Bonhoeffer

Bonhoeffer, Illegale Theologie, Part III. LAD Rosary

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Bonhoeffer

 

 

e) Fรผnfter Kurs. Fertigstellung der โ€žNachfolgeโ€œ, Verbot des Seminars und Ende des Bruderhauses
18. Aprilโ€“11. September 1937

A. VORLESUNG

28. VORLESUNG โ€žGEMEINDEAUFBAU UND GEMEINDEZUCHT IM NEUEN TESTAMENTโ€œ.1 VORLESUNGSTEILE ZUM RAUM DER VERKรœNDIGUNG UND ZUM RAUM DER ร„MTER (MITSCHRIFT)

Der Raum der kirchlichen Verkรผndigung und ihres Bekenntnisses2

Der legitime Raum der christlichen Verkรผndigung ist Synagoge. Mit einer Ausnahme3 predigt Paulus nur in Synagoge. Synagoge in Beziehung zum Tempel keine Kultstรคtte (kein Opfer), sondern Stรคtte der Gesetzeslehre. NT legt Gewicht darauf, daรŸ Verkรผndigung in der Synagoge geschieht. Raum der Verkรผndigung nicht die StraรŸe, sondern die Synagoge. Christliche Gemeinde will gerade auch in der Frage des รคuรŸeren Raumes der legitime Nachfolger des alttestamentlichen Volkes sein.4 Pfingsten wartet die Gemeinde im Tempel zu Jerusalem Acta 2,2 3,11 5,12 5,25 Synagoge 9,20 13,5.14 (am Sabbath) 13,42 14,1 17,1โ€“2 ฮบฮฑฯ„แฝฐ ฯ„แฝธ ฮตแผฐฯ‰ฮธฯŒฯ‚5 Paulus tutโ€™s also regelmรครŸig. 17,17.19 in Synagoge und auf dem Markt, eine der ganz seltenen Stellen. 17,19 auf Areopag gefรผhrt. 18,4โ€“8 รœbergang von Juden zu Heiden lรคuft parallel mit Abschied von Synagoge und รœbergang zu Haus des Krispus. 19,9 und 10. Nach Ablehnung in Synagoge in Privathaus des Tyrannus.6 โ€žRein gehe ich von nun an zu den Heidenโ€œ.7 Solange wird Anspruch auf Synagoge erhoben, bis Widerstand unertrรคglich. Von der Synagoge, deren legitime rรคumliche Erben sie sein wollten, gehen sie erst in Hรคuser der Christen. Einheit mit Israel wurde von Paulus auch im gemeinsamen Gottesdienst gesucht. Acta 13,14.15 20,7. Am Sabbath kommt Paulus. Christliche Gemeinde hรคlt sich wohl auch an jรผdische Form des Gottesdienstes.8
Der Verkรผndiger, der Apostel tut seinen Dienst umsonst, nach dem Gebot Jesu.9 Matth. 10,8 1. Kor. 9,12.15 2. Thess. 3,8. โ€žUmsonst habt ihrโ€™s empfangenโ€œ.10 Auf seiten der Gemeinde entspricht dem die selbstverstรคndliche Gastfreundschaft. โ€žArbeiter seines Lohnes wertโ€œ11, bekommt aber keinen Lohn, sondern nur Nahrung fรผr Tag.12 Paulus legt dem sehr groรŸes Gewicht bei. รœbt selbst Beruf aus. Zeichen der falschen Apostel (2. Kor. 11,7.13 ff Tit. 1,12 1. Petr 513), daรŸ sie ein Geschรคft daraus machen. Paulus rechnet es sich zum Ruhm an, nur Philipperbrief anders.14 Paulus will die Reinheit der Verkรผndigung und ihre Glaubwรผrdigkeit nicht belasten. Glaubwรผrdigkeit immer wieder in Frage gestellt durch Beruf, also monatliches Gehalt. Sagen immer wieder, keine innere Nรถtigung, sondern um des Geldes willen (cf. Kierkegaard).15
Der Gebrauch der Sakramente. Gibt Sakramente, weil Christus in seinem Leib gegenwรคrtig ist. Weil Christi Leib sichtbar, deshalb Sakramente. Joh. 19: Wasser und Blut flieรŸt aus seiner Seite.16 Seit altersher dieses bezogen auf Taufe und Abendmahl. Aus gekreuzigtem Leib flieรŸen Wasser und Blut. Beide Sakramente in besonderer Beziehung zum Tod Christi. Rm. 6, Kol. 3 Taufe in Tod Christi hinein 1. Kor. 11 โ€žSooft ihr esset, verkรผndiget des Herrn Todโ€œ.17 Hineingetauft werden in Tod Christi bedeutet eingetaucht werden in Leib Christi. 1. Kor. 12,13 Eph. 4,5 1. Kor. 1,13 Gal. 3,27. 1 Kor. 12,13: Taufe kein opus operatum und vรถllige passio unsererseits.18 Philem. (V. 15 biblischer Beweis fรผr โ€žWiedersehen im Jenseitsโ€œ. Auch 1. Thess. 2,17) V. 16 แผฮฝ ฯƒฮฑฯฮบฮฏ und แผฮฝ ฮบฯ…ฯฮฏแฟณ19 beides nebeneinander. Nicht mรถglich zu sagen: โ€žIn Christus sind wir einsโ€œ, โ€žaber im gewรถhnlichen Leben sind wir noch getrennt.โ€œ Wenn durch die Taufe ein Leib, dann auch die Beziehungen โ€žim Fleischโ€œ, in den ร„mtern u. s. w. entscheidend geรคndert. Anspruch der Taufe auch auf das Fleisch. (Steglitzer Synode: Unser Verhรคltnis zu jรผdischen Brรผdern, zu getauften Juden.)20 Taufe konstituiert die Einheit des Leibes Christi, das Abendmahl konstituiert durch wiederholten Gebrauch die Gemeinschaft, die ฮบฮฟฮนฮฝฯ‰ฮฝฮฏฮฑ.21 Mit dem empfangenen Leibe Christi wird die ฮบฮฟฮนฮฝฯ‰ฮฝฮฏฮฑ des Leibes Christi, also Gemeinschaft der Brรผder empfangen (Sermon von 151922). Die durch Abendmahl konstituierte Gemeinschaft. Die engste Gemeinschaft der Glรคubigen beim Abendmahl. Man gehรถrt sich bedingungslos.23 In Taufe durch einen Geist zu einem Leib. Im Abendmahl durch einen Leib zu einem Geist. Gegenรผber von Christus und Gemeinde hier am deutlichsten.24 Sakrament heiรŸt sichtbar Teil bekommen am Leib Christi.

Der Raum der ร„mter und der Charismata25

โ€žLeib Christiโ€œ schlieรŸt in sich, daรŸ keine Scheidung von Wesen und Erscheinung der Kirche; etwa Predigt und Sakramente Wesen und ร„mter etc. Erscheinung. Das vom โ€žLeib Christiโ€œ her unmรถglich. Im โ€žLeib Christiโ€œ herrscht das Gesetz des Dienstes, wie der Leib im Dienst gekreuzigt worden. Im Leib Christi bin ich nicht, um etwas fรผr mich zu haben, sondern zu dienen. ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑ [das] entscheidende Wort. Von dem einen ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฯ‚ โ€žChristusโ€œ.26 Neben ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑ die ฮฟแผฐฮบฮฟฮฝฮฟฮผฮฏฮฑ Eph.27 1. Kor. 4,1 Tit. 1,7. In beiden Begriffen Dienst, nicht irgendwelche Rechte ausgesprochen. Dadurch unterscheiden sie sich von โ€žAmtโ€œ. โ€žAmtโ€œ bald Titel und Ehrenbezeichnung. ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑ und ฮฟแผฐฮบฮฟฮฝฮฟฮผฮฏฮฑ kรถnnen niemals Titel und Ehrenbezeichnung sein. แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฯ‚, ฯ€ฯฮตฯƒฮฒฯฯ„ฮตฯฮฟฯ‚,28 ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฯ‚ nur Dienst- und keine Ehrenbezeichnungen. Diese ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน von Gott eingesetzt, oder von Christus und heiligem Geist. 1. Kor 12,28 von Gott; Eph 4,11 von Christus Acta 20,28 durch Heiligen Geist. Acta 6,5 13,2 durch Gemeinde unter Beistand des Geistes. Tit. 1,5. 1. Tim 5,22 f durch Apostel.29
Diese ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน treten immer da ein, wo Bedรผrfnis vorhanden. In verschiedenen Gemeinden darum jeweils verschieden.
Versehung der ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน liegt nicht im Belieben der Einzelnen. Man kann sich nicht selber dafรผr berufen, sondern der heilige Geist durch Charismen.
Das Charisma ist die durch heiligen Geist ermรถglichte subjektive Voraussetzung fรผr den objektiven Dienst an der Gemeinde.
1. Kor. 12,4 ff. Verhรคltnis von Charisma und Dienst, ฯ‡ฮฑฯฮฏฯƒฮผฮฑฯ„ฮฑ und ฯ€ฮฝฮตแฟฆฮผฮฑ30 zusammengeordnet, weil ฯ‡ฮฑฯฮฏฯƒฮผฮฑฯ„ฮฑ Gabe des einen Geistes.
ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน und ฮบฯฯฮนฮฟฯ‚31 hier zusammen, weil der ฮบฯฯฮนฮฟฯ‚ der erste ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฯ‚.
V. 6. Was durch Amt und ฯ‡ฮฌฯฮนฯƒฮผฮฑ gewirkt wird in der Gemeinde, geschieht durch Gott.
V. 7. In dem allem geschieht eine ฯ†ฮฑฮฝฮญฯฯ‰ฯƒฮนฯ‚32, Sichtbarwerdung des Geistes.
V. 8โ€“10 die Fรผlle der ฯ‡ฮฑฯฮฏฯƒฮผฮฑฯ„ฮฑ. V. 11: Von dem einen Geist das alles.
V. 8 gรถttliche Weisheit, die Torheit des Kreuzes als Weisheit versteht. 1. Kor. 1,24 2,6 ff Kol 1,9 2,3 4,5 Ephes. 1,8 (Theologie des Kreuzes).
ฮปฯŒฮณฮฟฯ‚ ฮณฮฝฯŽฯƒฮตฯ‰ฯ‚33 Verschieden beurteilt im NT die Gnosis. โ€žGnosis blรคht aufโ€œ.34 Aber auch ganz anders. Hier35 gegenรผber ฯƒฮฟฯ†ฮฏฮฑ36 das formalere ฯ‡ฮฌฯฮนฯƒฮผฮฑ.
ฯ€ฮฏฯƒฯ„ฮนฯ‚37 ein ฯ‡ฮฌฯฮนฯƒฮผฮฑ. Analogie 1. Kor. 13,2. Nicht voller Sinn des Heilsglauben[s], sondern besonders stark glauben, Glaube in besonderer Kraft. Luther: โ€žHรคngt nicht an der Kraft, sondern an der GewiรŸheit unseres Glaubens.โ€œ38
ฯ‡ฮฑฯฮฏฯƒฮผฮฑฯ„ฮฑ แผฐฮฑฮผฮฌฯ„ฯ‰ฮฝ39 Plural; einzelne Handlungen und Taten. Keine Kontinuierlichkeit, also keine immanente Gabe, Befรคhigung. Jeweilige Eingriffe Gottes beschrieben. Von Mal zu Mal Gottes Wundertaten erfahren.
ฯ€ฯฮฟฯ†ฮทฯ„ฮตฮฏฮฑ40
ฮดฮนฮฑฮบฯฮฏฯƒฮตฮนฯ‚ ฯ„แฟถฮฝ ฯ€ฮฝฮตฯ…ฮผฮฌฯ„ฯ‰ฮฝ.41 Das ist ein ฯ‡ฮฌฯฮนฯƒฮผฮฑ, das uns heute wieder geschenkt ist.

Die ร„mter:

Reihenfolge: Apostel, Propheten, Lehrer. Was sind das fรผr ร„mter nach dem Willen des dreieinigen Gottes.
Fรผr Apostelamt konstitutiv der persรถnliche Auftrag durch persรถnliche Berufung oder Erscheinung.42 Die Jรผnger, die im Erdenleben Auftrag bekommen haben, bekommen diesen Auftrag vom Auferstandenen bestรคtigt.43
2. Kor. 8,23 Titus und die Brรผder hier auch แผ€ฯ€ฯŒฯƒฯ„ฮฟฮปฮฟฮน44 genannt, Gesandte der Gemeinden, แผ€ฯ€ฯŒฯƒฯ„ฮฟฮปฮฟฮน in ganz weitem Gebrauch. Rm 16,7 Andronikos und Junias แผ€ฯ€ฯŒฯƒฯ„ฮฟฮปฮฟฮน genannt. Gal. 1,19. Herrenbruder Jakobus wird Apostel genannt. 1. Kor. 15,7 โ€žnach den 500โ€œ ฯ€แพถฯƒฮนฮฝ แผ€ฯ€ฮฟฯƒฯ„ฯŒฮปฮฟฮนฯ‚.45 Eine ganz groรŸe Zahl Apostel demnach. Acta 14,4 und 14,14 auch Barnabas Apostel genannt. Acta 1,20 f das genannt, was zum Apostel gehรถrt.46
1. Kor. 9,1 ff.; auch die Begrรผndung genannt.47
Aufgabe des Apostels ist Mission und Gemeindegrรผndung. 1. Kor. 9,2 1. Thess. 2,7 2. Kor. 12,2 Gal 4,13 1. Kor. 4,14 ff Eph. 2,20 die Autoritรคt ausgedrรผckt.
Acta 8 (im Zusammenhang mit Joh. 20)48 Kann allein der Geist von den Aposteln รผbertragen werden?
Lukas 10: Aus den 12 werden 70 Apostel. Auch von ihnen gilt: โ€žWer euch hรถrt, hรถrt mich; wer euch verachtet, der verachtet mich.โ€œ49
1. Kor. 12,28 Mt 10,41 Eph. 2,20 3,5 4,11 (:) Hier รผberall Apostel mit Propheten u. s. w. zusammen genannt. Was Amt der Propheten, unklar. Wahrscheinlich Vorhersagung. Agabus Acta 1150 Acta 13,1 Barnabas auch Prophet genannt. Rm 12,6 1. Thess. 5,20 1. Kor 14: In Urchristenheit รผberall im Urchristentum vorhanden. Hat in den schon gegrรผndeten Gemeinden ihre Aufgabe = Weissagung von Christus. Begriff ฯ€ฯฮฟฯ†แฟ†ฯ„ฮฑฮน51 aus der Apokalypse Ap. 22,9 18,20.
ฮดฮนฮดฮฌฯƒฮบฮฑฮปฮฟฯ‚52 1. Kor. 12,8 Rm. 12,753 1. Kor. 14,26 Acta 13,1 (hier Barnabas auch ฮดฮนฮดฮฌฯƒฮบฮฑฮปฮฟฯ‚) Hebr. 13,7.17.24. Jak. 3,1. ฮดฮนฮดฮฌฯƒฮบฮฑฮปฮฟฯ‚ รผbt Amt der Unterweisung, neben der Prophetie; hier der kerygmatische Charakter, ฮดฮนฮดฮฌฯƒฮบฮฑฮปฮฟฯ‚ im NT allerhรถchste Wรผrde. Hebr. 13,7.17.24. Hier แผกฮณฮฟฯฮผฮตฮฝฮฟฯ‚54 in derselben Bedeutung wie ฮดฮนฮดฮฌฯƒฮบฮฑฮปฮฟฯ‚. Einsetzung, Wahl, freiwillige Meldung zu einem Amt alles noch durcheinander in der 1. Zeit.
แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฯ‚ ist zunรคchst ein Glied des Presbyterialkollegiums. Bis Ignatius die Gemeinde presbyterial verfaรŸt, mit der Ausnahme von Jerusalem. Dort monarchische Verfassung, Jakobus. Acta 20,28, die Presbyter gesetzt als แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฮน, ฯ€ฯฮตฯƒฮฒฯฯ„ฮตฯฮฟฯ‚ stellt Wรผrde des Amtes dar, แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฯ‚ usw. als Dienst und Funktion. 1. Petr. 5,1โ€“2 Phil. 1,1 แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฮน55. Also kein monarchischer Episkopat. Neben แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฯ‚ in Phil. 1,1 die ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฮน. ฯ€ฯฮตฯƒฮฒฯฯ„ฮตฯฮฟฯ‚ wahrscheinlich beiden รผbergeordnet. Das andere nur eine oder 2 Funktionen des ฯ€ฯฮตฯƒฮฒฯฯ„ฮตฯฮฟฯ‚โ€“Amtes. 1. Tim.56 die แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฮน und ฮดฮนฮฌฮบฮฟฮฝฮฟฮน hintereinander genannt. Acta 20,28 mahnt der scheidende แผ€ฯ€ฯŒฯƒฯ„ฮฟฮปฮฟฯ‚ die ฯ€ฯฮตฯƒฮฒฯ…ฯ„ฮญฯฮฟฯ…ฯ‚, in seiner Abwesenheit das Amt der แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฮน zu versehen. 1. Tim. 5,17 Episkopat mit Lehramt verknรผpft. Ebenso 1. Tim. 357
Diakonat ursprรผnglich neben (1. Tim., Phil. 1,1), spรคter unter แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฯ‚. Diakonat entsteht (Acta 6) aus der sozialen Not innerhalb der Gemeinde. Gehรถrt mehr als Tischdienst dazu. Stephanus predigt. Auch weiblicher Diakonat. Rรถm 16,1 (Phรถbe), ebenso 1. Tim. 3,11 (Luther falsch รผbersetzt58). Diakonie und Episkopat also zunรคchst nebeneinander, zusammen mit Lehrรคmtern, haben wahrscheinlich das Presbyterium gebildet, im AnschluรŸ an das A.ย T. (Num.! 1159). Presbyter sollen รผberall in Gemeinde eingesetzt werden. Tit. und Acta 14,23.
Aufgabe der Presbyter, Acta 11,30. ร„lteste in Jerusalem bekommen und verwalten die Gelder; auch Acta 12,25. In Jerusalem die Apostel und ร„ltesten zusammen genannt. Acta 15,2.4.6.22.23. ร„lteste sind angesehen. Wรผrdentrรคger. Mรถglich, daรŸ Diakone (Acta 6) das erste Presbyterium, in das dann die anderen angesehenen ร„mter eingegliedert werden. Acta 20,1860. Jak 5,14 Seelsorgerliche Funktion der ร„ltesten. 1. Tim 5,17.19. Presbyter zum Teil haben Auftrag der Verkรผndigung und der Lehre, aber nicht alle. Diese ฯ€ฯฮตฯƒฮฒฯฯ„ฮตฯฮฟฮน kรถnnten die sein, die sonst แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฮน heiรŸen bei Paulus. Einige ร„mter, Lehre und Verkรผndigung treten schon aus der Reihe der ร„mter im Presbyterium als hervorragend heraus. Monarchischer Episkopat auch angebahnt.
ฯ€ฯฮฟฯŠฯƒฯ„ฮฌฮผฮตฮฝฮฟฯ‚61 Rm 12,8, 1. Thess. 5,12. Fraglich, wo sie unterzubringen sind. Gesamtbegriff ฯ€ฯฮตฯƒฮฒฯฯ„ฮตฯฮฟฯ‚ oder fรผr แผฯ€ฮฏฯƒฮบฮฟฯ€ฮฟฯ‚.
Besondere Stellung haben die Ersten, Erstbekehrten, Rm 16,1, Phoebe. Auch an anderen Stellen.
Dienst der Frauen in Gemeinde. Rm 16,1 Phoebe. Weibliche Prophetie, Acta 21,9 (Tรถchter des Philippus). Auch Paulus rechnet damit, daรŸ Frauen Prophetie รผben, 1. Kor. 11,3 ff. Sollen dabei verschleiert sein. Generell (1. Kor. 14,33) der Meinung, daรŸ Frau in der Gemeinde schweigen soll. Wenn Geist รผber sie kommt, dann soll ihm allerdings nicht gewehrt werden.
Direktes Amt fรผr Frau im NT die ฯ‡ฮฎฯฮฑฮน62. Beamtete Verkรผndigung im NT gehรถrt dem Mann.
Im NT gewisse Weisungen fรผr Aufbau der Gemeinde. Ob heute verbindlich, hรคngt mit Auffassung der Schrift zusammen. Im NT Vielgestaltigkeit der ร„mter. Durch dreieinigen Gott gesetzt. Von innen her kann die Ordnung der Gemeinde variabel sein, je nach den Bedรผrfnissen. Aber niemals von auรŸen eine Ordnung zu setzen.
Raum des Leibes Christi geht รผber ร„mter, Verkรผndigung hinaus und greift in das Leben jedes einzelnen Christen ein und beansprucht sein ganzes Handeln, Denken, im Beruf und so weiter, Leib Christi รผber Verkรผndigung und Sakramente, auch รผber die Ordnung der Kirche hinaus das tรคgliche Leben, christliche Lebensbeziehung untereinander.63

B. VORTRAG

29. VORTRAG UND DISKUSSIONEN รœBER SCHLรœSSELGEWALT UND GEMEINDEZUCHT1

29.1. VORTRAG BONHOEFFERS รœBER SCHLรœSSELGEWALT UND GEMEINDEZUCHT IM NEUEN TESTAMENT2

Sรคtze รผber Schlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament

1. Christus hat seiner Kirche Gewalt gegeben, auf Erden Sรผnden zu vergeben und zu behalten in gรถttlicher Vollmacht (Mt. 16,19; 18,18; Joh. 20,23). Ewiges Heil und ewige Verdammnis entscheidet sich an ihrem Wort. Wer unter dem Wort der Verkรผndigung vom sรผndigen Wege umkehrt, BuรŸe tut, der empfรคngt die Vergebung. Wer bei seiner Sรผnde beharrt, empfรคngt Gericht. Die Kirche kann nicht den BuรŸfertigen von der Sรผnde lรถsen ohne den UnbuรŸfertigen bei der Sรผnde zu behaften und zu binden. Der Lรถseschlรผssel selbst hat keinen ewigen Ernst, wenn nicht auch der Bindeschlรผssel ewigen Ernst hat.3 Will die Kirche im Auftrag und in der Vollmacht Jesu Christi Sรผnden vergeben, so muรŸ sie Sรผnde Sรผnde nennen, nicht nur, wenn sie vergibt, sondern auch, wo sie nicht vergeben kann. Will die Kirche allein den Lรถseschlรผssel รผben, dann kann sie mit ihrer Sรผndenvergebung keinen Glauben finden; denn das Wort von der Sรผndenvergebung ist dann ein allgemeiner Lehrsatz geworden, aber nicht mehr der lebendige, rettende Eingriff Gottes selbst. Will die Kirche allein den Lรถseschlรผssel รผben, dann raubt sie denen, die glauben, die GewiรŸheit der Vergebung; denn was ist eine Vergebung, die nicht Rettung aus der Verdammnis ist?4 Will die Kirche allein den Lรถseschlรผssel รผben, so setzt sie sich mit dem Auftrag ihres Herrn in Widerspruch und geht damit des gesamten Auftrages und seiner VerheiรŸung verlustig. |

2. Das Schlรผsselamt der Kirche schlieรŸt einen doppelten Gebrauch ein, die รถffentliche Predigt und die Privatbeichte mit Absolution bzw. Retention.5 Die รถffentliche Predigt รผbt beide Schlรผssel aus, indem sie denen die Vergebung zusagt, die BuรŸe tun und glauben, denen aber, die nicht BuรŸe tun, Gericht und Verdammnis. Vergebung kann daher niemals vollmรคchtig gepredigt werden ohne konkrete BuรŸ- und Gerichtspredigt.6 Dabei erweist sich der Bindeschlรผssel als dem Lรถseschlรผssel untergeordnet. Denn daรŸ das Wort die Hรถrer bei ihren Sรผnden behaftet und verurteilt, ist zugleich der Ruf zur BuรŸe, das heiรŸt zur Vergebung und zur Gemeinschaft. Dabei ist das Urteil des Bindeschlรผssels gรถttliches Urteil und gilt in Ewigkeit, wenn der Hรถrer nicht BuรŸe tut. Gebunden werden allein die, die das Wort hรถren, auf daรŸ sie durch das Wort BuรŸe tun und gelรถst werden mรถchten. Die Privatbeichte (Jak. 5,16; Mt. 18,18) tritt zur รถffentlichen Predigt hinzu um der GewiรŸheit der Absolution willen. Weil in der Predigt die Zusage der Vergebung an BuรŸe und Glaube geknรผpft ist, kommt der Einzelne in Gefahr, an seiner BuรŸe und seinem Glauben und damit an sich zu verzweifeln oder aber sich selbst zu vergeben. In der Privatbeichte wird ihm angeboten, seine Sรผnden persรถnlich vor Gott zu bekennen und bei Namen zu nennen, durch Gottes Wort strafen zu lassen und die persรถnliche Absolution durch den Bruder zu empfangen. Der Einzelne bedarf der Privatbeichte, um der Vergebung gewiรŸ zu werden. Die Kirche bedarf der Privatbeichte, um die Absolution dem Einzelnen vollmรคchtig sagen zu kรถnnen und um der Aufrichtigkeit der BuรŸe gewiรŸ zu werden.7 โ€žDeswegen soll mit Ernst verboten sein, daรŸ die Pfarrherrn das Volk nicht bei Haufen insgemein absolvieren โ€ฆ so jemand die Absolution ins Ungewisse รผber das Volk bei Haufen hinspricht, den soll der Superintendens, wenn er vermahnt ist und nicht ablรครŸt, als einen untreuen Mietling | vom Predigtamt absetzenโ€œ (Pommersche Kirchenordnung).8 Das Wort der Vergebung darf nicht verschleudert werden.

3. โ€žIhr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Sรคue werfen, auf daรŸ sie dieselben nicht zertreten und sich wenden und euch zerreiรŸenโ€œ (Mt. 7,6).9 Die Zusage der Gnade darf nicht verschleudert werden, sie bedarf des Schutzes vor den Gottlosen. Es gibt solche, die des Heiligtums nicht wert sind. Die Verkรผndigung der Gnade hat ihre Grenze.10 Wer die Gnade nicht erkennt, nicht unterscheidet und nicht begehrt, dem darf sie nicht verkรผndigt werden. Nicht nur wird dadurch das Heiligtum selbst besudelt, nicht nur mรผssen die, die sich versรผndigen, noch schuldig werden am Heiligsten, sondern der MiรŸbrauch des Heiligen muรŸ sich gegen die Gemeinde selbst wenden. Die Welt, der die Gnade als Schleuderware hingeworfen wird, wird ihrer รผberdrรผssig, zertritt nicht nur das Heilige, sondern zerreiรŸt auch die, die es ihr aufdrรคngen.11 Um des Heiligen willen, um der Sรผnder willen und um der Gemeinde willen soll das Heilige geschรผtzt werden vor billiger Preisgabe. Der Schutz des Evangeliums ist die BuรŸpredigt, die Sรผnde Sรผnde nennt und den Sรผnder schuldig spricht. Der Schutz des Lรถseschlรผssels ist der Bindeschlรผssel. Nur im Schutz der BuรŸpredigt gibt es Gnadenpredigt.

4. Es ist ein Unterschied zwischen Missionspredigt und Gemeindepredigt. Im Neuen Testament ist er noch ganz deutlich. In beiden ist der Gebrauch des Schlรผsselamtes da, aber in verschiedener Weise. Die Missionspredigt ruft zur Gemeinde. Wer BuรŸe tut und glaubt, dem wird die Tรผr zur Gemeinde aufgetan durch die Taufe. Wer gebunden wird, dem wird die Tรผr verschlossen. รœber diesen12 hat das Wort keine andere Gewalt als eben diese Versagung der Zulassung zur Taufe. Zur Taufe gehรถrt das Bekenntnis der Sรผnden, die Absolution | und das Bekenntnis zu Jesus Christus. Die Wortverkรผndigung in der Gemeinde der Getauften gebraucht die Schlรผssel in der Weise der Gnadenverkรผndigung an den BuรŸfertigen und der Gemeindezucht an den UnbuรŸfertigen.13 Gnadenverkรผndigung heiรŸt vollen Teil haben an der Gemeinschaft des Leibes Christi. Gemeindezucht heiรŸt der Weg, der zum teilweisen oder gรคnzlichen AusschluรŸ aus dieser Gemeinschaft fรผhrt. Gemeindezucht ist also Ausรผbung der Bindegewalt der Kirche an den Gliedern des Leibes Christi. Wie die BuรŸpredigt der Schutz der Evangeliumsverkรผndigung, so ist die Wortverkรผndigung der Schutz der Taufe, so ist die Gemeindezucht der Schutz des Abendmahls.14

5. Gemeinde ist nur da, wo Wort und Sakrament ist (C.A. VII). Leib Christi ist die Gemeinde erst durch Taufe und Abendmahl. Das Wort ist missionarisch, die Wortgemeinde erfรคhrt keine Beschrรคnkung, sofern nur beide Schlรผssel gepredigt werden. Die Sakramentsgemeinde ist die durchs Wort gewonnene Gemeinde der Glรคubigen. Zum Wort hat auch der Unglรคubige Zutritt, zum Sakrament nicht.15

6.16 Die Taufe ist die Eingliederung in den Leib Christi (Gal. 3,27 f.). Sie ist einmalig, nicht wiederholbar. Der Leib Christi ist die Gemeinde (1. Kor. 12 ff.; Rรถm 12 f.)17. Der Eintritt in die Gemeinde des Heils ist einmalig, nicht wiederholbar. Darum wรผrde vollkommener AusschluรŸ aus der Gemeinde ewige Verdammnis bedeuten. Eben darum aber kann Gemeindezucht nicht AusschluรŸ aus der getauften Gemeinde, sondern immer nur AusschluรŸ aus der Gemeinschaft der Taufgemeinde sein.18 Voraussetzung der Taufe ist Hรถren des Wortes, BuรŸe und Glaube; das heiรŸt fรผr gemeindliche Praxis Unterweisung, Bekenntnis der Sรผnde, Absolution, Bekenntnis zu Jesus Christus (Act. 8,35; 2,38; Rรถm. 6,2 usw.). Kindertaufe ist darum โ€“ ob im Neuen Testament vorhanden oder nicht โ€“ niemals Taufe an Unglรคubigen, was unmรถglich ist, sondern Taufe von solchen, die in der Gemeinde zum Glau- | ben kommen sollen.19 Kindertaufe gibt es darum nur als besondere Gnadengabe Gottes in der Bekenntnisgemeinde. Sie kann niemals รผber den Umfang der Bekenntnisgemeinde hinausgehen. Die Gemeinde ist vor dem Sakrament, vor dem Kind und vor sich selbst verantwortlich dafรผr, daรŸ das Kind durch Unterweisung der Gemeinde zugefรผhrt wird (Patenamt).

7. Das Abendmahl ist die wiederholte Speisung der bekennenden Gemeinde der Getauften mit dem wahrhaftigen Leib und Blut Christi. Die Glรคubigen werden ihrer leiblichen Verbundenheit mit dem Herrn und untereinander gewiรŸ gemacht und empfangen Vergebung der Sรผnden durch Christi Leib. Das Abendmahl ist nicht missionarisch sondern Gemeindemahl im strengen Sinne. Es setzt dabei keinen engeren Kreis voraus als die Gemeinde der Getauften. Allerdings setzt der Empfang des Abendmahls eine Bedingung voraus: Wer zum Abendmahl kommt, muรŸ unterscheiden kรถnnen (ฮดฮนฮฑฮบฯฮฏฮฝฮตฮนฮฝ: 1. Kor. 11,29) zwischen dem Leib Christi und irgendeinem anderen Mahl, das heiรŸt er muรŸ kommen, um wahrhaftig Leib und Blut Christi zu empfangen. Wer hier nicht โ€žunterscheidetโ€œ, empfรคngt das Mahl in unwรผrdiger Weise und iรŸt sich das Gericht. Nicht seine falsche Einstellung sondern Leib und Blut Christi wirken in ihm durch Essen und Trinken das Gericht. Weil Leib und Blut im heiligen Abendmahl im Essen und Trinken bleiben was sie sind, ob sie wรผrdig oder unwรผrdig gegessen werden, muรŸ die Gemeinde Sorge tragen, daรŸ sie nicht unwรผrdig empfangen werden. Wรผrdiger Empfang aber setzt โ€žUnterscheidungโ€œ der Gabe voraus, das heiรŸt fรผr die gemeindliche Praxis: Unterweisung รผber das heilige Abendmahl (nicht natรผrliche Speise, nicht symbolisch, nicht Gedรคchtnismahl, sondern wahrhaftiger Leib und Blut Christi zur Vergebung der Sรผnden und zur Gemeinschaft seines Leibes 1. Kor. 11,24; 10,16).
Daraus folgt das Glaubensverhรถr: Prรผfung (ฮดฮฟฮบฮนฮผฮฑฮถฮญฯ„ฯ‰20!), | ob einer bereit ist, das Sakrament als das zu empfangen, was es ist, das heiรŸt im Begehren nach der Vergebung der Sรผnden, ob er seiner Sรผnde absagt. Die Wahrhaftigkeit der Selbstprรผfung, von der die Schrift redet, kann dem Zweifel entnommen werden durch die Beichte vor dem Bruder. Wo die Gemeinde Zweifel an der Selbstprรผfung hat, kann sie auf der Prรผfung durch die Gemeinde bestehen (Anmeldung etc.).21 Um des Heiligtums des Leibes Christi willen, um der Menschen willen und um der Gemeinde willen muรŸ die Gemeinde den vom Abendmahl ausschlieรŸen, der den Leib nicht unterscheidet. Es ist ein Unterschied zwischen dem, der sich am Wort versรผndigt und dem, der sich am Leib Christi versรผndigt. Der Ungetaufte, der das Wort nicht hรถrt, bleibt auรŸer[halb] des Leibes Christi und steht noch unter dem Ruf zur Gemeinde; wer das Sakrament im Unglauben empfรคngt, der wird schuldig am Leibe Christi selbst; er hat keine Hilfe mehr, weil er die Hilfe miรŸbraucht hat. Zwar kann sich die Gemeinde niemals vor den Heuchlern schรผtzen, aber um den Menschen vor seiner eigenen Heuchelei zu schรผtzen, schรผtzt sie das Heiligtum durch die Zucht des Wortes und der Gemeinde.

8. Gemeindezucht ist die notwendige sichtbare Folge der rechten Ausรผbung des Schlรผsselamtes innerhalb der Gemeinde. Die neutestamentliche Gemeinde kennt hier eine lange Stufenreihe der Zuchtรผbung.22 Der Ursprung aller Zuchtรผbung ist die Predigt des Wortes nach beiden Schlรผsseln. Diese Verkรผndigung ist aber nicht beschrรคnkt auf die gottesdienstliche Versammlung. Vielmehr ist der Amtstrรคger, โ€žder im Hause Gottes wandeltโ€œ (1. Tim. 3,15), nirgends von seinem Auftrag entbunden. โ€žPredige das Wort, halte an, die Zeit sei gรผnstig oder ungรผnstig, strafe, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehreโ€œ (2. Tim. 4,2). Der Amtstrรคger, der die Schlรผsselgewalt รผbt, soll als Seelsorger im tรคglichen Umgang mit seiner Gemeinde die Zucht รผben. Das gehรถrt zu seinem Amt.23 Es ist der Beginn der Kirchenzucht. Dabei | ist deutlich, daรŸ die Gemeindezucht im Unterschied von der Schlรผsselgewalt nur die Sรผnden strafen kann, die offenbar geworden sind. โ€žEtlicher Menschen Sรผnden sind offenbar, daรŸ man sie zuvor richten kann, bei etlichen aber werden sie hernach offenbarโ€œ (1. Tim. 5,24). So ist die Gemeindezucht eine Verschonung vor der Strafe des letzten Gerichtes. Ist bereits auf dieser ersten Stufe eine Lรผcke festzustellen, so kann das gesamte Verfahren der Gemeindezucht in Frage gestellt werden; denn wie soll das zweite โ€“ nรคmlich die brรผderliche Vermahnung der Gemeindeglieder untereinander โ€“ lebendig bleiben, wenn der Amtstrรคger sein Amt vernachlรคssigt? Die Schrift aber fordert โ€žlehret und vermahnet euch untereinanderโ€œ (Kol. 3,16; 1. Thess. 5,11 u. 14). Allein so kann ja der Sรผnde und dem Abfall in der Gemeinde gewehrt werden. Zur Vermahnung gehรถrt auch das Trรถsten der Kleinmรผtigen, Tragen der Schwachen, Geduld รผben gegen jedermann (1. Thess. 5,14). Wo solche Auswirkung des Schlรผsselamtes in der Gemeinde nicht mehr lebt, da wird auch schwerlich die dritte Stufe recht erreicht werden. Fรคllt nรคmlich ein Bruder in offenbare Sรผnde des Wortes oder der Tat, so muรŸ die Gemeinde die Kraft haben, das eigentliche Gemeindezuchtverfahren gegen ihn einzuleiten. Dieses besteht in drei Stรผcken: Die Gemeinde muรŸ die Kraft haben, sich von dem Sรผnder zu trennen. โ€žHabt nichts mit ihm zu schaffenโ€œ (2. Thess. 3,14), โ€žWeichet von ihnenโ€œ (R. 16,17). โ€žIhr sollt auch nicht mit ihm essenโ€œ (Abendmahl?), (1. Kor. 5,11), โ€žMeide solcheโ€œ (2. Tim. 3,5; 1. Tim. 6,5). โ€žWir gebieten euch aber, liebe Brรผder, in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi (!), daรŸ ihr euch entziehet von jedem Bruder, der da unordentlich wandelt und nicht nach der Satzung, die ihr von uns empfangen habtโ€œ (2. Thess. 3,6). Dieses Verhalten der Gemeinde ist dazu da, den Sรผnder โ€žschamrotโ€œ werden zu lassen (2. Thess. 3,14), und ihn dadurch zurรผckzugewinnen. GewiรŸ schlieรŸt | dieses Meiden des Sรผnders auch seinen zeitweiligen AusschluรŸ aus den Handlungen der Gemeinde in sich. Doch soll solches Meiden des offenbaren Sรผnders nicht schon die Aufhebung jeder Gemeinschaft sein. Vielmehr soll die Gemeinde, die sich vom Sรผnder trennt, diesem begegnen mit dem Wort der Vermahnung โ€žHaltet ihn nicht als einen Feind, sondern vermahnet ihn als einen Bruderโ€œ (2. Thess. 3,15).
Der Sรผnder bleibt noch Bruder und erfรคhrt eben darum Strafe und Vermahnung der Gemeinde. Es ist barmherzige Brรผderlichkeit, die die Gemeinde Zucht รผben lรครŸt. Mit aller Sanftmut mรผssen die Widerspenstigen gestraft, die Bรถsen getragen werden, โ€žob ihnen Gott nicht dermaleinst BuรŸe gรคbe, die Wahrheit zu erkennen, daรŸ sie wieder nรผchtern werden und der Schlinge des Teufels entgehen und sich von Ihm einfangen lassen in seinen Willenโ€œ (2. Tim. 2,26).24 Der Weg dieser Vermahnung wird je nach der Sรผnde und je nach dem Sรผnder ein verschiedener sein, aber er wird immer dasselbe Ziel haben, zur BuรŸe und zur Versรถhnung zu fรผhren. Kann die Sรผnde verborgen bleiben zwischen dir und dem Sรผnder, so sollst du sie nicht offenbaren, vielmehr sollst du ihn allein strafen und zur BuรŸe rufen, โ€žso hast du einen Bruder gewonnenโ€œ.25 Hรถrt er dich aber nicht, sondern verharrt in seiner Sรผnde, so sollst du abermals nicht sogleich die Sรผnde offenbaren, sondern sollst dir einen oder zwei Zeugen suchen (Mt. 18,15 f.). Des Zeugen bedarf es sowohl wegen des sรผndigen Tatbestandes โ€“ d. h. ist derselbe nicht zu erweisen und wird er von dem Gemeindeglied geleugnet, so befehle man die Sache Gott; Zeugen, nicht Inquisitoren sind die Brรผder โ€“ als auch wegen der Verstockung des Sรผnders gegen die BuรŸe. Die Heimlichkeit der Zuchtรผbung soll dem Sรผnder die Umkehr erleichtern. Hรถrt er auch jetzt nicht oder ist die Sรผnde sowieso schon offenbar vor der ganzen Gemeinde, dann ist es Sache der ganzen Gemeinde, den Sรผn- | der zu ermahnen, zur Umkehr zu rufen (Mt. 18,17; cf. 2. Thess. 3,14). Ist der Sรผnder Trรคger eines Amtes der Gemeinde, so soll er nur auf zweier oder dreier Zeugen Anklage hin verklagt werden.26 โ€žDie da sรผndigen, die strafe vor allen, auf daรŸ sich auch die anderen fรผrchtenโ€œ (1. Tim. 5,20). Nun ist die Gemeinde aufgerufen, mit dem Amtstrรคger zusammen das Schlรผsselamt zu verwalten. Der รถffentliche Spruch bedarf der รถffentlichen Vertretung der Gemeinde und des Amtes. โ€žIch beschwรถre dich vor Gott und dem Herrn Jesus Christus und den auserwรคhlten Engeln, daรŸ du solches haltest ohne eigenes Vorurteil und nichts tust nach Gunstโ€œ (1. Tim. 5,21), denn nun soll Gottes eigenes Urteil รผber den Sรผnder ergehen. Tut dieser aufrichtige BuรŸe, bekennt er รถffentlich seine Sรผnde, so empfรคngt er die Vergebung aller seiner Sรผnden im Namen Gottes (cf. 2. Kor. 2,6 ff.27), beharrt er bei seiner Sรผnde, so muรŸ ihm die Gemeinde im Namen Gottes seine Sรผnde behalten. Das aber bedeutet den AusschluรŸ aus jeder Gemeinschaft der Gemeinde. โ€žHalte ihn fรผr einen Heiden und Zรถllnerโ€œ (Mt. 18,17), โ€žWahrlich, ich sage euch;28 was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lรถsen werdet, soll auch im Himmel los seinโ€œ โ€ฆ โ€žDenn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnenโ€œ (Mt. 18,18 ff.29). Im AusschluรŸ aus der Gemeinde aber wird nur bestรคtigt, was schon Tatsache ist, nรคmlich daรŸ der unbuรŸfertige Sรผnder ein solcher ist, der โ€žsich selbst verurteilt hatโ€œ (Tit. 3,1030). Nicht die Gemeinde verurteilt ihn, er selbst hat das Urteil gesprochen. Diesen vollkommenen AusschluรŸ bezeichnet Paulus mit โ€ždem Satan รผbergebenโ€œ (1. Kor. 5,5; 1. Tim. 1,20). Der Schuldige wird der Welt zurรผckgegeben, in der der Satan herrscht und den Tod wirkt. (DaรŸ hier nicht an einen Akt der Todesstrafe wie Act. 5 gedacht ist, beweist ein Vergleich von 1. Tim. 1,20 und 2. Tim. 2,17; 4,15). Der Schuldige ist aus der Gemein- | schaft des Leibes Christi ausgestoรŸen, weil er sich selbst getrennt hat, kein Anrecht an die Gemeinde steht ihm mehr zu. Dennoch bleibt auch dieses letzte Handeln noch ganz im Dienste des Heilszieles mit dem Betroffenen, โ€ždaรŸ der Geist selig werde am Tage des Herrn Jesuโ€œ (1. Kor. 5,5), โ€ždaรŸ er gezรผchtigt werde, nicht mehr zu lรคsternโ€œ (1. Tim. 1,20). Die Rรผckkehr zur Gemeinde oder die Erlangung des Heiles bleibt das Ziel der Gemeindezucht. Sie bleibt pรคdagogisches Handeln. So gewiรŸ der Spruch der Gemeinde in Ewigkeit besteht, wo der andere nicht BuรŸe tut, so ist dieser Spruch, in dem dem Sรผnder das Heil genommen werden muรŸ, nur das letztmรถgliche Angebot der Gemeinschaft der Gemeinde und des Heils.
Fragen wir noch einmal nach der Begrรผndung der Gemeindezuchtรผbung, so steht an erster Stelle der Auftrag der Verwaltung beider Schlรผssel. Um des Heiligtums des Evangeliums willen muรŸ der Bindeschlรผssel geรผbt werden; d. h. vom Menschen her gesehen: um der Rettung des Sรผnders willen muรŸ der Sรผnder gestraft werden; d. h. von der Gemeinde her gesehen: um der Reinheit der Gemeinde willen mรผssen die unreinen GefรครŸe hinweggetan werden (2. Tim. 2,21)31. Die Gemeinde, die dem Sรผnder Gemeinschaft gewรคhrt ohne Zuchtรผbung, macht sich selbst mitschuldig an seiner Sรผnde (2. Joh. 11). Sie muรŸ daher besondere Vorsicht รผben, ehe sie einem Gemeindeglied eine Verantwortung in der Gemeinde gibt, der es nicht gewachsen ist (1. Tim. 5,22).32
Jenseits aller Gemeindezuchtรผbung, die immer im Dienst der Barmherzigkeit steht, selbst รผber die Auslieferung des hartnรคkkigen Sรผnders an den Satan hinaus, kennt das Neue Testament als furchtbarste Strafe die Verfluchung, das Anathema.33 Sie ist nicht mehr verbunden mit dem Heilszweck. Sie tritt als Vorwegnahme des gรถttlichen Urteils auf. Im Alten Testament entspricht ihr der โ€žCheremโ€œ34, der an Gottlosen vollstreckt wird. Er bedeutet definitive Absonderung von der Gemeinde. Der Gebannte wird getรถtet. Da- | mit ist ein Doppeltes gesagt: Die Gemeinde vermag den Gebannten unter keinen Umstรคnden mehr zu tragen und zu absolvieren. Darum wird er Gott allein hingegeben. Damit aber ist der Gebannte zugleich verflucht und doch heilig, heilig, weil er Gott ausgeliefert ist. Weil er aber Gott allein gehรถrt als Verfluchter, darum kann die Gemeinde hier nicht mehr Heilsabsichten verfolgen. DaรŸ Anathema Trennung vom Heil bedeutet, beweist R. 9,3. DaรŸ Anathema eschatologisch bezogen ist, legt 1. Kor. 16,22 nahe. DaรŸ vom Anathema der getroffen wird, der das Evangelium selbst durch seine Predigt willentlich zerstรถrt, sagt Gal. 1,8 f. Es ist gewiรŸ kein Zufall, daรŸ die einzige Stelle, die รผber bestimmte Menschen das Anathema spricht, sich auf die Irrlehrer bezieht. Doctrina est coelum, vita terra (Luther).35

9. Die Lehrzucht ist von der Gemeindezucht insofern verschieden, als letztere aus rechter Lehre, d. h. aus rechtem Gebrauch der Schlรผssel folgt, erstere sich aber gegen den MiรŸbrauch der Lehre selbst richtet. Durch falsche Lehre wird die Quelle des Lebens der Gemeinde und der Gemeindezucht verdorben. Darum wiegt die Versรผndigung gegen die Lehre schwerer als die Versรผndigung im Wandel. Lehrzucht erstreckt sich in erster Linie auf die Trรคger des Lehramtes in der Kirche. Voraussetzung von allem ist, daรŸ bei der รœbertragung des Amtes Gewรคhr dafรผr besteht, daรŸ der Amtstrรคger ฮดฮนฮดฮฑฮบฯ„ฮนฮบฯŒฯ‚, zur Lehre befรคhigt ist (1. Tim. 3,2; 2. Tim. 2,24; Tit. 1,9), โ€žtรผchtig auch andere zu lehrenโ€œ (2. Tim. 2,2), daรŸ keinem die Hรคnde voreilig aufgelegt werden,36 weil sonst dessen Schuld auf den zurรผckfรคllt, der ihn einsetzte (1. Tim. 5,22). Die Lehrzucht setzt also bereits vor der Berufung ins Lehramt ein. An der รคuรŸersten Gewissenhaftigkeit hรคngt hier Leben und Tod von Gemeinden. Die Lehrzucht aber hat mit der Berufung ins Lehramt kein Ende, vielmehr erst ihren Anfang. In unaufhรถrlicher Ermahnung muรŸ selbst der bewรคhrte Amtstrรคger โ€“ Timo- | theus โ€“ zur Bewahrung der rechten, heilsamen Lehre angehalten werden. Das Lesen der Schrift wird ihm dafรผr besonders nahe gelegt. Zu groรŸ ist die Gefahr des Abirrens (2. Tim. 3,10; 3,14; 4,2; 2,15; 1. Tim. 4,13.16; Tit. 1,9; 3,8). Dazu muรŸ aber noch die Ermahnung zum vorbildlichen Lebenswandel kommen โ€žHabe acht auf dich selbst und die Lehreโ€œ (1. Tim. 4,13 f.37; Act. 20,28). Zur Keuschheit, Demut, Unparteilichkeit, zum FleiรŸ ermahnt zu werden, ist fรผr Timotheus keine Beschรคmung. So steht vor aller Gemeindezuchtรผbung die รœbung der Zucht an den Amtstrรคgern. Es ist die Aufgabe des Amtstrรคgers, in seiner Gemeinde die rechte Lehre zu verbreiten und jeder Verkehrung entgegenzutreten. Treten Lehrverschiedenheiten in der Gemeinde auf, so soll die Gemeinde wissen, daรŸ gewisse Unterschiede in der Weise der Verkรผndigung unvermeidlich sind. Aber ob apollisch, ob paulisch, ob petrisch, es soll in allen Dingen dem einen ungeteilten Christus gedient werden (1. Kor. 1,11 ff.38). Alle bewuรŸten Schulbildungen freilich sollen vermieden werden, weil hier leicht jeder sein Eigenes sucht, aufgeblasen wird, und weil so die Schulbildung eine Brutstรคtte des Ungehorsams gegen Christus wird (1. Tim. 6,5.20; 2. Tim. 2,16; 3,7 f.; Tit. 1,10). Dazu kommt die Schwierigkeit, erlaubte Schulunterschiede und unzulรคssige Irrlehren zu unterscheiden (vgl. z. B. Offenbarung 2,6 und 2,15).39 Wo offenbare Irrlehre einzieht, dort soll der Amtstrรคger gebieten, โ€ždaรŸ sie nicht anders lehrtenโ€œ (1. Tim. 1,3); denn er trรคgt das Lehramt und kann gebieten. Weiter soll er warnen und erinnern, das Wortgezรคnk zu meiden (2. Tim. 2,14). Ist einer als Irrlehrer offenbar, so soll er โ€žeinmal und abermals ermahntโ€œ werden. Hรถrt er nicht, so soll mit einem ketzerischen Menschen die Gemeinschaft abgebrochen werden (Tit. 3,10; 1. Tim. 6,4 f.); denn er verfรผhrt die Gemeinde (2. Tim. 3,6 f.). โ€žWer nicht in der Lehre Christi bleibt, der hat keinen Gottโ€œ. Einem solchen falschen Leh- | rer soll auch die hรคusliche Gemeinschaft und der fromme GruรŸwunsch versagt werden (2. Joh. 1040). Im Irrlehrer kommt der Widerchrist. Nicht der Sรผnder in seinem Lebenswandel, sondern allein der Irrlehrer wird Antichrist genannt. Ihm allein gilt das Anathema von Gal. 1,9.41
รœber das Verhรคltnis von Lehrzucht und Gemeindezucht gilt: Es gibt keine Gemeindezucht ohne Lehrzucht. Es gibt aber auch keine Lehrzucht, die nicht zur Gemeindezucht fรผhren mรผรŸte. Paulus wirft den Korinthern vor, daรŸ sie in ihrer Aufgeblasenheit Schismata42 anrichten wollen ohne doch Gemeindezucht zu รผben (1. Kor. 5,2). Diese Trennung der Lehrfrage von der Frage des Wandels in der Gemeinde ist unmรถglich.

10. Gemeindezucht setzt nicht nur ein intaktes Lehramt, sondern eine rechte Ordnung der ร„mter in der Gemeinde voraus. Die Ordnung der Gemeinde muรŸ im Dienst der rechten Verwaltung des Schlรผsselamtes und aller daraus folgenden Handlungen der Gemeinde stehen. Die Gemeinde ist der Leib Christi, in dem bis in alle Gliederungen hinein allein sein Geist regiert. Das Neue Testament bezeugt die Einsetzung der kirchlichen ร„mter durch Gott selbst (1. Kor. 12,28), durch Christus (Eph. 4,11), durch den Heiligen Geist (Act. 20,28), durch die Gemeinde unter dem Beistand des Heiligen Geistes (Act. 6,5; 13,2), durch die Apostel und Amtstrรคger nach sorgfรคltiger Prรผfung (Tit. 1,5; 1. Tim. 5,2343). Die Einsetzung in kirchliche ร„mter von auรŸerhalb der Gemeinde her ist fรผr das Neue Testament undenkbar. Denn die Gemeinde ist der Leib Christi. Zwar gibt es fรผr den Aufbau der ร„mterordnung in der Gemeinde keine festen Regeln. Die Gemeinde in Jerusalem ist anders geordnet als die kleinasiatischen. Hier besteht Freiheit, daรŸ nur โ€žalles geschehe zur Besserungโ€œ (1. Kor. 14,26), das heiรŸt zur rechten Auferbauung des Leibes Christi durch die Gewalt der Schlรผssel.44

29.2. THESEN NACH DEM VORTRAG IN FINKENWALDE (NACHSCHRIFT)45

Thesen

1) Wichtig ist es, daรŸ wir fรผr unser kirchliches Handeln in Sachen der Gemeindezucht einen Auftrag haben mรผssen. Er liegt im Bindeschlรผssel, ohne den der Lรถseschlรผssel nicht gegeben ist.
2) Greift die Kirche nicht Gott mit dem Schlรผsselamt vor und setzt sich an die Stelle des Heiligen Geistes? Antwort: Christus gibt ihr das gerade, die Vollmacht Gottes โ€“ Matth. 1846. Ohne den Schutz des Bindeschlรผssels wird Gottes Gnade eine Idee.
3) Kรถnnen wir uns in der Ausรผbung des Bindeschlรผssels nicht irren? Antwort: Luther sagt: Wenn einer zu Unrecht gebannt wird, ist das die grรถรŸte Gnade fรผr ihn. Wir mรผssen es wagen.47
4.) Haben wir heute รผberhaupt eine Kirche, an der wir Zucht รผben kรถnnen? MuรŸ man nicht warten, bis uns wieder Kirche gegeben wird? Und bis dahin die MiรŸstรคnde tragen? Antwort: In dieser verrotteten Kirche ist die Una Sancta.48 Wir brauchen nicht auf sie zu warten, sondern mรผssen die vorhandene Kirche durch Kirchenzucht beschneiden, so kommt die Kirche. Wir mรผssen das Wort, das uns die Schlรผsselgewalt gibt, als VerheiรŸung ergreifen und so mit ihm arbeiten.
5.) Da bei Einfรผhrung der Kirchenzucht Unverstรคndnis zu befรผrchten ist, muรŸ man der Gemeinde das Versรคumnis zeigen und ihr sagen, wie hier die Zucht einzusetzen hat.

29.3. AUSSPRACHE รœBER DEN VORTRAG โ€žSCHLรœSSELGEWALT UND GEMEINDEZUCHT IM NEUEN TESTAMENT UND BEI DEN REFORMATORENโ€œ (NACHSCHRIFT)49

Die Aussprache bewegt sich um folgende Fragenkreise: I. Verhรคltnis von Predigt und Beichte. II. Verhรคltnis von Wort und Sakrament. III. Bestimmung der konfessionellen Unterschiede in Bezug auf die Lehre von der Schlรผsselgewalt. IV. Wege zur praktischen Durchfรผhrung.

Aussprache: Verhรคltnis Predigt und Beichte:

Bonhoeffer: Kein Unterschied in der Gabe, sondern ein Unterschied in der GewiรŸheit. Der Unterschied Wort โ€“ Sakrament ist auch ein Unterschied in der Gabe. Die Predigt ist volles Verkรผndigen des Heils, aber unter Vorbehalt des Glaubens. In der Beichte ist das unmittelbare Absolutionswort da, weil Erkundung des Glaubens vorhergegangen. Bei der Predigt ist Anfechtung mรถglich, von dieser Anfechtung und Sorge soll ich im Beichtgesprรคch frei gemacht werden.
Schniewind: Ist die Bedingung: wenn ihr glaubt โ€“ so ganz biblisch? Darf ich nicht glauben, daรŸ das Wort Glauben wirkt, wenn es ergeht. Ebenso beim Gesprรคch. Ganz zufรคllige Worte benutzt Gott oft. Der Zweifel kann sich auch an das Beichtgesprรคch hรคngen. Das ganze Wort ist ฯ€ฮฑฯฮฌฮบฮปฮทฯƒฮนฯ‚50, โ€žseelsorgerliche Predigtโ€œ, das ist es, worauf heute alle warten. Jede wirkliche Predigt ist eine Art Beichte.
Bonhoeffer: Beichte ist eine besondere Gnade Gottes, die mir hilft in der Anfechtung, ob etwa ich mir selbst gnรคdig bin, ob ich Rechtfertigung der Sรผnde glaube und nicht Rechtfertigung des Sรผnders.
Schniewind: Die Einsamkeit des Einzelnen vor Gott kann auch in der Einsamkeit von Bruder zu Bruder nur geahnt werden. โ€“ Der Freispruch ist zugleich das Todesurteil. Du darfst dich fรผr tot erachten, du bist vor Gottes Urteil tot.

II. Wort und Sakrament

Bonhoeffer: Die Gabe im Wort ist anders. Im Wesen identisch und doch nur im Sakrament die Teilhabe am Leibe Christi.
Schniewind: Dasselbe gilt auch vom Wort. Ich weiรŸ nicht, ob wir รผber das verbum visibile51 hinauskommen kรถnnen. Denn im Wort habe ich ihn52 selbst und ich kann ihn nie mehr haben als im Wort. โ€“ GewiรŸ nimmt das Abendmahl lรคngst nicht mehr die Stelle ein bei uns wie im Urchristentum und im Neuen Testament. Christus handelt, leidet, redet in der Gemeinde, er ist garnicht anders da. Vom Wort her kommt dann das Leiden, die Heiligung, die Ordnung. Das Sakrament ist wie die irdische Gegenwart Jesu unter seinen Jรผngern. Das Hรถchste ist das Wort.

III. Die konfessionelle Unterscheidung

Wird nicht ausfรผhrlich besprochen. Schniewind: Das Letzte im Unterschied liegt in der Stellung zum Gesetz. Die Reformierten kรคmpfen gegen den Antinomismus, die Lutheraner gegen den Nomismus.53 Reformiertes Charisma = die Warnung vor der securitas54; aber wehe, wenn wir darin stecken bleiben und nicht mehr hรถren: certissimus es!55

IV. Praktische Fragen

Giersch56: Frage: ob Kirchenzucht (oder Ordnung), hรคngt nicht am โ€žFallโ€œ sondern am Handeln in diesem Fall.
Gibt es verschiedene Zucht bei der Bekennenden Kirche und bei denen, die drauรŸen?
Bonhoeffer: Bei uns geht es an; Gericht am Hause Gottes.57 Wenn wir in die BuรŸe gehen, wenn es bei uns Theologen in der Bekennenden Kirche anhebt, dann werden die Heiden spรผren: Hier redet Gott. Dann werden auch sie kommen.
Schniewind: Bitte um den Heiligen Geist. DaรŸ man mit Furcht und Zittern vor Gott steht,58 das ist die Sache, und mit groรŸer Freude, (unendlicher Freude), denn das ist die Vergebung.
Bonhoeffer: Es geht zuerst durch uns und dann auf dem Weg der Predigt Schritt fรผr Schritt weiter. Viel Geduld nรถtig!
Schniewind: (Es hatte einer davon gesprochen, ob er bisher BuรŸpredigt in seiner Gemeinde gehalten.) Ich โ€žwillโ€œ gar nicht BuรŸpredigt halten. Kann garnicht BuรŸpredigt halten wollen. Wort Gottes = lebendig, schรคrfer denn ein zweischneidiges Schwert59. โ€“ Tholucks Predigten waren so nรผchtern wie nur mรถglich, und jede Predigt ging inโ€™s Zentrum! Aber man kann das nicht sagen wollen, sich vornehmen. โ€žWehe uns, wenn wir nicht โ€ฆโ€œ, heiรŸt es da.60

 

 

 

 

TEIL III

Predigten, Meditationen, Bibelarbeiten

 

a) Erster Kurs. Aufbau des Predigerseminars in Zingst und Finkenwalde
26. Aprilโ€“16. Oktober 1935

1. PREDIGT ZU PSALM 42. ZINGST, EXAUDI, 2. 6. 19351

Psalm 42

Eine Unterweisung der Kinder Korah, vorzusingen.
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dรผrstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daรŸ ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Trรคnen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man tรคglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Wenn ich denn des innewerde, so schรผtte ich mein Herz aus bei mir selbst; denn ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes, mit Frohlocken und Danken unter dem Haufen derer, die da feiern.
Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daรŸ er mir hilft mit seinem Angesicht.
Mein Gott, betrรผbt ist meine Seele in mir; darum gedenke ich an dich im Lande am Jordan und Hermonim, auf dem kleinen Berg.
Deine Fluten rauschen daher, daรŸ hier eine Tiefe und da eine Tiefe brausen; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen รผber mich.
Der Herr hat des Tages verheiรŸen seine Gรผte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.
Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muรŸ ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drรคngt?
Es ist als ein Mord in meinen Gebeinen, daรŸ mich meine Feinde schmรคhen, wenn sie tรคglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?
Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daรŸ er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Hast du in einer kalten Herbstnacht im Walde einmal das durchdringende Schreien eines Hirsches gehรถrt? Der ganze Wald erschauert unter diesem Schrei des Verlangens. So schreit hier eine menschliche Seele, nicht nach einem irdischen Gut, sondern nach Gott. Ein Frommer, dem Gott ferne gerรผckt ist, verlangt nach dem Gott des Heils und der Gnade. Er kennt den Gott, zu dem er schreit. Er ist nicht der Sucher nach dem unbekannten Gott2, der nie etwas finden wird. Er hat Gottes Hilfe und Nรคhe einst erfahren. Darum braucht er nicht ins Leere zu rufen. Er ruft seinen Gott an. Wir kรถnnen Gott nur recht suchen, wenn er sich uns schon offenbart hat, wenn wir schon einmal gefunden haben.3
Herr Gott, erwecke in meiner Seele das groรŸe Verlangen nach dir. Du kennst mich und ich kenne dich. Hilf mir, dich suchen und finden. Amen.

Hilf, Helfer, hilf in Angst und Not,
erbarm dich mein, du treuer Gott!
Ich bin ja doch dein liebes Kind
trotz Teufel, Welt und aller Sรผnd.4 |

Meine Seele dรผrstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daรŸ ich Gottes Angesicht schaue?
Durst nach Gott. Wir kennen den leiblichen Durst, wenn kein Wasser da ist, wir kennen den Durst der Leidenschaft nach Glรผck und Leben. Kennen wir auch den Durst der Seele nach Gott? Ein Gott, der nur ein Gedanke oder ein Ideal ist, kann diesen Durst niemals stillen. Nach dem lebendigen Gott, dem Gott und Ursprung allen wahren Lebens, dรผrstet unsere Seele. Wann wird er unseren Durst stillen? Wenn wir dahin kommen, daรŸ wir sein Angesicht schauen. Gottes Angesicht schauen, das ist das Ziel allen Lebens und das ewige Leben. Wir sehen es in Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Haben wir es hier gefunden, dann dรผrsten wir danach, es in aller Klarheit in Ewigkeit zu schauen. Jesus spricht: โ€žWen da dรผrstet, der komme zu mir und trinkeโ€œ (Joh. 7,37).
Herr, uns verlangt, dich zu schauen von Angesicht zu Angesicht.5 Amen.

SรผรŸes Licht, sรผรŸes Licht,
Sonne, die durch Wolken bricht!
O wann werd ich dahin kommen,
daรŸ ich dort mit allen Frommen
schau dein holdes Angesicht?6

Meine Trรคnen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man tรคglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Wo ist dein Gott? so fragt man uns unruhig, zweifelnd oder hรถhnisch. Tod, Sรผnde, Not und Krieg, auch Tapferkeit, Macht und Ehre โ€“ das sieht man. Aber wo ist dein Gott? Der Trรคnen, die darรผber flieรŸen, daรŸ wir Gott noch nicht sehen, daรŸ wir ihn unsern Brรผdern nicht beweisen kรถnnen, braucht sich keiner zu schรคmen. Es sind Trรคnen, die um Gottes willen geweint werden und die er zรคhlt (Psalm 56,9). | Wo ist dein Gott? Was kรถnnen wir antworten als auf den Mann zeigen, der sich in Leben, Sterben und Auferstehen als Gottes echter Sohn erwies, Jesus Christus. Er ist im Tode unser Leben, in Sรผnde unsere Vergebung, in Not unser Helfer, in Krieg unser Friede. โ€žAuf diesen Menschen sollst du zeigen und sprechen: das ist Gottโ€œ (Luther).7
Herr Jesus, wenn ich angefochten bin, weil ich Gott und seine Macht und Liebe nicht sehen kann in dieser Welt, so laรŸ mich fest auf dich blicken, denn du bist mein Herr und mein Gott. Amen.

Such, wer da will, ein ander Ziel,
die Seligkeit zu finden;
mein Herz allein bedacht soll sein,
auf Christum sich zu grรผnden;
sein Wort ist wahr, sein Werk sind klar,
sein heilger Mund hat Kraft und Grund,
all Feind zu รผberwinden.8

Wenn ich denn des innewerde, so schรผtte ich mein Herz aus bei mir selbst; denn ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken unter dem Haufen derer, die da feiern.
Ich bin allein. Da ist keiner, dem ich mein Herz ausschรผtten kann. So tue ich es vor mir selbst und vor dem Gott, zu dem ich schreie. Es ist gut, sein Herz auszuschรผtten in der Einsamkeit und den Kummer nicht in sich hineinzufressen. Aber je einsamer ich bin, desto grรถรŸer wird in mir das Verlangen nach der Gemeinschaft mit anderen Christen, nach gemeinsamem Gottesdienst, gemeinsamem Beten und Singen, Loben, Danken und Feiern. Ich sehne mich wieder nach der Kirche. Ich erinnere mich an sie, und die Liebe zu ihr wird groรŸ in mir. Wer nach Gott ruft, ruft nach Jesus Christus, wer nach Jesus Christus ruft, ruft nach der Kirche.
Gott Heiliger Geist, schenke mir Brรผder, mit denen ich im | Glauben und Gebet Gemeinschaft habe, mit denen ich alles tragen kann, was mir auferlegt ist. Fรผhre mich zurรผck in deine Kirche, zu deinem Wort und zum Heiligen Abendmahl. Amen.

Herz und Herz vereint zusammen
sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen
lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder,
er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brรผder,
er ist unser, wir sind sein.9

Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde ihm noch danken, daรŸ er mir hilft mit seinem Angesicht.
Betrรผbnis und Unruhe wรคhren nur eine kurze Zeit. Sie sollen mein Herz nicht gefangen nehmen. Sprich auch du zu deiner Seele, laรŸ es ihr nicht zu, daรŸ sie sich quรคlt und Sorgen macht. Sag zu ihr: Harre auf Gott! Harre nicht von einem Tag zum andern auf mehr Not, mehr Unheil, harre auch nicht auf plรถtzliche glรผckliche Wendungen aller Dinge, sondern harre auf Gott! Sein Angesicht, das ist Jesus Christus, wird mir gewiรŸ helfen, und ich werde ihm gewiรŸ dafรผr danken. Ist Jesus bei dir, dann kannst du nur noch danken.
Dreieiniger Gott, mache mein Herz fest und grรผnde es allein auf dich und deine Hilfe. Dann ist mir geholfen und ich will dir in Ewigkeit danken. Amen.

Warum sollt ich mich denn grรคmen?
Hab ich doch Christum noch,
wer will mir den nehmen?
Wer will mir den Himmel rauben,
den mir schon Gottes Sohn
beigelegt im Glauben?10 |

Mein Gott, betrรผbt ist meine Seele in mir; darum gedenke ich an dich im Lande am Jordan und Hermonim, auf dem kleinen Berge.
Warum dieser Rรผckfall? MuรŸ denn auf Trost immer wieder Traurigkeit folgen? Das ist das menschliche Herz, das sich nicht trรถsten lassen will, das von einer Betrรผbnis in die andere fรคllt und nur durch Gott festgehalten werden kann. Fern vom Tempel in Jerusalem, fern von der Kirche und der Gemeinschaft der Glรคubigen bleibt die Sehnsucht ungestillt und wach. Die Gedanken gehen zu der geistlichen Heimat, in der Friede und Freude sein wird und das Herz bei Gott einkehrt. Wann werde ich sie wiedersehen?
Vater, wenn du mich in die Fremde schickst, dann erhalte mir die heilsame Sehnsucht nach meiner geistlichen Heimat, und richte meine Gedanken auf die ewige Heimat, in der du uns trรถsten wirst. Amen.

Jerusalem, du hochgebaute Stadt,
wollt Gott, ich wรคr in dir!
Mein sehnlich Herz so groรŸ Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir;
weit รผber Berg und Tale,
weit รผber blaches Feld
schwingt es sich รผber alle
und eilt aus dieser Welt.11

Deine Fluten rauschen daher, daรŸ hier eine Tiefe und da eine Tiefe brausen; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen รผber mich.
Fluten, Wogen und Wellen โ€“ hรถrst du, wie das Meer der Welt hier รผber den Frommen hereinbricht? Es will ihn verschlingen, er ist wie ein Ertrinkender, der keinen Grund mehr findet und dessen Krรคfte versagen. So kann die Welt Macht รผber uns gewinnen. Kennen wir aber auch den, dem | Wind und Meer gehorsam sind (Matth. 8,23โ€“27), der zu seiner Zeit aufsteht und das Meer bedroht, und es wird ganz stille?
Herr Jesus Christus, laรŸ mich nicht versinken! Sprich dein starkes Wort und errette mich! Du allein kannst es. Amen.

Einst in meiner letzten Not
laรŸ mich nicht versinken.
Soll ich von dem bittern Tod
Well auf Welle trinken,
reiche mir dann liebentbrannt,
Herr, Herr, deine Glaubenshand!
Christ Kyrie, komm zu uns auf die See!12

Der Herr hat des Tages verheiรŸen seine Gรผte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.
Tag und Nacht, wie endlos lang und trostlos sind sie, wenn wir ohne Gott sind. Aber wie frรถhlich wird der bรถseste Tag, wenn ich Gottes Gรผte darin festhalte und glaube, wenn ich weiรŸ, daรŸ denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen mรผssen13; und wie still und erlรถsend wird die tiefste Nacht, wenn ich in ihr zu Gott singe und bete, zu dem Gott, der nicht meinen Tod, sondern mein Leben will, zu dem Gott meines Lebens. Gottes VerheiรŸungen gelten und erfรผllen Tag und Nacht, Woche um Woche, Jahr um Jahr. Wenn ich sie nur ergreife!
Gott, Heiliger Geist, mache alle deine VerheiรŸungen wahr an mir. Ich bin bereit, Tag und Nacht. Erfรผlle du mich ganz. Amen.

Sollt ich meinem Gott nicht singen?
Sollt ich ihm nicht dankbar sein?
Denn ich seh in allen Dingen,
wie so gut erโ€™s mit mir mein.
Istโ€™s doch nichts als lauter Lieben, |
das sein treues Herze regt,
das ohn Ende hebt und trรคgt,
die in seinem Dienst sich รผben.
Alles Ding wรคhrt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.14

Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muรŸ ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drรคngt?
Warum hast du mein vergessen? Jedem Christen kommt einmal diese Frage รผber die Lippen, wenn alles gegen ihn steht, wenn ihm alle irdische Hoffnung zerbricht, wenn er sich in dem Lauf der groรŸen Weltereignisse gรคnzlich verloren fรผhlt, wenn alle Lebensziele scheitern und alles sinnlos scheint. Dann aber kommt es darauf an, an wen er diese Frage richtet. Nicht an ein dunkles Schicksal, sondern an den Gott, der mein Fels ist und bleibt, der ewige Grund, auf dem mein Leben ruht. Ich gerate in Zweifel, Gott bleibt fest wie ein Fels; ich schwanke, Gott steht unerschรผtterlich; ich werde untreu, Gott bleibt treu, Gott mein Fels.
Herr, mein Gott, sei mir ein fester Grund, auf den ich in dieser und in jener Zeit bauen kann. Amen.

LaรŸ mich dein sein und bleiben,
du treuer Gott und Herr,
von dir laรŸ mich nichts treiben,
halt mich bei deiner Lehr.
Herr, laรŸ mich nur nicht wanken,
gib mir Bestรคndigkeit;
dafรผr will ich dir danken
in alle Ewigkeit.15

Es ist wie ein Mord in meinen Gebeinen, daรŸ mich meine Feinde schmรคhen, wenn sie tรคglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? |
Schmach dulden und zum Gespรถtt werden um des Glaubens willen, das ist eine Auszeichnung der Frommen seit Jahrtausenden. Es tut Leib und Seele weh, wenn kein Tag vergeht, ohne daรŸ der Name Gottes angezweifelt und gelรคstert wird. Wo ist nun dein Gott? Ich bekenne ihn vor der Welt und vor allen Feinden Gottes, wenn ich in tiefster Not an Gottes Gรผte, in Schuld an die Vergebung, im Tod an das Leben, in der Niederlage an den Sieg, in der Verlassenheit an Gottes gnรคdige Gegenwart glaube. Wer Gott im Kreuze Jesu Christi gefunden hat, weiรŸ, wie wunderlich sich Gott in dieser Welt verbirgt und wie er gerade dort am nรคchsten ist, wo wir ihn am fernsten glauben. Wer Gott im Kreuz gefunden hat, der vergibt auch allen seinen Feinden, weil Gott ihm vergeben hat.
Gott, verlaรŸ mich nicht, wenn ich Schmach leiden muรŸ; vergib allen Gottlosen, wie du mir vergeben hast, und bringe uns alle endlich durch das Kreuz deines lieben Sohnes zu dir. Amen.

Herr, unser Gott, laรŸ nicht zuschanden werden
die, so in ihren Nรถten und Beschwerden
bei Tag und Nacht auf deine Gรผte hoffen
und zu dir rufen.16

Was betrรผbst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, daรŸ er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
So laรŸ nun allen Kummer fahren und warte! Gott weiรŸ die Stunde der Hilfe und die wird kommen, so wahr Gott Gott ist. Er wird deines Angesichts Hilfe sein; denn er kennt dich und hat dich geliebt, ehe er dich schuf. Er will dich nicht fallen lassen. Du bist in seinen Hรคnden. Zuletzt wirst du fรผr alles, was dir widerfuhr, nur danken kรถnnen, denn du hast gelernt, daรŸ der allmรคchtige Gott dein Gott ist. Dein Heil heiรŸt Jesus Christus. |
Dreieiniger Gott, ich danke dir, daรŸ du mich erwรคhlt und geliebt hast. Ich danke dir fรผr alle Wege, die du mich fรผhrst. Ich danke dir, daรŸ du mein Gott bist. Amen.

Weicht, ihr Trauergeister,
denn mein Freudenmeister,
Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben,
muรŸ auch ihr Betrรผben
lauter Freude sein.
Duld ich schon
hier Spott und Hohn,
dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu, meine Freude.17

2. PREDIGT ZU SACHARJA 3,1โ€“5. FINKENWALDE, 5. SONNTAG NACH TRINITATIS, 21. 7. 19351

den 21. VII. 35.

Sacharja 3,1โ€“5.

[Und mir ward gezeigt der Hohepriester Josua, stehend vor dem Engel des Herrn; und der Satan stund zu seiner Rechten, daรŸ er ihm widerstรผnde. Und der Herr sprach zu dem Satan: Der Herr schelte dich, du Satan! ja, der Herr schelte dich, der Jerusalem erwรคhlet hat! Ist dieser nicht ein Brand, der aus dem Feuer errettet ist? Und Josua hatte unreine Kleider an und stand vor dem Engel, welcher antwortete und sprach zu denen, die vor ihm stunden: Tut die unreinen Kleider von ihm! Und er sprach zu ihm: Siehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommen und habe dich mit Feierkleidern angezogen. Und er sprach: Setzt einen reinen Hut auf sein Haupt! Und sie setzten einen reinen Hut auf sein Haupt und zogen ihm Kleider an, und der Engel des Herrn stund da.]

โ€ž- und mir ward gezeigtโ€œ โ€“ wem etwas gezeigt wird, der bekommt etwas zu sehen mit seinen Augen. Der Prophet hat Augen โ€“ seht euch all die alten Propheten bilder an, die zu einer Zeit gemalt wurden als man noch etwas verstand von der Bibel โ€“ auf die Augen kommtโ€™s an, die Augen machen den Propheten. Es ist ein dunkles Rรคtsel รผber uns, daรŸ wir in gรถttlichen Dingen keine Augen haben, auf die Ohren kommtโ€™s bei uns an, das Hรถren macht den Christen und den Glaubenden. โ€žNur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, seine Klarheit kann nicht ein โ€ฆโ€œ, โ€ždenn das ist die grรถรŸte | Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann.โ€œ2 Das sind wir โ€“ sagen kรถnnen wirโ€™s wohl, verkรผndigen, schreien, daรŸ einem die Ohren davon gellen und hรถren kรถnnen wirโ€™s tรคglich in unserer verfallenen Welt, รผber unser von der Sรผnde zerfressenes Leben es uns sagen lassen โ€“ es ist eine neue Welt, es ist ein neues Leben, so hรถrt doch โ€“ aber sehen kรถnnen wir es nicht. Denn โ€ždie Decke vor den Augen kann nicht taugenโ€œ. Tod sehen wir und langsame Verwesung und Zersetzung, Krankheit und Leid sehen wir, Kampf und Mord und Trotz3 und Verzweiflung sehen wir โ€“ und wir hรถren gegen all das was wir sehen das wunderliche Geschrei4 โ€“ glaubt dem nicht, was ihr seht โ€“ glaubt aber dem, was ihr hรถrt โ€“ es ist alles schon zu Ende gegangen, was ihr seht โ€“ der Tod ist tot, der Kampf ist geschlagen5, die Sรผnde ist selbst zur Sรผnde geworden โ€“ die Welt eurer Augen lebt nicht mehr โ€“ werdet Menschen des Hรถrens, Menschen, die Ohren haben, denn Gott redet zu euch durch eure Ohren.6
โ€žโ€“ und mir ward gezeigtโ€œ โ€“ sagt der Prophet, abermals: wir hรถren nur, daรŸ er es sagt, er hat es gesehen. Nicht mit frechen, vorwitzigen Augen, die zu sehen begehren, was sie nicht sehen dรผrfen, sondern mit geรถffneten Augen, vom Herrn geรถffnet und erleuchtet, mit gehorsamen Augen. Die Decke vor den Augen ist hier einen Augenblick fortgetan, die Hรผlle der Welt und der Zeit fรคllt fรผr einen Augenblick โ€“ und die Augen tun sich weit und staunend auf โ€“ โ€žund mir ward gezeigtโ€œ โ€“ von Gott gezeigt.
โ€žDer Hohepriester Josuaโ€œ โ€“ seltsam! tรคglich konnte der Prophet ihn sehen im Tempel, in der Gemeinde. Jeder kannte ihn, das Haupt der jรผdischen Gemeinde, die aus der Verbannung zurรผckgekehrt war; jeder wuรŸte, daรŸ er es war, der ans Werk ging, den vom Feind zerstรถrten Tempel, die verwรผstete Gemeinde Gottes und die alten Gottesdienste wieder aufzurichten.7 Wenn irgend einer so | war er es, auf dessen Frรถmmigkeit und Gerechtigkeit, auf dessen Eifer um den Tempel Gottes, auf dessen unerschรผtterlichen Glauben an die VerheiรŸung jeder Jude ehrfurchtsvoll sah und sich vor ihm beugte, auf den man alle Hoffnung setzte, der jedem ein frommes Vorbild war in jenen Tagen der Erneuerung der Kirche Gottes. โ€žDer Hohepriester Josuaโ€œ โ€“ der erwรคhlte Mann Gottes โ€“ vor dem Volk stehend, fรผr es opfernd und im Gebet eintretend, warnend und trรถstend und aufrufend โ€“ so hatte ihn jeder schon gesehen โ€“.
โ€žDer Hohepriester Josua, stehend vor dem Engel des Herrnโ€œ โ€“ nicht vor dem Altar, nicht vor dem Volk, sondern nun gegenรผberstehend dem Engel des Herrn. Dort wo jeder Mensch einmal stehen muรŸ, nein, wo er eigentlich jeden Augenblick steht, ob er es weiรŸ oder nicht, dort wo alles Licht ist und alles ans Licht kommt,8 dort wo der Mensch im Gebet tรคglich selbst hintritt โ€“ wie sollte dort nicht auch der Hohepriester Josua stehen? wie sollte der fromme und heilige Priester dort nicht gerade am rechten Ort sein? Was fรผr ein herrlicheres und verheiรŸungsvolleres Gesicht konnte einem Propheten gezeigt werden?
โ€žโ€“ und der Satan stund zu seiner Rechten, daรŸ er ihm widerstรผndeโ€œ โ€“ der Satan neben Josua, dem Hohenpriester! was hat der Satan hier verloren? wer hat ihm den Eingang erlaubt? was hat der Satan an diesem Mann? Nicht scheu und enttรคuscht und geprellt um eine kostbare Beute steht er da, sondern als der Anklรคger, als der Feind, โ€ždaรŸ er ihm widerstรผndeโ€œ, daรŸ er furchtbare Dinge gegen ihn sagte, daรŸ er ans Licht brรคchte, was verborgen blieb in der Welt, daรŸ er ihn enthรผllte, daรŸ er ihn zum Sรผnder machte, zum Ungerechten โ€“ ihn, den Hohenpriester Josua! โ€“ โ€žder Satan stund zu seiner Rechtenโ€œ โ€“ Josua hat das Heil nicht verdient, er ist ein Heilloser, wie alle anderen Menschen, sein Priesterkleid hat ihn nicht zu retten vermocht, er ist nicht der erste Priester und Papst und Pfarrer und Heilige, der mir gehรถrt โ€“ so sagt | Satan. Der Satan hat Freude daran, den Heiligen zu verklagen โ€“ kommt da ein armer elender Sรผnder vor den Thron Gottes, so hat der Satan wenig Freude dran, kommt da aber einer mit dem Glanz der Frรถmmigkeit und der Gerechtigkeit, kommt da ein Kirchenmann, kommt da ein Kirchenreformer, einer, der vor der Welt ein Mann Gottes war, so fรคhrt er herzu, so muรŸ der Teufel dabei sein, so ist er unwiderstehlich selbst auf dem Plan, hier ist er grade am rechten Ort. Hier in Josua stand ja die ganze erneuerte Kirche Gottes vor dem Richterstuhl, die nach Zerstรถrung und Verwรผstung im Glauben an die VerheiรŸung neugebaute Kirche, da muรŸ der Teufel herzu. Der Satan neben Josua dem Hohenpriester โ€“ ein furchtbares Gesicht.
Wird Josua sich verteidigen? darf er etwas sagen gegen seinen Anklรคger? nein in dieser Stunde hat kein Mensch mehr ein Wort zu sagen, hier gibt es keine Selbstverteidigung mehr, hier reden nur zwei โ€“ an ihrem Reden hรคngt das Urteil โ€“ Satan und der ewige Fรผrsprecher, Christus.9 Josua muรŸ stumm bleiben. Aber Christus, der Herr, redet.
โ€žUnd der Herr sprach zu dem Satan: Der Herr schelte dich, du Satan, ja der Herr schelte dich, der Jerusalem erwรคhlt hat. Ist dieser nicht ein Brand, der aus dem Feuer gerettet ist?โ€œ Christus10 verteidigt Josua, seinen Hohenpriester. Der Herr schelte dich, Satan โ€“ weiรŸt du nicht, daรŸ du an diesem Mann kein Recht hast? Kennst du die Regeln deines Spieles so schlecht, daรŸ du dich an diesem Hohenpriester vergreifst? Der Satan wird gescholten โ€“ seltsam, nicht wahr, den Satan zu schelten! โ€“ wie soll der Satan das begreifen, der doch nichts anderes will als von Gott gescholten sein? Der Herr schelte dich, du Satan โ€“ auch deine Satanei hat ihre Grenzen, die du respektieren solltest โ€“ hier ist Gottes Hoherpriester โ€“ die Finger weg, Satan,11 โ€“ hier ist Gottes Eigentum โ€“ โ€žder Jerusalem erwรคhlt hatโ€œ โ€“ Jerusalem ist erwรคhlt! es soll neu errichtet werden, der Tempel und die Mauern und die Gottesdienste, dieses | Jerusalem, in dem Josua der Hohepriester ist, ist Gottes Stadt und Kirche, aller Untreue, aller Schwรคche, aller Sรผnde zum Trotz. Wo Gott erwรคhlt hat, da hat der Satan kein Recht, wo Gott sich zu einer Kirche bekennt, da darf der Satan aller Sรผnde dieser Kirche zum Trotz nicht mehr anklagen โ€“ Gottes Erwรคhlung ist stรคrker als die Anklage des Teufels, der Herr schelte dich, der Jerusalem erwรคhlt hat. โ€žIst dieser nicht ein Holzscheit, das aus dem Feuer errettet istโ€œ โ€“ herausgerissen aus dem Brand, aus dem Feuer, daรŸ es nicht mitverbrenne, herausgerissen und errettet, von Gott lieb und heilig gehalten, nicht der Verdammung anheimgegeben โ€“ wo Gott von einem Menschen sagt: errettet, da hat der Satan sein Recht verloren โ€“ erwรคhlt, errettet, sagt der Herr โ€“ als Josua, sein Hohepriester vom Satan angeklagt wird.
Aber Josua hatte unreine Kleider an und stund vor dem Engelโ€œ โ€“ der Hohepriester in unreinen Kleidern; den der Prophet tรคglich in den weiรŸen glรคnzenden Kleidern und in dem heiligen Schmuck seines Amtes im Tempel vor dem Volk sah, er steht mit befleckten, unreinen Kleidern vor Gott. Was ist das fรผr ein furchtbares Bild? Ist Josua, der Hohepriester ein verborgener, heimlicher Sรผnder? ist er einer von Jenen, die ihr heiliges Kleid zur Decke ihrer Schande und Bosheit tragen, ist er ein Heuchler und Schauspieler, ist er in all seiner Frรถmmigkeit selbst verwerflich geworden und nun bringt es das Gesicht des Propheten an den Tag? Josua, der Hohepriester, vor dem Engel des Herrn, der Satan ihm zur Seite, um ihn anzuklagen, der Herr fรผr ihn eintretend โ€“ aber Josua hatte unreine und befleckte Kleider an.
Hat der Satan nicht recht mit seiner Anklage, hat er nicht ein Recht an diesem Mann, der da in unreinen Kleidern da steht? Was nรผtzt es, wenn der Herr den Satan schilt โ€“ wenn er sagt: erwรคhlt, errettet โ€“ Josua hatte unreine Kleider an โ€“ die Erwรคhlung ist verloren, die Errettung hat nichts geholfen โ€“ der Satan hat seine Freude und zeigt auf sein Werk, siehe da โ€ždie | unreinen Kleiderโ€œ! โ€“ und Josua, der Hohepriester steht vor Gott in unreinen Kleidern und darf kein Wort sagen.
Eine furchtbare Botschaft, die der Prophet seiner Gemeinde und dem Hohenpriester Josua selbst durch sein Gesicht bringen muรŸte โ€“ wenn Josua unreine Kleider anhatte an jenem Tage, wer sollte denn dann bestehen kรถnnen, wer sollte dann hoffen dรผrfen, in reinen Kleidern vor Gott hinzutreten? Wenn Josua unreine Kleider hat, so hat ja die ganze Gemeinde12 selbst unreine Kleider, dann ist es ja mit aller Treue, mit allem Glauben, mit allem Bekenntnis vor der Welt nichts, dann ist ja auch diese heilige Stadt, diese gereinigte Kirche nichts, dann ist alle Heiligkeit vor Gott nur wie ein unreines Kleid.
โ€žJosua hatte unreine Kleider anโ€œ โ€“ nein, nicht weil er ein heimlicher Heuchler war, weil er verwerflich wurde hinter der Decke seiner Frรถmmigkeit โ€“ Josua hatte unreine Kleider, weil er vor Gott stand. Weil vor Gott alle unsre Heiligkeit, Frรถmmigkeit und Gerechtigkeit, all unsere Arbeit an der Kirche, an dem Bau der Stadt, die Gott erwรคhlt hat โ€“ ist wie ein unreines Kleid. Wer will es denn wagen, zu sagen aus welcherlei verschiedenen unreinen Fรคden das Kleid gewirkt ist, das wir uns und unserer Kirche zu arbeiten am Werk sind,13 wieviel menschlich fatale Unklarheiten dabei im Spiel sind, wie oft uns gerade in unserem kirchlichen Verhalten unser Fleisch und Blut einen bรถsen Streich spielen โ€“ kurz, wir verstehen schon โ€“ es gibt keinen Grund zu glauben, daรŸ wir mit reinen Kleidern da stehen wรผrden, wo Josua, der Hohepriester, mit unreinen Kleidern steht. Wo bleibt angesichts solchen Bildes die Hoffnung?
Allein dort, wo sie fรผr Josua stand โ€“ er hatte nichts zu sagen, kein Wort der Verteidigung, er trug unreine Kleider, er hatte sein Recht verloren โ€“ seine Hoffnung ist der Gott, der ihn vertritt, der fรผr ihn eintritt, der den Satan schilt und verwirft, seine Hoffnung ist der Gott, [der] den Unreinen rein macht โ€“ Christus. Gott spricht zum zweiten Mal, er selbst muรŸ nun re- | den und sein Wort ist Tat:
โ€žโ€“ tut die unreinen Kleider von ihmโ€œ โ€“ reiรŸt sie ab von ihm; Gott will seinen Hohenpriester, den Brand, den er aus dem Feuer gerettet [hat,] nicht so vor sich sehen. Josua soll rein sein โ€“ das ist Gottes Machtwort. Gott will es so, der Jerusalem erwรคhlt hat, โ€“ und Gott allein kann es tun โ€“ โ€žtut die unreinen Kleider von ihm!โ€œ โ€“ dieses Werk des Satans, diese Erinnerung an seine Macht und Gewalt und List, โ€“ Josua soll rein vor Gott stehen โ€“ etwa weil er imgrunde doch rein war, weil die Anklage des Satans ihn nicht treffen konnte? Nein โ€“ nur aus einem einzigen Grunde:
โ€žโ€“ siehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommenโ€œ โ€“ das ist das rettende Wort, das ist das schรถpferische Wort, das ist Gnade und Vergebung โ€“ โ€žich habe deine Sรผnde von dir genommenโ€œ โ€“ ich habe sie genommen, Gott hat es getan, er hat sie getragen und wir sind frei, er tritt fรผr uns ein und spricht uns frei14 โ€“ โ€žsiehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommenโ€œ โ€“ Josua soll rein sein, frei sein, Josua soll nicht gerichtet werden, Josua soll leben. Von diesem Wort lebt Josua, von dem Wort der Vergebung โ€“ er hat unreine Kleider โ€“ tut die unreinen Kleider von ihm, sagt Gott, der Allmรคchtige โ€“ siehe, ich habe deine Sรผnde von dir genommen, sagt Gott, der Gnรคdige. Wo Gott die Sรผnde und Unreinheit von uns nimmt, da ist Vergebung und neues Leben.
โ€žโ€“ ich habe dich mit Feierkleidern angezogenโ€œ โ€“ was ist dies Feierkleid? Es ist das Wort der Vergebung, das die Sรผnde und Unreinheit zudeckt, es ist die Gnade, mit der bekleidet15 wir vor Gott treten kรถnnen. Das Wort Gottes selbst, uns gegeben, uns gesagt, ist das rechte und einzige Feierkleid.
โ€žUnd er sprach: setzt einen reinen Hut auf sein Haupt! und sie setzten einen reinen Hut auf sein Haupt und zogen ihm Kleider an und der Engel des Herrn stund daโ€œ โ€“ das ist die sichtbare Beglaubigung, das Siegel, das Gott unter sein Wort setzt โ€“ das Kleid der neuen Heiligung und Gerechtigkeit. Das ist das Ja Gottes zu Jerusalem, das er erwรคhlt, zu seinem | Hohenpriester, den er errettet hat. Jerusalem ist gereinigt von seiner Sรผnde, Josua ist geheiligt zu neuem Dienst; nicht aus der eigenen Heiligkeit und Gerechtigkeit, sondern aus der Tat Gottes, der seine Kirche, die er erwรคhlt hat, tรคglich reinigt und heiligt, der seine Erwรคhlung hรคlt aller Unreinheit zum Trotz. Und der Engel des Herrn stund da: der Satan ist verschwunden, der Engel des Herrn behielt das Feld und tritt schรผtzend zu Josua, dem Hohenpriester.
Dieses Bild und diese Geschichte des Josua ist das Bild und die Geschichte unserer Kirche โ€“ merken wir uns diese drei Bilder โ€“ ich sah Josua, den Hohenpriester stehend vor dem Engel des Herrn und der Satan stund zu seiner Rechten โ€“ die Kirche โ€“ in jedem Augenblick und in der letzten Zeit โ€“ stehend vor Gott und der Satan verklagt sie โ€“ Josua hatte unreine Kleider, die Kirche, unsere Bekennende Kirche steht in unreinen Kleidern vor Gott โ€“ Tut die unreinen Kleider von ihr, ich habe ihr Feierkleider angezogen โ€“ Gott, sprich so auch zu uns und zu dieser Gemeinde, dieses Wort ist unser Leben, mach uns recht fertig vor dir in reinen Kleidern zu stehen. Amen.

3. SKIZZE ZU PROVERBIA 3,27โ€“331

Sprรผche 3,27 ff

[Weigere dich nicht, dem Dรผrftigen Gutes zu tun, so deine Hand von Gott hat, solches zu tun. Sprich nicht zu deinem Nรคchsten: โ€žGehe hin und komm wieder; morgen will ich dir gebenโ€œ, so du es doch wohl hast. Trachte nicht Bรถses wider deinen Nรคchsten, der auf Treue bei dir wohnet. Hadre nicht mit jemand ohne Ursache, so er dir kein Leid getan hat. Eifre nicht einem Freveln nach und erwรคhle seiner Wege keinen; denn der Herr hat Greuel an dem Abtrรผnnigen, und sein Geheimnis ist bei den Frommen. Im Hause des Gottlosen ist der Fluch des Herrn; aber das Haus der Gerechten wird gesegnet. Er wird der Spรถtter spotten; aber den Elenden wird er Gnade geben. Die Weisen werden Ehre erben; aber wenn die Narren hoch kommen, werden sie doch zu Schanden.]

1.) Weisheit [ist] etwas anderes als Wissen und Verstand2, Lebenserfahrung3. Gilt nicht nur fรผr die Alten, sondern gerade auch fรผr die Jungen4. Wissen ist menschlich, Weisheit gรถttlich. Viel Wissen ohne Weisheit, wenig Wissen und viel Weisheit. Weisheit ist das Geschenk, den Willen Gottes in den konkreten Aufgaben des Lebens zu erkennen. Weisheit ist nicht Lebens-, sondern Gottes-, Christuserfahrung im tรคglichen Leben. Sie ordnet die Beziehung des Menschen zu seinem Nรคchsten, des Mannes zur Frau, des Freundes zum Freund, [des] Vaters zum Kind, [des] Lehrers zum Schรผler, zum Armen, zum Feind, zum Besitz, zu den Begierden. Das Nรคchstliegende. Die Weisheit stellt die Ordnungen Gottes in der Welt wieder her. Weisheit ist das Evangelium im tรคglichen Leben.
2. Vers 27. Wer ist der Dรผrftige? Jeder von uns. Wer ist [der,] der von Gott empfangen hat zu geben? Jeder von uns. Weigere dich nicht โ€“ auf die Bitte nicht sofort nach Grรผnden suchen, sie auszuschlagen โ€“ recht geben heiรŸt Gottes Gaben weitergeben, daรŸ sie nicht als meine, sondern als Gottes Gabe erkannt wird. Die grรถรŸte Gabe Gottes: Christus. Weigere dich nicht โ€“ Trost und Ermahnung!
Vers 28. Nicht hinausschieben, was du heute tun kannst, du machst deinen Tag รคrmer. Es kann morgen zu spรคt sein. So handelt Gott am Sรผnder!5 Hilfe ist nur dann Hilfe, wenn sie gebraucht wird, nicht wenn es mir gefรคllt, sie anzubieten. โ€“ Verschieben bedeutet ein Nichtโ€“ernstnehmen der letzten Entscheidung [des] Todes6. Jede Bitte kann letzte Entscheidung รผber uns sein. Mit abgeschlagener Bitte sterben?7 โ€“ Mit geplanten guten Taten rechtfertigen wir uns hรคufig. Wir kommen uns gerecht vor, weil wir Gutes zu tun bereit sind, aber auf das Tun allein kommt es an.
Vers 29. Das Vertrauen nicht miรŸbrauchen, โ€“ durch bรถse, feindliche Gedanken oder Plรคne, durch bรถse Worte. Nicht รผber den Bruder reden! Du kannst dann nicht mehr mit dem Bruder reden!8
Vers 30. Ohne Ursache hadern โ€“ die Antipathie, jene unbegrรผndete Feindseligkeit, die nicht die Natur, sondern der Teufel in uns gebracht hat. Unter Christen gibt es keine Antipathien. Gott hat dich geliebt, hat den anderen geliebt.
[Vers] 31[f]. Nicht neidisch [sein], wenn es einem auf seinen Wegen besser geht als dir โ€“ das Geheimnis, Gott ist zwar verborgen, aber bei uns.
[Vers] 33. Fluch und Segen im Haus, in der Arbeit, in der Gemeinschaft.

4. SKIZZE EINER BEICHTANSPRACHE ZU PROVERBIA 28,131

Sprรผche 28,13.
[Wer seine Missetat leugnet, dem wird es nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lรครŸt, der wird Barmherzigkeit erlangen.]2

โ€“ Beichtvorbereitung zu unserer letzten gemeinsamen Beichte: wir denken dabei an die letzten Monate und an unser Leben in der Gemeinschaft der Brรผder. โ€“ โ€žGelingenโ€œ โ€“ was denn? meine Wรผnsche, Vorstellung รผber meinen Christenstand; mein persรถnliches christliches Leben im Gehorsam gegen Gottes Wort โ€“ es gibt nur einen Weg, daรŸ es gelinge bei Gott und Menschen: unsre Sรผnde nicht leugnen, sondern bekennen. Ist es bis heute nicht gelungen, es ist noch Zeit genug, daรŸ es gelinge, nรคmlich wenn du vor Gott auf die Knie gehst und ihm alle deine Sรผnde bekennst.
Sรผnde leugnen; auf verschiedene Weise: 1. sie auf die anderen abschieben, den anderen belasten, um selbst von der Schuld frei zu werden, zum Verklรคger der Brรผder werden. Das ist Verruf und Mord zugleich! 2. sie auf mein Wesen, Eigenart, Veranlagung schieben: โ€žich bin nicht danachโ€œ, โ€žes liegt mir nichtโ€œ, โ€žich brauche etwas anderesโ€œ โ€“ das ist feige Ausflucht vor der Verantwortung, die Gott mir aufgelegt hat, zum Verklรคger des Schรถpfers [werden]3. 3. alles verharmlosen, โ€žkameradschaftliche Lรถsungโ€œ aller dieser Fragen und Sรผnden. Nichtachtung des Bruders, des gemeinsamen Stehens unter dem Wort, dem Gebet, der Andacht.
Warum leugnen wir unsere Sรผnde? 1. aus Angst, daรŸ ich als Christ mich so geschlagen geben soll, daรŸ ich alle Schuld auf mich nehmen soll 2. aus Angst vor Gott, daรŸ ich es mit Gott zu tun kriege und mit der Frage nach seiner Barmherzigkeit 3. aus Angst vor den Folgen: wenn ich meine Sรผnde er- | kenne, so mรผรŸte ich ja mit ihr brechen und das hat sichtbare Folgen. Die Menschen werden es merken. Ich muรŸ zu Menschen hingehen und sie um Verzeihung bitten, ich muรŸ ja nun endlich anfangen den Kampf gegen mich selbst und die Sรผnde in mir aufzunehmen aller Ruhe und Bequemlichkeit zum Trotz; ich muรŸ vielleicht den Gang zur Beichte wagen. Darum leugne ich, aber: es wird mir auch nicht gelingen, ich tue, was ich wolle.
โ€žBekennen und Lassen der Sรผnde, dem wird es gelingenโ€œ โ€“ wie geschieht das? 1. erkennen, daรŸ ich selbst an allem schuld bin; nicht die Umstรคnde, nicht die anderen, nicht meine Anlagen mรผssen anders werden, sondern ich selbst. Sonst ist mir nicht geholfen. Ich habe die Andacht miรŸachtet, die Gebetszeit nicht genรผtzt, die Brรผder nicht geachtet, nicht fรผr sie gebetet, sie nicht um Rat und Hilfe gebeten. Ich selbst! 2. Hingehen zum Bruder und ihn um Verzeihung bitten, daรŸ nichts zwischen uns ist, was uns trennt. Mt 5[,22โ€“24]. 3. Die Beichte. Letzte Ermahnung. Kannst du anders nicht mehr zum Sรผnder werden, so werde es in der Beichte; und es wird dir gelingen. โ€ฆ und lassen, der HaรŸ gegen die Sรผnde wรคchst mit der Liebe zu Gott. Ein neues Leben anfangen mit Gottes Hilfe. Unsere Gemeinschaft wird rechte christliche Gemeinschaft und Bruderschaft wenn wir zusammen als Sรผnder und gemeinsam Vergebung in einem neuen Anfang gewinnen. Der neue Anfang fรผhrt in die Ewigkeit.

5. BIBLISCHE BESINNUNG: DER MORGEN1

Morgensegen. Andacht. Meditation. Gottesdienst. Gesetzlichkeit? Der Tag2. Unsere Launen, unser รœbereifer, Sorgen.
Ps 30,6 46,6 55,18 (!) 73,14 127,2 Jes 5,11! Jes 50,4 Klag. 3,23 Hos 12,8 Am 4,4 5,8 Zeph 3,5 3 Mos 22,30 2 Mos 16,7 Joh 21,4 Ufer Jes 26,9 Ps 57,5 119,147 komme in der Frรผhe3

Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unsers Lebens. Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes. Der heutige Tag ist die Grenze unsers Sorgens und Mรผhens (Mt 6,34 Jac 4,14).4 Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren, um Glauben zu halten oder in Sรผnde und Schande zu fallen.5 Darum schuf Gott Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wanderten, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sรคhen. Wie die alte Sonne doch tรคglich neu aufgeht, so ist auch die ewige Barmherzigkeit6 Gottes alle Morgen neu (Klag. 3,23). Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen, mitten in einem Leben mit Gott tรคglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dรผrfen, das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht.
In der heiligen Schrift ist der Morgen eine Zeit voller Wunder. Er ist die Stunde der Hilfe Gottes fรผr seine Kirche7 (Ps 46,6), die Stunde der Freude nach einem Abend des Weinens (Ps 30,6), die Stunde der Verkรผndigung des gรถttlichen Wortes (Zeph 3,5), der tรคglichen Austeilung des heiligen Mannas (2 Mose 16,13 f). Vor Tagesanbruch geht Jesus beten (Mk 1,35), in der Frรผhe gehen die Frauen zum Grab und finden Jesus auferstanden,8 im Morgengrauen finden die Jรผnger den Auferstandenen am Ufer des Sees von Tiberias (Joh 21,4). Es ist die Erwartung der Wunder Gottes, die die Mรคnner des Glaubens frรผh aufstehn lรครŸt (1 Mos 19,27 2 Mos 24,4 Hiob 1,5 und รถfter). Der Schlaf hรคlt sie nicht mehr. Sie eilen der frรผhen Gnade Gottes entgegen. |
Beim Erwachen vertreiben wir die finsteren Gestalten der Nacht und die wirren Trรคume, indem wir alsbald den Morgensegen sprechen und uns fรผr diesen Tag fรผr Hilfe dem dreieinigen Gott befehlen. Bรถse Launen, unbeherrschte Stimmungen und Wรผnsche und Sorgen9, die wir am Tag nicht mehr los werden, sind oft genug Nachtgespenster, die nicht beizeiten verjagt worden sind und uns den Tag vergรคllen wollen. In die ersten Augenblicke des neuen Tages gehรถren nicht eigene Plรคne und Sorgen, auch nicht der รœbereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nรคhe. Wen die Sorge frรผhzeitig aufweckt, zu dem sagt die Schrift: โ€žes ist umsonst, daรŸ ihr frรผhe aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Trรคnenโ€œ10 (Ps 127,2). Nicht die Angst vor dem Tag, nicht die Last der Werke, die ich zu tun vorhabe, sondern der Herr โ€žweckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr daรŸ ich hรถre wie ein Jรผngerโ€œ; so heiรŸt es vom Knecht Gottes (Jes 50,4). Bevor das Herz sich der Welt aufschlieรŸt, will Gott es sich erschlieรŸen, bevor das Ohr die unzรคhligen Stimmen des Tages vernimmt, soll es in der Frรผhe die Stimme des Schรถpfers und Erlรถsers hรถren. Die Stille des ersten Morgens hat Gott fรผr sich selbst bereitet. Ihm soll sie gehรถren.
Vor das tรคgliche Brot gehรถrt das tรคgliche Wort. Nur so wird auch das Brot mit Danksagung empfangen. Vor die tรคgliche Arbeit gehรถrt das morgendliche Gebet. Nur so wird die Arbeit in der Erfรผllung des gรถttlichen Befehls getan. Fรผr stille Gebetszeit und gemeinsame Andacht muรŸ der Morgen eine Stunde hergeben. Das ist wahrhaftig keine vergeudete Zeit. Wie kรถnnten wir anders gerรผstet den Aufgaben, Nรถten und Versuchungen des Tages entgegengehen? Und ob wir auch oft nicht โ€žin Stimmungโ€œ dafรผr sind, so ist es doch schuldiger Dienst an dem, der von uns angerufen, gelobt und gebeten sein will und der uns unsern Tag nicht anders als durch sein Wort und unser Gebet segnen will.
Es ist nicht gut von โ€žGesetzlichkeitโ€œ zu reden, wo es um die | Ordnung unsers christlichen Lebens, um die Treue in den gebotenen Dingen des Schriftlesens und Betens geht.11 Unordnung zersetzt und zerbricht den Glauben. Das muรŸ der Theologe besonders lernen, der Zuchtlosigkeit so leicht mit evangelischer Freiheit verwechselt. Wer einmal ein ausfรผllendes geistliches Amt versehen und nicht in Betriebsamkeit sich und seine Arbeit zugrunde richten will, der lerne beizeiten die geistliche Disziplin des Dieners Jesu Christi. Der junge Theologe wird es als eine groรŸe Hilfe erfahren, wenn er sich fรผr sein stilles Gebet und fรผr die Andacht feste Zeiten setzt, die er in groรŸer Beharrlichkeit12 und Geduld einhรคlt.
Die stille Gebetszeit13 braucht jeder Christ. Der Theologe, der Christ sein will, braucht sie nรถtiger als irgend ein anderer. Er braucht mehr Zeit fรผr Gottes Wort14 und fรผr das Gebet, denn dazu ist er besonders [ein]gesetzt15 (Akta 6,4). Wie sollen wir den Tag รผber mit Gottes Wort umgehen, predigen und unterweisen lernen, anderer Menschen Last brรผderlich tragen helfen, wenn wir nicht selbst Gottes Hilfe fรผr den Tag erfahren haben? Wir wollen ja nicht Schwรคtzer und Routiniers werden. Es ist ratsam der stillen Gebetszeit ein Wort Gottes zugrunde zu legen. Das gibt dem Gebet Inhalt, festen Grund und Zuversicht. Es kann fรผr eine Woche derselbe Schriftabschnitt sein.16 Dann wird das Wort in uns zu wohnen und zu leben beginnen und uns bewuรŸt oder unbewuรŸt gegenwรคrtig sein. Ein zu rascher Wechsel macht oberflรคchlich. Auf dem Grund der Schrift lernen wir in der Sprache, in der Gott zu uns gesprochen hat, zu Gott sprechen, wie das Kind zum Vater. Vom Worte Gottes ausgehend beten wir alles was das Wort uns lehrt, bringen wir den kommenden Tag vor Gott und reinigen unsre Gedanken und Vorsรคtze vor ihm, beten wir vor allem um die volle Gemeinschaft Jesu Christi mit uns. Wir wollen nicht vergessen fรผr uns selbst zu beten. โ€žAchte deine Seele hoch in Demutโ€œ ([Jesus Sirach 10,31]17). Dann aber liegt vor uns das weite Feld der Fรผrbitte. Hier weitet sich der | Blick, er sieht nahe und ferne Menschen und Dinge, um sie der Gnade Gottes zu befehlen. Keiner, der uns um unsre Fรผrbitte gebeten hat, darf fehlen. Dazu kommen all die, die uns persรถnlich oder beruflich besonders anbefohlen sind und das sind viele. SchlieรŸlich weiรŸ jeder von Menschen, denen sonst wohl kaum einer diesen Dienst tut. Nicht vergessen wollen wir, Gott fรผr die zu danken, die uns durch ihre Fรผrbitte helfen und stรคrken. Wir wollen die stille Gebetszeit nicht beschlieรŸen, bevor wir mehrfach und schlieรŸlich mit groรŸer GewiรŸheit18 das Amen gesprochen haben.19
Zur gemeinsamen Andacht suchen wir Hausgenossen oder Brรผder aus der Nachbarschaft, um mit ihnen zusammen das Wort Gottes zu hรถren, zu singen und zu beten. In die Andacht gehรถren vor allem die gemeinsam gelesenen Psalmen, die nur dann zu unsrem Besitz werden, wenn wir sie tรคglich und reichlich und ohne Auslassung lesen und beten, auch dort wo sie uns schwer werden. Dann sollte ein nicht zu bescheidener20 Abschnitt im Alten und Neuen Testament fortlaufend zur Verlesung kommen. Das Lied der Kirche stellt uns in die groรŸe Gemeinde der Gegenwart und Vergangenheit. Das Gebet, das einer fรผr die ganze Gemeinschaft spricht, bringt die gemeinsamen Anliegen der kleinen Hausgemeinde vor Gott.
Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet, nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden. Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?

6. AUSLEGUNG ZU Rร–MER 9โ€“11 (MITSCHRIFT). FINKENWALDE, 28. 9. 19351

Rรถmer 9โ€“11 Judenproblem.

Wer ist der Jude? Israel nach dem Fleisch?
Kapitel 8 zu 9: Begriff der โ€žErwรคhlungโ€œ. Juden โ€žBrรผderโ€œ2, 9,5 einzige Stelle, wo Christus Gott genannt.
Vers 6โ€“13 Die Kinder Israel sind nicht = ฯƒฯ€ฮญฯฮผฮฑ3, sondern nur die der VerheiรŸung (nicht Ismael, sondern Isaak4). Das ฯƒฯ€ฮญฯฮผฮฑ tut nichts, sondern das Wort Gottes, so zu dem ฯƒฯ€ฮญฯฮผฮฑ kommt.5
V 1โ€“5 wer: nach dem Fleisch6, die die VerheiรŸungen usw. haben.7 Israel nach dem Fleisch hat alle [Gaben]8 empfangen der VerheiรŸung. Israeliter sind nur Kinder aber der VerheiรŸung. Kinder der VerheiรŸung9 sind aber nur die Erwรคhlten. Nicht durch das ฯƒฯ€ฮญฯฮผฮฑ sind sie Kinder, sondern durch die Erwรคhlung. Aber als die Erwรคhlten die aus dem ฯƒฯ€ฮญฯฮผฮฑ แผˆฮฒฯฮฑฮฌฮผ.10 Realgrund ist die Erwรคhlung. Erkenntnisgrund: ฯƒฯ€ฮญฯฮผฮฑ. Nicht weil, empfangen sie das Reich Gottes. Sondern als solche, die hinzugetreten sind, hinzugehรถren. Lk 19 โ€ฆ sintemal auch dieser Same Abrahams ist.11
V 14 ff Weiter: Verstockung. Auf nichts als auf Gottes12 zurรผckgefรผhrt. Die Verstockung auf die Erwรคhlung zurรผckgefรผhrt (vgl. Vers 12 Luthers Zusatz โ€žaus Gnade des Berufersโ€œ, wo griechisch einfach แผฮบ ฯ„ฮฟแฟฆ ฮบฮฑฮปฮฟแฟฆฮฝฯ„ฮฟฯ‚13).
Vers 17: Pharaos Verstockung soll dazu dienen, Gottes Ehre in allen Landen zu verkรผndigen. (Kapitel 11 auch: Israels Verstockung. Gott benutzt die Verstockung eines, um einen anderen zu bekehren.) Die Verstockung hat ein Ziel: Verkรผndigung des Namens. Vielleicht auch ein Ende damit.
Vers 30โ€“Kapitel 10,3 Hier von ihrer Schuld geredet. Die Erwรคhlungsverstockung ist zugleich Selbstverschuldung.
V 4โ€“8 Das Wort des Evangeliums war ihnen schon (den Juden) nahe!
Verstockung: 1.) Gottes Wille 2.) Schuld Israels 3.) Berufung der anderen.
Kapitel 11 VerstoรŸen? Nein, nicht verstoรŸen. Beweis: er selber.14 Gott [hat] nicht verstoรŸen, aber verstockt15. ฮปฮตแฟ–ฮผฮผฮฑ: Rest, Anbruch (Elia)16.
Vers 11 Angelaufen, damit sie nachher fallen? Nein. Sondern Fallen um der Heiden willen geschehen. Verstockung stellvertretend leidend fรผr die Heiden, nicht ohne Schuld, darin Unterschied zum Knecht.17 Stellvertretungsgedanke bleibt. Aber Schuld doch.
Warum muรŸten die Juden verstockt werden, damit die Heiden das Heil bekรคmen? Damit sie Christus kreuzigten (und Deuterojesaja?18). Es bleibt so, daรŸ Israel der Missionar der Welt ist, leidend stellvertretend, aber nun eben durch die Schuld! Kreuz19 ist schuldhafte Verstockung, die Israel aber nicht aus der missionarischen Aufgabe herausnimmt.
Stellvertretung: Das heiรŸt Gott geht nicht ab von seinem Plan. Er benutzt die Schuld dazu. Moralisch das nicht zu verstehen.
Vers 15: Erst mit der Auferstehung der Toten wird Annahme Israels kommen.
Vers 17 ff: Wenn schon erwรคhlte Zweige abgehauen, um wieviel mehr ein Heide abgehauen.20
Vers 25 ff: ฮผฯ…ฯƒฯ„ฮฎฯฮนฮฟฮฝ21 โ€“ Prophetie.
Vers 28 ganz deutlich Stellvertretung, Schuld, Wahl bleibt. An den Juden vollzieht sich ein nicht offenbarer Wille Gottes (Wahl), sie bleiben die Geliebten Gottes, aber แผฯ‡ฮธฯฮฟฮฏ22, zum Heil ihnen und den anderen. Es muรŸ geschehen (der Verrat), aber wehe dem, der es tut!23
Nun Frage: Israel nach dem Fleisch oder durch die Natur? oder durch das Gesetz?
Was ist ein Jude?

7. BIBELARBEIT: Kร–NIG DAVID. FINKENWALDE, 8.โ€“11. 10. 19351

Kรถnig David.

Anleitung zum Lesen der Samuelisbรผcher. Beitrag zum Thema: Christus im Alten Testament โ€“ unaktuell, absichtlich โ€“ Versenkung in die Gedanken der Bibel.2

Vorbemerkung: Das Zeugnis des Neuen Testaments und der Propheten von David.3

1. Christus ist der Sohn und Same Davids nach dem Fleisch und nach der VerheiรŸung (R 1[,3] Mt 1[,1] Joh 7,42 2 Tim 2,8. Mt 22,42). Die Genealogien4 Mt 1 und Luk 3, die รผber David auf Joseph fรผhren, der doch nicht der leibliche Vater Jesu wurde, drรผcken5 den VerheiรŸungscharakter der Sohnschaft nach dem Fleisch aus. Gott hat dem fleischlichen Samen Davids die VerheiรŸung gegeben, aber damit nicht das Fleisch sich daraus eigenen Ruhm bereite, sondern die Gnade des VerheiรŸenden allein gepriesen werde, bekundet sich die Treue Gottes gerade seiner dem fleischlichen Samen gegebenen VerheiรŸung darin, daรŸ die Kette der leiblichen Vรคter Jesu mit Joseph abbricht und Jesus als der Sohn der unbefleckten6 VerheiรŸung verkรผndet wird7. Diese VerheiรŸung kannte David nach dem Zeugnis des Neuen Testaments โ€“ โ€žda er ein Prophet war und wuรŸte, daรŸ | ihm Gott verheiรŸen hatte mit dem Eide, daรŸ die Frucht seiner Lenden sollte auf seinem Stuhl sitzen โ€ฆโ€œ8 Akta 2,30 โ€“. David weiรŸ sich als den, durch den Christus auf die Welt kommen soll, und durch diese VerheiรŸung, Christus sei die Frucht seiner Lenden, weiรŸ er sich auf seinem Thron erhalten. Als der, in dem Christus schon ist, ist er zugleich sein Prophet und Zeuge. Durch die VerheiรŸung weiรŸ er schon von der Auferstehung Christi und bezeugt sie. Act 2,31 โ€žhat geredet von der Auferstehung Christi, daรŸ seine Seele nicht dem Tod gelassen ist und sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat.โ€œ David ist also Zeuge Christi und seiner Auferstehung โ€“ und zwar insofern von allen Propheten qualificierter Zeuge, als er Christus in seinen Lenden trรคgt, als er selbst durch diese VerheiรŸung, das heiรŸt eben durch den Christus in ihm lebt. Also, Christus war realiter9, nach Fleisch und VerheiรŸung in David โ€“ und David war sein Zeuge.

2. Nicht nur in seiner Person, sondern auch in seinem Amt ist Christus nach dem Zeugnis des Neuen Testaments der Erbe Davids. Der Thron Davids, sein Kรถnigtum und Reich ist der Thron Christi, Sein Kรถnigtum und Sein Reich Luk 1,32.69. Der Thron Davids ist ein ewiger Thron (2 Sam 7[,13]). Die โ€žgewissen Gnaden Davidsโ€œ (Jes. 55,3) sind dem Neuen Testament das Zeugnis fรผr die Auferstehung Christi. Gottes Treue, die er dem David schwรถrt, ist Unterpfand und Beweis, weil im strikten Sinne Gottesbeweis, Gottes eigener Beweis der Auferstehung Christi (Akt 13,34). Der ewige Stuhl Davids ist der Stuhl des auferstandenen Christus, um der VerheiรŸung und der Treue Gottes willen. So ist das Reich des Christusโ€“Messias kein anderes als das Reich Davids. Beim messianischen Einzug Jesu in Jerusalem schreit das Volk: โ€žGelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt im Namen des Herrnโ€œ Mark 11,10. Amt und Reich Davids sind Amt und Reich Jesu Christi. In David ist Amt und Reich Christi vorgebildet. In Christus, dem Davidssohn, kommt es wieder10.

3. So versteht es sich, daรŸ das Neue Testament die Worte der Psalmen Davids als Christusworte hรถrt: Hebr 2,12 (Ps 22[,23]). Hebr 10,5 (Ps 40,7 ff[โ€“9]) heiรŸt es sogar, daรŸ Christus in diesem Psalm Davids in die | Welt gekommen sei. Christus war real in den Worten Davids prรคsent, wie ja auch Jesus das Zeugnis des Alten Testaments bestรคtigt, David habe im Geist gesprochen (Mt 22,43. 2. Sam 23,2)11. Christus betet am Kreuze Worte aus den davidischen Psalmen, macht sie zu seinen eigenen, bestรคtigt sie als die seinen โ€“ โ€žVater, in deine Hรคndeโ€œ (Luk 23,46 Ps 31,6) โ€“ โ€žmich dรผrstetโ€œ (Joh 19,28 Ps 22,16) โ€“ โ€žMein Gott โ€ฆโ€œ (Mt 27,46 Ps 22,2). SchlieรŸlich: Christus nennt sich selbst die Wurzel des Geschlechts, den Stamm David (Offbg 22,16 5,5). Er ist vor David, er trรคgt David und er ist selbst der Stamm Davids. Ergebnis: David trรคgt nach Person und Amt Christus in sich. Christus ist in David.

4. Das prophetische Zeugnis kommt darin mit dem neutestamentlichen รผberein, daรŸ es in David den sieht, den Gott wiedererwecken wird als den Messias seines Volkes. In David ist der Messias vorgebildet โ€“ der Messias wird ein neuer Kรถnig David sein Hes 34,23 ff[โ€“24] Hos 3,5 Jer 30,9.21; etwas anders Jer 33,15 Jes 9,7 11,1 Jes 55,3. Sach 12,8 ff[โ€“12].

5. Das einhellige Zeugnis der Propheten und des Neuen Testaments erkennt in David den im Alten Bund vorgebildeten Messias. Christus ist in ihm, und nur dadurch ist er, was er ist. Wie der Opferkult der Schatten war, der von dem geschichtlichen, einmaligen12 Opfer Christi auf den Alten Bund fiel, aber nicht nur โ€žSchattenโ€œ, sondern zugleich โ€žVorbildโ€œ (Hebr 8,5 โ€žVorbild und Schattenโ€œ! 10,1), so muรŸ nun analog David als โ€žVorbild und Schattenโ€œ des Messias verstanden werden.13 Schatten gibt es nur wo es Kรถrper gibt. Biblisch heiรŸt das, daรŸ es Schatten nur gibt weil es Inkarnation, Fleischwerdung des Wortes Gottes gibt. David ist der Schatten des fleischgewordenen Messias. Von der Inkarnation her fรคllt der Schatten auf David. Damit ist die Inkarnation als das Prius14 verstanden. Um der Inkarnation willen und von der Inkarnation her ist David messianischer Kรถnig. Wie aber zwischen Kรถrper und Schatten ein dimensionaler Unterschied besteht, so besteht er auch zwischen Christus und David. Die Dimension der Fleischwerdung ist das แผฯ€ฮฟฯ…ฯฮฌฮฝฮนฮฟฮฝ, das Himmlische, das von oben her,15 die Dimension des Schattenbildes David ist das irdische16. Wie aber das | himmlische vor dem irdischen ist, so ist Christus vor David.
โ€žVorbildโ€œ [ist] David17 [insofern,] als in ihm im Laufe der Heilsgeschichte Christus vorgebildet ist, als zeitliches Vorher18. Wie der Schatten das Bild des Kรถrpers ist, so ist die Gestalt David ein Bild Christi. Ein Bild muรŸ in seiner Ganzheit, in seinen Umrissen gezeigt werden kรถnnen. Es kann angesehen werden. Indem David โ€žBildโ€œ Christi ist[, ist] er nicht Wortzeugnis, sondern eben Bildzeugnis. Damit wird eine andere19 Schicht der Beziehung von Altem Testament und Neuem Testament aufgedeckt. Hinter der Schicht des Wortzeugnisses steht die Schicht des Bildzeugnisses. Nach der Unterscheidung der alten Dogmatik20 ist David ein Personaltypus Christi. Und es muรŸ nun dort, wo das neutestamentliche Zeugnis ernstgenommen wird bei der Auslegung der Davidsgeschichten darum gehen21, David in seiner Person, seinem Amt, seinem Wort und seiner Geschichte als den, in dem nach dem Zeugnis des Neuen Testaments Christus selbst war, als Vorbild und Schatten Christi zu verstehen.22 David ist nur insofern wichtig, als er Zeugnis von Christus ist, nicht fรผr sich, sondern fรผr Christus und so fรผr die Kirche Christi.

I. Salbung und Verfolgung Davids

Die Salbung

Die Geschichte und das Problem Davids ist von Anfang an durch die Tatsache seiner Salbung zum Kรถnig bestimmt. Nichts wissen wir vorher von ihm, das erste Wort รผber ihn fรคllt in dem Befehl Gottes an Samuel, David, den Gott sich erwรคhlt hat zum Kรถnig, zu salben (1 Sam 16,1). Gottes Erwรคhlung und die Salbung zum Kรถnig gehen jedem andern Wort รผber David voraus. David ist wichtig und interessant allein als der von Gott von den sรคugenden Schafen (Ps 78,[71]23) wegberufene, erwรคhlte und gesalbte Kรถnig. Durch die | Salbung wird David biblische Gestalt. DaรŸ David abgesehen von seiner Salbung von keinerlei Interesse und Bedeutung war, zeigt gerade der Bericht, demgemรครŸ er dem Samuel anfangs garnicht mit vorgefรผhrt wird 16,11. Er ist der Jรผngste und hรผtet die Schafe. Und dem entsprechend wird er auch nachher von seinem รคlteren Bruder Eliab ausgescholten und verachtet 17,28, der die Salbung nicht ernst nimmt. Mit der Salbung empfรคngt David den Geist Gottes, der bei ihm bleibt โ€žvon dem Tag an und fรผrderโ€œ 16,13. Noch in seinen letzten Worten bezeugt es David (2 Sam 23,2), daรŸ Gottes Geist durch ihn geredet hat โ€“ und das neutestamentliche Zeugnis bestรคtigt es24 (Akt 2,30 Mt 22,43). Der Geist der Salbung ist der Geist des messianischen Kรถnigtums. Es ist der eine Geist Gottes, mit dem David gesalbt wurde und Christus โ€“ โ€žDer Geist des Herrn ist bei mir darum, daรŸ er mich gesalbt hatโ€œ (Luk 4,18), ist der Geist, der bei der Taufe auf Jesus herabkommt und ihn zum messianischen Kรถnig versiegelt.25 Der Geist, der am messianischen Kรถnigsamt hรคngt, kann nicht zugleich auf einem andern, Verworfenen bleiben. Darum โ€žwich der Geist des Herrn von Saulโ€œ [I Sam] 16,14 โ€“ und โ€“ seltsam genug! โ€“ Saul wird wahnsinnig. Die gesamte nun folgende Verfolgung Davids durch Saul ist nur als die Tat des vom โ€žbรถsen Geistโ€œ besessenen 16,14.23 wahnsinnigen Saul, der bei der Zauberin von Endor endet, zu begreifen. Zwar vermag es der gesalbte David zeitenweise Saul zu erquicken, daรŸ es besser mit ihm wird und der bรถse Geist von ihm wich 1 Sam 16,23 โ€“ aber der Geist Gottes bleibt auf David.

David und Goliath

Die Salbung fรผhrt David sofort in den Kampf mit den Mรคchten26 der Welt. Es geht hier um die Bewรคhrung der Salbung. Er weiรŸ sich zum Kampf fรผr sein Volk gefordert, dort wo kein anderer ihn wagt. Sein Volk ist in Schande | und Gefahr. Die Heiden hรถhnen es. Er tritt ins Mittel. Verlacht von seinem Bruder, fรผr toll und รผbermรผtig gehalten (17,28), gewarnt von Saul (17,33) โ€“ lรครŸt er sich nicht zurรผckhalten โ€“ โ€žder Herr, der mich von dem Lรถwen und Bรคren errettet hat, wird mich auch erretten von diesem Philisterโ€œ Vers 37. Derselbe Herr, der ihn gesalbt hat, fรผhrt ihn auch in den Kampf.
Nun tritt die erste Versuchung an ihn heran. Er sieht den schwer gerรผsteten Philister. Saul will ihn ebenso ausrรผsten. Wehrhaft soll er dem Feind gegenรผbertreten. Er legt den Panzer an. Dann wirft er ihn ab. Nein, David darf nicht stark sein vor den Augen der Welt. Wehrlos, als der, als den ihn Gott berufen hat, als der Hirte, der die Salbung Gottes empfing, will er den Kampf aufnehmen. โ€žIch binโ€™s nicht gewohntโ€œ Vers 39. Er will nichts anderes werden. Das einzige, was jetzt anders mit ihm ist, ist seine Salbung. Ohne Waffen, wehrlos tritt er in den Kampf.
Es muรŸ so sein, daรŸ der Feind, daรŸ die Welt den Wehrlosen verachtet und hรถhnt und ihm flucht Vers 42 f. Sie begreift ihn nicht, hรคlt ihn fรผr wahnsinnig oder รผbermรผtig, weiรŸ nicht, daรŸ es die rechte Demut gegen Gott und sein Wort ist, die den David wehrlos macht.
David sagt, was er zu sagen hat in der GewiรŸheit seiner Salbung27: โ€žDu kommst zu mir mit Schwert, SpieรŸ und Schild; ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, das du gehรถhnt hast.โ€œ โ€“ Jesus sagt: โ€žihr seid ausgegangen mit Stangen und SpieรŸen mich zu fangenโ€œ28 โ€“ und er war wehrlos und sie sanken vor ihm in die Knie. โ€žDer Herr hilft nicht durch Schwert und SpieรŸ; denn der Streit ist des Herrn; er wird euch in unsere Hand gebenโ€œ Vers 47. Und der Herr bekennt sich zu seinem Gesalbten und hilft ihm zum wunderbaren Sieg.
In jeder Beziehung ist David hier โ€žVorbild und Schattenโ€œ Jesu Christi. Er tritt unmittelbar nach seiner Salbung in den Kampf gegen die Feinde des Volkes Gottes. Er besteht die Ver- | suchung, groรŸ und mรคchtig zu sein, ein Starker dieser Welt zu sein. Er wird wehrlos. Er wird von der Welt verachtet und gehaรŸt, um seiner Wehrlosigkeit, das heiรŸt eben um seiner Salbung willen. Er hรคlt sich in seinem Kampf allein an den Gott Israels, der ihn zum Kรถnig seines Volkes berufen hat. Er weiรŸ, Gott siegt nicht durch Schwerter und SpieรŸe, sondern durch den Glauben seines Gesalbten. Als der zum messianischen Kรถnigtum Gesalbte, als Vorbild und Schatten Christi siegt David รผber Goliath. Es ist Christi Sieg in ihm. Denn Christus war in David.

Die Verfolgung

Der gesalbte David kann dem HaรŸ und der Verfolgung um seiner Salbung willen nicht entgehen. Die Zeit bis zur Thronbesteigung ist eine Zeit der allseitigen fortgesetzten Feindschaft gegen ihn. Der Dรคmon in Saul haรŸt und flieht ihn. Er erkennt ihn als den Gesalbten, wie die Dรคmonen Christus erkannten, und weil er weiรŸ, daรŸ David an seine Stelle treten und die Herrschaft ihm gehรถren wird, geht der Kampf gegen David auf Tod und Leben. Saul oder David, die Dรคmonen oder Christus โ€“ obwohl Saul zweimal bekennen29 muรŸ und es weiรŸ 24,18, David, โ€ždu bist gerechter als ich; du hast mir Gutes bewiesen, ich aber habe dir Bรถses bewiesenโ€œ โ€“ ja, gerade weil er das weiรŸ, daรŸ David ihm Bรถses mit Gutem vergilt, gerade wenn David durch seine Psalmen das Herz Sauls erquicken30 wollte, packt ihn der Dรคmon umso wilder, daรŸ er nach David schieรŸt,31 um ihn zu tรถten. Der HaรŸ gegen David treibt Saul zur Abgรถtterei und Zauberei, und schlieรŸlich zum Selbstmord.
David ist ein Fremdling in seinem eigenen Land und im Land der Philister;32 er hat nicht, da er sein Haupt hinlege.33 Er ist der AusgestoรŸene, Gefรผrchtete und Verdรคchtigte. Er hat wenig Gefรคhrten. Jonathan, Sauls Sohn, macht einen Bruderbund mit ihm in Ewigkeit. Der Sohn des Verworfe- | nen erkennt, begreift und liebt den Gesalbten Gottes. Er hat ihn so lieb, wie seine eigene Seele 18,1.3. 20,17 โ€“ so lieb, wie der Mensch den Gesalbten Gottes haben soll โ€“ er liebt seinen Bruder David, wie sich selbst. David ist des Jonathan Liebe โ€žsonderlicher denn Frauenliebeโ€œ (2 Sam 1,26), wie die rechte Bruderliebe in der Erkenntnis des Gesalbten Gottes sonderlicher ist als die Liebe von Fleisch und Blut. In seiner Liebe zu David erkennt Jonathan, der Sohn Sauls, des Kรถnigs, an, daรŸ die Erwรคhlung und Salbung nicht durch Fleisch und Blut ererbt wird, sondern allein auf der freien Gnade Gottes ruht. Jonathan gerade als der Thronerbe34 wรคre es gewesen, von dem die grรถรŸte Feindschaft gegen David verstรคndlich gewesen wรคre. Aber eben der natรผrliche Feind wird dem David zum Bruder geschenkt.35 Er gibt ihm seinen Rock, Schwert, Gรผrtel โ€“ er gibt ihm, was dem Kรถnigssohn gehรถrt 18,4. Er will der Nรคchste sein um David, wenn der36 Kรถnig sein wird 23,17. Er will der Bruder sein des Gesalbten in selbstloser Liebe.
Von einer seltsamen Schar von Gefรคhrten des Gesalbten und Verfolgten berichtet die Bibel. In der Hรถhle von Adullam, in die David nach vergeblichem Umherirren flieht, versammeln sich um ihn seine Brรผder, die ihn einstmals verachteten und โ€žallerlei Mรคnner, die in Not und Schulden und betrรผbten Herzens waren; und er war ihr Obersterโ€œ 22,2. David wird der Sรผnder Geselle, der Freund und Vertraute der Mรผhseligen und Beladenen, der Hoffnungslosen und Betrรผbten. Er teilt mit ihnen ihr Leben, er ist ihr Oberster โ€“ ist David ein Rรคuberhรคuptling, der in seiner Not es mit den Desperados hรคlt wie andere auch? David ist fรผr das biblische Zeugnis immer und รผberall der Gesalbte Gottes. In seinen Lenden ist Christus.
Die groรŸe Versuchung Davids wรคhrend der Jahre der Flucht und Verfolgung ist es, sein Kรถnigtum mit Gewalt an sich zu reiรŸen, Blut zu vergieรŸen, das Reich vorzeitig aufzurichten, | bevor es Gott gefรคllt. War er der Erwรคhlte, so konnte er ja jeden Tag, der der Aufrichtung des Reiches verloren ging, als sinnlos und verloren betrachten. Warum sollte er nicht den, der ihm im Wege stand, Saul, warum sollte er nicht jeden, der sich ihm in den Weg stellte, einfach in der GewiรŸheit seiner Berufung vernichten. So trug es der Teufel immer wieder an ihn heran. Aber die Aufrichtung des messianischen Reiches hat ihre Zeit, die ihr von Gott gesetzt ist und der David nur gehorchen kann. So erfรผllt David die Zeit seiner ihm verordneten Leiden, und wartet โ€žbis ich erfahre, was Gott mit mir tun wirdโ€œ (1 Sam 22,3). David leidet um seines Reiches willen โ€“ er kann das messianische Reich nur durch die Zeit seines Leidens ererben. Er bleibt frei von Gewalt und Blutschuld. Zweimal wird Saul in seine Hand gegeben. Aber noch ist Saul der Gesalbte, wenn auch der verworfene Gesalbte Gottes. โ€žDas lasse der Herr [ferne] von mir sein, daรŸ ich das tun sollte und meine Hand legen an meinen Herrn, den Gesalbten des Herrn; denn er ist der Gesalbte des Herrnโ€œ 1. S. 24,7. Und als er nur den Zipfel vom Rock des Saul abgeschnitten hat, schlรคgt ihm sein Herz (24,6); denn er spรผrt die Macht der Versuchung und er sieht, wie der Teufel am Werk ist, das verheiรŸene Reich im Keime zu verderben. Zum zweitenmal tritt der Versucher in der Gestalt des Abisai noch nรคher37 an ihn heran. โ€žGott hat deinen Feind heute in deine Hand beschlossen, so will ich ihn mit dem SpieรŸ stechenโ€œ 1 S 26,8. David soll Gottes eigenen Willen erkennen, dem Saul den Tod zu geben, und sein Reich aufzurichten, und der Zeit seines Leidens ein Ende zu machen. So argumentiert38 der Teufel vom Paradies bis zur Versuchung Jesu mit Gottes eigenem Wort, hier mit Gottes Wort aus der gegebenen โ€“ โ€žgottgegebenenโ€œ โ€“ Situation. Aber David weist den Versucher hinter sich โ€“ โ€žwo der Herr ihn nicht schlรคgt โ€“ so lasse der Herr fern von mir seinโ€œ โ€“ 1 S 26,10 [f]. David bleibt der Wehrlose, der Verfolgte und Leidende um des | Reiches willen. Und indem er so Bรถses mit Gutem vergilt, bringt39 er den Saul zweimal zur Erkenntnis seiner Sรผnde. Nicht durch Gewalt, sondern durch Liebe gewinnt er das Herz des verworfenen Saul. 24,18: โ€žDu bist gerechter als ich. Du hast mir Gutes bewiesen; ich aber habe dir Bรถses bewiesenโ€œ. 26,21 ff[โ€“25]: โ€žich habe gesรผndigt, komm wieder, mein Sohn David, ich will dir fรผrder kein Leid tun, darum daรŸ meine Seele heutigestags ist teuer gewesen in deinen Augen.โ€œ โ€ฆ David: โ€žDer Herr wird einem jeglichen vergelten nach seiner Gerechtigkeit und seinem Glauben โ€“ er errette mich von aller Trรผbsal.โ€œ Saul: โ€žGesegnet seist du, mein Sohn David, du wirst es tun und hinausfรผhrenโ€œ โ€“ der David fluchte, muรŸ ihn segnen, der Feind muรŸ ihn lieben und sein Herz bekehren, um der Salbung, um des Leidens des David willen. Der Feind des Messias, der ihm nach dem Leben steht, liebt ihn in dunkler Liebe, die immer wieder HaรŸ wird.
Aber, daรŸ es deutlich werde, daรŸ es allein Gottes gnรคdige Vorsehung ist, die David vor der Blutschuld bewahrt, wird David noch einmal hart an den Rand der Sรผnde gefรผhrt. Er will Nabal, der ihn gehรถhnt und verachtet hat, tรถten (1 S 25). Da schickt Gott die Abigail, und Davids Hand bleibt von Blutschuld unbefleckt. Und David erkennt Gottes Fรผhrung und bekennt 25,32: โ€žGelobt sei der Herr, der Gott Israels, der dich heutigestages hat mir entgegengesandt โ€“ gesegnet seist du, daรŸ du mir heute gewehrt hast, daรŸ ich nicht in Blutschuld gekommen bin und mir mit eigener Hand geholfen habe.โ€œ Auf das letzte kommt es an, der Gesalbte Gottes darf sich nicht mit eigener Hand helfen. Er muรŸ warten und leiden, bis sein Gott ihm hilft. So hat es David getan. Wo er im Krieg Blut vergieรŸt, ist es Gotteskrieg, auf Gottes ausdrรผcklichen Befehl (23,2 ff[โ€“5]!). Als Saul vom Herrn geschlagen ist und Jonathan mit ihm, da leidet David zum letzten Mal um ihretwillen. Er bricht nicht | in Freude aus, sondern er leidet und weint um ihren Tod. So wird er als der gehorsame Gesalbte und durch viel Versuchungen Bewรคhrte, als der Verfolgte und Leidende, Bรถses mit Gutem Vergeltende, von Gott auf den Thron des messianischen Reiches erhoben.40

II. Der messianische Kรถnig

Die zweite Salbung

Der gรถttlichen Salbung durch Samuel folgt eine zweimalige Salbung41 durch die Mรคnner von Juda 2 S. 2,4, dann durch die ร„ltesten in Israel (5,3). Diese zweite Salbung ist die sichtbare Beglaubigung der ersten Salbung, die im verborgenen geschah. Nun ist David nicht mehr verborgener, leidender, sondern sichtbarer, triumphierender Kรถnig. Durch diese sichtbare Salbung merkt David, daรŸ Gott ihn nach den Zeiten der Versuchung und Verfolgung als Kรถnig bestรคtigt hat. Er hat die Zeit der Versuchung bestanden. Gott sagt durch sein Volk Ja zu ihm. Das Volk fรคllt ihm zu und nennt ihn seinen Kรถnig. Er ist Kรถnig um des Volkes Israel willen (5,12), um der Kirche willen.42 Das heiรŸt sein Kรถnigtum ist Dienst. Er kommt nicht, um sich dienen zu lassen43, sondern um zu dienen.44 Im Dienst am Volk Gottes besteht sein Kรถnigtum.

Einzug in Jerusalem

Seine erste Tat ist die Eroberung von Jerusalem, der Burg Zion. Das bisher unmรถgliche gelingt ihm, die von keinem vor ihm einnehmbare Stadt, die noch in letzter Stunde ihren | Spott gegen ihn hat 5,8, die letzte Festung des Feindes des Volkes Israel wird eingenommen und gerade sie muรŸ nun zur Stadt Gottes fรผr alle Zeiten werden. Dem gesalbten Kรถnig kann kein Feind mehr trotzen. Er muรŸ den Platz rรคumen und an seiner Stelle wird die Lade Gottes stehen45, wird Gott wohnen. David holt die Lade ein, โ€žderen Namen heiรŸt: Der Name des Herrn Zebaoth wohnt drauf รผber den Cherubimโ€œ 6,2. In Jerusalem bekommt die Lade ihren festen Ort. War sie bisher mit den Kindern Israel umhergewandert โ€“ das Zelt ist grade das Zeichen der Wanderschaft โ€“46, so bleibt ihr Ort nun fest. Das heiรŸt das Reich Gottes ist errichtet, es steht fest, die Zeit des Wanderns und Umherirrens ist vorรผber. Das Kรถnigtum Gottes steht fest in Davids Thron auf dem Berg Zion. Bei der Einholung der Lade muรŸ das Volk Israel und David lernen 6,8, daรŸ Gott zu seinem Werk keiner fremden Hilfe bedarf; als die Lade auf dem Wege ins Wanken gerรคt und Usa zugreift, stirbt er im selben Augenblick, vom Grimm Gottes getroffen 6,7. Gott bedarf zu seinem Weg keiner Menschenhilfe, auch nicht der fromm gemeinten. Gottes Heiligkeit verbietet den eilfertigen menschlichen Zugriff bei seinem Werk.
Als dann die Lade in die Stadt gebracht wird, demรผtigt sich David, denn โ€žer tanzte mit aller Macht vor dem Herrn her und war begรผrtet mit einem leinenen Rockโ€œ. Im Kleid des Priesters fรผhrt er als der Priesterkรถnig den Gottesdienst an 6,14. Als Priesterkรถnig tritt er neben das Volk, unter Knechte und Mรคgde, in Demut und Gehorsam gegen Gott. Er ist einer von ihnen, der Erwรคhlte Gottes, aber ihr Bruder. Und sein Lohn ist abermals der Spott durch Michal, die Tochter Sauls, die sich den Priesterkรถnig David in anderer Wรผrde gedacht hatte, als in der Wรผrde der Demut. Aber David sagt: โ€žich will noch geringer werden, denn also und will niedrig sein in meinen Augen und mit den Mรคgden | zu Ehren kommenโ€œ 2 S. 6,22. Ein Triumphzug in Niedrigkeit und Sanftmut โ€“ so zieht David der Kรถnig und Priester mit der Lade, der Gegenwart Gottes, in Jerusalem ein, als der dienende Kรถnig seines Volkes. โ€žGelobt sei der da kommt im Namen des Herrnโ€œ โ€“ schrie das Volk zu Jerusalem als Jesus einzog.47 โ€žDer Name des Herrnโ€œ โ€“ so heiรŸt die Lade, mit der David einzieht. Gelobt sei der da kommt und mit ihm die Gegenwart Gottes, so gilt es fรผr David und fรผr Christus. Nun hat der Kรถnig Ruhe in seinem Haus vor seinen Feinden (7,1), sein Thron ist fest gegrรผndet.48

Der verheiรŸene Tempel Gottes

Eben diese Ruhe versteht nun David als die Erfรผllung der dem Mose gegebenen VerheiรŸung โ€“ โ€žIhr werdet in dem Lande wohnen, das euch der Herr, euer Gott, wird zum Erbe austeilen, und er wird euch Ruhe geben von allen euren Feinden um euch her und ihr werdet sicher wohnen; wenn dann der Herr, dein Gott, einen Ort erwรคhlt, daรŸ sein Name daselbst wohne โ€ฆโ€œ Deut 12,10 [f]. Diese VerheiรŸung versteht David als Befehl, Gott nunmehr den festen Ort zu geben, an dem er wohnen soll, ihm den Tempel zu bauen. Es ist sein Gehorsam gegen die VerheiรŸung, der ihn zu diesem Vorhaben bringt. Der Tempel soll die Herrlichkeit des ihm von Gott gegebenen Reiches vollenden. Erst der Tempel erfรผllt die VerheiรŸung der Stadt Gottes. Kรถnigtum und Priestertum gehรถren zusammen (siehe Ps 78,68 ff[โ€“72]). David beweist seinen demรผtigen Gehorsam darin, daรŸ er nicht aus eigener Machtvollkommenheit selbstรคndig ans Werk geht. Er fragt49 den Propheten, den ihm Gott gegeben hat, Nathan.
Nathan empfรคngt des Nachts das Wort Gottes, das sowohl ein Nein wie auch ein unermeรŸlich groรŸes Ja auf Davids Frage enthรคlt. David soll den Tempel nicht bauen. Zwei Grรผnde stehen dagegen: Erstens, Gott will im Zelt woh- | nen bleiben โ€“ das Zelt als das Zeichen der Wanderschaft besagt, daรŸ die VerheiรŸung von Deut 12,10, die David erfรผllt glaubte, eben noch nicht erfรผllt ist. David ist noch nicht der Kรถnig, der Ruhe hat von allen seinen Feinden und sicher wohnen wird โ€“ 1 Kรถn 5,17 Salomo50: โ€žโ€ฆ David konnte das Haus nicht bauen dem Namen des Herrn seines Gottes wegen des Krieges damit sie ihn umgaben.โ€œ51 1 Chron 28,3 โ€žDu bist ein Mann des Krieges und hast Blut vergossenโ€œ (und 1 Chron 22,8) โ€“ damit ist gesagt: Das Reich Davids ist noch nicht das Reich der ewigen Ruhe. Es wird aber ein Kรถnig des Friedens und nicht des BlutvergieรŸens sein, der den Tempel bauen soll. Der Tempel Gottes steht in einem Friedensreich. Wer ist dieser Kรถnig? Salomo hat die VerheiรŸung auf sich bezogen.52 1 Kรถn 5,453: โ€žJetzt gab mir der Herr, mein Gott, Ruhe ringsum und ist kein Widersacher, kein bรถses Hindernis mehrโ€œ. Und Salomo baute den Tempel โ€“ aber er fiel ab โ€“ der Tempel wurde zerstรถrt โ€“ die Frage erhebt sich aufs neue: wer ist der Kรถnig des Friedens?
Zweitens: Gott fragt: โ€žsolltest du mir ein Haus bauen?โ€ฆ Der Herr verkรผndigt dir, daรŸ der Herr dir ein Haus bauen willโ€œ 2 S. 7[,5 und] Vers 11. Was ist das Haus Gottes? was ist der Tempel, die Kirche? nicht ein Haus, das irgendein Mensch bauen kann, nicht einmal der gesalbte Priesterkรถnig David, sondern es ist Gottes eigenes Haus (1 Chron 17,14) und darum sein eigenes Werk, von oben her gebaut. Der Baumeister ist im Himmel. Das war das MiรŸverstรคndnis Davids, daรŸ er meinte, er kรถnne dem Herrn selbst eine Kirche bauen. Es war ein frommer, aber doch ein gottloser Gedanke. Die Kirche baut Gott selbst. โ€žSolltest du mir ein Haus bauen?โ€œ โ€“ sollte der Mensch den Ort Gottes in der Welt54 bestimmen und die Weise, in der Er unter den Menschen wohnen will? Sollte nicht dein selbsterwรคhltes und selbsterbautes Haus ein Werk und Tempel deiner Religiositรคt sein, aber nicht der VerheiรŸung Gottes? ein Haus, | in dem du anbetest ohne VerheiรŸung55, sollte nicht das Haus, das du baust, unter allen Umstรคnden dich und dein Volk eurem Gott abtrรผnnig machen? Kein Mensch bestimmt, was die Kirche sei und wie sie sein solle, sondern Gott allein. โ€žDer Herr will dir ein Haus bauenโ€œ โ€“ das ist das Ja zu Davids Frage. Der gnรคdige Gott beantwortet die gottlose Frage Davids mit einer nie dagewesenen VerheiรŸung. Er verheiรŸt ihm nicht nur sein Kรถnigtum, sondern ein Haus, ein Reich, eine Kirche, die Gott selbst baut. Wie wird dieses Haus aussehen?
Vers 12. David wird sterben. Wenn er schlafen wird mit seinen Vรคtern, dann wird sein Same, der von seinem Leibe kommt, erweckt werden. Das scheint in zukรผnftige Zeiten zu weisen. Dieser Same Davids soll das Reich behalten. Nicht mehr dem David selbst, aber doch ihm in seinem Samen, denn sein Same ist in ihm, soll das Haus Gottes gebaut werden.
Vers 13. Dieser Same Davids soll Gott nach seiner VerheiรŸung ein Haus bauen und sein Reich wird in Ewigkeit bestehen. Also doch ein Mensch, der Gott sein Haus baut? und dessen Reich ewig sein wird? Auf wen geht diese VerheiรŸung, die Salomo auf sich bezog, ohne von Gott gestraft zu werden.
Vers 14. Die VerheiรŸung verdichtet sich. Es wird der menschliche Same Davids Gottes Sohn genannt werden und Gott wird sein Vater sein. Und durch diesen Samen wird der Tempel Gottes gebaut werden und dieser Tempel des Sohnes Gottes, der Gottes eigener Tempel sein wird, soll ewiglich bleiben Vers 16. Ist Davids Same Gottes Sohn, so ist seine Herrschaft Gottes eigene Herrschaft, so muรŸ es schlieรŸlich offenbar werden, daรŸ Gott seine Herrschaft durch den Davids[โ€“]Sohn56 aufrichten will, und daรŸ diese Herrschaft und dieser Tempel in Ewigkeit bleibt. So sagt es der Psalm Davids Ps 2[,7 f]: โ€žDu bist mein lieber Sohn, heute habe ich dich gezeugt โ€ฆ Ich will dir die Heiden zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigen- | tum.โ€œ Und Ps 110[,2]: โ€žDer Herr wird das Zepter deines Reiches senden aus Zion: herrsche mitten unter deinen Feinden.โ€œ Davids Sohn wird Gottes Sohn sein, Davids Herrschaft wird Gottes Herrschaft und Reich sein und wenn David lรคngst schlafen wird, wird sein Reich in Ewigkeit bleiben.
Der Same Davids soll nicht mehr durch Gottes Zorn vernichtet werden, sondern mit Menschenruten soll er gezรผchtigt werden, wenn er sรผndigt. Wie der Vater sein Kind zรผchtigt, weil er es liebt, aber es nie vernichtet, so soll von Davids Samen โ€žGottes Barmherzigkeit nicht mehr entwandt werden, wie ich sie entwandt habe von Saulโ€œ Vers 15. Sondern Vers 16 โ€ždein Haus und Kรถnigreich soll bestรคndig sein ewiglich vor dir und dein Stuhl soll ewiglich bestehenโ€œ. Das Haus Davids, das Gott selbst gebaut hat, wird das Reich und die Herrschaft Gottes sein. Der Tempel, den Salomo baute, war vergรคnglich โ€“ durch Menschenruten โ€“ er war nicht das ewige Haus โ€“ er ist nur der Schatten jenes unvergรคnglichen Tempels von dem Jesus, der Sohn Davids, bezeugt, daรŸ er ihn abbrechen und nach drei Tagen wieder aufrichten werde Joh 2,19: โ€žEr redete aber vom Tempel seines Leibes.โ€œ Das Haus, das Gott sich bauen will, ist der Same Davids, ist der Leib Christi, seines57 Sohnes โ€“ und dieser Leib ist Christus und in ihm seine Gemeinde.58 Dieser Leib des Sohnes Gottes ist die neue Menschheit, die aus dem Samen Davids nach der VerheiรŸung Gottes, durch den Christus Jesus und in ihm geschaffen ist. So empfรคngt David die VerheiรŸung, daรŸ in ihm der Leib Christi, die Kirche Christi schon verborgen sei. Auf wen geht die VerheiรŸung? auf den Samen Davids โ€“ den menschlichen Samen โ€“ denn er wird sรผndigen59, also auch auf Salomo โ€“ aber das Reich wird ewiglich bleiben โ€“ das ist allein Gottes eigenes Reich โ€“ so geht die VerheiรŸung รผber Salomo cf. I Kรถn 8,20 und das Haus Davids auf Jesus Christus. |
David empfรคngt im Glauben diese VerheiรŸung. Er erkennt, daรŸ sowohl er wie sein Volk damit von allen Kรถnigen und Vรถlkern ausgesondert60 sind ohnegleichen. โ€“ โ€žWer bin ich, Herr, Herr, und was ist mein Haus, daรŸ du mich bis hierher gebracht hast?โ€œ Vers 18 Vers 23. Aber nicht nur die vergangene Gnade, sondern erst61 die gnรคdige VerheiรŸung von โ€žfernem Zukรผnftigenโ€œ Vers 19 demรผtigt David. So wird David getrost sterben, denn er weiรŸ, er wird leben, Ps 118,17. Ps 22,23 โ€žIch will deinen Namen predigen meinen Brรผdern โ€ฆโ€œ Hebr 2,12. Er, das heiรŸt sein Same wird erweckt werden zum Leben, und der Sohn Gottes und sein Haus, das ist, das Haus, das Gott ihm bauen wird, wird ewiglich bleiben. Im Dunkel bleibt der kleine Versteil โ€“ โ€žund das nach dem Gesetz der Menschenโ€œ, โ€žnach der Weise eines Menschen, Herr, Herrโ€œ Vers 19 b. Luthers Randglosse: โ€žDas ist, Du redest mit mir von solchem ewigen Reich, da niemand kann Kรถnig sein, er muรŸ Gott und Mensch sein, weil er mein Sohn und doch fรผr und fรผr soll Kรถnig sein, welches allein Gott angehรถrt.โ€œ62 Ist es die staunende, ehrfรผrchtige Anbetung, daรŸ Gott sein Reich, seine VerheiรŸung erfรผllen wird in der Weise eines Menschen, als ein Mensch, als Menschgewordener? Ist es der dunkle Hinweis auf die Nacht, in der die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes, in der Stadt Davids63 von den himmlischen Heerscharen verkรผndigt wird?
Vers 23 ff [โ€“29]: Das Volk Israel wird das Volk Gottes bleiben in Ewigkeit, das einzige Volk, das nicht vergehen wird, denn Gott ist sein Herr geworden. Gott hat in ihm Wohnung genommen und sein Haus gebaut. Die Kirche, das wahre Israel ist verheiรŸen. Wie sollte David das Bekenntnis seiner Demut und des Dankes [anders] enden als mit der Bitte, Gott wolle sein Wort bekrรคftigen in Ewigkeit โ€“ Er wolle tun, wie Er geredet hat. Er wolle seinem Volk, seiner Kirche treu bleiben. |

III. David, der gerechtfertigte Sรผnder

Die Sรผnde

Der messianische Kรถnig David fรคllt und wird zum Sรผnder. Seine Sรผnde ist die Sรผnde der GroรŸen, die Gefahr der von Gott Begnadigten und Beschenkten, nรคmlich die falsche Sicherheit64 (securitas statt certitudo65). So beginnt unsere Erzรคhlung damit, daรŸ David nicht mehr, wie gewรถhnlich mit seinem Heer zum Kampf auszieht, sondern Joab schickt und selbst in Jerusalem bleibt 2 S 11,1. Er fรผhlt sich sicher in der Stadt Gottes. Er beginnt die Furcht Gottes zu verlieren, dessen Ruf den Begnadigten gerade zur ununterbrochenen Tat zwingt66. Diese Tage67 in Jerusalem fรผhren ihn zum Sturz. Er sieht vom Dach seines Kรถnigshauses die Bathseba und findet Gefallen an ihr. Er hรถrt, sie sei das Weib Uriaโ€™s, des Chittiters. Abermals treibt ihn die gottlose68 Sicherheit seiner Macht zur Sรผnde. Er begeht Ehebruch, und Bathseba schickt zu ihm Boten: โ€žich bin schwanger gewordenโ€œ 11,5. Kann die Sรผnde so nicht verborgen bleiben, so muรŸ eine weitere Sรผnde getan werden. David lรครŸt Uria aus dem Feld zurรผckholen 11,6 und befiehlt dem Uria zu seiner Frau zu gehen, eben um seine Sรผnde zu verdecken. Uria als treuer Knecht Davids wacht aber in der Nacht an Davids Tรผr und geht nicht zu seinem Weibe 11,8โ€“13. Jetzt miรŸbraucht David frevelhaft sein Recht als Feldherr und lรครŸt Uria in der Schlacht vom Feind an gefรคhrdeter Stelle tรถten. So wird er um seines Ehebruchs willen zum Mรถrder. David, der messianische Kรถnig, ist Ehebrecher und Mรถrder geworden. Und er bleibt in seiner gottlosen Sicherheit, die die Wurzel dieses Falles war, unerschรผttert. David nimmt Bathseba zum Weibe und lebt mit ihr und sie gebiert ihm einen Sohn. | David, zum Sรผnder geworden, erkennt seine Sรผnde nicht, sondern verhรคrtet sich in ihr ein Jahrang.
โ€žAber die Tat gefiel dem Herrn รผbel, die David tatโ€œ (11,27). Gottes VerheiรŸung ist dem David zu groรŸ und schwer geworden. Er wurde an ihr zum Sรผnder. Er blieb nicht in der Demut, sondern er sรผndigte auf die VerheiรŸung hin, er sรผndigte auf Gnade.69 Auch die Gnade Gottes will getragen sein, und je grรถรŸer sie ist, desto leichter zerbricht der Mensch an ihr. Fรผr solche Gnade, in sich den Christus der Welt zu tragen, war David zu schwach.
Aber Gottes VerheiรŸungen kรถnnen an der Sรผnde Davids nicht zuschanden werden. โ€žGlauben wir nicht treu70, so bleibt er doch treu. Er kann sich selbst nicht verleugnenโ€œ (2 Tim 2,13). Gottes VerheiรŸung ist dem David fรผr die Ewigkeit gegeben. Er hรคlt an seiner VerheiรŸung und an seinem Gesalbten [fest]. Und abermals handelt Gott durch seinen Propheten.
Die Verstockung Davids ist so groรŸ, daรŸ er es wagt, einen anderen Menschen um einer gewiรŸ leichteren Sรผnde willen, als er sie begangen hat, des Todes schuldig zu sprechen, bis Nathan ihm sagt: Du bist der Mann.71 Es ist ja das Wesen der Verstokkung, daรŸ wir uns selbst in einer andern Situation vor Gott sehen als den anderen. Wir stehen unter einem Sonderrecht.72 Was uns recht ist, ist dem andern noch lange nicht billig. Und nun bekommt David durch Nathan zu erfahren als wer er selbst wirklich vor Gott dasteht. Als der, den Gott zum Kรถnig gesalbt, und dem die VerheiรŸung Gottes zuteil wurde, den Gott errettet hat aus vielen Nรถten73 und Gefahren, den er รผberschรผttet hat mit Gรผtern โ€“ als der, an dem Gott seine ganze Gnade erwiesen hat, und noch viel mehr Gnade erweisen will 12,8, als der Mann unter der Gnade Gottes ist er zum Sรผnder geworden. Er hat das Wort des Herrn verachtet 12,9. Darum muรŸ sich nun an David schon vollziehen, was Gott seinem Samen angedroht hat. Er will ihn schlagen mit Menschenruten, aber er will ihn nicht | vernichten. David hat unschuldiges Blut vergossen, โ€ždarum soll von deinem Hause das Schwert nicht lassen ewiglichโ€œ 12,10. David hat die Ehe eines anderen gebrochen, darum sollen seine Weiber von anderen geschรคndet werden (12,11). Worin einer sรผndigt, damit wird er auch gestraft. Durch Davids Sรผnde kommt das Schwert รผber Davids Haus ewiglich โ€“ mit den letzten Jahren der Regierung Davids beginnt es, รผber Salomo und das davidische Haus geht es weiter. Davids Haus wird gezรผchtigt durch das Schwert, das immer wieder aus Davids eigenem Haus herkommt und das eigene Volk Gottes zerfleischt.74 Davids Reich sollte ein Friedensreich sein, aber das Schwert ist seine dauernde Bedrohung. Der Kampf zwischen der Gewalt75, die das Schwert trรคgt und der Kirche Gottes ist angekรผndigt und bleibt nun โ€žewiglichโ€œ. Davids Sohn, Christus und seine Kirche werden geschlagen von der Gewalt, die das Schwert trรคgt; und das Schwert zรผchtigt und tรถtet wohl leiblich, aber es tรถtet nicht die VerheiรŸung. Vielmehr โ€“ und das ist das Wunder der gรถttlichen Zรผchtigung โ€“ das Schwert, das gegen das Haus Davids gerichtet ist, โ€“ bringt der Kirche das Leben und die VerheiรŸung wieder. Der gekreuzigte Christus steht auf, die Kirche unter dem Kreuz, unter der Zรผchtigung durch das Schwert, empfรคngt neues Leben. So ist in der Strafe Davids die ganze Gnade Gottes eingeschlossen, so bekennt sich Gott gerade durch sein Strafwort an das Haus David76 zu seiner VerheiรŸung. Er bleibt dem Haus Davids in seinem Falle[n] treu. Und Vers 11: aus Davids eignem Haus soll ihm die Schande entstehen, aus seinem eignen Haus soll der aufstehen, der Davids Leib an seinen Weibern schรคndet (cf. 16,22). Aus der Kirche des Messias selbst soll der Sohn, der Absalom, sich erheben und die Kirche vor aller Welt โ€“ an der lichten Sonne (12,11) โ€“ entheiligen. Die Entehrung der Kirche Gottes kommt von innen, aus ihr selbst, Absalom โ€“ das ist der Schatten aller derer, die bis in die Gegenwart als Sรถhne der Kirche die Schรคnder der | Kirche sind. Und sie mรผssen ihr furchtbares Werk tun kraft der drohenden VerheiรŸung Gottes โ€“ aber weh dem, durch den dieses Werk geschieht.77 Sie werden sich selbst zum Gericht und zum Fall, sie fangen sich selbst ein. Absalom bleibt mit seinen Haaren im Baum hรคngen und empfรคngt so den Tod. Das Schwert78 als dauernde Bedrohung des Bestandes seines Hauses โ€“ der Schรคnder von innen โ€“ das ist das Gericht Gottes รผber Davids Sรผnde.
David hat jetzt Gottes Wort zum ersten Mal seit seiner Sรผnde wieder gehรถrt. Was er selbst nicht vermochte, nรคmlich seine Sรผnde einzusehen, eben um seiner verstockten Sicherheit willen, das vermag nun das ihm durch einen anderen Menschen gesagte Wort Gottes. David erkennt aus dem ihm verkรผndigten Wort Gottes und aus ihm allein seine schwere Sรผnde. Gott wartet lange, er lรครŸt den gefallenen Menschen den Weg seiner Sรผnde voll zu Ende gehen, er lรครŸt ihn sich verhรคrten und verstocken โ€“ das Wort Gottes hat seine Zeit. Dann schlรคgt es ein und richtet. Vers 13: โ€žDa sprach David zu Nathan: Ich habe gesรผndigt wider den Herrn. Nathan sprach zu David: so hat auch der Herr deine Sรผnde weggenommen; du wirst nicht sterben.โ€œ Der Kรถnig David bekennt seine Sรผnde unter dem Wort Gottes, und weil es so ein rechtes Bekenntnis und rechte BuรŸe ist, gibt Nathan dem David zu wissen, daรŸ Gott ihm seine Sรผnde schon vergeben habe. Das: โ€žsoโ€œ79 besagt, daรŸ es das eine Wort Gottes ist, das den David richtet und freispricht. Es ist dasselbe Wort, das in die tiefste BuรŸe und Demรผtigung treibt und begnadigt; denn es ist der eine Gott, der zu seinem Knecht zurรผckkehrt und das nur kann durchs Gericht. Gott kommt im Kreuz als der seine Kirche strafende und vergebende. Ist aber Gott wieder da, so kann David nicht sterben an seiner Sรผnde, sondern er lebt als vor Gott gerechtfertigter Sรผnder. Gott kommt in Christus zum Sรผnder. Weil aber Gott ein Gott ist, der die Sรผnde der Vรคter heim- | sucht an den Kindern,80 โ€“ darum muรŸ der Sohn des Ehebruches sterben. Er soll nicht der echte Same Davids sein. โ€žUnd der Herr schlug das Kind, daรŸ es totkrank ward, und David suchte Gott um des Knรคbleins willenโ€œ (Vers 15. 16). David kann jetzt wieder beten, er kann wieder Gott suchen, nachdem er ihn gefunden hat; es ist kein Unrecht, daรŸ David Gott um seines Kindes willen bittet; es ist ein glรคubiges sich demรผtigen vor Gottes Gerichten und sich an ihn halten in seiner Not mit Fasten und Beten. Durch Fasten und Beten aber allein werden die bรถsen Dรคmonen ausgetrieben (Mk 9,29). DaรŸ David sich in diesen sieben Tagen der BuรŸe nicht an Gott versรผndigt, wird daraus deutlich, daรŸ er zu der Stunde, als er von dem Verlust,81 der Strafe Gottes, vom Tode seines Kindes hรถrt, aufsteht, sich wรคscht, salbt, in den Tempel geht und Gott anbetet (Vers 20). Er empfรคngt Gottes Gericht im Glauben und weiรŸ, es ist ein gerechtes Gericht, und betet seinen Gott an. Er ist wieder mit Gott im Frieden.
Vers 24 [f]: โ€žund da David sein Weib Bathseba getrรถstet hatte, ging er zu ihr hinein und schlief bei ihr. Und sie gebar einen Sohn, den hieรŸ er Salomo. Und der Herr liebte ihn. Und er gab ihn in die Hand Nathans, des Propheten, und der hieรŸ ihn Jedidjahโ€˜ (das ist Liebling des Herrn) um des Herrn willen.โ€œ David, der gerechtfertigte Sรผnder, erhรคlt Bathseba zum zweitenmal zum Weibe. Bathseba bleibt das Weib seines Ehebruches, er darf sich von der Schuld seiner Vergangenheit nicht einfach trennen. Bathseba bleibt ihm die dauernde Erinnerung an seinen Fall, an seine Demรผtigung, an Gottes Gericht und Vergebung. Er muรŸ sich damit begnรผgen, daรŸ รผber seiner Ehe mit Bathseba, die er [nicht] von sich stoรŸen darf, der Friede Gottes82 ausgesprochen bleibt. Und so nennt er den Sohn, den er am Tag seines Friedensschlusses mit Gott, erzeugt โ€“ Salomo, denn er ist ein Sohn des Friedens. Und der Herr hatte Salomo lieb. Er bekennt sich zu seinem Frieden und David gibt den Salomo dem Propheten | Nathan, durch dessen Wort er den Frieden Gottes wieder empfangen hatte.
Salomo ist der Sohn einer Ehe, die mit Ehebruch und Blutschuld begann, Mt 1,6 โ€žDer Kรถnig David zeugte Salomo von dem Weibe des Uriaโ€œ, er stammt aus dem sรผndlichen Fleisch des David und der Bathseba, aber er ist auch der Sohn, auf dem der Friede Gottes ruht. Der Same Davids, der seine VerheiรŸung tragen soll, kommt in diese Welt im Fleisch der Sรผnde, แผฮฝ ฯ„แฟท แฝฮผฮฟฮนฯŽฮผฮฑฯ„ฮน ฯƒฮฑฯฮบฯŒฯ‚ R 8,383, aber als der Kรถnig des Friedens. Wer ist dieser Same Davids?
David erkennt nun auch wieder sein Amt als Kรถnig, mit dem Volk Gottes gegen die Feinde zu streiten. โ€žAlso nahm David alles Volk zuhauf84 und zog hin und stritt wider Rabba und gewann esโ€œ Vers 29 und kehrte mit seinem ganzen Volk mit einer neuen Kรถnigskrone nach Jerusalem zurรผck Vers 30 f.

Die Strafe

Die letzten Jahre der Regierung Davids bringen David tรคglich die Wirklichkeit der Strafandrohung Gottes zu BewuรŸtsein. Die Vergebung der Sรผnde nimmt die Strafe der Sรผnde nicht von uns. Auch der Glaubende muรŸ sterben, den Sold der Sรผnde85 bezahlen, auch David verfรคllt der Strafe seiner Sรผnde. Aber die Strafe wird nun nicht mehr erfahren als der Zorn Gottes, sondern als die gnรคdige Zรผchtigung Gottes, der uns alle Sรผnden vergibt. Freilich es gilt sich dieser Strafe tief zu beugen und ihr nicht zu widerstehen. Denn die Sรผnde will ihre Strafe, in dieser oder in jener Welt. David beugt sich, er ist wieder demรผtig geworden. Sein Sohn Amnon schรคndet das Haus, indem er seine Halbschwester schwanger macht. Absalom ermordet den Halbbruder. Die Sรผnden Davids wiederholen sich in seinen Sรถhnen. Amnon schรคndet die Ehe, Absalom ist Mรถrder. Dazu vollstreckt sich die VerheiรŸung Gottes โ€“ Absalom greift zum Schwert gegen seinen Vater, | nicht nur nach Brudermord, sondern nach Vatermord steht er. Er schรคndet selbst die Weiber seines Vaters โ€žan lichter Sonneโ€œ und schรคndet damit das Haus Davids 16,21 ff[โ€“22]. David widersteht nicht, sondern er beugt sich der Strafe. Er muรŸ Jerusalem verlassen โ€“ der gestrafte David leidet auรŸerhalb der Tore Jerusalems,86 โ€žund das ganze Land weinte mit lauter Stimmeโ€œ 15,23. Er trรคgt den Fluch der Sรผnde, die Strafe seines Hauses โ€žund der Kรถnig ging รผber den Bach Kidronโ€œ ([Vers] 23), denselben Bach, รผber den der Sohn Davids ging, als er die Strafe [fรผr die Sรผnde] der Welt sich anschickte zu tragen, in der Nacht vor seiner Kreuzigung.87
Er muรŸ dem Priester, der die Lade Gottes mitnehmen will, dies verweigern. Er weiรŸ sich nicht im Recht. Er ist der Leidende. รœber ihm ist Gottes strafende Hand88. Er kann Gottes Gnade nicht in Anspruch nehmen, nicht zwingen89 โ€“ und er gibt sich gerade dadurch ganz in Gottes Hand โ€“ โ€žWerde ich Gnade finden vor dem Herrn, so wird er mich wieder holen und wird mich sie sehen [lassen] und sein Haus. Spricht er also: ich habe nicht Lust zu dir, siehe hier bin ich. Er mache es mit mir, wie es ihm wohlgefรคlltโ€œ 15,[25.]26. Auf dem Auszug aus Jerusalem รผber den Bach Kidron, um die Strafe seines Hauses zu tragen, flucht ihm Simei mit furchtbaren Worten 16,7. David trรคgt auch dies. Wieder wird Abisai, der Sohn der Zeruja, ihm zum Versucher,90 sich gegen die Hand Gottes aufzulehnen, dieses Leiden nicht zu tragen โ€“ wer darf dem gesalbten Kรถnig fluchen? der ist des Todes 16,9 โ€“ aber David widersteht: โ€žIhr Kinder der Zeruja, was habe ich mit euch zu schaffen? LaรŸt ihn fluchen; denn der Herr hatโ€™s ihn geheiรŸen: Fluche David. Wer kann sagen: warum tust du also?โ€œ 16,10. David will die ganze Strafe Gottes auskosten und sich nicht schonen. Sie muรŸ doch getragen sein. Er will sie tragen. Auf ihn falle der Fluch der Menschen, damit seinem Haus die VerheiรŸung Gottes erhalten bleibe. |
Und abermals bekennt sich Gott zu David. Die Feinde werden vernichtet und David kehrt heim. Und sie sandten zum Kรถnig: โ€žkomm wieder, du und alle deine Knechte. Also kam der Kรถnig wiederโ€œ (19,14 f). Komm wieder, Kรถnig David, Gesalbter Gottes, geprรผfter und gestrafter und bewรคhrter โ€“ komm wieder, Kรถnig David, der du die Strafe deines Hauses getragen hast. Und David kommt wieder zu seinem Volk.
Unsre Frage ist: wie ist jener David, der zum Sรผnder wurde, โ€žVorbild und Schatten Christiโ€œ? David ist Mensch, im sรผndlichen Fleisch, David ist nicht Christus, er ist nicht himmlisch, sondern irdisch. Wir verstehen, er ist nicht โ€žVorbild und Schattenโ€œ Christi in seinen moralischen Qualitรคten, in seiner Heiligkeit. Er war es so auch nie. Er ist und bleibt es durch die Erwรคhlung und Salbung und die Gnade Gottes, die ihm treu bleibt. Als der, den Gott durch sein Gericht beugt und demรผtigt und straft, und der Gottes Gericht auch als Sรผnder trรคgt und die Strafe Gottes auf sich nimmt und so die volle Gnade empfรคngt, gerade als der gerechtfertigte Sรผnder ist David der gesalbte Kรถnig โ€žVorbild und Schattenโ€œ des gekreuzigten Christus.

Davids letzte Worte

โ€žEs sprach David, der Sohn Isais, es sprach der Mann, der hoch erhoben ist, der Gesalbte des Gottes Jakobs, lieblich mit Psalmen Israels. Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und seine Rede ist auf meiner Zunge. Es hat der Gott Israels zu mir geredet, und seine Rede ist auf meiner Zunge: โ€ฆโ€œ (23,1 f). Die Tage Davids gehen zu Ende. Der Gesalbte, Versuchte,91 der Leidende, der Triumphierende, der gerechtfertigte Sรผnder โ€“ er ist durch seine Geschichte mit Gott hindurch der Gesalbte geblieben. Er ist der messianische Kรถnig, und redet seine letzten Worte durch den heiligen Geist, der nicht von ihm genommen wurde. Seine letzten Worte richten sich nicht | auf Vergangenes, sondern sind Weissagungen des Geistes: โ€žein Gerechter โ€“ Herrscher unter den Menschen, ein Herrscher in der Furcht Gottes โ€“ und ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, am Morgen ohne Wolken, da vom Glanz nach dem Regen das Gras aus der Erde wรคchst. Ist nicht mein Haus also bei Gott?โ€œ (23,3. 4[โ€“5]). Davids Haus ist der Trรคger der VerheiรŸung โ€“ David selbst ist wohl der Gerechte, aber eben der als Sรผnder Gerechtfertigte, David fรผrchtet Gott, aber als Sรผnder, der seine Gnade erfahren hat โ€“ Davids Haus trรคgt die VerheiรŸung โ€“ sein Haus wird hier deutlich personifiziert โ€“ es wird92 von ihm geredet als von einem Einzelnen, von einem Menschen. Es ist abermals das Zeugnis von dem Tempel Gottes, der Jesus Christus selbst ist und sein Leib. Jesus Christus wird sein der Gerechte ohne Sรผnde, die Gottesfurcht ohne รœbertretung. Von ihm weissagt David, den er in seinen Lenden weiรŸ, nach der VerheiรŸung. Der ewige Bund (23,5) ist der Bund in Christus. Aus ihm wird all mein Heil und all mein Wohlgefallen wachsen ([Vers] 5). Aber die Bรถsen werden im Zorn Gottes mit Eisen und SpieรŸ vernichtet werden; sie werden mit Feuer verbrannt werden an ihrem Ort. โ€“ Christus wird herrschen, aber die Heillosen werden verworfen sein ins Feuer [Vers] 6. 7.
Die Aufzรคhlung der Namen der Helden Davids, die nicht ohne Bedeutung mit dem treuen Uria, dem Chittiter abschlieรŸt (Vers 8โ€“39), ist die Bekundung93, daรŸ der, der Christus in seinen Lenden trรคgt und Christi Stuhl94 einnimmt, umgeben ist von Starken und Treuen, wie Christus auf seinem Stuhl umgeben ist von starken und heiligen Engeln.
Kapitel 24, das nach Vers 18 offenbar hinter Kapitel 6 gehรถrt, enthรคlt den Bericht von der Versรผndigung Davids, indem er sein Volk zรคhlen will. Gottes Volk aber soll nicht gezรคhlt werden. Gott allein kennt sein Volk in seiner Zahl. Die Zahl gibt dem Menschen Berechnung, die ihn vom Glauben ab- | hรคlt. Die Strafe Gottes folgt, David erwรคhlt sich in die Hรคnde Gottes zu fallen, das heiรŸt die Pest. Diese macht vor der Mauer Jerusalems Halt. David aber errichtet in Jerusalem Gott einen Altar. Hier schlieรŸt Kapitel 7 an.95
Das Ende Davids wird sehr menschlich und sarkisch erzรคhlt,96 wofรผr die Geschichte der Abisag von Sunem ein Beispiel ist. David ist Mensch, jetzt alter, erkaltender Mensch โ€“ aber der gesalbte Kรถnig. Seine Schwรคche wird von Adonia frevelhaft ausgenutzt. Aber Gott hรคlt den alten David. Er stirbt, nachdem 1 Kรถn 2,1โ€“4 er seinem Sohn Salomo die VerheiรŸung weitergegeben hat, nachdem er der Feinde des Hauses Gottes im Zorn gedacht hat 1. Kรถn 2,5 ff[โ€“9] im Glauben an den SproรŸ seines Hauses nach der VerheiรŸung, an Jesus Christus, der die Frucht seines Leibes ist. โ€žIch werde nicht sterben, sondern leben und den Namen des Herrn verkรผndigenโ€œ [Ps] 118,17.97

 

b) Zweiter Kurs. Grรผndung des Bruderhauses und Schwedenreise
4. November 1935โ€“15. Mรคrz 1936

8. PREDIGT ZU MATTHร„US 18,21โ€“35. FINKENWALDE, VORLETZTER SONNTAG DES KIRCHENJAHRES, 17. 11. 19351

Predigt รผber Matthรคus 18,21โ€“35. Dietrich Bonhoeffer, Finkenwalde 16. November 35.

[Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft muรŸ ich denn meinem Bruder, der an mir sรผndigt, vergeben? Istโ€™s genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Kรถnige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da erโ€™s nun nicht hatte, zu bezahlen, hieรŸ der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir; ich will dirโ€™s alles bezahlen. Da jammerte den Herrn des Knechts, und er lieรŸ ihn los, und die Schuld erlieรŸ er ihm auch. Da ging derselbe Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und wรผrgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dirโ€™s alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefรคngnis, bis daรŸ er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrรผbt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen รผber deinen Mitknecht, wie ich mich รผber dich erbarmt habe? Und sein Herr ward zornig und รผberantwortete ihn den Peinigern, bis daรŸ er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch tun, so ihr nicht vergebt von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler.]

Wir wollen uns zu Beginn dieser Predigt einmal ganz still und ehrlich fragen, ob wir einen Menschen wissen, aus unserm Umkreis, aus unserer Familie, unter unsern Freunden, โ€“ dem wir ein Unrecht, das er uns angetan hat, nicht vergeben haben; einen Menschen, von dem wir uns einmal im Zorn getrennt haben, โ€“ oder vielleicht auch nicht im offenen Zorn, sondern in stiller Bitterkeit mit dem Gedanken: Das kann ich nicht mehr vertragen, mit diesem Menschen kann ich keine Gemeinschaft mehr haben.
Oder sollten wir wirklich so unachtsam sein, daรŸ wir sagen, wir wรผรŸten keinen? Sind uns die andern Menschen so gleichgรผltig, daรŸ wir garnicht eigentlich wissen, ob wir mit ihnen in Frieden oder in Unfrieden sind? Ob nicht einmal einer nach dem andern aufstehen wird und uns verklagen: Von mir bist du im Unfrieden geschieden โ€“ mich hast du nicht ertragen kรถnnen โ€“ mit mir hast du die Gemeinschaft zerbrochen โ€“ ich war dir unsympathisch und du wandtest dich ab von mir โ€“ ich tat dir einmal weh und da lieรŸest du mich allein โ€“ ich krรคnkte einmal deine Ehre und da brachst du mit mir โ€“ und ich konnte dich nicht wiederfinden โ€“ ich habe dich oft gesucht und du gingst mir aus dem Weg โ€“ und es ist | kein offenes Wort mehr zwischen uns gefallen und ich wollte nichts mehr von dir, nur deine Vergebung und du hast mir nie vergeben kรถnnen. Hier bin ich nun und klage dich an โ€“ kennst du mich noch? โ€“ Ob nicht in jener Stunde Namen vor uns lebendig werden, die wir kaum mehr kennen โ€“ viele, viele verletzte, verstoรŸene, arme Seelen, denen wir ihre Sรผnde nicht vergeben haben. Und unter diesen Menschen vielleicht ein guter Freund, ein Bruder, einer unserer Eltern?
Und es wird eine einzige groรŸe, drohende, furchtbare Stimme gegen uns werden in jener Stunde: Du bist ein harter Mann gewesen โ€“ all deine Freundlichkeit hilft dir nichts, du warst hart und stolz und kalt wie Stein, du hast dich um keinen von uns gesorgt, wir waren dir alle gleichgรผltig und verhaรŸt, du hast nie gewuรŸt, was Verzeihung tut, du hast nicht gewuรŸt, wie wohl sie dem tut, der sie erfรคhrt und wie frei sie den macht, der verzeiht. Du bist immer ein harter Mann gewesen.
Wir machen es uns ja so leicht mit den andern Menschen. Wir stumpfen uns gรคnzlich ab und meinen, wenn wir gegen jemand keine bรถsen Gedanken hegen, dann sei das eben dasselbe als hรคtten wir ihm vergeben โ€“ und wir รผbersehen dabei ganz, daรŸ wir keine guten Gedanken รผber ihn haben โ€“ und vergeben, das kรถnnte doch heiรŸen, lauter gute Gedanken รผber ihn haben, ihn tragen, wo wir nur kรถnnen. Und das gerade umgehen wir, โ€“ wir tragen den andern Menschen nicht, sondern wir gehen neben ihm her und gewรถhnen uns an sein Schweigen, ja nehmen ihn garnicht ernst โ€“ aber aufs Tragen gerade kommt es an โ€“ den andern in allen Stรผcken tragen, in allen seinen schwierigen und unangenehmen Seiten, und sein Unrecht und seine Sรผnde auch gegen [mich]2 โ€“ schweigen, tragen und lieben ohne aufhรถren, โ€“ das kรคme dem Vergeben nahe!
Wer so zum andern Menschen, zu seinem Vater, seinem Freund, seiner Frau, seinem Mann, aber auch zu den frem- | den Menschen, allen die uns begegnen, steht, der weiรŸ erst, wie schwer das ist. Dem kommt es wohl manchmal รผber die Lippen: Nun kann ich es nicht mehr, nun ertrage ich ihn nicht lรคnger, nun hat meine Kraft ein Ende. Es kann nicht immer so weiter gehen, โ€“ โ€žHerr, wie oft muรŸ ich denn meinem Bruder, der an mir sรผndigt, vergeben?โ€œ Wie lange muรŸ ich es ertragen, daรŸ er hart gegen mich ist, mich krรคnkt und verletzt, daรŸ er ohne Rรผcksicht und Zartheit ist, daรŸ er mir weh tut ohne MaรŸen โ€“ Herr, wie oft โ€ฆ? Es muรŸ doch einmal ein Ende haben, es muรŸ doch einmal Unrecht Unrecht genannt werden, es kann doch nicht sein, daรŸ mein Recht dauernd vergewaltigt wird โ€“ โ€žist es genug siebenmal?โ€œ Wir lรคcheln vielleicht รผber Petrus, siebenmal, das scheint uns gering โ€“ wie oft haben wir schon vergeben und รผbersehen. Wir sollten aber dennoch ganz und gar nicht lรคcheln, wir haben dem Petrus gegenรผber wahrhaftig keinen AnlaรŸ dazu. Siebenmal vergeben, โ€“ wirklich vergeben, das heiรŸt das uns angetane Unrecht ganz zum besten kehren, Bรถses ganz mit Gutem vergelten, den andern annehmen, als sei er uns immer der liebste Bruder gewesen, das ist keine Kleinigkeit. Ja was wir so vergeben und vergessen nennen: Keine Krรคhe hackt der andern ein Auge aus, aber vergeben, aus lauter Liebe, mit der man den andern nicht loslassen will, sondern ihn weiter tragen, das ist keine Kleinigkeit.
Es ist eine rechte Qual, dies Fragen. Wie werde ich mit diesem Menschen fertig, wie kann ich ihn ertragen? Wo fรคngt mein Recht ihm gegenรผber an? LaรŸt uns nur mit dieser Frage immer zu Jesus gehen, wie es Petrus tat. Denn gingen wir zu einem andern, fragten wir uns selbst, so bekรคmen wir keine oder nur schlechte Hilfe: Jesus aber hilft, nur in ganz wunderlicher Weise. Nicht siebenmal, Petrus, sondern siebenzigmal siebenmal, sagt Jesus, โ€“ und er weiรŸ, so allein hilft er ihm. Nicht zรคhlen, Petrus, sondern vergeben ohne Zahl โ€“ nicht dich quรคlen mit der Frage, wie lange, โ€“ ohne Ende, Pe- | trus, ohne Ende: das ist vergeben โ€“ und das ist Gnade fรผr dich, das allein macht dich frei.
Du zรคhlst, einmal, zweimal, dreimal und immer bedrohlicher wird dir die Sache, โ€“ immer quรคlender das Verhรคltnis zum Bruder, โ€“ aber merkst du denn garnicht, solange du noch zรคhlst, solange rechnest du ja immer wieder dem andern seine alte Sรผnde auf, solange hast du in Wirklichkeit noch nicht โ€“ noch nicht einmal! โ€“ vergeben. Werde frei, Petrus, vom Zรคhlen, โ€“ vergeben und verzeihen kennt keine Zahl noch Ende โ€“ du brauchst dich nicht zu bekรผmmern um dein eigenes Recht, das ist bei Gott wohl aufgehoben, โ€“ du darfst vergeben ohne Ende! Vergebung ist ohne Anfang und Ende, sie geschieht tรคglich unaufhรถrlich, denn sie kommt von Gott. Das ist Befreiung aus allem Krampfhaften im Zusammensein mit dem Nรคchsten, denn hier werden wir befreit von uns selbst, hier dรผrfen wir alles eigene Recht aufgeben und dem andern allein helfen und dienen.
Hรถrt nur, wir brauchen garnicht mehr empfindlich zu sein, โ€“ es ist nichts damit gedient, โ€“ wir brauchen nicht auf unsere Ehre bedacht zu sein โ€“ wir brauchen uns auch nicht zu entrรผsten, wenn der andre uns immer wieder Unrecht tut โ€“ wir brauchen nicht mehr den andern fortgesetzt zu richten โ€“ wir brauchen ihn nur zu nehmen, wie er ist, und ihm alles, alles vergeben, ohne Ende, ohne Bedingung. Ist das nicht wirklich groรŸe Gnade, daรŸ wir solchen Frieden haben dรผrfen mit unserm Nรคchsten, โ€“ daรŸ keiner und nichts unsern Frieden stรถren kann? Unsre Freundschaft, unsre Ehe, unsre Bruderschaft empfรคngt hier, was sie braucht, festen, dauernden Frieden durch die Vergebung.
Als Jesus das dem Petrus sagte, da hat er ihm etwas ganz Frรถhliches und Herrliches sagen und schenken wollen, da hat er ihn frei machen wollen aus dem quรคlenden Gegeneinander der Menschen. Ihr dรผrft einander vergeben, sagt Jesus. Das ist wahrhaftig frohe Botschaft. |
Aber das ist ja nun das Schlimme, daรŸ da, wo Jesus uns eine ganz groรŸe Hilfe geben will, wo er uns etwas ganz groรŸes schenken will wir sogleich sagen: Ach wie schwer ist das, was Jesus uns da auflegt, wie unertrรคglich schwer. Das ist ja keine Hilfe, das ist ja eine Last. Wer soll denn das kรถnnen, seine[m Bruder]3 alles vergeben und mit ihm zu tragen. Da wacht der ganze Trotz wieder auf: Nein, das will ich nicht und das kann ich nicht. Das hat der andre auch wahrhaftig nicht verdient.
Und siehe, erst wenn wir so reden, wird Jesus zornig รผber uns. Um Hilfe fragen dรผrfen wir ihn ohne Ende โ€“ aber uns gegen seine Hilfe wehren und sagen: Das sei keine Hilfe, โ€“ das will Jesus nicht. โ€žDu kannst nicht vergeben, du willst nicht vergeben, das hat der andre nicht verdient, โ€“ ja, wer bist denn du, Mensch, daรŸ du so redest?โ€œ
Und in groรŸem Zorn erzรคhlt nun Jesus jene furchtbare Geschichte vom Schalksknecht, von dem Mann, der Barmherzigkeit erfuhr und dennoch ein harter Mann blieb und von dem nun alle Barmherzigkeit genommen wird und รผber den nun Gottes furchtbares Gericht ergeht. Und indem er diese zornige Geschichte erzรคhlt, gibt er uns die grรถรŸte Hilfe, die er uns geben kann, er zeigt uns den Weg zum rechten Vergeben. Den wollen wir nun verstehen.
Besinnen wir uns an einen Augenblick in unserm Leben, in dem Gott uns vor Gericht zog, in dem wir ein verlorener Mann waren? In dem es uns ans Leben ging? Gott forderte Rechenschaft von uns, und es waren nichts als Schulden da, unermeรŸlich groรŸe Schulden. Unser Leben war befleckt und unrein und schuldig vor ihm und wir hatten nichts, aber auch garnichts aufzuweisen als Schulden und noch einmal Schulden. Besinnen wir uns, wie es uns damals zu Mute war, wie wir nichts zu hoffen hatten, wie verloren und sinnlos [alles] erschien. Wir konnten uns nicht mehr selbst helfen, wir waren gรคnzlich allein โ€“ und vor uns blieb bloรŸ die Strafe, | die gerechte Strafe. Vor ihm konnten wir nicht aufrecht stehen bleiben, vor ihm, vor Gott dem Herrn, sanken wir auf die Knie in unserer Verzagtheit und beteten ihn an: Herr, habe Geduld mit mir โ€“ und allerlei Geschwรคtz kam รผber unsre Lippen, so wie hier der Schalksknecht: Ich will alles bezahlen und wiedergutmachen โ€“ derartiges, und wir wuรŸten doch genau, wir wรผrden es nie bezahlen kรถnnen, und dann verรคnderte sich auf einmal alles, Gottes Angesicht trug nicht mehr die Zรผge des Zornes, sondern des groรŸen Jammers und Schmerzes รผber uns Menschen, und er erlieรŸ uns alle Schuld, und es war uns vergeben. Wir waren frei und die Angst war von uns genommen und wir waren wieder froh und konnten Gott ins Angesicht sehen und danken.
So sahen wir einmal aus, wie jener Schalksknecht. Wie vergeรŸlich wir doch sind! Nun gehen wir hin und packen den, der uns ein kleines Unrecht getan hat, der uns getรคuscht oder verleumdet hat und sprechen zu ihm: Mache wieder gut, was du gesรผndigt hast! Ich kann dir das niemals vergeben! Sehen wir denn nicht, daรŸ wir vielmehr sagen sollten: Was der andre uns hier angetan hat, das ist ja nichts, garnichts gegen das, was ich getan habe gegen Gott und auch gegen ihn? Wer hat denn uns berufen, den andern zu verdammen, die wir selbst viel schwerer dran sind als er?
Vers 31โ€“34. Nun ist die Gnade vertan, nun ist die ganze alte Schuld neu da, nun kommt der Zorn รผber uns โ€“ nun sind wir verlorene Leute, weil wir die Gnade verachtet haben. Das ist die ganze Lehre: Die Sรผnde des andern siehst du aber deine eigene Sรผnde erkennst du nicht. In BuรŸe erkenne die Barmherzigkeit Gottes รผber dir und nur so wirst du vergeben kรถnnen.
Wie kommen wir dahin, daรŸ wir einander alle Sรผnde von Herzen vergeben? Liebe Brรผder, wer es einmal erfahren hat, daรŸ Gott ihn aus einer groรŸen Sรผnde gerissen und ihm vergeben hat, wem Gott einmal in solcher Stunde einen Bruder | geschickt hat, dem wir unsre Sรผnde sagen durften, wer den Kampf kennt, den der Sรผnder gegen die Hilfe fรผhrt, weil er sich nicht helfen lassen will, und wer es dennoch erfuhr, daรŸ ihn sein Bruder im Namen Gottes und im Gebet von seiner Sรผnde freisprach โ€“ dem vergeht alle Sucht zum Richten und zum Nachtragen, der will nur noch eines: Mittragen an der Not des Bruders, dienen, helfen, vergeben, โ€“ ohne MaรŸen, ohne Bedingung, ohne Ende, โ€“ der kann den sรผndigen Bruder nicht mehr hassen, sondern er liebt ihn umsomehr und vergibt ihm alles, alles. Herr, unser Gott, laรŸ uns deine Barmherzigkeit erfahren, daรŸ wir Barmherzigkeit รผben ohne Ende! Amen.

9. PREDIGT ZU APOKALYPSE 14,6โ€“13. FINKENWALDE, TOTENSONNTAG, 24. 11. 19351

Offenbarung 14,6โ€“13

[Und ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkรผndigen denen, die auf Erden wohnen, und allen Heiden und Geschlechtern und Sprachen und Vรถlkern, und sprach mit groรŸer Stimme: Fรผrchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist gekommen! Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen. Und ein anderer Engel folgte nach, der sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die groรŸe Stadt; denn sie hat mit dem Wein ihrer Hurerei getrรคnkt alle Heiden. Und der dritte Engel folgte diesem nach und sprach mit groรŸer Stimme: So jemand das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der wird von dem Wein des Zorns Gottes trinken, der lauter eingeschenkt ist in seines Zornes Kelch, und wird gequรคlt werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm; und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier haben angebetet und sein Bild, und so jemand hat das Malzeichen seines Namens angenommen. Hier ist Geduld der Heiligen; hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesum. Und ich hรถrte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daรŸ sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.]

โ€žUnd ich sahโ€œ โ€“ der Vorhang zerreiรŸt und Johannes bekommt zu sehen, worรผber fรผr unser Auge ein dichter Schleier liegt โ€“ die Welt nach dem Tode. Soviel ist sogleich klar: diese Welt ist alles andre als tot, sie ist in hรถchstem MaรŸe lebendig, voller Handlung, voller Gesichte, voller Worte, voller Qual und voller Seligkeit โ€“ die Welt nach dem Tode ist Leben in hรถchstem MaรŸe. Nicht ein Nichts, ein Verlรถschen erwartet uns, wenn wir die Augen zu tun, sondern einem ungeahnten Geschehen gehen wir entgegen. Keiner trรถste sich mit dem falschen Trost: es ist doch bald alles aus, vielmehr lasse er sich sagen: es fรคngt bald alles an, es wird nun bald ganz ernst, ganz kritisch mit dir.
Bereit werden fรผr den Schritt in jene andre Welt, dazu will uns unser Text helfen. Wie lernen die Christen, wie lernt die Gemeinde Christi das Sterben? Das ist die Frage und die Antwort gibt der Text. Es ist eine dreifache Freudenbotschaft, die uns heute aus jener Welt als Trost am Totensonntag und als Hilfe zum Sterben verkรผndigt wird.2 |
โ€žUnd ich sah einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkรผnden โ€ฆโ€œ Wo solche Gesichte, wo die Engel Gottes gesehen werden, da sind wir nicht mehr bei uns, da ist der Himmel aufgetan und die neue Welt. Mitten durch den Himmel fliegt der Engel mit dem ewigen Evangelium. Das gehรถrt also in die Mitte des Himmels wie es in die Mitte der Erde gehรถrt โ€“ das ewige Evangelium. Das ist ein groรŸer Trost fรผr alle Glรคubigen โ€“ das Evangelium bleibt doch โ€“ es ist ein ewiges Evangelium โ€“ unser Evangelium, wie wir [es] Sonntag fรผr Sonntag hรถren3 und predigen โ€“ das Evangelium, das wir in unsern Bibeln bei uns haben, morgens und abends lesen, das unserem Leben einmal eine neue Wendung gegeben, als wir es zum erstenmal recht verstanden4 โ€“ hier verspottet und angegriffen5 und in den Schmutz gezogen, und doch verborgen und heimlich geliebt und bekannt von Bekennern und Mรคrtyrern aller Zeiten, von unzรคhligen Herzen โ€“ das Evangelium bleibt ewig โ€“ wir brauchen uns also garnicht zu fรผrchten und darum zu sorgen โ€“ ob es auch so aussieht, als ginge das Evangelium heute unter โ€“ was sind 10 Jahre oder auch mehr, die wir erleben und รผbersehen? โ€“ das Evangelium ist ewig und bleibt dennoch. Es bleibt als die eine und einzige wahre Verkรผndigung von Gott รผber alle Welt6. Und ob tausende von Religionen und Ansichten und Meinungen und Weltanschauungen in der Welt sind, und ob es die schรถnsten Weltanschauungen seien und ob sie den Menschen das Herz bewegen und rรผhren โ€“ sie scheitern alle am Tod, sie mรผssen alle zerbrechen, weil sie nicht wahr sind โ€“ es bleibt nur das Evangelium. Und ehe das Ende kommt, wird es allen Vรถlkern, Geschlechtern und Sprachen verkรผndigt sein รผber die ganze Erde โ€“ ob es hier auch scheint, es gebe viele Wege, dort gilt doch nur ein Weg, fรผr alle Menschen auf dem Erdboden: das Evangelium.
Und seine Sprache ist so einfach, daรŸ sie jeder verstehen muรŸ: โ€žFรผrchtet Gott und gebt ihm die Ehre; denn die | Zeit des Gerichts ist gekommen. Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und Wasserbrunnen.โ€œ Das ist das 1. Gebot, das ganze Evangelium.7 โ€žFรผrchtet Gottโ€œ โ€“ statt der vielen Dinge, die ihr fรผrchtet โ€“ fรผrchtet nicht den kommenden Tag, fรผrchtet nicht die anderen Menschen, fรผrchtet nicht Gewalt und Macht, auch wenn sie euch Besitz und Leben rauben kann, fรผrchtet nicht die GroรŸen in der Welt, fรผrchtet euch auch nicht vor euch selbst, fรผrchtet auch nicht die Sรผnde โ€“ an all dieser Furcht werdet ihr sterben โ€“ von all dieser Furcht seid ihr frei, sie ist fรผr euch nicht da โ€“ fรผrchtet aber Gott und ihn allein; denn er hat Macht รผber alle Mรคchte dieser Welt, โ€“ vor ihm muรŸ sich die ganze Welt fรผrchten โ€“ er hat Macht uns das Leben zu geben oder uns zu verderben, โ€“ alles andere ist Spiel โ€“ Gott allein ist ernst, ganz ernst โ€“ fรผrchtet Gottes Ernst โ€“ und โ€žgebt ihm die Ehreโ€œ. Er will sie haben als der Schรถpfer der Welt, als unser Schรถpfer, er will sie haben als der Versรถhner, der Friede gemacht hat in Christus zwischen Gott und Mensch, er will sie haben als der Erlรถser, der uns am Ende frei machen will von aller Sรผnde und aller Last โ€“ gebt ihm die Ehre in seinem heiligen Evangelium โ€“ โ€ždenn die Zeit seines Gerichtes ist gekommenโ€œ. Wonach wird Gott an jenem Tage des Gerichtes, dem wir entgegengehen, fragen? nach seinem ewigen Evangelium8: habt ihr dem Evangelium geglaubt und gehorcht? Er wird nicht fragen โ€“ ob wir Deutsche waren oder Juden, ob wir Nationalsozialisten waren oder nicht, auch nicht ob wir zur Bekennenden Kirche gehรถrt haben oder nicht โ€“ ob wir groรŸ und einfluรŸreich und erfolgreich waren, ob wir ein Lebenswerk aufzuweisen haben, ob wir geehrt waren von den Menschen, oder gering und unwichtig und erfolglos und verkannt. Gott wird alle Menschen einmal danach fragen, ob sie vor dem Evangelium sich getrauen kรถnnen zu bestehen โ€“9 und das Evangelium allein wird unser Richter sein. Am Evangelium werden sich die Geister scheiden in Ewigkeit. | Wenn wir das wissen, und doch sehen, wie das Evangelium unter uns miรŸachtet wird โ€“ dieses in der Welt und in der Kirche โ€“ dann kann uns ganz angst werden.10 Das wollen wir uns also von dem ersten Bild, das Johannes sah, merken โ€“ ein ewiges Evangelium โ€“ die ewige Verkรผndigung an alle Vรถlker, das ewige Gericht รผber alle Menschen โ€“ ein ewiges Evangelium โ€“ das ist der einzige und bleibende Trost fรผr die Gemeinde der Glรคubigen, das ist Freudenbotschaft fรผr alle, die noch sterben mรผssen.
โ€žUnd ein anderer Engel folgte nach und sprach: sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die groรŸe Stadt; denn sie hat mit dem Wein ihrer Hurerei getrรคnkt alle Heiden.โ€œ Das sah Johannes โ€“ und er sah doch auch das andere: nรคmlich daรŸ Babylon noch groรŸ war, mรคchtig und kraftstrotzend11 โ€“ daรŸ Babylon noch unรผberwindlich dastand in der Welt und alle Menschen vor ihr zitterten und niederfielen โ€“ Babylon, die Feindin Gottes โ€“ die Stadt, die nicht aufhรถrt ihren Turm bis in den Himmel zu bauen12 โ€“ Babylon, die gegen Christus, den gekreuzigten Herrn13 auf eigene Macht trotzt, die mit ihren glรคnzenden und verfรผhrerischen Lastern die Menschen berauscht, wie die Dirne ihren Buhlen berauscht mit schwerem Wein โ€“ die die Menschen umnebelt und verwirrt und umbuhlt mit allerlei Geprรคnge und gottlosem Prunk โ€“ Babylon, das die Menschen lieben, umschwรคrmen, dem sie besinnungslos in die Netze laufen โ€“ Babylon, das von seinen Untertanen nichts anderes verlangt als blinde Liebe und Rausch, das ihnen reichlich, verschwenderisch gibt, wonach den Menschen das Herz und die wilde Begierde steht โ€“ wer wollte es wagen, von diesem Babylon zu sagen, es sei nicht ewig?, โ€“ es werde einen tiefen Fall tun โ€“ weh dem14! โ€“ mit welcher Bangigkeit muรŸ die christliche Gemeinde, โ€“ die nicht Bรผrger dieser Stadt sein kann und will, die am Rande, auรŸerhalb dieser Stadt wohnen und leiden muรŸ โ€“ auf jene Stadt sehen, mit wieviel Gebeten muรŸ sie fรผr sie eintreten15, mit wieviel Gebeten ihren Fall herbeigesehnt | haben!16 โ€“ Wer ist Babylon โ€“ war es Rom? Wo ist es heute? Wir wagen es heute noch17 nicht zu sagen โ€“ nicht aus Furcht vor den Menschen! sondern die Gemeinde weiรŸ es noch nicht โ€“ aber sie sieht furchtbare Dinge und Enthรผllungen herannahen โ€“ und nun โ€“ die Stimme vom Himmel, die Freudenbotschaft fรผr die Gemeinde der Glรคubigen โ€“ โ€žsie ist gefallen, โ€ฆ Babylon, die GroรŸe โ€ฆโ€œ โ€“ es ist schon alles vollendet, das Gericht ist schon ergangen von Gott her, Babylon ist schon garnicht mehr โ€“ Babylon kann nicht bestehen โ€“ weil es vor Gott nicht bestehen kann. Darum: fรผrchtet euch nicht vor Babylon, es kann euch nichts anhaben โ€“ es ist schon gerichtet โ€“ es ist alles18 nur Staub und Rauch und Trรผmmer โ€“ nehmt es nicht mehr so blutig ernst, verzehrt euch nicht in eurem HaรŸ oder eurem Eifer, es ist ja alles nur so vorlรคufig, so vorlรคufig โ€“ es ist ja garnicht mehr wichtig โ€“ ganz andere Dinge sind aber wichtig โ€“ bleibt fest im Glauben, haltet fest an Christus, haltet euch unberรผhrt von Babylon, bleibt nรผchtern und laรŸt euch nicht die Furcht รผbermannen โ€“ hรถrt auf die Stimme Gottes, des Allmรคchtigen, der spricht: Sie ist gefallen, โ€ฆ Babylon, die GroรŸe. Dies allein ist wichtig โ€“ dies allein fรผhrt zum Leben โ€“ wer aber Babylon verfรคllt โ€“ der ist dem Tode und Gericht verfallen โ€“ Babylon ist gefallen, freue dich, Gemeinde der Glรคubigen! Das ist die zweite Freudenbotschaft fรผr die Gemeinde, die ins Sterben muรŸ.
Vers 9. โ€žUnd der dritte Engel folgte ihm nach und sprach mit groรŸer Stimme: so jemand das Tier anbetet โ€ฆโ€œ Das Tier ist der Herr Babylons, der Mensch der Lรคsterung, der รœberhebung und der Gewalt โ€“ und das ist das furchtbare โ€“ dies Tier hat nicht genug daran, daรŸ ihm die Menschen dienen, sondern es will, daรŸ sie sich mit seinem Zeichen bezeichnen an Stirn und Hand โ€“ daรŸ sie ihm sichtbar gehรถren mit Kopf und Tat โ€“ das Tier will Bekenner! โ€“ wie die Christen sich bezeichnen mit dem Zeichen des Kreuzes, so will das Tier, daรŸ alle mit dem Mal- | zeichen der Gotteslรคsterung gezeichnet seien, die ihm gehรถren โ€“ und sie beten das Tier an und sagen: wer ist grรถรŸer und mรคchtiger als dies Tier? wer will ihm widerstehen? wer ist herrlicher und gรถttlicher โ€“ und alle beten es an, die nicht geschrieben sind im Buche des Lebens, deren Namen vor Gott und dem Christus nicht erwรคhlt und gefรคllig sind, deren Namen eine Lรคsterung Gottes sind.
Vers 10 f: โ€žder wird von dem Wein des Zorns Gottes trinken โ€ฆโ€œ Ein brennender ungemischter Wein ist der Zorn Gottes, den der Mensch bis ins Innerste seiner Gebeine zu spรผren bekommt. Unaussprechlich furchtbar die Dinge, die nun genannt werden โ€“ es ist nichts hinzuzufรผgen โ€“ wie soll uns auch solche Botschaft Grund zur Freude sein? โ€“ โ€žgequรคlt mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und dem Lammโ€œ โ€“ sie werden den Christus, den sie lรคsterten, sehen mรผssen in ihrer Qual โ€“ โ€žder Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeitโ€œ โ€“ โ€žkeine Ruhe bei Tag und Nachtโ€œ โ€“ laรŸt uns angesichts solcher Worte ja nicht laut werden, sondern ganz still und in uns gehen und sprechen: Gott, sei mir Sรผnder gnรคdig und schenk uns allen dein Heil! Gott, dir allein gebรผhrt die Ehre. Du allein bist gerecht. Du hast uns Ruhe geschaffen von unsern Feinden. Gott, du allein bist unser Trost und unsere Freude!
Nein, wir wollen angesichts der furchtbaren Gerichte Gottes รผber die Welt in kein19 sektiererisches Triumphgeheul ausbrechen โ€“ sondern bitten: Gott, gib Geduld deinen Heiligen in aller unserer Ungeduld20, gib Gehorsam deiner Gemeinde dein Gebot der Liebe zu halten โ€“ in allem unserm Ungehorsam, gib Glauben an Jesus โ€“ in allem Unglauben. Und wenn du dann kommst und zu uns trittst und uns forderst vor dir zu stehen: dann sprich auch zu uns โ€“ hier ist Geduld der Heiligen, hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesum โ€“ Gott, es ist alles deine Gnade.
Werden wir es nun begreifen, daรŸ angesichts dieser Gerichte | Gottes, dieser Versuchung, in HaรŸ und Ungeduld und Unglauben zu fallen โ€“ daรŸ es heute eine Gnade ist zu sterben โ€“ weggenommen zu werden โ€“ wer von uns weiรŸ denn, ob er durchhรคlt? Wer weiรŸ denn, wie er in der Stunde der letzten Probe stehen wird โ€“ darum โ€“ โ€žselig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun anโ€œ โ€“ โ€žselig sind die Totenโ€œ โ€“ das mรผssen wir verstehen โ€“ nicht aus Mรผdigkeit, aus Unlust, sondern aus der Furcht nicht Glauben zu halten und in der Freude Glauben gehalten zu haben โ€“ โ€žselig sind die Totenโ€œ โ€“ โ€žvon nun anโ€œ โ€“ von solchen Zeiten an, wo die Macht Babylons und des Tieres รผbergroรŸ wird โ€“ aber nicht alle Toten sind selig โ€“ sondern โ€ždie in dem Herrn sterbenโ€œ โ€“ die das Sterben rechtzeitig gelernt haben,21 die Glauben gehalten haben, die sich an Jesus hielten bis zur letzten Stunde, ob unter den Leiden des offenen Martyriums, ob in dem Martyrium einer stillen Einsamkeit รผberstehenden Lebens22 โ€“ die VerheiรŸung der Seligkeit des Todes, der Auferstehung gibt es nur fรผr die Gemeinde Jesu Christi โ€“ sie gehรถrt ihr โ€“ und wer sie sonst fรผr sich in Anspruch nimmt, fรคllt Gott in den Arm. โ€žSelig sind die Toten, die in dem Herrn sterben โ€ฆโ€œ in Christus sterben โ€“ daรŸ uns das geschenkt werde, daรŸ unsere letzte Stunde nicht eine schwache Stunde sei โ€“ daรŸ wir als Bekenner Christi sterben. Ob alt oder jung, ob schnell oder nach langem Leiden, ob gefaรŸt und gepackt von dem Herrn Babylons oder ob still und sanft, daรŸ nur unser letztes Wort sei: Christus,23 das ist heute unser Gebet โ€“ โ€žJa, der Geist spricht โ€ฆ folgen ihnen nachโ€œ24 und dann wird Ruhe sein von unserer Arbeit, das heiรŸt von der Mรผhsal und den Leiden und den Anfechtungen, unter denen wir heute stehen, keine Furcht mehr, schwach zu werden, keine Furcht vor der Sรผnde und vor der Gewalt Babylons, dann wird Ruhe sein, weil wir Christus als den Herren erkennen und sehen werden โ€“ โ€žund ihre Werke folgen ihnen nach โ€“โ€œ. Sie bahnen uns nicht den Weg zu Christus, das tut der Glaube, โ€“ aber sie folgen nach, | die Werke, die in Gott, in Christus getan sind, fรผr die er uns bereitet hat von Anbeginn der Welt; wir kennen sie hier nicht, sie sind verborgen, es sind die Werke, von denen die linke Hand nicht weiรŸ, was die rechte tut25 โ€“ aber sie werden bei uns sein, weil sie zu uns gehรถren, als das ewige Geschenk Gottes.26
Herr, lehre du deine Gemeinde zu sterben durch dein Evangelium27, gib uns Kraft durchzuhalten, bis du rufst โ€“ wir wollen gern dein ewiges Evangelium schauen! Amen.

10. SKIZZE ZU LUKAS 1,39โ€“56. FINKENWALDE, HEILIGABEND1

Lukas 1,39โ€“55

Vers 39 Maria โ€“ gratia plena2 โ€“ die Gnadenvolle ist vom Engel an Elisabeth gewiesen worden. Sie macht sich auf, wandert durch das Gebirge, eilends zu Elisabeth. Demรผtig geht die Jรผngere zu der ร„lteren.
Vers 40 Sie grรผรŸt Elisabeth zuerst.
Vers 41 Die Gegenwart der Gnadenreichen wird alsbald offenbar. Das Kind im Mutterleib, der Vorlรคufer, Elisabeth wird erfรผllt vom heiligen Geist
Vers 42 und prophezeit: โ€ฆ Frucht des Leibes โ€ฆ
Vers 43 Mutter des Herrn; Elisabeth demรผtigt sich vor Maria wie Jesus vor Johannes3
Vers 45 Seligpreisung des Glaubens! Andere haben nicht geglaubt! Zacharias! es wird vollendet, es wird Wirklichkeit werden. Hรถchste Bestรคtigung fรผr Maria. Das Wunder bedarf der Bestรคtigung.
Vers 46 Adventslied, Maria in der Reihe der alttestamentlichen Frauen Hanna4, Debora5. Sie weist die Ehrung6 von sich weg auf Gott. So handelt der Glaube. Meine Seele โ€“ alles in mir โ€“ stellt den Herrn hoch รผber alles. Es
Vers 47 freut sich Gottes โ€ฆ Gott, nicht seine Gabe! Aber auch seine Gabe ist ja Gott โ€“ Heiland, der Menschgewordene. Freude, er ist bei mir, in mir.
Vers 48 Gott beugte sich herab, darum erhebe ich ihn. Nicht โ€žDemutโ€œ, sondern Niedrigkeit7. [โ€ฆ] mich seligpreisen โ€ฆ um deswillen!
Vers 49 GroรŸe Dinge an Niedrigen โ€“ Allmacht, Heiligkeit [โ€“] groรŸe Dinge an uns, wenn wir glauben.
Vers 50 Seine Barmherzigkeit gilt allen, nicht allein der Maria.
Vers 51 f. Das werdende Kind im Mutterleib โ€“ sein Arm ist gewaltiger als die Gewaltigen, die Hoffรคrtigen vernichtet er. Gott im Menschen โ€“ Throne, Majestรคten wanken, stรผrzen. Niedrige werden Hochgeehrte.
Vers 53 Reiche hungern โ€“ die Frommen ernรคhrt Gott.
Vers 54 Durch all dies hilft er Israel, s[einer] K[irche].8 Vers 55 Es ist seine VerheiรŸung.
Vers 56 Blieb 3 Monate. โ€“ Geborgen bei Elisabeth Geheimnis nicht offenbart.

11. PREDIGT ZU PSALM 90. BERLIN, 15. 1. 19361

Trauerfeier fรผr Frau Julie Bonhoeffer am Mittwoch, dem 15. Januar 1936, in der Friedhofskapelle Halensee, gehalten von Dietrich Bonhoeffer.

Mit Fried und Freud fahr ich dahin
in Gottes Willen;
getrost ist mir mein Herz und Sinn,
sanft und stille.
Wie Gott mir verheiรŸen hat:
Der Tod ist mein Schlaf worden.2

So spricht die Heilige Schrift: โ€žDer Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rรผhret sie an. Von den Unverstรคndigen werden sie angesehen, als stรผrben sie, und ihr Abschied wird fรผr eine Pein erachtet. Aber sie sind im Frieden3โ€œ. โ€“ โ€žUnd Gott wird abwischen alle Trรคnen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saรŸ, sprach: Siehe, ich mache alles neuโ€œ (Weisheit Salomos 3[,1โ€“3]; Offenbarung Joh. 21[,4โ€“5 a]).

Jerusalem, du hochgebaute Stadt,
wollt Gott, ich wรคr in dir!
Mein sehnlich Herz so groรŸ Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir;
weit รผber Berg und Tale, weit รผber blaches Feld
schwingt es sich รผber alle und eilt aus dieser Welt.

O schรถner Tag und noch viel schรถnโ€™re Stund,
wann wirst du kommen schier,
da ich mit Lust und freiem Freudenmund
die Seele geb von mir
in Gottes treue Hรคnde zum auserwรคhlten Pfand,
daรŸ sie mit Heil anlรคnde in jenem Vaterland!4

Psalm 90: โ€žHerr Gott, du bist unsere Zuflucht fรผr und fรผr. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, der du die Menschen lรคssest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lรคssest sie dahinfahren wie einen Strom; sie sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frรผhe blรผhet und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorret. Das macht dein Zorn, daรŸ wir so vergehen, und dein Grimm, daรŸ wir so plรถtzlich dahin mรผssen. Denn unsere Missetaten stellst du vor dich, unsere unerkannte Sรผnde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwรคtz. Unser Leben wรคhret siebzig Jahre, und wennโ€™s hoch kommt, so sindโ€™s achtzig Jahre, und wennโ€™s kรถstlich gewesen ist, so ist es Mรผhe und Arbeit gewesen; denn es fรคhret schnell dahin, als flรถgen wir davon. Wer glaubt aber, daรŸ du so sehr zรผrnest, und wer fรผrchtet sich vor solchem deinem Grimm? Lehre uns bedenken, daรŸ wir sterben mรผssen, auf daรŸ wir klug werden. Herr, kehre dich doch wieder zu uns und sei deinen Knechten gnรคdig! Fรผlle uns frรผhe mit deiner Gnade, so wollen wir rรผhmen und frรถhlich sein unser Leben lang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglรผck leiden. Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Ehre ihren Kindern. Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fรถrdere das Werk unserer Hรคnde bei uns; ja, das Werk unserer Hรคnde wolle er fรถrdern!โ€œ5

In groรŸer Dankbarkeit stehen wir heute am Grab unserer guten entschlafenen GroรŸmutter. Gottes Hand ist freundlich | รผber uns gewesen, daรŸ er sie bis heute unter uns gelassen hat.6 Wir kรถnnen uns unser eigenes Leben nicht mehr denken ohne das ihre. Sie gehรถrt ganz zu uns und sie wird immer ganz zu uns gehรถren. Und Gottes Hand ist auch freundlich รผber ihr gewesen bis zuletzt. Er hat sie nicht allein sein lassen. Er hat sie Kinder, Enkel und Urenkel sehen lassen. Er hat sie noch mitten in ihrer letzten schweren Krankheit fรผr ein paar Tage frรถhlich und gesund sein lassen, daรŸ sie den heiligen Abend noch einmal mit dem ganzen groรŸen Haus feiern konnte, wie in all den Jahren zuvor.7 In groรŸer Klarheit und Liebe hat sie bis zuletzt an all dem teilnehmen kรถnnen, was jeden von uns persรถnlich und beruflich bewegte. Sie hat nach allen gefragt, die ihr nahestanden, und fรผr jeden gute und liebe Gedanken und Wรผnsche gehabt. Gott hat ihr auch gegeben, in Klarheit zu sehen, wie es um sie stand, und er hat ihr die Kraft dazu gegeben, sich darein zu schicken. Und wenn wir heute traurig werden wollen, daรŸ sie nicht mehr bei uns ist, so sollen wir doch darรผber niemals vergessen, wie dankbar wir sein mรผssen.
โ€žHerr Gott, du bist unsere Zuflucht fรผr und fรผrโ€œ. In einem so langen Leben wie dem ihren gibt es Stunden, in denen man dies besonders lernen muรŸ, daรŸ man eine Zuflucht braucht. Frรผh hat sie ihren Vater verloren, zwei Sรถhne hat sie als Kinder hergeben mรผssen, im Krieg fielen drei Enkelsรถhne; im Alter wurde es stiller um sie, als der GroรŸvater starb, als ihre Geschwister heimgingen, als zuletzt noch wenige Jahre vor ihrem Tod unser guter Onkel Otto, ihr รคltester Sohn, von uns ging. Gott hat oft sichtbar in ihr Leben eingegriffen; da hat sie es immer wieder lernen mรผssen, was sie von Kind auf gewuรŸt hat: โ€žHerr Gott, du bist unsere Zuflucht fรผr und fรผr. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeitโ€œ. Daran hat sie sich auch in ihrer Krankheit gehalten. Sich in den Willen Gottes schicken; tra- | gen, was einem auferlegt ist; beherrscht und klar das Gegebene, das Wirkliche ins Auge fassen; tun, was nรถtig und geboten ist; schweigend und ohne Klage mit sich abmachen, worin einem ein anderer nicht helfen kann, und in alledem sich eine groรŸe innere Frรถhlichkeit und kraftvolle Lebensbejahung bewahren โ€“ so hat sie ihr Leben aufgefaรŸt und gefรผhrt, so ist sie gestorben, und so haben wir sie geliebt.
โ€žDer du die Menschen lรคssest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinderโ€œ. Sie hat das Wiederkommen sehen dรผrfen in drei Generationen, und das war ihre grรถรŸte Freude im Leben. Fรผr ihre Kinder, Enkel und Urenkel war sie immer da,8 sie hatte immer und fรผr alles Zeit, Ruhe und Rat. Und obwohl sie ganz mit jedem einzelnen mitlebte, so kam doch ihr Urteil und ihr Rat immer aus einem weiten Abstand von den Dingen, aus einem unvergleichlichen Wissen um alles Menschliche und aus einer groรŸen Liebe. Und wรคhrend sie so die Generationen kommen und wachsen sah, wurde sie selbst bereit zum Gehen. In aller Erfahrung und Weisheit spรผrte man, daรŸ sie von einer demรผtigen Erkenntnis der Grenzen allen menschlichen Wissens, Urteilens und Lebens getragen war. โ€žTausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwacheโ€œ.
โ€žUnser Leben wรคhret siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre, und wenn es kรถstlich gewesen ist, so ist es Mรผhe und Arbeit gewesen.โ€œ 93 Jahre alt ist sie geworden, und sie hat uns das Erbe einer anderen Zeit vermittelt. Mit ihr versinkt uns eine Welt, die wir alle irgendwie in uns tragen und in uns tragen wollen. Die Unbeugsamkeit des Rechtes, das freie Wort des freien Mannes, die Verbindlichkeit eines einmal gegebenen Wortes, die Klarheit und Nรผchternheit der Rede, die Redlichkeit und Einfachheit im persรถnlichen und รถffentlichen Leben โ€“ daran hing ihr ganzes Herz. Darin lebte sie. Sie hat es in ihrem Leben erfahren, daรŸ es Mรผhe und Arbeit macht, diese Ziele | wahr zu machen im eigenen Leben. Sie hat diese Arbeit und Mรผhe nicht gescheut. Sie konnte es nicht ertragen, wo sie diese Ziele miรŸachtet sah, wo sie das Recht eines Menschen vergewaltigt sah.9 Darum waren ihre letzten Jahre getrรผbt durch das groรŸe Leid, das sie trug รผber das Schicksal der Juden in unserem Volk, an dem sie mittrug und mitlitt.10 Sie stammte aus einer andern Zeit, aus einer andern geistigen Welt โ€“ und diese Welt sinkt nicht11 mit ihr ins Grab. Dieses Erbe, fรผr das wir ihr danken, verpflichtet.
Aber nicht nur ihr Leben, sondern gerade auch ihr Tod soll uns zur Lehre werden. โ€žHerr, lehre uns bedenken, daรŸ wir sterben mรผssen, auf daรŸ wir klug werden.โ€œ Auch solches sinnerfรผllte, bewuรŸte Leben steht unter dem Todesgesetz, das auf allem Menschlichen lastet. Auch wir mรผssen einmal gehen, mit all unseren Idealen, Zielen und unserer Arbeit. Klug werden, das heiรŸt von seiner Grenze, von seinem Ende wissen, aber viel mehr noch von dem Jenseits dieser Grenze wissen, von dem Gott, der ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, in dessen Hรคnde wir fallen, ob wir wollen oder nicht, in dessen Hรคnden sie jetzt aufgehoben ist in Ewigkeit. Was sollen wir รผber solchem erfรผllten und reichen Leben noch sagen? Wir rufen den Gott an, der unsere Zuflucht ist, zu dem wir fliehen kรถnnen in aller Not und Traurigkeit, Jesus Christus, in dem alle Wahrheit, alle Gerechtigkeit, alle Freiheit und alle Liebe ist. Wir rufen den Gott an, der allen HaรŸ, alle Lieblosigkeit, alle Unruhe รผberwunden hat durch seine unรผberwindliche Liebe am Kreuz Jesu Christi. Wir bitten, daรŸ sie schauen dรผrfe in Ewigkeit, was hier verhรผllt und verborgen bleibt unter Sรผnde und Tod, daรŸ sie in Frieden und Klarheit schauen dรผrfe das ewige Angesicht Gottes in Jesus Christus.

Der Anfang, das Ende, o Herr, sie sind dein,
die Spanne dazwischen, das Leben, war mein;
und irrtโ€™ ich im Dunkeln und fand mich nicht aus โ€“
Bei dir, Herr, ist Klarheit, und Licht ist dein Haus.12 |

Und nun wollen wir nicht mehr traurig sein. Das war nicht ihr Sinn. Sie wollte nie einen Menschen traurig machen. Wir mรผssen zurรผck an unsere Arbeit und an unser Tagewerk. So hat sie es gewuรŸt und gemeint. Sie liebte รผber alles die Tat und das Tagewerk. Darum wollen wir gestรคrkt von ihrem Grab fortgehen. Gestรคrkt durch ihr Bild, ihr Leben und Sterben, gestรคrkt aber viel mehr durch den Glauben an den Gott, der ihre und unsere Zuflucht ist fรผr und fรผr, gestรคrkt durch Jesus Christus. โ€žUnd der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fรถrdere das Werk unserer Hรคnde bei uns; ja, das Werk unserer Hรคnde wolle er fรถrdern!โ€œ Amen.

Der ewig reiche Gott
woll uns bei unserm Leben
ein immer frรถhlich Herz
und edlen Frieden geben
und uns in seiner Gnad
erhalten fort und fort
und uns aus aller Not
erlรถsen hier und dort.13

 

c) Dritter Kurs. Volksmission und Konferenz von Chamby
15. Aprilโ€“23. August 1936

12. TRAUPREDIGT ZU I THESSALONICHER 5,16โ€“18 (MITSCHRIFT). FALKENSEE, 15. 4. 19361

Traurede fรผr Hilde und Albrecht Schรถnherr, gehalten am 15. 4. 1936 in der Kirche zu Falkensee durch Pastor D. Bonhoeffer.

โ€žSeid allezeit frรถhlich. Betet ohne UnterlaรŸ. Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euchโ€œ I. Thess 5,16โ€“18.

Dies sei unsere Bitte fรผr euch und daรŸ ihr gehorsam zu diesem Willen โ€žJaโ€œ sagen wollt.
Ihr wollt jetzt auf eigenen FรผรŸen wandeln. Ihr wiรŸt, es bleibt heute ja alles ungewiรŸ in der Zukunft und am morgigen Tag; aber es muรŸ und soll ganz gewiรŸ sein, daรŸ wir uns in einem solchen Augenblick eins wissen mit dem Willen Gottes an uns. Das genรผgt uns, und das hilft uns durch alles Ungewisse hindurch.
Also mit dem Willen Gottes jetzt euch eins zu machen, dazu seid ihr hier. Ihr wollt in kurzem sagen, daรŸ ihr fรผreinander leben wollt, euch einander treu sein wollt, bis der Tod euch | scheidet.2 DaรŸ zwei Menschen ihr Leben gemeinsam fรผhren wollen, das geht ja nur, wenn aus zwei Willen โ€žeinerโ€œ wird; das geht nicht so zu, daรŸ wir unseren eigenen suchen oder den des anderen. Die einzige GewiรŸheit, daรŸ euer Wille ein Wille werde, liegt nicht an euch, sondern am Willen Gottes. Die einzige GewiรŸheit fรผr die Festigkeit eurer Ehe liegt nicht bei euch, eurer Liebe, euren Vorsรคtzen, sondern liegt bei Jesus Christus.3 Da ganz allein liegt die GewiรŸheit, da sucht sie! Dort kรถnnt und sollt und werdet ihr eins sein. Und darum mรผssen wir gerade an solchem Tage, wo die Gedanken ganz um persรถnliche Dinge kreisen wollen, mรผssen wir4 euch sagen: โ€žTrachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, dann wird euch solches alles zufallenโ€œ.5 Durch ihn wird euch das andere alles mitgeschenkt werden. Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes!
Und Gott sei Dank, daรŸ er uns seinen Willen nicht verbirgt, sondern offenbar werden lรครŸt. Den Willen Jesu Christi an euch lรครŸt er uns offenbar werden in dem Wort, das ihr zuerst gehรถrt habt: โ€žSeid allezeit frรถhlich โ€ฆโ€œ.
Ihr werdet frรถhlich sein in einer Freude, die ihr einander macht und aneinander habt. Es gibt im Leben nichts, das die Frรถhlichkeit grรถรŸer machen kรถnnte, als mit einem Menschen zusammen zu sein, den man liebt, mit dem man sich eins weiรŸ. Man ist frรถhlich, auch frรถhlich in den รคuรŸeren Sorgen, weil man den anderen hat. Aber es heiรŸt nicht: seid heute frรถhlich und morgen und immer wieder einmal frรถhlich, sondern es heiรŸt: seid alle Zeit frรถhlich. Also nicht nur, wenn ihr sie voneinander nehmen kรถnnt, sondern auch da, wo sie euch einmal versagt wird, wo die รคuรŸeren Schwierigkeiten euch bedrรคngen und bedrรผcken.
Wie kann man das sagen ohne zu รผbertreiben? Man kann es nur sagen und sein, wenn man den ganzen Grund seiner Frรถhlichkeit von Gott, aus seinem Willen hernimmt. Seid allezeit frรถhlich, denn ihr seid von Gott erlรถst, frei geworden von allen Sorgen und ร„ngsten um die Zukunft und frei geworden von euch selbst. Erlรถst seid ihr, und darum seid ihr alle- | zeit frรถhlich, denn nun seid ihr allezeit mit Gott und Gott ist mit euch. WiรŸt, daรŸ ihr erlรถste Menschen seid und seid frรถhlich!
Albrecht, sei ein frรถhlicher Pfarrer! Wer sich eins weiรŸ mit Jesus Christus, weiรŸ, daรŸ er erlรถst ist, und wer darum auch so aussieht, der wird seiner Gemeinde eine groรŸe Hilfe sein.6 Die Menschen werden zu ihm kommen, ihm Last auflegen, die er trage. Also sei allezeit frรถhlich in deinem Amt.
Und dir, liebe Hilde, sage ich dazu: Hilf deinem Mann allezeit, frรถhlich zu sein. Es ist ein Dienst, den du deinem Mann und der Gemeinde tust. Hilf ihm dazu durch dein Gebet und durch deine Treue. Hilf dadurch, daรŸ du dir deine Arbeit, deine Zeit so einteilst, daรŸ du mit ihm frรถhlich sein kannst. Dann werdet ihr verstehen, was Paulus sagt: alles ist euer, ihr aber seid Christi!7
Solche Frรถhlichkeit aber kommt nur durch Gebet ohne UnterlaรŸ. Es ist kein christliches Haus, wo nicht gebetet wird ohne UnterlaรŸ. Du, Albrecht, hast in den letzten Jahren mit viel Mรผhe gelernt, was dies Beten ohne UnterlaรŸ etwa heiรŸen kann,8 und du hast entdeckt, daรŸ es so viel helfen kann, und du wirst es noch mehr entdecken in deinem kรผnftigen Leben. Und du, liebe Hilde, denke daran, daรŸ dein Mann dies heilige Amt fรผhren soll, und daรŸ er das nur recht kann, wenn du ihm hilfst und wenn du Ehrfurcht hast vor diesem Amt und vor diesem Beten ohne UnterlaรŸ.
Betet miteinander jeden Tag, morgens, mittags, abends, um Festigkeit eurer Ehe, um Bestand und um Vergebung eurer Sรผnde. Und vergebt euch alle Tage selbst in diesem Gebet gegenseitig eure Sรผnden. Eine Ehe unter der Vergebung sollt ihr fรผhren, betet miteinander treu darum, und betet fรผreinander.
Dir, liebe Hilde, mรถchte ich noch besonders sagen: Es gibt in der Geschichte manches, wo die Frau Menschen zurรผckgewonnen hat fรผr das Evangelium durch die Fรผrbitte. Und ich | mรถchte es dir ganz besonders ans Herz legen, daรŸ du Fรผrbitte tust fรผr deinen Mann, deine Familie, alle, die in dein Haus kommen und alle, mit denen du in Berรผhrung kommst.9
Und seid dankbar in allen Dingen. Richtig beten kรถnnt ihr nur, wenn ihr dankbar seid in allen Dingen, wenn ihr einmal in der Stunde des Todes sagen kรถnnt wie Chrysostomus โ€žGott sei Dank fรผr alles!โ€œ10 Seid dankbar nicht nur fรผr euer Glรผck, sondern auch fรผr alles Rรคtselhafte in eurem Leben, fรผr Krankheit, Leiden und Verfolgung um des Evangeliums willen. Seid dankbar in allen Dingen! Seid es heute fรผr all das, was ihr bis zu dieser Stunde empfangen habt. Seid dankbar, daรŸ ihr einander habt. Und vor allem seid dankbar, daรŸ ihr das Wort und den Willen Gottes noch habt bis ans Ende. Seid dankbar, daรŸ Ihr einmal am Ende eures Lebens frรถhlich sagen kรถnnt: Ja, Gott sei Dank fรผr alles!
Und nun geht hin in groรŸer Freude und GewiรŸheit, eins geworden, die Augen erhoben zum Kreuz Jesu Christi, allezeit frรถhlich, ohne UnterlaรŸ betend. Amen.

13. BIBELARBEIT ZU ESRA UND NEHEMIA: WIEDERAUFBAU JERUSALEMS. FINKENWALDE, 21. 4. 19361

Der Wiederaufbau Jerusalems nach Esra und Nehemia

I. Die Erweckung

Die Gerichte Gottes รผber sein Volk2 kann nur Er selbst wieder wenden. Es bleibt dem zerstรถrten Jerusalem3 nichts als die Zuversicht, Gott werde sich nach seiner VerheiรŸung wieder zu seinem Volk kehren, sonst garnichts. Auflehnung gegen das Gericht Gottes wรคre es, wenn hier einer von sich aus, ungerufen und unbeauftragt daran ginge, die zerstรถrte Kirche wiederaufzubauen. Und geschehe es mit noch so frommem4 Willen, mit noch so reiner Lehre, mit noch so groรŸer seelsorgerlicher Liebe zum Volk. So handelt vorwitziges โ€žfrommes Fleischโ€œ, aber nicht der Glaube der Gemeinde Gottes. Sie wartet und beugt sich dem Gericht, bis Gott selbst wiederkommt, und sie betet um5 Erweckung. Aus der Erweckung durch den Geist Gottes kommt Erneuerung der Kirche. Niemals durch Restauration, niemals durch eigenmรคchtiges Aufhebenwollen der Gerichte Gottes. Nur durch seine Gerichte hindurch, nicht aber an ihnen vorbei kommt Gott wieder zu seiner Gemeinde. Die Erwekkung fรผhrt aus dem Gericht in die Gnade. Darum ist das Gebet um die Erweckung der Anfang einer echten Erneuerung der Kirche. |
Jerusalem ist zerstรถrt. Der Tempel Gottes in seinem Allerheiligsten6 geschรคndet, die Priester gefangen und7 aus der Stadt gewiesen, die Mauern der Stadt sind niedergerissen, sodaรŸ es keinen Schutz gegen irgendeinen Feind mehr gibt. Wehrlos ist die Kirche jedem Angriff preisgegeben. Fremde Mรคchte, fremde Herren, fremde Gรถtter sind in Jerusalem eingezogen. Die Gemeinde Gottes ist vom Gericht und Zorn Gottes getroffen in die Gefangenschaft heidnischer Gewalthaber geraten. Als Fremdling muรŸ das Volk Israel unter den Gottlosen wohnen. Und wer darf sich wundern und entrรผsten, wenn bei einer jahrzehntelangen Dauer heidnischer Gewalt- und Fremdherrschaft viele mรผde und mรผrbe werden, wenn ihnen8 trotz aller Bedrรผckung und Schmach das ohnmรคchtige Dahinvegetieren in relativer Sicherheit unter dem Schutz des fremden Kรถnigs9 lieber geworden ist als die verรถdete friedlose Stadt Gottes, der nur Eines geblieben ist: die VerheiรŸung. Wohl sang man durch all die 50 Jahre hindurch10 Lieder der Sehnsucht nach Jerusalem,11 Lieder des Zornes รผber die gottlosen Gewalthaber. Wohl erwartete man mit Zittern und Freude den Tag, an dem Gottes Gericht auf Babylon fallen und Israel frei sein wรผrde. Aber es war doch nur ein Teil der Exulanten, der so an der VerheiรŸung blieb. Niemals hรคtte ein eigenmรคchtiger Aufstand zum Ziel gefรผhrt. Hier muรŸte im Gehorsam gewartet werden auf den Ruf Gottes. Und nach langem Warten und Beten ruft Gott. Sein Ruf kommt in hรถchst seltsamer Weise; es ist ein doppelter Ruf. Gott erweckt den Geist des Cyrus im ersten Jahr seiner Regierung (Esr 1,1), ihm einen Tempel zu bauen in Jerusalem und das Volk Israel freizulassen. Und Gott erweckt den Geist von 42360 (Esr 2,64) Gliedern der gefangenen Gemeinde zur Rรผckkehr nach Jerusalem und zum Tempelbau (Esr 1,5). Was ist diese Erweckung des Cyrus? Cyrus kommt nicht zum Glauben, er wird nicht Jude. Er will dem Gott Israels neben an- | dern Gรถttern auch die Ehre geben. Es sind heidnische Gedanken, die ihn dahin fรผhren. Aber es ist Erweckung durch Gott, der die heidnischen Gedanken des politischen Machthabers benutzt, um seiner Kirche Raum zu schaffen. Cyrus begreift zwar nicht, was es um die Kirche, um das Volk Gottes ist, obwohl er selbst der Meinung gewesen sein mag, es zu wissen. Aber er gibt ihr Raum. Das ist genug. Er muรŸ ihr dienen, wie Nebukadnezar einst dienen muรŸte als Zuchtrute zur Vollstreckung des Gerichts an Israel12. Die Erweckung der Obrigkeiten der Welt dient allein dazu, daรŸ das Volk Gottes in Freiheit โ€žseinemโ€œ (1,3) Gott dienen kรถnne, in der Weise die Gott gefรคllt. Wieweit die Obrigkeit selbst begreift, was sie damit tut, ist nicht unbedingt wesentlich. Sie soll der Gemeinde Raum geben, daรŸ sie โ€žein ruhiges und stilles Leben fรผhre in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeitโ€œ (1 Tim 2[,2]). Das ist alles.
Die Erweckung des Volkes Israel ist13 echte Erweckung des Glaubens aufgrund gegebener VerheiรŸungen Gottes. Nicht Volksbewegung, nicht jรผdische14 โ€žGlaubensbewegungโ€œ, nicht Schwarmgeisterei, sondern โ€žErneuerungโ€œ15 der Kirche Gottes im strengen Sinn des Wortes, die zum Wiederaufbau Jerusalems fรผhrt, Erweckung aufgrund von VerheiรŸung. DaรŸ es sich nicht um Mรคchte von unten, sondern um die Macht von oben handelt, geht auch daraus hervor, daรŸ ein Teil des Volkes nicht mitzieht, daรŸ vielmehr erst nach und nach in weiteren kleineren Gruppen die Rรผckkehr nach Jerusalem erfolgt. Die Zahl der Erweckten wird ausdrรผcklich angegeben. Sie ist immerhin so klein, daรŸ die einzelnen Stรคmme und Familien angegeben16 werden kรถnnen (2,1 ff[โ€“61]). Diese Namen sollen der Erinnerung der Gemeinde aufbewahrt werden.
Die Schar der Erweckten hatte der Geist Gottes gemacht โ€žwie einen Mannโ€œ (2,64), ein Ausdruck, der sich im Folgenden wiederholt zum Zeichen dessen, daรŸ es der Eine Geist war, der sie leitete (3,1 3,9). Im Blick auf die VerheiรŸung Gottes waren alle Unterschiede abgetan, aus dem zerfallenen | Volk Gottes war Ein Mann geworden, wie die Gemeinde aller Zeiten Einer ist in Christus (Gal 3,28).
Weil es Erweckung war, darum gab es hier keinen Zwang, auch keine Mitlรคufer, sondern es war alles auf Freiwilligkeit gestellt, Freiwilligkeit, die durch den Geist Gottes gewirkt ist. Es war ja auch durchaus keine einleuchtende Sache. Konnte das alles nicht eine List des Cyrus sein? Meinte es Cyrus ehrlich mit den Juden? War es nicht รผberaus gefรคhrlich den Auszug zu wagen, all die Mรผhe auf sich zu nehmen, um nachher an ein Trรผmmerfeld zu kommen?17 Wer solche Zweifel und รœberlegungen noch hatte, muรŸte zurรผckbleiben, er gehรถrte nicht zu den Erweckten. Wie sollte er auch die Anfechtungen und Nรถte bestehen, die ihm auf dem Weg bevorstanden?18 Als viel spรคter Artaxerxes wohl bereit gewesen wรคre, dem Esra ein Geleit zu stellen, das der Gemeinde Gottes unter dem Schutz der politischen Macht auch ihren Heimzug gewรคhren sollte,19 da โ€žschรคmete ich mich, vom Kรถnig Geleit und Reiter zu fordern, uns wider die Feinde zu helfen auf dem Wege. Denn wir hatten dem Kรถnige gesagt: Die Hand unseres Gottes ist zum Besten รผber allen, die ihn suchen und seine Stรคrke und Zorn ist รผber alle, die ihn verlassenโ€œ (8,22). Und es wรคre ja ein Verlassen Gottes20 gewesen, hรคtte man fremde Hilfe begehrt. Die Gemeinde Gottes geht ihren Weg allein. Allein โ€“ in freiem Gehorsam gegen den Gott, der sie auf den Weg ruft. Solcher Gehorsam hat die VerheiรŸung, besser: solchen Gehorsam schafft sich allein die VerheiรŸung. โ€žUnd die Hand unsers Gottes war รผber uns und errettete uns von der Hand der Feinde und derer, die auf uns hielten auf dem Wege und wir kamen gen Jerusalemโ€œ (8,31 f).
Aber nicht nur der Auszug, sondern schlechthin alles muรŸte hier auf die Freiwilligkeit der Gemeinde gestellt sein. Das Wort โ€žfreiwilligโ€œ spielt hier in den Berichten eine besondere Rolle. Die Tatsache, daรŸ eine Gemeinde bereit ist, den ihr von Gott verordneten Weg zu gehen, macht auch die, die nicht mitziehen, hilfsbereit und gebefreudig. Dort wo der | Geist eine Gemeinde bewegt, dort gibt es auรŸer dem HaรŸ der Feinde durch die Freundlichkeit [Gottes] auch immer die Sphรคre der Sympathie, sodaรŸ die Gemeinde โ€žGnade hatte bei dem ganzen Volkโ€œ Akt 2,47.21 Mit freiwilligen Gaben helfen sie der Gemeinde (1,6). In Jerusalem angelangt, kann der Bau des Hauses Gottes abermals nur durch groรŸe freiwillige Opfer der Gemeinde begonnen werden (2,68 f). Die Zahl der Opfer hรคlt sich auch nicht รคngstlich an den Rahmen des Gebotenen, sondern sie geht darรผber hinaus durch allerlei โ€žfreiwillige Opfer, die sie freiwillig tatenโ€œ (3,5). Freiwillig nimmt auch die Gemeinde die Trennung von den heidnischen Weibern auf sich ([Kapitel] 10), freiwillig gehen die Obersten an den Mauerbau (Neh. 2,18), freiwillig erlassen die Reichen den Armen ihre drรผckenden Schulden (Neh 5,10 ff[โ€“12]). Nirgends wird drรผckender Zwang aufgerichtet, sondern das Gebot Gottes schafft sich รผberall freiwilligen und freudigen Gehorsam. Das alles ist nur mรถglich, wo der Geist Gottes selbst die Gemeinde erweckt hat, wo die Einzelnen bei ihrem Namen gerufen sind von ihrem Gott โ€“ darum die langen und zahlreichen Namenregister in diesen Bรผchern22, denen die Listen in der Alten Kirche entsprechen, in die sich die Integrierten einzutragen hatten,23 โ€“ wo es โ€žherausgerufeneโ€œ Gemeinde, ecclesia24 im eigentlichen Sinn des Wortes ist. Nur eine solche Gemeinde kann Jerusalem wieder aufbauen.

II. Der Aufbau

Echte Erweckung gibt es25 nur aufgrund von gewisser VerheiรŸung. Jeder Schritt, der nicht allein durch Glauben an die VerheiรŸung, sondern auch noch durch allerlei eigne Plรคne bestimmt ist, gefรคhrdet das ganze Werk. Die VerheiรŸung aber ist gewiรŸ. Nicht in planlose Schwรคrmerei, sondern in zielbewuรŸten Gehorsam gegen die VerheiรŸung Gottes fรผhrt die Erwekkung. Sie ruht auf der Stadt J erusalem und ih- | rem Tempel. Sie ist dem Kรถnig David gegeben in Ewigkeit. Sein Same soll den Tempel bauen.26 Salomo wurde der Erbauer des ersten Tempels, der zerbrach, der Davidide Serubabel muรŸ es sein, der den Tempel zum zweiten Mal baut. Er baut ihn in der Kraft des Christus, dem in David die VerheiรŸung gilt. Serubabel empfรคngt von Cyrus die Gerรคte des Tempels zurรผck (Esra 1,8). Serubabel ist der erste in der langen Reihe der Auswanderer, die aufgezรคhlt werden (2,2). DaรŸ sein Name an der Spitze steht, besagt, daรŸ dieser Auszug zum Bau des Tempels auf VerheiรŸung hin geschieht. In diesen Namen war der Name Christi enthalten. Neben dem kรถniglichen Namen steht der Name Jesuas27, der der Hohepriester der Gemeinde wurde (2,2 cf. 3,2 3,8 4,3 5,2).
Ihr erstes Werk ist die Errichtung eines Altars in Jerusalem zur Zeit des Laubhรผttenfestes (Esra 3,1 ff[โ€“4]). Noch war der Grund des Tempels nicht gelegt (3,6), aber der Ort der Anbetung und der Verkรผndigung ist wiedergewonnen und in Beschlag gelegt. Man fรคngt mit dem an, was einem geblieben ist und das ist der Ort, an dem es Gott gefallen hatte zu wohnen, um sich von seinem Volk28 finden und anbeten zu lassen. Es ist eine โ€žNotkircheโ€œ, dieser Altar, aber eine Kirche unter der VerheiรŸung. Die Feier des Laubhรผttenfestes war in diesem Zeitpunkt besonders bedeutungsvoll. Eingesetzt zur Erinnerung an die Hรผtten, in denen Israel wohnte, als es zum ersten Mal aus der Knechtschaft in ร„gypten gefรผhrt wurde (Lev 23,43), konnte nun die Gemeinde Gott รผber ihren eigenen Auszug aus der Knechtschaft in Babylon preisen und die unendliche Treue Gottes anbeten.
Erst im zweiten Jahr nach der Ankunft kann der Bau des Tempels beginnen (3,8). Die Gemeinde muรŸte Geduld lernen. Die Kirche muรŸ auch in aufregendsten Zeiten warten lernen!29 Zur Grundsteinlegung ist Serubabel und Jesua und mit ihnen das ganze Volk der Gefangenschaft versammelt und unter jubelnden Dankchรถren und Psalmen Davids sieht das Volk auf den Trรผmmern der Burg Zion30 den Grund zum | neuen Tempel gelegt. Zu dem Jauchzen des jungen Volkes aber gesellt sich das laute Weinen der alten Priester, โ€ždie das vorige Haus gesehen hattenโ€œ (3,12). Die Erinnerung an seine Herrlichkeit und seine schmรคhliche Verwรผstung รผbermannte sie. So muรŸte die Gรผte Gottes sich schรคnden lassen in der Welt, so durften die Feinde Triumphe feiern รผber den allmรคchtigen Gott, so muรŸte Gott selbst das Volk seiner Gnade richten. Und aus dem Weinen der Alten, in dem sich ihre groรŸe Liebe zum Hause Gottes offenbarte, wuchs wiederum das hoffnungsvolle Jauchzen der Jungen umso mรคchtiger, โ€žalso, daรŸ das Volk nicht unterscheiden konnte das Jauchzen mit Freuden und das laute Weinen im Volk, denn das Volk jauchzte laut, daรŸ man das Geschrei ferne hรถrteโ€œ (3,13). Aber Jauchzen und Weinen waren ja eins in dem Dank, โ€ždaรŸ der Herr gรผtig ist und seine Barmherzigkeit ewig wรคhrt รผber Israelโ€œ (3,11). Im Glauben war man ausgezogen, im Glauben hatte man das Werk des Wiederaufbaus begonnen, und an Serubabel, dem Sohn Davids, wurde die VerheiรŸung Gottes wahr.

III. Die Feinde

Das erste Gelingen macht die Umwelt aufmerksam. Die totgeglaubte Kirche ist wieder lebendig geworden. Sie ist wieder ein nicht mehr zu รผbersehender Faktor des รถffentlichen Lebens. Es gibt nun zwei Wege fรผr den, dem dieses Geschehen aus irgendwelchen Grรผnden unerwรผnscht ist. Erster Weg:31 man macht sich diesen Faktor zunutze fรผr die eignen Zwecke. Gelingt das nicht, so geht man zum offenen Angriff รผber. Es ist zunรคchst immer das Klรผgere, den schwierigen Gegner fรผr sich zu gewinnen. Da mรผssen Konzessionen gemacht werden, oft weitgehende. Die Feinde der Kirche mรผssen sich dazu hergeben, ihre Mithilfe am Aufbau der Kirche anzubieten: LaรŸt uns zu gleichen Teilen die Arbeit รผbernehmen, Mรคnner der | politischen Macht32 und Mรคnner der Kirche, laรŸt uns doch zusammen bauen!33 es ist ja unser eigenstes Anliegen, auch wir wollen ja Kirche, wir erkennen ihre Notwendigkeit, wir haben ja denselben Gott wie ihr. LaรŸt uns zusammen bauen (4,1 f). Eine รผberaus schwierige Situation: Hier ist das Angebot der politischen Mรคchte an die Kirche. Hier ist nicht nur Schutz des eigenen Unternehmens, hier ist auch eine offene Tรผr, die doch nicht ins SchloรŸ fallen darf. Hier sind Ansatzpunkte. GewiรŸ, die Motive die zu diesem Angebot fรผhren[,] mรถgen34 nicht ganz rein, nicht ganz uneigennรผtzig sein. Aber kann man denn von den politischen Mรคchten etwas anderes erwarten? ist es nicht schon etwas ungeheures35, wenn auf dem politischen Programm der Glaube der Kirche auch genannt ist?36 Dรผrfen wir die ausgestreckte Hand ausschlagen? Geht es hier nicht einfach darum Vertrauen zu haben, und kann auf solches Angebot hin nicht wirklich Vertrauen von uns erwartet und gefordert werden? Und man denke nur einen Augenblick, man schlรผge das Angebot aus, man bliebe miรŸtrauisch, in der Reserve! Welche unabsehbaren Folgen? wer will sie tragen? wer will sie auf sein37 Gewissen nehmen? Gehรถrt es nicht zum Wesen der Kirche, daรŸ sie immer das Beste denkt und erwartet? Wรคre es nicht eine Pharisรคerkirche, die ein solches Angebot abschlรผge, die fรผr sich selbst sein will38? Ist das nicht Sektiererei, fรผhrt das nicht zur Winkelkirche? Ist damit nicht der ganze Anspruch auf Offentlichkeitsgeltung der Kirche39 aufgegeben? Also, welcher Verantwรถrtliche, welcher Mann, der die Kosten รผberschlรคgt, bevor er einen Turm baut,40 welcher Jรผnger, der um die uns gebotene Schlangenklugheit41 weiรŸ, wollte hier โ€žNeinโ€œ sagen?
Und doch โ€“ die Antwort des Serubabel ist ein klares โ€žNeinโ€œ. Es โ€žgeziemt uns nicht, mit euch zusammen unserem Gott ein Haus zu bauen, sondern wir allein wollen Jahwe, dem Gott | Israels, bauenโ€œ (4,3).42 Diese Antwort ist nicht Willkรผr, nicht รœbermut, sondern die Gemeinde ist nicht frei anders zu antworten.43 Es [ist] nicht ins Belieben der Gemeinde gestellt, Mitarbeiter am Bau der Kirche zu dingen oder anzunehmen nach eigenem Gutdรผnken.44 So verlockend und erfolgversprechend es aussehen mag, einen aufbauwilligen AusschuรŸ von Mรคnnern aller Richtungen aufzustellen,45 so gewiรŸ ist jede solcher Verlockungen fรผr die Kirche eine tรถdliche Versuchung, von dem ihr gebotenen Weg abzugehen. Es kommt ja bei allem nur auf eines an, daรŸ Gott seine Kirche baue und wie soll Er sie bauen, wenn die Wahrheit des Einen Glaubens46 verleugnet wird. Nur im Glauben kann die Kirche gebaut werden, nur auf die VerheiรŸung hin.47 Da gelten keine Beteuerungen, man sei auch glรคubig, positiv, christlich, โ€“ da gilt allein die Wahrheit, die die Beteuerungen Lรผgen straft, also โ€“ das Angebot wird abgeschlagen. Es wird der Weg der VerheiรŸung48 gegangen und nicht der Berechnung.
Kaum ist das Nein gesprochen, da fรคllt die Maske des Partners. Ist der geistliche Weg fehlgeschlagen, so muรŸ der politische Weg49 zum Ziele fรผhren. Politische Diffamierung, Denunziationen mรผssen dazu dienen. Das Entscheidende und Einfachste ist, man schreit Hochverrat. Dies Wort hat erstens einen durchdringenden Klang, man hรถrt hin, es klingt zweitens sehr patriotisch, und man ist drittens gewiรŸ die Sympathien der Obrigkeit fรผr sich zu gewinnen. Also, der Tempelbau ist Hochverrat gegen den persischen Kรถnig. Man will ja damit nur eine politische Machtposition gewinnen, man will die politische Autoritรคt untergraben und das Ende wird sein, daรŸ ein Staat im Staat entsteht, dessen sich der Kรถnig nicht mehr erwehren kann. Darum, principiis obsta50 โ€“ der Neubau der Kirche ist Hochverrat, der Kรถnig soll ihn verbieten. So der Inhalt der Briefe der Widersacher an den Kรถnig Artaxerxes (4,7 ff[โ€“16]). Der Kรถnig, der selbst Heide und weitab von den Vorgรคngen, mit vielerlei anderen politischen Dingen beschรคftigt, | kein eigenes Urteil in diesen Fragen haben kann, leiht sein Ohr den Denunzianten und verbietet den Tempelbau (4,17 ff[โ€“22]). Darauf ruht die Arbeit fรผr einige Zeit durch Gewalt (4,23).51
Als Nehemia viel spรคter mit Genehmigung seines Kรถnigs an den Aufbau der Mauer von Jerusalem geht, stellt sich auch ihm der Feind in den Weg. Als er die Juden ans Werk gehen sieht, versucht er es zunรคchst mit dem Spott, aber auch hier sogleich verbunden mit der politischen Verdรคchtigung: โ€žihr wollt euch wohl gegen den Kรถnig empรถren!โ€œ (Neh. 2,19) und dann: โ€žWollen sie die verbrannten Steine aus den Schutthaufen wieder lebendig machen?โ€œ (Neh. 3,34) Die Antwort des Nehemia auf diesen Spott heiรŸt: โ€žAber wir bauten die Mauer.โ€œ52 Auf dies Gerede antwortet die Gemeinde mit der Tat. Nun steht die Mauer da, der Anfang ist gemacht. Der Spott verschlรคgt nicht angesichts der vollzogenen Tatsache. Als der Feind das merkt, geht er zum Angriff รผber. Er will Verwirrung stiften in Jerusalem (4,2). โ€žSie sollen nichts merken und nichts sehen, bis wir mitten unter sie eindringen und sie totschlagen und so der Arbeit ein Ende machenโ€œ (4,5). Also frontal kรถnnen sie den Angriff nicht wagen. Sie mรผssen53 sich tarnen, damit sie nicht erkannt werden. Wรถlfe in Schafspelzen,54 Feinde der Gemeinde im Gewand der Frommen, der Satan in der Lichtgestalt des Engels55 โ€“ das ist jetzt die Gefahr. Hier muรŸ die Gemeinde offene Augen und wachsame Wรคchter haben. In der Stunde solcher Gefahr spricht die Gemeinde: โ€žDie Kraft der Trรคger ist zu schwach und des Schuttes ist zu viel. Wir kรถnnen an der Mauer nicht bauenโ€œ (4,4). Das ist eine groรŸe Anfechtung und Versuchung. Und Nehemia vermag die Gefahr der Stunde, die er erkennt, nur zu bannen, indem er die Gemeinde aufruft, nicht auf sich zu sehen, sondern auf den โ€žgroรŸen, schrecklichen Herrnโ€œ und ihn zu fรผrchten, und auf die Brรผder, Sรถhne, Tรถchter und Frauen, fรผr die ja der ganze Streit ausgefochten wird (4,8). Euer Kampf ist ja nicht in eigener Sache, sondern in ihm wird | entschieden รผber Generationen, Kinder und Kindeskinder. Das muรŸ euch neuen Mut zum Durchhalten geben. Und sie โ€žkehrten allesamt wieder um zur Mauer, ein jeder zu seiner Arbeit.โ€œ (4,9) Und der Plan der Feinde war vereitelt. Dies alles aber ist der Kirche Christi zur wichtigen Erinnerung und Warnung geschrieben bis zum heutigen Tag.
Auch beim Tempelbau mรผssen schlieรŸlich alle feindlichen Versuche das Werk zu hindern, fehlschlagen. Es treten Propheten auf, Haggai und Sacharja (Esra 5,1 ff[โ€“5]), und auf ihr Wort hin machen sich abermals Serubabel und Jesua auf, den Tempel wieder aufzubauen. Dies Wort Gottes war stรคrker als alle politischen Verbote und rief unverzรผglich zur Tat. Man hatte eine Zeitlang geduldig gewartet. Nun, da Gott sich wieder hรถren lieรŸ, gab es kein Warten mehr. Sofort erfolgt wieder eine namentliche Denunziation beim Kรถnig, die aber nichts mehr ausrichtet ([Esra Kapitel] 5 und 6), im Gegenteil dazu fรผhrt, daรŸ der Kรถnig den Bau ausdrรผcklich unter seinen Schutz stellt. Und das Wort, das Nehemia zur Vollendung des Mauerbaus schreibt, mag auch รผber den Tempelbau gesagt sein: und das Werk war fertig. โ€žAls unsere Feinde das hรถrten, da fรผrchteten sich alle Heiden, die um uns waren, und zitterten, muรŸten sich schรคmen,56 denn sie erkannten, daรŸ dies Werk von Gott war.โ€œ (Neh. 6,15 [f]) DaรŸ am Ende auch die Feinde sich schรคmen mรผssen ihres Unglaubens und erkennen, daรŸ dies Werk von Gott war57, das ist eine groรŸe VerheiรŸung. Es ist aber auch ein groรŸer Trost, daรŸ auch unsere Widersacher einmal zur Erkenntnis kommen mรผssen, daรŸ die Kirche Gottes Werk ist. Die Tempelweihe wird mit ungeheurem Aufwand gefeiert โ€žmit groรŸer Freudeโ€œ (Esra 6,1558). Priester und Leviten empfangen ihren Ehrendienst am Tempel und das Passahmahl vereinigt die Kinder der Gefangenschaft mit allen glรคubigen Juden zu einer groรŸen Gemeinde (6,21 f). |

IV. Die Reinigung der Gemeinde

Da die Chronologie hier gรคnzlich unsicher ist, gehen wir der Sache nach voran. Der Tempel ist gebaut. Die Gemeinde gesammelt. โ€žDie gnรคdige Hand Gottes war รผber den Kindern der Gefangenschaft gewesenโ€œ, wie Nehemia unermรผdlich wiederholt. Nun galt es, mit ganzem Ernst an den Gemeindeaufbau zu gehen. Da lag noch alles sehr im Argen. Noch war vieles von den รœbelstรคnden, die das Gericht Gottes รผber seine Kirche herbeigefรผhrt hatten, unbehoben. Und es bestand die59 Gefahr, diese jetzt angesichts der neuen Wendung nicht mehr abzustellen, und dadurch erneut den Zorn Gottes รผber die Gemeinde zu bringen. Es war der Auftrag des Esra, des Schriftgelehrten, hier den Weg zu weisen. Der Weg des Gemeindeaufbaus ist der Weg zurรผck zur Schrift. Der Ungehorsam60 Jerusalems gegen die Schrift, gegen das Gesetz Gottes, war die Ursache des Zusammenbruches und Zerfallens.61 Weil man allerlei eigene und neue Wege gehen wollte, verlieรŸ man den Weg der VerheiรŸung. Aber das angebotene und nicht aufgenommene Wort Gottes, wendet sich gegen den, dem es zur Gnade gegeben war. Das hat die Gemeinde der Gefangenschaft erkannt.62 Zurรผck unter die Schrift, unter das Schriftwort allein, zum einfรคltigen Gehorsam gegen das Wort Gottes โ€“ so allein durfte die neue Gemeinde vor ihrem Gott stehen.63 Die politische Macht und Freiheit war verloren, das verlockende Spiel mit Bรผndnissen aller Art64 war vorbei, Jerusalem stand jetzt unter der politischen Oberhoheit des persischen Kรถnigs, es war steuerpflichtig65 und empfing dafรผr den kรถniglichen Schutz. Der Glanz der alten Zeiten war vorรผber. Jerusalem war eine kleine, arme, unansehnliche Gemeinde geworden. Es gereichte keinem zum Vorteil sich zu ihr zu zรคhlen. Aber diese Gemeinde der Erweckten, der Freiwilligen, wurde eine Gemeinde unter dem Wort, unter dem Gesetz. Das war ihr einziger und ganzer Ruhm. Man hatte die Lust verloren, noch eigenmรคchtige Wege zu gehen. Nun wollte man nur noch gehorchen, sich auf das Wort und Gesetz Gottes verlassen und ihm alles andere anheimstellen. Das Wort war genug.
Das Volk wird versammelt; Esra, der Schriftgelehrte, der der Gemeinde von Gott geschenkt war, wird aufgefordert, | das Gesetz des Mose zu bringen und vorzulesen (Neh 8,1 ff). Als Esra das Buch รถffnet, steht das ganze Volk auf. Den Lobpreis des Esra auf die Gรผte Gottes, der seinem Volk dieses Buch gegeben hat, beantwortet die Gemeinde mit einem: Amen, Amen. Nun folgt die Verlesung und unter dem Eindruck des Wortes bricht das Volk in Weinen aus (8,8 f). Die Erkenntnis ihres Abfallens vom Gesetz รผberwรคltigt sie. Das Gesetz tut sein Werk und treibt die Gemeinde in die BuรŸe, in die Sรผndenerkenntnis. Also, kein Stolz รผber das Erreichte, kein Selbstruhm der Gemeinde รผber die ihr geschenkte Wendung der Dinge, sondern BuรŸe und Sรผndenerkenntnis unter dem Wort stehen am Anfang des Neubaus der Gemeinde. โ€žGedenke wovon du gefallen bist und tue BuรŸe und tue die ersten Werkeโ€œ ([Apk] 2,5) โ€“ unter diesem Wort steht die neugewordene Gemeinde. Und in der BuรŸe trifft sie nun das Wort des Esra: [โ€ž]Dieser Tag ist heilig dem Herrn, eurem Gott; darum seid nicht traurig und weint nicht. [โ€ฆ] Gehet hin, esset und trinket und sendet denen, die nichts fรผr sich bereitet haben โ€ฆ, denn die Freude am Herrn ist eure Stรคrke. Und die Leviten stillten alles Volk und sprachen: seid still, denn der Tag ist heilig. Bekรผmmert euch nicht! Und alles Volk ging hin โ€ฆ daรŸ es eine groรŸe Freude machte, denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen hatte kundgetanโ€œ (8,9 ff[โ€“12]). โ€žSie hatten die Worte verstandenโ€œ โ€“ als Gottes Wort, das in die BuรŸe und Demรผtigung treibt und das zugleich das groรŸe Freudenwort ist, daรŸ Gott wieder zu seiner Gemeinde gekommen ist. Gott hat sein Wort wieder kundgetan, sein Gesetz ist seine Gnade. Freuet euch am Gesetz des Herrn.66 So vernahm die Gemeinde Gottes aufs neue das Evangelium. So stand sie in der Freude der Rechtfertigung vor ihrem Herrn. Das Wort der Schrift war der Grund, auf dem die Gemeinde sich neu erbaute.
Jetzt wird zum Laubhรผttenfest eingeladen, das mit groรŸem Jubel und Dank gefeiert wird. Dann versammelt sich die Gemeinde noch einmal zum Hรถren des Gesetzes und zur | Neuordnung ihres Lebens. Einen viertel Tag liest Esra aus dem Gesetz, einen viertel Tag lang wรคhrt die Beichte des Volkes, keiner nimmt sich aus, sie stehen alle miteinander unter demselben Wort, demselben Urteil und derselben Gnade. Die Antwort auf das vernommene Wort ist das Bekenntnis der Gemeinde zum Gesetz Gottes. Der Bund Gottes mit seinem Volk wird erneuert und das Volk gelobt Gehorsam. Priester, Leviten, Oberste und das ganze Volk โ€“ โ€žverpflichten sich mit einem Eide, zu wandeln im Gesetz Gottes, das durch Mose, den Knecht Gottes, gegeben ist, daรŸ sie es halten.โ€œ (10,30) Freiwillig รผbernimmt die Gemeinde die Pflicht, fรผr den Tempel zu sorgen, freiwillig wird der Zehnte wieder aufgebracht, aus freien Krรคften der Gemeinde sollen die Gottesdienste getragen werden. Freiwillig unterwirft man sich der Einhaltung des Feiertages, des Sabbath nach dem Gebot Gottes, freiwillig erlassen spรคter die Reichen den Armen ihre Schulden. Woher kam diese Freiwilligkeit, als aus67 der erfahrenen Nรคhe und Barmherzigkeit Gottes in seinem Wort, als aus der Rechtfertigung aus Gnaden allein? Aus der Kraft des Wortes kommt die Kraft des Gehorsams und des Opfers. So steht die Gemeinde rein vor ihrem Herrn.
Und mit der durch das Wort geschaffenen Reinheit ersteht nun auch die Verpflichtung alles abzutun, was noch an Unreinheit in der Gemeinde war, entsteht die Kraft zur Kirchenzucht. Die Gemeinde Gottes darf nicht durch heidnische Elemente verunreinigt werden. So geschieht das ungeheure, daรŸ die Juden, die heidnische Weiber genommen haben, sich freiwillig von ihnen trennen (Neh 10,3168 Esra 10). Das Volk der Juden muรŸ rein sein, weil es Gottes eigenes, erwรคhltes Volk ist. Die Erwรคhlung Gottes allein, kein vรถlkischer, kein rassischer, kein politischer Gedanke, konnte zu diesem beispiellosen69 Opfer verpflichten. Um des Wortes Gottes willen tritt die Scheidung ein, mitten in die Hรคuser greift sie hinein. Aber um des Wortes willen darf sich keiner entziehen. | โ€žUnd des Menschen Feinde werden seine eignen Hausgenossen seinโ€œ (Mt 10,36). Das ist die Hรคrte des einmal vernommenen Wortes Gottes, daรŸ um seinetwillen sich die Menschen von einander scheiden mรผssen70. Wo eine Gemeinde das Wort wahrhaft neu hรถrt, da muรŸ die Scheidung von Glaubenden und Unglรคubigen71 eintreten, da wird die Kirchenzucht โ€“ um der Wahrheit und um der besser verstandenen Barmherzigkeit willen โ€“ Ereignis. Wo die Kraft zur Kirchenzucht fehlt, dort fehlt auch noch die Kraft des Wortes Gottes. Aber freilich โ€“ der Weg ist nicht umkehrbar โ€“ nur aus dem gehรถrten Wort vollzieht sich die Scheidung, niemals aber kann die Scheidung ein Akt sein, um die Gemeinde erst zum Hรถren des Wortes zu bringen.72
Die Kirche Gottes ist Eine damals und heute. Die Wege, die Gott seine Kirche fรผhrt sind immer dieselben, durch Gericht und Strafe und Zerstรถrung hรถrt die Gemeinde neu den Ruf Gottes und seine VerheiรŸung. Wo aber Gottes VerheiรŸung vernommen und ernstgenommen wird, dort wird Kirche, wo eine Gemeinde bereit wird, nichts mehr zu haben als das Wort, dort steht sie vor [Gott] als die Gemeinde der gerechtfertigten Sรผnder. Und zuletzt gilt es:73 โ€žund da alle unsere Feinde das hรถrten, fรผrchteten sich alle Heiden, die um uns her waren und der Mut entfiel ihnen. Denn sie merkten, daรŸ dies Werk von Gott warโ€œ (Neh. 6,15 f74).

14. ANLEITUNG ZUR SCHRIFTMEDITATION. FINKENWALDE, 22. 5. 19361

Anleitung zur tรคglichen Meditation.2

1.) Warum meditiere ich?3

Weil ich Christ bin und weil darum jeder Tag fรผr mich verloren ist, an dem ich nicht tiefer in die Erkenntnis des Wortes Gottes in der heiligen Schrift eingedrungen bin. Nur auf dem festen Grund des Wortes Gottes kann ich gewisse Tritte tun. Ich lerne aber als Christ die heilige Schrift nicht anders kennen als durch das Hรถren der Predigt und die betende Meditation.
Weil ich Prediger des Wortes bin. Ich kann die Schrift nicht andern auslegen, wenn ich sie nicht tรคglich zu mir selbst reden lasse. Ich | werde das Wort in meinem Amt miรŸbrauchen, wenn ich nicht anhalte, es betend zu meditieren. Wenn mir im tรคglichen Amt das Wort oft leer wird, wenn ich es nicht mehr erfahre, dann soll mir das ein untrรผglicher Hinweis darauf sein, daรŸ ich das Wort lange nicht mehr habe zu mir selbst reden lassen. Ich versรผndige mich an meinem Amt, wenn ich nicht selbst tรคglich betend das Wort suche, das mein Herr mir heute sagen will. Den Wortverkรผndigern wird Apostelgeschichte 6,4 besonders das Amt des Gebetes auferlegt. Der Pfarrer4 muรŸ mehr beten als andere und er hat mehr zu beten.
Weil ich eine feste Gebetszucht nรถtig habe. Wir beten gern nach Stimmungen, kurz, lang oder garnicht. Das ist Willkรผr. Das Gebet ist nicht freies Opfer an Gott, sondern schuldiger Dienst, den er fordert. Wir sind nicht frei, damit nach eigenem Wunsch umzugehen. Gebet ist der erste Gottesdienst am Tage. Gott beansprucht fรผr diesen Dienst unsere Zeit (Ps. 119,147 f. 164). Gott hat Zeit gebraucht, ehe er in Christus zum Heil zu uns kam. Er braucht Zeit, ehe er mir zum Heil in mein Herz kommt.5
Weil ich Hilfe brauche gegen die unfromme Hast und Unruhe, die auch gerade meine Arbeit als Pfarrer gefรคhrdet. Nur aus der Ruhe des Wortes Gottes kommt der rechte hingebende Dienst des Tages.6

2.) Was will ich mit der Meditation?7

Wir wollen jedenfalls anders von der Meditation aufstehen als wir uns hinsetzten. Wir wollen ja Christus begegnen in seinem Wort. In der Begierde zu hรถren, was er uns heute durch sein Wort wissen lassen und schenken will, gehen wir an den Text. Begegne am Tage erst ihm, ehe Du anderen Menschen begegnest. Lege jeden Morgen alles, was Dich bewegt, beschรคftigt und bedrรผckt auf ihn, ehe neue Last auf Dich gelegt wird. Frage Dich, was Dich noch hindert, ihm ganz zu folgen, und laรŸ ihn Herr darรผber werden, ehe neue Hindernisse sich in den Weg stellen.
Seine Gemeinschaft, seine Hilfe und seine Weisung fรผr den Tag durch sein Wort, das ist das Ziel. So wirst Du aufs Neue gestรคrkt im Glauben den Tag beginnen.8

3.) Wie meditiere ich?

Es gibt freie und schriftgebundene Meditation. Um der GewiรŸheit | unseres Gebetes willen raten wir zur schriftgebundenen Meditation. Aber auch um der Zucht unserer Gedanken willen. SchlieรŸlich wird auch das Wissen um die Gemeinschaft mit anderen, die den gleichen Text meditieren, uns die Schriftmeditation lieb machen.9
Wie das Wort eines lieben Menschen dir den ganzen Tag lang nachgeht, so soll das Wort der Schrift unaufhรถrlich in dir nachklingen und an dir arbeiten. Wie du das Wort eines lieben Menschen nicht zergliederst, sondern es hinnimmst, wie es dir gesagt ist, so nimm das Wort der Schrift hin und bewege es in deinem Herzen wie Maria tat.10 Das ist alles. Das ist Meditation. Suche nicht neue Gedanken und Zusammenhรคnge im Text wie zur Predigt! Frage nicht: wie sage ich es weiter, sondern: was sagt es mir!11 Dann bewege dieses Wort lange in deinem Herzen, bis es ganz in dich eingeht und Besitz von dir genommen hat.
Es kommt nicht darauf an, jeden Tag den ganzen vorgenommenen Text durchzugehen. Oft werden wir tagelang an einem Wort hรคngen bleiben. Unverstรคndliche Stellen laรŸ ruhig aus und fliehe nicht in die Philologie. Das griechische Neue Testament hat hier nicht seinen Platz, sondern der vertraute Luthertext.12
Wenn die Gedanken beim Meditieren zu nahestehenden Menschen oder zu solchen, um die wir in Sorge sind, gehen, dann verweile dort. Da ist der rechte Ort fรผr die Fรผrbitte. Bete dann nicht Allgemeines, sondern ganz Besonderes fรผr die dir befohlenen Menschen. Vom Schriftwort laรŸ dir sagen, was du erbitten darfst. Wir dรผrfen uns auch zur Hilfe ruhig die Namen der Menschen aufschreiben, derer wir tรคglich gedenken wollen.13 Auch die Fรผrbitte fordert ihre Zeit, wenn sie ernst sein soll. Zu gegebener Zeit achte aber darauf, daรŸ die Fรผrbitte nicht wieder zur Flucht vor dem Wichtigsten wird: der Bitte um das eigene Seelenheil.14
Wir beginnen die Meditation mit dem Gebet um den heiligen Geist. Mit der Bitte um rechte Sammlung fรผr uns und fรผr alle, von denen wir wissen, daรŸ sie auch meditieren. Dann wenden wir uns zum Text.15 SchluรŸ der Meditation wollen wir soweit sein, daรŸ wir aus vollem Herzen ein Dankgebet sagen kรถnnen.
Welchen Text und wie lange denselben Text? Es hat sich bewรคhrt, einen Text von ungefรคhr 10 bis 15 Versen eine Woche lang | zu meditieren. Es ist nicht gut, jeden Tag einen anderen Text zu meditieren, da wir nicht immer in gleicher Aufnahmebereitschaft sind und die Texte meistens viel zu groรŸ sind. Keinesfalls aber nimm deinen Predigttext vom nรคchsten Sonntag. Der gehรถrt in die Predigtmeditation. Es ist eine groรŸe Hilfe, wenn eine Bruderschaft sich allwรถchentlich um denselben Text gesammelt weiรŸ.16
Die Zeit der Meditation liegt morgens vor dem Beginn der Arbeit. Eine halbe Stunde wird die geringste Forderung sein, die eine rechte Meditation an uns stellt. Vรถllige รคuรŸere Ruhe und der Vorsatz, sich durch keinerlei noch so wichtige Dinge ablenken zu lassen, sind selbstverstรคndliche Voraussetzungen.
Eine leider sehr seltene, aber durchaus mรถgliche Betรคtigung christlicher Bruderschaft ist die gelegentliche Meditation zu zweien oder mehreren. Zwischen falscher frommer Redseligkeit und unverbindlicher theologischer Diskussion geht hier ein schmaler Weg.

4.) Wie รผberwinden wir die Nรถte der Meditation?

Wer sich mit groรŸem Ernst der tรคglichen รœbung der Meditation unterzieht, der wird bald in groรŸe Schwierigkeiten geraten. Meditieren und beten will lange und mit Ernst geรผbt sein. Dabei gilt zuerst: Werde nicht ungeduldig mit dir selbst. Verkrampfe dich nicht in Verzweiflung รผber deiner Zerstreutheit. Setz dich aber jeden Tag wieder hin und warte sehr geduldig. Wenn die Gedanken immer wieder fortlaufen, so suche sie nicht krampfhaft zu halten. Es ist kein Schade, sie dann einmal dorthin laufen zu lassen, wohin sie zielen; dann aber nimm den Ort oder den Menschen, zu dem sie gehen, in dein Gebet hinein. So findest du zurรผck zu deinem Text, und die Minuten solchen Abschweifens sind nicht verloren und quรคlen nicht mehr.17
Mannigfaltig sind die Hilfen, die sich jeder fรผr seine besonderen Schwierigkeiten suchen wird: Immer wieder dasselbe Wort lesen, sich die Gedanken niederschreiben, zeitweilig die Verse auswendig lernen (man wird zwar jeden wirklich durchmeditierten Text sowieso auswendig kรถnnen). Dabei lernen wir aber auch bald die Gefahr kennen, daรŸ wir wieder von der Meditation in die Bibelwissenschaft oder sonstwohin fliehen. Hinter allen Nรถten und Ratlosigkeiten steht ja im Grunde unsere groรŸe Gebetsnot; allzulange sind da viele von uns ohne jede Hilfe und Anleitung geblieben. | Dagegen hilft nichts, als die allerersten รœbungen des Gebets und der Meditation treu und geduldig wieder anfangen. Wir wollen uns weiterhin dadurch helfen lassen, daรŸ andere Brรผder auch meditieren, daรŸ allezeit die ganze heilige Kirche im Himmel und auf Erden mitbetet. Das ist ein Trost in der Schwachheit des Gebets. Wenn wir wirklich einmal nicht wissen, was wir beten sollen, und darรผber ganz verzagen, so wissen wir doch, daรŸ uns der heilige Geist vertritt mit unaussprechlichem Seufzen.18
Wir dรผrfen von diesem tรคglichen Umgehen mit der Schrift nicht lassen und mรผssen gleich damit beginnen, wenn wir es noch nicht taten. Denn wir haben das ewige Leben darin.19
(Aus dem Finkenwalder Predigerseminar)

15. TRAUPREDIGT ZU JOHANNES 13,34. MAGDEBURG, 18. 7. 19361

Joh 13,34

[โ€žEin neu Gebot gebe ich euch, daรŸ ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, auf daรŸ auch ihr einander liebhabtโ€œ]

Die Liebe als Gebot Jesu Christi ist etwas anderes als die Liebe, die aus dem menschlichen Herzen kommt. Wir dรผrfen heute auch fรผr diese menschliche Liebe danken. Das ist der Sinn der kirchlichen Trauung, daรŸ euch heute das gรถttliche Ja zu eurer menschlichen Liebe zueinander verkรผndigt | wird. Gott will die Ordnung der Ehe und segnet die Liebe von Mann und Frau zu einander. Das sollen wir nicht verachten oder fรผr eine geringe Sache ansehen. Es ist etwas unbegreiflich GroรŸes, daรŸ der Schรถpfer so zu seinen Geschรถpfen Ja sagt, daรŸ er so in ihren Willen einwilligt. Es ist die Gรผte des Schรถpfers, fรผr die wir danken dรผrfen.
Aber wir wissen auch, daรŸ alles, was aus unserm Herzen kommt unter einem doppelten Fluch steht: es ist unbestรคndig und es ist vergiftet mit Selbstsucht. Dieser Fluch steht auch รผber den grรถรŸten und schรถnsten Wรผnschen und Vorsรคtzen unsers Herzens. Durch Unbestรคndigkeit und Selbstsucht aber wird die Liebe in ihr Gegenteil verkehrt. Sie gerรคt unter die Macht der Sรผnde.
Aus dieser Not lรครŸt Gott uns helfen. Er will, daรŸ unsre Liebe ewig, selbstlos und rein sei. โ€žEin neu Gebot gebe ich euch โ€“โ€œ sagt Jesus: das heiรŸt wer ihn kennt, der fรคngt ein neues Leben mit seinem Nรคchsten an, ein Leben nach dem Gebot Jesu.2 Jesus spricht zu seinen Jรผngern, zu solchen, [die] ihm in ihrem Leben3 folgen wollen. Wie heiรŸt dieses neue Gebot? โ€žDaรŸ ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe.โ€œ Eure Liebe zueinander soll sein wie die Liebe Jesu Christi zu euch. Das ist allerdings etwas neues.
Die Liebe Jesu Christi zu uns โ€“ was ist das? Ist sie uns nur ein Wort oder haben wir sie erfahren. Nur wer sie erfahren hat, kann den andern mit dieser Liebe wiederlieben. Jesu Liebe โ€“ das ist die Liebe4, die aus der Ewigkeit kommt und auf die Ewigkeit zielt. Sie hรคngt nicht an zeitlichen Dingen, sondern sie umfaรŸt uns, weil wir ewig sein sollen. Sie lรครŸt sich durch nichts hindern, sie ist Gottes ewige Treue zu uns. Habt ihr die erfahren? Jesu Liebe โ€“ das ist die Liebe, die keinen Schmerz, keinen Verzicht, kein Leiden scheut, wenn es dem andern hilft. Es ist die Liebe, mit der er uns allein um unsertwillen geliebt hat, dafรผr auf Erden den Spott und HaรŸ der Menschen auf sich geladen hat und am Kreuze starb. Jesu Liebe ist Liebe, die das Kreuz auf sich nimmt. Habt ihr die | erfahren? Jesu Liebe โ€“ das ist die Liebe, die uns gilt, so wie wir sind. Wie eine Mutter ihr Kind liebt so wie es ist und es je mehr liebt, je grรถรŸere Not es ihr bereitet, weil sie weiรŸ, daรŸ es ihre Liebe braucht โ€“ so ist die Liebe Jesu zu uns. Er nimmt uns an, wie wir sind. Jesu Liebe โ€“ das ist die Liebe, die uns alle Sรผnde vergibt; die uns unzรคhligemale verschont mit gerechten Strafen, die unzรคhlige Mal unsere Sรผnde bedeckt und Gnade vor Recht ergehen lรครŸt. Jesu Liebe, โ€“ das ist die Liebe die tรคglich fรผr uns betet und eintritt. Jesu Liebe, das ist die ewige Liebe Gottes des Vaters zu uns. Haben wir sie nicht oft erfahren?
โ€žDaรŸ ihr euch untereinander liebt, gleichwie ich euch geliebt habe, auf daรŸ auch ihr einander lieb habt.โ€œ Wollt ihr eine Ehe mit Jesus Christus als seine Nachfolger fรผhren, so liebt einander mit dieser gรถttlichen Liebe, liebt einander so, daรŸ ihr in Ewigkeit bei Gott miteinander sein kรถnnt ohne einander zu verklagen. Denkt daran, daรŸ eure Gemeinschaft fรผr die Ewigkeit Gottes berufen ist. Liebt einander so, daรŸ einer um des andern willen keinen Verzicht, kein Leiden scheut, wenn nur dem andern damit gedient ist. Nehmt einander auf, wie ihr seid; rechnet euch eure Fehler nicht vor und denkt daran, daรŸ Gott euch annahm, wie ihr wart.5 Liebt einander so, daรŸ ihr euch tรคglich eure Schuld vergebt. Ohne Vergebung kรถnnt ihr nicht als Christen leben (Vaterunser 5. Bitte!). Liebt einander so, daรŸ ihr fรผr einander betet. Liebt einander nicht nur als Mann und Frau, sondern als Christen. So wird eure Gemeinschaft nicht mit dieser Zeit vergehen, sondern in Ewigkeit bleiben. Amen.

 

d) Vierter Kurs. Bruch mit Genf und Arbeit an der โ€žNachfolgeโ€œ
17. Oktober 1936โ€“15. Mรคrz 1937

16. BIBELARBEIT ZU DEN TIMOTHEUSBRIEFEN (MITSCHRIFT). FINKENWALDE, 20. 10. 19361

Der Diener am Hause Gottes

I. Paulus und Timotheus

Wie verhรคlt sich der Glaube der groรŸen Paulusbriefe zu den Pastoralbriefinhalten?2
Paulus redet รผber den Wandel dessen, dem im Hause [Gottes] ein Dienst aufgetragen ist. Er schreibt an den โ€žrechtschaffenen Sohn im Glaubenโ€œ I 1,2. Damit ist klar, dieser Brief steht nicht im Verhรคltnis einer kirchlichen Praxis zur Theorie, sondern Timotheus wird als ein solcher angeredet, der im Glauben mit Paulus eins ist. Timotheus steht im selben Glauben des Paulus, das heiรŸt er steht im Glauben des Rรถmerbriefes. Dieses โ€žim Glaubenโ€œ ist nicht eine vom vollen Gehalt des paulinischen Glaubens gelรถste Floskel. Ist aber Timotheus das โ€žechte Kind im Glaubenโ€œ,3 so heiรŸt das, die ganze Wahrheit des Evangeliums ist vorauszusetzen, die fides quae creditur4. Eben weil sie die Voraussetzung von allem ist, braucht sie nicht explizit dargelegt zu werden. Vielmehr genรผgt der beilรคufige Hinweis in den Pastoralbriefen auf diese Voraussetzung II 2,8. So wird geredet zu einem, der immerdar bei dieser guten Lehre gewesen ist I 4,6.5 Die Pastoralbriefe wollen also verstanden werden auf der Voraussetzung des in den groรŸen Paulinen6 gegebenen Glaubensverstรคndnisses.
โ€žMeinem rechtschaffenen Sohn im Glaubenโ€œ. Es ist ein Unterschied, ob Paulus jemand seinen rechtschaffenen Sohn im Glauben nennt oder ob einer Paulus | seinen geistigen Vater nennt und es doch nicht ist.7 Wer sein echter Sohn ist, das sagt der Vater allein aus.8
Paulus spricht zu Timotheus nicht als zu einem Freund, als zu einem Bruder, auch nicht als zu einem Gegenรผber von Untergebenen und Vorgesetzten, sondern alles, was Paulus an Timotheus schreibt รผber Dienst und Auftrag, das schreibt er als geistlicher Vater zu seinem Sohn.9 Der Vater kennt seinen Sohn. Er braucht darum nicht immer wieder alles zu wiederholen. Er gibt nicht unverbindliche Ratschlรคge, er gibt auch keine Dienstanweisungen. Er spricht in allen Dingen als geistlicher Vater รผber alle Dinge in verbindlicher Autoritat, vรคterlicher Ermahnung und Liebe.10

II. Der Wandel im Hause Gottes

Paulus gibt den Grund seines Schreibens an I 3,14 f: Also โ€ždaรŸ du wissest, wie du wandeln sollst im Hause Gottesโ€œ. Das ist der Zweck des Briefes11. Das soll Leben und Arbeit des Timotheus sein. Es wird ihm in Erinnerung gebracht, daรŸ er nicht etwa dazu da ist, ein berufliches Ideal zu verwirklichen, sondern er ist unter seiner Gemeinde und lebt unter ihr. Sie ist das Haus Gottes12. Er ist also nicht der Prediger vom Sonntag, der Helfer der Armen oder sonst etwas. Es ist nicht die Rede von dieser oder jener Tรคtigkeit seinerseits, nein, es ist von ihm selbst die Rede. Timotheus kann seine Arbeit von sich selbst nicht mehr trennen. รœberall sonst geht das, hier nicht. Das ist eben sein Amt und seine Arbeit, recht wandeln im Hause Gottes. Darin besteht sein Amt. Es gibt auch nicht den Rรผckzug vom Amt in die persรถnliche Privatsphรคre oder umgekehrt.13 Timotheus ist keinen Augenblick Privatperson. Jeder Augenblick ist eben Wandel in der Gemeinde, wรผrdiger oder unwรผrdiger.14 |
Timotheus bedarf dazu der apostolischen Belehrung.15 Wรคre sein Amt allein die Verkรผndigung der Predigt, dann wรผรŸte Timotheus wohl, worum es ginge. Denn lange genug ist er herumgezogen mit Paulus.
Dem Timotheus muรŸ noch einmal gesagt werden, was die Gemeinde sei I 3,15: ฯƒฯ„แฟฆฮปฮฟฯ‚ ฮบฮฑแฝถ แผฮดฯฮฑฮฏฯ‰ฮผฮฑ ฯ„แฟ†ฯ‚ แผ€ฮปฮทฮธฮตฮฏฮฑฯ‚16. Nicht dies steht im Vordergrund, daรŸ Timotheus Trรคger der Wahrheit ist โ€“ gewiรŸ ist er dies auch โ€“ sondern daรŸ die ganze Gemeinde Tragpfeiler ist.17 Diese Wahrheit ist nicht eine Lehre, zu deren Verkรผndigung die Gemeinde gesetzt ist, sondern sie ist das Geheimnis, das Mysterium, das in der ฮตแฝฯƒฮญฮฒฮตฮนฮฑ18 gewahrt wird. Es ist ein Geheimnis, das nicht zur Doktrin aufgelรถst wird, sondern allein in der ฮตแฝฯƒฮญฮฒฮตฮนฮฑ begriffen und angebetet wird; ein Geheimnis, das darum hier auch nicht in einer dogmatischen Formel beschrieben wird, sondern in einem Hymnus.19
Keinerlei groรŸe Dinge werden von Timotheus gefordert, sondern zu dem schlichten Wandel angesichts dieser Wahrheit wird er angehalten.20 Timotheus wird hier nicht der Missionar!21

III. Timotheus

Wer ist Timotheus? Welches Interesse kรถnnen wir an dieser Frage nehmen? Was fรผr ein Mensch ist dieser Diener am Hause Gottes denn gewesen? Was fรผr Gaben und Qualitรคten besaรŸ er? Welche innere Entwicklung hatte er durchgemacht? Welche Voraussetzung bringt er zu diesem Beruf mit? Alle Antworten werden uns versagt: Acta 16,1 f; II 3,15; II 1,5; Acta 16,3. Worin besteht das Eigenartige all dieser Beschreibungen, die wir von Timotheus kennen? Darin, daรŸ sie so gar nicht von innen, sondern gรคnzlich von auรŸen her erfolgen: seine Familie, sein Ruf, seine Erziehung in der Schrift, seine Be- | schneidung. Diese Dinge, deren keines etwas รผber seine innere Geschichte aussagt, genรผgen zur Beschreibung dieses ungewรถhnlichen Mannes. Kein Wort รผber seine besonderen Gaben und seine besondere Geschichte.22 Warum nicht? Weil offenbar nichts von diesem mit dem Dienst am Hause Gottes zu tun hat. Es ist genug, daรŸ er im Glauben steht und daรŸ er nach auรŸen keinen AnstoรŸ gibt.
Das scheint sehr nรผchtern. Also kein Mann der glรคnzenden Beredsamkeit, kein Mann reformatorischer, vorwรคrts drรคngender Geschichte etc.23 All diese Bilder24 stellen den Timotheus ganz in den Schatten. Im Glauben stehen und keinen AnstoรŸ geben! Wir wรผrden sagen, das ist die selbstverstรคndliche Voraussetzung.25 Paulus aber sagt, das ist alles! Paulus scheint andere Ansprรผche an den Diener am Wort gestellt zu haben als wir.26
Dieser Timotheus, der so von auรŸen beschrieben ist, ist der treue Gefรคhrte des Paulus gewesen.27 Im Rรถmerbrief, den beiden Korinthern, im Philipper- und Kolosser- und beiden Thessalonicherbriefen ist er mit unter denen, die grรผรŸen. Paulus nennt ihn Rรถm 16,21 seinen Gehilfen, 1. Kor 4,17 seinen lieben und treuen Sohn, 2. Kor 1,1 seinen Bruder. Er nennt ihn auch Phil 1,1 Knecht Jesu Christi, 1. Thess 328 auch Diener Gottes und Gehilfen am Evangelium; oder 1. Kor 16,10: โ€žEr treibt auch das Werk Gottes gleichwie ich.โ€œ Dieser Timotheus hat neben dem Apostel kein Eigenleben zu fรผhren begehrt. Er hat nichts besonderes neben dem Apostel sein wollen 2. Tim 3,10 f! Timotheus hatte also nicht den Ehrgeiz einer eigenen Lehrbildung, einer eigenen Theologie. Er hatte die apostolische Theologie, das genรผgte ihm. Er beanspruchte auch nicht das Recht der Freiheit einer eigenen Lebensfรผhrung29, sondern wollte leben wie Paulus. Er lebte das apostolische Leben mit Paulus mit. Nicht einmal eigene Plรคne, eigene Ideen hatte er in seinem Dienst gehabt. Er handelte wie Paulus30.
Weil Timotheus so gebunden war an die apostolische Lehre und an das apostolische Leben, darum trennte er sich auch nicht von Paulus im Leiden.31 Er trug es ebenso selbstverstรคndlich und selbstlos, wie es seine Gemeinschaft [mit Paulus] รผberhaupt war.32 Paulus scheint sich hier zu beziehen auf die Ereignisse von Acta 13 und 14. Und offenbar ist Timotheus Zeuge dieser Ereignisse, der Leiden des Paulus gewesen. Das ist sehr bedeutsam. Denn es geht daraus hervor, daรŸ Timotheus von vornherein, schon vor den Reisen wuรŸte, mit wem | er es zu tun hatte, wenn er mit Paulus ging. Er hatte den verfolgten und leidenden Paulus doch gesehen und offenbar hierin nicht den Grund zum AnstoรŸ, sondern den zur Gemeinschaft gefunden.33 Die Gemeinschaft der apostolischen Lehre und des apostolischen Lebens, das war die einzige tragfรคhige Voraussetzung fรผr solchen Dienst34. Der alte Apostel, der spรคter aus dem Gefรคngnis in Rom schreibt, kann sich auf diesen seinen echten Sohn im Glauben verlassen bis zuletzt. Es ist begreiflich, daรŸ der Apostel ihn in seinem letzten Brief nach Rom ruft II 1,4; 4,9 und 21.35 Dieser letzte Ruf des Paulus, der seine Hinrichtung erwartet, ist nur eine andere Beschreibung36 des Timotheus von auรŸen her, die letzte; aber sie sagt mehr als irgendeine andere zu sagen vermรถchte.

IV. Die Berufung und der Auftrag des Timotheus

Timotheus hat seinen Auftrag von Paulus empfangen, soll in Ephesus bleiben, wรคhrend Paulus nach Mazedonien zieht I 1,3. Er soll achthaben auf die Gemeinde als Haushalter.37 Ephesus war die grรถรŸte der kleinasiatischen Gemeinden. Unter Trรคnen verlรครŸt er Paulus II 1,4. Timotheus handelt hier nach apostolischem Befehl. Er nimmt auch diesen Auftrag wie alles andere aus der Hand des Paulus. Die Arbeit ist groรŸ und schwer, und Timotheus ist jung. Dazu Trennung vom Apostel.38
Eine besondere Schwierigkeit fรผr Timotheus besteht darin, daรŸ er in der Gemeinde auf keinerlei Rechtsordnung und Satzung39 stรถรŸt. Alles ist auf seine persรถnliche Bewรคhrung gestellt. Es kommt darauf an, ob er sich als der junge Mann in der jungen Gemeinde geistliche Autoritรคt zu verschaffen weiรŸ. Nirgends kann er sich hinter seiner Person auf sein Amt zurรผckziehen.40
Was befรคhigt den Timotheus so auf sich allein gestellt zu solchem Dienst? Wo sind die Gaben, die er braucht, um Menschen zu gewinnen, zu leiten?41 Hat er die Gabe zu diesem Dienst? Wie soll Timotheus dessen gewiรŸ sein, daรŸ er der rechte Mann fรผr dieses Amt ist? Soll er auf seine Leistung, die er mit Paulus vollbrachte, | zurรผcksehen? All die Fragen42 lรครŸt Paulus dem Timotheus gar nicht zu. Alle Zweifel, die sich einstellen mรถchten an seiner Gabe und Fรคhigkeit, schlรคgt Paulus ab, indem er zu ihm sagt: โ€žErinnere dich, daรŸ du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hรคnde.โ€œ II 1,6.
Von welchen Gaben redet Paulus? Nicht von irgendeiner natรผrlichen Anlage und Begabung, sondern von der Gabe, die durch Auflegen seiner Hรคnde und der ร„ltesten auf Timotheus gekommen ist und nun in ihm wohnt. โ€žEntflamme diese Gabe!โ€œ Paulus gibt dem Diener am Wort keinen falschen Trost, etwa: Sieh auf deine reiche Erfahrung, auf deine Erfolge! Paulus sagt anderes zu dem, der in Zweifel gerรคt. Er sagt: es waren Mรคnner der Gemeinde da, die die Gabe der Weissagung haben, die haben dich fรผr diese Aufgabe ausgesondert. Es war der Apostel Jesu Christi da, der hat dir die Hรคnde aufgelegt und fรผr dich um diese Gabe gebetet. So sei gewiรŸ, Gott hat dich zu dieser Arbeit und zu diesem Amt berufen. Er hat dich ans Werk gestellt. Er wird es dem, den er berufen hat, an keiner Gabe fehlen lassen. Murre nicht, zweifle nicht, sondern erwecke die Gabe, die in dir ist durch Auflegung der Hรคnde, die dir geschenkte Gabe des Geistes fรผr dein Amt! โ€žDenn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furchtโ€œ โ€“ auch nicht den vor unserer eigenen Unbrauchbarkeit โ€“ โ€žsondern der Kraft und der Liebe und der Zuchtโ€œ II 1,7. In dem allem II 1,8: โ€žSchรคme dich des Zeugnisses unseres Herrn nicht!โ€œ Und I 6,13 ff[โ€“21]. Du hast also den Ruf Gottes empfangen; โ€žbewahre das beigelegte Gut durch den Heiligen Geist, der in dir wohntโ€œ II 1,14. Die Gabe ist in ihm dadurch, daรŸ Gottes Wort sie ihm wieder zuspricht. Auf dieses Wort hin ist die Gabe wieder da. Sie ist nicht in uns ruhend, sondern die Gabe ist da, wo das Wort dich trifft und dir sagt, du bist ja zu dieser Aufgabe verordnet. Es ist also der Zuspruch, der hier alles tut, nicht der Zustand.43
Timotheus ist44 gesichert gegen allerlei Widerspruch, den er in seiner Gemeinde hรถren muรŸ; gerade auch gegen solche, die sich um ihrer grรถรŸeren Gaben [willen] รผber ihn erheben wollen; gegen solche, die seine Jugend verachten wollen I 4,12, die sich auf ihre Erfahrungen stรผtzen. Timotheus soll sich nicht unsicher und | zweifelhaft machen lassen an seiner Berufung.45 Die Weissagungen, die Timotheus ins Amt fรผhrten, die fรผhren ihn auch in den Kampf, in dem er sich bewรคhren muรŸ vor Beflekkung, Schรคndung, Entehrung, mit persรถnlichen Mitteln dem Amt die Wรผrde und die Kraft zu rauben. In der Kraft der Ordination, der Handauflegung gilt es fรผr Timotheus, wesentliche Kรคmpfe durchzukรคmpfen. Er soll eine gute Ritterschaft รผben I 1,18. Er kรคmpft damit nicht fรผr sich selbst, sondern fรผr den Bau der Gemeinde, der ihm befohlen ist.
Aber tue alles, indem du Glauben und gutes Gewissen habest I 1,19.46 Es ist fรผr Paulus nicht denkbar, daรŸ einer den Wandel im Hause Gottes recht fรผhren kann, der nicht selbst im Glauben steht und vor Gott ein gutes Gewissen hat. Paulus gibt keinen AnlaรŸ zu dem MiรŸverstรคndnis, daรŸ Timotheus in der Kraft seines Glaubens anderen Glauben wecken kรถnnte. Also nicht an seinem Glauben entzรผndet sich anderer Glaube, nein, es bleibt der Auftrag und das Wort. Aber der Auftrag kann nicht recht erfรผllt werden, wenn nicht Timotheus im Glauben steht.47 Aber Paulus denkt an das ganze Amt, nicht nur an das Predigen. Hier weiรŸ Paulus, daรŸ keiner mit vollem Einsatz predigen kann, der nicht selbst im Glauben lebt oder den sein Gewissen verklagt. Ein solcher wird gelรคhmt in seinem Tun, in seinem Zorn und in seiner Kraft. Ein solcher ist kraftlos48, wenn es in den Kampf geht. Es ist hier deutlich, wie eng Amt und Person zusammenliegen. So gewiรŸ die Berufung in das Amt nicht den Glauben schafft, so gewiรŸ sind Berufung und Glaube untrennbar verbunden, wenn das Amt im Segen auch fรผr den, der es trรคgt, gefรผhrt werden soll. DaรŸ Timotheus schon lange im Glauben steht, ist fรผr Paulus gewiรŸ II 1,5. Das persรถnliche Lebensziel des Timotheus ist also mit dem Ziel der Gemeinde aufs engste verbunden I 6,12. Bleibt Timotheus dem Glauben treu, so bleibt er auch seinem Beruf treu.49 Niemals darf der Amtstrรคger sich selber rechtfertigen, indem er sich von seiner persรถnlichen Sรผnde auf sein Amt zurรผckzieht. Allein einen Sinn kann die Trennung von Amt und Person haben: | โ€žGottes Wort ist nicht gebunden.โ€œ II 2,9. Es hรคngt niemals an meiner Person, aber meine Person hรคngt unter allen Umstรคnden an meinem Amt.50 DaรŸ Gottes Wort ungebunden ist und nicht an meiner Person hรคngt, das ist Trost fรผr den angefochtenen Prediger, aber nicht Ruhekissen fรผr seinen Unglauben. Der Glaube geht nicht zusammen mit unreinem Gewissen.51 In der Gemeinschaft mit Christus ist der Glaubende52 recht fertig gemacht zum guten Werk I 2,10.15; 5,25; 6,18; II 2,21; 3,17; Tit 2,14; 3,1.8.14. Die Meinung, wer den Glauben habe, brauche nach dem guten Gewissen nicht mehr zu fragen, war schon damals vorhanden und fรผhrte zum Schiffbruch I 1,19. Wer im Ungehorsam beharrt, wer sich dem Gebot leichtfertig entzieht, der verliert mit dem guten Gewissen auch den Glauben. Denn das bรถse Gewissen ist Gift in ihm, friรŸt um sich, zerstรถrt und zersetzt den Glauben. Glaube und gutes Gewissen sind die einzige Forderung, die Paulus an den Diener in der Gemeinde stellt. So auch bei dem Diakon I 3,8 f. Das reine Gewissen ist das GefรครŸ des Glaubens II 1,15.53
Paulus fordert kein Wort von Erkenntnissen und Erlebnissen, wo er von Glauben und Gewissen redet. Vielmehr beschreibt er den Bischof und Diakon54 als im Glauben und Gewissen gebunden, nach auรŸen unanstรถรŸlich,55 lange erprobt, nicht Neulinge, an denen der Lรคsterer kein Recht findet. Es ist der Mann, der den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit hat; keiner, der in Gefahr kommt, die Bewunderung der Leute auf sich zu ziehen56. Einem solchen werden dann โ€“ und auch ihm nicht allzu bald und unversehens โ€“ die Hรคnde aufgelegt, womit er dann zum Dienst an der Gemeinde verordnet ist I 5,22.57 |

V. Timotheus und die Irrlehrer

Timotheus wird in Ephesus zurรผckgelassen, daรŸ er โ€žetlichen gebรถte, daรŸ sie nicht anders lehrtenโ€œ I 1,3. Sein Auftrag ist also Abwehr der Irrlehre von der Gemeinde. Die Gemeinde scheint dazu allein nicht in der Lage zu sein, sondern es bedarf eines Amtes, des apostolischen Amtes, diesen Auftrag zu versehen. DaรŸ Timotheus gebieten soll macht deutlich, daรŸ die Irrlehrer in der Gemeinde stehen.
Wer sind die Irrlehrer? Menschen, die anstelle der gesunden Lehre eigene, selbst gemachte Gedanken, Probleme und Lehren setzen. Sie haben nicht genug an der einfachen Wahrheit, sondern verlieren sich mit Problemen und Weltanschauungen, die niemand beantworten kann, die zu endlosen Fragen fรผhren, aber nicht zum Aufbau dienen. Sie huldigen dem antichristlichen Satz, das Streben nach der Wahrheit sei besser als der Besitz und die Erkenntnis der Wahrheit.58 Sie haben die Seuche der Fragen und Wortkriege I 6,4. Sie lernen immerdar und kรถnnen nimmermehr zur Erkenntnis der Wahrheit kommen II 3,7. Es sind die ewig strebenden, ringenden, problematisierenden und ungewissen Menschen. Die Lehre, die aus solcher Haltung entspringt, ist nicht gesund, sondern krank wie ein Krebsgeschwรผr II 2,17.
Warum urteilt Paulus so hart รผber diese nahe stehenden, ernsthaften, menschlichen Menschen? Die Diagnose, die Paulus den Irrlehrern stellt, ist einfach, klar und hart. Es sind die, die das einfรคltige Gebot nicht wollen, weil sie nicht gehorchen wollen. Dieses ewige Fragen, diese ewige UngewiรŸheit kommt im Grunde aus einem Brandmal, das diese in ihrem Gewissen tragen I 4,2. Darum haben sie keine GewiรŸheit im Glauben an Gottes Wort, dem sie sich entziehen. Sie rechtfertigen ihr unreines Gewissen durch allerlei Fragen, Spekulationen und Zweifel. Sie leben im Schein der Frรถmmigkeit und sind doch Lรผgner I 4,2. Es ist nicht einmal gesagt, daรŸ sie das selbst wissen. Sie glauben, gerade in ihrer ewigen UngewiรŸheit die Heiligen59 zu sein. Sie haben den Schein des gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie II 3,5. Sie haben den Anschein des Sรผnders, der im Zittern vor Gott lebt als der Gerechtfertigte, aber seine Kraft verleugnen sie.
Aber rechtfertigt sich nicht ihre Christlichkeit darin, daรŸ sie es zu einer ungewรถhnlichen Heiligkeit60 bringen kรถnnen I 4,3? Ist nicht ihr heiliges Leben ein Erweis ihres echten Christenstandes? MuรŸ ihr Ernst vor den Forderungen uns nicht jedes | Wort der Kritik verbieten?61 Paulus behรคlt den klaren Blick dessen, der auf das Evangelium allein sieht. Er sieht gerade in dieser Heiligkeit aus Reflexion die ganze Krankheit der Menschen.62 Diese Heiligkeit ist nicht die gesunde Lehre des Evangeliums und [nicht] der Kraft des Gehorsams entsprungen, sondern die Krankheit eines ungehorsamen befleckten Gewissens. Diese Heiligkeit ist die kranke Aufgeblasenheit dessen, der nicht in einfรคltigem Gehorsam gegen Gott wandeln will I 6,4. Es ist kein Unterschied zwischen solcher Scheinheiligkeit63 und weltlichem Umgetriebenwerden von den eigenen Lรผsten II 3,6. Sie schleichen durch die Hรคuser mit ihrer heimlichen und nicht-รถffentlichen Lehre. Sie machen sich die Schwachen zu Dienst, sie fรผhren die Weiblein gefangen, sie knechten sie durch ein Evangelium des Scheins, der Selbstgefรคlligkeit. Die groรŸen Lasterkataloge I 1,9 f und 6,3 ff64 gelten auch gerade denen, die aus krankem Glauben zu kranker Heiligkeit kommen. Sie alle sind eben derselben Laster schuldig.65 Also nicht weil diese Irrlehrer eine verkehrte Erkenntnis hรคtten, sondern weil sie im Widerspruch gegen Gott leben und leben wollen und verharren, weil sie irgendwie und irgendwo nicht gehorchen wollen, darum ist ihre Lehre so tรถdlich wie ein Krebsgeschwรผr.
Wenn das das Bild der Irrlehrer ist, was soll Timotheus dann tun? Soll er ihnen nachgehen, sie durch geduldige Liebe รผberwinden? Soll er die, die im Ernst Christ sein wollen, in der Gemeinde tragen als Brรผder? Soll er รผber die Grundwahrheit des Evangeliums von neuem anfangen [zu] evangelisieren?66 Das entsprรคche dem, was das fromme Fleisch fรผr richtig hรคlt. Paulus aber gibt eine andere Weisung: Lehre du die gesunde Lehre, die Lehre von der Sรผnde des Menschen, von der BuรŸe, von der Barmherzigkeit, vom Gehorsam gegen das Gebot, dann hast du diese67 getan. Hรถren sie nicht, dann tue dich von ihnen I 6,5; 4,7; 6,20; II 3,5.
Warum spricht Paulus so? Er weiรŸ, daรŸ nichts fรผr die Gemeinde verfรผhrerischer ist, als daรŸ die sarkische Heiligkeit und Christlichkeit irgendwie bestรคrkt wird, dieses fromme Fleisch irgendwie am Leben erhalten wird. Diese Krankheit ist unheilbar ansteckend und gefรคhrlich. Paulus weiรŸ, daรŸ er diesen Leuten nur zu Willen wรคre, wenn er sich nur aufs Diskutieren einlieรŸe. | Er bestรคrkte sie dann in der Meinung, daรŸ die Wahrheit durch Problematisieren und nicht durch Gehorsam zu gewinnen wรคre. Man kann aber nicht mit solchen diskutieren, die nicht gehorchen wollen.68 Joh 7,17: โ€žSo jemand will des Willen tun, der wird innewerden โ€ฆโ€œ. Aus dem Gehorchen kommt die Erkenntnis.69 Durch Gehorsam gegen sein Wort werden wir in alle Wahrheit geleitet I 1,5.70
Jede andere Gemeinschaft mรผรŸte miรŸdeutet werden71 und hรคtte keine VerheiรŸung. Der einzige christliche Dienst, den Timotheus seiner Gemeinde tun kann ist der, jegliche Gemeinschaft mit ihnen abzubrechen, wo sie die gesunde Lehre verachten.72 In der Gemeinschaft des apostolischen Lebens und der apostolischen Lehre hebt Timotheus die Gemeinschaft mit den Irrlehrern auf.73

VI. Timotheus und seine Gemeinde

Im Auftrag des Apostels steht Timotheus in der Gemeinde, kraft eines guten Gewissens I 1,18 f; 6,3; II 1,13; 4,3; Tit 1,9; 2,1. Darin besteht die Gesundheit der Lehre.74 Keineswegs besteht die Gesundheit der Lehre darin, daรŸ diese Lehre nun irgendwie der Wirklichkeit in gesunder Weise angepaรŸt wรคre oder daรŸ das LehrmรครŸige nicht รผbertrieben wรคre. Nicht die Praxis macht die Lehre gesund, sondern die gesunde Lehre wirkt die rechte Praxis, das gute Gewissen, den willigen Gehorsam. Eine Lehre, die das nicht wirkt, ist kranke Lehre. Von Paulus ist dem Timotheus die gesunde Lehre vertraut II 2,2. Er hat bekannt vor treuen Zeugen. Timotheus wiederum empfiehlt75 sie treuen Menschen I 6,12.20.76 โ€žGottes Wort ist nicht gebundenโ€œ II 2,9. โ€žPredige das Wort, halte an, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeitโ€œ II 4,2.77 Wer weiรŸ denn, was Zeit und Unzeit fรผr ein Wort78 ist? Wer weiรŸ denn die Zeit Gottes? Es gibt | keine Mรถglichkeit, den Kairos Gottes aus den Gegebenheiten79 zu kennen. Die Predigt selbst schafft sich den ฮบฮฑฮนฯฯŒฯ‚80, nicht aber erzwingt sich der ฮบฮฑฮนฯฯŒฯ‚ die Predigt. Die Predigt des Timotheus ist nicht beschrรคnkt auf die Sonntagsverkรผndigung.81
Wenn Timotheus so sein Amt ausrichtet II 4,3, werden die Menschen die gesunde Lehre nicht ertragen. Sie werden sich der kranken Lehre zuwenden, die der Weichlichkeit schmeichelt. Das muรŸ so kommen, denn das apostolische Wort scheidet den Glauben82 von der Heuchelei II 4,4. Timotheus soll sich hierdurch nicht beirren lassen II 4,5. โ€žNรผchternโ€œ ist Timotheus dann, wenn er weiรŸ, daรŸ die gesunde Lehre solche Scheidung bringen muรŸ.83 Nรผchtern, wenn er in der Gemeinschaft der apostolischen Lehre bleibt und sein Vertrauen allein auf seinen Auftrag und Sein Wort setzt.84
Deswegen kann ihm auch gesagt werden: โ€žLeide!โ€œ Paulus will nicht, daรŸ es etwas Dramatisches sei, dieses Leiden des Amtstrรคgers.85 Darum sagt er es so einfach, so hart und selbstverstรคndlich. Es ist das apostolische Leben, das hier groรŸ wird II 2,3.86
Nun braucht Paulus nur noch zusammenzufassen: Tue das Werk eines Evangelisten, mache deinen Dienst voll, das heiรŸt bleibe treu bis zum Ende. Paulus will damit seinem โ€žSohn im Glaubenโ€œ nicht das Herz schwer machen. Er versichert ihn seiner Gemeinschaft87. โ€žIch werde schon geopfert und die Zeit meines Abscheidens ist naheโ€œ II 4,6. Der Grund der apostolischen Arbeit und der Grund der Schmรคhung ist ein und derselbe! | Timotheus und Paulus haben auf den lebendigen Gott gehofft I 4,10. Das ist das irdische Ziel apostolischer Lehre und apostolischen Lebens, hinter dem die GewiรŸheit steht: โ€žSterben wir mit, so werden wir mit leben โ€ฆโ€œ II 2,11.
Wenn wir so das Amt des Timotheus sehen, so ist es fast befremdlich, daรŸ Paulus dem Timotheus trotz allem Ermahnungen fรผr sein persรถnliches Leben gibt. Wie wรผrde sich heute ein Kirchenmann das verbitten, wenn gesagt wรผrde: โ€žHabe acht auf dich selbst und auf die Lehre โ€ฆโ€œ I 4,16. โ€žSei ein Vorbild โ€ฆโ€œ 4,12. Dazu I 5,22; II 4,22; II 2,24. Timotheus soll seiner Frรถmmigkeit nicht allzu gewiรŸ sein. Auch er als erfahrener Kirchenmann88 bedarf dieser Mahnung, dieser รœbung89. Der gesunde Glaube bedarf der Einรผbung,90 der Ermahnung, die den Glaubenden schรผtzt vor den Anlรคufen des Teufels. Auch Timotheus ist nicht geschรผtzt vor ihnen. Timotheus soll nicht allzu gesetzlich sein: Trink nicht immer Wasser! I 5,23. Die Autoritรคt seines Amtes soll er nicht miรŸverstehen, nicht รผberheblich sein mit den Alten I 5,1 f.91 In seiner Amtsfรผhrung soll er nicht parteiisch sein I 5,22.92 Es ist eine harte Seelsorge, die so spricht.93 Die Briefe Luthers an seine Freunde kรถnnen ganz รคhnlich klingen. Wir sind noch viel zu viel in der kranken Lehre drin, als daรŸ wir es vermรถchten, uns in Bezug auf die รถffentlichen Dinge des Lebens anzureden, ohne gekrรคnkt zu sein.94 Es ist merkwรผrdig, daรŸ Paulus dem Timotheus | die einfachsten Dinge hundertmal gesagt hat. Aber gerade dadurch, daรŸ sie immer wieder gesagt werden, sind sie eine neue Kraft, ein neuer Halt. Warum? Paulus weiรŸ, daรŸ dort, wo ein Christ lebt, der Teufel auf ihn lauert. Timotheus lebt hart am Abgrund, gerade als Diener im Hause Gottes.95 Es geht Paulus darum, daรŸ ihm96 sein Amt nicht zum Fluch werden mรถchte. Die Seligkeit des Timotheus als Amtstrรคger hรคngt an seinem Amt97. Person und Amt sind hier selbst ungeschieden. Das Amt kann dem Trรคger des Amtes zum Fluch werden oder zur Seligkeit. Es gibt keinen Dispens mehr davon. Am Tag Jesu Christi wird Timotheus Rechenschaft geben mรผssen I 6,14.
โ€žIch gebiete dir vor Gottโ€œ, so spricht der Vater zum Sohn I 6,13. Das Gebot, das Timotheus halten soll, schlieรŸt Amt und Person ein. Paulus nimmt auch das Urteil Gottes รผber das Amt und die Person nicht vorweg.98 Aber Timotheus, dessen Leben in der Gemeinschaft mit der Gemeinde gefรผhrt war, wird getrost in seinem Amt mit der GewiรŸheit des Apostels, die auch seine GewiรŸheit werden mรถchte II 4,7 f. Hier sollen dem Timotheus letzte Frรผchte des apostolischen Amtes und Lebens zuteil werden. Das ist der letzte Wille des alten Paulus an seinen Sohn im Glauben und der Gemeinschaft apostolischen Lebens und apostolischer Lehre.

17. PREDIGTMEDITATION ZU APOKALYPSE 2,1โ€“7. FINKENWALDE, 25. 10. 19361

Zum Reformationsfest. Offenbarung 2,1โ€“7 (Bruder Bonhoeffer)

1.) Christus selbst ruft eine Gemeinde zurรผck auf den rechten Weg. Das ist Reformation. Er hรคlt die 7 Sterne in der Hand: das heiรŸt er regiert die gesamte Welt (Sterne โ€“ Engel โ€“ Vorsteher der Gemeinde; die Siebenzahl bedeutet die Ganzheit der Kirche). Er wandelt unter den 7 Leuch- | tern: das heiรŸt er ist seiner Kirche allezeit nahe und gegenwรคrtig. Darum kennt er sie und kann sie zurรผckrufen.

2.) Christus redet freundlich zu seiner Gemeinde. Ich weiรŸ deine Werke, Arbeit, Geduld. Er spricht zu uns als der, der uns kennt. Ich weiรŸ โ€“ das heiรŸt es ist nichts verloren und vergessen, was in seiner Gemeinde geschah an sichtbarem Werk, an Unruhe und Anstrengungen, an Festigkeit und Geduld. Unser Werk an unserer Gemeinde ist von Christus nicht fรผr nichts geachtet. Zu dem, der in zรคher Arbeit die Gemeinde gefรถrdert hat an irgendeinem Stรผck, sagt Christus: ich weiรŸ es. Zu dem, der in stiller Standhaftigkeit und Geduld vielleicht nichts sichtbares vollbringen konnte, sagt Christus: ich weiรŸ es. Christus weiรŸ die Arbeit unserer bekennenden Kirche und Gemeinden. Er wandelt ja mitten unter ihr. Wenn wir jemandem etwas zu Liebe tun wollen, dann ist es uns ein voller Lohn, wenn er sagt: ich weiรŸ es. Es war kein leeres, unfruchtbares Jahr2 โ€“ Ich weiรŸ es. Jesus redet freundlich mit uns. Es kam auch innere Gefahr รผber die Gemeinde, das Bรถse brach in der Gemeinde hervor. Aber die Zucht und die geistliche Macht der Gemeinde war stark genug, daรŸ es keine Gewalt an ihr finden konnte, sondern von ihr geschieden wurde. Das kostete die Gemeinde viel Verzicht und Selbstverleugnung. Christus sagt: Ich weiรŸ es, es ist unvergessen. Schlimmer noch: Versuchung und Verfรผhrung blieb nicht aus. Mรคnner, die sich nach Christi Namen nannten, Mรคnner in eigenem Auftrag wollten die Gemeinde auf falschen Weg fรผhren.3 Da zerbrach manches, da brauchte die Gemeinde viel Nรผchternheit, Gebet, Erkenntnis aus dem Worte Gottes, bis sie sie als Lรผgner erfand und sie von sich abschied. Alle Gewissensnot, die da entstand, aller Kummer und Kampf der Gemeinde, soweit die Wahrheit den Sieg behielt, ist unvergessen. Christus sagt: Ich weiรŸ es. Zu allen, die den Vorwurf hรถren muรŸten, sie kรคmpften ja nur in eigener Sache, aus eigenem Trotz, und die schlieรŸlich selbst nicht mehr wuรŸten, woran sie mit sich waren, sagt Christus: Ich weiรŸ es, um meines Namens willen arbeitest du. Zu allen die in langen Nรคchten um die Not der | Gemeinde sorgten und beteten, und die des Morgens frรผh wieder an der Arbeit standen, sagt Christus: Ich weiรŸ es, du bist nicht mรผde geworden. Er faรŸt alle meine Trรคnen in einen Krug (Ps 56,9). So freundlich redet Christus mit uns. Er zerbricht und vernichtet uns nicht, er war รผberall dort, wo es um seine Gemeinde ging, selbst dabei, er hat uns gesehen und spricht uns freundlich zu. Er wandelt mitten unter uns.

3.) Christus klagt seine Gemeinde an. Wir sind jetzt dankbar und vertrauensvoll geworden gegenรผber unserem Herren. Er ist aber nicht bei uns, um uns zu loben, sondern um uns auf den rechten Weg zu bringen. Es entspricht der Wahrheit Christi, daรŸ er uns sagt, daรŸ er trotz allem wider uns stehen muรŸ. Warum? Er weiรŸ, wir waren eine unverzagte kรคmpfende, arbeitende, tapfer seinen Namen bekennende Gemeinde. Das ist nichts Kleines. โ€žAber ich habe wider dichโ€œ โ€“ Christus steht gegen seine bekennende Gemeinde! โ€“ โ€ždaรŸ du die erste Liebe [ver]lรคssest. Gedenke, wovon du gefallen bistโ€œ โ€“ Des Anfanges, gedenke der ersten Christenheit, gedenke der Zeit der Reformation โ€“ die erste Liebe ist in Gefahr zu schwinden. Vieles ist getan. Aber es ist vieles so hart, so selbstgewiรŸ, als gรคlte es sich selbst zu verteidigen; es ist so vieles nur in eigener Sache, um der eigenen Sicherheit willen gesagt und getan.4 Die erste Liebe, der Anfang band die Gemeinde allein in brennender Hingabe an Jesus und die Brรผder. Keiner wollte etwas fรผr sich haben, es gehรถrte alles dem Herrn und den Brรผdern. Es war ein Wetteifern im brรผderlichen Dienst, es war eine Liebe zum Evangelium, zum Gottesdienst, zu den Werken des Reiches Gottes. Heute hรคngt unsere Liebe an vielen anderen Dingen, der Welt, der Sicherheit, der Gewohnheit. Es war auch eine bereitwillige Liebe zum Feinde da, die beten, segnen und wohltun konnte. Diese erste Liebe hatte der Herr seiner ersten Gemeinde geschenkt, hat er sie auch uns einmal geschenkt? Konfirmation? Bekehrung? An- | fang der Bekennenden Kirche? Gedenke der ersten Liebe, gedenke der Anfรคnge, vielmehr des Anfangs, der Jesus Christus selbst ist, gedenke, wovon du gefallen bist! Das ist der Grund aller Reformation, nicht Verherrlichung von Menschen und vergangener Geschichte, nicht lutherische Parolen, sondern dankbar Gottes Ruf zur Umkehr hรถren. So war der Anfang, so anders der Fortgang. Tue die ersten Werke. Es ist derselbe Herr, der eben so freundlich zu uns redete und der uns jetzt droht, er werde den Leuchter unserer Gemeinde umstoรŸen, wo wir nicht BuรŸe tun und umkehren. Wir sollen nicht Reformation feiern, sondern Reformation halten. An manchen Kanzeln steht: โ€žerneuert im Jahre โ€ฆโ€œ, daรŸ es doch von unserer Gemeinde heiรŸen kรถnnte: Erneuert im Jahre 1936 (Vers 6 bezeugt der Gemeinde, daรŸ sie allerdings die schwรคrmerische gesetzlose Liebe gehaรŸt habe und daran recht getan habe).

4.) Christus verheiรŸt seiner Gemeinde Herrlichkeit. Das ist das Ziel, daรŸ die Gemeinde diese VerheiรŸung zu hรถren vermรถge. Dazu muรŸ sie in die BuรŸe. Nur in der BuรŸe kรถnnen wir hoffen. Der Weg zur Umkehr und zur Hoffnung geht durch das Ohr. Das Hรถren tut es. Das Wort allein wirkt Umkehr und Hoffnung. Das war die Verkรผndigung der Reformation. โ€žWer Ohren hat โ€ฆโ€œ Darum gilt es zu รผberwinden, was an Schein der Welt gegen das Wort steht. Diese รœberwindung muรŸ jeder gegen sich selbst erringen, damit er auch die Feinde รผberwinden kann. In der Herrlichkeit aber wird die Gemeinde haben, was Leib, Seele und Geist gewiรŸ macht. Sie wird essen vom Baum des Lebens.5 Die VerheiรŸung ist das Paradies, in dem wir nicht nur hรถren, sondern mit allen Sinnen die Herrlichkeit Gottes erkennen werden. Wir werden eine triumphierende Kirche sein.

18. PREDIGT ZU MATTHร„US 26,45 bโ€“50. FINKENWALDE, JUDICA, 14. 3. 19371

Predigt am Sonntag Judica 1937 von Bruder Bonhoeffer

Matthรคus 26,45 bโ€“50: Siehe, die Stunde ist hier, daรŸ des Menschen Sohn in der Sรผnder Hรคnde รผberantwortet wird. Stehet auf, laรŸt uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrรคt! Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwรถlfe einer, und mit ihm eine groรŸe Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und ร„ltesten des Volks. Und der Verrรคter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich kรผssen werde, der istโ€™s; den greifet! Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: GegrรผรŸet seist du, Rabbi! und kรผรŸte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? da traten sie hinzu und legten die Hรคnde an Jesum und griffen ihn.

Ein Geheimnis hatte Jesus seinen Jรผngern bis zum letzten Abendmahl verborgen. Zwar hatte er sie nicht im Unklaren gelassen รผber seinen Leidensweg. Zwar hatte er ihnen drei- | mal bezeugt, daรŸ des Menschen Sohn รผberantwortet werden muรŸ in die Hรคnde der Sรผnder.2 Aber das tiefste Geheimnis hatte er ihnen noch nicht offenbart. Erst in der Stunde letzter Gemeinschaft beim heiligen Abendmahl konnte er es ihnen sagen: Des Menschen Sohn wird รผberantwortet in die Hรคnde der Sรผnder โ€“ durch Verrat. Einer unter euch wird mich verraten.3
Die Feinde allein kรถnnen keine Macht รผber ihn gewinnen. Es gehรถrt ein Freund dazu, ein nรคchster Freund, der ihn preisgibt, ein Jรผnger, der ihn verrรคt. Nicht von auรŸen geschieht das Furchtbarste, sondern von innen. Der Weg Jesu nach Golgatha nimmt seinen Anfang mit Jรผngerverrat. Die einen schlafen jenen unbegreiflichen Schlaf in Gethsemane,4 einer verrรคt ihn, zum SchluรŸ โ€žverlieรŸen ihn alle Jรผnger und flohenโ€œ.5
Die Nacht von Gethsemane vollendet sich. โ€žSiehe, die Stunde ist hierโ€œ โ€“ jene Stunde, die Jesus vorhergesagt hatte, von der die Jรผnger seit langem wuรŸten, und vor deren Eintreten sie bebten, jene Stunde, auf die sich Jesus so ganz bereitet und fรผr die die Jรผnger so ganz und gar unbereitet waren, die Stunde, die nun mit keinem Mittel der Welt mehr hinauszuschieben war โ€“ โ€žSiehe, die Stunde ist hier, daรŸ des Menschen Sohn in der Sรผnder Hรคnde รผberantwortet wirdโ€œ.
โ€žรœberantwortetโ€œ sagt Jesus, das heiรŸt, es ist nicht die Welt, die รผber ihn Macht gewinnt, sondern jetzt wird Jesus von den Seinen selbst ausgeliefert, preisgegeben, aufgegeben. Der Schutz wird ihm aufgesagt. Man will sich nicht weiter mit ihm belasten: LaรŸt ihn den Andern. Das ist es, Jesus wird weggeworfen, die schรผtzenden Hรคnde der Freunde sinken. Mรถgen nun die Hรคnde der Sรผnder mit ihm tun, was sie wollen. Mรถgen sie ihn antasten, deren unheilige Hรคnde ihn nie berรผhren durften. Mรถgen sie mit ihm spielen, ihn [ver]spotten und schlagen. Wir kรถnnen nichts mehr daran รคndern. Das heiรŸt Jesus รผberantworten: nicht mehr fรผr ihn eintreten, | ihn dem Spott und der Macht der ร–ffentlichkeit preisgeben, die Welt mit ihm umgehen lassen nach ihrem Mutwillen, nicht mehr zu ihm stehen. Jesus wird von den Seinen der Welt ausgeliefert. Das ist sein Tod.
Jesus weiรŸ, was ihm bevorsteht. In Festigkeit und Entschlossenheit ruft er seine Jรผnger auf: โ€žStehet auf, laรŸt uns gehen.โ€œ Oftmals hatten die drohenden Feinde vor ihm zurรผckweichen mรผssen, er war frei durch ihre Mitte hindurchgeschritten, ihre Hรคnde sanken.6 Damals war seine Stunde noch nicht gekommen. Jetzt ist die Stunde hier. Jetzt geht er ihr in freiem EntschluรŸ entgegen. Und damit kein Zweifel mehr sei, damit es unzweideutig klar sei, daรŸ die Stunde da ist, in der er รผberantwortet wird, sagt er: โ€žSiehe, er ist da, der mich verrรคt.โ€œ Kein Blick fรคllt auf die groรŸe Schar, die heranzieht, auf die Schwerter und Stangen der Feinde. Die hรคtten keine Macht! Jesu Blick trifft allein den, der diese Stunde der Finsternis heraufgefรผhrt hat. Auch seine Jรผnger sollen wissen, wo der Feind steht. Einen Augenblick liegt alles, liegt Heils- und Weltgeschichte in den Hรคnden des einen โ€“ des Verrรคters. Siehe, er ist da, der mich verrรคt โ€“ und in der Nacht erkennen die Jรผnger schaudernd in ihm โ€“ Judas, den Jรผnger, den Bruder, den Freund. Schaudernd โ€“ denn als Jesus am Abend derselben Nacht zu ihnen gesagt hatte: Einer von euch wird mich verraten, hatte keiner gewagt, den andern zu beschuldigen. Keiner konnte diese Tat dem andern zutrauen. Darum muรŸte ein jeder fragen: Herr, bin ichโ€™s? Herr, bin ichโ€™s?7 Eher noch war das eigene Herz solcher Tat fรคhig, als der andere, der Bruder.
โ€žUnd als er noch redete, siehe, da kam Judas der Zwรถlfe einer, und mit ihm eine groรŸe Schar, mit Schwertern und mit Stangen.โ€œ Jetzt sehen wir nur noch zwei, um die es hier geht. Die Jรผnger und die Hรคscher treten zurรผck, sie beide tun ihr Werk schlecht. Nur zwei tun ihr Werk so, wie sie es tun muรŸten, | Jesus und Judas. Wer ist Judas? das ist die Frage. Es ist eine der ganz alten und grรผblerischen Fragen der Christenheit. Halten wir uns zunรคchst an das, was der Evangelist uns selbst dazu sagt: Judas, der Zwรถlfe einer. Ob wir etwas spรผren von dem Grauen, mit dem der Evangelist dieses kleine Satzteilchen geschrieben hat? Judas, der Zwรถlfe einer โ€“ was war hier mehr zu sagen? und war hiermit nicht auch wirklich alles gesagt? das ganze dunkle Geheimnis des Judas und zugleich das tiefste Entsetzen vor seiner Tat. Judas, der Zwรถlfe einer, das heiรŸt doch: es war unmรถglich, daรŸ dies geschah, es war ganz unmรถglich, und es geschah doch. Nein, hier ist nichts mehr zu erklรคren und zu verstehen. Es ist ganz und gar unerklรคrlich, unbegreiflich, es bleibt ganz und gar Rรคtsel โ€“ und doch geschah die Tat. Judas, der Zwรถlfe einer, das heiรŸt ja nicht nur: er war einer, der Tag und Nacht um Jesus war, einer, der Jesus nachgefolgt war, der es sich etwas hatte kosten lassen, der alles verlassen hatte, um mit Jesus zu sein, ein Bruder, ein Freund, ein Vertrauter des Petrus, des Johannes, des Herren selbst. Es hieรŸ ja noch etwas viel Unbegreiflicheres: Jesus selbst hatte Judas berufen und erwรคhlt! Das ist das eigentliche Geheimnis, denn Jesus wuรŸte, wer ihn verraten wรผrde, von Anfang an. Bei Johannes sagt Jesus: Habe ich nicht euch Zwรถlf erwรคhlt, und euer einer ist der Teufel.8 Judas der Zwรถlfe einer โ€“ dabei muรŸ ja nun der Leser nicht nur auf Judas, sondern vielmehr in groรŸer Bestรผrzung auf den Herren schauen, der ihn erwรคhlte. Und die er erwรคhlte, die hat er geliebt. Er hat ihnen Anteil gegeben an seinem ganzen Leben, an dem Geheimnis seiner Person, er hat sie in gleicher Weise ausgesandt zur Predigt des Evangeliums. Er hat ihnen die Vollmacht der Teufelaustreibung und Heilung gegeben โ€“ und Judas war mitten unter ihnen.9 Nirgends eine Andeutung davon, daรŸ Jesus den Judas im Geheimen gehaรŸt hรคtte. Nein, Judas schien durch sein Amt, den Beutel der Jรผnger zu verwalten, noch ausgezeichnet vor den andern. | Zwar sagt Johannes einmal, Judas sei ein Dieb gewesen.10 Aber sollte das nicht nur eine dunkle Andeutung dafรผr sein, daรŸ Judas ein Dieb war an Jesus, daรŸ er Jesus stahl, was ihm nicht zukam und es der Welt preisgab? Und sind nicht auch die 30 Silberlinge nur ein Zeichen dafรผr, wie gemein und gering die Gabe der Welt ist fรผr den, der die Gabe Jesu kennt? Und doch wuรŸte Jesus von Anfang an, wer ihn verraten wรผrde! Ja, Johannes weiรŸ noch von einem รผberaus geheimnisvollen Zeichen der Verbundenheit Jesu mit Judas zu berichten. In der Nacht des Abendmahls reicht Jesus dem Judas einen eingetauchten Bissen, und mit diesem Zeichen hรถchster Gemeinschaft fรคhrt der Satan in Judas. Darauf spricht Jesus halb bittend, halb befehlend zu Judas: Was du tust, das tue bald.11 Kein anderer begriff, was hier vorging. Es blieb alles zwischen Jesus und Judas.
Judas, der Zwรถlfe einer, von Jesus erwรคhlt, von Jesus in seine Gemeinschaft gezogen, geliebt โ€“ heiรŸt dies, daรŸ Jesus auch seinem Verrรคter seine ganze Liebe zeigen und erweisen will? HeiรŸt es, daรŸ er auch wissen soll, daรŸ es an Jesus im Grunde gar nichts zu verraten gibt? HeiรŸt es auch dies, daรŸ Jesus in tiefer Liebe den Willen Gottes liebt, der sich in seinem Leidensweg vollzieht, daรŸ er auch den liebt, durch dessen Verrat der Weg frei wird, ja, der nun Jesu Geschick fรผr einen Augenblick in seiner Hand trรคgt? HeiรŸt es, daรŸ er ihn liebt als den Vollstrecker des gรถttlichen Willens und doch weiรŸ: Wehe dem, durch welchen es geschieht?12 Es ist ein groรŸes, unerforschliches Geheimnis โ€“ Judas, der Zwรถlfe einer.
Aber es ist ja auch ein Geheimnis von der Seite des Judas her. Was will Judas bei Jesus? Es muรŸ dieses sein, daรŸ der Bรถse vom Unschuldigen, vom Reinen nicht loskommt. Er haรŸt ihn, und indem er doch nicht von ihm lassen kann, liebt er ihn eben auch mit der dunklen, leidenschaftlichen Liebe, mit der auch der Bรถse, der Teufel, noch um seinen Ursprung in Gott, im Reinen weiรŸ. Der Bรถse will der Jรผnger des Guten | sein. Der Bรถse ist der leidenschaftlichste Jรผnger des Guten โ€“ bis er ihn verrรคt. Der Bรถse weiรŸ, daรŸ er Gott dienen muรŸ, und liebt Gott um seiner Macht willen, die er selbst nicht hat, und hat doch nur den einen Drang, รผber Gott13 Macht zu gewinnen. So ist er der Jรผnger und muรŸ seinen Herrn doch verraten. Jesus erwรคhlt den Judas, Judas kann nicht von Jesus lassen. Jesus und Judas gehรถren zusammen von Anfang an. Keiner lรครŸt den andern los.
Und nun sehen wir dies an der Geschichte selbst: Jesus und Judas verbunden durch einen KuรŸ. Hรถrt das Ungeheuerliche: โ€žUnd der Verrรคter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich kรผssen werde, der istโ€™s; den greifet! Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: GegrรผรŸet seist du, Rabbi! und kรผรŸte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? da traten sie hinzu und legten die Hรคnde an Jesum und griffen ihn.โ€œ Und: โ€žJudas, verrรคtst du des Menschen Sohn durch einen KuรŸ?โ€œ Noch einmal packt uns die Frage: Wer ist Judas, der des Menschen Sohn mit einem KuรŸ verrรคt? Es ist gewiรŸ oberflรคchlich zu sagen, der KuรŸ sei eben die รผbliche BegrรผรŸungsform gewesen. Dieser KuรŸ war mehr als das! Dieser KuรŸ war die Vollendung des Weges des Judas, der tiefste Ausdruck fรผr die Gemeinschaft und fรผr die abgrundtiefe Trennung zwischen Jesus und Judas.
โ€žMein Freund warum bist du gekommen?โ€œ Hรถrt ihr, wie Jesus den Judas noch liebt, wie er ihn noch in dieser Stunde seinen Freund nennt? Jesus will den Judas noch jetzt nicht loslassen. Er lรครŸt sich von ihm kรผssen. Er stรถรŸt ihn nicht zurรผck. Nein, Judas muรŸ ihn kรผssen. Seine Gemeinschaft mit Jesus muรŸ sich vollenden. Warum bist du gekommen? Jesus weiรŸ es wohl, warum Judas gekommen ist und dennoch: Warum bist du gekommen? Und: Judas, verrรคtst du des Menschen Sohn mit einem KuรŸ? Ein letzter Ausdruck der Jรผngertreue, vereint mit Verrat. Ein letztes Zeichen der lei- | denschaftlichen Liebe, gepaart mit dem viel leidenschaftlicheren HaรŸ. Ein letzter GenuรŸ an einer unterwรผrfigen Geste, im BewuรŸtsein der รœbermacht des davongetragenen Sieges รผber Jesus. Ein bis ins tiefste hinein entzweites Tun, dieser JudaskuรŸ! Von Christus nicht lassen kรถnnen, und ihn doch preisgeben. Judas, verrรคtst du des Menschen Sohn mit einem KuรŸ? Wer ist Judas? Sollten wir hier nicht auch des Namens gedenken, den er trug? โ€žJudasโ€œ, steht er nicht hier fรผr das im tiefsten entzweite Volk, aus dem Jesus stammte, fรผr das erwรคhlte Volk, das die VerheiรŸung des Messias empfangen hatte und ihn doch verwarf? fรผr das Volk Juda, das den Messias liebte, und doch so nicht lieben konnte? โ€žJudasโ€œ โ€“ sein Name heiรŸt verdeutscht โ€žDankโ€œ. War dieser KuรŸ nicht der Jesus dargebrachte Dank des entzweiten Volkes des Jรผngers und doch zugleich die ewige Absage?14 Wer ist Judas, wer ist der Verrรคter? Sollten wir angesichts dieser Frage etwas anderes tun kรถnnen, als mit den Jรผngern sprechen: Herr, bin ichโ€™s, bin ichโ€™s?
โ€žDa traten sie hinzu und legten die Hรคnde an Jesum und griffen ihn.โ€œ โ€žIch binโ€™s, ich sollte bรผรŸen an Hรคnden und an FรผรŸen, gebunden in der Hรถllโ€™. Die GeiรŸel und die Banden, und was Du ausgestanden, das hat verdienet meine Seelโ€™.โ€œ15 LaรŸt uns noch das letzte Ende ansehen! Zu derselben Stunde, als Jesus Christus sein Erlรถsungsleiden am Kreuz in Golgatha vollbringt, ist Judas hingegangen und hat sich erhรคngt, hat sich in fruchtloser Reue selbst verdammt.16 Furchtbare Gemeinschaft!
Die Christenheit hat in Judas immer wieder das dunkle Geheimnis der gรถttlichen Verwerfung und ewigen Verdammung gesehen. Sie hat mit Schrecken den Ernst und das Gericht Gottes an dem Verrรคter erkannt und bezeugt. Sie hat aber gerade darum nie mit Stolz und รœberheblichkeit auf ihn gesehen, sondern sie hat in Zittern und Erkenntnis der eigenen รผbergroรŸen Sรผnde gesungen: O du armer Judas, was hast | du getan!17 So wollen auch wir heute nichts anderes sagen als dies: O du armer Judas, was hast du getan! und wollen Zuflucht nehmen zu dem, der um unserer aller Sรผnde willen am Kreuz gehangen und uns die Erlรถsung vollbracht hat, und wollen beten:

O hilf Christe, Gottes Sohn
Durch dein bitter Leiden
DaรŸ wir dir stets untertan
Allโ€™ Untugend meiden.
Deinen Tod und sein Ursachโ€™
Fruchtbarlich bedenken
Dafรผr, wiewohl arm und schwach,
Dir Dankopfer schenken.18 Amen.

 

e) Fรผnfter Kurs. Fertigstellung der โ€žNachfolgeโ€œ, Verbot des Seminars und Ende des Bruderhauses
18. Aprilโ€“11. September 1937

19. PREDIGT ZU PSALM 58. FINKENWALDE, 8. SONNTAG NACH TRINITATIS, 11. 7. 19371

Psalm 58. Predigt vom 11. 7. 37 in Finkenwalde

[Ein gรผlden Kleinod Davids, vorzusingen, daรŸ er nicht umkรคme.
Seid ihr denn stumm, daรŸ ihr nicht reden wollt, was recht ist, und richten nach Gebรผhr die Menschenkinder? Ihr alle urteilt Unrecht2 im Lande und gehet stracks durch, mit euren Hรคnden zu freveln. Die Gottlosen sind verkehret von MutterschoรŸ an; die Lรผgner irren von Mutterleib an. Ihr Wรผten ist gleichwie das Wรผten einer Schlange, wie eine taube Otter, die ihr Ohr zustopft, daรŸ sie nicht hรถre die Stimme des Zauberers, des Beschwรถrers, der wohl beschwรถren kann.
Gott, zerbrich ihre Zรคhne in ihrem Maul; zerstoรŸe, Herr, das GebiรŸ der jungen Lรถwen! Sie werden zergehen wie Wasser, das dahinfleuรŸt. Sie zielen mit ihren Pfeilen; aber dieselben zerbrechen. Sie vergehen, wie eine Schnecke zerflieรŸt3; wie eine unzeitige Geburt eines Weibes sehen sie die Sonne nicht. Ehe eure Dornen reif werden am Dornstrauch, wird sie ein Zorn so frisch wegreiรŸen. Der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache siehet, und wird seine FรผรŸe baden in des Gottlosen Blut, daรŸ die Leute werden sagen: Der Gerechte wird ja seiner Frucht genieรŸen; es ist ja noch Gott Richter auf Erden.]

Ist dieser furchtbare Rachepsalm unser Gebet? Dรผrfen wir denn so beten? Darauf heiรŸt die Antwort zunรคchst ganz klar: Nein, wir, wir dรผrfen gewiรŸ nicht so beten! Wir tragen ja an aller Feindschaft, die uns begegnet und uns in Not fรผhrt, selbst viel eigne Schuld. Wir mรผssen ja bekennen, daรŸ es Gottes gerechte Strafe ist, die uns sรผndige Menschen trifft und demรผtigt. Auch in diesen Notzeiten der Kirche mรผssen wir doch erkennen, daรŸ Gott selbst im Zorn seine Hand gegen uns erhoben hat, um an uns unsere Sรผnde heimzusuchen, all unsere geistliche Trรคgheit, unseren offenen oder stillen Ungehorsam, unsere tiefe Zuchtlosigkeit im tรคglichen Leben unter seinem Wort. Oder wollten wir leugnen, daรŸ jede persรถnliche Sรผnde, auch die verborgenste, Gottes Zorn รผber seine Gemeinde herabziehen muรŸ? Wie aber sollten denn wir, die wir selbst schuldig sind und Gottes Zorn verdienten, Gottes Rache รผber unsere Feinde herbeirufen, ohne daรŸ diese Rache vielmehr uns selbst treffen mรผรŸte? Nein, wir, wir kรถnnen diesen Psalm nicht beten. Nicht weil wir zu gut dafรผr wรคren,4 (welch ein oberflรคchlicher Gedanke, welch ein unbegreiflicher Hochmut!), sondern weil wir zu sรผndig, zu bรถse dafรผr sind!
Nur wer selbst ganz ohne Schuld ist, kann so beten. Dieser Rachepsalm ist das Gebet des Unschuldigen. โ€žEin gรผlden Kleinod Davids, vorzusingen, daรŸ er nicht umkรคme.โ€œ โ€“ David ist es, der diesen Psalm betet. David selbst ist nicht unschuldig. Aber es hat Gott gefallen, sich in David den zu | bereiten, der Sohn Davids genannt werden wird, Jesus Christus.5 Darum darf David nicht umkommen, weil von ihm der Christus kommen soll. Niemals hรคtte David fรผr sich so beten kรถnnen gegen seine Feinde, um sein eignes Leben zu [er]halten. Wir wissen, daรŸ David alle persรถnlichen Schmรคhungen demรผtig ertragen hat. Aber in David ist Christus, ist damit die Kirche Gottes. Darum sind seine Feinde die Feinde Jesu Christi und seiner heiligen Kirche. Darum darf David nicht umkommen vor seinen Feinden. So betet in David die Unschuld Christi selbst diesen Psalm mit und mit Christus die ganze heilige Kirche. Nein, nicht wir Sรผnder beten diesen Rachegesang, die Unschuld selbst und allein betet ihn. Die Unschuld Christi tritt vor die Welt und klagt an. Nicht wir klagen an, Christus klagt an. Und wenn Christus die Sรผnde verklagt, sind wir dann nicht selbst alsbald mitten unter den Angeklagten? โ€žSeid ihr denn stumm, daรŸ ihr nicht reden wollt, was recht ist und richten nach Gebรผhr die Menschenkinder?โ€œ Eine bรถse Zeit, wenn die Welt stumm das Unrecht geschehen lรครŸt. Wenn die Bedrรผckung der Armen und Elenden laut zum Himmel schreit und die Richter und Herren der Erde schweigen dazu. Wenn die verfolgte Gemeinde in hรถchster Not Gott um Hilfe und die Menschen um Gerechtigkeit anruft, und kein Mund tut sich auf Erden auf, ihr Recht zu schaffen. โ€žSeid ihr denn stumm, daรŸ ihr nicht reden wollt was recht ist und richten nach Gebรผhr die Menschenkinder?โ€œ Menschenkinder sind es, denen Unrecht geschieht. MuรŸ denn das in solchen Zeiten immer vergessen sein? Hรถrt ihr es: Menschenkinder, die Geschรถpfe Gottes sind wie ihr, die Schmerz und Elend empfinden wie ihr, die ihr ihnen Gewalt tut; die ihr Glรผck und ihre Hoffnungen haben wie ihr; die ihre Ehre und ihre Schmach fรผhlen, wie ihr; Menschenkinder, die Sรผnder sind wie ihr und die Gottes Barmherzigkeit brauchen wie ihr; eure Brรผder! โ€žSeid ihr denn stumm?โ€œ O nein, sie sind nicht stumm, man hรถrt ihre | Stimme auf Erden wohl. Aber es ist ein unbarmherziges, ein parteiisches Wort, das sie sprechen. Es richtet nicht nach dem Recht, sondern nach dem Ansehen der Person.
โ€žNein, ihr alle entscheidet ungerecht auf Erden, und eure Hรคnde schaffen der Gewalt freie Bahn.โ€œ6 Wenn der Mund der Herren der Welt zum Unrecht schweigt, dann richten alsbald die Hรคnde bรถse Gewalttat an. Furchtbar ist diese Sprache der Menschenhรคnde wo kein Recht ist. Da entsteht die Not und der Schmerz des Leibes, da sehnt sich die verfolgte, gefangene, geschlagene Gemeinde nach Erlรถsung von diesem Leibe.7 LaรŸt mich in Gottes Hรคnde fallen, aber nicht in der Menschen Hรคnde!8 Hรถren wir es noch? Christus spricht hier! Er erfuhr das ungerechte Gericht, er fiel in der Menschen Hรคnde. Die Unschuld verklagt die ungerechte Welt. Uns Sรผndern aber widerfรคhrt nur der gerechte Zorn Gottes.
Aber es kann ja nicht anders sein. Es ist ja nicht so, daรŸ es hier um einzelne Verfehlungen geht, die รผberall vorkommen. Nein, hier enthรผllt sich das Geheimnis der Gottlosigkeit selbst9: โ€žDie Gottlosen sind verkehrt von MutterschoรŸ an, die Lรผgner irren von Mutterleib an.โ€œ In diese Tiefe des Bรถsen sieht nur die vollkommene Unschuld. Wir mรถchten allzugern glauben, es sei hier doch noch etwas zu รคndern, zu bessern, und zahllose Wege versuchen wir, um hier oder dort etwas zu erreichen. Das bringt uns in groรŸe Unruhe und immer neue Bestรผrzung und Empรถrung, wenn immer wieder schweres Unrecht geschieht. Die Unschuld allein weiรŸ, daรŸ hier alles so gehen muรŸ, wie es geht. Sie weiรŸ um das dunkle Rรคtsel, daรŸ der Satan schon im MutterschoรŸ die Seinen ergriffen hat und nun rasend antreibt. Nun mรผssen sie sein Werk tun. Welt bleibt Welt, Satan bleibt Satan. In diesem Abgrunde der Erkenntnis gewinnt die Unschuld zugleich die vollkommene Ruhe. Es muรŸ so sein und es wird nicht anders.
โ€žIhr Wรผten ist wie das Wรผten einer Schlange, wie eine taube | Otter, die ihr Ohr zustopft, daรŸ sie nicht hรถre die Stimme des Zauberers, des Beschwรถrers, der wohl beschwรถren kann.โ€œ Im Orient kennt man die Zauberer, die Schlangen mit ihrer Stimme bรคndigen, daรŸ sie gehorchen mรผssen. Eine taube Schlange aber hรถrt diese Stimme nicht und fรคhrt auf den Zauberer los. Wie solche tauben Schlangen sind die Gottlosen, die die Stimme des Beschwรถrers, der wohl beschwรถren kann, nicht hรถren kรถnnen. Gott selbst ist der Beschwรถrer, der wohl beschwรถren kann, sein Wort der Gnade ist es, mit dem er unser Herz bezaubert und beschwรถrt. Mit den sรผรŸen Worten seiner Liebe lockt er uns, รผberredet er uns,10 bezwingt er unser Herz, daรŸ wir wie gebannt auf ihn hรถren und ihm gehorsam sein mรผssen. Es bleibt aber das groรŸe Rรคtsel, daรŸ es solche gibt, die hรถren, und solche, die taube Ohren haben und ihre Ohren zustopfen, daรŸ sie nicht hรถren kรถnnen. Wir wissen es ja von uns selbst, daรŸ es Zeiten gibt, in denen unsere Ohren taub sind. Es sind die Zeiten, in denen wir in wissentlichem Ungehorsam unser Herz gegen Gottes Willen verstocken und Sรผnde auf Sรผnde hรคufen, bis wir schlieรŸlich garnicht mehr hรถren kรถnnen.11 Dann ist Satan unser mรคchtig geworden. So verhรคrtet Satan das Herz derer, die ihm dienen mรผssen im Kampf gegen Gottes Reich und Wort. Sie kรถnnen nicht mehr hรถren, nicht mehr gehorchen. Weil aber ihr Ohr taub ist gegen die Gnade Gottes, darum ist auch ihr Mund stumm fรผr das Recht Gottes. Das sind die Feinde Gottes und seiner Gemeinde, wie sie David, wie sie Christus, wie sie die Kirche Gottes erkennt.
Diese Erkenntnis fรผhrt ins Gebet. Wenn dies der Feind ist, dann helfen keine menschlichen Kรผnste mehr dazu zum Frieden zu kommen. Dann hilft keine menschliche Kraft mehr, diese Feinde zu รผberwinden. Gottes Name muรŸ angerufen werden. Und nun beginnen in unserem Psalm jene furchtbaren Gebetswรผnsche, vor denen uns graut, die wir nur mit Zittern und tiefem inneren Widerstand nachspre- | chen, wenn wir sie lesen. Gott wird angerufen zur Rache รผber die Feinde. โ€žGott, zerbrich ihre Zรคhne in ihrem Maul; zerstoรŸe, Herr, das GebiรŸ der jungen Lรถwen.โ€œ Vor allem wollen wir hier dies lernen: im Angesicht der Feinde Gottes und seiner Kirche kรถnnen wir nur beten. Unser eigner Mut โ€“ und sei er noch so groรŸ โ€“ all unsere Tapferkeit muรŸ vor diesem Feinde zerbrechen. Wir haben es mit dem Angriff des Satans zu tun. Da muรŸ die Sache in die Hand nehmen, der allein Gewalt hat รผber den Satan, Gott selbst. Es wรคre viel, wenn wir dies lernten, daรŸ wir ernstlich zu Gott beten mรผssen in solcher Not. Und dann das andere: Wer Gott die Rache befiehlt, der verzichtet damit auf jede eigne Rache. Wer sich selbst rรคchen will der ahnt noch nicht, mit wem er es zu tun hat, der will seine Sache noch selbst in die Hand nehmen. Wer aber Gott allein die Rache anheim gibt, der ist bereit geworden selbst zu leiden und zu dulden, ohne Rache, ohne einen Gedanken an eigne Rache, ohne HaรŸ und ohne Widerspruch, der ist sanftmรผtig, friedfertig, der liebt seine Feinde. Ihm ist Gottes Sache wichtiger geworden als seine Leiden. Er weiรŸ, Gott wird den Sieg behalten. โ€žMein ist die Rache spricht der Herr, ich will vergeltenโ€œ12 โ€“ und er wird vergelten! Aber wir sind frei von Rache und Vergeltung. Nur wer ganz frei ist von eignen Rachewรผnschen und von HaรŸ, und wer ganz gewiรŸ nicht sein Gebet wieder dazu benutzt, um eigne Rachegelรผste zu befriedigen, der kann in der Reinheit des Herzens beten: โ€žGott, zerbrich ihre Zรคhne in ihrem Maul, zerstoรŸe, Herr, das GebiรŸ der jungen Lรถwen.โ€œ Das heiรŸt ja, Gott deine Sache allein ist es, die hier Schaden leiden soll. Deine Ehre wird geschรคndet. Gott nun tritt du herein und vernichte deinen Feind, รผbe deine Gewalt, laรŸ deinen gerechten Zorn entbrennen. Gott lรครŸt sich nicht spotten.13 Er wird furchtbar Gericht halten รผber seine Feinde. Und ob wir erschrecken vor dem grauenhaften Wunsche des Psalms, Gottes Gewalt wird noch viel | grauenhafter sein fรผr den, den sie trifft. Und ob wir erschrecken vor Menschenfรคusten, wie viel mehr mรผssen wir erschrecken vor Gottes Fรคusten, die den Gottlosen zerschlagen um seines Reiches, seines Namens, seiner Ehre willen. Der Herr der Welt richtet sein Reich auf. Sein ist die Rache รผber seine Feinde.
Nun bricht David in einen unermeรŸlichen Jubel aus. Ganz gewiรŸ ist er der Erhรถrung des Gebets. In sich รผberstรผrzenden Bildern sieht er schon jetzt mitten in Kampf und Not und Leiden den Untergang der Gottlosen. โ€žSie werden vergehen, wie Wasser das dahin flieรŸtโ€œ โ€“ schnell und plรถtzlich wird [es] ein Ende mit ihnen nehmen. Wie sich Wasser schnell verlรคuft, so werden sie nicht mehr da sein. โ€žSie zielen mit ihren Pfeilen, aber dieselben zerbrechenโ€œ โ€“ noch schwirren die todbringenden Pfeile, aber sie kรถnnen keinen Schaden mehr tun, sie sind machtlos. โ€žSie vergehen wie eine Schnecke zerflieรŸtโ€œ โ€“ so voll Verachtung spricht David nun von seinen Feinden. Wie man eine Schnecke zertritt, so wird es sein, wenn Gott die Gewaltigen und GroรŸen dieser Erde zertreten wird. โ€žWie eine unzeitige Geburt eines Weibes sehen sie die Sonne nichtโ€œ โ€“ so schnell wird es mit ihnen aus sein, so werden sie im Dunkeln und in der Vergessenheit bleiben, und keiner wird nach ihnen fragen. โ€žEhe eure Dornen reif werden am Dornstrauch, wird sie eine Zornesglut wegreiรŸenโ€œ โ€“ Gottes Zorn wird die Plรคne seiner Feinde nicht zur Reife kommen lassen. Vorzeitig werden die Gottlosen weggerissen mit Gewalt. Sie bringen nichts zu Ende [โ€“] das ist Gottes Rache. Schnell wird sie kommen, schneller als wir geahnt haben.
โ€žDer Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht und wird seine FรผรŸe baden in des Gottlosen Blut.โ€œ Noch einmal schaudern wir zurรผck vor diesem Psalm. Ist dieses Ende nicht wirklich ganz unmรถglich fรผr uns als Christen zu beten? Liebe Gemeinde, wenn wir hier noch ausweichen, haben wir nichts von allem verstanden. Es geht ganz allein | um Gott und seine Gerechtigkeit. Der Gottlose muรŸ sterben, damit Gottes Gerechtigkeit siege.14 Es geht hier nicht mehr um menschliche Freundschaft und menschliches Mitleid. Es geht allein darum, daรŸ Gott den Sieg behรคlt. Wer vor dieser Freude รผber die Rache Gottes und รผber das Blut des Gottlosen zurรผckschreckt, der weiรŸ noch nicht, was am Kreuze Christi geschah. Gottes gerechte Rache รผber den Gottlosen ist ja schon รผber uns gekommen. Das Blut des Gottlosen ist ja schon geflossen. Gottes Todesurteil รผber die gottlosen Menschen ist gesprochen. Gottes Gerechtigkeit ist erfรผllt. Das ist geschehen im Kreuze Jesu Christi. Jesus Christus starb von Gottes Zorn und Rache getroffen den Tod des Gottlosen. Sein Blut ist das Blut, das Gottes Gerechtigkeit forderte fรผr die รœbertretung seiner Gebote. Gottes Rache ist vollstreckt, furchtbarer als es selbst der Psalm weiรŸ, mitten auf der Erde. Christus, der Unschuldige, starb den Tod des Gottlosen, damit wir [ihn] nicht sterben mรผssen. Nun stehen wir als die Gottlosen unter seinem Kreuze und nun lรถst sich ein schwer begreifliches Rรคtsel: Jesus Christus, der Unschuldige betet in der Stunde[,] in der Gottes Rache an dem Gottlosen auf Erden, in der unser Psalm sich erfรผllt: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.15 Er der die Rache trug, er allein durfte um Vergebung fรผr die Gottlosen bitten; denn er allein hat uns frei gemacht von Gottes Zorn und Rache, er hat seinen Feinden die Vergebung gebracht und keiner vor ihm durfte so beten. Er allein darf es. Sehen wir ihn an, den Gekreuzigten, so erkennen wir Gottes wahrhaftigen und lebendigen Zorn รผber uns Gottlose und im selben Augenblick die Befreiung von diesem Zorn, und wir hรถren: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
โ€žDer Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht und wird seine FรผรŸe baden in des Gottlosen Blut.โ€œ Ist das nicht wahrhaftige Gottesfreude? Ist das nicht Freude der | Gerechten, daรŸ Gottes Gerechtigkeit triumphiert am Kreuze, Freude รผber den Sieg Christi? Gottes Rache ist erloschen und das Blut des Gottlosen, in dem wir uns baden, gibt uns teil am Siege Gottes, das Blut des Gottlosen ist unsere Erlรถsung geworden, es macht uns rein von aller Sรผnde.16 Das ist das Wunder.
So ersteht mitten aus dem Psalm der Rache das Bild des blutigen Heilands, der fรผr die Gottlosen starb von Gottes Rache geschlagen uns zum Heil. Keiner ist hier ausgeschlossen. Christus hat die ganze Rache Gottes fรผr alle getragen. Wer zu ihm kommt, wer sich zu ihm hรคlt, den wird Gottes Zorn und Rache nicht mehr treffen, der ist im Schutze der Gerechtigkeit Christi, wer er auch sei. Wer aber nicht kommen will, wer sich vor dem Kreuze Christi nicht niederwerfen will als Gottloser, wer dem Kreuze Christi trotzt, รผber den wird Gottes Zornesgericht kommen, Gottes Rache, wie sie รผber Christus gekommen ist, aber nicht zum Leben, sondern zum ewigen Tode.
โ€žDie Leute werden sagen: Der Gerechte wird ja seine[r] Frucht noch genieรŸen.โ€œ Nicht Glรผck oder Macht oder Ehre dieser Welt ist die Frucht des Gerechten. Sie ist nichts anderes als die Gemeinschaft des Kreuzes Jesu Christi, die Erlรถsung vom Zorne Gottes. โ€žEs ist ja noch Gott Richter auf Erden.โ€œ Wo ist Gottes Gericht รผber die Gottlosen auf Erden? Nicht in sichtbarem Unglรผck, MiรŸerfolg oder Schande vor dieser Welt, sondern allein im Kreuze Jesu Christi. Ist uns das nicht genug? Sehen wir nicht in diesem Kreuz alle Feinde Gottes schon gefallen und gerichtet? Was soll all unsere Unruhe, die noch mehr sehen will als dieses Gericht Gottes? Darum, wenn wir irre werden wollen an Gottes Gerechtigkeit auf Erden, so laรŸt uns auf das Kreuz Christi sehen: hier ist Gericht, hier ist Begnadigung.
Was wir aber einst sehen sollen am jรผngsten Tage, die Errettung der Gerechten und die Verdammnis der Gottlosen, | das verdeckt uns heute noch der Gekreuzigte in seiner Liebe. Wir kรถnnten es auf dieser Erde nicht ertragen. Aber wir dรผrfen gewiรŸ sein, daรŸ alles zur Freude der Gerechten dienen wird. Es ist ja der Sieg und der Triumph Christi der dort offenbar wird in Errettung und Gericht. Bis zu jenem Tage aber wird der Satan weiter die Feinde gegen Christus und seine Gemeinde antreiben, mit Unrecht, Gewalttat und Lรผge. Mitten in diesem Toben betet Christus diesen Psalm stellvertretend fรผr uns. Er klagt die Gottlosen an, er ruft Gottes Rache und Gerechtigkeit รผber sie herbei und er gibt sich selbst allen Gottlosen zugute mit seinem unschuldigen Leiden am Kreuze.
Und nun beten wir diesen Psalm mit, in demรผtigem Dank, daรŸ uns Errettung geschenkt ist vom Zorn durch das Kreuz Christi; in der inbrรผnstigen Bitte, Gott wolle alle unsere Feinde unter das Kreuz Christi bringen und ihnen Gnade schenken, in brennendem Verlangen, der Tag mรถchte bald kommen, an dem Christus sichtbar รผber alle seine Feinde triumphiert und sein Reich aufrichtet. So haben wir diesen Psalm beten gelernt. Amen.

1 Im 17. Finkenwalder Rundbrief 3. 3. 1937 stand, zu Bโ€™s Geburtstag am 4. 2. sei an ihn der Wunsch gerichtet worden: โ€žDie โ€šNachfolgeโ€˜ mรถchte doch noch vor unserer Emeritierung erscheinenโ€œ; dazu konnte Bethge โ€žaber trรถstlich berichten, daรŸ der Teil โ€šBergpredigtโ€˜ fertig ist und damit nicht mehr viel an der Vollendung fehltโ€œ; im 18. Finkenwalder Rundbrief 17. 4. 1937: โ€žIn den Ferien hat, wie ich berichten kann, Bruder Bonhoeffer ein groรŸes Stรผck seiner Arbeit vorwรคrtsgebracht, was zu kรผhnsten Hoffnungen auf Fertigstellung AnlaรŸ gibt.โ€œ Fรผr den fรผnften Kurs erarbeitete Texte dienten B zur Ergรคnzung des Druckโ€“Ms, auch ein Teil der NTโ€“Vorlesung. Deren Thema โ€žGemeindeaufbau und Gemeindezuchtโ€œ ist im 19. Finkenwalder Rundbrief 15. 5. 1937 genannt. Siehe NL A 48,2 (17.โ€“19.). Vgl. II/29.1 (Sรคtze รผber Schlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament). Gang der Vorlesung s. Anhang III S. 1063.

2 NL B 9,4: Mitschrift unter der Vorlesungsbezeichnung โ€žNeues Testamentโ€œ von Otto Dudzus 1937 Seite 7โ€“10 (= OD); dazu aus dem zweiten Kurs NL B 18: Mitschrift von Eberhard Bethge am 9. 12. 1935 Seite 20โ€“23 (= EB), vgl. II/8.4 S. 447 f Anm. 124. Anfang des Abschnitts โ€ž3.) Verkรผndigung und Bekenntnisโ€œ in der Mitschrift EB.

3 1935/36 EB: โ€ž(auรŸer in Athen) โ€ฆ (Athen: Schule, Markt und Gerichtsplatz)โ€œ.

NT Neues Testament

4 Vgl. die frรผhere Formulierung 1935/36 EB: โ€žDie christliche Gemeinde will in jeder Beziehung der legitime Erbe des Volkes Gottes sein: darum Raum der Synagoge gehรถrt uns.โ€œ

5 Dt.: โ€žnach der Gewohnheitโ€œ, s. Act 17,2.

6 Siehe Act 19,9.

7 Act 18,6; 18,8: Krispus.

8 1935/36 EB in Punkt โ€žc.)โ€œ รผber die โ€žgottesdienstlichen Formenโ€œ: โ€žAkt 13,15. Im Rahmen des jรผdischen Gottesdienstes. Schriftlesung, Predigt und Gebet.โ€œ

9 1935/36 EB in Punkt โ€žd.)โ€œ zum โ€šLohnโ€˜ der Verkรผndiger des Evangeliums: โ€žKeine Gehaltsordnung.โ€œ

10 Mt 10,8.

11 Lk 10,7; vgl. DBW 4 (N), 199โ€“201 in Bโ€™s Auslegung der Aussendungsrede nach Mt 10.

12 1935/36 EB: โ€žDer Lohn ist die tรคgliche Nahrung, aber nicht die Sicherung fรผr den nรคchsten Tagโ€œ.

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

13 Siehe II Kor 11,7.13โ€“15; Tit 1,11; I Petr 5,2.

14 Vgl. Phil 4,10.15โ€“18.

15 Vgl. S. Kierkegaard, Augenblick Nr. 1 (24. 5. 1855), in Wilhelm Kรผtemeyers Kierkegaardbuch โ€žDer Einzelne und die Kircheโ€œ (von B fรผr sein Buch โ€žNachfolgeโ€œ benutzt) 226 und 227 f: โ€žโ€ฆ es gibt im Lande eine Million Menschen, ergo eine Million Christen โ€“ und [man] stellt dann 1000 Beamte an damit sie davon leben. โ€ฆ Die Art Geistliche, wie wir sie haben, stehen sich wahrlich am besten wenn sie sich nicht aufspielen und als Wahrheitszeugen zu gelten versuchen; denn wenn sie es sind, nun ja, dann ist das schwierige Problem unendlich leicht gelรถst: man ziehe ohne weiteres ihre ganze Gage ein und spare jede Pension โ€“ in so etwas mรผssen sich ja Wahrheitszeugen zu finden wissenโ€œ. Vgl. 1935/36 EB: โ€žPaulus arbeitet eigenhรคndig, 2. Kor 11 Vers 7 um seine Sendung deutlich von der der falschen Apostel abzugrenzen. Um der Glaubwรผrdigkeit seines Auftrags willen. Glaubwรผrdigkeit begrรผndet Verzicht.โ€œ Bei EB schlieรŸt an: โ€že.) Der Dienst des Verkรผndigers ist ein geordneter Dienst Akt 6,4. Wir aber wollen halten am Wort und Gebet. Zur Wortverkรผndigung gehรถrt Schriftstudium. Akt 18,25 die Verkรผndigung geschieht durch einen, der โ€šbrรผnstig im Geistโ€˜ ist. Akt 6,4 ฯ€ฯฮฟฯƒฮตฯ…ฯ‡ฮฎ [โ€žGebetโ€œ] bezeichnet nicht wohl Gemeindegebet oder so, sondern lรคngere Gebetszeit, Dienst an der Gemeinde, der nicht von jedem getan werden kann. Die sich absondern zu lรคngeren Gebetszeiten 1. Kor 7,5 Akt 9,12 [Vers 11: โ€žer betetโ€œ] 21,26. Besonderer Dienst an der Gemeinde. Weil die Gemeinde Krรคfte empfรคngt Jak 5,16, die es ohne Gebet nicht gibt Mk 9,25 [Vers 29]. Wortverkรผndigung und Gebet gehรถren nach NT also wohl inniger zusammen als Wortverkรผndigung und Diakonie. Der Verkรผndiger muรŸ mehr beten als andere. Er darf sich ebensowenig Zeit und Raum zum Gebet wehren lassen, wie er sich Raum und Zeit zur Verkรผndigung wehren lassen darf. Das ist Gottes Ordnung รผber den Verkรผndiger.โ€œ

16 Joh 19,34. Siehe DBW 4 (N), 230.

17 Vgl. 1935/36 EB: โ€žf.) Zur Verkรผndigung gehรถren auch die Sakramente. Ob durch den Verkรผndiger allein verwaltet, nicht klar. Nicht notwendig an den Verkรผndiger geknรผpft. Aber es gehรถrt zum Sakramentsdienst jeweils die Verkรผndigung des Todes Christi 1 Kor 1,10[โ€“17] Rรถ 6,3 Kol 2,20 [Vers 12: Taufe; vgl. 3,3] 1. Kor 11,26. Und zwar Tod verkรผndigt als die Gnadengabe an seine Gemeinde. Die Bedeutung der Taufe wird nicht etwa abgewertet. 1. Kor 1,13 Christus und Taufe zusammengewertet, nicht Abwertung gegeneinander, sondern nur Ausrichtung wohl getrennt. Wort gehรถrt allen Menschen; Sakramente gehรถren nur den Glรคubigen, der Gemeinde!โ€œ Vgl. DBW 4 (N), 244 f.

18 1935/36 EB: โ€žDurch die Taufe wird die Gemeinde einer, hineingezogen in die Gemeinde. Einer in Christo 1 Kor 12,13 Eph 4,15 [4,4 f โ€žGeistโ€œ, โ€žTaufeโ€œ]. Die Zusammengehรถrigkeit von Taufe und Geist bezeugt, daรŸ die Taufe nicht opus operatum [Werk, das durch bloรŸen Vollzug wirksam ist]. Dennoch reine passio [โ€žErleidenโ€œ]. Sofern sie Teilhabe am Leib Christi ist. Mitsterben und Mitleben aus der Kraft des Leibes Christi. Taufe Geist Leib Einheit, gehรถren hier wesentlich zusammen. Aus Taufe auch Einheit der Gemeinde gefolgert 1. Kor 1 [vgl. Vers 13]. Durch die Taufe der Leib Christi umgrenzt. Welche Rechte verleiht die Taufe? Verleiht die volle Teilnahme am Leben des Leibes Christi. Am Raum, den der Leib in der Welt einnimmt. Durch die Einheit in Christus die Unterschiede zwar nicht verloschen, aber gleichgรผltig und uninteressant. Gefragt nicht nach Rasse, sondern nach der Taufe. Hineintaufen in diesen Leib Christi.โ€œ Vgl. DBW 4 (N), 250.

V. Vers

V. Vers

19 Dt.: โ€žim Fleischโ€œ und โ€žim Herrnโ€œ.

20 Zur ApUโ€“Bekenntnissynode in Berlinโ€“Steglitz 23.โ€“26. 9. 1935 s. DB 555โ€“559. 1935/36 EB hat zum Philemonbrief nur: โ€žPhilemonbrief Vers 16! Die Einheit der Gemeinde in vollem Umfang. Unbedingte Teilnahme am ganzen Leben des Leibes Christi.โ€œ Im fรผnften Kurs trug B, mitgeschrieben OD 1937 Seite 21 f, die im Buch โ€žNachfolgeโ€œ gedruckte Philemonโ€“Auslegung vor, s. DBW 4 (N), 251 f.

21 1935/36 EB Stellenangabe zu โ€žHerstellung der ฮบฮฟฮนฮฝฯ‰ฮฝฮฏฮฑ [โ€žGemeinschaftโ€œ]โ€œ: โ€ž1. Kor 10,16 ffโ€œ (s. Vers 16 f). Vgl. DBW 4 (N), 230 und 244.

22 M. Luther, Sermon von dem hochwรผrdigen Sakrament des heiligen wahren Leichnams Christi und von den Bruderschaften. 1519 (WA 2, 738โ€“758). Dieser Sermon war B schon beim Schreiben seiner Dissertation wichtig, s. DBW 1 (SC), 117 Anm. 41).

23 1935/36 EB: โ€žIn der Abendmahlsgemeinschaft ist die vollkommene Gemeinschaft hergestellt, wo der eine dem anderen bedingungslos gehรถrt, darum Eph 5[,22โ€“32] das Ehebild fรผr diese Gemeinschaft gebraucht.โ€œ

24 1935/36 EB: โ€žIneinander von Gemeinde und Christus ausgedrรผckt, dennoch keine Verschmelzung.โ€œ Vgl. DBW 4 (N), 234. In Eberhard Bethges Mitschrift am 9. 12. 1935 folgt noch ein Absatz, vgl. II/8.4 S. 448 Anm. 124. Den Teil โ€žIII. Der Raum der ร„mter und der Gabenโ€œ schrieb er 1935/36 nicht mehr mit.

25 NL B 9,4: Mitschrift von Otto Dudzus Seite 10โ€“17 (= OD). Vgl. II/8.6 S. 452โ€“460 Bโ€™s Vorlesungsโ€“Ms NL A 57,3 (2) und Friedrich Trentepohls Mitschrift 1935/36 Seite 15โ€“22.

etc. et cetera (โ€žund die รผbrigenโ€œ), und so weiter

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

26 Dt.: โ€žDienstโ€œ. โ€žDienerโ€œ.

27 Lรผcke bei OD; s. II/8.6 S. 454: Eph 1,10; 3,2.9. Dt.: โ€žHausverwaltungโ€œ oder โ€žHaushalterschaftโ€œ.

28 Dt.: โ€žBischofโ€œ, โ€žร„ltesterโ€œ.

f folgende Seite bzw. folgender Vers

29 Vgl. II/8.6 S. 454: Der Zusatz in Bโ€™s Ms zur Einsetzung der ฮดฮนฮฑฮบฮฟฮฝฮฏฮฑฮน wird erst nach dem zweiten Kurs 1935/36 entstanden sein. Vgl. DBW 4 (N), 245 f.

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

30 Dt.: โ€žGnadengabenโ€œ und โ€žGeistโ€œ.

31 Dt.: โ€žHerrโ€œ.

V. Vers

V. Vers

32 Dt.: โ€žร–ffentlichwerdenโ€œ.

V. Vers

V. Vers

V. Vers

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

33 Dt.: โ€žWort des Wissensโ€œ.

NT Neues Testament

34 I Kor 8,1.

35 I Kor 12,8.

36 Dt.: โ€žWeisheitโ€œ.

37 Dt.: โ€žGlaubeโ€œ.

38 Vgl. M. Luther, Auslegung deutsch des Vaterunsers fรผr die einfรคltigen Laien. 1519 (WA 2, 126โ€“128 โ€žVon dem wortlein Amenโ€œ; 127: โ€ždeyner warheit gewiszheyt macht mich, das ichs festlich glewbโ€œ).

39 Dt.: โ€žGaben des Heilensโ€œ.

40 Dt.: โ€žProphetieโ€œ. Keine Aufzeichnungen dazu an dieser Stelle; vgl. II/8.6 S. 456 in Bโ€™s Ms: โ€ž(siehe unten)โ€œ.

41 Dt.: โ€žUnterscheidung der Geisterโ€œ.

42 Noch nicht so entschieden argumentierte B im zweiten Kurs, s. II/8.6 S. 457 f Anm. 195 1935/36 FTr (โ€žOb eine Christuserscheinung Voraussetzung fรผrs Apostelamt ist, lassen wir dahingestellt seinโ€œ). Vgl. DBW 4 (N), 243: Die Apostel โ€žhaben den Menschgewordenen, Gekreuzigten und Auferstandenen gesehenโ€œ โ€“ eine Zufรผgung gegenรผber Bโ€™s Ms fรผr die Vorlesung am 18. 11. 1935, s. II/8.1 S. 432.

43 Vgl. Mt 10 und 28,18โ€“20.

44 Dt.: โ€žApostelโ€œ, vom Verb แผ€ฯ€ฮฟฯƒฯ„ฮญฮปฮปฮตฮนฮฝ, โ€žsendenโ€œ.

45 I Kor 15,6 f โ€žNestleโ€œ: Der Auferstandene ist gesehen worden โ€žvon mehr denn fรผnfhundert Brรผdern โ€ฆ darnach von allen Apostelnโ€œ.

f folgende Seite bzw. folgender Vers

46 Vgl. Act 1,21 f.

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

47 I Kor 9,1: โ€žHabe ich [Paulus] nicht unsern Herrn Jesus Christus gesehen?โ€œ

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

48 Act 8,17; Joh 20,22.

49 Vgl. Mt 10,1 und Lk 10,1; Lk 10,16 (vgl. Mt 10,40).

50 Act 11,28.

= Zeichen fรผr Gleichsetzung

51 Dt.: โ€žProphetenโ€œ.

52 Dt.: โ€žLehrerโ€œ.

53 Siehe I Kor 12,28; Rรถm 12,8.

NT Neues Testament

54 Dt.: โ€žLeiterโ€œ.

usw. und so weiter

55 Die Pluralform (โ€“ฮฟฮน) ist bei OD unterstrichen.

56 I Tim 3,1โ€“13.

57 Vgl. I Tim 3,2.

58 I Tim 3,11 โ€žNestleโ€œ Lutherโ€“dt. โ€žDesgleichen ihre Weiberโ€œ (โ€žihreโ€œ hat keine Entsprechung im griech. Text) klingt, als handele es sich um Ehefrauen der Diakone.

59 Vgl. Num 11,16.

60 Siehe Act 20,17 (so in Bโ€™s Ms).

61 Dt.: โ€žVorsteherโ€œ.

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

NT Neues Testament

62 Dt.: โ€žWitwenโ€œ.

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NT Neues Testament

63 Hiernach folgt bei OD Seite 17โ€“20 โ€žVersiegelung und Heiligungโ€œ; s. im vierten Kurs II/22.1 S. 725โ€“728 1936/37 EK.

1 DB 643: B lud โ€žgleich nach Pfingsten 1937 einige entschlossene Pfarrer aus Pommern, der Provinz Sachsen und Brandenburg zu einer Beratung รผber Recht und Mรถglichkeiten der Kirchenzucht nach Finkenwalde einโ€œ, s. I/140 (Brief 18. 4. 1937 an Martin Strege und Arbeitsplan 19.โ€“23. 5. 1937). Auf dieser Pfarrerfreizeit referierte B im Beisein der Kandidaten des fรผnften Kurses รผber Schlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament. Bei der Freizeit in Stecklenberg im Harz 24.โ€“27. 8. 1937 (vgl. I/146 Brief Bโ€™s an Zippel) behandelte B โ€žSchlรผsselgewalt und Gemeindezuchtโ€œ nicht nur im NT, sondern auch bei den Reformatoren.

2 NL A 57,5: masch. Hektographie; Abdruck: GS III 369โ€“381. Vgl. DBW 4 (N), 287โ€“292: Wiedergabe (im Erstdruck des Buches โ€žNachfolgeโ€œ 1937 nahezu zeichengetreu einschlieรŸlich versehentlicher Interpunktion) der โ€žSรคtzeโ€œ 8 und 9. Dazu NL B 26: stenographische Mitschrift in masch. Transkription der Aussprache in Finkenwalde Mai 1937 von Heinz Krรผger (= HKr); NL A 47,6 (5): stenographische Mitschrift in masch. Transkription des Vortrags in Stecklenberg im Harz (Thema dort erweitert: โ€žSchlรผsselgewalt und Gemeindezucht im Neuen Testament und bei den Reformatorenโ€œ) am 24. 8. 1937 von Hulda Trebesius Seite 1โ€“3 (= HT).

3 Nach Mt 16,19 โ€žNestleโ€œ Lutherโ€“dt. will Jesus Petrus โ€ždes Himmelreichs Schlรผssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lรถsen wirst, soll auch im Himmel los seinโ€œ.

4 HT: โ€žnicht mehr Rettung aus der Verdammnis, sondern Anwendung eines allgemeinen Satzes: Dieu pardonnera, cโ€™est son metierโ€œ (โ€žGott wird verzeihen, das ist sein Berufโ€œ); diesen (Heinrich Heine zugeschriebenen) Ausspruch hatte B auch in der homiletischen รœbung zu Rรถm 6,1โ€“11 im ersten Kurs zitiert, s. II/3.9 S. 348 (Mitschrift Bethge 1935).

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bzw. beziehungsweise

5 Vgl. lat. absolvere = loslรถsen, retenire = zurรผckoder behalten.

6 HT: โ€žSchon in der Reformationszeit macht sich MiรŸbrauch geltend: man predigt Gesetz hรถchstens noch als allgemeine Sรผndenpredigt. Die Kirchenordnungen fordern demgegenรผber konkrete BuรŸpredigt.โ€œ

7 HT: โ€žDer Unterschied zur Predigt: In der Beichte geschieht der Zuspruch nicht nur pronuntiative [als Aussage] sondern effektiv (exhibitive). โ€ฆ Nicht: die Vergebung hรคngt an meinem Glauben (Predigt) sondern: mein Glaube hรคngt an der Vergebung meiner Sรผnden (Beichte). Darum darf die exhibitive Absolutionsformel nicht รผber den ganzen Haufen ausgesprochen werden.โ€œ

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8 Vgl. I/140.2 S. 285 in der Tagungsplanung: โ€žBezugnahme auf Bugenhagens Kirchenordnung ist erwรผnscht (erhรคltlich in H. Lietzmann: Kleine Texte).โ€œ Die von Hans Lietzmann hg. Reihe โ€žKleine Texte fรผr theologische Vorlesungen und รœbungenโ€œ enthรคlt Bugenhagens Braunschweiger Kirchenordnung von 1528, die auch fรผr seine spรคteren Kirchenordnungen, u. a. die fรผr Pommern von 1535, grundlegend wurde. Ein Exemplar โ€žPommersche Kirchenโ€“Ordnung und Agenda โ€ฆโ€œ, das in der Finkenwalder Seminarbibliothek stand, weist Striche und Notizen bes. zu Kirchenzucht und Beichte auf; an der Stelle โ€žDerowegen soll โ€ฆโ€œ (Agenda, 132) ist neben dem unterstrichenen Text โ€ždie Absolution โ€ฆ absetzenโ€œ ein groรŸes Ausrufungszeichen. Vgl. E. Sehling, Die evangelischen Kirchenordnungen IV, 446 (in โ€žAgenda. 1569โ€œ): โ€žDerwegen schal mit ernste vorbaden sin, dat de parrherren dat volk nicht bi hupen, in gemene absolveren โ€ฆ unde so jemand ut giricheit, gunst der lรผde edder ut vuelheit, dat he der arbeit vorhaven si, de absolution int ungewisse aver dat volk buwen hen spreckt, den schal de superintendens, wenn he vormanet is, unde nicht afflet, alse einen untruwen meedtlink vam predigamte affsetten.โ€œ A. a. O., 325 in der Einleitung fรผr โ€žDas Herzogthum Pommernโ€œ zu dieser Agende: โ€žEin besonderes Gewicht legte die pommersche Geistlichkeit nach Bugenhagenโ€™s Vorgange (s. Kirchenordnung von 1535 [a. a. O., 330 โ€žVan der bichtโ€œ]) auf die Beichte.โ€œ In der Agende handele es sich um โ€žeine catechetische Fortentwickelung der Lehre von der Schlรผsselgewaltโ€œ. HT im AnschluรŸ: โ€žHier liegt auch der Unterschied zwischen lutherischer und reformierter Auffassung der Schlรผsselgewalt: reformiert: Schlรผsselgewalt = Verkรผndigung des Evangeliums (รถffentlich) und christliche BuรŸzucht; lutherisch: hier kommt noch die effektive Wirkung der Absolution in der Privatbeichte hinzu, die fรคllt in der reformierten Kirche aus. Beichten ist hier: Sich Rat holen (Heidelberger Katechismus Frage 83 f)โ€œ.

9 Hierzu s. DBW 4 (N), 180.

10 Dieser Satz wurde in der Finkenwalder Aussprache angefochten (HKr: โ€ždie Kirche maรŸe sich zuviel anโ€œ). Siehe II/29.2 S. 844: These โ€ž2)โ€œ enthรคlt Bโ€™s Entgegnung.

11 HT: โ€žWir fragen im Blick auf unsere bisherige Taufpraxis: Vollzieht sich jetzt schon jener Fluch an uns?โ€œ

12 HT: โ€ždie da drauรŸen (Missionsgemeinde)โ€œ.

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13 HT: โ€žKirchenzucht gibt es nur innerhalb der Gemeinde.โ€œ

14 HT: โ€ž(Deutsche Messe 1526 schlรคgt vor, fรผr die, die mit Ernst Christen sein wollen, den Bann = Gemeindezucht wieder einzufรผhren.) Luther wollte โ€“ nein durfte, wie er sagt, noch nicht mit der Bildung solcher Gemeinde anfangen. Wird etwas von dem heute in den bekennenden Gemeinden wahr? โ€“ Der Unterschied zur Missionssituation im Neuen Testament liegt ja darin, daรŸ der โ€šgrobe Haufeโ€˜ doch die Gemeinde der Getauften ist. Wo setzt Gemeindezucht ein? In den bekennenden Gemeinden. (1529 Entwurf der hessischen Kirchenordnung. Luther stimmt in der Sache zu, lehnt in der Praxis ab: Das muรŸ wachsen.)โ€œ

15 HT: โ€žDie Sakramentsgemeinde ist geschlossen, durchs Wort gewonnene und durchs Sakrament zum Leibe Christi gewordene Gemeindeโ€œ.

16 Mit diesem 6. โ€žSatzโ€œ vgl. DBW 4 (N), 224โ€“226.

f folgende Seite bzw. folgender Vers

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

f folgende Seite bzw. folgender Vers

17 I Kor 12,12โ€“30; Rรถm 12,4โ€“21.

18 HT: โ€žChristliche BuรŸzucht ist immer nur der AusschluรŸ aus der Gemeinschaft der Gemeinde, nicht aus der Gemeinde, aus der Kirche. BuรŸzucht kann sich immer nur in dem Rahmen innerhalb der Taufe vollziehen, innerhalb der Gemeinde.โ€œ

usw. und so weiter

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19 HT: โ€žDas heiรŸt aber, daรŸ Kindertaufe nicht das Sakrament der Bildung einer Volkskirche ist, sondern nur innerhalb einer glaubenden Gemeinde (bekennenden Gemeinde) geรผbt werden kann. Notwendige Voraussetzung der Taufe ist also: Bereitwilligkeit und Fรคhigkeit der Kinder zum Katechumenat. Katechumenat beginnt mit dem Patenamt. Patenamt, Katechumenat entspringen notwendig aus dem neutestamentlichen Begriff der Taufe. (Kirchenordnung: Vater des Kindes soll die Taufe erbitten, die Paten sollen fromme Leute sein.)โ€œ

20 Vgl. I Kor 11,28: โ€žder prรผfe sich selbstโ€œ (แผ‘ฮฑฯ…ฯ„ฯŒฮฝ). Hierzu und zu dem im vorigen Absatz zitierten Vers 29 s. DBW 4 (N), 287.

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etc. et cetera (โ€žund die รผbrigenโ€œ), und so weiter

21 HT: โ€žWeil ich mir รผber die Kraft meiner Selbstprรผfung im Zweifel bleiben muรŸ (Anfechtung!), kann an Stelle der Selbstprรผfung das Beichtverhรถr treten, um der GewiรŸheit der Selbstprรผfung willen. (Dรผrftiger Rest dessen bei uns ist die Sitte der Anmeldung zum Abendmahl.) Die Reformationsgeschichte zeigt die Schwierigkeit, Glaubensverhรถr und Beichtverhรถr inโ€™s rechte Verhรคltnis zu setzen. Aus dem Beichtverhรถr wurde Katechismusverhรถr: Sonnabends Katechismus abgefragt, darauf Absolution! Bekenntnisschriften C.A. 25: Keiner soll unverhรถrt zum Abendmahl zugelassen werden.โ€œ

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

22 Der folgende Text bis zum Ende des 9. โ€žSatzesโ€œ ging ein in Bโ€™s Buch โ€žNachfolgeโ€œ, vgl. DBW 4 (N), 287โ€“292 bis zum Ende der Anmerkung 20).

23 HT: โ€žOrdinationsgelรผbde! Da liegt der praktische Beginn der Kirchenzucht.โ€œ

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24 So (auch Vers โ€ž26โ€œ) im Druck der โ€žNachfolgeโ€œ 1937; s. II Tim 2,25 f, vgl. DBW 4 (N), 289. Im โ€žNestleโ€œ Lutherโ€“dt. steht in Vers 25 kein โ€žnichtโ€œ (โ€žโ€ฆ Gott dermaleinst BuรŸe gebe โ€ฆโ€œ), und Vers 26 lautet: โ€žund sie wieder nรผchtern wรผrden aus des Teufels Strick, von dem sie gefangen sind zu seinem Willenโ€œ. Vermutlich sollte Bโ€™s Zitat lauten: โ€žโ€ฆ und sich von ihm [dem Teufel] nicht einfangen lassen in seinen Willenโ€œ.

25 Mt 18,15: โ€ždeinen Bruderโ€œ; auch DBW 4 (N), 289 steht โ€žeinenโ€œ.

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d. h. das heiรŸt

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26 I Tim 5,19.

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

27 II Kor 2,6โ€“10.

28 Dieses versehentlich gesetzte Semikolon wurde 1937 zeichengetreu im Buch โ€žNachfolgeโ€œ abgedruckt.

ff folgende Seiten bzw. folgende Verse

29 Vers 18 und 20.

30 Siehe Vers 11; โ€žTit. 3,10โ€œ auch im Druck der โ€žNachfolgeโ€œ 1937.

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d. h. das heiรŸt

d. h. das heiรŸt

31 Vgl. II Tim 2,20: GefรครŸe โ€žzu Unehrenโ€œ; vgl. Rรถm 9,21โ€“23; Jer 18,6; Jes 45,9.

32 Der hier endende Absatz nicht im Buch โ€žNachfolgeโ€œ. Mit dem folgenden Absatz beginnt Bโ€™s Anmerkung 19) DBW 4 (N), 291, an die sich Anm 20) โ€“ in ihr ist der 9. โ€žSatzโ€œ abgedruckt โ€“ anschlieรŸt.

33 Aus dem Griechischen als Fremdwort in die Kirchensprache รผbernommene Bezeichnung fรผr โ€žAusstoรŸungโ€œ, โ€žVerbannungโ€œ, โ€žVerfluchungโ€œ aus der kirchlichen Gemeinschaft.

34 Dt.: โ€žBannโ€œ.

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35 Dt.: โ€žLehre ist Himmel, Leben ist Erdeโ€œ. Von B hรคufig zitiertes Lutherwort aus der Galaterbriefโ€“Vorlesung 1531/35, hier in der Druckfassung WA 57, 13.

d. h. das heiรŸt

36 Otto Dudzus hat 1937 im Zusammenhang der NTโ€“Vorlesung (NL B 9,4 Seite 29: โ€žDem Satan รผbergebenโ€œ, แผ€ฮฝฮฌฮธฮตฮผฮฑ, Lehrzucht) notiert: โ€ž โ€šNiemandem die Hรคnde zu frรผh auflegenโ€˜. Timotheus da 40. Wir mit fast 20 Jahren auf Kanzel. Ungeheure Gefahr.โ€œ

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37 Verse 13โ€“16.

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38 Siehe I Kor 1,12 f.

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vgl. vergleiche

z. B. zum Beispiel

39 Von โ€žTreten Lehrverschiedenheiten โ€ฆโ€œ bis hierher nicht in der Anmerkung 20) DBW 4 (N), 292, jedoch รคhnlich a. a. O., 247.

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40 Vgl. auch Vers 9 (โ€žder hat keinen Gottโ€œ).

41 HT: โ€žWer hat die Vollmacht, so etwas zu sagen oder zu tun? Es geht nicht darum, daรŸ wir Vollmachten hรคtten, sondern daรŸ hier ein Gebot Christi vorliegt. Wir haben diesen Befehl, die einzige Vollmacht ist der Auftrag und das Gebot Christi, gegen das wir sรผndigen, wenn wirโ€™s in eigener Vollmacht verkรผrzen. Sind die Gemeinden reif? Die Frage nach der Reife ist die Frage nach der Not der Gemeinde. Der Gemeinde tut es not, dann ist sie reif.โ€œ

42 Dt.: โ€žSpaltungenโ€œ.

43 Siehe Vers 22.

44 Mit diesem 10. โ€žSatzโ€œ vgl. DBW 4 (N), 245 f.

45 NL B 26: stenographische Mitschrift in masch. Transkription der Aussprache in Finkenwalde Mai 1937 von Heinz Krรผger (= HKr); in den Thesen (HKr Seite 1) sind Bโ€™s Beitrรคge in der Aussprache unter den Pfarrern zusammengestellt.

46 Vgl. Vers 15โ€“20.

47 Nach HKr verwies Pfarrer Peter Bultmann auf Luther (1521 Bannbulle Papst Leos X. gegen Luther); daraufhin B: โ€žEs muรŸ gewagt werden!โ€œ

48 Dt.: โ€ždie eine heilige (Kirche)โ€œ.

49 NL A 47,6 (5): stenographische Mitschrift in masch. Transkription der an den Vortrag anschlieรŸenden Aussprache in Stecklenberg im Harz am 24. 8. 1937 von Hulda Trebesius Seite 3 f (= HT).

50 Dt.: โ€žTrรถstungโ€œ.

51 Dt.: โ€ždas sichtbare Wortโ€œ.

52 Sc. Christus.

53 Dt.: โ€žGesetzlosigkeitโ€œ bzw. โ€žGesetzlichkeitโ€œ. Antinomismus und Nomismus sind Begriffe im Streit um die Geltung des Gesetzes im 16. Jahrhundert.

= Zeichen fรผr Gleichsetzung

54 Dt.: โ€ž(unzulรคssige) Heilssicherheitโ€œ โ€“ im Gegensatz zur notwendigen โ€žGewiรŸheit des Glaubensโ€œ (certitudo).

55 Dt.: โ€žDu bist gewiรŸโ€œ (sc. des Glaubens).

56 Pfarrer Giersch war fรผr die Finkenwalder Freizeit Mai 1937 als Referent zum Thema โ€žAufbau einer Bekennenden Gemeinde nach Barmen und Dahlemโ€œ vorgesehen. Er scheint in Stecklenberg zum gleichen Thema gesprochen zu haben.

57 Vgl. I Petr 4,17.

58 Vgl. Phil 2,12.

= Zeichen fรผr Gleichsetzung

59 Vgl. Hebr 4,12.

60 Vgl. I Kor 9,16: โ€žUnd wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!โ€œ โ€“ HT hat nicht protokolliert, was Johannes Hamel, ein Teilnehmer der Konferenz, berichtet (Brief an den Hg. Otto Dudzus 15. 12. 1988): โ€žErinnerlich ist mir nur, daรŸ Bonhoeffer รผber die Frage der erneuerten Taufzucht referierte โ€“ Taufe nur gewรคhren an fromme Eltern, die sich zu Gottes Wort halten โ€“ und den hรถchsten Zorn Schniewinds erregte: โ€šNun wollen Sie die armen Menschen massenweise aus der Kirche herauswerfen, denen noch nie das Evangelium gepredigt worden ist! Denn in unseren Gegenden hat es nie eine Erweckung gegeben, alles kam jeweils von der Obrigkeitโ€˜ โ€“ und Bonhoeffer schwieg.โ€œ Mit Sicherheit nicht aus Mangel an Gegenargumenten!

1 NL A 53,2: masch. Hektographie (wahrscheinlich Abschrift durch Albrecht Schรถnherr von Bโ€™s hsl. Ms [verschollen]); Abdruck: GS IV 391โ€“399 und PAM 11 16โ€“24. Die Predigt wurde am Sonntag Exaudi, 2. 6. 1935, in der Dorfkirche Zingst gehalten. Die Seminaristen hatten den Dorfpfarrer um รœberlassung des Gottesdienstes gebeten. Am 2. 6. 1935 schrieb Gerhard Vibrans (vgl. Briefedition โ€žSo ist es gewesenโ€œ, 159) an seinen Vater: โ€žHeute hat nun Bonhoeffer eine wunderbare Predigt gehalten, d.h. es war in Praxis ein rechter Bekenntnisgottesdienst oder noch besser: Bittgottesdienst. โ€ฆ Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist nun kein guter Gottesdienstbesuch, wir stellten ein wesentliches Kontingent. Trotzdem war der Eindruck groรŸ. โ€ฆ die Leute (wir selbstverstรคndlich) haben alle zugehรถrt. Als die berรผhmten 19 hessischen Pfarrer usw. [Abkรผndigung der Namen verhafteter Pfarrer] kamen, kam eine Bewegung in die Kirche. Eine Frau vor mir schรผttelte ihren Kopf, anderer bemรคchtigte sich so eine Erregung, daรŸ sie ihr Taschentuch hervorholten. โ€ฆ DaรŸ dann noch im SchluรŸgebet ausdrรผcklich fรผr Pfarrer im Konzentrationslager und im Gefรคngnis gebetet wurde, machte sichtlich einen tiefen Eindruck. Welche Gefรผhle mag der arme BDM [โ€žBund der Mitteโ€œ]-Pastor gehabt haben, der das alles miterlebte. Die Gemeinde kann ja doch nun fragen: Warum sagst Du uns nichts davon? Und die Gegenseite wird mobil machen und sagen: Wie konntest Du diesen Landesverrรคter auf deine Kanzel lassen?โ€œ Vgl. I/3 das polizeiliche Vernehmungsprotokoll vom 6. 6. 1935.

2 Vgl. Act 17,23.

3 Am 30. 9. 1935 notierte Eberhard Bethge (NL 8/18 Seite 61) bei Bโ€™s Bergpredigtauslegung zu Mt 7,7 (โ€žsuchet, so werdet ihr findenโ€œ): โ€žAugustin: โ€šDu wรผrdest mich nicht suchen, wenn du mich nicht schon gefunden hรคttest.โ€˜ย โ€œ Vgl. DBW 4 (N), 182.

4 EG.BP 216, EKG 287 (Martin Moller 1596) Strophe 1. Diese wie alle folgenden Liedstrophen wurden jeweils nach Kurzauslegung und Gebet von der Gemeinde gesungen.

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5 Vgl. I Kor 13,12.

6 Strophe 2 des geistlichen Liedes von Gustav Knak โ€žLaรŸt mich gehn, laรŸt mich gehn, daรŸ ich Jesum mรถge sehnโ€œ EG.BP 581.

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7 Anklang an M. Luther, De captivitate Babylonica ecclesiae. 1520 (WA 6, 511,37 f): โ€žHic homo est deus, hic deus est homo.โ€œ (โ€žDieser Mensch ist Gott, dieser Gott ist Mensch.โ€œ) Siehe auch DBW 4 (N), 241.

8 EG.BP 196, EKG 249 (Georg WeiรŸel 1623) Strophe 1.

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9 EG.BP 108, EKG 217 (nach Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf 1725/1753) Strophe 1. Am 5. 8. 1936 im Olympiadeโ€“Vortrag erhob B gegen das Lied erhebliche theologische Bedenken, s. II/21 S. 718. Fรผr den Gemeindegottesdienst am 2. 6. 1935, dem ersten mit dem Seminar, wรคhlte B aus diesem Lied und geistlichen Volksliedern wie โ€žLaรŸt mich gehnโ€œ und โ€žWie mit grimmgem Unverstandโ€œ Strophen aus. Vgl. DB 508 und 506: โ€žBonhoeffer wehrte der Verwechslung der Kanzel mit einem Kathederโ€œ und vermittelte โ€žeinen Instinkt fรผr den Sachverhalt des Gottesdienstesโ€œ.

10 EG.BP 222, EKG 297 (Paul Gerhardt 1653) Strophe 1.

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11 EG.BP 320, EKG 320 (Johann Matthรคus Meyfart 1626) Strophe 1.

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12 Strophe 4 des geistlichen Liedes von Johannes Daniel Falk โ€žWie mit grimmgem Unverstandโ€œ EG.BP 558.

13 Vgl. Rรถm 8,28. An diesen Vers erinnerte B dann auch in der Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943 โ€žNach zehn Jahrenโ€œ DBW 8 (WEN 20: Gott braucht โ€žMenschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassenโ€œ).

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14 EG.BP 251, EKG 232 (Paul Gerhardt 1653) Strophe 1.

15 EG.BP 161, EKG 140 (Nikolaus Selnecker 1572) Strophe 1.

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16 EG.BP 98, EKG 209 (Johann Heermann 1630) Strophe 1.

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17 Strophe 6 des Liedes โ€žJesu, meine Freudeโ€œ EG.BP 198, EKG 293 (Johann Franck 1653).

1 NL A 43,17: hsl., Fotokopie (Ms bei Elisabeth Bornkamm); Abdruck: GS V 561โ€“568 und PAM II 25โ€“32. Die Predigt wurde am 5. Sonntag nach Trinitatis, 21. 7. 1935, im Predigerseminar Finkenwalde gehalten. Im Ms steht der zusammenhรคngende Sacharjaโ€“Text (LB) der Predigt nicht voran.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

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2 Teile aus den Strophen 6 und 7 des Liedes โ€žHรผter, wird die Nacht der Sรผnden nicht verschwinden?โ€œ EG.BP 180, EKG 266 (Christian Friedrich Richter 1704). Vgl. II Kor 3,13โ€“16 zu Ex 34,33.35 (โ€žDeckeโ€œ).

3 Ersetzt wohl: โ€žSรผndeโ€œ.

4 Vgl. Luthers รœbertragung des griech. Wortes โ€žEvangeliumโ€œ in der Vorrede auf das Neue Testament. 1522 (WA.DB 6, 2,23 f).

5 Ersetzt: โ€žausgekรคmpftโ€œ.

6 Vgl. Apk 2,7 u. รถ. (โ€žWer Ohren hat, der hรถreโ€œ).

7 Vgl. Esra 2,2 u. รถ. (Jesua), dazu Bโ€™s Bibelarbeit รผber den Wiederaufbau Jerusalems 21. 4. 1936 III/13 S. 935.

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8 Vgl. die Anspielung (โ€ž โ€šDenn auch die Dunkelheit muรŸ Licht sein vor dirโ€˜, sagt der Psalmโ€œ) wohl auf Ps 139,12 in Bโ€™s BuรŸtagspredigt zu II Kor 5,10 in London am 19. 11. 1933 DBW 13, 322.

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9 Ersetzt: โ€žSatan und Gott, der Herrโ€œ.

10 Ersetzt: โ€žGottโ€œ.

11 Gestr.: โ€žsei nicht satanischer als du sein darfstโ€œ.

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12 Gestr.: โ€žderen Haupt er istโ€œ.

13 Ersetzt: โ€žverschiedenen Motiven unsere Arbeit an der Kirche getan wirdโ€œ.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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14 Ersetzt: โ€žer hat sie auf sich genommen und uns [nicht gestr.:] freigesprochenโ€œ.

15 Ersetzt: โ€ždurch die uns Gott als rein ansiehtโ€œ. Vom โ€šBekleidenโ€˜ โ€“ bzw. โ€žChristus anziehenโ€œ (Gal 3,27) โ€“ sprach B in den Finkenwalder NTโ€“Vorlesungen seit dem zweiten Kurs 1935/36, s. II/8.2 (โ€žSichtbare Kirche im Neuen Testamentโ€œ) S. 436 und DBW 4 (N), 233.

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1 NL A 53,11: hsl.; Abdruck: PAM II 137 f. Undatiert, mรถgliche Abfassungszeit Sommer 1935. Vielleicht Skizze einer WochenschluรŸandacht zu Prov 3,27โ€“35. Im Ms ist der Text nicht zitiert, in LB Vers 28 mit Bleistift angestrichen.

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2 Vgl. Prov 3,5 (โ€žverlaรŸ dich nicht auf deinen Verstandโ€œ).

3 โ€šLebenserfahrungโ€˜ ist hinzugefรผgt; vgl. etwas weiter unten: Lebens- im Gegensatz zu Gottesund Christuserfahrung.

4 Nachtrรคgliche Hinzufรผgung am oberen Msโ€“Rand.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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] Hinzufรผgungen der Herausgeber

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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5 Dieser Satz ist Randbemerkung neben dem folgenden Satzanfang (Gottes Hilfe kommt, wenn sie gebraucht wird).

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

6 Durch Zusatz verรคndert aus: โ€žNichtโ€“ernstnehmen des Todesโ€œ.

7 โ€žJede Bitte โ€ฆ sterben?โ€œ ist Randbemerkung.

8 Vgl. DBW 5 (GL), 78 f und DB 491 (Finkenwalder Regel).

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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1 NL A 51,8: hsl., undatiert, mรถgliche Abfassungszeit Sommer 1935; Abdruck: GS IV 448 f und PAM II 113โ€“115. Nicht alle Unterstreichungen (sie sind zum Teil doppelt) werden wiedergegeben. Zur in Finkenwalde geรผbten Beichtpraxis vgl. DBW 5 (GL), 93โ€“102 und DB 532 f.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

2 LB: โ€žโ€ฆ dem wird nicht gelingenโ€œ; B hat mit Bleistift den Vers angestrichen und โ€žesโ€œ eingefรผgt. In der Skizze ist der Spruch nicht zitiert.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

3 โ€žzum Verklรคger der Brรผder werdenโ€œ und โ€žzum Verklรคger des Schรถpfersโ€œ sind Zusรคtze.

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1 NL A 52,2: hsl., ohne รœberschrift, ohne Datum, aber wahrscheinlich (da voller Erwรคgungen fรผr den Tagesbeginn im gemeinsamen Leben des Seminars) im Sommer 1935 entstanden; Abdruck: GS IV 290โ€“293 und PAM II 185โ€“189. Im Frรผhjahr 1936 lag das Ms der Ausarbeitung der โ€žAnleitung zur tรคglichen Meditationโ€œ zugrunde, s. III/14. Vgl. 1938 DBW 5 (GL), 35โ€“38 (Tagesanfang), 70โ€“75 (Schriftmeditation) und 38โ€“56 (gemeinsame Morgenandacht).

2 Doppelt unterstrichen. Vgl. DBW 3 (SF), 45 f โ€žDer Tagโ€œ (zu Gen 1,4 f).

3 Stichworte und Bibelstellen notierte B sich als Merkpunkte fรผr die Weiterarbeit (รคhnlich z. B. II/22.2 seine Notizen 1936/37 zu den Lasterkatalogen). Die Angaben โ€ž[Ps] 55,18 (!) 73,14โ€œ und โ€žAm 4,4 5,8โ€œ sind gestrichen.

4 Ersetzt: โ€žรœber den heutigen Tag hinaus sorgen zu wollen, hat Jesus uns verboten.โ€œ

5 Ersetzt: โ€žoder in Unglauben zu versinkenโ€œ.

6 Ersetzt: โ€žGnadeโ€œ.

7 Ersetzt: โ€žGemeindeโ€œ; der Teilsatz ersetzt: โ€žFrรผh am Morgen kommt Gott seiner heiligen Stadt, der Kirche, zu helfen.โ€œ

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8 Vgl. Mk 16,2โ€“6.

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9 โ€žund Sorgenโ€œ, vielleicht gestr., ist Zusatz.

10 LB: โ€žmit Sorgenโ€œ; โ€žmit Trรคnenโ€œ steht auch DBW 5 (GL), 38.

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11 Vgl. I/119 S. 237 in Bโ€™s Brief an Karl Barth 19. 9. 1936 (โ€žWas soll daran wirklich gesetzlich sein, daรŸ ein Christ sich anschickt zu lernen, was beten istโ€œ).

12 Ersetzt: โ€žTreueโ€œ.

13 Ein frรผherer gestr. Beginn dieses Absatzes fuhr fort: โ€žist eine ernste und oft schwere Sache.โ€œ

14 Ersetzt: โ€žzum Hรถren des Wortesโ€œ.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

15 Ersetzt: โ€ždenn das ist das Amt, zu dem er gesetzt istโ€œ. Vgl. Bethges Mitschrift am 9. 12. 1935 zu Act 6,4, s. II/28 S. 822 Anm. 15: โ€žฯ€ฯฮฟฯƒฮตฯ…ฯ‡ฮฎ bezeichnet โ€ฆ lรคngere Gebetszeit, Dienst an der Gemeinde, der nicht von jedem getan werden kann. โ€ฆ Weil die Gemeinde Krรคfte empfรคngt โ€ฆ, die es ohne Gebet nicht gibt โ€ฆ Wortverkรผndigung und Gebet gehรถren nach NT also wohl inniger zusammen als Wortverkรผndigung und Diakonie.โ€œ

16 So wurde es in der Meditationspraxis des Seminars die ganzen Jahre รผber gehalten. In den Finkenwalder Rundbriefen wurden die Schriftabschnitte regelmรครŸig mitgeteilt.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

17 Im Ms eingeklammerte Leerstelle. โ€žAchte deine Seele hochโ€œ notierte B im Herbst 1940 fรผr sein geplantes โ€žEthikโ€œโ€“Buch, s. Zettelnotizen 56 f (Nr. 50).

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18 Ersetzt: โ€žbevor wir mit Freude und GewiรŸheitโ€œ.

19 Vgl. 21. 11. 1943 DBW 8, 197: โ€žIch habe die Anweisung Luthers, sich โ€šmit dem Kreuze zu segnenโ€› bei Morgen- und Abendgebet ganz von selbst als eine Hilfe empfunden. Es liegt darin etwas Objektives, nach dem man hier [in der Haft] besonderes Verlangen hat.โ€œ

20 Ersetzt: โ€žkleinerโ€œ.

1 NL B 22 Seite 10โ€“12: Mitschrift von Eberhard Bethge am 28. 9. 1935. Bโ€™s Auslegung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Behandlung der Judenfrage auf der ApUโ€“Bekenntnissynode in Berlinโ€“Steglitz 23.โ€“26. 9. 1935. Nach einem BeschluรŸ der Synode war die weitere Behandlung dieser Frage an den Reichsbruderrat verwiesen; vgl. DB 558. Intern wurde B bzw. dem Finkenwalder Seminar der Auftrag erteilt, ein theologisches Gutachten fรผr den Reichsbruderrat (fรผr eine in Aussicht genommene Reichssynode zur Judenfrage) vorzubereiten. Dies geht aus Gerhard Vibransโ€™ Brief an seine Eltern 5. 10. 1935 hervor. Die Datierung in Bethges Mitschrift zeigt, daรŸ B diese Aufgabe unmittelbar nach der Rรผckkehr aus Berlin in Angriff nahm.

2 Vgl. Rรถm 9,3.

= Zeichen fรผr Gleichsetzung

3 Dt.: โ€žSameโ€œ, โ€žNachkommenschaftโ€œ; vgl. Rรถm 9,7โ€“9.

4 In Rรถm 9,7 ist Gen 21,12 zitiert: โ€žin Isaak soll dir der Same genannt seinโ€œ.

5 Anspielung auf Luthers Erklรคrung der Taufe im Kleinen Katechismus BSLK 516 (โ€žZum drittenโ€œ): โ€žWasser tutโ€™s freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser istโ€œ.

6 Vgl. Rรถm 9,3.

usw. und so weiter

7 Vgl. Rรถm 9,4.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

8 Im Ms โ€žGabenโ€œ gestr.

9 Vgl. Rรถm 9,8.

10 Dt.: โ€žNachkommen Abrahamsโ€œ, Rรถm 9,7.

11 Lk 19,9 (Zachรคus).

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12 Substantiv fehlt im Ms. Vermutlich: โ€žWilleโ€œ; vgl. Rรถm 9,18 (โ€žSo erbarmt er sich nun, welches er will, und verstockt, welchen er willโ€œ) und spรคter im Ms (โ€žVerstockung: 1. Gottes Willeโ€œ).

vgl. vergleiche

13 Dt.: โ€žvon dem Berufendenโ€œ.

14 Vgl. Rรถm 11,1: Paulus.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

15 Vgl. Rรถm 11,7.

16 Vgl. Rรถm 11,2โ€“4 (Zitate aus I Reg 19,10.14.18 รผber Elia); 9,27 แฝ‘ฯ€ฯŒฮปฮตฮนฮผฮผฮฑ (โ€žรœberrestโ€œ).

17 Anspielung auf die Gestalt des Knechtes Gottes bei Deuterojesaja in den โ€žGottesknechtsliedernโ€œ, auf deren Hintergrund B offenbar die Bedeutung und Sendung Israels betrachtete. Vgl. II/3.6 Bโ€™s Predigtentwurf 1935 zu Jes 53.

18 Im Ms schlieรŸt an das Fragezeichen ein Pfeil an, der auf den folgenden Satz deutet. Vgl. den vorigen Absatz (โ€žStellvertretungsgedanke bleibtโ€œ).

19 Im Ms: โ€žโ€ โ€œ.

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20 Vgl. Rรถm 11,23 (โ€žabgehauenโ€œ) und Rรถm 11,24 (โ€žwie viel mehrโ€œ).

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21 Dt.: โ€žGeheimnisโ€œ.

22 Dt.: โ€žFeindeโ€œ.

23 Anspielung auf den Verrat des Judas, vgl. Mt 26,45โ€“50 (zu diesem Text predigte B am 14. 3. 1937, s. III/18).

1 NL A 52,1: hsl.; diese Fassung kommt hier zum Abdruck (Ersetzungen und Streichungen werden in Auswahl dokumentiert). Die Bibelarbeit wurde in Finkenwalde 8.โ€“11. 10. 1935 mit der Bruderschaft Pommerscher Vikare gehalten. In Junge Kirche 4 (1936) erschien sie in den Heften 2 (64โ€“69), 4 (157โ€“161) und 5 (197โ€“203) in leicht รผberarbeiteter Form (= JK). Die Einteilung in JK in โ€žersteโ€œ, โ€žzweiteโ€œ und โ€ždritte Stunde Bibelarbeitโ€œ entspricht den Teilen Iโ€“III im Ms. Das der Verรถffentlichung in JK zugrundeliegende Typoskript, wahrscheinlich von einem der Kandidaten nach dem Ms angefertigt, ist verlorengegangen. Nicht alle Modifikationen (und Entzifferungsirrtรผmer) in der Druckfassung werden im folgenden erwรคhnt. Abdruck der JKโ€“Fassung: GS IV 294โ€“320 (dem entspricht die Innenpaginierung) und PAM II 189โ€“215.

2 Fรผr das Ms existiert ein Deckblatt, das auf Vorder- und Rรผckseite hsl. Erlรคuterungen von B enthรคlt. Vorderseite: โ€žEine Anleitung fรผr den Christen, den Prediger und den Unterrichtenden zum rechten Lesen der Samuelisbรผcher soll hier gegeben werden. Nur in Umrissen kann das geschehen. Es ist zugleich ein praktischโ€“exegetischer Beitrag zum Problem Christus im Alten Testament. [Im AnschluรŸ an das Buch von Wilhelm Vischer โ€žDas Christuszeugnis des Alten Testamentsโ€œ I (1934) war die Diskussion um das angemessene Verstรคndnis des AT fรผr christliche Predigt neu entbrannt.] โ€“ 3 Stunden Bibelarbeit mit der Bruderschaft der pommerschen Bekenntnisvikare.โ€œ (Mit diesem Text, etwas gekรผrzt, beginnt in JK โ€žDie erste Stundeโ€œ.) Rรผckseite: โ€ž1. Der Gott des A.ย T. ist der Vater Jesu Christi. Der in Jesus Christus menschgewordene Gott ist der Gott des A.ย Tโ€™s. Es ist ein dreieiniger Gott. 2. Das A.ย T. muรŸ von Menschwerdung und Kreuz, d. h. der uns gegebenen Offenbarung her gelesen werden. Sonst bleiben wir im judaistischen oder heidnischen Verstรคndnis des A.ย T. 3. Die Menschen und Geschichten des A.ย T. sind nicht moralische Vorbilder, sondern Zeugnisse von der Erwรคhlung und VerheiรŸung Gottes. Gottes freies, gnรคdiges und zorniges Handeln mit seinem Volk, nicht moralische Exempel bezeugt das A.ย T.โ€œ

3 JK als Anmerkung: โ€žTheologische Vorbemerkung: Das neutestamentliche und prophetische Zeugnis von David.โ€œ In dieser Anmerkung stehen in JK die folgenden 5 Punkte der โ€žVorbemerkungโ€œ.

4 JK: โ€žStammbรคumeโ€œ.

5 Gestr. (aber in JK): โ€žgeradeโ€œ.

6 JK: โ€žreinenโ€œ.

7 Dieser Satz โ€“ er steht auf einem beigelegten Blatt โ€“ ersetzt eine Streichung im ursprรผnglichen Ms, die beginnt: โ€žGott hat den fleischlichen Samen Davids erwรคhlt, aber so daรŸ seine Wahl und VerheiรŸung gerade darin sich erweist, daรŸ es eben am fleischlichen Samen nicht liegt [ersetzt: โ€žEs liegt nicht am fleischlichen Samen, sondern an der VerheiรŸung Gottes. Nach der VerheiรŸung war David der Vater Jesu Christi (wie nach der VerheiรŸung Abraham der Vater Isaaks war)โ€œ] โ€ฆโ€œ.

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8 Gestr.: โ€žhat er โ€šzuvor gesehenโ€˜ย โ€œ.

9 JK: โ€žwirklichโ€œ.

10 โ€žwiederโ€œ fehlt in JK.

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[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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11 JK: โ€žChristus war wirklich in den Worten Davids gegenwรคrtig.โ€œ Das Satzende (โ€žwie ja auch Jesus โ€ฆโ€œ) fehlt in JK.

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[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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12 โ€žgeschichtlichen, einmaligenโ€œ fehlt in JK.

13 Im Ms folgen zwei Zeilen (beginnend mit: โ€žAlte Dogmatik unterschied โ€ฆโ€œ), nicht gestr., auf einem Blatt โ€ž1 (4) aโ€œ ersetzt. Im Ms (auf der 4. Seite des 1. [gefalteten] Bogens) kein Hinweis auf die Ersetzung.

14 Dt.: โ€ždas Ersteโ€œ; JK: โ€žUrsprรผnglicheโ€œ.

15 Das griech. Wort ist im Ms, wie bei B oft, akzentlos geschrieben; es wird von B selbst erlรคutert. JK: โ€žist das Himmlische, das Vonโ€“obenโ€“herโ€œ.

16 Gestr.: โ€ždas von der Welt.โ€œ

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17 Ersetzt: โ€ž โ€šVorbildโ€˜, Beispiel ist David fรผr Christusโ€œ. JK: โ€žist David, sofern in ihm Christus vorgebildet istโ€œ.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

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18 Ersetzt: โ€žPriusโ€œ.

[ Hinzufรผgungen der Herausgeber

] Hinzufรผgungen der Herausgeber

19 JK: โ€žbesondereโ€œ.

20 Ersetzt war: โ€žAlte Dogmatik unterschied zwischen Real- und Personaltypen. David zu letzteren.โ€œ Die Differenzierung findet sich genauestens ausgefรผhrt auf dem Hรถhepunkt der Tradition typologischer Auslegung des AT bei dem reformierten Dogmatiker Johannes Coccejus.

21 Ende der Ersetzung auf Blatt โ€ž1 (4) aโ€œ.

22 In JK fehlt das im Ms zugesetzte โ€žals Vorbild โ€ฆ Christiโ€œ.

23 Im Ms ist Vers 69 angegeben.

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24 JK zusรคtzlich: โ€ždurch den Mund Jesuโ€œ.

25 Gestr.: โ€žNichts wissen wir von Jesus bevor er getauft wird, erfahren wir bei Mkโ€œ [nichts vor Mk 1,9]. โ€žWas bei Jesus die Taufe ist, ist bei David die Salbungโ€œ.

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26 Ersetzt: โ€žder รœbermachtโ€œ.

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27 JK zusรคtzlich: โ€žund Berufungโ€œ.

28 Vgl. Mt 26,55.

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29 Ersetzt: โ€žimmer wieder erkennenโ€œ; LB Kopfzeile zu I Sam 26,21: โ€žSaul bekennt sein Unrecht.โ€œ

30 JK (Entzifferungsirrtum): โ€žerheiternโ€œ.

31 I Sam 18,11; 19,10.

32 Vgl. I Sam 21,11โ€“16 und 27,1โ€“12.

33 Anspielung auf Mt 8,20.

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34 JK: โ€žals der natรผrliche Thronerbeโ€œ.

35 Gestr.: โ€žer erkennt gegen die Natur, daรŸ der Geist auf David ist und er der messianische Kรถnig.โ€œ

36 JK: โ€ždieserโ€œ.

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37 JK: โ€žhรคrterโ€œ.

38 JK: โ€žsprichtโ€œ.

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39 JK (Entzifferungsirrtum): โ€žzwingtโ€œ.

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40 Eingeklammert und gestr.: โ€žDavid behรคlt immer ein Herz, das an unrecht vergossenem Blut schwer trรคgt. Abner!โ€œ Vgl. II Sam 3,28โ€“37.

41 Gestr.: โ€žzuerstโ€œ.

42 โ€žIsraelโ€œ und โ€žum der Kirche willenโ€œ sind spรคtere Zusรคtze.

43 Ersetzt: โ€žum zu herrschenโ€œ.

44 Anspielung auf Mt 20,28.

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45 Ersetzt: โ€žwird sich der Tempel Gottes erhebenโ€œ.

46 โ€ždas Zelt โ€ฆ Wanderschaftโ€œ ist spรคter zugesetzt; vgl. II Sam 7,6. JK: โ€žwar das Zelt das Zeichen der Wanderschaft Israelsโ€œ.

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47 Vgl. Mk 11,9.

48 Im Ms folgt eine lรคngere Streichung (David will โ€ždem Gott, der in einem Zelt wohnt, einen Tempel bauen โ€ฆโ€œ), durch das Folgende ersetzt.

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49 JK: โ€žEr folgt dem Prophetenโ€œ.

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50 JK: โ€žEs ist Salomos Wortโ€œ.

51 Gestr.: โ€žJetzt gab Gott mir Ruheโ€œ, s. I Reg 5,18 LB Hauptzรคhlung (Nebenzรคhlung: 5,4).

52 Gestr.: โ€žSalomo: sein Name!โ€œ Namenserklรคrung in DBW 4 (N), 237: โ€žSalomo, der โ€šSohn des Friedensโ€˜ Gottes mit dem Hause Davidโ€œ.

53 LB Nebenzรคhlung.

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54 Von Kirche als dem Ort Gottes in der Welt hatte B in der Vorlesung โ€žDas Wesen der Kircheโ€œ im Sommersemester 1932 DBW 11, 247 f, gesprochen.

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55 Gestr.: โ€žzu finden, was du suchstโ€œ.

56 โ€ždenโ€œ ist zugesetzt.

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57 Gestr.: โ€žund Gottesโ€œ.

58 Vgl. die von B in seiner Dissertation DBW 1 (SC) und Habilitationsschrift DBW 2 (AS) gebrauchte Formulierung โ€žChristus als Gemeinde existierendโ€œ und ihre Weiterfรผhrung in DBW 4 (N), 234 im Kapitel โ€žDer Leib Christiโ€œ.

59 Vgl. II Sam 7,14 (โ€žMissetatโ€œ tun).

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60 JK: โ€žausgezeichnetโ€œ.

61 JK: โ€žerst rechtโ€œ.

62 Randglosse zu II Sam 7,19 in: WA.DB 9 I, 319.

63 Vgl. Lk 2,4.

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64 Ersetzt: โ€žDie Ursache seiner Sรผnde ist seine Sicherheitโ€œ.

65 Dt.: โ€žSicherheitโ€œ (Vertrauen auf das Erreichte, auf den inneren Besitz) statt โ€žGewiรŸheitโ€œ (stets neues Sichโ€“bergen in Gottes VerheiรŸung); Formel aus der reformatorischen Rechtfertigungslehre โ€“ nur hier ist die tiefe Gegensรคtzlichkeit der beiden Begriffe erkennbar. Vgl. DBW 4 (N), 30 (โ€žsecurusโ€œ).

66 Ersetzt: โ€ždessen Ruf keine falsche Sicherheit duldetโ€œ.

67 JK: โ€žDiese mรผรŸigen Tageโ€œ.

68 Ersetzt: โ€žfalscheโ€œ.

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69 Zum โ€šSรผndigen auf Gnade hinโ€˜ vgl. DBW 4 (N), 38 f.

70 Ersetzt: โ€žWerden wir untreuโ€œ. Die Lutherโ€“dt. โ€žNestleโ€œโ€“รœbersetzung von ฮตแผฐ แผ€ฯ€ฮนฯƒฯ„ฮฟแฟฆฮผฮตฮฝ: โ€žglauben wir nichtโ€œ; so auch in der Fassung JK.

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71 II Sam 12,7.

72 Zu โ€šSonderrechtโ€˜ vgl DBW 4 (N), 180.

73 JK (Entzifferungsirrtum): โ€žLeidenโ€œ.

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74 Ersetzt: โ€žgezรผchtigt durch den, der das Schwert trรคgt, durch [gestr.: โ€ždieโ€œ] weltliche Gewalt.โ€œ

75 Ersetzt: โ€žweltlicher Gewaltโ€œ.

76 JK (Entzifferungsirrtum): โ€žseine Straftat an dem Haus Davidโ€œ. Vgl. II Sam 12,10 a.

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77 Vgl. Mt 26,24 (Judas).

78 Gestr.: โ€žvon auรŸenโ€œ.

79 JK: โ€žso im Munde Nathansโ€œ.

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80 Vgl. Ex 20,5; Dtn 5,9.

81 JK (Entzifferungsirrtum): โ€žVollstreckungโ€œ.

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82 Gestr.: โ€ždie Versรถhnung mit Gottโ€œ.

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83 Dt. LB: โ€žin der Gestalt des sรผndlichen Fleischesโ€œ; wรถrtlich: โ€žin der ร„hnlichkeitโ€œ.

84 JK (Entzifferungsirrtum): โ€žzugleichโ€œ.

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85 Vgl. Rรถm 6,23.

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86 Anspielung auf Hebr 13,12.

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87 Gestr.: โ€žJoh 18[,1 ]โ€œ. JK: โ€žรผber den der Sohn Davids in der Nacht vor seiner Kreuzigung ging, als er sich anschickte, die Strafe der Welt zu tragen drauรŸen vor dem Tor (Hebr. 13,12).โ€œ

88 Mit Bleistift verรคndert aus: โ€žGottes Strafeโ€œ (hier und รถfters im Ms Markierungen schwer leserlicher Stellen, offenbar vom Abschreibenden). JK: โ€žEr trรคgt das Strafleiden seines Hausesโ€œ.

89 Ersetzt: โ€žEr kann Gott nicht zwingenโ€œ.

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90 Vgl. I Sam 26,8 (die frรผhere Versuchung durch Abisai). JK statt โ€žWiederโ€œ: โ€žZum zweitenmalโ€œ.

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91 JK irrtรผmlich: โ€žVersรถhnteโ€œ.

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92 JK zusรคtzlich: โ€žin dunkler Weiseโ€œ.

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93 JK statt โ€žist die Bekundungโ€œ: โ€žbezeugtโ€œ.

94 Verรคndert aus: โ€žReichโ€œ (so in JK).

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95 Der ganze Abschnitt (โ€žKapitel 24 โ€ฆ Kapitel 7 anโ€œ) erscheint in JK als Anmerkung.

96 JK: โ€žfleischlich (1. Kรถn. 1,1 ff[โ€“4] erzรคhlt.โ€œ Die Stellenangabe steht statt des im Ms folgenden Teilsatzes (โ€žโ€ฆ Abisag von Sunem โ€ฆโ€œ).

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97 LB: โ€ždes Herrn Werke verkรผndigenโ€œ. โ€“ In der Stuttgarter Zeitung โ€žDurchbruchโ€œ erschien am 26. 3. 1936 folgende Reaktion (โ€žDas Lob Judas im Dritten Reichโ€œ) des Journalisten Friedrich Imholz: โ€žDie โ€šJunge Kircheโ€˜ (Bekenntnisfront) Heft 4, 15. Februar 1936, bringt einen lรคngeren Artikel, dessen รœberschrift lautet: โ€šKรถnig David. Die zweite Stunde Bibelarbeit. Der messianische Kรถnig. Die zweite Salbung Davidsโ€˜ (als Kapitelรผberschrift). Die FuรŸnote sagt uns: Fortsetzung der drei Stunden Bibelarbeit, gehalten mit der Bruderschaft pommerscher Vikare. Der Aufsatz beginnt: โ€šDer gรถttlichen Salbung durch Samuel folgt eine zweimalige Salbung durch die Mรคnner von Juda (2. Sam. 2,4), dann durch die ร„ltesten in Israel (2. Sam. 5,3) โ€ฆโ€˜ usw. Unser Papier ist uns zu lieb, das widerwรคrtige Geseire um den Kรถnig David (dessen Handlungsweise รผbrigens zweifellos gegen das Sittlichkeits- und Moralgefรผhl der germanischen Rasse verstรถรŸt [Formulierung nach Punkt 24 des Parteiprogramms der NSDAP von 1922]), hier abzudrucken. Der SchluรŸabsatz aber ist mehr als bezeichend: [Abdruck des Absatzes zum Ende von II Sam 7 im Fettdruck], V. 23 ff.: Das Volk Israel wird das Volk Gottes bleiben in Ewigkeit, das einzige Volk, das nicht vergehen wird, denn Gott ist sein Herr geworden, Gott hat in ihm Wohnung genommen und sein Haus gebaut. Die Kirche, das wahre Israel, ist verheiรŸen. Wie sollte David das Bekenntnis seiner Demut und des Dankes anders enden als mit der Bitte, Gott wolle sein Wort bekrรคftigen in Ewigkeit, Er wolle tun, wie Er geredet hat. Er wolle seinem Volke, seiner Kirche treu bleiben. Finkenwalde (Pommern) Lic. Dietrich Bonhoeffer.โ€˜ Der Anfang des SchluรŸabsatzes (V. 23 ff.) tritt fรผr den Leser nicht genรผgend hervor, so daรŸ man den Eindruck leicht bekommen kann, die Worte seien Worte des Verfassers. Und wenn man auch diesen Eindruck nicht bekommt, so ist der zusammenfassende SchluรŸgedanke die Verherrlichung des Ehebrechers Seine Majestรคt David, Kรถnig von Jahwes Gnaden! Aus diesem Artikel ist wohl klar zu erkennen, was dieser Bekenntnispfarrer Bonhoeffer vom Grundgedanken des nationalsozialistischen Aufbruchs hรคlt: nรคmlich vom Rassegedanken. Ob es nicht angebracht ist, daรŸ man sich mit der โ€šBibelarbeitโ€˜ einer solchen โ€šBruderschaftโ€˜ von Vikaren befaรŸt? Es gibt vieles, was harmlos zu nennen ist gegenรผber solchen Vertretern einer orientalischen Glaubenslehre, welche den Weltfeind Juda noch im Jahre 1936 als das โ€šewige Volkโ€˜, das โ€šwahre Adelsvolkโ€˜, das โ€šGottesvolkโ€˜ hinzustellen sich erdreistet.โ€œ Nach der Lektรผre des Artikels schrieb B an Eberhard Bethge am 8. 8. 1936, s. I/107: โ€žIch kam aus dem Lachen kaum heraus โ€ฆ ein wรผstes D.C. Organ.โ€œ

1 NL A 51,1: masch. Hektographie, Beilage zum 3. Finkenwalder Rundbrief 14. 12. 1935; Abdruck: GS IV 399โ€“406 und PAM II 32โ€“39. Die Predigt wurde am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, dem 17. 11. 1935, in der Notkirche des Predigerseminars Finkenwalde gehalten (Tagebucheintragung von Friedrich Trentepohl). Die Seminaristen hatten die Turnhalle des ehemaligen Pรคdagogiums zur Kapelle umgestaltet; vgl. DB 490 und Bildband 145. In der Rundbriefbeilage steht der Mtโ€“Text (โ€žNestleโ€œ Lutherโ€“dt.) der Predigt nicht voran.

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2 In der Rundbriefbeilage: โ€žeuchโ€œ (in Bโ€™s dt. Handschrift sehen โ€žmichโ€œ und โ€žeuchโ€œ รคhnlich aus).

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3 In der Rundbriefbeilage: โ€žseinen Brรผdernโ€œ.

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1 NL A 43,18: hsl., Fotokopie (Ms bei Elisabeth Bornkamm); Abdruck: GS V 568โ€“576 und PAM II 39โ€“47. Die Predigt wurde am Totensonntag, dem 24. 11. 1935, in der Finkenwalder Notkirche gehalten (Tagebucheintragung von Friedrich Trentepohl). Bโ€™s Verรคnderungen in seinem Ms werden in Auswahl dokumentiert. Im Ms steht der zusammenhรคngende Apkโ€“Text (โ€žNestleโ€œ Lutherโ€“dt.) der Predigt nicht voran.

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2 Dieser Absatz ersetzt: โ€žVom Tod reden heiรŸt von diesem Geschehen, [u. L.:] geheimem Leben, am Ende reden, dem wir nicht entgehen, von den Bildern und Gesichten, die Johannes sah und die wir auch einmal sehen werden.โ€œ

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3 Ersetzt: โ€žwie wir Tag fรผr Tag lesenโ€œ.

4 Ersetzt: โ€ždas Evangelium von Jesus Christus als dem Helfer und Heiland in unserer Not und Sรผndeโ€œ.

5 Ersetzt: โ€žmiรŸachtetโ€œ.

6 Ersetzt: โ€žund seiner Weltโ€œ.

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7 Dieser Satz ist Randnotiz.

8 โ€žWonach โ€ฆ Evangeliumโ€œ, mit Bleistift geschrieben, ersetzt die mit Tinte geschriebenen, mit Bleistift dรผnn gestrichenen Sรคtze: โ€žUnd dies Gericht ist das Evangelium selbst. Das ewige Evangelium ist der Richter รผber alle Menschen. Gott wird uns im Gericht nur nach dem einen fragenโ€œ.

9 Mit Bleistift gestr.: โ€žund vor diesem Gericht wird das GrรถรŸte gering werdenโ€œ.

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10 Die beiden letzten Sรคtze, mit Bleistift geschrieben, sind ein Zusatz am Rand.

11 Ersetzt: โ€žunwiderstehlichโ€œ.

12 Anspielung auf Gen 11,1โ€“9. Gestr.: โ€ždie Gott dem Herrn trotzt und selbst Herr sein willโ€œ.

13 Ersetzt: โ€žden Schรถpfer und Richterโ€œ.

14 U. L.

15 Ersetzt: โ€žgesehen haben โ€ฆ eingetreten seinโ€œ.

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16 Vgl. den durch Visser โ€™t Hooft รผberlieferten Ausspruch Bโ€™s im September 1941, s. DB 834: โ€žโ€ฆ ich bete fรผr die Niederlage meines Landesโ€œ.

17 Ersetzt: โ€žfastโ€œ.

18 U. L.

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19 Zusatz gestr.: โ€žungeduldigesโ€œ.

20 Ersetzt: โ€žin aller Anfechtungโ€œ.

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21 Vgl. hiermit die spรคteren Ausfรผhrungen รผber den Tod aus dem ersten Rundbrief an die ehemaligen Seminaristen im Krieg am 20. 9. 1939 DBW 15, 271: โ€žโ€ฆ daรŸ es uns geschenkt wird, daรŸ uns der Tod von auรŸen erst antrifft, wenn wir durch diesen eigenen Tod fรผr ihn bereit gemacht sind, das darf unser Gebet seinโ€œ.

22 Ersetzt: โ€žob in der Stille der Einsamkeitโ€œ.

23 Gestr.: โ€žโ€“ dann werden wir das ewige Evangelium sehen.โ€œ

24 Das angedeutete Zitat von Vers 13 b ist oben auf der letzten Msโ€“Seite zugesetzt, auf der der Text mit โ€žund dann wird Ruhe sein โ€ฆโ€œ beginnt.

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25 Vgl. Mt 6,3.

26 Gestr.: โ€žSelig sind die Toten, die in dem Herrn sterben โ€ฆโ€œ.

27 Ersetzt: โ€žgib uns ein seliges Ende mit dem Bekenntnis zu dem Herrn Christusโ€œ.

1 NL A 53,8: hsl., undatiert, wahrscheinlich fรผr eine Andacht 1935 mit den Mitgliedern des Bruderhauses, die รผber Weihnachten mit B in Finkenwalde blieben, s. DB 573 f. Zum Magnificat Lk 1,46โ€“55 hatte B in London gepredigt am 17. 12. 1933 DBW 13, 338โ€“343.

2 So รผbersetzt die Vulgata ฮบฮตฯ‡ฮฑฯฮนฯ„ฯ‰ฮผฮญฮฝฮท in Lk 1,28.

3 Irrtรผmliche Reihenfolge statt: Johannes vor Jesus; vgl. Mt 3,11โ€“15.

4 I Sam 2,1โ€“10.

5 Jdc (Richter) 5.

6 Ersetzt: โ€žden Preisโ€œ.

7 ฯ„ฮฑฯ€ฮตฮฏฮฝฯ‰ฯƒฮนฯ‚ (โ€žNiedrigkeitโ€œ) wird von der Vulgata mit humilitas (โ€žDemutโ€œ) รผbersetzt.

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8 Im Ms: โ€žs. K.โ€œ; โ€žK.โ€œ, Bโ€™s Kรผrzel fรผr โ€žKircheโ€œ, kรถnnte an dieser Stelle vielleicht als โ€žKnechtโ€œ gelesen werden, vgl. Vers 54 โ€žNestleโ€œ: โ€žโ€ฆ hilft seinem Diener Israel aufโ€œ.

1 NL A 51,11: Familiensonderdruck M. L. G. Eisemann, Berlin Steglitz; Abdruck: GS IV 456โ€“460 und PAM II 48โ€“52.

2 Strophe 1 aus Martin Luthers Sterbelied von 1524 EG.BP 304, EKG 310, leicht verรคndert.

3 Zu โ€žโ€ฆ aber sie sind im Friedenโ€œ, Weisheit Salomos 3,3 b, predigte B in London am 26. 11. 1933 (Totensonntag) DBW 13, 325โ€“331.

4 EG.BP 317, EKG 320 (Johann Matthรคus Meyfart 1626) Strophen 1 und 2.

5 Ps 90 wurde im Hause Bonhoeffer regelmรครŸig bei den Feiern zum Jahreswechsel vorgelesen, s. DB 574.

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6 Julie Bonhoeffer lebte seit 1924 im Haus ihres Sohnes in der WangenheimstraรŸe 14, Berlin-Grunewald, s. DB 33.

7 DB 574: โ€žNach Weihnachten [1935] erkrankte die GroรŸmutter Bonhoeffers an einer Lungenentzรผndungโ€œ.

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8 Wie sie gerade das Leben Dietrichs begleitet hatte, zeigt der langjรคhrige Briefwechsel mit ihm; vgl. I/32 (ihren Brief an B 24. 10. 1935).

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9 Vgl. ihren mutigen Protest gegen den Boykott jรผdischer Geschรคfte am 1. 4. 1933, s. DB 31.

10 Wegen dieser Worte weigerte sich ein anwesender Vetter, der einen hohen Staatsposten bekleidete, nach der Trauerfeier, B die Hand zu geben, s. DB 574.

11 Das โ€šnichtโ€˜ steht in GS IV 459. Vgl. am Anfang dieses Abschnitts (โ€žโ€ฆ versinkt uns eine Weltโ€œ) und S. 115: Der โ€žTod von GroรŸmama โ€ฆ war doch ein starker Abschnitt. Und wir kรถnnen doch aus ihrer Art fรผr heute viel lernen.โ€œ.

12 Inschrift auf dem Grab Fritz Reuters in Eisenach, von ihm selbst verfaรŸt; s. F. Reuter, Sรคmmtliche Werke I, 35.

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13 Strophe 2 des Liedes โ€žNun danket alle Gottโ€œ EG.BP 245, EKG 228 (Martin Rinckart 1636).

1 NL A 51,12: masch. Abschrift der stenographischen Mitschrift der Traupredigt in der Kirche zu Falkensee bei Berlinโ€“Spandau am 15. April 1936; Abdruck: GS IV 460โ€“463 und PAM II 52โ€“55.

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2 Vgl. im Trauformular der evangelischen Kirche: โ€žโ€ฆ den Bund der Ehe โ€ฆ heilig und unverbrรผchlich halten, bis daรŸ der Tod euch scheidetโ€œ.

3 Vgl. 1938 DBW 5 (GL), 18: โ€žWir gehรถren einander allein durch und in Jesus Christus.โ€œ

4 โ€žmรผssen wirโ€œ ist wiederholt.

5 Mt 6,33.

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6 Anspielung auf Nietzsches Wort (Also sprach Zarathustra [Teil] II, Abschnitt โ€žVon den Priesternโ€œ): โ€žBessere Lieder mรผรŸten sie mir singen, daรŸ ich an ihren Erlรถser glauben lerne: erlรถster mรผรŸten mir seine Jรผnger aussehen!โ€œ

7 I Kor 3,22 f.

8 Vgl. DBW 5 (GL), 60: โ€žโ€ฆ hinter dem Es der Tagesarbeit das Du Gottes finden, das ist es, was Paulus โ€šohne UnterlaรŸ betenโ€˜ (1. Thess. 5,17) nennt. So reicht das Beten des Christen รผber die ihm zugewiesene Zeit hinaus mitten in die Arbeit hinein โ€ฆ zum gnรคdigen Duโ€œ.

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9 Als Albrecht Schรถnherr durch Krieg und Gefangenschaft abwesend war, hat seine Frau die Gemeinde Brรผssow in Verkรผndigung und Seelsorge in einer Weise begleitet, daรŸ Bischof Otto Dibelius ihm bei seiner Heimkehr 1946 sagen konnte, besser hรคtte auch er selber, Albrecht Schรถnherr, diesen Dienst nicht zu leisten vermocht.

10 Die letzten Worte des auf dem Weg in die Verbannung am 14. 9. 409 gestorbenen Kirchenlehrers Johannes Chrysostomos โ€žEhre [!] sei Gott fรผr allesโ€œ (Palladius, Vita Chrysostomi 11) hatte B รคhnlich auch in der Predigt zu I Thess 5,16โ€“18 im Zweiten Theologischen Examen am 20. 7. 1930 zitiert: โ€žGott sei gedankt fรผr allesโ€œ, s. DBW 10, 574.

1 NL A 52,3 a): hsl.; diese Fassung kommt hier zum Abdruck (Ersetzungen und Streichungen werden in Auswahl dokumentiert). Dazu NL A 52,3 b): Durchschlag der von Eberhard Bethge fรผr den Druck 1936 angefertigten Schreibmaschinenvorlage mit zahlreichen hsl. Eintragungen bzw. Verbesserungen Bethges (= EB masch.); ferner die Verรถffentlichung in der Jungen Kirche 4 (1936) Heft 14, 653โ€“661 (= JK). Abdruck der Fassung JK: GS IV 321โ€“335 (dem entspricht die Innenpaginierung) und PAM II 216โ€“230. Die Bibelarbeit wurde am 21. 4. 1936 auf der Freizeit fรผr die Teilnehmer des ersten Finkenwalder Kurses gehalten. Im Sommer 1933 hatte B die gleichen Texte auf einer studentischen Rรผstzeit in Hermannswerder bei Potsdam behandelt. Vgl. auch I/51 (Brief an Walter Kรถller 17. 2. 1936): Bโ€™s Ankรผndigung einer Bibelarbeit รผber โ€ždie Bรผcher Esra und Nehemia, den Wiederaufbau Jerusalemsโ€œ in Halle 22. 2. 1936. Vorausgegangen war die nicht erhaltene โ€žMauerbaupredigtโ€œ am 12. 1. 1936, als die Kanzelabkรผndigung der BK der ApU gegen die Kirchenausschรผsse (s. K. D. Schmidt, Dokumente 1935โ€“1937, 243 f) verlesen wurde. Nach der Verรถffentlichung der Bibelarbeit griff der Greifswalder Alttestamentler Friedrich Baumgรคrtel in seiner Schrift โ€žDie Kirche ist Eine โ€“ die alttestamentlichโ€“jรผdische Kirche und die Kirche Jesu Christi? Eine Verwahrung gegen die Preisgabe des Alten Testamentsโ€œ, Greifswald 1936 (Datum des Vorworts: 4. 8. 1936), Bโ€™s Schriftauslegung an; dem folgte ein Briefwechsel zwischen Baumgรคrtel und Eberhard Baumann, Mitglied des Pommerschen Bruderrats der BK. Vgl. zum Ganzen DB 597โ€“600.

2 Ersetzt: โ€žGemeindeโ€œ. Vor diesem Satz gestr. Textbeginn: โ€žGott, der sein Volk, eine Gemeinde zerschlagen hatโ€œ.

3 Ersetzt: โ€žder zerstรถrten Gemeindeโ€œ.

4 Ersetzt: โ€žgutemโ€œ.

5 Gestr.: โ€ždieses Wiederkommen Gottes in einer rechtenโ€œ.

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6 Ersetzt: โ€žDie Kirche Gottes in ihrem Heiligtumโ€œ.

7 JK: โ€žoderโ€œ.

8 JK: โ€žvielenโ€œ.

9 Ersetzt: โ€žSchutz des Staatesโ€œ.

10 JK: โ€žall die Jahre der Gefangenschaft hindurchโ€œ.

11 Gestr. (auch in EB masch. gestr.): โ€žPs. 126. 137โ€œ.

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12 Vgl. Ez 7.

13 Gestr.: โ€žetwas ganz anderesโ€œ.

14 Ersetzt: โ€žisraelitischeโ€œ.

15 JK: โ€žErweckungโ€œ.

16 JK: โ€žaufgezรคhltโ€œ.

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17 JK: โ€žan einem Trรผmmerfeld zu stehenโ€œ.

18 Gestr.: โ€ž(8,31)โ€œ.

19 Ersetzt: โ€žAls Artaxerxes spรคter dem Esra gern ein Geleit zur Sicherheit gestellt hรคtte, als die Gemeinde Gottes unter dem Schutz der politischen Macht ihren Weg antreten sollteโ€œ.

20 Ersetzung durch โ€ždes Glaubensโ€œ rรผckgรคngig gemacht.

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21 Vgl. die Auslegung von Act 2,47 in der NTโ€“Vorlesung im vierten (und fรผnften) Kurs 1936/37 II/22 S. 724.

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22 JK: โ€žin den Berichtenโ€œ.

23 โ€ždenen die Listen โ€ฆ einzutragen hattenโ€œ ist nachtrรคglich zu dem Wort โ€šNamensregisterโ€˜ zugesetzt; Hinweis auf die Listen in der Alten Kirche fehlt in JK. Bei Bโ€™s Vorlesung รผber den altkirchlichen Katechumenat im vierten Kurs notierte Erich Klapproth 1936/37, s. II/11 S. 548 Anm. 76, zur โ€žEinschreibung in die kirchlichen Listenโ€œ (โ€žBedeutsam, da nach den Listen die Verfolgungen stattfandenโ€œ) den Vergleich mit der roten Mitgliedskarte derer, die sich zur BK hielten.

24 Dt.: โ€žKircheโ€œ; แผฮบฮบฮปฮทฯƒฮฏฮฑ ist etymologisch abzuleiten von ฮบฮฑฮปฮญฯ‰ (โ€žich rufeโ€œ) und แผฮบ (โ€žherausโ€œ).

25 Gestr.: โ€žin der Bibelโ€œ.

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26 Vgl. II Sam 7 und Bโ€™s Ausfรผhrungen in der Bibelarbeit โ€žKรถnig Davidโ€œ, s. III/7 S. 892 f.

27 Diese Namensform regelmรครŸig in den Bรผchern Esr und Neh.

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28 Ersetzt: โ€žvon Menschenโ€œ.

29 Dieser Satz โ€“ im Ms zugefรผgt โ€“ fehlt in JK.

30 JK: โ€ždes Berges Zionโ€œ.

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31 โ€žErster Wegโ€œ fehlt in JK.

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32 Ersetzt: โ€ždes Staatesโ€œ.

33 JK fรผgt hier Esr 4,2 ein: โ€žWir wollen mit euch bauen, denn wir suchen euren Gott gleichwie ihr.โ€œ

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34 JK: โ€žmรผssenโ€œ.

35 JK: โ€žetwas Bedeutungsvollesโ€œ.

36 In Punkt 24 des Programms der NSDAP von 1920 bekannte die Partei sich zu einem โ€žpositiven Christentumโ€œ.

37 Gestr.: โ€žverantwortlichesโ€œ.

38 JK: โ€žbauen willโ€œ.

39 Ersetzt: โ€ždes Christentumsโ€œ. JK: โ€žAnspruch der ร–ffentlichkeitskircheโ€œ.

40 Vgl. Lk 14,28.

41 Vgl. Mt 10,16.

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42 B weicht vom LBโ€“Wortlaut ab; in LB steht nicht โ€žJahweโ€œ, sondern stets โ€žHErrโ€œ (mit zwei groรŸen Anfangsbuchstaben).

43 Gestr.: โ€žDie Verlockungen waren gewiรŸ groรŸ. Aber es geht nicht an, die Kirche zu gleichen Teilen mit den politischen Mรคchten zu bauenโ€œ.

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44 In JK fehlt โ€žoder anzunehmen nach eigenem Gutdรผnkenโ€œ.

45 Anspielung auf den von Reichskirchenminister Hanns Kerrl am 3. 10. 1935 eingesetzten ReichskirchenausschuรŸ, mit dessen Hilfe die โ€žWiederherstellung geordneter Zustรคndeโ€œ in der Deutschen Evangelischen Kirche erzwungen werden sollte.

46 JK: โ€žWahrheit seines Glaubensโ€œ.

47 In JK fehlt โ€žnur auf die VerheiรŸunghinโ€œ.

48 Ersetzung durch โ€ždes Gehorsamsโ€œ rรผckgรคngig gemacht.

49 Zweiter Weg, vgl. S. 936 (โ€žErster Wegโ€œ).

50 Dt.: โ€žWiderstehe den Anfรคngen!โ€œ (91. Vers von Ovids โ€žRemedia amorisโ€œ); fehlt in JK.

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51 JK: โ€žDurch Gewalt gehindert, ruht nun die Arbeit fรผr einige Zeitโ€œ.

52 Neh 3,38 nach der Hauptzรคhlung in LB, der B folgt (Nebenzรคhlung: 4,6). Vom LBโ€“Wortlaut weicht B leicht ab.

53 Gestr.: โ€žsich verkleiden, sich unsichtbar machenโ€œ.

54 Anspielung auf Mt 7,15.

55 Vgl. II Kor 11,14.

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56 Vor โ€žmuรŸten sich schรคmenโ€œ (die Worte sind oberhalb der Zeile zugesetzt): โ€ž?โ€œ; โ€žzittertenโ€œ (in der Zeile) ist unterpunktiert. Bei diesem Zitieren von Vers 16 weicht B vom LBโ€“Wortlaut ab.

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57 JK: โ€ždaรŸ die Kirche Gottes Werk istโ€œ.

58 Esr 6,16 LB: โ€žโ€ฆ hielten Einweihung des Hauses Gottes mit Freudenโ€œ.

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59 Gestr.: โ€žgroรŸeโ€œ.

60 Ersetzt: โ€žWeil Israel ungehorsamโ€œ. EB masch.: โ€žGehorsamโ€œ (MiรŸverstรคndnis der Verรคnderung von โ€žuโ€œ zu โ€žUโ€œ als Streichung).

61 Ersetzt: โ€žWeil Israel โ€ฆ abgefallen war, darum kam die Verwerfung รผber es.โ€œ

62 Die beiden Sรคtze โ€žAber das angebotene โ€ฆ erkanntโ€œ fehlen in JK.

63 JK: โ€ždurfte die neue Gemeinde ihre Zukunft vor Gott sehenโ€œ.

64 Im Versuch, aus der Abhรคngigkeit von fremden GroรŸmรคchten loszukommen, hatte Israel sich mehr als ein Jahrhundert lang um wechselnde Bรผndnispartner bemรผht, bis schlieรŸlich Jerusalem 587 vor Christi Geburt von den Belagerungstruppen Nebukadnezars erobert wurde (vgl. Jer 39,1 f).

65 JK: โ€žtributpflichtigโ€œ.

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66 Dieser Satz fehlt in JK.

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67 โ€žals ausโ€œ ersetzt: โ€žwenn nichtโ€œ.

68 Irrtum; vgl. Neh 10,31 LB Hauptzรคhlung (Nebenzรคhlung: Vers 30).

69 Ersetzt: โ€žungeheuerlichenโ€œ.

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70 Ersetzt: โ€žjedes Opfer gebracht werden muรŸโ€œ.

71 JK: โ€žzwischen Glรคubigen und Unglรคubigenโ€œ.

72 โ€žAber freilich โ€ฆ zu bringenโ€œ fehlt in JK.

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73 JK: โ€žZuletzt muรŸ es geltenโ€œ.

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74 Zitiert ist Vers 16, hier nach LB.

1 NL A 48,2: masch. Hektographie, Beilage zum 8. Finkenwalder Rundbrief 22. 5. 1936; Abdruck: GS II 478โ€“482. Diese Anleitung wurde am 22. 4. 1936 auf der Freizeit fรผr die Teilnehmer des ersten Kurses vorgetragen und erlรคutert. Die zahlreichen hsl. Zusรคtze auf Eberhard Bethges Exemplar der Anleitung (= EB) sind in den folgenden Anmerkungen dokumentiert. Bethge schrieb in dem von ihm verfaรŸten 8. Finkenwalder Rundbrief am 22. 5. 1936: โ€žDie Ausarbeitung รผber die Meditation, die Br. Bonhoeffer und ich in Friedrichsbrunn [dem Ferienhaus der Familie B. im Harz in den Osterferien 1936] im Auftrag Staemmlers fรผr den Provinz-Sรคchsischen Rundbrief gemacht haben, wird Euch zu Bekanntem von neuem rufen.โ€œ Die hier beschriebene Meditationspraxis wurde im Seminar seit den Zingster Tagen geรผbt. Jetzt erfolgte zum ersten Mal eine schriftliche Fixierung. Sie ging unter Eberhard Bethges Namen an die ร–ffentlichkeit. Zum Anteil Bโ€™s vgl. die biblische Besinnung III/5 (Der Morgen). Die Anleitung fand schnell weite Verbreitung in der BK, s. I/108 Bโ€™s Brief an Bethge 10. 8. 1936 (โ€žAsmussen schrieb, er wolle die Anleitung zur Meditation in vielen Exemplaren habenโ€œ). Andererseits รผbte Karl Barth Kritik, s. in seinem Brief an B vom 14. 10. 1936 I/124 S. 252 f (โ€žโ€ฆ ich kรถnnte โ€ฆ nicht sagen, daรŸ ich bei dieser Sache sehr glรผcklich war. Ich kann eben schon die grundsรคtzliche Unterscheidung zwischen theologischer Arbeit und erbaulicher Betrachtung โ€ฆ so nicht mitmachen. Und wiederum stรถrte mich in jenem Schriftstรผck ein schwer zu definierender Geruch eines klรถsterlichen Eros und Pathosโ€œ).

2 Gerhard Vibrans hat in seine Konfirmationsbibel (im Besitz von Frau Lisa Bethge, verwitwete Vibrans) eingetragen: โ€žMeditation ist ein Sichrรผsten und Bereiten auf das letzte โ€šAllein vor Gott stehenโ€˜. Der Glaube treibt in die Gemeinschaft, um sich gegenseitig im Glauben zu stรคrken โ€“ zum letzten Einsamwerden. Jeder ist allein zum Tode gefordert [Anspielung auf den Beginn von Luthers erster Predigt am Sonntag Invocavit 9. 3. 1522 (WA 10 III, 1)]. Bonhoeffer am 22. IV. 36โ€œ โ€“ wรคhrend der Freizeit fรผr die Teilnehmer des ersten Kurses in Finkenwalde.

3 EB: โ€žWeil ich mich darin รผben muรŸ vor Gott allein sein zu kรถnnen, denn ich allein stehe im Gericht vor ihm, muรŸ allein Rechenschaft geben kรถnnen und allein sagen kรถnnen: ich vertraue auf Christus.โ€œ

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4 EB unter dem Wort โ€žPfarrerโ€œ: โ€žAmtstrรคgerโ€œ.

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5 EB: โ€žbiblischer Zeitbegriff: die Zeit Leihgabe Gottes an uns. Ich kann damit nicht verfahren wie ich will.โ€œ

6 EB: โ€žWie sollen wir Frieden in Gottes Auftrag geben, ohne ihn selbst zu suchen?โ€œ

7 EB neben โ€ž2.)โ€œ links am Rand, gestr.: โ€žWeil Erkenntnis meiner Selbst und meiner Umgebungโ€œ โ€žWeil mir das den Tag einteilt.โ€œ Vgl. den EB-Zusatz am TextschluรŸ.

8 EB: โ€žHierhin noch: Meditation soll mich selbststรคndig in der Schrift machen. Ich soll ohne Autoritรคten damit umgehen kรถnnen und Mut dazu haben.โ€œ

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9 EB: โ€žDie freie Meditation gefรคhrlich, weil wir drohen, mit uns allein zu bleiben. Umgang mit Gott aufgrund der Schrift. Selbsterkenntnis nur mit dem Wort. Gebet [ist] bestimmter fรผr eine Zeit auf Grund des Wortes. Das Wort erweitert uns und begrenzt uns sehr heilsam!โ€œ Weitere Zufรผgung rechts neben der vorigen: โ€žBerneuchen da dann Rausch des Gleichtaktes, aber das Gegenรผber?โ€œ Der Name des Gutes Berneuchen (Neumark) bezeichnet auch die liturgische Bewegung der Evangelischen Michaelsbruderschaft.

10 Lk 2,19.

11 Vgl. in einer Einfรผgung Bethges weiter unten, s. S. 949, als Charakterisierung der Meditation: โ€ždieser persรถnliche Umgang, dies Ausruhen an einer Stelleโ€œ.

12 EB: โ€žmรถglichst jetzt die Stuttgarter Jubilรคumsbibel. Genรผgend Erklรคrungen.โ€œ โ€“ Links am Rand steht bei EB โ€žText und Gebet:โ€œ vor dem folgenden Absatz.

13 EB Einfรผgung hier: โ€žDie Fรผlle der Fรผrbittโ€“Gegenstรคnde bei mir persรถnlich in Andacht nicht anzubringenโ€œ.

14 EB: โ€ž!!โ€œ Vgl. III/5 (Der Morgen) S. 874 (โ€žWir wollen nicht vergessen fรผr uns selbst zu betenโ€œ); Zettelnotizen 56 f (โ€ž โ€šAchte deine Seele hochโ€˜ [Jesus Sirach 10,31]. โ€šSchaden an seiner Seele nehmenโ€˜ [Mt 16,26]โ€œ). In der Haft am 5. 5. 1944 DBW 8,415 schrieb B an Bethge: โ€žIst nicht die individualistische Frage nach dem persรถnlichen Seelenheil uns allen fast vรถllig entschwunden? Stehen wir nicht wirklich unter dem Eindruck, daรŸ es wichtigere Dinge gibt, als diese Frage (vielleicht nicht als diese Sache, aber doch als diese Fragel?)?โ€œ โ€“ Links am Rand steht bei EB โ€žVerlauf der Meditation:โ€œ vor dem folgenden Absatz.

15 EB Einfรผgung hier: โ€žGeduldig warten daรŸ sich das Wort erschlieรŸt. Ausruhen auf einem Begriff.โ€œ Rechts am Rand: โ€žkeine neuen Gedanken denken mรผssen! Und [nicht] bรถse werden รผber Fantasiearmut!โ€œ Mit Hinweispfeil auf โ€žVerlauf der Meditationโ€œ: โ€žAndacht und Predigtmeditation zu unterscheiden von dieser! Hausandacht ist zu kurz, zu ausgefรผllt, nicht einsam und speziell genug.โ€œ Am oberen Seitenrand mit Zuweisungspfeil nach unten: โ€žNun ist es gut, fรผr eine Zeit denselben Text zu behalten. Die Andacht ist etwas anderes als dieser persรถnliche Umgang, dies Ausruhen an einer Stelle. Jetzt Wochenspruchumgebung. Aber nicht allgemeine Regelungen. Initiative nicht ersticken! Wir dรผrfen auch die Wortbegegnungen nicht mit Organisation zustandezubringen meinen.โ€œ

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16 Meditationstexte wurden von den Mitgliedern des Bruderhauses jeweils fรผr ca. ein Vierteljahr ausgewรคhlt und den Ehemaligen in Rundbriefen mitgeteilt, niemals ohne die Bitte um Treue im gemeinsamen Meditieren.

17 EB: โ€žKeine Selbstvorwรผrfe wegen Erfahrungslosigkeit!โ€œ

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18 Rรถm 8,26.

19 Vgl. Joh 5,39. EB unterhalb des Textschlusses: โ€žUnd wir haben einen geordneten Tag und einen persรถnlich und selbstรคndig gestalteten Tag, dies Alleinsein befreit. Und wir haben das rechte Verhรคltnis zur Gemeinschaft der Gemeinde [und] zur Gemeinschaft der Welt nicht als christliches Wissen, sondern haben uns existentiell damit in der Stille befaรŸt. Das Gebet Fรผrbitte ordnet mich und meine Umgebung! Wir wissen, daรŸ der Glaube die Stellung zur Zeitung [wohl irrtรผmlich statt โ€žZeit undโ€œ] zu den Zeitgenossen ordnet und regelt, aber erfahren tun wirs nur in solchem absichtslosem Praktizieren! Luthers drei Stunden.โ€œ Siehe Bโ€™s Seminararbeit โ€žLuthers Stimmungen gegenรผber seinem Werkโ€œ Sommersemester 1925 DBW 9, 284 f: โ€žMan [Veit Dietrich im Brief an Melanchthon 30. 7. 1530] berichtet, er [Luther] habe tagsรผber wรคhrend der besten Arbeitszeit drei Stunden lang gebetet.โ€œ

1 NL A 51,13: hsl.; Abdruck: GS IV 463โ€“465 und PAM II 56โ€“58. Diese Traupredigt fรผr Annemarie und Bernhard Riemer wurde am 18.7. 1936 in Magdeburg gehalten. Bernhard Riemer war Eberhard Bethges langjรคhriger Freund, s. E. Bethge, In Zitz gab es keine Juden, 51โ€“63.

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2 Ersetzt: โ€žโ€ฆ Nรคchsten an. Ein neues Gebot bindet ihn an den andernโ€œ.

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3 โ€žihrem Lebenโ€œ: u. L. (Satz ist am Rand zugesetzt, dort ist der Bogen zum Abheften gelocht).

4 Gestr.: โ€žGottes zu unsโ€œ.

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5 Vgl. Rรถm 15,7.

1 NL B 16,3: stenographische Mitschrift in masch. Transkription von Gerhard Riemer. Dazu NL B 16,2: Mitschrift von Eberhard Bethge (= EB); NL B 16,1: stenographische Mitschrift (SchluรŸ fehlt) von Erich Klapproth (= EK). Die Bibelarbeit wurde gehalten auf der Finkenwalder Freizeit 19.โ€“23. 10. 1936 fรผr die Teilnehmer des zweiten Kurses. Auf den Freizeiten des ersten Kurses 12.โ€“17. 4. 1937 und des dritten Kurses 31. 5.โ€“4. 6. 1937 wiederholte B diese Bibelarbeit, s. NL B 16,4: Mitschrift von Otto Dudzus 1937 (= OD). Erste Verรถffentlichung nach den Mitschriften von 1936 Riemer und EB und 1937 OD: GS IV 344โ€“357 (dem entspricht die Innenpaginierung); leicht รผberarbeitete Fassung PAM II 231โ€“246.

2 1937 OD: โ€žZugang zu Pastoralbriefen uns versperrt durch groรŸe Paulusbriefe. Das hat sachliche Grรผnde.โ€œ

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3 In I und II Tim immer: โ€žrechtschaffener Sohn im Glaubenโ€œ.

4 Die orthodoxe Dogmatik unterscheidet zwischen fides quae creditur (โ€žGlaube, der geglaubt wirdโ€œ) und fides qua creditur (โ€žGlaube, durch denโ€œ oder โ€žmit dem geglaubt wirdโ€œ); im ersten Fall ist der Inhalt des Glaubens gemeint, im zweiten der Akt des Glaubens.

5 EB: โ€žNicht etwa schon anhebende Verflรผchtigung von Lehre zu Leben. Sondern dies Erinnern: รคuรŸerste Festigung der Lehre schon.โ€œ 1937 OD: โ€žSolch ein Hinweis kein Beginn einer Verflachung, Fortschreiten von Lehre zu Leben, wie gewรถhnlich ausgelegt.โ€œ

6 D. h. in den groรŸen Paulusbriefen.

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7 1937 OD: โ€žUnterschied, ob Paulus jemanden so nennt oder ob jemand sich auf die Vaterschaft des Paulus beruft.โ€œ

8 EB: โ€žAnderes, ob Paulus sich zu der Vaterschaft bekennen wird. Timotheus [also] das echte Kind [im Glauben] im Unterschied zu so vielen unechten.โ€œ EK: โ€žDie Vaterschaft von unrechten Kindern muรŸte Paulus spรคter verleugnen!โ€œ

9 1937 OD: โ€žSpricht รผber Amt als geistlicher Vater.โ€œ

10 EK: โ€žAutoritรคt und geistliche Liebe zugleich.โ€œ

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11 1937 OD: โ€žeindeutiger Zweck des Briefesโ€œ.

12 1937 OD: โ€žin dem er wandeln sollโ€œ.

13 EK: โ€žDer Rรผckzug von der Person auf das Amt bekommt erst an ganz anderer Stelle ein Recht.โ€œ

14 EB: โ€žSein Handeln an der Gemeinde beschrรคnkt sich nicht auf amtliche Funktionen. Als einer der wandelt im Hause Gottes: ordnend, sprechendโ€œ.

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15 EB: โ€žTimotheus weiรŸ nicht [von] vornherein, was tun und wie, sondern bedarf der Belehrung, obwohl im Glauben des Rรถmerbriefes stehend.โ€œ

16 โ€žNestleโ€œ Lutherโ€“dt.: โ€žein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheitโ€œ; EK: โ€žSรคule und Pfeiler der Wahrheit Gottesโ€œ. 1937 OD: โ€žEinzigartige Beschreibung. Dazu soll Gemeinde von Timotheus bereit gemacht werden, Pfeiler u. s. w. zu sein.โ€œ

17 EB: โ€žDazu die Gemeinde da, daรŸ sie der Sockel ist, auf dem das Licht der Wahrheit brennen kann. DaรŸ die Wahrheit Raum und Ehre bekomme.โ€œ EK: โ€žNicht in erster Linie Prediger der Wahrheit, sondern: Trรคger der Wahrheit, der nicht unter der Wahrheit des Evangeliums zusammenbricht. Auf diesem Sockel steht das Licht des Evangeliums.โ€œ

18 Dt.: โ€žGottesfurchtโ€œ, โ€žFrรถmmigkeitโ€œ. Von solchem โ€šGeheimnisโ€˜ handelte Bโ€™s Londoner Trinitatispredigt zu I Kor 2,7โ€“10 am 27. 5. 1934 DBW 13, 359โ€“363.

19 Stellenangabe bei EK: โ€žI 3,16โ€œ.

20 1937 OD: โ€žGottessohnschaft Christi soll sich als Wahrheit auf Gemeinde niederlassen und diese Wahrheit soll die Gemeinde bewahren. Wandel im Hause Gottes, in dem diese Wahrheit sichtbar ist, dazu wird Timotheus berufen, zu schlichtem Wandel angesichts dieser Wahrheit.โ€œ

21 EB: โ€žTimotheus nicht Missionar. Paulus war es und baute das Haus, darin Timotheus wandeln soll.โ€œ EK: โ€žPaulus baute das Haus Gottes und war dort MeรŸingenieur, Timotheus soll darin wandeln angesichts der Wahrheit des Sohnes Gottes.โ€œ

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22 EB: โ€žNichts ausgesagt รผber seine innere persรถnliche Geschichte.โ€œ

etc. et cetera (โ€žund die รผbrigenโ€œ), und so weiter

23 EB hat anstelle dieses Satzes: โ€žEs gibt schlechterdings kein Idealbild, der aufopfernden Hingabe โ€ฆโ€œ.

24 EB: โ€žBilder unseres Kirchenwesensโ€œ.

25 EB: โ€ž โ€šprimitivste Voraussetzungโ€˜ fรผr den Pfarrer!โ€œ

26 EB: โ€žOffenbar Paulus hat geringe Ansprรผche an den Diener am Wort gestellt.โ€œ

27 EB: โ€žNicht von seiner Seite gewichen.โ€œ

28 EK: โ€ž1 Th 3,2โ€œ.

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29 1937 OD: โ€žBeansprucht auch nicht evangelische Freiheit eigener Lebensgestaltung.โ€œ

30 1937 OD: โ€žnicht spontan, sondern mit den ฯ€ฯฮฟฮธฮญฯƒฮตฮนฯ‚ [โ€žVorsรคtzeโ€œ oder โ€žGesinnungโ€œ] des Paulusโ€œ, s. II 3,10.

31 EK: โ€žII 3,11โ€œ.

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32 Textangabe bei EB: โ€žII 3,11โ€œ.

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33 1937 OD: โ€žWer mit solchem Wissen an die Seite des Apostels trat, war bereit, nichts mehr selber zu sein.โ€œ

34 1937 OD: โ€žfรผr apostolischen Dienstโ€œ.

35 1937 OD: โ€žPaulus allein in Rom. Verlangt ihn nach Gemeinschaft des Mannes, der in seinem Leben nichts wollte als Gemeinschaft des apostolischen Lebens und Lehre.โ€œ

36 1937 OD: โ€žAuch dies eine Beschreibungโ€œ.

37 Vgl. I Kor 4,1 und I Petr 4,10.

38 EB: โ€ž2 Tim 1,3 doch schwer.โ€œ GS IV 348 (DBW 15, 305): โ€žAber der Apostel ist Tag und Nacht im Gebet bei ihm II 1,3.โ€œ

39 EB: โ€žRechtssatzungen, die ihn decken und auf die er sich zurรผckziehen kรถnnte.โ€œ

40 EB: โ€žNirgends kann er seine Person hinter Amt verstecken.โ€œ

41 1937 OD ergรคnzt: โ€žund zu รผberzeugen?โ€œ

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42 EK: โ€žFragen nach seiner Legitimationโ€œ.

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43 1937 OD: โ€žDie Gabe von 2. Tim 1,6 kein character indelebilis [โ€žunzerstรถrbarerโ€œ (โ€žunverlierbarerโ€œ) โ€žCharakterโ€œ]. Der Zuspruch ist hier alles und nicht der Zustand.โ€œ Einen character indelebilis behauptet die katholische Lehre von der einmal erteilten Priesterweihe.

44 1937 OD: โ€žnunโ€œ.

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45 EK: โ€žSo ist Timotheus gesichert gegen die, die sein Wort unwirksam machen wollen unter Berufung auf ihre grรถรŸeren Gaben, Gelehrsamkeit, Alter, Erfahrung. Er selbst wรคre vielleicht geneigt, den unteren Weg zu gehen und darin das Amt zu lรคstern.โ€œ 1937 OD: โ€žBraucht sich nicht zu fรผrchten vor denen, die frommer, asketischer, รคlter sind. Timotheus ist sicher gemacht und fest gemacht vom Apostel gegen Vorwรผrfe, die sich von einem menschlich wirklich hรถheren, asketischeren Standpunkt gegen ihn erheben werden.โ€œ

46 1937 OD: โ€žNeben Handauflegung [ist] die entscheidende Voraussetzung (1. Tim. 1,19) Glauben und gutes Gewissen. Ein anderer kann die Gemeinde nicht bauen.โ€œ

47 1937 OD: โ€žPaulus rechnet nicht allzu schnell mit der Mรถglichkeit, daรŸ auch ein Judas das Evangelium verkรผndigen kann.โ€œ

48 EK: โ€žkraftlos in seinem Ermahnenโ€œ.

49 EB: โ€žVerliert er den Glauben, macht er den Beruf zunichte.โ€œ

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50 EK: โ€žaber meine Person hรคngt am Wort.โ€œ 1937 OD: โ€žIch bin wohl gebunden. DaรŸ das Wort frei, [ist] kein Ruhekissen fรผr Faule, sondern Trost in Anfechtung.โ€œ

51 EK: โ€žโ€šGlauben und gutes Gewissenโ€˜: schรผtzt den Glauben vor MiรŸbrauch.โ€œ

52 EK: โ€žentlastet von der Sรผndeโ€œ.

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53 EK ergรคnzt: โ€žim unreinen GefรครŸ verdirbt der Glaube.โ€œ

54 EB: โ€žAuch bei der Beschreibung der anderen ร„mter in I 3[,15โ€“16] fordert Paulus mit keinem Wort besondere Erkenntnisse und Erlebnisseโ€œ.

55 EK: โ€žKeine Forderung besonderer Erkenntnis usw. Der Mann des Amtes ist lediglich gesund im Glauben und Gewissen, nach innen und auรŸen I 5,21.โ€œ

56 1937 OD ergรคnzt: โ€žkein Genie, Virtuos u. s. w.โ€œ.

57 EB: โ€žDas [ist] dieselbe Charakterisierung wie bei Timotheus.โ€œ

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58 Vgl. G. E. Lessing (Eine Duplik, 1777/78): โ€žVater, gib [โ€žden einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irrenโ€œ]! Die reine Wahrheit ist ja doch nur fรผr dich allein!โ€œ

59 EK statt โ€ždie Heiligenโ€œ: โ€ždie wirklich Gerechtfertigtenโ€œ.

60 EB: โ€žund Askeseโ€œ.

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61 1937 OD ergรคnzt: โ€žMรผssen wir nicht [ihr] Streben anerkennen?โ€œ Vgl. I Kor 13,3; zu I Kor 13,1โ€“3 predigte B in London am 14. 10. 1934 DBW 13, 378โ€“386.

62 Vgl. unter der รœberschrift โ€žVon der Verborgenheit des christlichen Lebensโ€œ die Auslegung von Mt 6,1โ€“18 DBW 4 (N), 150โ€“166.

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63 EB und 1937 OD: โ€žHeiligkeitโ€œ.

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64 I Tim 6,4 f.

65 EB: โ€žDiese Heiligkeit sind [ist] vor Gottes Evangelium dasselbe wie Wollust.โ€œ 1937 OD: โ€žLaster und falsche Heiligkeit hรคngen hier immer zusammen. Paulus begreift das unter einem und verwirft es.โ€œ

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66 EK: โ€žSoll Timotheus โ€ฆ mit ihnen [diesen Irrlehrern] diskutieren?โ€œ Auch 1937 OD: โ€ždiskutierenโ€œ.

67 Sc. alles.

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68 1937 OD ergรคnzt: โ€žDurch Diskutieren kann man jedes Wort der Schrift totschlagen. Fehler liegt nicht im Intellekt, sondern in der Bereitschaft zu gehorchen.โ€œ

69 1937 OD: โ€žAus Gehorchen kommt Erkenntnis, nicht aus rechter Erkenntnis Gehorsam. Durch Diskutieren kommen wir in Gefahr, unseren Ungehorsam zu verdecken.โ€œ

70 Vgl. Joh 16,13. EB: โ€žDarum keine Gemeinschaft, als die Gemeinschaft der Predigt der BuรŸe und [des] Evangeliums allein.โ€œ EK: โ€žGottes Wahrheit wird durch Gehorsam erkannt! Daher darf Timotheus keine andere Gemeinschaft mit ihnen haben, als die der Predigt der reinen Lehre.โ€œ

71 EK: โ€žNur die kranke Lehre kann das nicht begreifen, sie schleicht auch dann noch nach I 1,19 [f] II 2,17.โ€œ

72 1937 OD: โ€žGibt auch kranke Seelsorge.โ€œ

73 Zur Aufhebung unwahr gewordener Gemeinschaft vgl. in Bโ€™s Aufsatz โ€žZur Frage nach der Kirchengemeinschaftโ€œ II/19.1 bes. S. 676.

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74 EK: โ€žWesen der โ€šGesundheitโ€˜ der Lehre: daรŸ der Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen besteht in der Kraft eines guten Gewissens. โ€šKrankheitโ€˜: daรŸ der Glaube zur Befriedigung irgendwelcher Menschenbedรผrfnisse dienen soll. โ€šGesundโ€˜ heiรŸt nicht Anpassung an die Welt.โ€œ 1937 OD: โ€žGesundheit der Lehre besteht darin, daรŸ Lehre vom Kreuz besteht in Kraft eines guten Gewissens und [in] Gehorsam. Krankheit der Lehre ist, wenn Offenbarung zur Befriedung der menschlichen Spekulation usw. [dient].โ€œ

75 1937 OD: โ€žbefiehltโ€œ.

76 EB ergรคnzt: โ€žNiemals kann fรผr den, der apostolischen Auftrag trรคgt, Frage nach Gunst und Ungunst bestimmend sein.โ€œ

77 EK: โ€žDa apostolischer Auftrag, kann nie Gunst oder Ungunst der Zeit die Predigt bestimmenโ€œ.

78 EB und EK: โ€žfรผr Gottes Wortโ€œ.

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79 1937 OD ergรคnzt: โ€žder Geschichteโ€œ. Vgl. II/7 (Vergegenwรคrtigung neutestamentlicher Texte).

80 Dt.: โ€žZeit(punkt)โ€œ.

81 Aus II 4,2 ergรคnzt EB: โ€žแผ”ฮปฮตฮณฮพฮฟฮฝ. Keine Menschenfurcht. แผฯ€ฮนฯ„ฮฏฮผฮทฯƒฮฟฮฝ, ฯ€ฮฑฯฮฑฮบฮฌฮปฮตฯƒฮฟฮฝ [โ€žNestleโ€œ: โ€žstrafe, drohe, ermahneโ€œ]. Der รœberfรผhrte bestraft, der Bestrafte ermahnt (mit Trost des Evangeliums)โ€œ; EK: โ€žฮบฮฎฯฯ…ฮพฮฟฮฝ: Die Predigt der gesunden Lehre ist รถffentliche Predigt, im Gegensatz zur kranken Lehre. Daher nicht Beschrรคnkung auf Sonntagspredigt, sondern stรคndiges Wachen รผber die Gemeinde: แผ”ฮปฮตฮณฮพฮฟฮฝ, ฯ€ฮฑฯฮฑฯ„ฮฏฮผฮทฯƒฮฟฮฝ.โ€œ 1937 OD: โ€žPredigt ist รถffentliche Verkรผndigung, im Gegensatz zum privatisierenden Durchโ€“dieโ€“Hรคuserโ€“Schleichen.โ€œ

82 EK und 1937 OD: โ€žWahrheitโ€œ.

83 EB: โ€žSchwermut, daรŸ so viel abfallen. Superbia [โ€žStolzโ€œ] wenn er so viel fallen sieht.โ€œ EK: โ€ž โ€šnรผchternโ€˜: nicht der Schwermut verfallen, weil er nicht alle gewinnen kann, und nicht dem Hochmut verfรคllt, weil er soviele fallen sieht.โ€œ

84 1937 OD: โ€žWenn Timotheus mit Paulus einer Meinung bleibt in der Nรผchternheit der Lehre und des scheidenden Wortes, kann Paulus ihm auch zumuten ฮบฮฑฮบฮฟฯ€ฮฌฮธฮทฯƒฮฟฮฝ [โ€žleide Bรถsesโ€œ, II 4,5]. Das ganz selbstverstรคndlich und nรผchtern gesagt.โ€œ

85 EB: โ€žNichts Dramatisches aus dem Leiden machen.โ€œ EK: โ€žNichts Dramatisches sondern Summeโ€œ (hiermit endet EK).

86 1937 OD: โ€žDas apostolische Leben ist Kriegsdienst II 2,3.โ€œ

87 1937 OD: โ€žletzte Gemeinschaftโ€œ.

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88 1937 OD: โ€žder bewรคhrte Zeugeโ€œ.

89 1937 OD ergรคnzt: โ€žin der Gottseligkeitโ€œ.

90 EB fรคhrt fort: โ€ždamit nicht stolz.โ€œ

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91 EB: โ€žDen Alten nicht unehrerbietig, Jungen ein Bruder. Nur das [hat er ihnen] voraus, daรŸ er ihnen dienen darf.โ€œ

92 EB ergรคnzt: โ€žDamit dem Wort nicht Schaden oder Unehre tunโ€œ.

93 EB: โ€žHarter Seelsorger, der ihn so ganz bestรคtigt hat eben.โ€œ

94 EB: โ€žFรผr uns soll sich von selbst verstehen, was sich fรผr ihn nicht von selbst versteht: die einfachsten Dinge.โ€œ

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95 EB: โ€žJe echter die ฮตแฝฯƒฮญฮฒฮตฮนฮฑ [โ€žFrรถmmigkeitโ€œ], je nรคher der Fall.โ€œ

96 EB und 1937 OD: โ€ždem Timotheusโ€œ.

97 1937 OD ergรคnzt: โ€žBleibt dem Richttag, dem jรผngsten รผberlassen.โ€œ

98 EB ergรคnzt: โ€žan der Art, wie er [sein] Amt ausfรผhrt.โ€œ

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1 NL A 48,2: masch. Hektographie, Beilage zum 13. Finkenwalder Rundbrief 25. 10. 1936 (vgl. NL A 53,5: masch. Abschrift); Abdruck: GS IV 193โ€“196 und PAM II 128โ€“132. Nicht nachweisbar in Mit- bzw. Nachschriften der homiletischen รœbungen, also wohl fรผr einen anderen Zweck abgefaรŸt. Mit fast allen Rundbriefen wurden Predigthilfen, von Mitgliedern des Bruderhauses erstellt, an die Ehemaligen versandt. Die Beilage des 13. Rundbriefs hat die รœberschrift โ€žPredigt-Meditationenโ€œ und enthรคlt, auรŸer Bโ€™s Auslegung (โ€žI.โ€œ), als โ€žII.โ€œ eine โ€žPredigtmeditation รผber Luk 16,1โ€“12โ€œ von Horst Lekszas. Zu Apk 2,4 f.7 hielt B eine Reformationsfest-Predigt in Berlin am 6. 11. 1932 DBW 12, 423โ€“431.

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2 Vgl. I/127 (Bโ€™s Jahresbericht 1936).

3 Zu dem Eingreifen der staatlichen Kirchenausschรผsse in die Arbeit der BK und den damit verbundenen Erschรผtterungen vgl. (auรŸer Bโ€™s Jahresbericht 1936) DB 570 f.

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4 In der Haft formulierte B in โ€žGedanken zum Tauftagโ€œ Mai 1944 DBW 8, 435: โ€žUnsere Kirche, die in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekรคmpft hat, als wรคre sie ein Selbstzweck, ist unfรคhig, Trรคger des versรถhnenden und erlรถsenden Wortes fรผr die Menschen und fรผr die Welt zu sein.โ€œ

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5 Vgl. Apk 22,2.

1 NL A 51,2: masch. Hektographie, Beilage zum 18. Finkenwalder Rundbrief 17. 4. 1937; Abdruck: GS IV 406โ€“413 und PAM II 64โ€“71. Die Predigt wurde am 14. 3. 1937 (Sonntag Judica) in der Notkirche des Seminars gehalten.

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2 Vgl. die Leidensankรผndigungen Mk 8,31โ€“33; 9,30โ€“32; 10,32โ€“34.

3 Vgl. Mt 26,20โ€“25.

4 Mt 26,40.

5 Mt 26,56.

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6 Vgl. Lk 4,28โ€“30; Joh 18,4โ€“6.

7 Mt 26,22.

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8 Vgl. Joh 6,70.

9 Vgl. Mt 10,1โ€“8.

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10 Joh 12,6.

11 Vgl. Joh 13,26โ€“30.

12 Mt 26,24.

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13 Vgl. Auslegung von Gen 3,4 f in DBW 3 (SF), 103.

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14 Vgl. Rรถm 11,1 f. 11โ€“16.25โ€“32 und III/6 (zu Rรถm 9โ€“11).

15 Strophe 5 des Passionsliedes โ€žO Welt, sieh hier dein Lebenโ€œ EG.BP 46, EKG 64 (Paul Gerhardt 1647).

16 Mt 27,3โ€“5.

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17 Beginn einer Strophe aus mittelalterlichen Passions- und Osterspielen, oft als Spottlied gebraucht, um unliebsame Gegner lรคcherlich zu machen. In der Reformationszeit wurde durch Hermann Bonnus (1542) aus dem Spottlied ein BรผรŸlied: โ€žO wir armen Sรผnderโ€œ EG.BP 363, EKG 57. Vgl. Handbuch zum Evangelischen Kirchengesangbuch III/1, 275โ€“278.

18 Passionslied EG.BP 35, EKG 56,8 (Michael WeiรŸe 1531).

1 NL A 51,3: masch. Hektographie, Beilage zum 22. Finkenwalder Rundbrief 29. 7. 1937; Abdruck: GS IV 413โ€“422 und PAM II 72โ€“80. Die Predigt wurde am 11. 7. 1937 (8. Sonntag nach Trinitatis) in der Notkirche des Seminars gehalten. Sie lรถste unter den Kandidaten eine lebhafte Kontroverse aus. Kritisiert wurden vor allem die Davidโ€“Christusโ€“Beziehung, die David kaum noch erlaube, wirklicher Mensch mit so menschlichen Reaktionen wie Rachegefรผhlen zu sein, und die zu ausschlieรŸlich gepredigte Verifizierung von Gottes Rache durch das Kreuz Christi. Ein Ergebnis dieser Diskussion war eine Meditation, die ein anderer, wahrscheinlich das Bruderhausmitglied Horst Thurmann, verfaรŸte. Horst Lekszas erklรคrte im Rundbrief: โ€žWir geben diesem Brief eine Predigt und eine Meditation รผber denselben Text, einen Rachepsalm, mit. Um zu einer besseren Durchdenkung der exegetischen Schwierigkeit zu verhelfen: von verschiedenen Verfassern!โ€œ Der Text des Psalms steht in der Rundbriefbeilage nicht. Er wird im folgenden so wiedergegeben, wie B ihn gegenรผber dem Drucktext in LB hsl. verรคndert hat.

2 Drucktext LB: โ€žund richten, was gleich ist, ihr Menschenkinder? Ja, mutwillig tut ihr Unrechtโ€œ.

3 Drucktext LB: โ€žverschmachtetโ€œ.

4 So das durchgรคngige Verstรคndnis liberaler Psalmenauslegung, wonach Rachepsalmen von unterchristlichem Niveau seien.

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5 Zur hier gepredigten Davidโ€“Christusโ€“Typologie vgl. in der Bibelarbeit โ€žKรถnig Davidโ€œ III/7 bes. die Vorbemerkung.

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6 B greift hier und im folgenden zurรผck auf die รœbersetzung des Ps 58 von Hermann Gunkel, Die Psalmen, 249.

7 Vgl. Rรถm 7,24.

8 Vgl. II Sam 24,14.

9 Vgl. II Thess 2,3โ€“8.

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10 Vgl. in Bโ€™s Londoner Predigt zu Jer 20,7 am 21. 1. 1934 DBW 13, 347: das โ€žรผberredende, betรถrende, verfรผhrende Wort der Liebe des Herrn, den es nach seinem Geschรถpf verlangtโ€œ.

11 Vgl. Mk 4,12; zu โ€šVerstockungโ€˜ s. in der Seelsorgevorlesung II/12.1 S. 556โ€“558.

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12 Vgl. Dtn 32,35 und Rรถm 12,19.

13 Vgl. Gal 6,7.

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14 Vgl. II/3.2 (Predigtentwurf zu Rรถm 3,23โ€“26) und in der NTโ€“Vorlesung im dritten Kurs 1936 โ€žDas neue Leben bei Paulusโ€œ II/15.2.

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15 Lk 23,34.

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16 Vgl. hierzu das Lied โ€žChristi Blut und Gerechtigkeitโ€œ EG.BP 154, EKG 273.

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BONHOEFFER, D., Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935โ€“1937, XIV, Dietrich Bonhoeffer Werke, Gรผtersloher Verlagshaus, Gรผtersloh 2015Sonderausgabe, 820โ€“988.