผรen, gebunden in der Hรถllโ. Die Geiรel und die Banden, und was Du ausgestanden, das hat verdienet meine Seelโ.โ15 Laรt uns noch das letzte Ende ansehen! Zu derselben Stunde, als Jesus Christus sein Erlรถsungsleiden am Kreuz in Golgatha vollbringt, ist Judas hingegangen und hat sich erhรคngt, hat sich in fruchtloser Reue selbst verdammt.16 Furchtbare Gemeinschaft!
Die Christenheit hat in Judas immer wieder das dunkle Geheimnis der gรถttlichen Verwerfung und ewigen Verdammung gesehen. Sie hat mit Schrecken den Ernst und das Gericht Gottes an dem Verrรคter erkannt und bezeugt. Sie hat aber gerade darum nie mit Stolz und รberheblichkeit auf ihn gesehen, sondern sie hat in Zittern und Erkenntnis der eigenen รผbergroรen Sรผnde gesungen: O du armer Judas, was hast | du getan!17 So wollen auch wir heute nichts anderes sagen als dies: O du armer Judas, was hast du getan! und wollen Zuflucht nehmen zu dem, der um unserer aller Sรผnde willen am Kreuz gehangen und uns die Erlรถsung vollbracht hat, und wollen beten:
O hilf Christe, Gottes Sohn
Durch dein bitter Leiden
Daร wir dir stets untertan
Allโ Untugend meiden.
Deinen Tod und sein Ursachโ
Fruchtbarlich bedenken
Dafรผr, wiewohl arm und schwach,
Dir Dankopfer schenken.18 Amen.
e) Fรผnfter Kurs. Fertigstellung der โNachfolgeโ, Verbot des Seminars und Ende des Bruderhauses
18. Aprilโ11. September 1937
19. PREDIGT ZU PSALM 58. FINKENWALDE, 8. SONNTAG NACH TRINITATIS, 11. 7. 19371
Psalm 58. Predigt vom 11. 7. 37 in Finkenwalde
[Ein gรผlden Kleinod Davids, vorzusingen, daร er nicht umkรคme.
Seid ihr denn stumm, daร ihr nicht reden wollt, was recht ist, und richten nach Gebรผhr die Menschenkinder? Ihr alle urteilt Unrecht2 im Lande und gehet stracks durch, mit euren Hรคnden zu freveln. Die Gottlosen sind verkehret von Mutterschoร an; die Lรผgner irren von Mutterleib an. Ihr Wรผten ist gleichwie das Wรผten einer Schlange, wie eine taube Otter, die ihr Ohr zustopft, daร sie nicht hรถre die Stimme des Zauberers, des Beschwรถrers, der wohl beschwรถren kann.
Gott, zerbrich ihre Zรคhne in ihrem Maul; zerstoรe, Herr, das Gebiร der jungen Lรถwen! Sie werden zergehen wie Wasser, das dahinfleuรt. Sie zielen mit ihren Pfeilen; aber dieselben zerbrechen. Sie vergehen, wie eine Schnecke zerflieรt3; wie eine unzeitige Geburt eines Weibes sehen sie die Sonne nicht. Ehe eure Dornen reif werden am Dornstrauch, wird sie ein Zorn so frisch wegreiรen. Der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache siehet, und wird seine Fรผรe baden in des Gottlosen Blut, daร die Leute werden sagen: Der Gerechte wird ja seiner Frucht genieรen; es ist ja noch Gott Richter auf Erden.]
Ist dieser furchtbare Rachepsalm unser Gebet? Dรผrfen wir denn so beten? Darauf heiรt die Antwort zunรคchst ganz klar: Nein, wir, wir dรผrfen gewiร nicht so beten! Wir tragen ja an aller Feindschaft, die uns begegnet und uns in Not fรผhrt, selbst viel eigne Schuld. Wir mรผssen ja bekennen, daร es Gottes gerechte Strafe ist, die uns sรผndige Menschen trifft und demรผtigt. Auch in diesen Notzeiten der Kirche mรผssen wir doch erkennen, daร Gott selbst im Zorn seine Hand gegen uns erhoben hat, um an uns unsere Sรผnde heimzusuchen, all unsere geistliche Trรคgheit, unseren offenen oder stillen Ungehorsam, unsere tiefe Zuchtlosigkeit im tรคglichen Leben unter seinem Wort. Oder wollten wir leugnen, daร jede persรถnliche Sรผnde, auch die verborgenste, Gottes Zorn รผber seine Gemeinde herabziehen muร? Wie aber sollten denn wir, die wir selbst schuldig sind und Gottes Zorn verdienten, Gottes Rache รผber unsere Feinde herbeirufen, ohne daร diese Rache vielmehr uns selbst treffen mรผรte? Nein, wir, wir kรถnnen diesen Psalm nicht beten. Nicht weil wir zu gut dafรผr wรคren,4 (welch ein oberflรคchlicher Gedanke, welch ein unbegreiflicher Hochmut!), sondern weil wir zu sรผndig, zu bรถse dafรผr sind!
Nur wer selbst ganz ohne Schuld ist, kann so beten. Dieser Rachepsalm ist das Gebet des Unschuldigen. โEin gรผlden Kleinod Davids, vorzusingen, daร er nicht umkรคme.โ โ David ist es, der diesen Psalm betet. David selbst ist nicht unschuldig. Aber es hat Gott gefallen, sich in David den zu | bereiten, der Sohn Davids genannt werden wird, Jesus Christus.5 Darum darf David nicht umkommen, weil von ihm der Christus kommen soll. Niemals hรคtte David fรผr sich so beten kรถnnen gegen seine Feinde, um sein eignes Leben zu [er]halten. Wir wissen, daร David alle persรถnlichen Schmรคhungen demรผtig ertragen hat. Aber in David ist Christus, ist damit die Kirche Gottes. Darum sind seine Feinde die Feinde Jesu Christi und seiner heiligen Kirche. Darum darf David nicht umkommen vor seinen Feinden. So betet in David die Unschuld Christi selbst diesen Psalm mit und mit Christus die ganze heilige Kirche. Nein, nicht wir Sรผnder beten diesen Rachegesang, die Unschuld selbst und allein betet ihn. Die Unschuld Christi tritt vor die Welt und klagt an. Nicht wir klagen an, Christus klagt an. Und wenn Christus die Sรผnde verklagt, sind wir dann nicht selbst alsbald mitten unter den Angeklagten? โSeid ihr denn stumm, daร ihr nicht reden wollt, was recht ist und richten nach Gebรผhr die Menschenkinder?โ Eine bรถse Zeit, wenn die Welt stumm das Unrecht geschehen lรครt. Wenn die Bedrรผckung der Armen und Elenden laut zum Himmel schreit und die Richter und Herren der Erde schweigen dazu. Wenn die verfolgte Gemeinde in hรถchster Not Gott um Hilfe und die Menschen um Gerechtigkeit anruft, und kein Mund tut sich auf Erden auf, ihr Recht zu schaffen. โSeid ihr denn stumm, daร ihr nicht reden wollt was recht ist und richten nach Gebรผhr die Menschenkinder?โ Menschenkinder sind es, denen Unrecht geschieht. Muร denn das in solchen Zeiten immer vergessen sein? Hรถrt ihr es: Menschenkinder, die Geschรถpfe Gottes sind wie ihr, die Schmerz und Elend empfinden wie ihr, die ihr ihnen Gewalt tut; die ihr Glรผck und ihre Hoffnungen haben wie ihr; die ihre Ehre und ihre Schmach fรผhlen, wie ihr; Menschenkinder, die Sรผnder sind wie ihr und die Gottes Barmherzigkeit brauchen wie ihr; eure Brรผder! โSeid ihr denn stumm?โ O nein, sie sind nicht stumm, man hรถrt ihre | Stimme auf Erden wohl. Aber es ist ein unbarmherziges, ein parteiisches Wort, das sie sprechen. Es richtet nicht nach dem Recht, sondern nach dem Ansehen der Person.
โNein, ihr alle entscheidet ungerecht auf Erden, und eure Hรคnde schaffen der Gewalt freie Bahn.โ6 Wenn der Mund der Herren der Welt zum Unrecht schweigt, dann richten alsbald die Hรคnde bรถse Gewalttat an. Furchtbar ist diese Sprache der Menschenhรคnde wo kein Recht ist. Da entsteht die Not und der Schmerz des Leibes, da sehnt sich die verfolgte, gefangene, geschlagene Gemeinde nach Erlรถsung von diesem Leibe.7 Laรt mich in Gottes Hรคnde fallen, aber nicht in der Menschen Hรคnde!8 Hรถren wir es noch? Christus spricht hier! Er erfuhr das ungerechte Gericht, er fiel in der Menschen Hรคnde. Die Unschuld verklagt die ungerechte Welt. Uns Sรผndern aber widerfรคhrt nur der gerechte Zorn Gottes.
Aber es kann ja nicht anders sein. Es ist ja nicht so, daร es hier um einzelne Verfehlungen geht, die รผberall vorkommen. Nein, hier enthรผllt sich das Geheimnis der Gottlosigkeit selbst9: โDie Gottlosen sind verkehrt von Mutterschoร an, die Lรผgner irren von Mutterleib an.โ In diese Tiefe des Bรถsen sieht nur die vollkommene Unschuld. Wir mรถchten allzugern glauben, es sei hier doch noch etwas zu รคndern, zu bessern, und zahllose Wege versuchen wir, um hier oder dort etwas zu erreichen. Das bringt uns in groรe Unruhe und immer neue Bestรผrzung und Empรถrung, wenn immer wieder schweres Unrecht geschieht. Die Unschuld allein weiร, daร hier alles so gehen muร, wie es geht. Sie weiร um das dunkle Rรคtsel, daร der Satan schon im Mutterschoร die Seinen ergriffen hat und nun rasend antreibt. Nun mรผssen sie sein Werk tun. Welt bleibt Welt, Satan bleibt Satan. In diesem Abgrunde der Erkenntnis gewinnt die Unschuld zugleich die vollkommene Ruhe. Es muร so sein und es wird nicht anders.
โIhr Wรผten ist wie das Wรผten einer Schlange, wie eine taube | Otter, die ihr Ohr zustopft, daร sie nicht hรถre die Stimme des Zauberers, des Beschwรถrers, der wohl beschwรถren kann.โ Im Orient kennt man die Zauberer, die Schlangen mit ihrer Stimme bรคndigen, daร sie gehorchen mรผssen. Eine taube Schlange aber hรถrt diese Stimme nicht und fรคhrt auf den Zauberer los. Wie solche tauben Schlangen sind die Gottlosen, die die Stimme des Beschwรถrers, der wohl beschwรถren kann, nicht hรถren kรถnnen. Gott selbst ist der Beschwรถrer, der wohl beschwรถren kann, sein Wort der Gnade ist es, mit dem er unser Herz bezaubert und beschwรถrt. Mit den sรผรen Worten seiner Liebe lockt er uns, รผberredet er uns,10 bezwingt er unser Herz, daร wir wie gebannt auf ihn hรถren und ihm gehorsam sein mรผssen. Es bleibt aber das groรe Rรคtsel, daร es solche gibt, die hรถren, und solche, die taube Ohren haben und ihre Ohren zustopfen, daร sie nicht hรถren kรถnnen. Wir wissen es ja von uns selbst, daร es Zeiten gibt, in denen unsere Ohren taub sind. Es sind die Zeiten, in denen wir in wissentlichem Ungehorsam unser Herz gegen Gottes Willen verstocken und Sรผnde auf Sรผnde hรคufen, bis wir schlieรlich garnicht mehr hรถren kรถnnen.11 Dann ist Satan unser mรคchtig geworden. So verhรคrtet Satan das Herz derer, die ihm dienen mรผssen im Kampf gegen Gottes Reich und Wort. Sie kรถnnen nicht mehr hรถren, nicht mehr gehorchen. Weil aber ihr Ohr taub ist gegen die Gnade Gottes, darum ist auch ihr Mund stumm fรผr das Recht Gottes. Das sind die Feinde Gottes und seiner Gemeinde, wie sie David, wie sie Christus, wie sie die Kirche Gottes erkennt.
Diese Erkenntnis fรผhrt ins Gebet. Wenn dies der Feind ist, dann helfen keine menschlichen Kรผnste mehr dazu zum Frieden zu kommen. Dann hilft keine menschliche Kraft mehr, diese Feinde zu รผberwinden. Gottes Name muร angerufen werden. Und nun beginnen in unserem Psalm jene furchtbaren Gebetswรผnsche, vor denen uns graut, die wir nur mit Zittern und tiefem inneren Widerstand nachspre- | chen, wenn wir sie lesen. Gott wird angerufen zur Rache รผber die Feinde. โGott, zerbrich ihre Zรคhne in ihrem Maul; zerstoรe, Herr, das Gebiร der jungen Lรถwen.โ Vor allem wollen wir hier dies lernen: im Angesicht der Feinde Gottes und seiner Kirche kรถnnen wir nur beten. Unser eigner Mut โ und sei er noch so groร โ all unsere Tapferkeit muร vor diesem Feinde zerbrechen. Wir haben es mit dem Angriff des Satans zu tun. Da muร die Sache in die Hand nehmen, der allein Gewalt hat รผber den Satan, Gott selbst. Es wรคre viel, wenn wir dies lernten, daร wir ernstlich zu Gott beten mรผssen in solcher Not. Und dann das andere: Wer Gott die Rache befiehlt, der verzichtet damit auf jede eigne Rache. Wer sich selbst rรคchen will der ahnt noch nicht, mit wem er es zu tun hat, der will seine Sache noch selbst in die Hand nehmen. Wer aber Gott allein die Rache anheim gibt, der ist bereit geworden selbst zu leiden und zu dulden, ohne Rache, ohne einen Gedanken an eigne Rache, ohne Haร und ohne Widerspruch, der ist sanftmรผtig, friedfertig, der liebt seine Feinde. Ihm ist Gottes Sache wichtiger geworden als seine Leiden. Er weiร, Gott wird den Sieg behalten. โMein ist die Rache spricht der Herr, ich will vergeltenโ12 โ und er wird vergelten! Aber wir sind frei von Rache und Vergeltung. Nur wer ganz frei ist von eignen Rachewรผnschen und von Haร, und wer ganz gewiร nicht sein Gebet wieder dazu benutzt, um eigne Rachegelรผste zu befriedigen, der kann in der Reinheit des Herzens beten: โGott, zerbrich ihre Zรคhne in ihrem Maul, zerstoรe, Herr, das Gebiร der jungen Lรถwen.โ Das heiรt ja, Gott deine Sache allein ist es, die hier Schaden leiden soll. Deine Ehre wird geschรคndet. Gott nun tritt du herein und vernichte deinen Feind, รผbe deine Gewalt, laร deinen gerechten Zorn entbrennen. Gott lรครt sich nicht spotten.13 Er wird furchtbar Gericht halten รผber seine Feinde. Und ob wir erschrecken vor dem grauenhaften Wunsche des Psalms, Gottes Gewalt wird noch viel | grauenhafter sein fรผr den, den sie trifft. Und ob wir erschrecken vor Menschenfรคusten, wie viel mehr mรผssen wir erschrecken vor Gottes Fรคusten, die den Gottlosen zerschlagen um seines Reiches, seines Namens, seiner Ehre willen. Der Herr der Welt richtet sein Reich auf. Sein ist die Rache รผber seine Feinde.
Nun bricht David in einen unermeรlichen Jubel aus. Ganz gewiร ist er der Erhรถrung des Gebets. In sich รผberstรผrzenden Bildern sieht er schon jetzt mitten in Kampf und Not und Leiden den Untergang der Gottlosen. โSie werden vergehen, wie Wasser das dahin flieรtโ โ schnell und plรถtzlich wird [es] ein Ende mit ihnen nehmen. Wie sich Wasser schnell verlรคuft, so werden sie nicht mehr da sein. โSie zielen mit ihren Pfeilen, aber dieselben zerbrechenโ โ noch schwirren die todbringenden Pfeile, aber sie kรถnnen keinen Schaden mehr tun, sie sind machtlos. โSie vergehen wie eine Schnecke zerflieรtโ โ so voll Verachtung spricht David nun von seinen Feinden. Wie man eine Schnecke zertritt, so wird es sein, wenn Gott die Gewaltigen und Groรen dieser Erde zertreten wird. โWie eine unzeitige Geburt eines Weibes sehen sie die Sonne nichtโ โ so schnell wird es mit ihnen aus sein, so werden sie im Dunkeln und in der Vergessenheit bleiben, und keiner wird nach ihnen fragen. โEhe eure Dornen reif werden am Dornstrauch, wird sie eine Zornesglut wegreiรenโ โ Gottes Zorn wird die Plรคne seiner Feinde nicht zur Reife kommen lassen. Vorzeitig werden die Gottlosen weggerissen mit Gewalt. Sie bringen nichts zu Ende [โ] das ist Gottes Rache. Schnell wird sie kommen, schneller als wir geahnt haben.
โDer Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht und wird seine Fรผรe baden in des Gottlosen Blut.โ Noch einmal schaudern wir zurรผck vor diesem Psalm. Ist dieses Ende nicht wirklich ganz unmรถglich fรผr uns als Christen zu beten? Liebe Gemeinde, wenn wir hier noch ausweichen, haben wir nichts von allem verstanden. Es geht ganz allein | um Gott und seine Gerechtigkeit. Der Gottlose muร sterben, damit Gottes Gerechtigkeit siege.14 Es geht hier nicht mehr um menschliche Freundschaft und menschliches Mitleid. Es geht allein darum, daร Gott den Sieg behรคlt. Wer vor dieser Freude รผber die Rache Gottes und รผber das Blut des Gottlosen zurรผckschreckt, der weiร noch nicht, was am Kreuze Christi geschah. Gottes gerechte Rache รผber den Gottlosen ist ja schon รผber uns gekommen. Das Blut des Gottlosen ist ja schon geflossen. Gottes Todesurteil รผber die gottlosen Menschen ist gesprochen. Gottes Gerechtigkeit ist erfรผllt. Das ist geschehen im Kreuze Jesu Christi. Jesus Christus starb von Gottes Zorn und Rache getroffen den Tod des Gottlosen. Sein Blut ist das Blut, das Gottes Gerechtigkeit forderte fรผr die รbertretung seiner Gebote. Gottes Rache ist vollstreckt, furchtbarer als es selbst der Psalm weiร, mitten auf der Erde. Christus, der Unschuldige, starb den Tod des Gottlosen, damit wir [ihn] nicht sterben mรผssen. Nun stehen wir als die Gottlosen unter seinem Kreuze und nun lรถst sich ein schwer begreifliches Rรคtsel: Jesus Christus, der Unschuldige betet in der Stunde[,] in der Gottes Rache an dem Gottlosen auf Erden, in der unser Psalm sich erfรผllt: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.15 Er der die Rache trug, er allein durfte um Vergebung fรผr die Gottlosen bitten; denn er allein hat uns frei gemacht von Gottes Zorn und Rache, er hat seinen Feinden die Vergebung gebracht und keiner vor ihm durfte so beten. Er allein darf es. Sehen wir ihn an, den Gekreuzigten, so erkennen wir Gottes wahrhaftigen und lebendigen Zorn รผber uns Gottlose und im selben Augenblick die Befreiung von diesem Zorn, und wir hรถren: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
โDer Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht und wird seine Fรผรe baden in des Gottlosen Blut.โ Ist das nicht wahrhaftige Gottesfreude? Ist das nicht Freude der | Gerechten, daร Gottes Gerechtigkeit triumphiert am Kreuze, Freude รผber den Sieg Christi? Gottes Rache ist erloschen und das Blut des Gottlosen, in dem wir uns baden, gibt uns teil am Siege Gottes, das Blut des Gottlosen ist unsere Erlรถsung geworden, es macht uns rein von aller Sรผnde.16 Das ist das Wunder.
So ersteht mitten aus dem Psalm der Rache das Bild des blutigen Heilands, der fรผr die Gottlosen starb von Gottes Rache geschlagen uns zum Heil. Keiner ist hier ausgeschlossen. Christus hat die ganze Rache Gottes fรผr alle getragen. Wer zu ihm kommt, wer sich zu ihm hรคlt, den wird Gottes Zorn und Rache nicht mehr treffen, der ist im Schutze der Gerechtigkeit Christi, wer er auch sei. Wer aber nicht kommen will, wer sich vor dem Kreuze Christi nicht niederwerfen will als Gottloser, wer dem Kreuze Christi trotzt, รผber den wird Gottes Zornesgericht kommen, Gottes Rache, wie sie รผber Christus gekommen ist, aber nicht zum Leben, sondern zum ewigen Tode.
โDie Leute werden sagen: Der Gerechte wird ja seine[r] Frucht noch genieรen.โ Nicht Glรผck oder Macht oder Ehre dieser Welt ist die Frucht des Gerechten. Sie ist nichts anderes als die Gemeinschaft des Kreuzes Jesu Christi, die Erlรถsung vom Zorne Gottes. โEs ist ja noch Gott Richter auf Erden.โ Wo ist Gottes Gericht รผber die Gottlosen auf Erden? Nicht in sichtbarem Unglรผck, Miรerfolg oder Schande vor dieser Welt, sondern allein im Kreuze Jesu Christi. Ist uns das nicht genug? Sehen wir nicht in diesem Kreuz alle Feinde Gottes schon gefallen und gerichtet? Was soll all unsere Unruhe, die noch mehr sehen will als dieses Gericht Gottes? Darum, wenn wir irre werden wollen an Gottes Gerechtigkeit auf Erden, so laรt uns auf das Kreuz Christi sehen: hier ist Gericht, hier ist Begnadigung.
Was wir aber einst sehen sollen am jรผngsten Tage, die Errettung der Gerechten und die Verdammnis der Gottlosen, | das verdeckt uns heute noch der Gekreuzigte in seiner Liebe. Wir kรถnnten es auf dieser Erde nicht ertragen. Aber wir dรผrfen gewiร sein, daร alles zur Freude der Gerechten dienen wird. Es ist ja der Sieg und der Triumph Christi der dort offenbar wird in Errettung und Gericht. Bis zu jenem Tage aber wird der Satan weiter die Feinde gegen Christus und seine Gemeinde antreiben, mit Unrecht, Gewalttat und Lรผge. Mitten in diesem Toben betet Christus diesen Psalm stellvertretend fรผr uns. Er klagt die Gottlosen an, er ruft Gottes Rache und Gerechtigkeit รผber sie herbei und er gibt sich selbst allen Gottlosen zugute mit seinem unschuldigen Leiden am Kreuze.
Und nun beten wir diesen Psalm mit, in demรผtigem Dank, daร uns Errettung geschenkt ist vom Zorn durch das Kreuz Christi; in der inbrรผnstigen Bitte, Gott wolle alle unsere Feinde unter das Kreuz Christi bringen und ihnen Gnade schenken, in brennendem Verlangen, der Tag mรถchte bald kommen, an dem Christus sichtbar รผber alle seine Feinde triumphiert und sein Reich aufrichtet. So haben wir diesen Psalm beten gelernt. Amen.
1 Im 17. Finkenwalder Rundbrief 3. 3. 1937 stand, zu Bโs Geburtstag am 4. 2. sei an ihn der Wunsch gerichtet worden: โDie โNachfolgeโ mรถchte doch noch vor unserer Emeritierung erscheinenโ; dazu konnte Bethge โaber trรถstlich berichten, daร der Teil โBergpredigtโ fertig ist und damit nicht mehr viel an der Vollendung fehltโ; im 18. Finkenwalder Rundbrief 17. 4. 1937: โIn den Ferien hat, wie ich berichten kann, Bruder Bonhoeffer ein groรes Stรผck seiner Arbeit vorwรคrtsgebracht, was zu kรผhnsten Hoffnungen auf Fertigstellung Anlaร gibt.โ Fรผr den fรผnften Kurs erarbeitete Texte dienten B zur Ergรคnzung des DruckโMs, auch ein Teil der NTโVorlesung. Deren Thema โGemeindeaufbau und Gemeindezuchtโ ist im 19. Finkenwalder Rundbrief 15. 5. 1937 genannt. Siehe NL A 48,2 (17.โ19.). Vgl. II/29.1 (Sรคtze รผber Schlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament). Gang der Vorlesung s. Anhang III S. 1063.
2 NL B 9,4: Mitschrift unter der Vorlesungsbezeichnung โNeues Testamentโ von Otto Dudzus 1937 Seite 7โ10 (= OD); dazu aus dem zweiten Kurs NL B 18: Mitschrift von Eberhard Bethge am 9. 12. 1935 Seite 20โ23 (= EB), vgl. II/8.4 S. 447 f Anm. 124. Anfang des Abschnitts โ3.) Verkรผndigung und Bekenntnisโ in der Mitschrift EB.
3 1935/36 EB: โ(auรer in Athen) โฆ (Athen: Schule, Markt und Gerichtsplatz)โ.
NT Neues Testament
4 Vgl. die frรผhere Formulierung 1935/36 EB: โDie christliche Gemeinde will in jeder Beziehung der legitime Erbe des Volkes Gottes sein: darum Raum der Synagoge gehรถrt uns.โ
5 Dt.: โnach der Gewohnheitโ, s. Act 17,2.
6 Siehe Act 19,9.
7 Act 18,6; 18,8: Krispus.
8 1935/36 EB in Punkt โc.)โ รผber die โgottesdienstlichen Formenโ: โAkt 13,15. Im Rahmen des jรผdischen Gottesdienstes. Schriftlesung, Predigt und Gebet.โ
9 1935/36 EB in Punkt โd.)โ zum โLohnโ der Verkรผndiger des Evangeliums: โKeine Gehaltsordnung.โ
10 Mt 10,8.
11 Lk 10,7; vgl. DBW 4 (N), 199โ201 in Bโs Auslegung der Aussendungsrede nach Mt 10.
12 1935/36 EB: โDer Lohn ist die tรคgliche Nahrung, aber nicht die Sicherung fรผr den nรคchsten Tagโ.
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
13 Siehe II Kor 11,7.13โ15; Tit 1,11; I Petr 5,2.
14 Vgl. Phil 4,10.15โ18.
15 Vgl. S. Kierkegaard, Augenblick Nr. 1 (24. 5. 1855), in Wilhelm Kรผtemeyers Kierkegaardbuch โDer Einzelne und die Kircheโ (von B fรผr sein Buch โNachfolgeโ benutzt) 226 und 227 f: โโฆ es gibt im Lande eine Million Menschen, ergo eine Million Christen โ und [man] stellt dann 1000 Beamte an damit sie davon leben. โฆ Die Art Geistliche, wie wir sie haben, stehen sich wahrlich am besten wenn sie sich nicht aufspielen und als Wahrheitszeugen zu gelten versuchen; denn wenn sie es sind, nun ja, dann ist das schwierige Problem unendlich leicht gelรถst: man ziehe ohne weiteres ihre ganze Gage ein und spare jede Pension โ in so etwas mรผssen sich ja Wahrheitszeugen zu finden wissenโ. Vgl. 1935/36 EB: โPaulus arbeitet eigenhรคndig, 2. Kor 11 Vers 7 um seine Sendung deutlich von der der falschen Apostel abzugrenzen. Um der Glaubwรผrdigkeit seines Auftrags willen. Glaubwรผrdigkeit begrรผndet Verzicht.โ Bei EB schlieรt an: โe.) Der Dienst des Verkรผndigers ist ein geordneter Dienst Akt 6,4. Wir aber wollen halten am Wort und Gebet. Zur Wortverkรผndigung gehรถrt Schriftstudium. Akt 18,25 die Verkรผndigung geschieht durch einen, der โbrรผnstig im Geistโ ist. Akt 6,4 ฯฯฮฟฯฮตฯ ฯฮฎ [โGebetโ] bezeichnet nicht wohl Gemeindegebet oder so, sondern lรคngere Gebetszeit, Dienst an der Gemeinde, der nicht von jedem getan werden kann. Die sich absondern zu lรคngeren Gebetszeiten 1. Kor 7,5 Akt 9,12 [Vers 11: โer betetโ] 21,26. Besonderer Dienst an der Gemeinde. Weil die Gemeinde Krรคfte empfรคngt Jak 5,16, die es ohne Gebet nicht gibt Mk 9,25 [Vers 29]. Wortverkรผndigung und Gebet gehรถren nach NT also wohl inniger zusammen als Wortverkรผndigung und Diakonie. Der Verkรผndiger muร mehr beten als andere. Er darf sich ebensowenig Zeit und Raum zum Gebet wehren lassen, wie er sich Raum und Zeit zur Verkรผndigung wehren lassen darf. Das ist Gottes Ordnung รผber den Verkรผndiger.โ
16 Joh 19,34. Siehe DBW 4 (N), 230.
17 Vgl. 1935/36 EB: โf.) Zur Verkรผndigung gehรถren auch die Sakramente. Ob durch den Verkรผndiger allein verwaltet, nicht klar. Nicht notwendig an den Verkรผndiger geknรผpft. Aber es gehรถrt zum Sakramentsdienst jeweils die Verkรผndigung des Todes Christi 1 Kor 1,10[โ17] Rรถ 6,3 Kol 2,20 [Vers 12: Taufe; vgl. 3,3] 1. Kor 11,26. Und zwar Tod verkรผndigt als die Gnadengabe an seine Gemeinde. Die Bedeutung der Taufe wird nicht etwa abgewertet. 1. Kor 1,13 Christus und Taufe zusammengewertet, nicht Abwertung gegeneinander, sondern nur Ausrichtung wohl getrennt. Wort gehรถrt allen Menschen; Sakramente gehรถren nur den Glรคubigen, der Gemeinde!โ Vgl. DBW 4 (N), 244 f.
18 1935/36 EB: โDurch die Taufe wird die Gemeinde einer, hineingezogen in die Gemeinde. Einer in Christo 1 Kor 12,13 Eph 4,15 [4,4 f โGeistโ, โTaufeโ]. Die Zusammengehรถrigkeit von Taufe und Geist bezeugt, daร die Taufe nicht opus operatum [Werk, das durch bloรen Vollzug wirksam ist]. Dennoch reine passio [โErleidenโ]. Sofern sie Teilhabe am Leib Christi ist. Mitsterben und Mitleben aus der Kraft des Leibes Christi. Taufe Geist Leib Einheit, gehรถren hier wesentlich zusammen. Aus Taufe auch Einheit der Gemeinde gefolgert 1. Kor 1 [vgl. Vers 13]. Durch die Taufe der Leib Christi umgrenzt. Welche Rechte verleiht die Taufe? Verleiht die volle Teilnahme am Leben des Leibes Christi. Am Raum, den der Leib in der Welt einnimmt. Durch die Einheit in Christus die Unterschiede zwar nicht verloschen, aber gleichgรผltig und uninteressant. Gefragt nicht nach Rasse, sondern nach der Taufe. Hineintaufen in diesen Leib Christi.โ Vgl. DBW 4 (N), 250.
V. Vers
V. Vers
19 Dt.: โim Fleischโ und โim Herrnโ.
20 Zur ApUโBekenntnissynode in BerlinโSteglitz 23.โ26. 9. 1935 s. DB 555โ559. 1935/36 EB hat zum Philemonbrief nur: โPhilemonbrief Vers 16! Die Einheit der Gemeinde in vollem Umfang. Unbedingte Teilnahme am ganzen Leben des Leibes Christi.โ Im fรผnften Kurs trug B, mitgeschrieben OD 1937 Seite 21 f, die im Buch โNachfolgeโ gedruckte PhilemonโAuslegung vor, s. DBW 4 (N), 251 f.
21 1935/36 EB Stellenangabe zu โHerstellung der ฮบฮฟฮนฮฝฯฮฝฮฏฮฑ [โGemeinschaftโ]โ: โ1. Kor 10,16 ffโ (s. Vers 16 f). Vgl. DBW 4 (N), 230 und 244.
22 M. Luther, Sermon von dem hochwรผrdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams Christi und von den Bruderschaften. 1519 (WA 2, 738โ758). Dieser Sermon war B schon beim Schreiben seiner Dissertation wichtig, s. DBW 1 (SC), 117 Anm. 41).
23 1935/36 EB: โIn der Abendmahlsgemeinschaft ist die vollkommene Gemeinschaft hergestellt, wo der eine dem anderen bedingungslos gehรถrt, darum Eph 5[,22โ32] das Ehebild fรผr diese Gemeinschaft gebraucht.โ
24 1935/36 EB: โIneinander von Gemeinde und Christus ausgedrรผckt, dennoch keine Verschmelzung.โ Vgl. DBW 4 (N), 234. In Eberhard Bethges Mitschrift am 9. 12. 1935 folgt noch ein Absatz, vgl. II/8.4 S. 448 Anm. 124. Den Teil โIII. Der Raum der รmter und der Gabenโ schrieb er 1935/36 nicht mehr mit.
25 NL B 9,4: Mitschrift von Otto Dudzus Seite 10โ17 (= OD). Vgl. II/8.6 S. 452โ460 Bโs VorlesungsโMs NL A 57,3 (2) und Friedrich Trentepohls Mitschrift 1935/36 Seite 15โ22.
etc. et cetera (โund die รผbrigenโ), und so weiter
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
26 Dt.: โDienstโ. โDienerโ.
27 Lรผcke bei OD; s. II/8.6 S. 454: Eph 1,10; 3,2.9. Dt.: โHausverwaltungโ oder โHaushalterschaftโ.
28 Dt.: โBischofโ, โรltesterโ.
f folgende Seite bzw. folgender Vers
29 Vgl. II/8.6 S. 454: Der Zusatz in Bโs Ms zur Einsetzung der ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน wird erst nach dem zweiten Kurs 1935/36 entstanden sein. Vgl. DBW 4 (N), 245 f.
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
30 Dt.: โGnadengabenโ und โGeistโ.
31 Dt.: โHerrโ.
V. Vers
V. Vers
32 Dt.: โรffentlichwerdenโ.
V. Vers
V. Vers
V. Vers
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
33 Dt.: โWort des Wissensโ.
NT Neues Testament
34 I Kor 8,1.
35 I Kor 12,8.
36 Dt.: โWeisheitโ.
37 Dt.: โGlaubeโ.
38 Vgl. M. Luther, Auslegung deutsch des Vaterunsers fรผr die einfรคltigen Laien. 1519 (WA 2, 126โ128 โVon dem wortlein Amenโ; 127: โdeyner warheit gewiszheyt macht mich, das ichs festlich glewbโ).
39 Dt.: โGaben des Heilensโ.
40 Dt.: โProphetieโ. Keine Aufzeichnungen dazu an dieser Stelle; vgl. II/8.6 S. 456 in Bโs Ms: โ(siehe unten)โ.
41 Dt.: โUnterscheidung der Geisterโ.
42 Noch nicht so entschieden argumentierte B im zweiten Kurs, s. II/8.6 S. 457 f Anm. 195 1935/36 FTr (โOb eine Christuserscheinung Voraussetzung fรผrs Apostelamt ist, lassen wir dahingestellt seinโ). Vgl. DBW 4 (N), 243: Die Apostel โhaben den Menschgewordenen, Gekreuzigten und Auferstandenen gesehenโ โ eine Zufรผgung gegenรผber Bโs Ms fรผr die Vorlesung am 18. 11. 1935, s. II/8.1 S. 432.
43 Vgl. Mt 10 und 28,18โ20.
44 Dt.: โApostelโ, vom Verb แผฯฮฟฯฯฮญฮปฮปฮตฮนฮฝ, โsendenโ.
45 I Kor 15,6 f โNestleโ: Der Auferstandene ist gesehen worden โvon mehr denn fรผnfhundert Brรผdern โฆ darnach von allen Apostelnโ.
f folgende Seite bzw. folgender Vers
46 Vgl. Act 1,21 f.
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
47 I Kor 9,1: โHabe ich [Paulus] nicht unsern Herrn Jesus Christus gesehen?โ
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
48 Act 8,17; Joh 20,22.
49 Vgl. Mt 10,1 und Lk 10,1; Lk 10,16 (vgl. Mt 10,40).
50 Act 11,28.
= Zeichen fรผr Gleichsetzung
51 Dt.: โProphetenโ.
52 Dt.: โLehrerโ.
53 Siehe I Kor 12,28; Rรถm 12,8.
NT Neues Testament
54 Dt.: โLeiterโ.
usw. und so weiter
55 Die Pluralform (โฮฟฮน) ist bei OD unterstrichen.
56 I Tim 3,1โ13.
57 Vgl. I Tim 3,2.
58 I Tim 3,11 โNestleโ Lutherโdt. โDesgleichen ihre Weiberโ (โihreโ hat keine Entsprechung im griech. Text) klingt, als handele es sich um Ehefrauen der Diakone.
59 Vgl. Num 11,16.
60 Siehe Act 20,17 (so in Bโs Ms).
61 Dt.: โVorsteherโ.
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
NT Neues Testament
62 Dt.: โWitwenโ.
NT Neues Testament
NT Neues Testament
NT Neues Testament
63 Hiernach folgt bei OD Seite 17โ20 โVersiegelung und Heiligungโ; s. im vierten Kurs II/22.1 S. 725โ728 1936/37 EK.
1 DB 643: B lud โgleich nach Pfingsten 1937 einige entschlossene Pfarrer aus Pommern, der Provinz Sachsen und Brandenburg zu einer Beratung รผber Recht und Mรถglichkeiten der Kirchenzucht nach Finkenwalde einโ, s. I/140 (Brief 18. 4. 1937 an Martin Strege und Arbeitsplan 19.โ23. 5. 1937). Auf dieser Pfarrerfreizeit referierte B im Beisein der Kandidaten des fรผnften Kurses รผber Schlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament. Bei der Freizeit in Stecklenberg im Harz 24.โ27. 8. 1937 (vgl. I/146 Brief Bโs an Zippel) behandelte B โSchlรผsselgewalt und Gemeindezuchtโ nicht nur im NT, sondern auch bei den Reformatoren.
2 NL A 57,5: masch. Hektographie; Abdruck: GS III 369โ381. Vgl. DBW 4 (N), 287โ292: Wiedergabe (im Erstdruck des Buches โNachfolgeโ 1937 nahezu zeichengetreu einschlieรlich versehentlicher Interpunktion) der โSรคtzeโ 8 und 9. Dazu NL B 26: stenographische Mitschrift in masch. Transkription der Aussprache in Finkenwalde Mai 1937 von Heinz Krรผger (= HKr); NL A 47,6 (5): stenographische Mitschrift in masch. Transkription des Vortrags in Stecklenberg im Harz (Thema dort erweitert: โSchlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament und bei den Reformatorenโ) am 24. 8. 1937 von Hulda Trebesius Seite 1โ3 (= HT).
3 Nach Mt 16,19 โNestleโ Lutherโdt. will Jesus Petrus โdes Himmelreichs Schlรผssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lรถsen wirst, soll auch im Himmel los seinโ.
4 HT: โnicht mehr Rettung aus der Verdammnis, sondern Anwendung eines allgemeinen Satzes: Dieu pardonnera, cโest son metierโ (โGott wird verzeihen, das ist sein Berufโ); diesen (Heinrich Heine zugeschriebenen) Ausspruch hatte B auch in der homiletischen รbung zu Rรถm 6,1โ11 im ersten Kurs zitiert, s. II/3.9 S. 348 (Mitschrift Bethge 1935).
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bzw. beziehungsweise
5 Vgl. lat. absolvere = loslรถsen, retenire = zurรผckoder behalten.
6 HT: โSchon in der Reformationszeit macht sich Miรbrauch geltend: man predigt Gesetz hรถchstens noch als allgemeine Sรผndenpredigt. Die Kirchenordnungen fordern demgegenรผber konkrete Buรpredigt.โ
7 HT: โDer Unterschied zur Predigt: In der Beichte geschieht der Zuspruch nicht nur pronuntiative [als Aussage] sondern effektiv (exhibitive). โฆ Nicht: die Vergebung hรคngt an meinem Glauben (Predigt) sondern: mein Glaube hรคngt an der Vergebung meiner Sรผnden (Beichte). Darum darf die exhibitive Absolutionsformel nicht รผber den ganzen Haufen ausgesprochen werden.โ
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
8 Vgl. I/140.2 S. 285 in der Tagungsplanung: โBezugnahme auf Bugenhagens Kirchenordnung ist erwรผnscht (erhรคltlich in H. Lietzmann: Kleine Texte).โ Die von Hans Lietzmann hg. Reihe โKleine Texte fรผr theologische Vorlesungen und รbungenโ enthรคlt Bugenhagens Braunschweiger Kirchenordnung von 1528, die auch fรผr seine spรคteren Kirchenordnungen, u. a. die fรผr Pommern von 1535, grundlegend wurde. Ein Exemplar โPommersche KirchenโOrdnung und Agenda โฆโ, das in der Finkenwalder Seminarbibliothek stand, weist Striche und Notizen bes. zu Kirchenzucht und Beichte auf; an der Stelle โDerowegen soll โฆโ (Agenda, 132) ist neben dem unterstrichenen Text โdie Absolution โฆ absetzenโ ein groรes Ausrufungszeichen. Vgl. E. Sehling, Die evangelischen Kirchenordnungen IV, 446 (in โAgenda. 1569โ): โDerwegen schal mit ernste vorbaden sin, dat de parrherren dat volk nicht bi hupen, in gemene absolveren โฆ unde so jemand ut giricheit, gunst der lรผde edder ut vuelheit, dat he der arbeit vorhaven si, de absolution int ungewisse aver dat volk buwen hen spreckt, den schal de superintendens, wenn he vormanet is, unde nicht afflet, alse einen untruwen meedtlink vam predigamte affsetten.โ A. a. O., 325 in der Einleitung fรผr โDas Herzogthum Pommernโ zu dieser Agende: โEin besonderes Gewicht legte die pommersche Geistlichkeit nach Bugenhagenโs Vorgange (s. Kirchenordnung von 1535 [a. a. O., 330 โVan der bichtโ]) auf die Beichte.โ In der Agende handele es sich um โeine catechetische Fortentwickelung der Lehre von der Schlรผsselgewaltโ. HT im Anschluร: โHier liegt auch der Unterschied zwischen lutherischer und reformierter Auffassung der Schlรผsselgewalt: reformiert: Schlรผsselgewalt = Verkรผndigung des Evangeliums (รถffentlich) und christliche Buรzucht; lutherisch: hier kommt noch die effektive Wirkung der Absolution in der Privatbeichte hinzu, die fรคllt in der reformierten Kirche aus. Beichten ist hier: Sich Rat holen (Heidelberger Katechismus Frage 83 f)โ.
9 Hierzu s. DBW 4 (N), 180.
10 Dieser Satz wurde in der Finkenwalder Aussprache angefochten (HKr: โdie Kirche maรe sich zuviel anโ). Siehe II/29.2 S. 844: These โ2)โ enthรคlt Bโs Entgegnung.
11 HT: โWir fragen im Blick auf unsere bisherige Taufpraxis: Vollzieht sich jetzt schon jener Fluch an uns?โ
12 HT: โdie da drauรen (Missionsgemeinde)โ.
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13 HT: โKirchenzucht gibt es nur innerhalb der Gemeinde.โ
14 HT: โ(Deutsche Messe 1526 schlรคgt vor, fรผr die, die mit Ernst Christen sein wollen, den Bann = Gemeindezucht wieder einzufรผhren.) Luther wollte โ nein durfte, wie er sagt, noch nicht mit der Bildung solcher Gemeinde anfangen. Wird etwas von dem heute in den bekennenden Gemeinden wahr? โ Der Unterschied zur Missionssituation im Neuen Testament liegt ja darin, daร der โgrobe Haufeโ doch die Gemeinde der Getauften ist. Wo setzt Gemeindezucht ein? In den bekennenden Gemeinden. (1529 Entwurf der hessischen Kirchenordnung. Luther stimmt in der Sache zu, lehnt in der Praxis ab: Das muร wachsen.)โ
15 HT: โDie Sakramentsgemeinde ist geschlossen, durchs Wort gewonnene und durchs Sakrament zum Leibe Christi gewordene Gemeindeโ.
16 Mit diesem 6. โSatzโ vgl. DBW 4 (N), 224โ226.
f folgende Seite bzw. folgender Vers
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
f folgende Seite bzw. folgender Vers
17 I Kor 12,12โ30; Rรถm 12,4โ21.
18 HT: โChristliche Buรzucht ist immer nur der Ausschluร aus der Gemeinschaft der Gemeinde, nicht aus der Gemeinde, aus der Kirche. Buรzucht kann sich immer nur in dem Rahmen innerhalb der Taufe vollziehen, innerhalb der Gemeinde.โ
usw. und so weiter
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19 HT: โDas heiรt aber, daร Kindertaufe nicht das Sakrament der Bildung einer Volkskirche ist, sondern nur innerhalb einer glaubenden Gemeinde (bekennenden Gemeinde) geรผbt werden kann. Notwendige Voraussetzung der Taufe ist also: Bereitwilligkeit und Fรคhigkeit der Kinder zum Katechumenat. Katechumenat beginnt mit dem Patenamt. Patenamt, Katechumenat entspringen notwendig aus dem neutestamentlichen Begriff der Taufe. (Kirchenordnung: Vater des Kindes soll die Taufe erbitten, die Paten sollen fromme Leute sein.)โ
20 Vgl. I Kor 11,28: โder prรผfe sich selbstโ (แผฮฑฯ ฯฯฮฝ). Hierzu und zu dem im vorigen Absatz zitierten Vers 29 s. DBW 4 (N), 287.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
etc. et cetera (โund die รผbrigenโ), und so weiter
21 HT: โWeil ich mir รผber die Kraft meiner Selbstprรผfung im Zweifel bleiben muร (Anfechtung!), kann an Stelle der Selbstprรผfung das Beichtverhรถr treten, um der Gewiรheit der Selbstprรผfung willen. (Dรผrftiger Rest dessen bei uns ist die Sitte der Anmeldung zum Abendmahl.) Die Reformationsgeschichte zeigt die Schwierigkeit, Glaubensverhรถr und Beichtverhรถr inโs rechte Verhรคltnis zu setzen. Aus dem Beichtverhรถr wurde Katechismusverhรถr: Sonnabends Katechismus abgefragt, darauf Absolution! Bekenntnisschriften C.A. 25: Keiner soll unverhรถrt zum Abendmahl zugelassen werden.โ
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
22 Der folgende Text bis zum Ende des 9. โSatzesโ ging ein in Bโs Buch โNachfolgeโ, vgl. DBW 4 (N), 287โ292 bis zum Ende der Anmerkung 20).
23 HT: โOrdinationsgelรผbde! Da liegt der praktische Beginn der Kirchenzucht.โ
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24 So (auch Vers โ26โ) im Druck der โNachfolgeโ 1937; s. II Tim 2,25 f, vgl. DBW 4 (N), 289. Im โNestleโ Lutherโdt. steht in Vers 25 kein โnichtโ (โโฆ Gott dermaleinst Buรe gebe โฆโ), und Vers 26 lautet: โund sie wieder nรผchtern wรผrden aus des Teufels Strick, von dem sie gefangen sind zu seinem Willenโ. Vermutlich sollte Bโs Zitat lauten: โโฆ und sich von ihm [dem Teufel] nicht einfangen lassen in seinen Willenโ.
25 Mt 18,15: โdeinen Bruderโ; auch DBW 4 (N), 289 steht โeinenโ.
f folgende Seite bzw. folgender Vers
d. h. das heiรt
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26 I Tim 5,19.
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27 II Kor 2,6โ10.
28 Dieses versehentlich gesetzte Semikolon wurde 1937 zeichengetreu im Buch โNachfolgeโ abgedruckt.
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
29 Vers 18 und 20.
30 Siehe Vers 11; โTit. 3,10โ auch im Druck der โNachfolgeโ 1937.
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d. h. das heiรt
d. h. das heiรt
31 Vgl. II Tim 2,20: Gefรครe โzu Unehrenโ; vgl. Rรถm 9,21โ23; Jer 18,6; Jes 45,9.
32 Der hier endende Absatz nicht im Buch โNachfolgeโ. Mit dem folgenden Absatz beginnt Bโs Anmerkung 19) DBW 4 (N), 291, an die sich Anm 20) โ in ihr ist der 9. โSatzโ abgedruckt โ anschlieรt.
33 Aus dem Griechischen als Fremdwort in die Kirchensprache รผbernommene Bezeichnung fรผr โAusstoรungโ, โVerbannungโ, โVerfluchungโ aus der kirchlichen Gemeinschaft.
34 Dt.: โBannโ.
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35 Dt.: โLehre ist Himmel, Leben ist Erdeโ. Von B hรคufig zitiertes Lutherwort aus der GalaterbriefโVorlesung 1531/35, hier in der Druckfassung WA 57, 13.
d. h. das heiรt
36 Otto Dudzus hat 1937 im Zusammenhang der NTโVorlesung (NL B 9,4 Seite 29: โDem Satan รผbergebenโ, แผฮฝฮฌฮธฮตฮผฮฑ, Lehrzucht) notiert: โ โNiemandem die Hรคnde zu frรผh auflegenโ. Timotheus da 40. Wir mit fast 20 Jahren auf Kanzel. Ungeheure Gefahr.โ
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
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37 Verse 13โ16.
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
38 Siehe I Kor 1,12 f.
f folgende Seite bzw. folgender Vers
vgl. vergleiche
z. B. zum Beispiel
39 Von โTreten Lehrverschiedenheiten โฆโ bis hierher nicht in der Anmerkung 20) DBW 4 (N), 292, jedoch รคhnlich a. a. O., 247.
f folgende Seite bzw. folgender Vers
f folgende Seite bzw. folgender Vers
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40 Vgl. auch Vers 9 (โder hat keinen Gottโ).
41 HT: โWer hat die Vollmacht, so etwas zu sagen oder zu tun? Es geht nicht darum, daร wir Vollmachten hรคtten, sondern daร hier ein Gebot Christi vorliegt. Wir haben diesen Befehl, die einzige Vollmacht ist der Auftrag und das Gebot Christi, gegen das wir sรผndigen, wenn wirโs in eigener Vollmacht verkรผrzen. Sind die Gemeinden reif? Die Frage nach der Reife ist die Frage nach der Not der Gemeinde. Der Gemeinde tut es not, dann ist sie reif.โ
42 Dt.: โSpaltungenโ.
43 Siehe Vers 22.
44 Mit diesem 10. โSatzโ vgl. DBW 4 (N), 245 f.
45 NL B 26: stenographische Mitschrift in masch. Transkription der Aussprache in Finkenwalde Mai 1937 von Heinz Krรผger (= HKr); in den Thesen (HKr Seite 1) sind Bโs Beitrรคge in der Aussprache unter den Pfarrern zusammengestellt.
46 Vgl. Vers 15โ20.
47 Nach HKr verwies Pfarrer Peter Bultmann auf Luther (1521 Bannbulle Papst Leos X. gegen Luther); daraufhin B: โEs muร gewagt werden!โ
48 Dt.: โdie eine heilige (Kirche)โ.
49 NL A 47,6 (5): stenographische Mitschrift in masch. Transkription der an den Vortrag anschlieรenden Aussprache in Stecklenberg im Harz am 24. 8. 1937 von Hulda Trebesius Seite 3 f (= HT).
50 Dt.: โTrรถstungโ.
51 Dt.: โdas sichtbare Wortโ.
52 Sc. Christus.
53 Dt.: โGesetzlosigkeitโ bzw. โGesetzlichkeitโ. Antinomismus und Nomismus sind Begriffe im Streit um die Geltung des Gesetzes im 16. Jahrhundert.
= Zeichen fรผr Gleichsetzung
54 Dt.: โ(unzulรคssige) Heilssicherheitโ โ im Gegensatz zur notwendigen โGewiรheit des Glaubensโ (certitudo).
55 Dt.: โDu bist gewiรโ (sc. des Glaubens).
56 Pfarrer Giersch war fรผr die Finkenwalder Freizeit Mai 1937 als Referent zum Thema โAufbau einer Bekennenden Gemeinde nach Barmen und Dahlemโ vorgesehen. Er scheint in Stecklenberg zum gleichen Thema gesprochen zu haben.
57 Vgl. I Petr 4,17.
58 Vgl. Phil 2,12.
= Zeichen fรผr Gleichsetzung
59 Vgl. Hebr 4,12.
60 Vgl. I Kor 9,16: โUnd wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!โ โ HT hat nicht protokolliert, was Johannes Hamel, ein Teilnehmer der Konferenz, berichtet (Brief an den Hg. Otto Dudzus 15. 12. 1988): โErinnerlich ist mir nur, daร Bonhoeffer รผber die Frage der erneuerten Taufzucht referierte โ Taufe nur gewรคhren an fromme Eltern, die sich zu Gottes Wort halten โ und den hรถchsten Zorn Schniewinds erregte: โNun wollen Sie die armen Menschen massenweise aus der Kirche herauswerfen, denen noch nie das Evangelium gepredigt worden ist! Denn in unseren Gegenden hat es nie eine Erweckung gegeben, alles kam jeweils von der Obrigkeitโ โ und Bonhoeffer schwieg.โ Mit Sicherheit nicht aus Mangel an Gegenargumenten!
1 NL A 53,2: masch. Hektographie (wahrscheinlich Abschrift durch Albrecht Schรถnherr von Bโs hsl. Ms [verschollen]); Abdruck: GS IV 391โ399 und PAM 11 16โ24. Die Predigt wurde am Sonntag Exaudi, 2. 6. 1935, in der Dorfkirche Zingst gehalten. Die Seminaristen hatten den Dorfpfarrer um รberlassung des Gottesdienstes gebeten. Am 2. 6. 1935 schrieb Gerhard Vibrans (vgl. Briefedition โSo ist es gewesenโ, 159) an seinen Vater: โHeute hat nun Bonhoeffer eine wunderbare Predigt gehalten, d.h. es war in Praxis ein rechter Bekenntnisgottesdienst oder noch besser: Bittgottesdienst. โฆ Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist nun kein guter Gottesdienstbesuch, wir stellten ein wesentliches Kontingent. Trotzdem war der Eindruck groร. โฆ die Leute (wir selbstverstรคndlich) haben alle zugehรถrt. Als die berรผhmten 19 hessischen Pfarrer usw. [Abkรผndigung der Namen verhafteter Pfarrer] kamen, kam eine Bewegung in die Kirche. Eine Frau vor mir schรผttelte ihren Kopf, anderer bemรคchtigte sich so eine Erregung, daร sie ihr Taschentuch hervorholten. โฆ Daร dann noch im Schluรgebet ausdrรผcklich fรผr Pfarrer im Konzentrationslager und im Gefรคngnis gebetet wurde, machte sichtlich einen tiefen Eindruck. Welche Gefรผhle mag der arme BDM [โBund der Mitteโ]-Pastor gehabt haben, der das alles miterlebte. Die Gemeinde kann ja doch nun fragen: Warum sagst Du uns nichts davon? Und die Gegenseite wird mobil machen und sagen: Wie konntest Du diesen Landesverrรคter auf deine Kanzel lassen?โ Vgl. I/3 das polizeiliche Vernehmungsprotokoll vom 6. 6. 1935.
2 Vgl. Act 17,23.
3 Am 30. 9. 1935 notierte Eberhard Bethge (NL 8/18 Seite 61) bei Bโs Bergpredigtauslegung zu Mt 7,7 (โsuchet, so werdet ihr findenโ): โAugustin: โDu wรผrdest mich nicht suchen, wenn du mich nicht schon gefunden hรคttest.โย โ Vgl. DBW 4 (N), 182.
4 EG.BP 216, EKG 287 (Martin Moller 1596) Strophe 1. Diese wie alle folgenden Liedstrophen wurden jeweils nach Kurzauslegung und Gebet von der Gemeinde gesungen.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
5 Vgl. I Kor 13,12.
6 Strophe 2 des geistlichen Liedes von Gustav Knak โLaรt mich gehn, laรt mich gehn, daร ich Jesum mรถge sehnโ EG.BP 581.
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7 Anklang an M. Luther, De captivitate Babylonica ecclesiae. 1520 (WA 6, 511,37 f): โHic homo est deus, hic deus est homo.โ (โDieser Mensch ist Gott, dieser Gott ist Mensch.โ) Siehe auch DBW 4 (N), 241.
8 EG.BP 196, EKG 249 (Georg Weiรel 1623) Strophe 1.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
9 EG.BP 108, EKG 217 (nach Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf 1725/1753) Strophe 1. Am 5. 8. 1936 im OlympiadeโVortrag erhob B gegen das Lied erhebliche theologische Bedenken, s. II/21 S. 718. Fรผr den Gemeindegottesdienst am 2. 6. 1935, dem ersten mit dem Seminar, wรคhlte B aus diesem Lied und geistlichen Volksliedern wie โLaรt mich gehnโ und โWie mit grimmgem Unverstandโ Strophen aus. Vgl. DB 508 und 506: โBonhoeffer wehrte der Verwechslung der Kanzel mit einem Kathederโ und vermittelte โeinen Instinkt fรผr den Sachverhalt des Gottesdienstesโ.
10 EG.BP 222, EKG 297 (Paul Gerhardt 1653) Strophe 1.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
11 EG.BP 320, EKG 320 (Johann Matthรคus Meyfart 1626) Strophe 1.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
12 Strophe 4 des geistlichen Liedes von Johannes Daniel Falk โWie mit grimmgem Unverstandโ EG.BP 558.
13 Vgl. Rรถm 8,28. An diesen Vers erinnerte B dann auch in der Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943 โNach zehn Jahrenโ DBW 8 (WEN 20: Gott braucht โMenschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassenโ).
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
14 EG.BP 251, EKG 232 (Paul Gerhardt 1653) Strophe 1.
15 EG.BP 161, EKG 140 (Nikolaus Selnecker 1572) Strophe 1.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
16 EG.BP 98, EKG 209 (Johann Heermann 1630) Strophe 1.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
17 Strophe 6 des Liedes โJesu, meine Freudeโ EG.BP 198, EKG 293 (Johann Franck 1653).
1 NL A 43,17: hsl., Fotokopie (Ms bei Elisabeth Bornkamm); Abdruck: GS V 561โ568 und PAM II 25โ32. Die Predigt wurde am 5. Sonntag nach Trinitatis, 21. 7. 1935, im Predigerseminar Finkenwalde gehalten. Im Ms steht der zusammenhรคngende SacharjaโText (LB) der Predigt nicht voran.
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
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2 Teile aus den Strophen 6 und 7 des Liedes โHรผter, wird die Nacht der Sรผnden nicht verschwinden?โ EG.BP 180, EKG 266 (Christian Friedrich Richter 1704). Vgl. II Kor 3,13โ16 zu Ex 34,33.35 (โDeckeโ).
3 Ersetzt wohl: โSรผndeโ.
4 Vgl. Luthers รbertragung des griech. Wortes โEvangeliumโ in der Vorrede auf das Neue Testament. 1522 (WA.DB 6, 2,23 f).
5 Ersetzt: โausgekรคmpftโ.
6 Vgl. Apk 2,7 u. รถ. (โWer Ohren hat, der hรถreโ).
7 Vgl. Esra 2,2 u. รถ. (Jesua), dazu Bโs Bibelarbeit รผber den Wiederaufbau Jerusalems 21. 4. 1936 III/13 S. 935.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
8 Vgl. die Anspielung (โ โDenn auch die Dunkelheit muร Licht sein vor dirโ, sagt der Psalmโ) wohl auf Ps 139,12 in Bโs Buรtagspredigt zu II Kor 5,10 in London am 19. 11. 1933 DBW 13, 322.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
9 Ersetzt: โSatan und Gott, der Herrโ.
10 Ersetzt: โGottโ.
11 Gestr.: โsei nicht satanischer als du sein darfstโ.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
12 Gestr.: โderen Haupt er istโ.
13 Ersetzt: โverschiedenen Motiven unsere Arbeit an der Kirche getan wirdโ.
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
14 Ersetzt: โer hat sie auf sich genommen und uns [nicht gestr.:] freigesprochenโ.
15 Ersetzt: โdurch die uns Gott als rein ansiehtโ. Vom โBekleidenโ โ bzw. โChristus anziehenโ (Gal 3,27) โ sprach B in den Finkenwalder NTโVorlesungen seit dem zweiten Kurs 1935/36, s. II/8.2 (โSichtbare Kirche im Neuen Testamentโ) S. 436 und DBW 4 (N), 233.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
1 NL A 53,11: hsl.; Abdruck: PAM II 137 f. Undatiert, mรถgliche Abfassungszeit Sommer 1935. Vielleicht Skizze einer Wochenschluรandacht zu Prov 3,27โ35. Im Ms ist der Text nicht zitiert, in LB Vers 28 mit Bleistift angestrichen.
ff folgende Seiten bzw. folgende Verse
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
2 Vgl. Prov 3,5 (โverlaร dich nicht auf deinen Verstandโ).
3 โLebenserfahrungโ ist hinzugefรผgt; vgl. etwas weiter unten: Lebens- im Gegensatz zu Gottesund Christuserfahrung.
4 Nachtrรคgliche Hinzufรผgung am oberen MsโRand.
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
5 Dieser Satz ist Randbemerkung neben dem folgenden Satzanfang (Gottes Hilfe kommt, wenn sie gebraucht wird).
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
6 Durch Zusatz verรคndert aus: โNichtโernstnehmen des Todesโ.
7 โJede Bitte โฆ sterben?โ ist Randbemerkung.
8 Vgl. DBW 5 (GL), 78 f und DB 491 (Finkenwalder Regel).
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
f folgende Seite bzw. folgender Vers
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] Hinzufรผgungen der Herausgeber
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
1 NL A 51,8: hsl., undatiert, mรถgliche Abfassungszeit Sommer 1935; Abdruck: GS IV 448 f und PAM II 113โ115. Nicht alle Unterstreichungen (sie sind zum Teil doppelt) werden wiedergegeben. Zur in Finkenwalde geรผbten Beichtpraxis vgl. DBW 5 (GL), 93โ102 und DB 532 f.
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
2 LB: โโฆ dem wird nicht gelingenโ; B hat mit Bleistift den Vers angestrichen und โesโ eingefรผgt. In der Skizze ist der Spruch nicht zitiert.
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
] Hinzufรผgungen der Herausgeber
3 โzum Verklรคger der Brรผder werdenโ und โzum Verklรคger des Schรถpfersโ sind Zusรคtze.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
1 NL A 52,2: hsl., ohne รberschrift, ohne Datum, aber wahrscheinlich (da voller Erwรคgungen fรผr den Tagesbeginn im gemeinsamen Leben des Seminars) im Sommer 1935 entstanden; Abdruck: GS IV 290โ293 und PAM II 185โ189. Im Frรผhjahr 1936 lag das Ms der Ausarbeitung der โAnleitung zur tรคglichen Meditationโ zugrunde, s. III/14. Vgl. 1938 DBW 5 (GL), 35โ38 (Tagesanfang), 70โ75 (Schriftmeditation) und 38โ56 (gemeinsame Morgenandacht).
2 Doppelt unterstrichen. Vgl. DBW 3 (SF), 45 f โDer Tagโ (zu Gen 1,4 f).
3 Stichworte und Bibelstellen notierte B sich als Merkpunkte fรผr die Weiterarbeit (รคhnlich z. B. II/22.2 seine Notizen 1936/37 zu den Lasterkatalogen). Die Angaben โ[Ps] 55,18 (!) 73,14โ und โAm 4,4 5,8โ sind gestrichen.
4 Ersetzt: โรber den heutigen Tag hinaus sorgen zu wollen, hat Jesus uns verboten.โ
5 Ersetzt: โoder in Unglauben zu versinkenโ.
6 Ersetzt: โGnadeโ.
7 Ersetzt: โGemeindeโ; der Teilsatz ersetzt: โFrรผh am Morgen kommt Gott seiner heiligen Stadt, der Kirche, zu helfen.โ
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8 Vgl. Mk 16,2โ6.
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9 โund Sorgenโ, vielleicht gestr., ist Zusatz.
10 LB: โmit Sorgenโ; โmit Trรคnenโ steht auch DBW 5 (GL), 38.
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11 Vgl. I/119 S. 237 in Bโs Brief an Karl Barth 19. 9. 1936 (โWas soll daran wirklich gesetzlich sein, daร ein Christ sich anschickt zu lernen, was beten istโ).
12 Ersetzt: โTreueโ.
13 Ein frรผherer gestr. Beginn dieses Absatzes fuhr fort: โist eine ernste und oft schwere Sache.โ
14 Ersetzt: โzum Hรถren des Wortesโ.
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15 Ersetzt: โdenn das ist das Amt, zu dem er gesetzt istโ. Vgl. Bethges Mitschrift am 9. 12. 1935 zu Act 6,4, s. II/28 S. 822 Anm. 15: โฯฯฮฟฯฮตฯ ฯฮฎ bezeichnet โฆ lรคngere Gebetszeit, Dienst an der Gemeinde, der nicht von jedem getan werden kann. โฆ Weil die Gemeinde Krรคfte empfรคngt โฆ, die es ohne Gebet nicht gibt โฆ Wortverkรผndigung und Gebet gehรถren nach NT also wohl inniger zusammen als Wortverkรผndigung und Diakonie.โ
16 So wurde es in der Meditationspraxis des Seminars die ganzen Jahre รผber gehalten. In den Finkenwalder Rundbriefen wurden die Schriftabschnitte regelmรครig mitgeteilt.
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17 Im Ms eingeklammerte Leerstelle. โAchte deine Seele hochโ notierte B im Herbst 1940 fรผr sein geplantes โEthikโโBuch, s. Zettelnotizen 56 f (Nr. 50).
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18 Ersetzt: โbevor wir mit Freude und Gewiรheitโ.
19 Vgl. 21. 11. 1943 DBW 8, 197: โIch habe die Anweisung Luthers, sich โmit dem Kreuze zu segnenโ bei Morgen- und Abendgebet ganz von selbst als eine Hilfe empfunden. Es liegt darin etwas Objektives, nach dem man hier [in der Haft] besonderes Verlangen hat.โ
20 Ersetzt: โkleinerโ.
1 NL B 22 Seite 10โ12: Mitschrift von Eberhard Bethge am 28. 9. 1935. Bโs Auslegung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Behandlung der Judenfrage auf der ApUโBekenntnissynode in BerlinโSteglitz 23.โ26. 9. 1935. Nach einem Beschluร der Synode war die weitere Behandlung dieser Frage an den Reichsbruderrat verwiesen; vgl. DB 558. Intern wurde B bzw. dem Finkenwalder Seminar der Auftrag erteilt, ein theologisches Gutachten fรผr den Reichsbruderrat (fรผr eine in Aussicht genommene Reichssynode zur Judenfrage) vorzubereiten. Dies geht aus Gerhard Vibransโ Brief an seine Eltern 5. 10. 1935 hervor. Die Datierung in Bethges Mitschrift zeigt, daร B diese Aufgabe unmittelbar nach der Rรผckkehr aus Berlin in Angriff nahm.
2 Vgl. Rรถm 9,3.
= Zeichen fรผr Gleichsetzung
3 Dt.: โSameโ, โNachkommenschaftโ; vgl. Rรถm 9,7โ9.
4 In Rรถm 9,7 ist Gen 21,12 zitiert: โin Isaak soll dir der Same genannt seinโ.
5 Anspielung auf Luthers Erklรคrung der Taufe im Kleinen Katechismus BSLK 516 (โZum drittenโ): โWasser tutโs freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser istโ.
6 Vgl. Rรถm 9,3.
usw. und so weiter
7 Vgl. Rรถm 9,4.
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8 Im Ms โGabenโ gestr.
9 Vgl. Rรถm 9,8.
10 Dt.: โNachkommen Abrahamsโ, Rรถm 9,7.
11 Lk 19,9 (Zachรคus).
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12 Substantiv fehlt im Ms. Vermutlich: โWilleโ; vgl. Rรถm 9,18 (โSo erbarmt er sich nun, welches er will, und verstockt, welchen er willโ) und spรคter im Ms (โVerstockung: 1. Gottes Willeโ).
vgl. vergleiche
13 Dt.: โvon dem Berufendenโ.
14 Vgl. Rรถm 11,1: Paulus.
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15 Vgl. Rรถm 11,7.
16 Vgl. Rรถm 11,2โ4 (Zitate aus I Reg 19,10.14.18 รผber Elia); 9,27 แฝฯฯฮปฮตฮนฮผฮผฮฑ (โรberrestโ).
17 Anspielung auf die Gestalt des Knechtes Gottes bei Deuterojesaja in den โGottesknechtsliedernโ, auf deren Hintergrund B offenbar die Bedeutung und Sendung Israels betrachtete. Vgl. II/3.6 Bโs Predigtentwurf 1935 zu Jes 53.
18 Im Ms schlieรt an das Fragezeichen ein Pfeil an, der auf den folgenden Satz deutet. Vgl. den vorigen Absatz (โStellvertretungsgedanke bleibtโ).
19 Im Ms: โโ โ.
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20 Vgl. Rรถm 11,23 (โabgehauenโ) und Rรถm 11,24 (โwie viel mehrโ).
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21 Dt.: โGeheimnisโ.
22 Dt.: โFeindeโ.
23 Anspielung auf den Verrat des Judas, vgl. Mt 26,45โ50 (zu diesem Text predigte B am 14. 3. 1937, s. III/18).
1 NL A 52,1: hsl.; diese Fassung kommt hier zum Abdruck (Ersetzungen und Streichungen werden in Auswahl dokumentiert). Die Bibelarbeit wurde in Finkenwalde 8.โ11. 10. 1935 mit der Bruderschaft Pommerscher Vikare gehalten. In Junge Kirche 4 (1936) erschien sie in den Heften 2 (64โ69), 4 (157โ161) und 5 (197โ203) in leicht รผberarbeiteter Form (= JK). Die Einteilung in JK in โersteโ, โzweiteโ und โdritte Stunde Bibelarbeitโ entspricht den Teilen IโIII im Ms. Das der Verรถffentlichung in JK zugrundeliegende Typoskript, wahrscheinlich von einem der Kandidaten nach dem Ms angefertigt, ist verlorengegangen. Nicht alle Modifikationen (und Entzifferungsirrtรผmer) in der Druckfassung werden im folgenden erwรคhnt. Abdruck der JKโFassung: GS IV 294โ320 (dem entspricht die Innenpaginierung) und PAM II 189โ215.
2 Fรผr das Ms existiert ein Deckblatt, das auf Vorder- und Rรผckseite hsl. Erlรคuterungen von B enthรคlt. Vorderseite: โEine Anleitung fรผr den Christen, den Prediger und den Unterrichtenden zum rechten Lesen der Samuelisbรผcher soll hier gegeben werden. Nur in Umrissen kann das geschehen. Es ist zugleich ein praktischโexegetischer Beitrag zum Problem Christus im Alten Testament. [Im Anschluร an das Buch von Wilhelm Vischer โDas Christuszeugnis des Alten Testamentsโ I (1934) war die Diskussion um das angemessene Verstรคndnis des AT fรผr christliche Predigt neu entbrannt.] โ 3 Stunden Bibelarbeit mit der Bruderschaft der pommerschen Bekenntnisvikare.โ (Mit diesem Text, etwas gekรผrzt, beginnt in JK โDie erste Stundeโ.) Rรผckseite: โ1. Der Gott des A.ย T. ist der Vater Jesu Christi. Der in Jesus Christus menschgewordene Gott ist der Gott des A.ย Tโs. Es ist ein dreieiniger Gott. 2. Das A.ย T. muร von Menschwerdung und Kreuz, d. h. der uns gegebenen Offenbarung her gelesen werden. Sonst bleiben wir im judaistischen oder heidnischen Verstรคndnis des A.ย T. 3. Die Menschen und Geschichten des A.ย T. sind nicht moralische Vorbilder, sondern Zeugnisse von der Erwรคhlung und Verheiรung Gottes. Gottes freies, gnรคdiges und zorniges Handeln mit seinem Volk, nicht moralische Exempel bezeugt das A.ย T.โ
3 JK als Anmerkung: โTheologische Vorbemerkung: Das neutestamentliche und prophetische Zeugnis von David.โ In dieser Anmerkung stehen in JK die folgenden 5 Punkte der โVorbemerkungโ.
4 JK: โStammbรคumeโ.
5 Gestr. (aber in JK): โgeradeโ.
6 JK: โreinenโ.
7 Dieser Satz โ er steht auf einem beigelegten Blatt โ ersetzt eine Streichung im ursprรผnglichen Ms, die beginnt: โGott hat den fleischlichen Samen Davids erwรคhlt, aber so daร seine Wahl und Verheiรung gerade darin sich erweist, daร es eben am fleischlichen Samen nicht liegt [ersetzt: โEs liegt nicht am fleischlichen Samen, sondern an der Verheiรung Gottes. Nach der Verheiรung war David der Vater Jesu Christi (wie nach der Verheiรung Abraham der Vater Isaaks war)โ] โฆโ.
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8 Gestr.: โhat er โzuvor gesehenโย โ.
9 JK: โwirklichโ.
10 โwiederโ fehlt in JK.
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11 JK: โChristus war wirklich in den Worten Davids gegenwรคrtig.โ Das Satzende (โwie ja auch Jesus โฆโ) fehlt in JK.
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12 โgeschichtlichen, einmaligenโ fehlt in JK.
13 Im Ms folgen zwei Zeilen (beginnend mit: โAlte Dogmatik unterschied โฆโ), nicht gestr., auf einem Blatt โ1 (4) aโ ersetzt. Im Ms (auf der 4. Seite des 1. [gefalteten] Bogens) kein Hinweis auf die Ersetzung.
14 Dt.: โdas Ersteโ; JK: โUrsprรผnglicheโ.
15 Das griech. Wort ist im Ms, wie bei B oft, akzentlos geschrieben; es wird von B selbst erlรคutert. JK: โist das Himmlische, das Vonโobenโherโ.
16 Gestr.: โdas von der Welt.โ
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17 Ersetzt: โ โVorbildโ, Beispiel ist David fรผr Christusโ. JK: โist David, sofern in ihm Christus vorgebildet istโ.
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18 Ersetzt: โPriusโ.
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19 JK: โbesondereโ.
20 Ersetzt war: โAlte Dogmatik unterschied zwischen Real- und Personaltypen. David zu letzteren.โ Die Differenzierung findet sich genauestens ausgefรผhrt auf dem Hรถhepunkt der Tradition typologischer Auslegung des AT bei dem reformierten Dogmatiker Johannes Coccejus.
21 Ende der Ersetzung auf Blatt โ1 (4) aโ.
22 In JK fehlt das im Ms zugesetzte โals Vorbild โฆ Christiโ.
23 Im Ms ist Vers 69 angegeben.
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24 JK zusรคtzlich: โdurch den Mund Jesuโ.
25 Gestr.: โNichts wissen wir von Jesus bevor er getauft wird, erfahren wir bei Mkโ [nichts vor Mk 1,9]. โWas bei Jesus die Taufe ist, ist bei David die Salbungโ.
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26 Ersetzt: โder รbermachtโ.
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27 JK zusรคtzlich: โund Berufungโ.
28 Vgl. Mt 26,55.
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29 Ersetzt: โimmer wieder erkennenโ; LB Kopfzeile zu I Sam 26,21: โSaul bekennt sein Unrecht.โ
30 JK (Entzifferungsirrtum): โerheiternโ.
31 I Sam 18,11; 19,10.
32 Vgl. I Sam 21,11โ16 und 27,1โ12.
33 Anspielung auf Mt 8,20.
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34 JK: โals der natรผrliche Thronerbeโ.
35 Gestr.: โer erkennt gegen die Natur, daร der Geist auf David ist und er der messianische Kรถnig.โ
36 JK: โdieserโ.
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37 JK: โhรคrterโ.
38 JK: โsprichtโ.
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39 JK (Entzifferungsirrtum): โzwingtโ.
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40 Eingeklammert und gestr.: โDavid behรคlt immer ein Herz, das an unrecht vergossenem Blut schwer trรคgt. Abner!โ Vgl. II Sam 3,28โ37.
41 Gestr.: โzuerstโ.
42 โIsraelโ und โum der Kirche willenโ sind spรคtere Zusรคtze.
43 Ersetzt: โum zu herrschenโ.
44 Anspielung auf Mt 20,28.
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45 Ersetzt: โwird sich der Tempel Gottes erhebenโ.
46 โdas Zelt โฆ Wanderschaftโ ist spรคter zugesetzt; vgl. II Sam 7,6. JK: โwar das Zelt das Zeichen der Wanderschaft Israelsโ.
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47 Vgl. Mk 11,9.
48 Im Ms folgt eine lรคngere Streichung (David will โdem Gott, der in einem Zelt wohnt, einen Tempel bauen โฆโ), durch das Folgende ersetzt.
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49 JK: โEr folgt dem Prophetenโ.
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50 JK: โEs ist Salomos Wortโ.
51 Gestr.: โJetzt gab Gott mir Ruheโ, s. I Reg 5,18 LB Hauptzรคhlung (Nebenzรคhlung: 5,4).
52 Gestr.: โSalomo: sein Name!โ Namenserklรคrung in DBW 4 (N), 237: โSalomo, der โSohn des Friedensโ Gottes mit dem Hause Davidโ.
53 LB Nebenzรคhlung.
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54 Von Kirche als dem Ort Gottes in der Welt hatte B in der Vorlesung โDas Wesen der Kircheโ im Sommersemester 1932 DBW 11, 247 f, gesprochen.
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55 Gestr.: โzu finden, was du suchstโ.
56 โdenโ ist zugesetzt.
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57 Gestr.: โund Gottesโ.
58 Vgl. die von B in seiner Dissertation DBW 1 (SC) und Habilitationsschrift DBW 2 (AS) gebrauchte Formulierung โChristus als Gemeinde existierendโ und ihre Weiterfรผhrung in DBW 4 (N), 234 im Kapitel โDer Leib Christiโ.
59 Vgl. II Sam 7,14 (โMissetatโ tun).
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60 JK: โausgezeichnetโ.
61 JK: โerst rechtโ.
62 Randglosse zu II Sam 7,19 in: WA.DB 9 I, 319.
63 Vgl. Lk 2,4.
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64 Ersetzt: โDie Ursache seiner Sรผnde ist seine Sicherheitโ.
65 Dt.: โSicherheitโ (Vertrauen auf das Erreichte, auf den inneren Besitz) statt โGewiรheitโ (stets neues Sichโbergen in Gottes Verheiรung); Formel aus der reformatorischen Rechtfertigungslehre โ nur hier ist die tiefe Gegensรคtzlichkeit der beiden Begriffe erkennbar. Vgl. DBW 4 (N), 30 (โsecurusโ).
66 Ersetzt: โdessen Ruf keine falsche Sicherheit duldetโ.
67 JK: โDiese mรผรigen Tageโ.
68 Ersetzt: โfalscheโ.
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69 Zum โSรผndigen auf Gnade hinโ vgl. DBW 4 (N), 38 f.
70 Ersetzt: โWerden wir untreuโ. Die Lutherโdt. โNestleโโรbersetzung von ฮตแผฐ แผฯฮนฯฯฮฟแฟฆฮผฮตฮฝ: โglauben wir nichtโ; so auch in der Fassung JK.
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71 II Sam 12,7.
72 Zu โSonderrechtโ vgl DBW 4 (N), 180.
73 JK (Entzifferungsirrtum): โLeidenโ.
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74 Ersetzt: โgezรผchtigt durch den, der das Schwert trรคgt, durch [gestr.: โdieโ] weltliche Gewalt.โ
75 Ersetzt: โweltlicher Gewaltโ.
76 JK (Entzifferungsirrtum): โseine Straftat an dem Haus Davidโ. Vgl. II Sam 12,10 a.
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77 Vgl. Mt 26,24 (Judas).
78 Gestr.: โvon auรenโ.
79 JK: โso im Munde Nathansโ.
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80 Vgl. Ex 20,5; Dtn 5,9.
81 JK (Entzifferungsirrtum): โVollstreckungโ.
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82 Gestr.: โdie Versรถhnung mit Gottโ.
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83 Dt. LB: โin der Gestalt des sรผndlichen Fleischesโ; wรถrtlich: โin der รhnlichkeitโ.
84 JK (Entzifferungsirrtum): โzugleichโ.
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85 Vgl. Rรถm 6,23.
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86 Anspielung auf Hebr 13,12.
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87 Gestr.: โJoh 18[,1 ]โ. JK: โรผber den der Sohn Davids in der Nacht vor seiner Kreuzigung ging, als er sich anschickte, die Strafe der Welt zu tragen drauรen vor dem Tor (Hebr. 13,12).โ
88 Mit Bleistift verรคndert aus: โGottes Strafeโ (hier und รถfters im Ms Markierungen schwer leserlicher Stellen, offenbar vom Abschreibenden). JK: โEr trรคgt das Strafleiden seines Hausesโ.
89 Ersetzt: โEr kann Gott nicht zwingenโ.
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90 Vgl. I Sam 26,8 (die frรผhere Versuchung durch Abisai). JK statt โWiederโ: โZum zweitenmalโ.
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91 JK irrtรผmlich: โVersรถhnteโ.
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92 JK zusรคtzlich: โin dunkler Weiseโ.
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93 JK statt โist die Bekundungโ: โbezeugtโ.
94 Verรคndert aus: โReichโ (so in JK).
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95 Der ganze Abschnitt (โKapitel 24 โฆ Kapitel 7 anโ) erscheint in JK als Anmerkung.
96 JK: โfleischlich (1. Kรถn. 1,1 ff[โ4] erzรคhlt.โ Die Stellenangabe steht statt des im Ms folgenden Teilsatzes (โโฆ Abisag von Sunem โฆโ).
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97 LB: โdes Herrn Werke verkรผndigenโ. โ In der Stuttgarter Zeitung โDurchbruchโ erschien am 26. 3. 1936 folgende Reaktion (โDas Lob Judas im Dritten Reichโ) des Journalisten Friedrich Imholz: โDie โJunge Kircheโ (Bekenntnisfront) Heft 4, 15. Februar 1936, bringt einen lรคngeren Artikel, dessen รberschrift lautet: โKรถnig David. Die zweite Stunde Bibelarbeit. Der messianische Kรถnig. Die zweite Salbung Davidsโ (als Kapitelรผberschrift). Die Fuรnote sagt uns: Fortsetzung der drei Stunden Bibelarbeit, gehalten mit der Bruderschaft pommerscher Vikare. Der Aufsatz beginnt: โDer gรถttlichen Salbung durch Samuel folgt eine zweimalige Salbung durch die Mรคnner von Juda (2. Sam. 2,4), dann durch die รltesten in Israel (2. Sam. 5,3) โฆโ usw. Unser Papier ist uns zu lieb, das widerwรคrtige Geseire um den Kรถnig David (dessen Handlungsweise รผbrigens zweifellos gegen das Sittlichkeits- und Moralgefรผhl der germanischen Rasse verstรถรt [Formulierung nach Punkt 24 des Parteiprogramms der NSDAP von 1922]), hier abzudrucken. Der Schluรabsatz aber ist mehr als bezeichend: [Abdruck des Absatzes zum Ende von II Sam 7 im Fettdruck], V. 23 ff.: Das Volk Israel wird das Volk Gottes bleiben in Ewigkeit, das einzige Volk, das nicht vergehen wird, denn Gott ist sein Herr geworden, Gott hat in ihm Wohnung genommen und sein Haus gebaut. Die Kirche, das wahre Israel, ist verheiรen. Wie sollte David das Bekenntnis seiner Demut und des Dankes anders enden als mit der Bitte, Gott wolle sein Wort bekrรคftigen in Ewigkeit, Er wolle tun, wie Er geredet hat. Er wolle seinem Volke, seiner Kirche treu bleiben. Finkenwalde (Pommern) Lic. Dietrich Bonhoeffer.โ Der Anfang des Schluรabsatzes (V. 23 ff.) tritt fรผr den Leser nicht genรผgend hervor, so daร man den Eindruck leicht bekommen kann, die Worte seien Worte des Verfassers. Und wenn man auch diesen Eindruck nicht bekommt, so ist der zusammenfassende Schluรgedanke die Verherrlichung des Ehebrechers Seine Majestรคt David, Kรถnig von Jahwes Gnaden! Aus diesem Artikel ist wohl klar zu erkennen, was dieser Bekenntnispfarrer Bonhoeffer vom Grundgedanken des nationalsozialistischen Aufbruchs hรคlt: nรคmlich vom Rassegedanken. Ob es nicht angebracht ist, daร man sich mit der โBibelarbeitโ einer solchen โBruderschaftโ von Vikaren befaรt? Es gibt vieles, was harmlos zu nennen ist gegenรผber solchen Vertretern einer orientalischen Glaubenslehre, welche den Weltfeind Juda noch im Jahre 1936 als das โewige Volkโ, das โwahre Adelsvolkโ, das โGottesvolkโ hinzustellen sich erdreistet.โ Nach der Lektรผre des Artikels schrieb B an Eberhard Bethge am 8. 8. 1936, s. I/107: โIch kam aus dem Lachen kaum heraus โฆ ein wรผstes D.C. Organ.โ
1 NL A 51,1: masch. Hektographie, Beilage zum 3. Finkenwalder Rundbrief 14. 12. 1935; Abdruck: GS IV 399โ406 und PAM II 32โ39. Die Predigt wurde am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, dem 17. 11. 1935, in der Notkirche des Predigerseminars Finkenwalde gehalten (Tagebucheintragung von Friedrich Trentepohl). Die Seminaristen hatten die Turnhalle des ehemaligen Pรคdagogiums zur Kapelle umgestaltet; vgl. DB 490 und Bildband 145. In der Rundbriefbeilage steht der MtโText (โNestleโ Lutherโdt.) der Predigt nicht voran.
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2 In der Rundbriefbeilage: โeuchโ (in Bโs dt. Handschrift sehen โmichโ und โeuchโ รคhnlich aus).
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3 In der Rundbriefbeilage: โseinen Brรผdernโ.
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1 NL A 43,18: hsl., Fotokopie (Ms bei Elisabeth Bornkamm); Abdruck: GS V 568โ576 und PAM II 39โ47. Die Predigt wurde am Totensonntag, dem 24. 11. 1935, in der Finkenwalder Notkirche gehalten (Tagebucheintragung von Friedrich Trentepohl). Bโs Verรคnderungen in seinem Ms werden in Auswahl dokumentiert. Im Ms steht der zusammenhรคngende ApkโText (โNestleโ Lutherโdt.) der Predigt nicht voran.
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2 Dieser Absatz ersetzt: โVom Tod reden heiรt von diesem Geschehen, [u. L.:] geheimem Leben, am Ende reden, dem wir nicht entgehen, von den Bildern und Gesichten, die Johannes sah und die wir auch einmal sehen werden.โ
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3 Ersetzt: โwie wir Tag fรผr Tag lesenโ.
4 Ersetzt: โdas Evangelium von Jesus Christus als dem Helfer und Heiland in unserer Not und Sรผndeโ.
5 Ersetzt: โmiรachtetโ.
6 Ersetzt: โund seiner Weltโ.
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7 Dieser Satz ist Randnotiz.
8 โWonach โฆ Evangeliumโ, mit Bleistift geschrieben, ersetzt die mit Tinte geschriebenen, mit Bleistift dรผnn gestrichenen Sรคtze: โUnd dies Gericht ist das Evangelium selbst. Das ewige Evangelium ist der Richter รผber alle Menschen. Gott wird uns im Gericht nur nach dem einen fragenโ.
9 Mit Bleistift gestr.: โund vor diesem Gericht wird das Grรถรte gering werdenโ.
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10 Die beiden letzten Sรคtze, mit Bleistift geschrieben, sind ein Zusatz am Rand.
11 Ersetzt: โunwiderstehlichโ.
12 Anspielung auf Gen 11,1โ9. Gestr.: โdie Gott dem Herrn trotzt und selbst Herr sein willโ.
13 Ersetzt: โden Schรถpfer und Richterโ.
14 U. L.
15 Ersetzt: โgesehen haben โฆ eingetreten seinโ.
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16 Vgl. den durch Visser โt Hooft รผberlieferten Ausspruch Bโs im September 1941, s. DB 834: โโฆ ich bete fรผr die Niederlage meines Landesโ.
17 Ersetzt: โfastโ.
18 U. L.
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19 Zusatz gestr.: โungeduldigesโ.
20 Ersetzt: โin aller Anfechtungโ.
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21 Vgl. hiermit die spรคteren Ausfรผhrungen รผber den Tod aus dem ersten Rundbrief an die ehemaligen Seminaristen im Krieg am 20. 9. 1939 DBW 15, 271: โโฆ daร es uns geschenkt wird, daร uns der Tod von auรen erst antrifft, wenn wir durch diesen eigenen Tod fรผr ihn bereit gemacht sind, das darf unser Gebet seinโ.
22 Ersetzt: โob in der Stille der Einsamkeitโ.
23 Gestr.: โโ dann werden wir das ewige Evangelium sehen.โ
24 Das angedeutete Zitat von Vers 13 b ist oben auf der letzten MsโSeite zugesetzt, auf der der Text mit โund dann wird Ruhe sein โฆโ beginnt.
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25 Vgl. Mt 6,3.
26 Gestr.: โSelig sind die Toten, die in dem Herrn sterben โฆโ.
27 Ersetzt: โgib uns ein seliges Ende mit dem Bekenntnis zu dem Herrn Christusโ.
1 NL A 53,8: hsl., undatiert, wahrscheinlich fรผr eine Andacht 1935 mit den Mitgliedern des Bruderhauses, die รผber Weihnachten mit B in Finkenwalde blieben, s. DB 573 f. Zum Magnificat Lk 1,46โ55 hatte B in London gepredigt am 17. 12. 1933 DBW 13, 338โ343.
2 So รผbersetzt die Vulgata ฮบฮตฯฮฑฯฮนฯฯฮผฮญฮฝฮท in Lk 1,28.
3 Irrtรผmliche Reihenfolge statt: Johannes vor Jesus; vgl. Mt 3,11โ15.
4 I Sam 2,1โ10.
5 Jdc (Richter) 5.
6 Ersetzt: โden Preisโ.
7 ฯฮฑฯฮตฮฏฮฝฯฯฮนฯ (โNiedrigkeitโ) wird von der Vulgata mit humilitas (โDemutโ) รผbersetzt.
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8 Im Ms: โs. K.โ; โK.โ, Bโs Kรผrzel fรผr โKircheโ, kรถnnte an dieser Stelle vielleicht als โKnechtโ gelesen werden, vgl. Vers 54 โNestleโ: โโฆ hilft seinem Diener Israel aufโ.
1 NL A 51,11: Familiensonderdruck M. L. G. Eisemann, Berlin Steglitz; Abdruck: GS IV 456โ460 und PAM II 48โ52.
2 Strophe 1 aus Martin Luthers Sterbelied von 1524 EG.BP 304, EKG 310, leicht verรคndert.
3 Zu โโฆ aber sie sind im Friedenโ, Weisheit Salomos 3,3 b, predigte B in London am 26. 11. 1933 (Totensonntag) DBW 13, 325โ331.
4 EG.BP 317, EKG 320 (Johann Matthรคus Meyfart 1626) Strophen 1 und 2.
5 Ps 90 wurde im Hause Bonhoeffer regelmรครig bei den Feiern zum Jahreswechsel vorgelesen, s. DB 574.
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6 Julie Bonhoeffer lebte seit 1924 im Haus ihres Sohnes in der Wangenheimstraรe 14, Berlin-Grunewald, s. DB 33.
7 DB 574: โNach Weihnachten [1935] erkrankte die Groรmutter Bonhoeffers an einer Lungenentzรผndungโ.
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8 Wie sie gerade das Leben Dietrichs begleitet hatte, zeigt der langjรคhrige Briefwechsel mit ihm; vgl. I/32 (ihren Brief an B 24. 10. 1935).
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9 Vgl. ihren mutigen Protest gegen den Boykott jรผdischer Geschรคfte am 1. 4. 1933, s. DB 31.
10 Wegen dieser Worte weigerte sich ein anwesender Vetter, der einen hohen Staatsposten bekleidete, nach der Trauerfeier, B die Hand zu geben, s. DB 574.
11 Das โnichtโ steht in GS IV 459. Vgl. am Anfang dieses Abschnitts (โโฆ versinkt uns eine Weltโ) und S. 115: Der โTod von Groรmama โฆ war doch ein starker Abschnitt. Und wir kรถnnen doch aus ihrer Art fรผr heute viel lernen.โ.
12 Inschrift auf dem Grab Fritz Reuters in Eisenach, von ihm selbst verfaรt; s. F. Reuter, Sรคmmtliche Werke I, 35.
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13 Strophe 2 des Liedes โNun danket alle Gottโ EG.BP 245, EKG 228 (Martin Rinckart 1636).
1 NL A 51,12: masch. Abschrift der stenographischen Mitschrift der Traupredigt in der Kirche zu Falkensee bei BerlinโSpandau am 15. April 1936; Abdruck: GS IV 460โ463 und PAM II 52โ55.
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2 Vgl. im Trauformular der evangelischen Kirche: โโฆ den Bund der Ehe โฆ heilig und unverbrรผchlich halten, bis daร der Tod euch scheidetโ.
3 Vgl. 1938 DBW 5 (GL), 18: โWir gehรถren einander allein durch und in Jesus Christus.โ
4 โmรผssen wirโ ist wiederholt.
5 Mt 6,33.
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6 Anspielung auf Nietzsches Wort (Also sprach Zarathustra [Teil] II, Abschnitt โVon den Priesternโ): โBessere Lieder mรผรten sie mir singen, daร ich an ihren Erlรถser glauben lerne: erlรถster mรผรten mir seine Jรผnger aussehen!โ
7 I Kor 3,22 f.
8 Vgl. DBW 5 (GL), 60: โโฆ hinter dem Es der Tagesarbeit das Du Gottes finden, das ist es, was Paulus โohne Unterlaร betenโ (1. Thess. 5,17) nennt. So reicht das Beten des Christen รผber die ihm zugewiesene Zeit hinaus mitten in die Arbeit hinein โฆ zum gnรคdigen Duโ.
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9 Als Albrecht Schรถnherr durch Krieg und Gefangenschaft abwesend war, hat seine Frau die Gemeinde Brรผssow in Verkรผndigung und Seelsorge in einer Weise begleitet, daร Bischof Otto Dibelius ihm bei seiner Heimkehr 1946 sagen konnte, besser hรคtte auch er selber, Albrecht Schรถnherr, diesen Dienst nicht zu leisten vermocht.
10 Die letzten Worte des auf dem Weg in die Verbannung am 14. 9. 409 gestorbenen Kirchenlehrers Johannes Chrysostomos โEhre [!] sei Gott fรผr allesโ (Palladius, Vita Chrysostomi 11) hatte B รคhnlich auch in der Predigt zu I Thess 5,16โ18 im Zweiten Theologischen Examen am 20. 7. 1930 zitiert: โGott sei gedankt fรผr allesโ, s. DBW 10, 574.
1 NL A 52,3 a): hsl.; diese Fassung kommt hier zum Abdruck (Ersetzungen und Streichungen werden in Auswahl dokumentiert). Dazu NL A 52,3 b): Durchschlag der von Eberhard Bethge fรผr den Druck 1936 angefertigten Schreibmaschinenvorlage mit zahlreichen hsl. Eintragungen bzw. Verbesserungen Bethges (= EB masch.); ferner die Verรถffentlichung in der Jungen Kirche 4 (1936) Heft 14, 653โ661 (= JK). Abdruck der Fassung JK: GS IV 321โ335 (dem entspricht die Innenpaginierung) und PAM II 216โ230. Die Bibelarbeit wurde am 21. 4. 1936 auf der Freizeit fรผr die Teilnehmer des ersten Finkenwalder Kurses gehalten. Im Sommer 1933 hatte B die gleichen Texte auf einer studentischen Rรผstzeit in Hermannswerder bei Potsdam behandelt. Vgl. auch I/51 (Brief an Walter Kรถller 17. 2. 1936): Bโs Ankรผndigung einer Bibelarbeit รผber โdie Bรผcher Esra und Nehemia, den Wiederaufbau Jerusalemsโ in Halle 22. 2. 1936. Vorausgegangen war die nicht erhaltene โMauerbaupredigtโ am 12. 1. 1936, als die Kanzelabkรผndigung der BK der ApU gegen die Kirchenausschรผsse (s. K. D. Schmidt, Dokumente 1935โ1937, 243 f) verlesen wurde. Nach der Verรถffentlichung der Bibelarbeit griff der Greifswalder Alttestamentler Friedrich Baumgรคrtel in seiner Schrift โDie Kirche ist Eine โ die alttestamentlichโjรผdische Kirche und die Kirche Jesu Christi? Eine Verwahrung gegen die Preisgabe des Alten Testamentsโ, Greifswald 1936 (Datum des Vorworts: 4. 8. 1936), Bโs Schriftauslegung an; dem folgte ein Briefwechsel zwischen Baumgรคrtel und Eberhard Baumann, Mitglied des Pommerschen Bruderrats der BK. Vgl. zum Ganzen DB 597โ600.
2 Ersetzt: โGemeindeโ. Vor diesem Satz gestr. Textbeginn: โGott, der sein Volk, eine Gemeinde zerschlagen hatโ.
3 Ersetzt: โder zerstรถrten Gemeindeโ.
4 Ersetzt: โgutemโ.
5 Gestr.: โdieses Wiederkommen Gottes in einer rechtenโ.
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6 Ersetzt: โDie Kirche Gottes in ihrem Heiligtumโ.
7 JK: โoderโ.
8 JK: โvielenโ.
9 Ersetzt: โSchutz des Staatesโ.
10 JK: โall die Jahre der Gefangenschaft hindurchโ.
11 Gestr. (auch in EB masch. gestr.): โPs. 126. 137โ.
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12 Vgl. Ez 7.
13 Gestr.: โetwas ganz anderesโ.
14 Ersetzt: โisraelitischeโ.
15 JK: โErweckungโ.
16 JK: โaufgezรคhltโ.
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17 JK: โan einem Trรผmmerfeld zu stehenโ.
18 Gestr.: โ(8,31)โ.
19 Ersetzt: โAls Artaxerxes spรคter dem Esra gern ein Geleit zur Sicherheit gestellt hรคtte, als die Gemeinde Gottes unter dem Schutz der politischen Macht ihren Weg antreten sollteโ.
20 Ersetzung durch โdes Glaubensโ rรผckgรคngig gemacht.
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21 Vgl. die Auslegung von Act 2,47 in der NTโVorlesung im vierten (und fรผnften) Kurs 1936/37 II/22 S. 724.
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22 JK: โin den Berichtenโ.
23 โdenen die Listen โฆ einzutragen hattenโ ist nachtrรคglich zu dem Wort โNamensregisterโ zugesetzt; Hinweis auf die Listen in der Alten Kirche fehlt in JK. Bei Bโs Vorlesung รผber den altkirchlichen Katechumenat im vierten Kurs notierte Erich Klapproth 1936/37, s. II/11 S. 548 Anm. 76, zur โEinschreibung in die kirchlichen Listenโ (โBedeutsam, da nach den Listen die Verfolgungen stattfandenโ) den Vergleich mit der roten Mitgliedskarte derer, die sich zur BK hielten.
24 Dt.: โKircheโ; แผฮบฮบฮปฮทฯฮฏฮฑ ist etymologisch abzuleiten von ฮบฮฑฮปฮญฯ (โich rufeโ) und แผฮบ (โherausโ).
25 Gestr.: โin der Bibelโ.
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26 Vgl. II Sam 7 und Bโs Ausfรผhrungen in der Bibelarbeit โKรถnig Davidโ, s. III/7 S. 892 f.
27 Diese Namensform regelmรครig in den Bรผchern Esr und Neh.
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28 Ersetzt: โvon Menschenโ.
29 Dieser Satz โ im Ms zugefรผgt โ fehlt in JK.
30 JK: โdes Berges Zionโ.
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31 โErster Wegโ fehlt in JK.
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32 Ersetzt: โdes Staatesโ.
33 JK fรผgt hier Esr 4,2 ein: โWir wollen mit euch bauen, denn wir suchen euren Gott gleichwie ihr.โ
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34 JK: โmรผssenโ.
35 JK: โetwas Bedeutungsvollesโ.
36 In Punkt 24 des Programms der NSDAP von 1920 bekannte die Partei sich zu einem โpositiven Christentumโ.
37 Gestr.: โverantwortlichesโ.
38 JK: โbauen willโ.
39 Ersetzt: โdes Christentumsโ. JK: โAnspruch der รffentlichkeitskircheโ.
40 Vgl. Lk 14,28.
41 Vgl. Mt 10,16.
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42 B weicht vom LBโWortlaut ab; in LB steht nicht โJahweโ, sondern stets โHErrโ (mit zwei groรen Anfangsbuchstaben).
43 Gestr.: โDie Verlockungen waren gewiร groร. Aber es geht nicht an, die Kirche zu gleichen Teilen mit den politischen Mรคchten zu bauenโ.
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44 In JK fehlt โoder anzunehmen nach eigenem Gutdรผnkenโ.
45 Anspielung auf den von Reichskirchenminister Hanns Kerrl am 3. 10. 1935 eingesetzten Reichskirchenausschuร, mit dessen Hilfe die โWiederherstellung geordneter Zustรคndeโ in der Deutschen Evangelischen Kirche erzwungen werden sollte.
46 JK: โWahrheit seines Glaubensโ.
47 In JK fehlt โnur auf die Verheiรunghinโ.
48 Ersetzung durch โdes Gehorsamsโ rรผckgรคngig gemacht.
49 Zweiter Weg, vgl. S. 936 (โErster Wegโ).
50 Dt.: โWiderstehe den Anfรคngen!โ (91. Vers von Ovids โRemedia amorisโ); fehlt in JK.
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51 JK: โDurch Gewalt gehindert, ruht nun die Arbeit fรผr einige Zeitโ.
52 Neh 3,38 nach der Hauptzรคhlung in LB, der B folgt (Nebenzรคhlung: 4,6). Vom LBโWortlaut weicht B leicht ab.
53 Gestr.: โsich verkleiden, sich unsichtbar machenโ.
54 Anspielung auf Mt 7,15.
55 Vgl. II Kor 11,14.
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56 Vor โmuรten sich schรคmenโ (die Worte sind oberhalb der Zeile zugesetzt): โ?โ; โzittertenโ (in der Zeile) ist unterpunktiert. Bei diesem Zitieren von Vers 16 weicht B vom LBโWortlaut ab.
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57 JK: โdaร die Kirche Gottes Werk istโ.
58 Esr 6,16 LB: โโฆ hielten Einweihung des Hauses Gottes mit Freudenโ.
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59 Gestr.: โgroรeโ.
60 Ersetzt: โWeil Israel ungehorsamโ. EB masch.: โGehorsamโ (Miรverstรคndnis der Verรคnderung von โuโ zu โUโ als Streichung).
61 Ersetzt: โWeil Israel โฆ abgefallen war, darum kam die Verwerfung รผber es.โ
62 Die beiden Sรคtze โAber das angebotene โฆ erkanntโ fehlen in JK.
63 JK: โdurfte die neue Gemeinde ihre Zukunft vor Gott sehenโ.
64 Im Versuch, aus der Abhรคngigkeit von fremden Groรmรคchten loszukommen, hatte Israel sich mehr als ein Jahrhundert lang um wechselnde Bรผndnispartner bemรผht, bis schlieรlich Jerusalem 587 vor Christi Geburt von den Belagerungstruppen Nebukadnezars erobert wurde (vgl. Jer 39,1 f).
65 JK: โtributpflichtigโ.
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66 Dieser Satz fehlt in JK.
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67 โals ausโ ersetzt: โwenn nichtโ.
68 Irrtum; vgl. Neh 10,31 LB Hauptzรคhlung (Nebenzรคhlung: Vers 30).
69 Ersetzt: โungeheuerlichenโ.
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70 Ersetzt: โjedes Opfer gebracht werden muรโ.
71 JK: โzwischen Glรคubigen und Unglรคubigenโ.
72 โAber freilich โฆ zu bringenโ fehlt in JK.
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73 JK: โZuletzt muร es geltenโ.
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74 Zitiert ist Vers 16, hier nach LB.
1 NL A 48,2: masch. Hektographie, Beilage zum 8. Finkenwalder Rundbrief 22. 5. 1936; Abdruck: GS II 478โ482. Diese Anleitung wurde am 22. 4. 1936 auf der Freizeit fรผr die Teilnehmer des ersten Kurses vorgetragen und erlรคutert. Die zahlreichen hsl. Zusรคtze auf Eberhard Bethges Exemplar der Anleitung (= EB) sind in den folgenden Anmerkungen dokumentiert. Bethge schrieb in dem von ihm verfaรten 8. Finkenwalder Rundbrief am 22. 5. 1936: โDie Ausarbeitung รผber die Meditation, die Br. Bonhoeffer und ich in Friedrichsbrunn [dem Ferienhaus der Familie B. im Harz in den Osterferien 1936] im Auftrag Staemmlers fรผr den Provinz-Sรคchsischen Rundbrief gemacht haben, wird Euch zu Bekanntem von neuem rufen.โ Die hier beschriebene Meditationspraxis wurde im Seminar seit den Zingster Tagen geรผbt. Jetzt erfolgte zum ersten Mal eine schriftliche Fixierung. Sie ging unter Eberhard Bethges Namen an die รffentlichkeit. Zum Anteil Bโs vgl. die biblische Besinnung III/5 (Der Morgen). Die Anleitung fand schnell weite Verbreitung in der BK, s. I/108 Bโs Brief an Bethge 10. 8. 1936 (โAsmussen schrieb, er wolle die Anleitung zur Meditation in vielen Exemplaren habenโ). Andererseits รผbte Karl Barth Kritik, s. in seinem Brief an B vom 14. 10. 1936 I/124 S. 252 f (โโฆ ich kรถnnte โฆ nicht sagen, daร ich bei dieser Sache sehr glรผcklich war. Ich kann eben schon die grundsรคtzliche Unterscheidung zwischen theologischer Arbeit und erbaulicher Betrachtung โฆ so nicht mitmachen. Und wiederum stรถrte mich in jenem Schriftstรผck ein schwer zu definierender Geruch eines klรถsterlichen Eros und Pathosโ).
2 Gerhard Vibrans hat in seine Konfirmationsbibel (im Besitz von Frau Lisa Bethge, verwitwete Vibrans) eingetragen: โMeditation ist ein Sichrรผsten und Bereiten auf das letzte โAllein vor Gott stehenโ. Der Glaube treibt in die Gemeinschaft, um sich gegenseitig im Glauben zu stรคrken โ zum letzten Einsamwerden. Jeder ist allein zum Tode gefordert [Anspielung auf den Beginn von Luthers erster Predigt am Sonntag Invocavit 9. 3. 1522 (WA 10 III, 1)]. Bonhoeffer am 22. IV. 36โ โ wรคhrend der Freizeit fรผr die Teilnehmer des ersten Kurses in Finkenwalde.
3 EB: โWeil ich mich darin รผben muร vor Gott allein sein zu kรถnnen, denn ich allein stehe im Gericht vor ihm, muร allein Rechenschaft geben kรถnnen und allein sagen kรถnnen: ich vertraue auf Christus.โ
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4 EB unter dem Wort โPfarrerโ: โAmtstrรคgerโ.
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5 EB: โbiblischer Zeitbegriff: die Zeit Leihgabe Gottes an uns. Ich kann damit nicht verfahren wie ich will.โ
6 EB: โWie sollen wir Frieden in Gottes Auftrag geben, ohne ihn selbst zu suchen?โ
7 EB neben โ2.)โ links am Rand, gestr.: โWeil Erkenntnis meiner Selbst und meiner Umgebungโ โWeil mir das den Tag einteilt.โ Vgl. den EB-Zusatz am Textschluร.
8 EB: โHierhin noch: Meditation soll mich selbststรคndig in der Schrift machen. Ich soll ohne Autoritรคten damit umgehen kรถnnen und Mut dazu haben.โ
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9 EB: โDie freie Meditation gefรคhrlich, weil wir drohen, mit uns allein zu bleiben. Umgang mit Gott aufgrund der Schrift. Selbsterkenntnis nur mit dem Wort. Gebet [ist] bestimmter fรผr eine Zeit auf Grund des Wortes. Das Wort erweitert uns und begrenzt uns sehr heilsam!โ Weitere Zufรผgung rechts neben der vorigen: โBerneuchen da dann Rausch des Gleichtaktes, aber das Gegenรผber?โ Der Name des Gutes Berneuchen (Neumark) bezeichnet auch die liturgische Bewegung der Evangelischen Michaelsbruderschaft.
10 Lk 2,19.
11 Vgl. in einer Einfรผgung Bethges weiter unten, s. S. 949, als Charakterisierung der Meditation: โdieser persรถnliche Umgang, dies Ausruhen an einer Stelleโ.
12 EB: โmรถglichst jetzt die Stuttgarter Jubilรคumsbibel. Genรผgend Erklรคrungen.โ โ Links am Rand steht bei EB โText und Gebet:โ vor dem folgenden Absatz.
13 EB Einfรผgung hier: โDie Fรผlle der FรผrbittโGegenstรคnde bei mir persรถnlich in Andacht nicht anzubringenโ.
14 EB: โ!!โ Vgl. III/5 (Der Morgen) S. 874 (โWir wollen nicht vergessen fรผr uns selbst zu betenโ); Zettelnotizen 56 f (โ โAchte deine Seele hochโ [Jesus Sirach 10,31]. โSchaden an seiner Seele nehmenโ [Mt 16,26]โ). In der Haft am 5. 5. 1944 DBW 8,415 schrieb B an Bethge: โIst nicht die individualistische Frage nach dem persรถnlichen Seelenheil uns allen fast vรถllig entschwunden? Stehen wir nicht wirklich unter dem Eindruck, daร es wichtigere Dinge gibt, als diese Frage (vielleicht nicht als diese Sache, aber doch als diese Fragel?)?โ โ Links am Rand steht bei EB โVerlauf der Meditation:โ vor dem folgenden Absatz.
15 EB Einfรผgung hier: โGeduldig warten daร sich das Wort erschlieรt. Ausruhen auf einem Begriff.โ Rechts am Rand: โkeine neuen Gedanken denken mรผssen! Und [nicht] bรถse werden รผber Fantasiearmut!โ Mit Hinweispfeil auf โVerlauf der Meditationโ: โAndacht und Predigtmeditation zu unterscheiden von dieser! Hausandacht ist zu kurz, zu ausgefรผllt, nicht einsam und speziell genug.โ Am oberen Seitenrand mit Zuweisungspfeil nach unten: โNun ist es gut, fรผr eine Zeit denselben Text zu behalten. Die Andacht ist etwas anderes als dieser persรถnliche Umgang, dies Ausruhen an einer Stelle. Jetzt Wochenspruchumgebung. Aber nicht allgemeine Regelungen. Initiative nicht ersticken! Wir dรผrfen auch die Wortbegegnungen nicht mit Organisation zustandezubringen meinen.โ
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16 Meditationstexte wurden von den Mitgliedern des Bruderhauses jeweils fรผr ca. ein Vierteljahr ausgewรคhlt und den Ehemaligen in Rundbriefen mitgeteilt, niemals ohne die Bitte um Treue im gemeinsamen Meditieren.
17 EB: โKeine Selbstvorwรผrfe wegen Erfahrungslosigkeit!โ
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18 Rรถm 8,26.
19 Vgl. Joh 5,39. EB unterhalb des Textschlusses: โUnd wir haben einen geordneten Tag und einen persรถnlich und selbstรคndig gestalteten Tag, dies Alleinsein befreit. Und wir haben das rechte Verhรคltnis zur Gemeinschaft der Gemeinde [und] zur Gemeinschaft der Welt nicht als christliches Wissen, sondern haben uns existentiell damit in der Stille befaรt. Das Gebet Fรผrbitte ordnet mich und meine Umgebung! Wir wissen, daร der Glaube die Stellung zur Zeitung [wohl irrtรผmlich statt โZeit undโ] zu den Zeitgenossen ordnet und regelt, aber erfahren tun wirs nur in solchem absichtslosem Praktizieren! Luthers drei Stunden.โ Siehe Bโs Seminararbeit โLuthers Stimmungen gegenรผber seinem Werkโ Sommersemester 1925 DBW 9, 284 f: โMan [Veit Dietrich im Brief an Melanchthon 30. 7. 1530] berichtet, er [Luther] habe tagsรผber wรคhrend der besten Arbeitszeit drei Stunden lang gebetet.โ
1 NL A 51,13: hsl.; Abdruck: GS IV 463โ465 und PAM II 56โ58. Diese Traupredigt fรผr Annemarie und Bernhard Riemer wurde am 18.7. 1936 in Magdeburg gehalten. Bernhard Riemer war Eberhard Bethges langjรคhriger Freund, s. E. Bethge, In Zitz gab es keine Juden, 51โ63.
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2 Ersetzt: โโฆ Nรคchsten an. Ein neues Gebot bindet ihn an den andernโ.
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3 โihrem Lebenโ: u. L. (Satz ist am Rand zugesetzt, dort ist der Bogen zum Abheften gelocht).
4 Gestr.: โGottes zu unsโ.
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5 Vgl. Rรถm 15,7.
1 NL B 16,3: stenographische Mitschrift in masch. Transkription von Gerhard Riemer. Dazu NL B 16,2: Mitschrift von Eberhard Bethge (= EB); NL B 16,1: stenographische Mitschrift (Schluร fehlt) von Erich Klapproth (= EK). Die Bibelarbeit wurde gehalten auf der Finkenwalder Freizeit 19.โ23. 10. 1936 fรผr die Teilnehmer des zweiten Kurses. Auf den Freizeiten des ersten Kurses 12.โ17. 4. 1937 und des dritten Kurses 31. 5.โ4. 6. 1937 wiederholte B diese Bibelarbeit, s. NL B 16,4: Mitschrift von Otto Dudzus 1937 (= OD). Erste Verรถffentlichung nach den Mitschriften von 1936 Riemer und EB und 1937 OD: GS IV 344โ357 (dem entspricht die Innenpaginierung); leicht รผberarbeitete Fassung PAM II 231โ246.
2 1937 OD: โZugang zu Pastoralbriefen uns versperrt durch groรe Paulusbriefe. Das hat sachliche Grรผnde.โ
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3 In I und II Tim immer: โrechtschaffener Sohn im Glaubenโ.
4 Die orthodoxe Dogmatik unterscheidet zwischen fides quae creditur (โGlaube, der geglaubt wirdโ) und fides qua creditur (โGlaube, durch denโ oder โmit dem geglaubt wirdโ); im ersten Fall ist der Inhalt des Glaubens gemeint, im zweiten der Akt des Glaubens.
5 EB: โNicht etwa schon anhebende Verflรผchtigung von Lehre zu Leben. Sondern dies Erinnern: รคuรerste Festigung der Lehre schon.โ 1937 OD: โSolch ein Hinweis kein Beginn einer Verflachung, Fortschreiten von Lehre zu Leben, wie gewรถhnlich ausgelegt.โ
6 D. h. in den groรen Paulusbriefen.
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7 1937 OD: โUnterschied, ob Paulus jemanden so nennt oder ob jemand sich auf die Vaterschaft des Paulus beruft.โ
8 EB: โAnderes, ob Paulus sich zu der Vaterschaft bekennen wird. Timotheus [also] das echte Kind [im Glauben] im Unterschied zu so vielen unechten.โ EK: โDie Vaterschaft von unrechten Kindern muรte Paulus spรคter verleugnen!โ
9 1937 OD: โSpricht รผber Amt als geistlicher Vater.โ
10 EK: โAutoritรคt und geistliche Liebe zugleich.โ
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11 1937 OD: โeindeutiger Zweck des Briefesโ.
12 1937 OD: โin dem er wandeln sollโ.
13 EK: โDer Rรผckzug von der Person auf das Amt bekommt erst an ganz anderer Stelle ein Recht.โ
14 EB: โSein Handeln an der Gemeinde beschrรคnkt sich nicht auf amtliche Funktionen. Als einer der wandelt im Hause Gottes: ordnend, sprechendโ.
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15 EB: โTimotheus weiร nicht [von] vornherein, was tun und wie, sondern bedarf der Belehrung, obwohl im Glauben des Rรถmerbriefes stehend.โ
16 โNestleโ Lutherโdt.: โein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheitโ; EK: โSรคule und Pfeiler der Wahrheit Gottesโ. 1937 OD: โEinzigartige Beschreibung. Dazu soll Gemeinde von Timotheus bereit gemacht werden, Pfeiler u. s. w. zu sein.โ
17 EB: โDazu die Gemeinde da, daร sie der Sockel ist, auf dem das Licht der Wahrheit brennen kann. Daร die Wahrheit Raum und Ehre bekomme.โ EK: โNicht in erster Linie Prediger der Wahrheit, sondern: Trรคger der Wahrheit, der nicht unter der Wahrheit des Evangeliums zusammenbricht. Auf diesem Sockel steht das Licht des Evangeliums.โ
18 Dt.: โGottesfurchtโ, โFrรถmmigkeitโ. Von solchem โGeheimnisโ handelte Bโs Londoner Trinitatispredigt zu I Kor 2,7โ10 am 27. 5. 1934 DBW 13, 359โ363.
19 Stellenangabe bei EK: โI 3,16โ.
20 1937 OD: โGottessohnschaft Christi soll sich als Wahrheit auf Gemeinde niederlassen und diese Wahrheit soll die Gemeinde bewahren. Wandel im Hause Gottes, in dem diese Wahrheit sichtbar ist, dazu wird Timotheus berufen, zu schlichtem Wandel angesichts dieser Wahrheit.โ
21 EB: โTimotheus nicht Missionar. Paulus war es und baute das Haus, darin Timotheus wandeln soll.โ EK: โPaulus baute das Haus Gottes und war dort Meรingenieur, Timotheus soll darin wandeln angesichts der Wahrheit des Sohnes Gottes.โ
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22 EB: โNichts ausgesagt รผber seine innere persรถnliche Geschichte.โ
etc. et cetera (โund die รผbrigenโ), und so weiter
23 EB hat anstelle dieses Satzes: โEs gibt schlechterdings kein Idealbild, der aufopfernden Hingabe โฆโ.
24 EB: โBilder unseres Kirchenwesensโ.
25 EB: โ โprimitivste Voraussetzungโ fรผr den Pfarrer!โ
26 EB: โOffenbar Paulus hat geringe Ansprรผche an den Diener am Wort gestellt.โ
27 EB: โNicht von seiner Seite gewichen.โ
28 EK: โ1 Th 3,2โ.
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29 1937 OD: โBeansprucht auch nicht evangelische Freiheit eigener Lebensgestaltung.โ
30 1937 OD: โnicht spontan, sondern mit den ฯฯฮฟฮธฮญฯฮตฮนฯ [โVorsรคtzeโ oder โGesinnungโ] des Paulusโ, s. II 3,10.
31 EK: โII 3,11โ.
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32 Textangabe bei EB: โII 3,11โ.
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33 1937 OD: โWer mit solchem Wissen an die Seite des Apostels trat, war bereit, nichts mehr selber zu sein.โ
34 1937 OD: โfรผr apostolischen Dienstโ.
35 1937 OD: โPaulus allein in Rom. Verlangt ihn nach Gemeinschaft des Mannes, der in seinem Leben nichts wollte als Gemeinschaft des apostolischen Lebens und Lehre.โ
36 1937 OD: โAuch dies eine Beschreibungโ.
37 Vgl. I Kor 4,1 und I Petr 4,10.
38 EB: โ2 Tim 1,3 doch schwer.โ GS IV 348 (DBW 15, 305): โAber der Apostel ist Tag und Nacht im Gebet bei ihm II 1,3.โ
39 EB: โRechtssatzungen, die ihn decken und auf die er sich zurรผckziehen kรถnnte.โ
40 EB: โNirgends kann er seine Person hinter Amt verstecken.โ
41 1937 OD ergรคnzt: โund zu รผberzeugen?โ
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42 EK: โFragen nach seiner Legitimationโ.
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43 1937 OD: โDie Gabe von 2. Tim 1,6 kein character indelebilis [โunzerstรถrbarerโ (โunverlierbarerโ) โCharakterโ]. Der Zuspruch ist hier alles und nicht der Zustand.โ Einen character indelebilis behauptet die katholische Lehre von der einmal erteilten Priesterweihe.
44 1937 OD: โnunโ.
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45 EK: โSo ist Timotheus gesichert gegen die, die sein Wort unwirksam machen wollen unter Berufung auf ihre grรถรeren Gaben, Gelehrsamkeit, Alter, Erfahrung. Er selbst wรคre vielleicht geneigt, den unteren Weg zu gehen und darin das Amt zu lรคstern.โ 1937 OD: โBraucht sich nicht zu fรผrchten vor denen, die frommer, asketischer, รคlter sind. Timotheus ist sicher gemacht und fest gemacht vom Apostel gegen Vorwรผrfe, die sich von einem menschlich wirklich hรถheren, asketischeren Standpunkt gegen ihn erheben werden.โ
46 1937 OD: โNeben Handauflegung [ist] die entscheidende Voraussetzung (1. Tim. 1,19) Glauben und gutes Gewissen. Ein anderer kann die Gemeinde nicht bauen.โ
47 1937 OD: โPaulus rechnet nicht allzu schnell mit der Mรถglichkeit, daร auch ein Judas das Evangelium verkรผndigen kann.โ
48 EK: โkraftlos in seinem Ermahnenโ.
49 EB: โVerliert er den Glauben, macht er den Beruf zunichte.โ
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50 EK: โaber meine Person hรคngt am Wort.โ 1937 OD: โIch bin wohl gebunden. Daร das Wort frei, [ist] kein Ruhekissen fรผr Faule, sondern Trost in Anfechtung.โ
51 EK: โโGlauben und gutes Gewissenโ: schรผtzt den Glauben vor Miรbrauch.โ
52 EK: โentlastet von der Sรผndeโ.
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53 EK ergรคnzt: โim unreinen Gefรคร verdirbt der Glaube.โ
54 EB: โAuch bei der Beschreibung der anderen รmter in I 3[,15โ16] fordert Paulus mit keinem Wort besondere Erkenntnisse und Erlebnisseโ.
55 EK: โKeine Forderung besonderer Erkenntnis usw. Der Mann des Amtes ist lediglich gesund im Glauben und Gewissen, nach innen und auรen I 5,21.โ
56 1937 OD ergรคnzt: โkein Genie, Virtuos u. s. w.โ.
57 EB: โDas [ist] dieselbe Charakterisierung wie bei Timotheus.โ
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58 Vgl. G. E. Lessing (Eine Duplik, 1777/78): โVater, gib [โden einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irrenโ]! Die reine Wahrheit ist ja doch nur fรผr dich allein!โ
59 EK statt โdie Heiligenโ: โdie wirklich Gerechtfertigtenโ.
60 EB: โund Askeseโ.
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61 1937 OD ergรคnzt: โMรผssen wir nicht [ihr] Streben anerkennen?โ Vgl. I Kor 13,3; zu I Kor 13,1โ3 predigte B in London am 14. 10. 1934 DBW 13, 378โ386.
62 Vgl. unter der รberschrift โVon der Verborgenheit des christlichen Lebensโ die Auslegung von Mt 6,1โ18 DBW 4 (N), 150โ166.
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63 EB und 1937 OD: โHeiligkeitโ.
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64 I Tim 6,4 f.
65 EB: โDiese Heiligkeit sind [ist] vor Gottes Evangelium dasselbe wie Wollust.โ 1937 OD: โLaster und falsche Heiligkeit hรคngen hier immer zusammen. Paulus begreift das unter einem und verwirft es.โ
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66 EK: โSoll Timotheus โฆ mit ihnen [diesen Irrlehrern] diskutieren?โ Auch 1937 OD: โdiskutierenโ.
67 Sc. alles.
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68 1937 OD ergรคnzt: โDurch Diskutieren kann man jedes Wort der Schrift totschlagen. Fehler liegt nicht im Intellekt, sondern in der Bereitschaft zu gehorchen.โ
69 1937 OD: โAus Gehorchen kommt Erkenntnis, nicht aus rechter Erkenntnis Gehorsam. Durch Diskutieren kommen wir in Gefahr, unseren Ungehorsam zu verdecken.โ
70 Vgl. Joh 16,13. EB: โDarum keine Gemeinschaft, als die Gemeinschaft der Predigt der Buรe und [des] Evangeliums allein.โ EK: โGottes Wahrheit wird durch Gehorsam erkannt! Daher darf Timotheus keine andere Gemeinschaft mit ihnen haben, als die der Predigt der reinen Lehre.โ
71 EK: โNur die kranke Lehre kann das nicht begreifen, sie schleicht auch dann noch nach I 1,19 [f] II 2,17.โ
72 1937 OD: โGibt auch kranke Seelsorge.โ
73 Zur Aufhebung unwahr gewordener Gemeinschaft vgl. in Bโs Aufsatz โZur Frage nach der Kirchengemeinschaftโ II/19.1 bes. S. 676.
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74 EK: โWesen der โGesundheitโ der Lehre: daร der Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen besteht in der Kraft eines guten Gewissens. โKrankheitโ: daร der Glaube zur Befriedigung irgendwelcher Menschenbedรผrfnisse dienen soll. โGesundโ heiรt nicht Anpassung an die Welt.โ 1937 OD: โGesundheit der Lehre besteht darin, daร Lehre vom Kreuz besteht in Kraft eines guten Gewissens und [in] Gehorsam. Krankheit der Lehre ist, wenn Offenbarung zur Befriedung der menschlichen Spekulation usw. [dient].โ
75 1937 OD: โbefiehltโ.
76 EB ergรคnzt: โNiemals kann fรผr den, der apostolischen Auftrag trรคgt, Frage nach Gunst und Ungunst bestimmend sein.โ
77 EK: โDa apostolischer Auftrag, kann nie Gunst oder Ungunst der Zeit die Predigt bestimmenโ.
78 EB und EK: โfรผr Gottes Wortโ.
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79 1937 OD ergรคnzt: โder Geschichteโ. Vgl. II/7 (Vergegenwรคrtigung neutestamentlicher Texte).
80 Dt.: โZeit(punkt)โ.
81 Aus II 4,2 ergรคnzt EB: โแผฮปฮตฮณฮพฮฟฮฝ. Keine Menschenfurcht. แผฯฮนฯฮฏฮผฮทฯฮฟฮฝ, ฯฮฑฯฮฑฮบฮฌฮปฮตฯฮฟฮฝ [โNestleโ: โstrafe, drohe, ermahneโ]. Der รberfรผhrte bestraft, der Bestrafte ermahnt (mit Trost des Evangeliums)โ; EK: โฮบฮฎฯฯ ฮพฮฟฮฝ: Die Predigt der gesunden Lehre ist รถffentliche Predigt, im Gegensatz zur kranken Lehre. Daher nicht Beschrรคnkung auf Sonntagspredigt, sondern stรคndiges Wachen รผber die Gemeinde: แผฮปฮตฮณฮพฮฟฮฝ, ฯฮฑฯฮฑฯฮฏฮผฮทฯฮฟฮฝ.โ 1937 OD: โPredigt ist รถffentliche Verkรผndigung, im Gegensatz zum privatisierenden DurchโdieโHรคuserโSchleichen.โ
82 EK und 1937 OD: โWahrheitโ.
83 EB: โSchwermut, daร so viel abfallen. Superbia [โStolzโ] wenn er so viel fallen sieht.โ EK: โ โnรผchternโ: nicht der Schwermut verfallen, weil er nicht alle gewinnen kann, und nicht dem Hochmut verfรคllt, weil er soviele fallen sieht.โ
84 1937 OD: โWenn Timotheus mit Paulus einer Meinung bleibt in der Nรผchternheit der Lehre und des scheidenden Wortes, kann Paulus ihm auch zumuten ฮบฮฑฮบฮฟฯฮฌฮธฮทฯฮฟฮฝ [โleide Bรถsesโ, II 4,5]. Das ganz selbstverstรคndlich und nรผchtern gesagt.โ
85 EB: โNichts Dramatisches aus dem Leiden machen.โ EK: โNichts Dramatisches sondern Summeโ (hiermit endet EK).
86 1937 OD: โDas apostolische Leben ist Kriegsdienst II 2,3.โ
87 1937 OD: โletzte Gemeinschaftโ.
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88 1937 OD: โder bewรคhrte Zeugeโ.
89 1937 OD ergรคnzt: โin der Gottseligkeitโ.
90 EB fรคhrt fort: โdamit nicht stolz.โ
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91 EB: โDen Alten nicht unehrerbietig, Jungen ein Bruder. Nur das [hat er ihnen] voraus, daร er ihnen dienen darf.โ
92 EB ergรคnzt: โDamit dem Wort nicht Schaden oder Unehre tunโ.
93 EB: โHarter Seelsorger, der ihn so ganz bestรคtigt hat eben.โ
94 EB: โFรผr uns soll sich von selbst verstehen, was sich fรผr ihn nicht von selbst versteht: die einfachsten Dinge.โ
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95 EB: โJe echter die ฮตแฝฯฮญฮฒฮตฮนฮฑ [โFrรถmmigkeitโ], je nรคher der Fall.โ
96 EB und 1937 OD: โdem Timotheusโ.
97 1937 OD ergรคnzt: โBleibt dem Richttag, dem jรผngsten รผberlassen.โ
98 EB ergรคnzt: โan der Art, wie er [sein] Amt ausfรผhrt.โ
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1 NL A 48,2: masch. Hektographie, Beilage zum 13. Finkenwalder Rundbrief 25. 10. 1936 (vgl. NL A 53,5: masch. Abschrift); Abdruck: GS IV 193โ196 und PAM II 128โ132. Nicht nachweisbar in Mit- bzw. Nachschriften der homiletischen รbungen, also wohl fรผr einen anderen Zweck abgefaรt. Mit fast allen Rundbriefen wurden Predigthilfen, von Mitgliedern des Bruderhauses erstellt, an die Ehemaligen versandt. Die Beilage des 13. Rundbriefs hat die รberschrift โPredigt-Meditationenโ und enthรคlt, auรer Bโs Auslegung (โI.โ), als โII.โ eine โPredigtmeditation รผber Luk 16,1โ12โ von Horst Lekszas. Zu Apk 2,4 f.7 hielt B eine Reformationsfest-Predigt in Berlin am 6. 11. 1932 DBW 12, 423โ431.
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2 Vgl. I/127 (Bโs Jahresbericht 1936).
3 Zu dem Eingreifen der staatlichen Kirchenausschรผsse in die Arbeit der BK und den damit verbundenen Erschรผtterungen vgl. (auรer Bโs Jahresbericht 1936) DB 570 f.
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4 In der Haft formulierte B in โGedanken zum Tauftagโ Mai 1944 DBW 8, 435: โUnsere Kirche, die in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekรคmpft hat, als wรคre sie ein Selbstzweck, ist unfรคhig, Trรคger des versรถhnenden und erlรถsenden Wortes fรผr die Menschen und fรผr die Welt zu sein.โ
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5 Vgl. Apk 22,2.
1 NL A 51,2: masch. Hektographie, Beilage zum 18. Finkenwalder Rundbrief 17. 4. 1937; Abdruck: GS IV 406โ413 und PAM II 64โ71. Die Predigt wurde am 14. 3. 1937 (Sonntag Judica) in der Notkirche des Seminars gehalten.
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2 Vgl. die Leidensankรผndigungen Mk 8,31โ33; 9,30โ32; 10,32โ34.
3 Vgl. Mt 26,20โ25.
4 Mt 26,40.
5 Mt 26,56.
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| Seitenwende (bei Neuabdruck)
6 Vgl. Lk 4,28โ30; Joh 18,4โ6.
7 Mt 26,22.
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8 Vgl. Joh 6,70.
9 Vgl. Mt 10,1โ8.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
10 Joh 12,6.
11 Vgl. Joh 13,26โ30.
12 Mt 26,24.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
13 Vgl. Auslegung von Gen 3,4 f in DBW 3 (SF), 103.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
14 Vgl. Rรถm 11,1 f. 11โ16.25โ32 und III/6 (zu Rรถm 9โ11).
15 Strophe 5 des Passionsliedes โO Welt, sieh hier dein Lebenโ EG.BP 46, EKG 64 (Paul Gerhardt 1647).
16 Mt 27,3โ5.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
17 Beginn einer Strophe aus mittelalterlichen Passions- und Osterspielen, oft als Spottlied gebraucht, um unliebsame Gegner lรคcherlich zu machen. In der Reformationszeit wurde durch Hermann Bonnus (1542) aus dem Spottlied ein Bรผรlied: โO wir armen Sรผnderโ EG.BP 363, EKG 57. Vgl. Handbuch zum Evangelischen Kirchengesangbuch III/1, 275โ278.
18 Passionslied EG.BP 35, EKG 56,8 (Michael Weiรe 1531).
1 NL A 51,3: masch. Hektographie, Beilage zum 22. Finkenwalder Rundbrief 29. 7. 1937; Abdruck: GS IV 413โ422 und PAM II 72โ80. Die Predigt wurde am 11. 7. 1937 (8. Sonntag nach Trinitatis) in der Notkirche des Seminars gehalten. Sie lรถste unter den Kandidaten eine lebhafte Kontroverse aus. Kritisiert wurden vor allem die DavidโChristusโBeziehung, die David kaum noch erlaube, wirklicher Mensch mit so menschlichen Reaktionen wie Rachegefรผhlen zu sein, und die zu ausschlieรlich gepredigte Verifizierung von Gottes Rache durch das Kreuz Christi. Ein Ergebnis dieser Diskussion war eine Meditation, die ein anderer, wahrscheinlich das Bruderhausmitglied Horst Thurmann, verfaรte. Horst Lekszas erklรคrte im Rundbrief: โWir geben diesem Brief eine Predigt und eine Meditation รผber denselben Text, einen Rachepsalm, mit. Um zu einer besseren Durchdenkung der exegetischen Schwierigkeit zu verhelfen: von verschiedenen Verfassern!โ Der Text des Psalms steht in der Rundbriefbeilage nicht. Er wird im folgenden so wiedergegeben, wie B ihn gegenรผber dem Drucktext in LB hsl. verรคndert hat.
2 Drucktext LB: โund richten, was gleich ist, ihr Menschenkinder? Ja, mutwillig tut ihr Unrechtโ.
3 Drucktext LB: โverschmachtetโ.
4 So das durchgรคngige Verstรคndnis liberaler Psalmenauslegung, wonach Rachepsalmen von unterchristlichem Niveau seien.
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5 Zur hier gepredigten DavidโChristusโTypologie vgl. in der Bibelarbeit โKรถnig Davidโ III/7 bes. die Vorbemerkung.
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6 B greift hier und im folgenden zurรผck auf die รbersetzung des Ps 58 von Hermann Gunkel, Die Psalmen, 249.
7 Vgl. Rรถm 7,24.
8 Vgl. II Sam 24,14.
9 Vgl. II Thess 2,3โ8.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
10 Vgl. in Bโs Londoner Predigt zu Jer 20,7 am 21. 1. 1934 DBW 13, 347: das โรผberredende, betรถrende, verfรผhrende Wort der Liebe des Herrn, den es nach seinem Geschรถpf verlangtโ.
11 Vgl. Mk 4,12; zu โVerstockungโ s. in der Seelsorgevorlesung II/12.1 S. 556โ558.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
12 Vgl. Dtn 32,35 und Rรถm 12,19.
13 Vgl. Gal 6,7.
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| Seitenwende (bei Neuabdruck)
14 Vgl. II/3.2 (Predigtentwurf zu Rรถm 3,23โ26) und in der NTโVorlesung im dritten Kurs 1936 โDas neue Leben bei Paulusโ II/15.2.
[ Hinzufรผgungen der Herausgeber
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15 Lk 23,34.
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16 Vgl. hierzu das Lied โChristi Blut und Gerechtigkeitโ EG.BP 154, EKG 273.
| Seitenwende (bei Neuabdruck)
BONHOEFFER, D., Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935โ1937, XIV, Dietrich Bonhoeffer Werke, Gรผtersloher Verlagshaus, Gรผtersloh 2015Sonderausgabe, 820โ988.

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